Okay, Okay, wenn mich innerhalb von zwei Tagen gleich drei Leser anschreiben, wann es denn endlich mal wieder Blog gibt, dann bekommt Ihr halt einen. Ich geb’s zu, der letzte ist schon fast zwei Monate alt, es wird höchste Zeit. Ich habe aber sowas wie eine Entschuldigung: die Herbsttour ist irgendwie ausgefallen. Was nicht heißen soll, dass wir nicht unterwegs waren …


See.

Wir starten, wo wir letztes Mal aufgehört haben: am hübschen Stausee, nur 40 Kilometer von der Quinta Prazera entfernt. Es ist Sommer, es ist heiß, es ist Ende August, und der See ist gut besucht.

Wir stehen mit dem Laster halb im Busch, etwas abseits. Was nicht heißt, dass wir Ruhe hätten. Befreundete und benachbarte Camper kommen auf einen Tratsch vorbei. Die Familie unten am Ufer fragt, ob sie ihr Schlauchboot bei uns über den Mittag abstellen können. Jetskies fahren gefühlt durch den Vorgarten. Löschflugzeugpiloten trainieren das Wasserfassen im See. Nachbarshunde stehen morgens vorm Wohnmobil und fragen, ob Ziva zum Spielen rauskommt. Der Nachbarshahn ist schon Stunden früher wach.

Apropos Nachbarshund: Jetzt gibt’s mal wieder Hundebilder.

Wir haben da ja einmal die Emma aus dem befreundeten Nachbarswohnmobil. Eine Stadthündin, die bei anderen Hunden eher zurückhaltend ist. Erst schafft Max es, sie zum Spielen animieren, mit Ziva kann sie nicht viel anfangen. Doch das ändert sich, mit jedem Besuch taut sie mehr auf, und bald toben sie wie verrückt durch die Gegend.

Der andere Nachbarshund, ein junger Rüde, ich nenne ihn Flummi, braucht da nicht viel an Aufforderung. Er liegt voll auf Zivas Energieniveau. Er ist es auch, der morgens vor dem Wohnmobil steht, und fragt ob Ziva raus darf zum Spielen. Warum nicht, Frühsport soll ja gesund sein.

Die Löschflugzeuge üben nicht nur, sie müssen auch mal zum Einsatz. Relativ nah sehen wir auch ein Feuer am Horizont. Ein paar Stunden ist es aktiv, dann bekommen sie es in den Griff. Glücklicherweise gibt es dieses Jahr nicht ganz so viele Feuer. Aber gerade hier in der Region gibt es zwei große, böse Brände, die viele Hektar Wald vernichten – und auch ein paar Existenzen.

Wir lieben diesen See, aber weil wir auch die Ruhe lieben, machen wir uns nach zehn Tagen oder so vom Acker. Denn wir kennen sehr wohl ein Plätzchen, wo es wirklich ruhig ist. Das Blöde ist nur, da gibt es keinen See. Und es ist gerade wirklich sch….e heiß. Aber was soll’s.


Quinta.

Wir brechen also unsere Zelte ab, und wollen schauen, ob es an dem anderen See in der Nähe vielleicht auch nett ist. Und wenn wir schon unterwegs sind, dann können wir uns ja auch gleich den Umweg zu Portugals bester Dönerbude schönreden.

Dass man am anderen See nicht so schön stehen kann, und auch nicht überall, das wissen wir bereits. Wurden wir doch bereits vor ein paar Jahren von der GNR darauf aufmerksam gemacht, dass wir auf Privatgelände stehen. Also suchen wir am anderen Ufer nach einem schönen Plätzchen, werden aber nicht wirklich fündig.

So schön diese grünen Ufer sind, so schlecht kommt man ans Wasser ran. Für heute haben wir aber keine Lust weiter zu fahren, und so landen wir auf einem Parkplatz hinter einer Kapelle. Es gibt nicht so viele Ecken in Portugal, wo mir ein Müllproblem auffällt. Hier ist es ein bisschen unschön. Aber da das Wetter auch etwas unschön ist, es nieselt doch tatsächlich, ist es uns schnuppe.

Am nächsten Tag fahren wir halt wieder auf die Quinta Prazera. Eigentlich ist es noch viel zu warm dazu, und es fehlt definitiv der See. Wo im Frühjahr der Bagger gewütet hat, staubt es jetzt fürchterlich. Aber immerhin ist es hier schön ruhig.

Dann wird es spannend: der befreundete Wohnmobilnachbar mit Hund Emma kommt uns spontan besuchen. Mit einem Joghurtbecher – ein Wohnmobil auf Ducato, lang und mit Alkoven. Puh … Der hat wohl nicht das Video mit der Anfahrt gesehen … Es wird schon dunkel, als Andre mit dem Quad vor zur Straße fährt um ihn abzuholen. Und es ist stockfinster, als die Beiden EINE STUNDE SPÄTER auf der Quinta Prazera ankommen. Herrje, eine Stunde für zwei Kilometer, was war denn da los?

Es ist diese eine schottrige Steigung, die einem nicht ganz so leichten, dafür langen Wohnmobil mit Vorderradantrieb zu schaffen macht. Andre musste das Womo mit dem Quad den Hang hochziehen. Irgendwie hat das geklappt, aber ideal ist das freilich nicht … Nachdem der Besuch nach ein paar Tagen wieder rausgefahren und fast schon an der Straße ist, sehen wir es: ein Reifen verliert Luft. Bei genauerem Hinsehen fällt der wirklich üble Zustand der beiden Vorderreifen auf. Als ob sie alt und spröde wären, richtig zerfleddert. Kommt das nur von der schwierigen Stelle? Vermutlich nicht komplett, aber teilweise vermutlich schon. Damit fährt er aber nicht nach Deutschland zurück. Andre begleitet ihn also mit dem Quad in die nächste Stadt, zum Reifenhändler. Und wir kommen zum Entschluss, dass wir nicht wollen, dass unsere Gäste mit Schäden von der Quinta wegfahren.

Zeit für eine Zwischeninspektion auf der Quinta. Wie erwartet ist fast alles trocken und vertrocknet. Was kaum verwundert, denn wir haben jetzt Anfang September, und seit Ende Mai hat es nicht mehr wirklich geregnet. Nur einmal ein bisschen, aber das zählt nicht wirklich. Unsere Quelle fließt dementsprechend lustlos vor sich hin, die Bewässerung des Gemüsegartens funktioniert gerade noch so.

Dafür entdecken wir, dass der Brunnen unten am Bach bestimmt noch 2-3 Meter tief Wasser hat. Und das auch noch ziemlich klar aussieht. Okay, nächstes Projekt für die Todo-Liste. Brunnen leer pumpen, den Schmodder der letzten 30 Jahre rausschaffen, den Brunnen abdecken.

Faszinierend finde ich eine andere Entdeckung: Auf der Terrasse direkt über dem Brunnen haben wir im Frühjahr ja etwas frei geschnitten, damit man wenigstens einen Trampelpfad hat. Wieder Licht zu haben, das hat den Orangenbäumen wohl sehr gefallen. Denn plötzlich treiben drei Orangenbäume, die im Sommer 2017 ja komplett abgefackelt sind, wieder aus. Und das ohne die Zugabe von Wasser.

Wer sich wohl sehr wohl fühlt, ist unser kleiner Bambuswald.

Zeit wird es, euch mal die Quinta Prazera im Ganzen zu zeigen. Wie praktisch, dass wir jetzt ja Dronita, unsere kleine Drohne, haben. Also machen wir ein paar Rundflüge, das Ergebnis sieht dann so aus:

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Ja, das siehst Du ganz richtig, ich habe Dronita erfolgreich im höchsten Baum versenkt, den ich finden konnte. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich bin ich ja extra hoch geflogen, damit sie keinen unserer Korkeichen trifft. Blöd nur, dass des Nachbars Korkeichen noch höher sind. Bestimmt eine Stunde hat es gedauert, bis wir die Drohne erst lokalisieren konnten, und dann auch wieder vom Baum herunter bekommen haben. Fragt nicht wie. Einen Stein an ein Seil gebunden, und den dann versuchen so hoch in den Baum zu schleudern, dass er sich am richtigen Ast verfängt, man so die Drohne runterschütteln kann. Hat dann irgendwann auch geklappt, nach dem 150sten Versuch. Bis dahin war Dronita vermutlich noch ganz, doch nach dem acht Meter tiefen Sturz ist sie es nun nicht mehr. Sie hat sich einen Flügel gebrochen.

Ehe wir weiterfahren, schnappt sich Andre die Makita Akku-Kettensäge, und fährt mit dem Quad davon. Die Zufahrt ein wenig „optimieren“. Dazu braucht es eigentlich keine größeren Eingriffe. Es wäre einfach nur schön, wenn man sehen würde, wohin man gerade fährt. Also müssen ein paar dieser Mimosenbäume dran glauben. Und schau einer an, ein neuer Rekord! So schnell sind wir die zwei Kilometer noch nie rausgefahren, mussten nur einmal zurücksetzen. Es wird, es wird.


See.

Das Wohnmobil mit der Emma drin steht schon wieder am altbekannten See, wir folgen ihm. Denn es ist immer noch warm. Die Hunde freuts. Ziva und Emma spielen miteinander, und Max passt auf, dass die Damen ja nicht zu viel Spaß haben. Er rennt um sie rum wie der Ringrichter beim Boxkampf. Und wird dabei inzwischen komplett von den beiden Damen ignoriert.

Was wir die Tage am See alles gemacht haben, ich kann es nicht sagen. Arbeiten, zusammen sitzen, Hunde bespaßen, sowas. Wir bleiben auch nur ein paar Tage. Denn irgendwas war da noch …


Quinta.

So ein eigenes Grundstück bringt ja Umstände mit sich, an die denkt ja keiner. Beispielsweise, dass man das Brennholz für den Winter ins Trockene bringen sollte, eher es Regen gibt. Oder, dass man einen Regenwassergraben graben sollte, damit der so schön gebaggerte Weg nicht gleich wieder weggeschwemmt wird. Denn eines ist klar: der erste Regen nach einem heißen Sommer wird seine Spuren hinterlassen. Die Erde ist steinhart und nimmt erstmal kein Wasser auf.

