Die Reise nach Marokko vorbereiten, einreisen und erst einmal ein gutes Stück nach Süden fahren – in meinem ersten Marokko-Bericht haben wir noch nicht wirklich viel vom Land gesehen, uns aber durchaus einen ersten Eindruck verschaffen können.


Vorgeplänkel: Warum Marokko?

Hat uns wer noch vor einem Jahr gefragt, warum Portugal und nicht Marokko, hat die Antwort bekommen, dass Marokko nicht unser Ding ist, Portugal hingegen gefällt uns super. Und das haben wir nicht nur so dahin gesagt, sondern auch so gemeint. Offenkundig haben wir unsere Meinung geändert, denn wir sind mit dem Wohnmobil nach Marokko gefahren. Wie kommt’s?

Erstens finden Leute Marokko geil, die grundsätzlich den gleichen Geschmack haben wie wir, wenn es ums Reisen geht.

Zweitens haben wir so viele total unterschiedliche Meinungen über Marokko gehört, dass wir uns unbedingt selbst ein Bild machen möchten.

Drittens, und das ist tatsächlich der Hauptgrund: Wir haben letzten Winter an der Algarve gefroren. Nach einem Sommer in Portugal hat sich unser internes Temperaturgefüge wohl so sehr verschoben, dass der portugiesische Winter einfach zu kühl für uns geworden ist. Also ab in den Süden, ab nach Marokko.


Marokko-Vorbereitungen

Unsere einzige Reisevorbereitung: wir haben uns einen Marokko-Reiseführer gekauft (aber nicht gelesen), und Marokko-erfahrene Freunde gefragt. Okay, so ganz ohne Vorbereitungen geht es dann noch nicht, denn da Marokko erstens auf der anderen Seite des Meeres liegt und außerdem noch außerhalb der EU, bedarf es ein, zwei Reisevorbereitungen mehr.

Wisst ihr noch, wie Andre im Sommer für zehn Tage in Deutschland war? Ja, da hatten wir schon die Idee, den Winter in Marokko verbringen zu wollen. Und jetzt ratet mal, wer keinen Reisepass hatte? Genau. Zehn Tage in der alten Heimat haben gerade so gereicht, und die Mission Reisepass war erfolgreich.

Dann noch die Sache mit den Köters. Zugegeben, Max hatte keine gültige Tollwutimpfung mehr, die war irgendwie abgelaufen. Also Hund geimpft, und zwei Monate später einen Titertest machen lassen. Alles super, alles gut, passt. Denkste. Kurz danach ist mir eingefallen, dass zwei Hunde im Wohnmobil doch besser sind als nur einer. Ziva wurde glücklicherweise bereits durchgeimpft geliefert, und so müssen wir auch noch für sie einen Tollwut-Titer bestimmen lassen. Das geht aus zeitlichen Gründen nur noch an der Algarve, und kostet gleich 20 Euro mehr als im Centro. Den Tollwut-Titer braucht es übrigens nur für die Wiedereinreise in die EU. Eine Tollwut-Impfung ist aber auch so wohl durchaus sinnvoll, denn Tollwut soll es unter marokkanischen Hunden durchaus noch geben.

Ansonsten starten wir relativ unvorbereitet in das Abenteuer Marokko. In meinem bereits vor Monaten gekauften Marokko-Reiseführer blättere ich erstmals auf der marokkanischen Autobahn. Den Reiseführer kaufen übrigens alle, er kann also nicht so schlecht sein. Okay, bereits in Portugal habe ich mich von erfahrenen Marokko-Reisenden, allen voran vom „Blauen Kasten“, einige Tipps geholt. Siehe Link in der grauen Box, die gleich kommt.

