Der letzte Teil unserer Marokko-Reise: wir fahren die Westküste hoch. Erst langsam, dann schnell.

Chilltage am Strand

Weil das Freistehen in Sidi Ifni nicht so dolle, das Meer sehr laut, der Kiesstrand zugemüllt, der Campingplatz nicht unser Ding ist, fahren wir einen Tag eher weiter und landen am bekannten Strand. Hier stehen wir dann auch ein paar Tage rum, erst ganz alleine.

Naja, fast alleine. Am anderen Ende des Strandparkplatzes steht ein Haus, und da wohnt ein Mann. Unsere „Strandgebühr“ bezahlen wir quasi mit Strom: am einen Abend bringt er uns sein Handy zum Aufladen, am nächsten Abend braucht er ein paar neue Batterien. Mehr Kommunikation ist mit ihm leider nicht möglich. Wenn einer kein sauberes Französisch spricht, dann verstehe ich einfach mal nichts, dazu sind meine Französischkenntnisse dann doch zu rudimentär.

Gar kein Französisch spricht der junge Mann, der die Nachhut bildet, auf seinem Esel der Herde hinterher reitet und aufpasst, dass keine Schafe oder Ziegen verloren gehen. Er würde sich gerne unterhalten, ich ja auch, aber sehr weit kommt man mit Pantomime und netten Gesten einfach nicht. Immerhin kann ich ihm auf dem Display der Kamera zeigen, was für fotogene Tiere er doch hat:

Ansonsten verbringen wir hier einfach mal ein paar entspannte Tage. Am Wochenende kommen einige Marokkaner daher, um am Strand zu picknicken. Max und Ziva finden das super, denn nun gibt es halbe Brote und noch halb volle Sardinendosen am Strand. Ist halt doch nicht alles angeschwemmter Müll, was da rumliegt.

Das Meer beruhigt sich langsam wieder. Auch hier am Strand nimmt es sich den Sand, er wird jeden Tag ein bisschen weniger. Inzwischen habe ich die Vermutung, dass dieses Phänomen auch in Sidi Ifni die Ursache dafür war, dass es auf dem Camping an der Uferpromenade so schrecklich laut war. Ein unruhiges Meer, dessen Wellen auf einen Kiesstrand treffen – das ist einfach sehr laut. Hier aber ist es viel besser.

Hier an unserem Strand hat es meist drei Strandhunde, manchmal aber streunern sie wohl woanders rum. Das merken wir, wenn wir zum Sonnenuntergang an den Strand gehen, wie viele uns dann folgen. Apropos Strand und Meer: es hat uns ein paar nasse Hosen gekostet, doch schon am dritten Tag oder so ist die Ziva mit ins Wasser – und zwar mit Spaß dabei! Der flache Strand ist perfekt, um dem Hundekind die Wasserscheuheit abzugewöhnen. Und die ist einfach doof. Man sieht es ja bei Max: Schiss vor jeder Welle, und bei 40 Grad im Sommer atmet er lieber schwer, als dass er freiwillig ins Wasser gehen würde um sich abzukühlen.

Nach ein paar Tagen am Strand fahren wir dann doch weiter. Und das dann auch recht spontan, denn am späten Nachmittag taucht ein Baggerschiebedingens auf. Also sowas wie eine Planierraupe, mit dem sie anfangen den Standparkplatz eben zu schieben, warum auch immer. Ich vermute, dass hier demnächst was gebaut wird. So machen wir uns lieber rasch vom Acker, bevor der auf die Idee kommt, die Zufahrt vollends zuzuschieben.

Wir fahren recht planlos nach Norden, die Küste hoch. Haben ein, zwei interessante Plätzchen ausgemacht. Auf den Klippen, mit Strandzugang. Doch irgendwie klappt es heute nicht so ganz. Denn erst stehen da einfach zu viele Wohnmobile rum, die bunte Fraktion, hauptsächlich Franzosen. Ein Stück weiter werden wir dann doch fündig, doch das ruhige Plätzchen hat dann doch einen Haken: es hat keinen Hauch von Internet. Also weiter.