Aber erstmal ein Döner. Wenn das so weiter geht, werden wir dieses Jahr in Portugal deutlich mehr Döner, oder besser gesagt Dürüm, essen als die portugiesische Küche. Was aber auch daran liegt, dass wir gerade nicht viel abends essen gehen, einfach auch weil einige Restaurants hier in der Ecke abends zu haben. Und jeder weiß: Am Mittag ein Döner, das macht schöner. Oder so.

Dann fahren wir eben direkt nochmal auf die Quinta Prazera, vorher aber noch einen Abstecher – wir besuchen den Blauen Kasten, der gerade in der Nähe steht. Wenn es bei uns was Gebackenes gibt, ist das normalerweise Gebäck vom Bäcker. Wenn wir aber den Blauen Kasten besuchen kommen, dann gibt es was aus der Omnia-Backstube. Heute sind es Doreens leckere Zimtschnecken.

Wir bleiben auf einen Kaffee-und-Kuchen-Tratsch, müssen dann aber weiter – schließlich wollen wir noch vor dem Regen auf der Quinta sein.

Max hat das übrigens auch schon mitbekommen, es soll regnen. Besser nicht zu weit weg vom Wohnmobil weggehen, nass werden ist keine Option.

Wir verfallen erstmal in Arbeitswut, denn der Regen kündigt sich an, fette schwarze Wolken hängen am Himmel. Das gute Brennholz liegt verteilt auf dem ganzen Grundstück, wird zusammen getragen (gefahren) und abgedeckt.

Der Regenwassergraben wird gegraben, was bei dem steinharten Boden wirklich Schwerstarbeit ist. Der Gemüsegarten wird etwas präpariert, das Quad bekommt sein Regenmäntelchen an, und dann geht es schon los: drei Tage Regen, und das Mitte September in Portugal!

Der Graben funktioniert, die Natur freut’s, und dank den immer noch warmen Temperaturen ist es nicht allzu tragisch.

Der Abstecher auf die Quinta sollte nur für ein paar Tage dauern, denn wir wollen ja immer noch zur Herbsttour aufbrechen. Als wir wweg fahren, findet Andre unterm Laster noch diesen kleinen Freund:

Ich glaube, das ist jetzt der dritte Skorpion, den wir auf der Quinta finden. Schätze mal, das wird nicht der Letzte sein.

Ich mach noch ein paar Fotos von der Grünen Hölle, denn ich weiß, dass die Fortschritte hier einige Mitleser interessieren. Wer sich nicht so sehr für’s Grünzeugs interessiert, möge bitte zweimal kräftig nach unten scrollen, dann geht’s weiter.

Vom alten Kaki-Baum kann ich reife Früchte runterschütteln. Die sehen echt lecker aus, ober? Sie sind auch reif, aber fürchterlich bitter. Dieser Bitterstoff in der Schale, ich weiß nicht wo der her kommt. Ist es der Pilz im Baum, wegen dem wir im Frühjahr einen großen Ast abgesägt haben? Wenn jemand mehr weiß, bitte her mit den Infos!

Wir werden den Winter über gut mit Vitamin C versorgt sein, denn an unserem Orangenbaum hängen hunderte Früchte.

Der Gemüsegarten, wild und grün.

Basilikumsamen sollten für die nächsten Jahre ausreichend vorhanden sein 🙂

Die Zucchinis schwächeln, denn bei ihnen kommt kaum mehr Wasser an.

Dafür fühlt sich die Schwanenhalsagave sehr wohl.

Die Oliven machen sich.

Die Quelle, Naja. Noch läuft sie.

Vier Melonen hat es noch, und irgendwie gibt es schon wieder neue Blüten. Bin gespannt, ob wir Wassermelone hier auch eine Winterfrucht ist.

Nach dem Regen kamen diese hübschen Blümchen.

Profi-Aussaat: Salat, Petersilie und irgendwas anderes einfach säen, das ganze Tray einfach in den Wassergraben stellen, und wieder an den See fahren.


See.

Na, wer ahnt es bereits, wo es als Nächstes hingeht? Richtig! Zum See! Denn inzwischen ist die Sommersaison längst vorbei, und es ist wunderbar ruhig.

Ehe es aber dorthin geht müssen wir noch einkaufen und Wassertanken. Wir haben Glück, die Quelle außerhalb unseres Dorfes ist fast frei, nur ein Pkw steht da. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn hier holen sich sehr viele Einheimische ihr Trinkwasser. Unser Wassertank ist leer, und es dauert auch eine halbe Stunde um 400 Liter in ihn rein zu bekommen. Aber das ist es uns wert, das Wasser hier ist viel besser als das aus der Leitung.

Am See angekommen parken den auffälligen Laster auffälligerweise mitten auf eine Halbinsel, und erfreuen uns an der Ruhe und am guten Wetter. Die Gesellschaft ist auch gut, einige andere Deutsche sind schon da oder kommen vorbei, wie bereits erwähnter Blauer Kasten.

Wir verbringen die Tage wie gehabt: Arbeiten, Netflixen, Quatschen.

Und Rotwein trinken. Die Nachbarn kommen am späten Nachmittag daher, noch ehe wir was zu essen haben. Rotwein auf nüchternem Magen, da braucht es bei uns nicht viel. So stolpern wir abends ins Wohnmobil, mit (berechneten) anderthalb Promille, und einem Wahnsinns Hunger. Und haben aufgetautes Hackfleisch in der Küche liegen. Also gut, warum nicht. Andre schnippelt das Gemüse im Sitzen, besser ist das. Ich werde das Zeugs in den Topf, erstaunlicherweise sogar in der richtigen Reihenfolge. Jetzt aber ganz dolle mit den Gewürzen aufpassen, sonst endet das übel! Hat funktioniert. Sieht nicht super dolle aus, schmeckt aber.

Ich kann aber auch hübsch kochen: Das hier wird eines meiner neuesten Lieblingsrezepte: Curry aus der Tajine, mit Gemüse und Pute.

Zwischendurch fahre ich mit dem Quad zur Quinta Prazera, arbeite ein wenig, hole Pakete von der Post ab, besuche die Nachbarn, gehe mal wieder im Dorfladen was einkaufen.

Zwischendurch fahren wir auch mal mit dem Laster in die Stadt, nach Castelo Branco. Wir erledigen hier ein paar Dinge, nutzen das erste Mal seit wir den Laster haben die großen Waschmaschinen vom Intermarché, und, na, wer ahnt es, jawoll, wir gehen mal wieder einen Döner essen.

Unser deutsches Eck am See leert sich langsam, und dann füllt es sich wieder: die ersten Überwinterer kommen. So ist auch Maudolf On Tour, und in Portugal gelandet. Und hat Maultaschen-Nachschub dabei. Obwohl, und das war ja so aufregend, davon muss ich erzählen: der Lidl hatte letztens Maultaschen! Die Aktionswoche hieß „Alpenküche“ oder so. Und normalerweise, wenn Lidl deutsche Woche hat, gibt es ja eigentlich nur Bayrisches, Weißwürste und so. Wer konnte denn ahnen, dass sie Maultaschen, Spätzle und Rollmöpse in der „Alpenküche“ – Woche im Programm haben! Egal, ab in den nächsten Lidl. Keine einzige Maultasche mehr im Regal. Nach einem Tipp ab in den nächsten Lidl, und da hat Andre tatsächlich noch ein paar Packen ergattern können 😀

Oh Mann. Maultaschen, Spätzle und Döner. Und Mutti schickt uns Wurstdosen und Christstollen. Wir sind ja schlimmer als die klischeebehaftetsten Rentner aus diesen Camper-Dokus auf RTL2.

Zivas neue Freundin Emma musste leider wieder abreisen. Dafür ist jetzt Eddy da. Ob Eddy wirklich Eddy heißt – ich denke eher nicht. Eddy ist ein ganz süßer, schüchterner junger Rüde, der die Ziva ganz dufte findet. Auch er steht schonmal morgens vor unserem Wohnmobil und bellt die Ziva wach.

Aber erst zwei Stunden nachdem dieser Hahn vom anderen Seeufer bereits seine erste Arie gesungen hat. Also es kann kommen was wolle, sollten wir jemals auf der Quinta sesshaft werden, es kommen mir keine Hähne ins Haus!

Andre ist derweil am Optimieren des Lasters. Insbesondere bei der Heizung besteht noch Handlungsbedarf. Denn die Dieselheizung macht ja immer noch eine Geräuschkulisse, die schmeißt einen wirklich sehr unschön morgens aus dem Bett. Aber, es wird besser. Hier wird was entkoppelt, dort wird was gedämmt, und der Holzofen bekommt auch noch ein Update. Aber das könnt Ihr dann bei Andre im Blog nachlesen. Ich investiere derweil in Winterschuhwerk:

Da steht dann sicherlich auch was zum Upgrade der Wassertanks. Die haben jetzt doch noch Sensoren bekommen. Sogar recht neumodische, der aktuelle Füllstand lässt sich von der App ablesen. Natürlich muss man jetzt erst einmal testen, ob die Sensoren auch stimmen. Wir sind jetzt bei einem Füllstand von 0%. Vermutlich zieht die Pumpe morgen früh Luft, wenn ich mir das Shampoo aus den Haaren waschen möchte. Wann auch sonst.

Wenn wir den Laster bewegen, dann fahren wir weiter. Wird ja auch mal wieder Zeit, denn jetzt stehen wir fast vier Wochen hier.

Na, was meint Ihr, wo werden wir wohl hinfahren? Richtig. Die Reise im Dreieck geht weiter.

