Ja, ich im Winter 2015/2016 das erste Mal im Wohnmobil in Portugal, von Oktober bis März, also (fast) den ganzen Winter über. Dank netten Kontakten zu Einheimischen und erfahrenen Überwinterern sowie einiger guter Tools durfte viele schöne Orte kennen lernen. Gerade im Süden von Portugal, an der Algarve habe ich viel Zeit verbracht – aber auch der Norden hat seinen Reiz. Ich möchte hier jedoch weniger meine liebsten Plätze aufzählen – das würde den Rahmen sprengen. Sondern Tipps geben: wie du tolle Plätze findest, was Portugal und die portugiesische Infrastruktur zu bieten hat, … warum ich dir Portugal zum Überwintern ans Herz legen kann.

UPDATE 2017: Nach meinem 2. Winter in Portugal habe ich diesen Artikel überarbeitet und erweitert

Prolog: warum ausgerechnet nach Portugal?

Wellen gucken.

Wellen gucken.

Mein ursprünglicher Plan zum Überwintern sah vor, einmal rund um die iberische Halbinsel zu fahren, immer der Küste entlang. Doch irgendwie war das Wetter in Nordspanien etwas kühl, so dass ich bald in Portugal landete. Und schon der Norden hat mich überzeugt, das Land war mir spontan sympatischer als Spanien. Kilometerlange, naturbelassene Strände mit Dünen, im Hinterland ebenso tolle Mittelgebirge zum Wandern und dazwischen schöne Städtchen mit prima Infrastruktur und historischer Altstadt. Mit dem Wohnmobil freistehen oder ganzjährig geöffnete, günstige Campingplätze, dazu sehr günstiges Internet über Mobilfunk, und und und … Es brauchte keine Woche, bis Portugal mich restlos überzeugt hat.

Und es blieb bei meiner Begeisterung für dieses Land, umso mehr ich es erkundete. Gerade im Norden und Zentralportugal, etwas abseits der Touristenströme der Algarve, kommst du leicht mit Einheimischen in Kontakt, manchmal auch ins Gespräch. Selbst wenn du der portugiesischen Sprache nicht mächtig bist – die Jüngeren sprechen Englisch, die älteren Portugiesen Französisch, da viele von ihnen früher in Frankreich arbeiten waren.

Obst und Gemüse schmeckt tausend mal besser als das unreife Zeug was in Deutschland verkauft wird, ist außerdem günstiger. Das Klima ist sehr angenehm – bis auf wenige Tage im Februar bin ich gut ohne Heizung ausgekommen. Die portugiesische Infrastruktur ist optimal für Rumtreiber: Supermärkte haben auch sonntags geöffnet, immer mit Geldautomaten und einige haben auch Waschmaschinen. Vor allem aber ist es die Landschaft, die mich immer wieder aufs Neue faszinieren konnte. Tolle Sandstrände und schroffe Klippen entlang der Atlantikküste, hügelige Landschaften im Inland. Und ja, man kann in Portugal mit dem Wohnmobil freistehen – ich habe es fast den ganzen Winter praktiziert.

Kurzum: mit dem Wohnmobil in Portugal überwintern, eine tolle Sache – die direkt im nächsten Winter wiederholt wird wurde.

Vorbereitungen – mit Hund und Wohnmobil nach Portugal

Sonnenuntergang an der Westküste

Sonnenuntergang an der Westküste

Portugal ist EU-Land, daher gibt es keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. In Zeiten von Terroralarm gibt es Kontrollen bei der Einreise, die schauen aber nur nach ob jemand Unerwünschtes im Wohnmobil mitfährt, mehr interessiert sie nicht.

Für Wohnmobilisten immer interessant ist die Sache mit dem Gas. Du kannst portugiesische Gasflaschen kaufen, graue bei Cepsa oder rote bei Repsol (diese funktionieren auch für Spanien) und an der Tanke nachfüllen lassen. Oder du besorgst dir einen portugiesischen Adapter für deine deutsche Gasflasche um sie an der LPG-Zapfsäule nachzufüllen. Verboten, aber gängige Praxis, zumindest an der Algarve gibt es hier einige Möglichkeiten.