Sidi R’bat

Letztendlich landen wir in Sidi R’bat. Vom Ort selbst haben wir gar nichts mitbekommen, denn wir bleiben nur für eine Nacht. Da es hier einen neuen Stellplatz gibt, es das Freistehen am Strandparkplatz in direkter Nähe nicht mehr wirklich möglich. Oder vielleicht ist es das, aber so nahe am Stellplatz machen wir das dann doch nicht …

Der Platz ist auch eigentlich ganz Okay. Man ist recht schnell am Strand unten, die Aussicht ist gut und man kann die Infrastruktur des benachbarten Hotels nutzen, auch Wasser gibt es. Das kostet dann 50DH, was ja echt fair ist.

Auf dem Platz gibt es einige Deutsche, hier sind die Franzosen ausnahmsweise mal nicht in der Überzahl. Auch gibt es die üblichen Streuner, darunter eine läufige Hündin. Max ist direkt mal wieder verliebt. Dabei ist die Dame gar nicht so sehr an ihm interessiert.

Auch treffen wir hier andere Reisende, die man so von Facebook kennt, und quatschen uns hier und da fest, so dass wir am nächsten Tag erst spät wegkommen. Wir müssen aber weiter, denn wir wollen nach Agadir.

Agadir – einmal durchfahren reicht

Okay, wir wollen eigentlich nicht direkt nach Agadir, sondern nördlich davon. Hier hat Andre einen Termin, jemand steht da auf einem Campingplatz mit Stromproblemen.

Heute bin ich wirklich sehr, sehr, sehr froh nicht selbst fahren zu müssen. Als Beifahrer ist die Geschichte einigermaßen spannend. Agadir scheint verkehrstechnisch etwas entspannter zu sein als Marrakesch. An den Kreisverkehren wird man dafür eher mal von Leuten angebettelt. Angeblich ist Agadir bei den jungen Marokkanern sehr angesagt. Bei Reisenden eher nicht, zumindest sagen uns alle, die schonmal in Agadir waren, dass es der Stadt an Flair mangelt. Mich interessieren ein paar Einkaufsmöglichkeiten, würde mal wieder gerne in einen großen Supermarkt rein und es gibt auch einen riesigen täglichen Souk. Andre hat Glück: wir nehmen einen Supermarkt in einem Vorort von Agadir, und der Souk hat ausgerechnet heute Ruhetag. Und dann finden wir auch noch einen McDonalds … Erkenntnis des Tages: die Burger sind nicht so dolle, dafür aber das Eis. Die Marokkaner bevorzugen ihr Softeis wohl so wie ihren Tee: möglichst süß. So bekomme sogar ich einen regelrechten Zuckerschock, von der Überdosis Karamellsauce.

Also weiter, noch durch den Rest Großstadtverkehr. Man sieht wirklich nicht viel von links und rechts, zu sehr muss man auf den Verkehr Acht geben – sogar als Beifahrer bin ich immer am Gucken. Aber alles geht gut, und wir sind schon wieder draußen. Was mich erstaunt hat ist die extrem hohe Anzahl an voll beladenen Lkws, die aus der Stadt rausgefahren sind. Als ob sie alle von Agadir aus ihre Waren in ganz Marokko ausfahren.

Wir steuern einen Campingplatz am Meer an, einige Kilometer nördlich von Agadir. Es ist einer dieser Plätze, die man von diesen schrecklichen Dokus à la „Deutsche Rentner überwintern mit dem Wohnmobil in Marokko“ kennt. Ich selbst war nicht auf dem Campingplatz, wir haben nur außerhalb davon geparkt. Andre war mittendrin, und weiß auch nicht so ganz genau, warum man sich sowas antut. Links vom Platz eine Großbaustelle, rechts vom Platz ein betriebsamer Strandparkplatz. Mit Ponyreiten und Dromedarreiten am Strand. Die gruselige Seite des Tourismus.

Während Andre auf dem Campingplatz irgendwelche Stromprobleme löst, will ich mit den Hunden spazieren gehen. Weil bekannt ist, dass in Agadir das Streunerproblem mit Giftködern gelöst wird, nehme ich beide Hunde an die Leine. Es geht nicht, es liegt zu viel Zeugs rum, beide Hunde hängen mit der Nase am Boden, und wir sind nach fünf Minuten zurück am Wohnmobil. Das erste Mal in Marokko, dass ich ein richtig schlechtes Gefühl habe. Also warte ich, bis Andre wieder da ist, und wir weiter können.