Ach ja, da war ja noch was. Dronita, unsere neue, fast noch unbenutzte Drohne. Nachdem Andre den Flügel erfolgreich operiert hatte, flog sie genau fünf Minuten. Dann hatte sie keinen Bock mehr sich fernsteuern zu lassen, und ist volle Karacho in den nächsten Baum. Die Aufhängung der Kamera hat dran glauben müssen. Also im schönen Internet nach der Aufhängung gesucht. Super, gibt es nur im China-Onlineshop. Also per Aliexpress diese popligen Plastikteile einfliegen lassen. Hat ja auch nur einen Monat gedauert. Wir hätten das Mistding ja schon fast in die Tonne gekloppt, doch irgendwie macht sie ja schon schöne Videos:


Ach ja, ihr Blogleser, die ihr auf Updates wartet: auf wenn ich mal nichts zu schreiben weiß, kleinere Updates gibt es nach Lust und Laune durchaus, und zwar auf der Crosli-Facebook-Seite und auch auf dem Crosli-Instagram-Account.

Auf Facebook wird es Morgen auch ein Hundebilder-Special geben, denn Ziva hat Zweijähriges. Also nicht Geburtstag, sondern sie ist jetzt zwei Jahre bei uns.

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Warum steht man im portugiesischen Sommer besser hübsch an einem Seeufer rum? Richtig, damit man jederzeit reinhüpfen und sich abkühlen kann. Blöd nur, wenn es viel zu kalt dafür ist.
Ja, wir habens voll drauf. Sind extra wieder von der Küste ins Land reingefahren, weil uns „zu kalt“ noch viel weniger gefällt als „zu heiß“. Und was ist? Der Heizlüfter läuft unterm Tisch, wir haben lange Hosen und Pulli an. Der Wind pfeift über den See, vor lauter Wolken sieht man keine Sonne und so sind wir einigermaßen unglücklich. Der Wechsel des Seeufers hat etwas Linderung verschafft, immerhin ist hier der Wind deutlich weniger stürmisch unterwegs. Dafür regnet es jetzt. Na super.

Andre hat als Frühaufsteher immerhin noch ein Sonnenaufgangsfoto geschossen, ehe sich das mit der Sonne vollends erledigt hat.

Eigentlich wollen wir noch weiter gen Norden, in die nordöstlichste Ecke von Portugal, da gibt es einen vielversprechenden Naturpark. Tja, den werden wir wohl so schnell nicht zu Gesicht bekommen, denn spontan entschließen wir uns, doch lieber nach Süden zu fahren. Was wir uns beide wünschen, ist ein schöner, entspannter Platz an einem schönen, entspannten Stausee. Davon gibt es in Portugal ja einige. Und doch habe ich bereits eine Ahnung, an welchem wir wohl wieder einmal landen werden. Schaun wir mal.

Heute geht es erst einmal mehr nach Osten als nach Süden. Wir steuern einen kleinen See an, den wir bereits kennen, denn hier waren wir vor knapp zwei Jahren schon einmal. Und es kommt, wie ich es mir bereits gedacht habe: an dem Platz sieht es aus, als hätte Andre vor zwei Jahren keine fünf Mülltüten voll Müll eingesammelt. Es ist alles beim Alten. Manchmal ist es schon verwunderlich. Wir sind hier mitten im Nirgendwo, hier hat es ziemlich sicher keinen Tourismus – also müssen es Einheimische sein, die ihren See zumüllen. Nicht sehr clever.

Der Tag wollte nicht besser enden als er angefangen hat, wie sich noch herausstellen sollte. Dabei ist das Plätzchen, wir haben etwas abseits vom Party-Müll-Platz eingeparkt, echt schön. Das Wasser im See ist super klar, und bis auf zwei Streuner und ein paar Angler kommt hier wohl kaum einer vorbei.

Aber.

Frisch eingeparkt entdeckt Andre ein paar Wassertropfen an einer Schraube, vorne links unter der Kabine. Da gehört aber kein Wasser hin! Die weitere Recherche ergibt, dass es leider tatsächlich aus dem Kabinenboden kommt. Wie ungünstig. Weitere Recherchen ergeben, dass es nicht aus unserem Wassersystem kommt. Noch ungünstiger. Es kommt also von dem gestrigen Regentag. Eine Rundumkontrolle verrät, es gibt nur eine Stelle, die dafür ursächlich sein kann. Direkt darüber auf dem Dach, an der Schräge, ist der Lack gerissen, genau an der Fuge. Da muss das Wasser reingezogen sein.

Problem erkannt, Andre macht sich direkt an die Problemlösung.

Altes Zeug raus und gut Sikaflex ran, und die Stelle ist wieder gut.

Das zeigt uns, dass bei so einem Individual-Bau immer auch was schief gehen kann. Wir sind mit der Kabine super zufrieden, sie ist echt gut gebaut, aber das ist vermutlich ein kleiner Konstruktionsfehler. Überall ist die Kabine gründlichst verklebt und verfugt, aber an der Schräge gibt es eine Schwachstelle, so dass das Wasser an der Fuge rein konnte. Die wir zum Glück frühzeitig erkannt haben, ein einziger Tag Nieselregen hat sicher keinen bleibenden Schaden hinterlassen. Und wir sind jetzt sensibilisiert, dass wir ab und an mal eine Sichtkontrolle machen …

Erstmal Abendessen machen. Ich mache das Licht in der Küche an, und was sehe ich da? Die Milben sind wieder da. Ein paar Tage hohe Luftfeuchtigkeit, und da sind sie wieder, unsere lieben Freunde. Zum Glück nicht allzu viele, und nach rund acht Wochen wollte das Kompostklo ohnehin mal wieder neu angesetzt werden, also warum nicht einfach heute. Die Ursache war, dass wir letztes Mal dieses Kieselgur nicht reingemacht haben. Bewusst, um zu schauen, ob es auch so geht. Und schau an: solange es trocken ist, kein Problem. Doch sobald die Luftfeuchtigkeit kommt, werden die Viecher flügge. Hatten wir ja zuletzt im März, wo es so viel geregnet hat. Wieder was gelernt.

Ach, und da hätten wir ja noch das kleine Schmeißfliegenproblemchen. Bisher haben wir diese nervigen Teile ja nirgends in Portugal gehabt, und wer hätte es an diesem schönen Tag gedacht? Die Türe am Abend nicht zeitig genug zu gemacht, und die ersten Tausend ziehen direkt mal ein. Und deshalb, liebe Freunde, hat man einen guten Staubsauger im Wohnmobil. Für die ersten Fünfhundert. Um die nächsten Fünfhundert kümmert sich im Laufe des Abends der Mückengrill. Es knallt jetzt fast im Sekundentakt. Jetzt wäre es auch am Abend nicht mehr so kalt, und wir haben die Fenster offen. Blöd nur, dass die Schmeißfliegenviecher kleiner sind als die Löchlein in den Moskito-Rollos. Also Licht aus, und zumindest die meisten Fenster besser zumachen.

War sonst noch was? Ach ja, im Steak war eine fette Sehne. Und der geschenkte Rotwein wurde aus gutem Grund weiter verschenkt, da kannste auch gleich Essig trinken. Den kippen wir besser nicht pur hinters Womo, da stirbt sonst ja alles ab. Ich halte mich jetzt lieber für den Rest des Abends an Netflix. In der heutigen Episode wollen ein paar irre Köpfe die Welt retten, was kann da schon schiefgehen.

Nach der zweiten Nacht wollen wir weiter. Es dämmert gerade, da fallen wir aus den Betten – denn es fängt zu regnen an. Und wir wollen hier rausfahren, ohne die Wiese dabei umzugraben. Also fahren wir JETZT. Nun bin ich früh morgens nicht die leistungsfähigste Person auf Erden, aber ich funktioniere halbwegs. Und wir schaffen es auch ohne Schäden raus, stellen uns zwei Kilometer weiter auf den Parkplatz vom Friedhof am Dorfrand. Erstmal Kaffee.

Wir haben ja schon so eine Idee, wo wir hin wollen. Aber heute nicht, vielleicht morgen.

Doch ist es irgendwie schon so, dass die Luft bei dieser Sommertour etwas raus ist. Irgendwie ist immer irgendwas, und irgendwie hatten wir einfach schon geilere Sommer. Ja, ich weiß, das Jammern auf allerhöchstem Niveau, andere reisen in diesen Zeiten gar nicht, oder drängeln sich mit tausend anderen Campern an irgendeinem deutschen See. Aber das hilft mir persönlich ja auch nicht weiter, bin gerade halt etwas mäkelig. Also irgendwie ist das Wetter doof – Wind, Regen, Nebel, und das im portugiesischen Sommer! Oder aber das Gegenteil, es ist so trocken, dass allerhöchste Waldbrandstufe ausgerufen wird, und man sich an einigen Orten nicht mehr in der Natur aufhalten darf. Oder es ist zu viel los, weil die Portugiesen gerade Urlaub im eigenen Land machen. Oder es hat kein Internet, obwohl wir direkt neben dem Funkmasten stehen.

Aber all das ist es eigentlich nicht. Es fehlt ein bisschen das Entspannte und der Spaß am Reisen. Die Sommerfeste, die man in Portugal automatisch findet, Beim Durchs-Land-Tingeln. Das Chatten mit den Einheimischen beim Bummeln durch Städtchen und Dörfchen. Machen wir gerade irgendwie nicht, denn mit Maske ist mein Portugiesisch halt noch schlechter, und ich verstehe mein Gegenüber kaum. Alles läuft, aber vieles auf Halbmast. Im Restaurant gibt es keine Karte oder keinen Nachtisch, weil sie zu wenig Gäste haben, das würde nicht lohnen. Also obwohl es hier in Portugal sehr entspannt ist zu reisen, so richtiges Sommerfeeling mag bei mir nicht wirklich aufkommen.

So, genug gejammert, wo waren wir? Ach ja, heute fahren wir nach Süden. Das Wetterproblem sollte doch zu lösen sein, ehe der Sommer rum ist?

Auf dem Weg finden wir sowas wie einen alten Schiefersteinbruch. Also ich kann nur vermuten, dass sie hier Schiefer abgebaut haben, denn davon liegt hier einiges rum. Es gibt verlassene Gebäude, einen überfluteten Tunnel / Stollen in dem Tauben leben, und sie haben den Fluss wohl sogar mal umgeleitet gehabt, um an das Zeugs zu kommen.

