tanja2018

Ich bin Tanja, geboren 1980, selbständig seit 2009, wohnte bis Juli 2015 im Schwarzwald, zusammen mit meinem Hund Tizon. Soweit zu den Fakten. Fakt ist auch, dass ich mich einige Jahre zuvor ganz bewusst für die Selbständigkeit entschied. Und gleichzeitig in ein Schwarzwalddorf gezogen bin. Nahe bei der Family, schön ruhig – um mich voll auf mein Geschäft konzentrieren zu können.

Mein bisheriges Leben als Angestellte (im Bereich Marketing und Vertrieb) hat mir zwar ein gutes Einkommen beschert, doch schon immer war mir klar, dass meine berufliche Tätigkeit mehr können muss als Geld einzubringen. Unternehmen mit sinnfreien Strukturen und Prozessen, viele nette, aber auch einige wenige, dafür umso mehr präsente kompetenzfreie und profilierungsbedürftige Vorgesetzte und Kollegen, all das hat mich wahnsinnig gemacht – es war einfach nicht meine Welt. Nach 10 Jahren und drei Jobs ist die Entscheidung gefallen: ich mache mich selbständig. Und krempele mein Leben um.

Es ist Juli 2016 während ich diese Zeilen schreibe. Wir stehen auf einem Strandparkplatz an der polnischen Ostsee, kurz vor der russischen Grenze, und haben in den letzten 5 Wochen in Polen das perfekte Land für die Übersommerung kennen gelernt. Und freuen uns bereits auf die Überwinterung in Portugal. Ja, ich bin dem Nomadenleben verfallen. Habe das Leben und Arbeiten im Wohnmobil für mich als einen Lebensstil entdeckt, den ich wohl beibehalten werde.

Die Grundlage dafür habe ich Anfang 2009 gesetzt – wenn auch unbewusst. Genervt von meiner damaligen Lebenssituation habe ich diese massiv geändert: den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, von der Etagenwohnung in ein kleines Haus gezogen, 30 kg abgenommen und mit dem Rauchen aufgehört. Okay, nicht alles lief reibungslos, das Leben hat bekanntermaßen immer Höhen und Tiefen im Angebot. Aber, ich habe mir meine Selbständigkeit aufbauen können. Das ruhige Leben auf dem Lande hatte den positiven Effekt, dass ich mich ganz auf mein Geschäft konzentrieren konnte.

2014, genau fünf Jahre später, wurde es Zeit für Neues. Ich hatte genug vom Schwarzwald, konnte mir nicht vorstellen hier meine Zukunft zu verbringen. Ich will also raus in die Welt, oder zumindest raus aus dem Schwarzwald, aber wohin? Wenn ich hier meine Zelte abbreche, muss ich sie denn zwingend gleich wieder woanders aufstellen? Und wie wäre es, mal einen Winter im warmen Süden zu verbringen? Relativ schnell verfestigt sich der Wunsch in mir, für eine gewisse Zeit auf Reisen zu gehen. Ein Jahr lang, das hört sich doch gut an, aber wohin und womit? Und wie kann das funktionieren, mit dem Arbeiten auf Reisen?

Nun habe ich einen älteren Hund, der gesundheitlich etwas schwächelt. Herz, Krebs, Arthritis – wie lange habe ich noch für so ein Abenteuer bevor mein Tizon nicht mehr fit genug ist? So lag auch wegen ihm die Lösung auf der Hand: ich reise mit dem Wohnmobil durch Europa. Und im Winter fahren wir auf die iberische Halbinsel. Das Klima tut meiner Seele und seinen Knochen bestimmt gut.

Jetzt sind meine Ersparnisse nicht besonders üppig, und kleinere, gebrauchte Wohnmobile bis 15.000 Euro machen keinen guten Eindruck. Alt und verwohnt hätte ich sie erst noch aufpeppen und solarmäßig aufrüsten müssen. Nun habe ich ja noch etwas Zeit bis das nötige Kleingeld zusammen gespart ist, warum als nicht selbst ein Wohnmobil ausbauen? Mein Ehrgeiz ist geweckt, Zeitplan und Wohnmobilausbau werden in vielen durchwachten Nächten ausgeheckt.

Anfang 2015 ist es dann soweit, das Projekt „Wohnmobilausbau“ geht in die entscheidende Phase: mit etwas Glück finde ich bei einem Fiathändler in der Region das passende Fahrzeug, meinen Ducato. Jetzt wird es konkret, der Ausbau beginnt, der Mietvertrag ist gekündigt, und bereits im Juli 2015 ist mein kleines Wohnmobil fertig und geht es los. Ich und mein Hund Tizon, wir starten unsere erste Tour, möchten auf einer ersten Testfahrt Deutschland erkunden. Gleichzeitig startet auch mein Reiseblog. Im September 2015 geht es dann nach Süden: Frankreich, Spanien und Portugal, bis wir im Dezember 2015 an der Algarve eintreffen.

An der Algarve verbringe ich dann ein paar Monate. Lerne dabei Menschen kennen, die zu Freunden werden – und darüber hinaus. Und so fahren Tizon und ich ab dem Frühling 2016 nicht mehr alleine durch Europa. Sondern zusammen mit Andre und seinem Hund Max. Bereits vorher war mir relativ klar, dass mein Nomadentum wohl kaum nach einem Jahr beendet sein wird. Ich habe Freiheit geschnuppert, das mobile Leben gefällt mir zu sehr – unvorstellbar, wieder in eine Wohnung zu ziehen. Nun stellt sich die Frage ohnehin nicht mehr, denn auch Andre lebt und reist im Wohnmobil durch Europa. Manchmal nimmt das Leben eine wunderbare Wendung.

Wir verbringen einige Zeit in Deutschland, machen eine 50-Tage-Tour durch Polen, und einen Ausflug an die Normandie, ehe wir wieder in Portugal landen – und erst einmal bleiben. Das Land hat es uns doch sehr angetan, hier fühlen wir uns wohl. Und so kommt es, dass wir nach dem Winter einen Sommer und noch einen Winter in Portugal verbringen. Und weil es so schön ist, gleich noch einen Sommer. Jetzt entsteht auch die Idee, ein Buch zu schreiben – und so entsteht mein Wohnmobil-Reiseführer Roadtrip Portugal. Ich schreibe gerne, ich fotografiere gerne, und ich finde Portugal toll – all das lässt sich in so einem visuellen Reiseführer-Bildband-Ratgeber-Buch wunderbar vereinen.

Im Oktober 2018 stirbt Tizon. Es kommt unerwartet, und einen Hund nach 13 Jahren zu verlieren … ist halt doof. Er hatte gute letzte Jahre, und dafür bin ich dankbar. Eigentlich waren wir uns ja einig: es kommt uns kein neuer Zweithund ins Haus. Doch irgendwie änderte sich diese Einstellung, und nur wenige Tage, nachdem das beschlossen war, ist Ziva bei uns eingezogen. Eine kleine Portugiesen, die uns sehr auf Trab hält.

Eines hat uns bei unserer letzten Überwinterung in Portugal gestört: wir haben gefroren. Das liegt weniger am Wetter, sondern eher daran, dass wir es sehr gerne sehr warm haben. Also heißt es im Winter 2018/2019: weiter nach Süden, auf nach Marokko!

Hier reisen wir nicht nur, sondern wir planen auch. Wir planen EIWOLA, unser künftiges Zuhause. Über das wirst du hier vermutlich noch einiges lesen können …

Als Schlusswort noch mein Motto:

Life is not about finding yourself.
Life ist about creating yourself.