Reist du mit Hund, benötigt dieser die üblichen EU-weiten Features: Impfass, vor allem inklusive Tollwut-Impfung, und einen Chip. Darüber hinaus macht es Sinn, mit dem Hund bei einem portugiesischen Tierarzt vorstellig zu werden. Nicht nur wegen dem Anti-Ungeziefer-Halsband ( es heißt Scalibor ), welches als Leishmaniose-Schutz sinnvoll ist, das bekommst du auch in der Apotheke. Zusätzlich ist ein Schutz gegen Herzwürmer (Filaria) empfehlenswert, denn diese sind ein großes Problem in Portugal, was mir deutsche Auswanderer sowie die Tierärztin bestätigten. Auch diese Krankheit wird durch Sandmücken übertragen, welche sich bevorzugt an stehenden Gewässern aufhalten, insbesondere Lagunen. Um das Vorsorge-Medikament Heartguard zu bekommen muss der Tierarzt einen kurzen Bluttest durchführen. Denn reagiert der Hund allergisch darauf, kann dies ebenso tödlich enden wie die Krankheit selbst. Ansonsten gibt es in Portugal viele freilaufende Hunde, gerade an Stränden. In aller Regel sind dies keine wilden Hunde, sie gehen abends nach Hause. Die meisten von ihnen sind unkastrierte Rüden (fragt lieber nicht was mit den Hündinnen geschehen ist … ), läufige Hundedamen dürften also sehr beliebt sein 😉

Die Einreise in Portugal: Schnapp‘ dir erstmal das Beste.

Mein Tipp, direkt nach der Grenzüberschreitung: erst einmal einen Supermarkt von Intermarché ansteuern. Am besten einen, auf dem „Super“ drauf steht, denn das sind die größeren. Hier gibt es so allerlei: du kannst Geld am Automaten holen, günstig tanken, aufs Klo gehen und natürlich einkaufen. Meist gibt es außerdem einen Tabakladen mit „Payshop“, um die Prepaid-Simkarte von MEO aufzuladen (mehr zum Thema Internet später), oftmals auch eine Ver- und Entsorgungsstation sowie Waschmaschine und Trockner. Eine gute Gelegenheit, sich erstmal einen Kaffee mit einem leckeren „Pastel de Nata“ zu gönnen 😀

Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass meine Bank- und Kreditkarten in Nordportugal teilweise nicht funktionierten. Je nach Geldautomat, aber auch Tankstelle, hatten die Geräte etwas gegen die vierstellige PIN. Portugiesische Karten haben sechsstellige Pinnummern.

Verkehrsinformationen

Portugal hat das dichteste Autobahnnetz in ganz Europa. Dieses ist mautpflichtig, hat aber teilweise keine Mautstationen. Die Erfassung funktioniert dann über das Kennzeichen, und man muss sich (an der Grenze?) registrieren, seine Kreditkartendaten hinterlegen. Soviel zur Theorie. Ich hätte das gerne gemacht, doch habe ich in meinen 5 Monaten in Portugal keine solche Möglichkeit entdeckt. Bin bis auf wenige Ausnahmen dann einfach auch keine Autobahn gefahren, Küsten- und Landstraßen sind mir ohnehin lieber. In der Praxis sieht es wohl aber auch so aus, dass noch bei keinem Urlauber portugiesische Bußgeldbescheide / Mautnachforderungen nach Deutschland zugestellt wurden.

Die Straßenqualität in Portugal ist eher durchwachsen. Gerade auf Landstraßen findest du Schlaglöcher und Blowups von beeindruckenden Ausmaßen. Gerade die Blowups, die am Straßenrand durch die Wurzeln von Bäumen entstehen, können sehr heimtückisch sein, man sieht sie je nach Sonnenstand teilweise sehr schlecht. Also selbst, wenn du eine super Straße fährst, schau nicht so viel in der Gegend rum, sondern auf die Straße – sonst tut’s plötzlich Schläge.

Ansonsten – den Fahrstil der Portugiesen könnte man als „seltsam“ bezeichnen, und es gibt viele Kreisverkehre. Radarkontrollen scheint es keine zu geben. In Ortschaften gibt es jedoch Geschwindigkeitsmessungen – und wenn du schneller als 50km/h fährst schält eine Ampel auf rot, und du wirst zwangsausgebremst, musst einige Sekunden warten bis es wieder grün wird. Bei stärkerem Regen würde ich besonders aufpassen. Portugiesen wissen nicht was Aquaplaning ist.

Mobiles Internet in Portugal: schnell, gut und günstig.

MEO ist eine Tochter der portugiesischen Telekom und dementsprechend im ganzen Land vertreten. Und das Prepaid-Angebot für Internetjunkies wie mich einfach ein Traum. Für 10 Euro kaufst du dir eine Simkarte, die „Internet Movel“. Lädst sie direkt mit 15€ auf. Dann kannst du innerhalb der nächsten 15 Tage sagenhafte 30GB verbrauchen. Sind diese 15 Tage vorbei geht nichts mehr, du gehst in einen Meo-Shop oder Pay-Shop (i.d. Regel Kioske, Tabakläden) und lädst 20€ auf – dann hält die Karte für 30 Tage.