Küstenstraße nach Norden

Es ist schon sehr später Nachmittag, als wir weiterkommen. Einfach die Küste entlang nach Norden, bis sich was auftut. Die Straße führt an der Küste entlang. Der zweite Versuch ist auch schon ein Treffer: wir finden eine Zufahrt zu einem netten Strand. Hier hat es die üblichen Strandhunde, und auch den üblichen Müll. Seit wir an der Küste sind, ist dieser durchaus ein ständiger Begleiter, insbesondere in dichter besiedelten Gegenden.

Der Platz ist ganz nett, aber nichts wo man länger stehen bleiben möchte. Am Morgen spielen die Hunde noch mit einem Strandhund, der sich ständig kratzt. Höchste Zeit, mal wieder das Antiflohhalsband anzulegen.

Wir fahren weiter, haben ein paar Punkte auf der Karte markiert. Doch irgendwie haben wir beide keine Lust zum Erkunden. Aber, eines muss man sagen: die Küstenstraße ist echt schön, so langsam wird alles grün, und direkt am Atlantik entlang zu fahren, das hat was! Wir genießen die warmen Temperaturen, das Klima ist echt toll. Doch irgendwie ist gerade die Luft raus.

Auf dem Weg nach Essaouira legen wir noch einen Stopp am Meer ein. Es hat Wellen, und die treffen hier schräg auf die paar Meter hohe Klippen. Ein paar (hoffentlich) erfahrene Surfer versuchen die Wellen zu reiten, kommen dabei für meinen Geschmack etwas sehr nahe an die Felsen ran.

Interessant auch die Stein-Kabuffs, die in die Felsen gebaut wurden. In einer Höhe, sodass sie auch bei Flut nicht volllaufen.

Hier sehe ich auch den ersten Streuner mit grauen Haaren. Alle anderen wilden Hunde in Marokko waren ausnahmslos jung. Will man ja auch nicht wirklich wissen, wie das kommt oder? Ich stelle nur Vermutungen an: schlechte Ernährung, keine tierärztliche Versorgung. Dazu örtliche Tötungsmaßnahmen zur Eindämmung der Population. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, dass die von ganz Oben was planen, ein Kastrationsprojekt für Hunde. Das wäre schön. Ich habe noch nie so viele läufige Hündinnen und junge Hundemütter gesehen wie auf dieser Marokkoreise.

Also, wie geht es weiter, wo geht es hin? So richtig einig sind wir uns erst, als der Vorschlag aufkommt, man könnte sich doch einfach etwas zügiger auf den Weg nach Portugal machen. Und unterwegs einfach noch mitnehmen, was auf dem Weg liegt. Irgendwie kommt es dann, dass wir zwar ein paar Stopps einlegen, aber nirgends bleiben. Und letztendlich früher als geplant in Essaouira landen.

Natürlich nicht ohne vorher noch etwas Arganöl am Straßenrand zu kaufen. Bei einem der ganz kleinen Händler, die das Öl in irgendwelchen Plastikflaschen abfüllen. Wahrscheinlich hab ich mal wieder zu viel bezahlt, denn ich habe den Preis nur um die Hälfte herunter gehandelt. Aber was solls – ich bin nicht arm von geworden, und er ist nicht reich.

Ach ja: auf der Nationalstraße N1 gibt es heute mindestens zwei mobile Radarkontrollen. Eine hat uns erwischt. Wir haben das 60er-Schild einfach nicht gesehen. Naja, ob wir sonst langsamer als die 77km/h gewesen wären, auf gerader Strecke, man weiß es nicht. 150 Dirham kostet der Spaß, es ist zu verkraften. Und ja auch in Ordnung.

Essaouira

Genauer gesagt am großen Strand südlich der Stadt. Ein netter, kleiner Strandparkplatz, an dem bereits drei andere deutsche Busse stehen, offensichtlich Kitesurfer. Doch sie haben mit dem Wind wohl nicht so viel Glück. Denn auch wenn Essaouira als „Stadt des Windes“ bekannt ist, heute ist Flaute.