An der Algarve nehmen wir dann Abschied – nicht nur von Portugal, sondern auch von Ducatolein. Da es totaler Blödsinn wäre mit zwei Wohnmobilen durch Marokko zu fahren, darf mein Kleiner für die nächsten drei bis vier Monate bei Bekannten auf dem Grundstück rumstehen. Ich werde Ducatolein vermissen …

Die finale Marokko-Vorbereitung aus einer Shopping-Tour. Nicht, weil es in Marokko nichts zu kaufen gäbe. Sondern vielmehr, weil ich dort gerne so einkaufen möchte wie früher: Alles Sperrige wird auf Lager gelegt, Dinge wie Klopapier, Küchenpapier, Milch. Aber auch, was gerade im Süden von Marokko nicht gut zu bekommen ist – also gutes Hundefutter. So kann ich schön gemütlich in den Souks frisch einkaufen, ohne mir einen abschleppen zu müssen. Den Platz dafür haben wir ja, denn nachdem wir alles nicht Benötigte in den Ducato umgebeugt haben, sind die Schränke im Vario nur noch halb voll.

Marokko-Vorbereitungslektüre


Die Anreise: mit der Fähre von Algeciras nach Tanger-Med

Das Ticket für ein Wohnmobil und zwei Personen kostet 190€. Zumindest ist das der Preis, den wir beim bekannten Fährticket-Dealer Carlos bezahlen. Dazu gibt es traditionellerweise noch eine Flasche Cidre und eine Packung Kekse (früher waren das wohl Sekt und Kuchen, aber das passt schon 😉 ) Bei Carlos kann man außerdem Euros in Dirham tauschen, zu einem anständigen Wechselkurs. Du kannst dein Fährticket übrigens auch direkt am Hafen holen, preislich macht das wohl keinen Unterschied. Übernachten kannst du auf einem Parkplatz nebenan. Geräuschempfindliche sollten sich ein ruhigeres Plätzchen suchen. Einfach in die Stadt rein, es ist vermutlich überall ruhiger als hier im Gewerbegebiet, zwischen Autobahn und Industriegebiet.

Wir und die Campofanten, die uns den Reiseführer für Marokko machen, holen unsere Tickets am Vortag, und nehmen gleich die erste Fähre um sechs Uhr morgens. Die Überfahrt mit dem Anbieter FRS (die mit dem Delfin im Logo) dauert rund 1,5h und ist ruhig. An Board holen wir uns den Pass stempeln, haben somit ein 3-Monats-Visum für Marokko. Das Wohnmobil hat übrigens automatisch ein 6-Monats-Visum. Das passt, da man nochmal für drei Monate verlängern kann, also auf max. sechs Monate.

In Tanger-Med angekommen muss dann noch das Fahrzeug durch den Zoll. Das geht bei uns ganz fix, sicherlich auch weil wir die Ersten sind, die von Board fahren und bei den Zollhäuschen ankommen. Sie fragen, ob wir Waffen oder Drohnen dabei haben, was natürlich nicht der Fall ist, sie kassieren die Papiere ein, lassen uns ein bisschen warten, kommen irgendwann wieder, und wir können weiter fahren. Alles sehr easy, vermutlich auch deshalb, weil die Fähre um sechs Uhr morgens nicht wirklich voll ist.

Ab zum nächsten Häuschen, da gibt es eine Kfz-Versicherung. Da auf unserer grünen Versicherungskarte Marokko durchgestrichen ist, unsere Wohnmobilversicherung für Marokko also nicht gilt, müssen wir eine extra Kfz Haftpflicht abschließen. Ob die im Schadensfall was zahlt weiß man nicht, wie ich höre, darf das bezweifelt werden. Auf jeden Fall ist sie Pflicht, und so sind wir für drei Monate weitere 190€ los.