Wir nutzen die Prepaidkarte von NOS: hier gibt es für 1€ am Tag unbegrenztes Internet. Die Netzabdeckung ist ähnlich gut. Aufladen kann man auch hier in NOS-Läden oder Payshops, aber auch online via Kreditkarte, was sehr komfortabel und unser Favorit ist.

Die Netzabdeckung in Portugal ist einfach spitzenmäßig: LTE fast im ganzen Land. Lediglich in hügeliger, abgelegener Gegend oder an einsamen Buchten kann es sein, dass es mal kein Netz gibt. Zumindest wir haben meist super Internet, die dazugehörige Technik aber auch dementsprechend perfektioniert: mit den LTE-Antennen und einem guten Router kommt man einfach weiter (siehe hier)

Überwintern in Portugal – direkt an die Algarve oder erst einmal in den Norden?

Dünen bei Viana do Castelo

Dünen bei Viana do Castelo

Viele Wohnmobile zieht es zur Überwinterung direkt in den Süden Portugals, an die Algarve. Einfach, weil das Klima hier nochmals deutlich milder ist. Sommerliche Temperaturen auch im November sind da unten durchaus möglich – während es im Norden des Landes schonmal öfters regnet. Muss aber nicht sein. Und wenn das Wetter mitspielt, dann möchte ich dir eine kleine Portugal-Rundreise wirklich ans Herz legen. Also mir hat der Norden und das Zentrum super gut gefallen.

Jeder Stausee hat sie: die tägliche Ziegenherde.

Jeder Stausee hat sie: die tägliche Ziegenherde.

Gerade der Norden von Portugal ist etwas rauer und originaler. Ewig lange Sandstrände an der Atlantikküste, dahinter Dünen, die vor dem Wind schützen. Im Hinterland Berge und Stauseen, perfekt zum Wandern. Dazwischen nette kleinere und größere Städtchen, wo du ruhig und zentrumsnah stehen kannst. Und all das ist nicht wirklich vom Tourismus überlaufen. Freistehen kannst du fast überall, Stellplätze gibt es einige kostenlose, aber auch Campingplätze haben ganzjährig geöffnet. Besonders nett finde ich, wie offen Einheimische sind. Gut, ich bin blond und habe einen großen süßen schwarzen Hund, da machen ältere Herren schonmal Winkewinke. Aber auch sonst bin ich mit Portugiesen eigentlich primär außerhalb der bei Touristen beliebten Algarve ins Gespräch gekommen.

Im Norden sprechen die Portugiesen teilweise überraschend schlechtes Englisch. Hier einige Brocken portugiesisch zu können ist von Vorteil. Spanisch und Französisch helfen aber wohl auch weiter. Ich finde das im Nachhinein durchaus angenehm, denn es zeigt doch, dass der Tourismus noch nicht so präsent ist wie beispielsweise an der Algarve. Wo ich immer direkt auf Englisch angesprochen werde. Im Norden war ich noch voll motiviert etwas portugiesisch zu lernen. Im Süden hat sich die Notwendigkeit irgendwie verflüchtigt, ebenso meine Motivation. Schade eigentlich.

Ein Stückweit lag es aber auch daran, dass es gar nicht so einfach ist, online das Portugal-portugiesisch zu lernen. Babbel.com bietet beispielsweise nur einen Kurs für brasilianisches portugiesisch an. Und die Unterschiede sind doch enorm, das merkst du bereits nach den ersten Lektionen. Ein vorbereitender Sprachkurs ist sicherlich kein Fehler, bei Amazon finden sich ein paar Angebote für portugiesisches Portugiesisch.

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Warum wir mit dem Wohnmobil in Portugal überwintern: über das Wetter

Die Algarve ist die letzte südwesteuropäische Bastion vor Afrika – zumindest wenn es darum geht mit dem Wohnmobil in den warmen Winter fahren zu wollen. Wer nicht weiter nach Marokko möchte bleibt im Süden von Portugal, vielleicht auch in Spanien.