Wir haben einen kleinen See ausgemacht, den wollen wir ansteuern. Ist auch wirklich nett, ein schön angelegtes Seeufer und so. Aber es ist Naturpark, und es ist schräg, und es hat wieder diesen ekligen Wind. Also parken wir relativ lieblos an der Staumauer und nahe der Straße, ist ja nur für eine Nacht. Und ab sofort sehen wir alles wieder etwas positiver, bitteschön: Dank dem Mistwetter ist kaum einer unterwegs – bei Badewetter ist hier sicherlich mehr los.

Am nächsten Morgen ist der Wind weg. Er hat leider vergessen die Wolken mitzunehmen, und so machen wir uns weiter auf den Weg nach Süden. Heute wird ein längerer Fahrtag, zumindest für unsere Verhältnisse. 150 Kilometer, wohooo!

Es geht aber, denn heute fahren wir hauptsächlich Autobahn. Bei den ganzen Kurven in den letzten Tagen war mir doch etwas flau im Magen …

Wir sind wieder im Centro, und zwar im Osten, nahe der spanischen Grenze. Na, was ist noch im Centro? Richtig, die Quinta Prazera. Und nein, sie ist nicht unser Ziel – aber wir kommen quasi dran vorbei. Zeit, um meine Neugierde zu befriedigen: Wie sieht es da aus? Hat irgendwas von dem Grünzeugs, das ich da vor unserer Losfahrt angepflanzt habe, überlebt? Hat die Quelle noch Wasser? Ach, was soll’s. Wir schauen kurz nach. Parken den Laster außerhalb am Straßenrand und fahren mit dem Quad rein. Quasi ein Express-Heimatbesuch.

Das Grundstück ist wohl erhalten und pfurztrocken. Sehr erfreulich, dass der Palmengarten an unserem Stellplatz überlebt hat.

Und sogar die Blumen am pfurztrockenen Blumenhang leben noch. Wirklich erstaunlich.

Seit wir unterwegs sind hat es genau einmal etwas geregnet, und das war gestern. Wir schauen aber noch zur Quelle, und nein, ganz leer gelaufen ist sie nicht, aber sehr viel Wasser kommt da auch nicht mehr raus. Die Badewanne ist leer, das Wasser sickert an den undichten Stellen heraus, aber die Tonne ist voll.

Das ist schonmal gut, denn das bedeutet, dass die Solar-Bewässerungs-Pumpe nicht gestorben ist. Sie haben wir ja am Tag unserer Abreise installiert, auf dass sie zweimal am Tag die Pflanzen im Hochbeet tröpfchenweise mit Wasser versorgt. Hat wohl geklappt: Baum, Erdbeeren, Süßkartoffel – fast alles hat überlebt!

Richtig spannend wird es aber an dem Wassergraben, den ich ebenfalls kurz vor der Abreise fertig gemacht und bepflanzt habe. Alles, was überleben sollte, dort einfach in den Boden gesteckt.

Holla die Faldfee, hier ist es aber grün! Tatsächlich sind auch hier so ziemlich alle Pflanzen gewachsen – und teilweise wirklich wie sonstwas. Alles wuchert, natürlich auch das Gras und etwas Unkraut, man kann kaum erkennen, was wo wächst und zu wem gehört.

Wenn eine Zucchini zwei Kilos wiegt, ist sie dann groß oder nicht? Die Setzlinge habe ich vor gut zwei Monaten gekauft. Ist ja verrückt. Vor allem sind alle Pflanzen was geworden! Ich hatte mit 50% Ausfall kalkuliert und deshalb ein paar Zucchinis und Melonen mehr angepflanzt. Verdammt, das sollte doch nur ein Test werden! Jetzt haben wir kurz mal über 10 Kilos Monsterzucchinis geerntet. Naja, eigentlich mehr, denn auch nachdem wir die zwei größten Exemplare verschenkt haben, sind es irgendwie immer noch 10 Kilos.

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Ja. Es ist wirklich ALLES gewachsen. Basilikum und Salat blühen auch schon aus, Melonen und Zucchini sind gigantisch geworden. Die Zucchini freilich schon wieder zu groß. Aber bei der ersten Ernte zählt ja nicht das Geschmackserlebnis, sondern wie groß die Beute ist, oder? Auf Qualität statt Quantität schauen wir dann einfach beim nächsten Mal. Sogar Andre ist jetzt angetan von meinen gärtnerischen Aktivitäten. Wenn das so einfach geht, einfach nur Sonne und Wasser, da lässt sich doch was draus machen? Ja, da geht noch was. Ich hab ja noch nichtmal Kompost oder sowas benutzt …

Der Abstecher zur Quinta Prazera war nur der Neugierde geschuldet. Denn natürlich ist es jetzt wieder „zu heiß“. Also nicht für uns persönlich, sondern um irgendwo zu stehen, wo es keinen See gibt. Und für körperliche Arbeit ist es ohnehin zu heiß. Und ich denke, dass man Gartengeräte derzeit auch noch nicht benutzen darf. Hinzu kommt, dass die Quelle nur noch mager Wasser bringt. Also verschieben wir den nächsten Aufenthalt auf der Quinta Prazera wie geplant auf den Herbst. Jetzt fahren wir erstmal an einen See.

An den See, an dem wir bereits öfters für mehrere Wochen waren, allerdings immer erst im September. Jetzt haben wir August, und es sind noch Sommerferien in Portugal. Wir erwarten Menschenmassen, die die heißen Tage wie wir gerne am Wasser verbringen. Naja, Menschenmassen ist jetzt vielleicht übertrieben. Aber es hat schon einige Besucher. Ist aber auch schön hier.

Undenkbar, so einen schönen Ort in Deutschland zu finden, oder? Oder wie voll wäre so ein See wohl in Deutschland? Hier fahren die Leute gemütlich mit dem Auto ans Seeufer. Manche packen ihre Schwimminseln, Jetskies oder Sonnensegel aus. Hunde und Kinder rennen frei rum, es wird geangelt und gebadet. Zwischendurch kommen ein paar Löschflugzeuge vorbei. Nicht, weil es brennt, sondern weil sie Übungsflüge absolvieren, inklusive Wasserlandung und Wasserstart. Damit nichts passiert, kommt auch die GNR angefahren und die Jetskis müssen kurzfristig am Ufer bleiben.

Ja, hier können wir es wohl aushalten. Es ist „zu warm“, also genau so, wie wir es mögen 😀

Wir gehen mit den deutschen Nachbarn Essen, verköstigen diverse Sorten an portugiesischem Alkohol, der See sorgt tagsüber für Abkühlung, und auch nachts kann man noch gut reinspringen. Max schafft es, die Nachbarshündin, die sonst wirklich nie mit anderen Hunden spielt, zum Spielen zu animieren. Der Anfang ist gemacht, nun kann Ziva ihr zeigen, wie man richtig dolle rumtobt. Andre geht quaddeln, ich fange wieder das Portugiesisch lernen an …

Und schau an, da ist es wieder, das Sommerfeeling.

Das war’s für heute, danke für die Aufmerksamkeit. Ich geh jetzt mal ein paar Zucchini-Rezepte googeln …

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Wie hat nochmal gleich der Letzte Reiseblogpost geendet? Ach ja, wir stehen auf dem Hügel, ein schöner Platz mit Aussicht auf Portugals Nationalpark Peneda-Gerês, und mit einer Viehtränke nebenan. Wie lange wir jetzt bereits auf dem Platz rumstehen? Eine Woche oder so? Bestimmt. Jedenfalls lange genug für die eine oder andere Quadtour, wir hatten Besuch, ich war zweimal im Ort zum Einkaufen.

Und zumindest lange genug, dass die Pferde sich schon an uns gewöhnen konnten, sie sind jetzt deutlich weniger scheu als zu Beginn. Und bevor ich jeder Herde noch Namen gebe, und im Geiste bin ich schon dabei, ziehen wir besser weiter. Naja, und bevor Ziva noch die restlichen Stücke des größeren, ziemlich verwesten, Tieres daherschleppt. Pferd oder Kuh, die halbe Wirbelsäule ist schonmal da. Also weiter.

Luftlinie sind es gerade einmal 9 Kilometer bis zu unserem nächsten Platz. Und das ist ein ganz Besonderer: unser allererstes Sternchen auf Google Maps, das wir nach der Entscheidung, uns ein Allrad Wohnmobil auszubauen, gesetzt haben. Eines von den Sternchen, das wir mit dem alten Womo nicht erreichen konnten, einfach weil der Weg zu schlecht, zu ausgewaschen und zu steinig ist. Jetzt aber haben wir das richtige Fahrzeug für diesen Hammer Platz, an den sonst auch kaum einer ohne passendes Fahrzeug hinkommt, los geht’s!

Und was ist? Sie haben den Weg gerichtet. Er ist neu geschoben, arschglatt wie ein Kinderpopo, da braucht man kein Allrad mehr für, jeder Ford Fiesta kommt hier rauf.

Entsprechend viel ist hier auch los. Während wir vor zwei Jahren weiter unten am Wegesrand standen und mehrmals täglich beobachten konnten, wie diverse Ausflügler mit Moped oder Pkw auf halbem Wege nach oben gewendet haben, kommt jetzt jeder problemlos hoch. Entsprechend viel ist hier am Nachmittag los: Radfahrer, Wanderer, Mopedfahrer und Pkws, es ist ein kommen und gehen. Naja, ist halt auch schön hier, das wissen nicht nur wir. Gegen Sonnenuntergang wird es ruhig, und wir überlegen uns, was wir mit dem morgigen Tag anstellen werden. Zumal es hier oben auch immer noch recht heiß ist.

Am nächsten Morgen, 10 Uhr, ich denke wir haben die 30 Grad bereits geknackt. Mir ist es definitiv zu heiß, um die angedachte Wanderung in Angriff zu nehmen. Andre ist hitzeresistenter und dreht mit der Ziva eine größere Runde übern Berg. Ich befasse mich mal wieder mit meinem neuen „Hobby“, dem Videoschneideprogramm, und da geht es schon los: Der „Club de Moto“ hat sich für den Sonntagsausflug unser ruhiges Plätzchen als Ziel ausgeguckt.