Bereits jetzt muss man sagen: egal, wie günstig das Leben in Marokko ist, das Überwintern ist erstmal teurer. Fährticket 190€, Versicherung 190€. In unserem Fall dann noch ein extra beantragter Reisepass und zwei Hundetiter, macht zusammen nochmal über 300€. Gut, wir fahren ja jetzt nicht zum Geldsparen nach Marokko, wir wollen was erleben. Ich will es nur gesagt haben …


Salam! Trip nach Tanger City

Andre muss telefonieren können, und wir beide brauchen Internet – und so hat das Besorgen einer Sim-Karte die absolute Priorität. Also ab in die Stadt, rein nach Tanger und in den Maroc Telecom Laden. Wir besorgen uns gleich drei Sim-Karten (je 20 Dirham) und in einem Laden nebenan drei Guthabenkarten mit 10 GB (je 100 Dirham). Nur um festzustellen, dass nichts geht. Wir sind schon ein Stück weiter und finden im nächsten Einkaufszentrum noch so einen Maroc Telecom Laden. Hier ist es echt von Vorteil, dass ich etwas Französisch kann. So stellen wir fest, dass die Karten doch nicht aktiviert sind, und man außerdem die APN im Smartphone von Hand anlegen muss (sie lautet übrigens wap.iamgprs.ma).

Einkaufszentren mit großen Supermärkten, wie hier dem Marjane, gibt es übrigens vor allem im Norden von Marokko, und eben in den großen Städten. Perfekt, um ein bisschen zu stöbern. Bereits hier wird ersichtlich: die Auswahl an Frischem ist super, und die Preise sind niedrig.


Das Ziel: ins Warme, bitte!

Die ersten Tage bekommen wir nicht wirklich viel von Marokko mit. Wir wollen erst ein gutes Stück in den Süden. Und da es im Norden gerade tatsächlich schlechtes Wetter hat, es kälter als in Spanien ist, und ich auch noch eine Erkältung aus Spanien mit eingeschleppt habe, machen wir erst einmal Strecke. Es führt eine Autobahn die Küste entlang nach Süden, und die nutzen wir um in drei Tagen bis nach Marrakesch zu fahren. Wir übernachten auf zwei Campingplätzen, die nett angelegt, teilweise recht grün und überraschend leer sind.

Camping Moulay Bousselham

Der Ort ist wohl nur ein Touriort, aber das stört uns kaum – denn wir haben einen sehr langen Tag hinter uns. Der Campingplatz ist sehr grün und weitläufig, man kann mit den Hunden hinten raus laufen. Die Nacht ist unruhig und kurz, denn irgendwo in der Nähe unterhalten sich zwei Hunde. Wie wir am nächsten Morgen also aufstehen, sind wir total übernächtigt.

Preise für Campingplätze werde ich hier übrigens nicht aufschreiben, sowie sie zwischen 50 und 90 Dirham (also 5-9€) liegen.

Camping L’Ocean Bleu – Mohammedia

L’Ocean Bleu, das ist doch ein guter Name für einen Campingplatz. Tatsächlich ist die Lage entscheidend: Zwischen neuen Wohnkomplexen liegend, etwas außerhalb, versprechen wir uns Ruhe. Das klappt auch, wir schlafen durch – das war nötig. Am Abend gehen wir in das Restaurant vorne am Strand. Die Lage ist top, das Essen im Restaurant ganz Okay.

Vorne am Empfang gibt es morgens Backwaren, die mich aber nicht ansprechen. Dafür gibt es ein Stück die Straße weiter eine Bäckerei, die mir richtig gutes Fladenbrot verkauft, und die auch einige andere Leckereien hat. Das Brot ist sehr lecker, mit Humus, Oliven, Guacamole zum Dippen ein top Frühstück.

Zwischenzeitlich habe ich meinen Erkältungsvirus, der mich nur touchiert hat, an Andre weiter gegeben.

Camping Le Relais – vor den Toren von Marrakesch

Er soll einer der schönsten Campingplätze in Marokko sein, und ist tatsächlich schon ziemlich schön. Nördlich von Marrakesch checken wir auf den nächsten Campingplatz ein. Hier laufen Pfauen über den Platz, es gibt einen (sehr frischen) Pool, und ein gutes Restaurant. Auf dem Weg dorthin treffen wir per Zufall auf ein deutsch-österreichisches Pärchen, Pia und Andi sind unter dme Namen fourtyninemiles auf Facebook und Instagram zu finden. Hier machen wir jetzt erst einmal einen Tag Pause, ehe es in die Stadt geht. Denn nachdem ich wieder ziemlich fit bin, geht es Andre nicht ganz so dolle.