Der südwestliche Punkt Europas

Der südwestliche Punkt Europas

Ich hatte während meiner ersten Überwinterung eine kleine Angewohnheit entwickelt: war das Wetter mal nicht optimal, schaute ich mir auf der Webcam das Wetter zu Hause im Schwarzwald an – schon relativieren sich ein paar Wolken wieder. Teilweise betrugen die Temperaturunterschiede 0 Grad, dann waren es mal wieder 20 Grad. Generell gilt: man kann in einem Winter Glück oder auch Pech haben. Die beiden Winter hatte ich wohl ziemliches Glück. Wissen solltest du: Portugal ist wunderbar grün, nicht so karg wie Spanien. Das kommt daher, dass es schonmal regnet – und Winterzeit ist Regenzeit. Doch folgt nach ein paar Tagen Regen wieder die Sonne, der Wind vertreibt die Wolken so schnell, wie sie gekommen sind. Und 20 Grad im Dezember oder 30 Grad Ende März sind durchaus drin. Frost habe ich die letzten beiden Winter in Portugal vielleicht 3x am Morgen erlebt.

An der Atlantikküste, windet es, gerne auch etwas heftig und andauernd. Manchmal wird ein Sturm daraus, inklusive beeindruckend hohe Wellen. Nicht umsonst gilt Portugal als das ganzjährige Surferparadies. Wnn man darauf steht mit dem Wohnmobil auf den Klippen zu stehen entwickelt sich mit der Zeit ein Gefühl dafür wann es besser ist mit der Schnauze im Wind zu stehen oder doch für die Nacht etwas ins Inland zu fahren.

Grundsätzlich kann man sagen: scheint die Sonne, dann ist alles gut. Wir hatten an Weihnachten bestes T-Shirt-Wetter, was will man mehr. Die Sonne an der Algarve hat einfach mehr Kraft als die deutsche Wintersonne.

Strände in Portugal: zauberhaft schön und abwechslungsreich

Die schönsten Strände an der Algarve (also meiner Meinung nach die schönsten … ) sind in einer kleinen Bucht gelegen. Die Anfahrt in diese ist so schlecht, dass sich nur wenige Touristen dorthin verirren – allenfalls ein paar Einheimische, Kenner und Surfer. Lässt du dich von schlechten Wegen abschrecken verpasst du was an der Algarve: ein superfeiner Sandstrand, zu dessen Seiten die Klippen, vielleicht noch ein paar Höhlen oder Reste alter Gemäuer die erkundet werden möchten. Diese kleinen Strände findest du auf Google Maps, an der Südküste wie auch Westküste der Algarve.

Kilometerlange Strände gibt es insbesondere an der Westküste von Portugal – und zwar vom höchsten Norden (Viana do Castelo) bis hinunter zur Algarve (Carrapateira). Aber auch die östliche Algarve (ab Quarteira) hat kilometerlange Strandspaziergänge im Angebot. Insbesondere bei Ebbe kannst du wunderbar barfuß den Strand entlang spazieren. Je nach Region findest du neben dir Dünen oder Klippen. Und natürlich eine Sonne, die über dem Meer untergeht. Von solchen Sonnenuntergängen kann ich nie genug bekommen.

An der Algarve mit Wohnmobil überwintern: Stehen bleiben oder rumreisen?

Es gibt nicht Wenige, die nisten sich auf einem Campingplatz oder Stellplatz an der Algarve ein. Für einen Monat oder länger. Gerade an der Südküste bieten viele Campingplätze und Wohnmobilstellplätze entsprechende Angebote fürs Überwintern mit dem Wohnmobil an. Teilweise kosten 4 Wochen lediglich 150 Euro im Monat, inklusive Strom und Wasser. Das Wohnmobil auf dem Platz stehen lassen und mit einem Mietwagen die Gegend erkunden – eine Strategie, die auch dank günstiger Mietpreise für Kleinwagen aufgeht. Bekannte Stellplätze gibt es beispielsweise in Armacao de Pera, Lagos oder Silves – recht zentrale Lage, jedoch nicht jedermanns Sache. Auch bei den Campingplätzen gibt es große Unterschiede. Olhao fand ich beispielsweise nicht so schön da es recht beengt zuging. In Albufeira oder Pera (Camping Canelas) hingegen war ich einige Male zu Besuch – für 6€ pro Tag (1 Womo, 1 Person, 1 Hund, ohne Strom, inkl. Dusche + Pool). Plätze, auf denen sich immer ein schönes Plätzchen fand, mit guter Ausstattung. Gerade an der Algarve gibt es aber auch richtig schöne kleinere Wohnmobilstellplätze im Hinterland. Mit familiärem Charakter, Strom, Wasser, Brötchen- und Wäscheservice.