Es ist Sonntag, da sind die Zweiradclubs in Portugal immer unterwegs. Naja, und wir befinden uns im Nationalpark Peneda-Gerês, dem Tourihotspot überhaupt, und so erwarten wir für heute noch viele Besucher mehr. Ab Mittag jedoch ebbt der Besucherstrom ab, sind jetzt wohl alle beim Essen. Aber auch danach bleibt es ruhig. Naja, bis dann doch ein Fahrzeug daher kommt, und die haben ICNF-Aufkleber an der Seite. Mir schwant, die wollen zu uns. Es ist zwar am hellichten Tag, und doch ist das Übernachten im Nationalpark ist verboten, na mal schaun. ICNF ist übrigens die Behörde für Wald und Wiese, für Natur- und Nationalpark. Doch das Problem im Moment ist nicht das Übernachten, sondern die Feuerwarnstufe ALERTO. Diese ist quasi eine Erweiterung, wenn 6 von 6 Risikowarnstufen schon erreicht sind.

Dass diese Warnstufe in ganz Portugal ausgerufen wurde, das wusste ich. Aber was wir nicht wussten: man darf dann auch nicht in „bewaldete Gebiete“ rein. Also nicht in die Gebiete, die von den lokalen Behörden als besonders risikoreich definiert wurden. Also weder mit dem Auto, Moped, Fahrrad oder zu Fuß. Dafür ist hier oben aber ganz schön viel los? Also zumindest bis heute Mittag. Ja, meinen die Herren, sie haben im Nationalpark keine Schilder um auf die gesperrten Zonen hinzuweisen. Also fahren sie rum und reden mit den Leuten. Ist ja nett, aber irgendwie auch nicht wirklich effektiv, oder?

Aber egal, das Ergebnis ist das Gleiche: wir versprechen umgehend zu fahren, packen auch gleich zusammen und machen uns auf den Weg. Nur konnten wir uns bisher nicht entscheiden, in welche Richtung. Berge und Bäche oder doch Küste? Links oder rechts abbiegen? Zu heiß oder zu kalt? Andre will ans Meer, mir ist das auch recht, also fahren wir an die Küste.

Wir landen südlich von Viana do Castelo an, auf einem kleinen Strandparkplatz. Früher war das ein wilder Sandplatz, heute ist er „schön“ eingefasst, mit Holzpflöcken, wie man das gerne macht. Platz hat es zwar genug, doch sagt uns der Umstand nicht zu, dass wir mit dem Laster gleich vier Parkplätze belegen. Tja, alles hat seine Nachteile, und der Laster ist halt groß. Wir lassen kurz die Hunde raus, und zücken dann Plan B – und fahren ein Stück weiter nach Norden, also nördlich von Viana do Castelo. Da hat es mehrere, auch größere, Strandparkplätze.

Und der Erste ich auch gleich ein schöner: der Parkplatz ist größer und so angelegt, dass wir nur noch anderthalb Plätze belegen.

Was man aber nur mit ausreichend Bodenfreiheit schafft, denn hier haben sie es echt mit ihren Holzpflöcken.

Es gibt einen tollen Strand, mit Steinen und so. Alles ist sauber, es liegt nirgendwo Müll rum, und in den alten, gemauerten Fischerhäusern in den Dünen machen ein paar junge Leute Party. Gut, die flutlichtartigen Straßenlampen machen die Nacht zum Tage, aber dafür haben wir ja Rollos.

Am nächsten Morgen drehe ich mit den Hunden eine Runde am Strand und wir sehen zu, wie die Rettungsschwimmer sich für den Tag wappnen. Es ist Sonntag und Sommerhochsaison, es werden Gäste erwartet. Vielleicht hätte ich die mal fragen sollen, inwiefern Flipflops vor Corona schützen? Das hätte mich ja jetzt schon interessiert …

Wir überlegen noch, ob wir das Quad hier ausladen und mit dem Motorkamel die nächsten Plätze erkunden, oder ob wir dafür gleich den Laster daher nehmen. Also ich überlege noch, während ich mir mein Frühstücksbrötchen schmiere und einen Kaffee rauslasse. Kaum bin ich damit fertig und setze mich mit dem Frühstück an den Laptop, da klappt Andre seinen plötzlich zusammen und ist abfahrtbereit. Er hat zwischenzeitlich zu Ende gedacht, doch ich habe es nicht mitbekommen, denn er hat nicht laut genug gedacht. Nagut, dann halt ein Frühstück To Go.

Am späteren Vormittag fahren wir erst einen Strandparkplatz an, der uns nur bedingt zusagt. Denn direkt am Radweg zu wohnen ist etwas trubelig. Der zweite Versuch gelingt besser, zumal es hier einen Platz neben dem eigentlichen Parkplatz gibt. Da stehen auch bereits einige Familien und Surfer, und etwas abseits, noch ein Stückchen weiter, stehen wir jetzt. Und da bleiben wir nun auch die nächsten Tage – wenn nicht wieder dazwischen kommt.

Freilich, super einsam ist es hier nicht, zumal der Bananenlaster ein recht beliebtes Fotomotiv ist. Man merkt, hier ist das Publikum anders als im Hinterland. Auch da winken sie, gibt es Daumen nach oben, oder schnell mal ein Foto. Hier fahren die Camper neben uns ran, machen kurz ein Selfie, fahren weiter. Wir denken über eine Selfie-Dieselkasse nach.

Ich selbst mache die Tage nicht so viele Fotos, denn Nebelbilder sind nicht so sehr mein Fall. Der Strand ist super – groß, sandig und leer. Die Aussicht ist aber nicht der Hit, denn wir stehen hinter einer Hecke. Was aber egal ist, denn eher selten lichtet sich der Nebel.

Ein Nachteil des Platzes hier ist also das Wetter. Ein paar hundert Meter hinter der Küste gibt es eine Hügelkette, und da bleiben wohl die Wolken hängen, und so hängen sie über uns. Sommer im Portugal, ohne Sonne – ist irgendwie auch doof. Und es sollte uns nicht wundern, dass es an der Küste mal wieder zu kalt ist. Dafür sind die Nachbarn nett, und wir nutzen die längeren Gespräche über Eiwola, Wohnmobile und so – gut, um unser Englisch aufzubessern. Wieder einmal zeigt sich: mein Englisch mag besser sein als Andre seines, aber sein technischer Wortschatz ist größer. Er kennt englische Begriffe der Fahrzeugtechnik, die kenne ich noch nichtmal auf Deutsch.

Nach drei Tagen oder so ziehen wir weiter. Das mit dem Meer war ein netter Versuch, und doch haben wir es lieber „zu heiß“ als „zu kalt“. Und so treten wir den Rückzug an, und fahren wieder in die Richtung, aus der wir gekommen sind.

Mit einem gezielten Zwischenstopp in Barcelos. Die Stadt ist nett, man kann zentrumsnah parken, und Donnerstag ist Portugals größter Wochenmarkt. Also los. Wir parken auf dem Parkplatz, der glaube ich sogar ziemlich offiziell für Wohnmobile freigegeben ist. Ui, den habe ich aber besser in Erinnerung. Obwohl, an das Wasserpumpenhaus kann ich mich noch erinnern. Das geht tagsüber alle halbe Stunde an und brummt dann verdammt laut. Aber was soll das mit dem Müll? Und welches Ferkel hat seine Kassettentoilette direkt an der Straßenlaterne entleert? Bäh. Aber gut, man kann mit den Hunden hinten raus laufen, und es ist ja nur zum Übernachten, für eine Nacht. Ich habe trotzdem Kopfschmerzen des Todes, denn dieser Geräuschpegel, das ist nichts für mich. Die benachbarte Staustufe macht Lärm, das Wasserpumpenhäuschen macht Lärm, die benachbarten Spanier machen Lärm, das benachbarte Freibad macht Lärm, und die Stadt vermutlich auch. Ach, war das ne Scheiß Idee. Ich bin einfach nicht mehr lärmresistent, das fällt in letzter Zeit immer wieder auf.

Viele Ibuprofen später gehen wir dann noch in die Stadt, was essen. Das ausgesuchte Schicki-Micki-Restaurante war uns dann doch nicht genehm, und so sind wir im Francesinha-Restaurante gelandet. Und weil es schonmal gut war, habe ich mir wieder eine Meeresfrüchte-Francesinha bestellt. Und wieder hat kein Nachtisch reingepasst! Jetzt sind wir bereits seit so vielen Monaten in Portugal, und noch immer hat es zu keinem „Doce da Casa“ gereicht. Nagut.

Max fand es übrigens nicht so gut, dass wir Pommes über hatten, und ihm gar keine mitgebracht haben.

Vor und nach dem Essen gibt es im Zentrum von Barcelos viele gute Gelegenheiten um Foto zu machen. Barcelos ist wunderbar bunt, denn die Gärtner hier haben scheinbar unbegrenztes Budget.

Da wird sogar aus der Sonnenuhr eine Blumenuhr gemacht.

Gut, der Zigaretten-Stummel-Baum ist jetzt keine Augenweide, aber immerhin bleibt man dem Motto treu.

In Barcelos stehen überall keramische Figuren rum. Meist ist es das Stadtmaskottchen, der Goggel von Barcelos. Manchmal aber auch die barcelonischen Stadtmusikanten. Ich weiß ja nicht, die gucken ja nicht sehr fröhlich, spielen bestimmt gerade ein trauriges Lied …

Goggel gibt es in allen Farben und Größen …

Und abends, wenn pünktlich zur blauen Stunde das Licht an geht …

Leuchtet auch der Leuchtehahn.

Am nächsten Morgen geht es relativ zeitig auf den Markt. Wir sind offensichtlich etwas zu spät dran, denn die Schlange vor dem Eingang ist etwas lang. Ja, es gibt eine coronabedingte Einlasskontrolle. Da steht einer, der zählt, wie viele rausgehen, und genauso viele lässt er rein. Hände desinfizieren und Maskenpflicht, das war uns ja klar, deshalb sind wir auch recht zeitig dran. In der Mittagshitze mit Maske durch die Stände laufen, ich glaube das ist nicht so chillig. Der Markt ist wie immer, von allem gibt es vieles.