100 Meter rechts von uns ist ein Militärposten. Ich habe bereits die Vermutung, dass die uns hier nicht stehen lassen werden. Denn die Doku, die ich mir am Vortag reingezogen habe, besagt, dass sie das Image der Stadt aufpolieren, und die ganzen Hippies und so eher nicht mehr haben wollen. Aber mal schauen. Erstmal gehen wir mit den Kameras und den Hunden zum alten Palast eines Sultans, der langsam in den Sanddünen verschwindet. Hier legen wir eine Fotosession ein.

Ziva hat irgendwie noch weniger Bock ruhig stehen zu bleiben während wir Fotos machen als Max, und ist ständig flüchtig. Ich bekomme kurz mal die Krise – von vorne kommt ein Rudel Quads, von hinten eine Herde mit Dromedaren. Aber, Ziva und Max sind beide entspannt, lassen sich nicht von den Dromedaren zertrampeln.

Ich darf Dromedare streicheln, und hätte auch mitreiten können. Denn der junge Dromedar-Besitzer hat Feierabend, bringt seine Herde nach Hause. Als ich ihm sage, dass ich nicht mitreiten kann weil mein Mann da hinten auf mich wartet, ist das Gespräch schnell beendet und er reitet weiter. Wieder was gelernt: Dromedare richtig dolle am Hals graulen, da stehen sie voll drauf.

Also wir von unserem Spaziergang zurück kommen stehen ein Militärquad und ein Militärmann neben unserem Wohnmobil. Am Strand übernachten ist hier nicht. Wir diskutieren nicht, packen gleich zusammen und fahren in die Stadt. Unser Ziel ist ein Parkplatz direkt an der Stadtmauer, laut Google Maps sollte man hier für 30DH übernachten können. Pustekuchen. Übernachten geht nicht, sagen die Parkwächter. So parken wir einfach nur, um in die Medina rein zu gehen. Innerhalb der Stadtmauern ist wirklich was los. Wir finden was zu essen, kaufen uns ein Backgammon-Spiel aus Holz, stromern über den Abend-Souk. Wir nehmen heute Abend nur einen Teil der Medina mit, zu voll ist es, und der Tag war zu lang um stundenlang durch die Gassen zu bummeln – wir sind einfach nicht mehr so fit, und so machen wir gegen 22 Uhr Feierabend. Hier muss man echt nochmal tagsüber her.

Erst einmal suchen wir uns ein Plätzchen zum Pennen. Und verkrümeln uns ganz nach hinten an den Stadtrand, eine unbebaute Seitenstraße. Gegen Mitternacht kommt dann die Polizei. Andre redet mit ihnen, ich packe schonmal zusammen. Sie erklären Andre, dass es einen Platz für Wohnmobile gibt. Oha, hätten wir davon gewusst, wir hätten direkt dort eingeparkt. Andre macht ihnen klar, dass wir nicht auf den Stadtcampingplatz möchten. Ne, ist ein Parkplatz für Womos. Sie lassen das Blaulicht (also eher Rot-Grün-Licht) an und fahren vor. Ein Tipp, falls du jemals nachts einem marokkanischen Polizeiauto hinterherfahren möchtest: Sonnenbrille! Dieses Rot-Grün-Blinklicht ist super aggressiv! Aber das nur am Rande. Fünf Minuten später, rate mal wo wir landen: Genau, sie haben uns den Weg zum Stadtcamping gezeigt. Ein Campingplatz, zu weit von der Medina entfernt, proppevoll, und vor allem von einer drei Meter hohen Mauer umgeben. Wir sollen also Geld dafür zahlen, die Nacht im überfüllten Gefängnishof zu verbringen. Nope. Wir warten kurz, bis das Polizeiauto wieder weg ist, winken dem Platznachtwächter ab und machen uns wieder vom Acker.