Suchst du Plätze zum frei stehen in Portugal empfehle ich dir meinwomo.net oder CamperContact. Generell ist das Freistehen in Portugal verboten, insbesondere im Naturpark. Während an der Algarve die Polizei (GNR) durchaus eingreift und einen zum Weiterfahren auffordert kommt dies außerhalb dieser touristisch geprägten Küstenregion kaum vor. In der Überwinterung 2016 / 2017 gab es auch öfters Fälle von Bußgeldern, die erhoben wurden. Vorgekommen ist dies auf Strandparkplätzen oder anderen bei Wohnmobilfahrern beliebten Freistehplätzen – wo es den Anwohnern und Behörden vermutlich einfach mal zu viel wurde. Im Naturpark der Algarve setzen sich auch die Umweltschützer vehement gegen das Freistehen ein. Fakt ist aber auch, dass es einfach immer mehr Wohnmobile werden und es kaum genügend Stellplätze gibt. Unsere Lösung ist, bei der Überwinterung Ansammlungen von Wohnmobilen zu vermeiden, und so verbringen wir viel Zeit im Hinterland der Algarve, an Bächen und Seen.

Essen gehen: Einheimische Küche und tausend Schnellrestaurants

Die Portugiesen kennen 365 Rezepte für Bacalhau, also für jeden Tag im Jahr ein neues Rezept für diesen getrockneten, salzigen Stockfisch. Ich habe erst zwei durch, und bisher war ich nicht sehr angetan von. Dafür kommt bei mir frischer Fisch auf den Teller. Und Langustinos. Auf Märkten und in jedem Supermarkt gibt es eine große Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten. Wenn du Meeresgetier grundsätzlich magst ist Portugal ein Traum, einfach durchprobieren!

Portugiesische Restaurants bieten nicht nur einheimische Küche, sie sind auch günstig. Denn nicht nur Lebensmittel sind in Portugal preiswerter, sondern auch Löhne. So kannst du für 10€ pro Person gut essen gehen – inklusive Getränke, Suppe und Nachtisch. Zumindest außerhalb der Touriregionen.

In den Städten gibt es aber auch Restaurants, abgestimmt auf den touristischen Gaumen. Burgerbrater und Pizzerien, sogar Dönerbuden habe ich gesehen. Wenn du dir mal wieder eine richtige Ladung Fastfood gönnen willst, besuche das Algarve Shopping Center in Alcanthrilla, genauer gesagt die Fressmeile. Hier tummeln sich alle möglichen Ketten (KFC, McDonalds, Pizzahut, etc.), aber auch einige interessante kleinere Läden (mit gesundem Essen). Eine Spezialität ist „Porco Preto“, das schwarze Schwein. Es kommt gegrillt auf den Teller. Typischerweise gibt es in Portugal Pommes und Salatdeko als Beilage, keine Sauce.

Einkaufen: Lidl, Intermarché und Wochenmärkte

Einfach in den Tag hineinleben, nicht wissen müssen welcher Wochentag ist – das geht in Portugal ganz wunderbar. Denn Supermärkte haben grundsätzlich an 7 Tagen die Woche geöffnet, also auch sonntags und zumindest teilweise an Feiertagen. Das gilt auch für den Lidl. Landesweit vertreten sind Intermarché und Continente, je nach Region gibt es noch einige andere. Dann gibt es noch die Markthallen und Wochenmärkte, wo du vor allem regionale Anbieter und Produkte findest, vor allem an Samstagen. Hinzu kommen Märkte für „Allerlei“, die Sonntags stattfinden, Zigeunermärkte, Flohmärkte, Hippiemärkte.

In jeder Stadt findest du Baumärkte und mindestens einen Chinamarkt. Die Chinamärkte haben wohl alle das gleiche Sortiment, wobei es kleinere und größere gibt. Preislich attraktiv, qualitativ nur teilweise – Chinaware eben. Brauchst du etwas Campingbedarf, findest du einen „Decathlon“ in fast jeder größeren Stadt. Haushaltsausstattung gibt es im „DeBorla“. Ist dein Auto kaputt, und du möchtest es billig repariert haben, gehe zu einer der vielen kleinen Werkstätten – oder der Kette „Norauto“, das portugiesische Pendant zu ATU. Medikamentenpreise in den Apotheken sind günstig, zumindest bei Standardsachen (Voltaren etc.) und einiges bekommst du erstaunlicherweise auch ohne Rezept, fragen lohnt hier durchaus 😉

Filialfinder auf lidl.pt und intermarche.pt

Raus in die Natur: Gassigehn, Geocaching und Wandern in Portugal

Wandern im Norden

Wandern im Norden

Hier weiß ich gar nicht wo anfangen. Denn Portugal hat diverse Mittelgebirge und Naturparks. Und alle haben ihren ganz eigenen Reiz.