Eigentlich ist die Hälfte des Marktes für uns sowieso uninteressant, denn der besteht aus Textilien aller Art. Klamotten, Kittelschürzen, Spitzendeckchen, soweit das Auge sieht. Wir suchen Anderes, und werden nur teilweise fündig. Aber immerhin kaufen wir Leckeres zu essen ein. Obst, Süßkram, Brot, sowas geht da gut. Allzu ewig halten wir uns dann doch nicht auf dem Markt auf. Ich könnte da ja zwei Stunden lang durch die Stände schlendern, doch habe ich meinen Packesel dabei, der kann die Bummelei nicht ganz so sehr genießen wie ich.

Aber das Frühstück, das wir uns da besorgt haben, das tut es ihm auch …

Reicht dann aber auch. Zurück zum Stellplatz und schauen, wie wir aus der Nummer wieder rauskommen. Ganz Barcelos ist zugeparkt, und wir sind bekanntermaßen nicht gerade mit dem kleinsten Fahrzeug unterwegs. Ich hätte da ja schon mit dem Ducato eine mittlere Krise bekommen. Zum Glück fährt Andre.

Unser Ziel ist eine Kapelle auf einem Hügel. Wir kennen ja schon einige Kapellen und einige Hügel, aber die hier noch nicht. Wir sind schon durch Braga durch, da sehen wir so ein quietschebuntes Wohnmobil im Kreisverkehr. Das kenn ich doch, das hab ich doch angemalt! Und die Ulrike sieht uns auch, und nun fahren die verrückten Deutschen mit den beiden Wohnmobilen mehrere Runden durch den Kreisverkehr, ehe einer mal rausfährt und der andere hinterher. Eigentlich wollten wir der Ulrike ja spätestens übermorgen einen Überraschungsbesuch auf dem Campingplatz abstatten, aber so ein Kreisverkehr-Meeting ist ja auch nicht übel. Wir dehnen das noch etwas aus und verabreden uns für später auf dem Kapellenhügel.

Die Strecke zwischen Braga und Peneda-Gerês ist wunderschön. Und man kann die Aussicht links und rechts genießen, vor allem wenn nicht ganz so zügige Fahrzeuge vor einem her fahren. Denn überholen ist hier nicht, mit dem Laster gleich zweimal nicht.

Die letzten Meter zu unserem heutigen Ziel sind „interessant“. Hier hat es gebrannt, und das kann nicht allzu lange her sein. Der Farn wächst schon wieder, ist ca. 15cm hoch, daraus ergibt sich nach meiner nichtwissenschaftlichen, subjektiven Beobachtung, dass es vor etwas vier Wochen gebrannt hat.

Auf dem Kapellenhügel ist es super schön. Große Kullersteine und großes Kino, die Aussicht ist super.

Wir stehen nahe an der Kapelle, und nahe an dem Rudel Funkmasten, den sie hier aufgestellt haben. Ich ahne bereits, dass es nicht der beste Platz ist, angesichts des nahenden Wochenendes, es ist mit hohem Besucheraufkommen zu rechnen.

Doch das eigentliche Problem ist erst einmal das Internet. Denn wir stehen vermutlich ZU nahe an den Funkmasten – der Empfang ist super, die Bandbreite miserabel.

Und da auch ein Auto nach dem anderen hier hoch fährt, ist absehbar, dass wir hier nicht allzu lange verweilen werden. Hach ja, irgendwas ist ja immer.

In der Nacht habe ich super geschlafen – nachdem der letzte Trecker um Mitternacht durch ist, bin ich endlich eingeschlafen. Super ruhig hier oben. Also wenn man einen guten Schlaf hat. Da war ich heute wohl die Einzige, denn Andre wie auch Ulrike haben am nächsten Morgen den nächtlichen Verkehr moniert. Ich weiß von nix.

Also geht es heute weiter nach Osten. Ich habe bereits durchscheinen lassen, dass ich eigentlich nicht an den schönsten See im Norden, den Rabagao, hin will. Denn das ist der so ziemlich am Negativsten behaftete Ort in ganz Portugal. Hier ist Tizon vor knapp zwei Jahren gestorben, und hier am Südufer haben wir ihn auch begraben. Aber gut, es gibt ja auch noch das Nordufer, und wenn Andre da was findet, dann passt das schon. Er findet ein schönes Plätzchen, also machen wir uns auf den Weg. Tausend Kurven später, wir fahren auf den Rabagao zu, kommen wir an die Stelle, kurz vor der Staumauer, wo Tizon auf dem Beifahrersitz neben mir gestorben ist, wo ich rechts rangefahren bin. Puh, da kann einem auch heute noch ganz anders werden.

Wir fahren weiter, ans andere Ende des Sees. Versuch Nummer Eins ist nichts, gleich an der Einfahrt Bäume mit tief hängenden Ästen. Na, wenn das schon so losgeht, lass mal. Plan B ist dann von Erfolg gekrönt, wir stehen auf einem schönen Plätzchen direkt am Ufer.

Super Wetter, super blauer See, super Internet, super einsam. Wie für uns gemacht. Hier bleiben wir dann mal wohl, bis auf Weiteres.

Am Abend fahren wir mit dem Quad ins nächste Restaurante. Eine Quinta, mit Landwirtschaft, kleinem Campingplatz, Restaurant und guten Bewertungen. Naja, das Essen ist so mittel, dafür aber ist der „Vinho da Casa“, also der Rotwein, erstklassig. Und da ich ja nicht fahren muss, gönn ich mir mal.

Der Platz bleibt super, das Wetter hat es sich anders überlegt. Heute haben wir Wind im Programm. Und zwar konstanter Starkwind. Die Motivation, nach draußen zu gehen, hält sich in Grenzen, und so bleiben wir drin. Bis auf eine Quadrunde mit den Hunden. Ja, plural. Denn sogar Max rennt mit, eine Runde um die Halbinsel. Sogar er hat keinen Bock mehr darauf, drinnen festzusitzen.

Ach ja, wir haben in Barcelos eine neue Actioncam gekauft. Die alte GoPro ist doch sehr in die Jahre gekommen, und wir hoffen auf neuere, bessere Technik. Erste Versuche sind gut, die Quadvideos sollten künftig deutlich besser werden. Und auch die Köter-Filmerei könnte noch lustig werden …

Also mache ich mich mit dem Quad auf die alternative Platzsuche. Irgendein Plätzchen, mit oder ohne Seeblick, ist mir jetzt auch egal, hauptsache es ist windstill und leise. Ich werde da fündig, wo bereits einige andere stehen, da der Platz auf Park4Night drin ist. Aber es ist weitläufig genug, und Andre, der den Bananenlaster inzwischen fahrfertig hat, kommt nach.

So, mal schauen, wie lange wir hier bleiben werden. Oder ob mal wieder was dazwischen kommt, ganz nach dem Prinzip „Irgendwas ist ja immer“.

In diesem Sinne, danke für die Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Reiseblog. Der wird wahrscheinlich auch vom Norden handeln. Denn wir sind noch gar nicht ganz oben in Nordportugal, es geht noch weiter. Aber nicht nach Peneda-Gerês, den Nationalpark haben wir uns vorerst abgeschminkt …

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So viele Bilder, so viel Text, und jetzt auch noch Videos! Ja, es wird wieder höchste Zeit für einen neuen Reiseblog. Der kommt derzeit etwas öfters, weil er sonst einfach zu lang wird. Und ich kann ja nicht von euch verlangen, dass ihr euch einen halben Tag Urlaub nimmt, nur um meinen Blog zu lesen. Obwohl …


Ehe es losgeht, erstmal ein Reminder an mich selbst: Wenn man an einem heißen Tag aktiv sein wollte, und es in Frage kommt, dass man viele Treppenstufen laufen müsste, dann sollte man vorher was trinken und essen. Denn ansonsten könnte es sein, dass man von einer popeligen Treppe ziemlich heftige Wadenmuskelschmerzen bekommen könnte. Magnesiummangel kann echt fies sein. Und von dieser Treppe, fotografiert beim Lost Place aus dem letzten Reiseblog, habe ich noch tagelang was von.

Also lassen wir es ruhig angehen. Wir stehen am See, und ich schwimme lieber mal nicht so weit raus, falls diese Wadenmuskelschmerzen im erfrischenden Wasser zu einem Wadenkrampf werden möchten. Max schwimmt auch nicht allzu weit raus, oberhalb des Bauchnabels wird er definitiv nicht freiwillig nass. Ziva widmet sich weiter dem Wassertreten und versucht beim Minifischefangen nicht allzu nass zu werden. Pfoten sind Okay, aber bitte nicht mehr! Außer natürlich, sie taucht gerade nach einem Fisch. Dann sind Kopf und Hals komplett unter Wasser. Dieser Hund ist manchmal ja schon eine Nummer …

Und am dritten Tag schafft sie es tatsächlich: während ich gerade draußen bin, ein bisschen Wassertreten, schnappt sie sich doch tatsächlich einen kleinen Fisch und verschleppt ihn an Land. Doch dann lässt sie ihn fallen – entweder, weil er so komisch zappelt, oder weil sie sich nicht sicher ist, ob sie ihn jetzt haben kann, oder ob sie gerade was Unerlaubtes gemacht hat. Das ist des Fisches Chance – wir machen ein Foto, und ich setze ihn zurück ins Wasser.

Er schwimmt auch gleich davon, was die Ziva sieht, und da hechtet sie ihm hinterher, und erwischt in gleich nochmal. Sie lässt ihn wieder fallen. Also Frollein, mit dem Essen spielt man nicht, entweder auffuttern oder zurück ins Wasser damit! Also setze ich ihn nochmal zurück, dieses Mal ein paar Meter weiter. Er lebt, aber nach ein paar Metern schwimmt er mit dem Bauch nach oben. Jetzt ist er Fischfutter.

Wir bringen etwas Abwechslung ins Wochenendprogramm, und besteigen das Quad um auf die andere Seite des Sees zu fahren. Denn hier gibt es einen Lost Place, einen wohl bekannten. Andre war hier schonmal, vor zwei Jahren. Und wir sind jetzt gespannt, wie sehr er sich verändert hat.