Ein paar Kilometer außerhalb von Essaouira nehmen wir die erstbeste Piste, erwischen natürlich eine, die zwar Waschbrett zu bieten hat, aber keine netten Nischen oder sowas zum rechts Ranfahren. Am Ende der Piste finden wir dann doch noch ein Wäldchen, in das wir uns stellen. Wir parken ein, und ein Blick auf Google Maps zeigt mir: wir stehen zwischen Villen und Farmen. Die Hunde der Nachbarn bellen uns dann auch in den Schlaf …

Die Nacht endet jäh, mit Hahnengebrüll am frühen Morgen. Irgendwie wollen wir schon nochmal nach Essaouira rein, Sightseeing, Fotos machen, bummeln und so. Aber eigentlich haben wir schon keine Lust mehr. Eigentlich wollen wir jetzt echt nach Hause. In die Wohlfühlzone, nach Portugal. Wir reisen momentan mit einem Zeitplan im Nacken, ein Novum für uns, das hatten wir die letzten Jahre nicht. Nicht nur, dass Anfang März das Visum ausläuft. Wir müssen auch noch Ende März (oder so) aus Portugal raus, in Richtung Deutschland. Wegen EIWOLA und so.

Deshalb steht die Frage in Raum: Tingeln wir jetzt noch zwei Wochen durch Marokko, ehe wir raus müssen? Oder lassen wir es krachen, damit wir mehr Zeit haben, um in Portugal zu chillen? Spontan entscheiden wir uns für letzte Variante. Und um halb acht geht es los. Wir geben Mohammedia ins Navi ein, genauer gesagt den Campingplatz nördlich von Casablanca, den wir bereits kennen. Ein Zwischenstopp auf ungefähr halber Strecke, auf dem Weg zur Fähre, die in Tanger-Med abfährt. Erkenntnis des Morgens: die Marokkaner sind echt keine Frühaufsteher. 8 Uhr morgens, und kein Mensch ist auf der Straße, kein Laden und keine Werkstatt hat offen, man sieht keine Kinder auf dem Weg zur Schule. Erst gegen 9 Uhr erwacht das Land. Und wir fahren durch das erste Dorf mit einem Souk, da ist jetzt schon was los. Wer hier keinen Stand aufzubauen hat, der lässt es wohl eher etwas langsamer angehen.

Zwischendurch entscheiden wir, dass wir diesen Zwischenstopp auch ausfallen lassen und direkt zur Fähre fahren können. Um 21 Uhr geht eine, das reicht locker. Sogar noch, um unterwegs einen Shopping-Zwischenstopp in Casablanca einzulegen. Nur 8 Minuten von der Autobahn entfernt liegt ein großer Carrefour, so sagt Google. Erreichbar mit nur 2x abbiegen, sagt Google. Mit einem Burgerking nebenan. Okay, gebongt.

Der Abstecher kostet uns letztendlich ungefähr eine Stunde. Die Verkehrssituation ist leicht chaotisch, die Parksituation das reinste Chaos. Also nicht auf dem Carrefour-Parkplatz selbst, sondern drumherum. Ein ganz normales Wohngebiet, mit Hotels und Geschäften, hier parkt man primär am Straßenrand. Und alles ist zugeparkt. Hier hätte ich schon mit dem Ducato die absolute Vollkrise bekommen, auch als Beifahrer. Obendrein war der Besuch im Carrefour noch ein Reinfall. Hier ist man bemüht, möglichst wenig Marokkanisches anzubieten, sondern möglichst viel Europäisches. So werde ich nicht fündig, was ich eigentlich kaufen wollte, hatten sie nicht. Ich werde wohl noch Doreen fragen müssen, ob sie uns ein paar Dosen von diesem teuflisch guten Tchicolata mitbringt.

Auch sonst haben wir schon die letzten Tage etwas Mitbringsel-Shopping betrieben. Und nein, wir haben uns keinen Teppich gekauft. Das heben wir uns auf den nächsten Winter auf, wenn wir mit EIWOLA nochmal nach Marokko fahren. Dafür gab es einige Tajines, Flaschen Olivenöl, etwas Arganöl, eine Teekanne … was man der Familie halt so mitbringt. Im Großen und Ganzen hält es sich aber in Grenzen.

Ab nach Hause!