Fangen wir doch ganz im Norden an, gleich hinter der spanisch-portugiesischen Grenze: Parque Nacional Peneda-Gerês. Der dortige Campingplatz ist sehr empfehlenswert, liegt direkt am Stausee und ist ein idealer Startpunkt, für einfache und ambitionierte Wanderungen. Vermutlich kann man mit dem Wohnmobil auch frei stehen, obwohl es nicht erlaubt ist, doch ist hier in der Nebensaison wirklich nichts los, und wo kein Kläger, da keine GNR …

Über den Wolken: Serra da Estrela

Über den Wolken: Serra da Estrela

Parque Natural da Serra da Estrela, ein weiteres Highlight. Einmal hochfahren ist ein Muss, dort übernachten (Freistehen abseits der Straße) superschön. Tolle Aussichten und nette Spaziergänge auf 2000m Höhe machen vor allem dann Spaß, wenn unter dir die Wolken sind, diese den Rest der Region unter Wasser setzen – und du bei T-Shirt und strahlendem Sonnenschein eine gute Zeit verbringst. Nachts kann es allerdings recht frostig werden, zumindest Anfang November. Hier liegt im Winter tatsächlich auch Schnee, bis Anfang April 2017 waren die Skilifte in Betrieb. Vormittags Skier leihen, ein paar Abfahrten machen und dann nach zwei Stunden Autofahrt am Atlantik in der Sonne liegen – sowas geht in Portugal!

Der Parque Natural do Vale do Guadiana ist ebenfalls wunderbar zum Wandern. Etwas Tourenplanung vorab ist empfehlenswert, Offline-Karten ebenso. Denn weder mit Internet noch mit der Wegekennzeichnung ist es besonderes weit her. Dafür bekommst du eine unberührte, wilde Landschaft. Als Ausgangspunkt empfiehlt sich das nette Städtchen Mertola. Dort kannst du unten am kleinen Hafen mit dem Wohnmobil offiziell stehen.

Ein Lieblingsplatz: Praia da Marinha

Ein Lieblingsplatz: Praia da Marinha

An den Küsten der Algarve tun sich ebenfalls zahlreiche längere und kürzere Spaziergänge und Wanderungen auf. Es gibt Fernwanderwege, und eigentlich kannst du immer auf irgendwelchen Pfaden die Küste entlang wandern. Oder einfach mal ein paar Kilometer den Strand runter, auf den Klippen wieder zurück. Praia da Marinha, Aljezur, Lagos (Ponte da Piedade) und Carrapateira seien dir ans Herz gelegt.

Geocaches gibt es unzählige. An jedem Strand, Stausee, in den Städten, den typischen Sehenswürdigkeiten … und auch einige wirklich tricky Caches. An einem Rätselcache in Sagres sind wir fast verzweifelt, der am Praia das Furnas zählte zu den schönsten überhaupt und bei Vila do Bispo ergab eine Cacheserie eine wunderbare Gassirunde.

Was du in Portugal eher NICHT brauchst.

Ich hatte mein Longboard dabei, andere ein Fahrrad. Kannst du meiner Meinung nach beides zu Hause lassen, die portugiesischen Straßen sind einfach zu heimtücksich, Radwege gibt es ohnehin kaum. Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein ist wohl etwas besser. Insbesondere, wenn du dich mit deinem Mountainbike gerne in die Natur schlägst wirst du voll auf deine Kosten kommen. Ansonsten empfinde ich das Fahrrad nicht gerade als den optimalen Weg um in Portugal von A nach B zu kommen. Radwege sind rar, dafür jedoch gibt es meist großzügige Seitenstreifen, gerade auf größeren Straßen. Doch wer will auf diesen schon rumradeln, angesichts des portugiesischen Fahrstils. Mit Elektromotor oder Fitness, und wenn dir holprige Straßen und Wege nichts ausmachen, dann geht das mit dem Fahrrad schon.

Was du von zu Hause mitnehmen solltest …

… weil es in Portugal nicht zu bekommen ist … Da fällt mir eigentlich nicht so viel ein. Außer Elektronik – denn dies ist hier in Portugal erstaunlich teuer. Es gibt den „Worten“, das Pendant zum Mediamarkt. Was es in Portugal so nicht gibt ist Amazon oder Ebay, vermutlich deshalb fehlt es an Wettbewerb, sind die Preise teilweise um 1/3 höher als in Deutschland (z.B. für Digitalkameras, Laptops, Drohnen usw.).

Was von zu Hause kommen lassen: postlagernd liefern lassen.