Erste Eindrücke: Interessant …

Es hat einen Grund, warum wir nur wenigen Menschen von unseren Marokko-Reiseplänen erzählt haben. Viele Überwinterer und Langzeitreisende waren schonmal da, und haben eine von zwei möglichen Meinungen von Marokko: entweder sind sie total fasziniert vom Land, oder das Gegenteil ist der Fall. Die einen kommen seit Jahren immer wieder hier runter, andere reisen nach nur wenigen Wochen wieder aus, weil sie mit den äußeren Umständen und mit der Mentalität nicht zurecht kommen.

Für uns ist es im Vorfeld recht schwierig, uns anhand der vielen, total unterschiedlichen Eindrücke und Geschichten irgendein Bild zu bekommen. Sind die Marokkaner jetzt super aufdringlich oder super gastfreundlich? Ist die Infrastruktur wirklich so Dritteweltland mäßig, wie manche behaupten, oder ist das maßlos übertrieben?

Was wir bis jetzt gesehen haben ist sicherlich noch nicht aussagekräftig – denn die Städte und die Westküste im Norden sind sicherlich etwas fortschrittlicher als andere Teile des Landes. Und da wir die letzten Tage einfach nur Strecke gemacht haben, sind wir meist nur Autobahn gefahren.

Als Kulturschock würde ich die ersten Eindrücke nicht bezeichnen. Ja, es ist sehr muslimisch geprägt, der Muezzin gibt fünfmal am Tag sein bestes, und es fällt auf, dass vielerorts deutlich mehr Männer als Frauen zu sehen sind. Dass der Umgang mit Müll stellenweise eher suboptimal ist, lässt sich kaum bestreiten. Wobei es sehr unterschiedlich zu sein scheint: mal ist es super sauber, dann wieder ist alles voll mit Glasscherben und Plastik. Streuner habe ich jetzt schon mehr gesehen als in zwei Jahren Portugal, und einigen sieht man an, dass sie nicht das beste Leben führen.

Die Sprache: Arabisch, Französisch und …

In Marokko wird ein arabischer Dialekt gesprochen. Ich versuche gerade per Youtube, mir die wichtigsten Redewendungen einzuprägen. Was ich gleich wieder aufgegeben habe ist die Idee, mich mit den arabischen Buchstaben auseinandersetzen zu wollen. Denn das arabische Alphabet hat 28 Buchstaben – aber nur theoretisch. Praktisch gibt es von jedem Buchstaben vier verschiedene Schreibweisen – abhängig davon, ob der Buchstabe am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes steht, oder ob es alleine steht. Keine Chance.

Das Gute ist, dass man zumindest in den Städten und touristisch erschlossenen Orten mit Französisch super durchkommt. Jetzt ist mein Französisch nicht wirklich gut. Mein Wortschatz ist recht lausig, und über die Grammatik sollten wir uns mal gar nicht unterhalten. Aber, ich kann mich verständigen – und das durchaus besser als auf Portugiesisch. Und da ich die Einzige in der Runde bin, die das Drauflosplappern auf Französisch wagt, wird sich mein Französisch die nächsten Wochen vermutlich verbessern. Und wenn es dann wieder so richtig läuft, dann sind wir im Süden und in der Pampa, wo man dann nur noch mit Arabisch durchkommt.

Es gibt nebst Arabisch und Französisch übrigens auch noch die Berbersprache als dritte wichtige Sprache. Hier tut sich bei mir eine große Wissenslücke auf, ist mir diese Sprache doch noch nie untergekommen, habe ich die Schriftzeichen noch nie in meinem Leben gesehen – das wäre mir doch aufgefallen, bei den lustigen Buchstaben!


Fortsetzung folgt 🙂

Falls du es verpasst hast, meine bisherigen Reiseberichte aus Marokko:

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Tanja Hier schreibt Tanja

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