Die letzten Kilometer bis Tanger-Med sind etwas stürmisch, der Wind kommt fies von der Seite. Einem Lkw hat es den Container vom Auflieger geweht, und auch Andre hat Probleme, den Vario in der Spur zu halten. Langsam machen und insbesondere auf Brücken ist höchste Vorsicht angesagt. Gegen 18 Uhr kommen wir in Tanger-Med an. Wir lassen uns von zwei Typen anquatschen, doch sie kommen bei uns nicht zum Zuge. Sie wollen uns irgendwelche total unnötigen Dienstleistungen verkaufen. Für uns einchecken, und für diese Dienstleistung natürlich Kohle kassieren. Der Eine ist auch echt gut: er kommt aus so einem kleinen Häuschen raus, hat einen eingeschweißten Pseudo-Ausweis um den Hals hängen, sagt uns, dass er für den Hafen arbeitet, sich auch eine gelbe Weste angezogen, und charmant quatschen kann er auch noch. Würde er jetzt noch Englisch können, dann hätte er sich das ganze Gequatsche sparen können. Denn dann hätten wir viel schneller geschnallt, dass er uns was verkaufen will.

Das Hafengelände von Tanger-Med ist wirklich riesig. Es ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd: nach dem Einchecken kommt der Zoll – und das gleich in dreifacher Ausführung. Am ersten Häuschen bekommst du den Ausreisestempel in deinen Pass, beim zweiten Häuschen geht es um den Ausreisezettel für das Auto, und ich glaube da war auch noch ein drittes Häuschen. Nächster Stopp ist der Ganzkörperscan für’s Auto. Dann geht es weiter bis runter zur Anlegestelle vom Schiff. Abfahrt ist 21 Uhr, wir sind um 20 Uhr da.

Um die Wartezeit zu überbrücken, schauen wir noch eine Folge auf Netflix. Die erste Staffel haben wir schon auf der Autobahn fast durch – eine gerade Autobahn ohne Verkehr ist einerseits echt entspannt zu fahren. Auf der anderen Seite aber auch echt monoton. Da ein Filmchen zu schauen hält wach und unterhält, und da wir noch einige Gigabyte übrig haben … Es ist 21 Uhr, und von Abfahrt ist noch weit und breit nichts zu sehen. 21:30 Uhr, immerhin kommt jetzt mal das Schiff an. Irgendwann dürfen wir dann mal auf die Fähre fahren, und um 23 Uhr fährt diese tatsächlich auch mal los. Wir hoffen einfach mal nicht, dass diese Verspätung wetterbedingt ist …

00:30 Uhr, wir kommen in Algeciras an. Aus dem Hafen raus kommen wir recht schnell, denn sie kontrollieren uns kaum. Einmal die Pässe in den Computer eingeben, das war’s. Andere werden genauer kontrolliert. Doch bei uns schauen sie weder mit dem Spiegel unters Auto, noch interessiert sich der Drogenhund für uns. Sie fragen noch nicht einmal, ob wir Drogen oder Hunde oder sonstwas dabei haben. Mir scheint, dass andere Autos / Transporter eher in das Beuteschema der Zöllner passen. Und so sind wir recht schnell draußen. Da wir nochmal ins Büro von Carlos müssen um dort ein für uns hinterlegtes Päckchen abzuholen, fahren wir einfach in das dortige Gewerbegebiet um die Nacht auf einem Einkaufszentrums-Parkplatz zu verbringen. Samstagmorgen um 01:30 Uhr endet somit unser erster Ausflug nach Marokko. PS: Alle Uhrzeiten ohne Gewähr – bei sowas schaut man ja besser nicht ständig auf die Uhr …

Ach ja: von Essaouira bis zur Fähre waren es 750 Kilometer. Plus die Fährfahrt und die (maximal) 20 Kilometer in Spanien – das war der große Fahrtag. Von Essaouira bis nach Portugal sind es insgesamt über 1100 Kilometer, die wir in zwei Tagen gefahren sind. Muss ich nicht haben, auch wenn Andre die meiste Zeit gefahren ist. Aber, es hat sich gelohnt 😉

PS: Das Gesamtresumée über unsere 10 Wochen in Marokko ist schon in Arbeit. Dauert aber noch ein paar Tage. Denn nach zwei Tagen durchfahren haben wir jetzt erstmal einen Ruhetag. Mit „wir“ meine ich alle, bis auf Ziva. Weil die hat ja jetzt zwei Tage lang durchgepennt. Und wäre jetzt wach.

10 Wochen Marokko – alle Reiseberichte vom Winter 2018/2019:


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