Es ist eine alte Olivenölmühle, in der im Prinzip noch alles erhalten ist. Inklusive den letzten Mittagspause-Weinflaschen und anderem Kram. Jemand hat jüngst mal den Rasen gemäht und die Vordertüre zugesperrt, die war letztes Mal nämlich noch offen. Wie gut, dass es noch eine Hintertüre gibt.

Der Haupteingang lässt vermuten, dass die Mühle bereits seit Längerem zu verkaufen ist.

Zumindest hat sich jemand mit dem „Se Vende“ Schild (unnötig) viel Mühe gegeben.

Der Nachbar wird diesen Sommer noch richtig schöne Zucchinis ernten können. Da kommt mir der Gedanke, wie sehen wohl meine Zucchini-Pflanzen auf der Quinta Prazera aus? Ein vertrocknetes Elend oder demnächst bereit zum Ernten? Sollte ich mal unsere Nachbarin bitten, einen Spaziergang zu machen, um meine Neugierde zu befriedigen?

Der andere Nachbar hier hat ein Pferd im Garten stehen.

Drinnen sind noch alle möglichen Gerätschaften am Start, um aus Oliven ein Olivenöl zu produzieren. Hier ein Teil der Mühle, wo mit dem Mühlstein die Oliven erst einmal geschreddert werden.

Dann werden die geschredderten Oliven abwechselnd mit diesen Matten aufgeschichtet.

Und das Paket kommt dann in die Presse. Unten läuft das Olivenöl raus. Das über gebliebene Olivenschrot liegt überall in der Mühle verteilt.

Während gepresst wird, kann man schön Pause machen, ein Weinchen trinken.

Doch zum Abspülen blieb wohl keine Zeit …

Wie lange das hier wohl schon leer steht? Ein Kalender lässt es vermuten.

Was ich nicht verstehe, sind diese Becken hinterm Haus. Ich dachte erst an Viehställe, aber da fehlt der Zugang, man kommt nur von oben ran, es gibt keinen Verschlag, keine Türen.

Das wird jetzt aber wohl unser letzter Besuch gewesen sein. Denn die Decke wird nur noch durch die Maschinen vor dem Zusammenstürzen zusammen gehalten. Okay, hier und da ein Baum, um das Dach abzustützen. Der ist übrigens neu. Ich schätze, dass diese Konstruktion spätestens beim nächsten Sturm in sich zusammen fallen wird.

Es ist Sonntag, und wir ziehen weiter. Nach ein paar Tagen am See sind jetzt wieder Steine dran. Unser Ziel ist eine Hochebene, eine Serra bei Villa Real. Auf dem Weg dorthin gehen wir noch einkaufen, Wasser und Gas tanken. Das mit dem Gas ist höchste Eisenbahn, denn es passen 5kg Gas in die 5kg-Gasflasche. Hat jetzt übrigens genau vier Monate gehalten. Und wir haben viel gekocht, es gab wenige Restaurantbesuche, kaum Grillabende und auch der Backofen war nicht allzu oft im Einsatz.

Dann geht es hoch und rein in die Berge. Die Landschaft verändert sich langsam. Unten ist es wahnsinnig grün, zumindest in den Dörfern. Oben auf der Serra do Alvao hat es weniger grün, dafür mehr Hänge mit kargerem Bewuchs – und vielen Steinen. Der See, den wir eigentlich anvisiert hatten, an dem kann man leider nicht stehen. Ich vermute, dass es ein Trinkwassersee ist, denn sie haben einen ernsthaften Zaun drumrumgeklöppelt, hier badet also auch keiner. Aber wir finden ein anderes Plätzchen, etwas abseits.

Hier können wir das Quad ausladen und die Gegend ein bisschen erkunden. Zumindest, wenn der kräftige Wind nicht noch kräftiger wird. Die vielen Windräder hier oben machen schon Sinn …

Hier noch ein Profi-Tipp: wenn Du an Bäumen so Plastiktüten hängen siehst, dann fasse sie auf gar keinen Fall an! Auch nicht, wenn Du wissen willst, welche Konsistenz das Harz wohl hat. Und fasst Du sie doch an, dann fasse danach auf gar keinen Fall irgendwas an! Denn, Überraschung, Harz ist eine ziemlich klebrige Angelegenheit.

Dann kommt ein STOOOPPPP. Irgendwas war wohl zu viel. Fahren, Einkaufen, Fahren, der Wind, die Höhenmeter, die vielen Kurven, die knallende Sonne oder die zu kurze letzte Nacht – vermutlich ist es die Mischung, die mir eine Migräne-Attacke vom Feinsten beschert. Sowas habe ich ja nur alle paar Monate mal, und jedes Mal bei Reizüberflutung. Na super. Es wird immer schlimmer statt besser, trotz einer lustigen Mischung aus Espresso, Ibuprofen und Heilkräutern nach Art des Hauses. Wenn die Augen nicht mehr aufgehen, dann ab ins Bett, Rolladen runter, alles dunkel machen, und versuchen zu pennen. Aber da war ja die Hitze. Also Rolladen hoch, Fenster auf, Iiiih ist das hell. Das einzig Gute ist, dass es ein absehbares Ende gibt. Ich muss es nur schaffen, dass ich einschlafe, beim Aufwachen ist dann wieder alles gut – oder zumindest besser. So ist es auch dieses Mal, am nächsten Tag ist der Spuck fast schon wieder vorbei.

Und das ist auch gut so, denn ruhig ist es hier oben trotz der Ruhe nicht. Der Wind pfeift um die Hütte, mal stärker, mal schwächer. Und so machen wir uns nach zwei Nächten auf und davon. Andre hat beim Quaddeln einen schönen Picknick-Parkplatz gefunden. Das Quad laden wir nicht ein, Andre fährt den Bananenlaster, ich das Motorkamel. Und was bereue ich es, nicht die GoPro vorne rangeschnallt zu haben. Allein diese eine Ortsdurchfahrt, das Videomaterial wäre der Hammer. Also, liebe Damen, wenn ihr wollt, dass euch ältere portugiesische Männer zuwinken: fahrt Quad!

Der neue Platz ist super. Ein schöner Picknickplatz links von uns, ein gestauter Bach mit Wasserbecken zur rechten Hand. Die Kühe haben hier alles vollgeschissen, aber die dürfen das. Alles gut. Bis auf das Internet, das ist übelst. So packen wir erstmals die LTE-Antenne aus. Andre hat bereits ausgetüftelt, wie das Teil zu montieren sein soll. So, dass man es bei Bedarf rausholt und gen Funkmasten ausrichten kann. Und tatsächlich, aus zwei werden vier Strichies, und plötzlich haben wir auch anständiges Internet. Geht doch.

Ja, ich hab von diesem Platz leider nicht mehr Bilder, und auch kein besseres Bild von der montierten Antenne gemacht. Nächstes Mal.

Denn wir bleiben nicht allzu lange, denn so richtig ruhig ist der Platz ja nicht wirklich. Ich wette, im Dorf nebenan wohnen mehr Kühe und Hunde als Menschen. Alle Stunde latschen hier Kühe durch die Gegend. Oder der Bauer fährt mit dem Trekker vorbei, ein paar Hunde im Schlepptau. Oder andere Hunde kümmern sich früh morgens um die Mülltüte, die wir rausgehängt haben. Und dieses Rückwärtsgang-Gepiepse von diesem Bagger, das wird nach ein paar Stunden ja schon sehr grenzwertig. Schade, hier hätte man sich noch ein wenig umsehen können. Aber für die angedachte Wanderung ist es tagsüber ohnehin zu warm. Also laden wir das Quad ein und weiter geht es.

Der Kühlschrank ist irgendwie schon wieder leer, also ab zum Supermarkt. Momentan kaufen wir immer nur für ein paar Tage ein. Denn das Obst ist regional und reif, super lecker, aber hält nicht ewig. Nektarinen, Pfirsiche und Melonen haben übrigens gerade Saison.

Eigentlich wollten wir uns als Nächstes das „Casa do Pedro“ anschauen. Ein Haus, gebaut zwischen zwei großen Kullersteinen. Doch ehe wir nach dem Einkaufen weiter fahren schaut Andre nochmal bei Google nach – und entdeckt, dass da ein riesen Zaun drumherum gezogen wurde, und sie nehmen wohl auch 5€ Eintritt. Es hat irgendwie ganz plötzlich seinen Reiz verloren, dafür auf den Berg zu fahren. Also schauen wir, wo wir sonst noch Sternchen bei Google haben. Und da wir beide unabhängig voneinander das gleiche Sternchen gesetzt haben, fahren wir da jetzt einfach spontan hin.

Spontan ja, aber nicht unbedingt auf dem direkten Weg. Den versuchen wir freilich, denn das Navi kennt da eine Abkürzung, kennen wir ja schon. Der direkte Weg führt schön an einem See vorbei, und an dessen Ende muss man über die Staumauer. Die ist einspurig, relativ eng. Wir also voll darauf konzentriert, schön mittig zu fahren, und nicht das Mäuerchen anzuditschen. So sehen wir erst kurz vor dem Ende, dass wir was übersehen haben:

Die Herren im Pkw meinen noch, wir sollen die Spiegel einklappen und es versuchen. Ne, das mit der Höhe sieht nicht gut aus. Ich hangele mich aus dem Beifahrerfenster und strecke den Kopf übers Fahrerhausdach. Keine Chance, die Schranke ist mindestens 20cm zu tief. Also alles wieder zurück. Das ist übrigens eine der wenigen Situationen bisher, in denen der Bananenlaster wirklich zu groß war. Und auch diese ist nur entstanden, weil wir das Höhenbegrenzungsschild übersehen haben. Beim Rausfahren halten wir ganz gezielt danach Ausschau. Es ist alt und verwittert, es steht ein ganzer Roman drauf und ist ungefähr vier Kilometer entfernt angebracht. Ja, haben wir nicht gesehen.

Anstatt des Hauses zwischen den Felsen ist es nun also eine Kapelle unter dem Felsen.

Auch schön. Wahrscheinlich noch schöner, denn rundherum gibt es hier auch was – Picknicktische, Quellen, und verdammt große Steine.