In Portugal gibt es kein Amazon. Auswanderer haben mir erzählt, dass sie schonmal das spanische / britische Amazon benutzen. Ich habe dies anders gelöst: wenn ich was wichtiges brauchte, einfach zu meiner Mutter liefern lassen und sie hat mir dann ein Paket geschnürt. Dieses habe ich mir dann an eine Postfiliale liefern lassen, also postlagernd (Posta Restante). Die Lieferzeit beträgt ca. 1 Woche und es funktioniert nur mit DHL! Immerhin, zwei von drei Paketen sind angekommen. Das dritte ging aus unerklärlichen Gründen wieder zurück. Super wichtig ist hierbei: Die Mitarbeiter am Postschalter sind manchmal nicht sehr motiviert – so kann es sein, dass sie mit dem Kopf schütteln, obwohl das Paket im Hinterzimmer auf dich wartet. Nochmal klarmachen, dass das Paket laut Trackingnummer da sein muss, damit sie nochmal genauer nachsehen, kann entscheidend sein.

Offizielle Seite mit Infos zu „Posta Restante“
(Am Ende der Seite ist ein Link zur Postfilial-Suche).

Ist es in Portugal billiger?

Die portugiesischen Löhne und Lebenshaltungskosten sind recht niedrig. Jetzt merken gerade Deutsche immer wieder an, dass die Preise in den Supermärkten doch gar nicht günstiger wären, im Vergleich zu Deutschland? Ganz klar: nimm Marken wie Nestle und Danone aus dem Einkaufswagen wieder raus. Dann sind Lebensmittel um schätzungweise 1/4 günstiger. Wenn du lokal in Markthallen kaufst vielleicht noch etwas mehr. Gerade bei Obst und Gemüse bekommst du gute Qualität zu günstigen Preisen. Aber auch bei Bekleidung. Essen gehen, Haare schneiden lassen, mit dem Auto in die Werkstatt etc. – Dienstleistungen eben – sind grundsätzlich preiswert, eben weil die Lohnkosten niedrig sind.

In manchen Bereichen sind die Preise durchwachsen. Gängige Medikamente wie Ibuprofen, ein Zahnarztbesuch oder die Tierarztbehandlung von Tizon sind günstig, kosten vielleicht ein Drittel bis die Hälfte, im Vergleich zu deutschen Preisen. Doch wenn du etwas Spezielles benötigst was nicht so gängig ist kann es sein, dass du drauf zahlst. Die Rezeptpflicht wird in portugiesischen Apotheken übrigens nicht allzu ernst genommen. Außer, es handelt sich um ganz hartes Zeugs.

Gesundheit und krank werden in Portugal

Hierzu kann ich nicht allzu viel aus eigener Erfahrung berichten. Ich konnte meine Wehwehchen selbst kurieren. Es gibt, gerade an der Algarve, deutsche Ärzte (z.B. in Carvoeiro) und auch Tierärzte. Bei Medizinern kommst du aber mit Englisch ja generell immer gut durch, Englisch ist eine Wissenschaftssprache. Vor der Überwinterung in Portugal abzuchecken wie es mit der Kostenübernahme durch die Krankenkasse steht, dies kann nicht schaden. Insbesondere wenn du gesetzlich versichert bist dürfte der Versicherungsschutz im EU-Ausland nach 6 Wochen enden. UPDATE: dies ist wohl nicht mehr so. Ob deine Krankenversicherung wirklich zeitlich unbegrenzt gültig ist, das lässt sich mit einem Anruf bei deiner Kasse herausfinden. Eine zusätzliche Reisekrankenversicherung ist eventuell sinnvoll, auch wegen etwaiger Zusatzleistungen.

Noch ein paar Infos zu Portugal und den Portugiesen

Die Arbeitslosigkeit ist recht hoch in Portugal. Inoffiziellen Zahlen liegt sie bei rund 20%. So genau weiß man das nicht, denn viele melden sich nicht arbeitslos weil sie ohnehin keine Leistungen erhalten. Portugals Wirtschaft gilt als ineffizient, die Stückkosten sind recht hoch – trotz geringer Löhne. Vielleicht, weil die Technik teilweise nicht Neueste ist, oder die Portugiesen das Arbeiten nicht erfunden haben … Portugal ist ein exportierendes Land: Textilien, Wein, Orangen und natürlich Kork sind typisch portugiesische Produkte. Auch haben sich einige internationale Callcenter in Portugal angesiedelt, insbesondere in Lissabon. Aber auch der Portugiese selbst ist ein Exportschlager – wegen der geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist Portugal seit jeher ein typisches Auslandererland. Man sagt, dass ebenso viele Portugiesen im Ausland wohnen wie in Portugal selbst.

In Portugal siehst du recht wenig dicke Menschen. Dies hat zwei Gründe: erstens ernähren sie sich gesünder. Sie essen, was die Natur ihnen gibt, bauen auch viel selber an. Für Obst und Gemüse ist die Klimazone natürlich auch perfekt. Fisch und Meeresfrüchte werden gerne mal frisch aus dem Atlantik geangelt, sind auf jedem Wochenmarkt und Supermarkt in üppiger Auswahl zu finden. Und wer schonmal im Hinterland, in den Hügeln der Algarve, stand weiß: Donnerstags und sonntags wird gejagt. Der andere Grund ist ein staatliches Gesundheitssystem, wie wir es nicht kennen. Es gibt Gesundheitszentren, zu denen ich jedoch nicht viel sagen kann, habe sie nie besucht. Aufgefallen sind mir die vielen kommunalen Sporteinrichtungen. Jede kleinere Stadt hat mindestens einen Sportplatz und ein Schwimmbad – teilweise habe ich hier nur einen Euro Eintritt bezahlt. Auf Fitness-Center, Sportkurse usw. sind mindestens subventioniert. Es ist aber nicht alles Gold was glänzt, und aus gutem Grunde haben die besserverdienenden Portugiesen private Zusatzversicherungen.

Nach dem Waldbrand

Nach dem Waldbrand

Portugal hat ein Problem mit Waldbränden. Insbesondere die Sommer sind regenfrei, und die Brände sind nur schwer wieder unter Kontrolle zu bringen. Der Klimawandel und die zunehmende Monokultur (Eukalyptus-Wälder) verschärfen das Problem, insbesondere in ganz Portugal.

Also, warum in Portugal mit dem Wohnmobil überwintern?

Spaziergang bei Porto Covo

Spaziergang bei Porto Covo

Weil sich für jeden Menschen das passende Plätzchen findet. Egal, ob du gesellige Wohnmobilstellplätze in einer Stadt, die Infrastruktur von Campingplätzen, den Strandparkplatz oder das Stauseeufer bevorzugst: du wirst fündig werden. Und viel Interessantes und Abwechslung im näheren Umkreis finden. Einheimische Küche, Kunst und Kultur, Historisches und Shopping, Natur pur und tolle Strände – gerade die Algarve ist nicht ohne Grund ein Mekka für Überwinterer im Wohnmobil.

Hier treffen sich alle Nationen und verschiedene Lebensweisen. Es gibt die Aussteiger-Hippies, die vor allem im Süden in den Buchten und an den Stauseen zu finden sind. Es gibt die Rentner aus Deutschland, Frankreich, England und den Niederlanden, die hier teilweise bereits seit 30 Jahren ihren Winter verbringen. Gerade die ältere Generation scheint Wohnmobilstellplätze und Campingplätze zu bevorzugen.

Freistehen in Portugal: mit dem Wohnmobil in die Natur

In Portugal findest du eine tolle Natur vor und Plätze, die noch nicht von den vielen großen weißen Autos bevölkert sind. Ich reise nach dem Kredo, dass ich einen Platz mindestens so sauber verlasse wie ich ihn vorgefunden habe. „Unterwegs“ entsorgen, die Toilettenkassette in die Büsche kippen – ich finde es nicht so schön wenn andere das tun, denn es betrifft am Ende alle. Ich komme aus einer Touriregion, und ich weiß, dass Touristen gerne in einen Topf geworfen werden. Benimmt sich einer daneben heißt es „immer diese Touris“. Und das ist überall so. Also räume ich nicht nur meinen eigenen Müll weg, sondern auch manchmal den der anderen. Damit ich auch bei meiner nächsten Überwinterung meine Zeit an so schönen Plätzen verbringen kann. Denn auch wenn es offiziell verboten ist in portugiesischen Naturparks frei zu stehen, wird es dennoch meistens geduldet.

Beweisfotos:

Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang.

In den Hügeln der Algarve

In den Hügeln der Algarve

Auf 2.000m Höhe, Serra da Estrela

Auf 2.000m Höhe, Serra da Estrela

Ein wunderbarer Stausee im Norden

Ein wunderbarer Stausee im Norden

Auf den Klippen bei Sagres

Auf den Klippen bei Sagres

Auf den Klippen bei Porto Covo

Auf den Klippen bei Porto Covo

Stausee Pego do Altar, direkt am Ufer

Stausee Pego do Altar, direkt am Ufer