Und auch einen Wanderweg, teils mit Stegen und Treppen, so dass man sicher den Berg hoch zum Miradouro rauflaufen kann. Max uns Ziva sind auch mit dabei. Ziva ist vorhin bereits mit Andre hier hoch gelaufen. Also eigentlich war sie heute schon fünfmal hier oben, bei diesem ganze vor-zurück-vor-zurück. Es hat Eidechsen. Und sogar Max lässt sich für die kleine Wanderung motivieren.

Der Weg ist echt toll – aber sicher ist der Weg nur so lange, bis man sich mal beherzt am Holzgeländer festhalten möchte. Besser nicht.

Überall, wo der Fels schlecht zu begehen ist, gibt es Stege mit massiven Holzplanken, und Treppen. Viele Treppen.

Oben angekommen wird man mit einer schönen Aussicht belohnt. Schatten hat es hier oben allerdings keinen, und die Eisdiele haben sie auch vergessen, also nichts wie runter.

Ich bin beim Runterlaufen mindestens so langsam wie beim Hochlaufen – zu langsam für Max. Er setzt sich hin, und fiepst rum, wenn es ihm zu lange dauert. Ziva fühlt sich direkt angesprochen und setzt zu einer Schleckattacke an.

Er lernt aber auch einfach nicht dazu.

Die Aussicht ist schön, und so habe ich auch schon unser nächstes Ziel vor Augen: Peneda-Gerês, der schönste, nördlichste und einzige Nationalpark von Portugal. Doch dafür muss ich erst mal wieder runter kommen. Hier oben Pause zu machen bringt eh nichts, mangels Schatten, und es hat auch abends um 19 Uhr immer noch über 30 Grad. Ich mache mich also auf den Weg, denn unten warten ein Eis und eine Dusche auf mich.

Es hat hier einige Besucher, alle halbe Stunde kommt ein Auto vorgefahren. Sie parken nahe am Womo, denn wie wir bevorzugen sie die schattigeren Plätze. Wirklich viele sind es nicht, aber ich vermute, dass es hier auch anders zugehen kann. Zumindest hat jemand jeden zweiten Baum mit Plakaten plakatiert, die zumindest heute ziemlich nutzlos sind.

Sobald die Sonne untergegangen ist, haben wir den Platz für uns alleine, und es ist mucksmäuschenstill. Sogar die Kühe unten auf der Weide sind nach Hause gegangen. Ideale Voraussetzungen für eine ruhige Nacht.

Irgendwann gegen Mitternacht gehen wir dann auch ins Bettchen. Ich bin gerade am Wegdösen, da höre ich etwas Tierisches. Wildschweine? Return of the Muhkuh? Ich höre ein tierisches Futtern, kann es aber noch nicht zuordnen, bis ich es sehe: ein Pferd. Steht unterhalb der Mauer unseres Wohnmobils, etwa 10 Meter von uns entfernt und ist am Grasen. Wo kommt das jetzt nur her? Und jetzt macht es auch schon Krach. Ist wohl eher ein Maultier oder sowas, dem Krächzen nach. Was hat es denn nur? Keine Ahnung, und dann hört es auch schon wieder auf uns grast weiter. Erstaunlicherweise ist Andre, der sonst schon beim kleinsten Hundefiepsen aus dem Bett springt, nicht davon wach geworden. Nun gut, penn ich halt auch weiter.

Am nächsten Morgen frage ich Andre, ob er das echt nicht mitbekommen hat. Und prompt werden mir Halluzinationen unterstellt. Pfft, da war ein Pferd! Das weiß ich genau!

Den nächsten Tag verbringen wir mit etwas Arbeit. Die Besucher kommen und gehen, es ist Urlaubszeit, und bestimmt die Hälfte der Autos haben ein schweizer oder deutsches Kennzeichen. Portugiesen, die auf Heimaturlaub sind, und der Familie die schönen Ecken ihrer Heimat zeigen. Am späten Nachmittag, als das Internet mal wieder Zicken macht, beschließen wir spontan, dass wir zum nächsten Plätzchen fahren. Da wissen wir, es ist ruhiger, und das Internet hat letztes Mal auch funktioniert.

Wir fahren also zur nächsten Kirche auf dem überübernächsten Hügel. Die kennen wir bereits, und wollen uns auf den hinteren Parkplatz ganz hinten verkriechen. Denn Andre will was am Laster rumfummeln, und da können wir auch die Hunde rumrennen lassen. Doch irgendjemand hat große Steine auf die Auffahrt gelegt. Naja, angesichts der vielen Feuchttücher und Bierflaschen, die letztes Jahr in der einen oder anderen Ecke rumlagen, kann ich mir denken wie das kommt. Wir könnten auch weiter vorne stehen, aber so richtig lauschig ist das nicht – und so beschließen wir, einfach mal die Piste weiter zu fahren. Da hat es viele Fahrspuren, mal schauen, wo wir da rauskommen.

Andre weiß schon wo wir hinwollen – ein Picknickplatz, den er letztes Mal bereits entdeckt hat. Doch mit dem Vario wollte er die Piste damals nicht lang fahren, die war zu schlecht. Freundlicherweise hat die jemand neu geschoben, denn jetzt ist sie gut. Und so landen wir unfreiwillig, aber glücklich, auf einem der besten Plätzchen überhaupt.

Ein Picknickplatz mit fließend Wasser.

Mit einer Herde Pferde, die den Rasen mäht.

Dazu eine nette Vegetation, runde Kullersteine und einen tollen Blick auf die Bergkette von Peneda-Gerês.

Und 4G Vollempfang. Weder Fliegen noch Moskitos. Zehn von zehn Punkten, würde ich sagen. Wenn nichts dazwischen kommt, bleiben wir bis auf Weiteres.

Und eines dürfte wohl klar sein: wenn heute Nacht wieder ein Pferd unterm Womofenster rumkrakeelt, dann wird der Bettnachbar aber sowas von aufgeweckt!

Und so ziehen die Tage ins Land. Wir arbeiten ein wenig. Ich kann euch sogar sagen, was ich arbeitstechnisch gerade alles mache:

Zum Beispiel schreibe ich laufend am Blog. Alle drei Tage ein bisschen, sonst vergisst man den Kram, vor allem die kruden Gedanken in einer Situation und andere Details kommen abhanden. Wie der Umstand, dass der Hengst der hiesigen Pferdeherde immer sein fünftes Bein ausfährt, wenn was ist. Es reicht bis fast auf den Boden …

Dann „spiele“ ich in Andres Onlineshop rum. Überarbeite Texte, verfeinere das Shopdesign. Und lerne gerade, wie man neue Produkte anlegt. Allesamt Schnäppchen, wie das EIWOLA Strompaket. Ja, auch ich hatte mal ein Jahresgehalt, das war kaum höher.

Dann wurde es mal wieder Zeit, mein Buch Roadtrip Portugal zu überarbeiten. An den Touren und Plätzen hat sich nicht so viel geändert, hier und da hat es neue Infos und neue Bilder gegeben. Das überarbeitete eBook ist bereits online, und das gedruckte Buch kann auch schon bestellt werden – wird aber erst nach der Sommerpause der familieninternen Versandabteilung verschickt, also Ende August. Ach ja, man kann es jetzt auch über den AMUMOT Shop bestellen, also hier. Wenn Du da also eh einkaufen wolltest, einfach mit einpacken. Und wenn Du das „EIWOLA Strompaket“ bestellst, dann lege ich es sogar für umme obendrauf 😉

Dann befasse ich mich gerade mit der Videomacherei. Denn die Roomtour von Eiwola ist mehrmals versprochen und genauso oft überfällig. Ich arbeite da jetzt schon seit Tagen dran, für einen 10-Minuten-Clip. Warum ich so viel Zeit für so ein kurzes Video brauche? Weil ich es eigentlich nicht kann, und während dem Videoschnitt das Programm zu bedienen lerne. Perfekt wird das Ergebnis nicht werden, aber ich gebe mein Bestes. Ein Video mit mir als Sprecherstimme aus dem OFF, und ich versuche, dabei nicht zu sehr zu schwäbeln.

Damit das Roomtour-Video wenigstens einen halbwegs vernünftigen Sound hat, schicke ich Andre in die nächst größere Stadt, um im Elektrofachmarkt ein Mikrofon zu kaufen. Das macht er auch, und iiiirgendwie ist ihm da die kleine Drohne übern Weg gelaufen, die wir letztes Jahr schon kaufen wollten. Eine Idee, die wir eigentlich schon wieder verworfen haben. Denn man darf so eine Drohne nicht immer und überall fliegen, man braucht Versicherung und Genehmigungen. Aber nun haben wir sie doch, die DJI Mavic Mini, die passende Versicherung haben wir auch schon, die ist gratis in der Privaten Haftpflicht mit drin. Und bis das Genehmigungsprozedere für Portugal durch ist, halten wir die Drohne schön flach und in der Pampa. Portugal ist übrigens ein recht drohnenfreundliches Land, im Vergleich zu anderen Ländern. Mittelfristig werden wir schauen, ob wir ein bisschen nach dem Prinzip „wo kein Richter, da kein Henker“ verfahren. Wir sind ja ohnehin mehr in der Pampa unterwegs, und wo es niemand sieht, juckt und stört es auch keinen.

Aber mal sehen. Jetzt lernen wir erst einmal, mit der Drohne zu fliegen. Ich bin da etwas im Nachteil, hatte ich in meiner Kindheit die ferngesteuerten Autos immer nur für kurze Zeit, irgendwie gingen die immer kaputt. Also drehe ich die ersten Runden schön vorsichtig rund ums Wohnmobil. Dabei kommt auf jeden Fall die gute Aussicht hier zur Geltung … https://youtu.be/p1BbHphk8-4

Ach ja, und weil ich gerade ohnehin am Videos machen bin: Es gibt jetzt ein Waschmaschinen-Video, und ein Quadeinladen-Video. Eigentlich verrückt. Ich filme, wie ich eine Waschmaschine bediene. Aber gut, wenn das ist, was die Leute sehen wollen, macht das ja kaum Umstände, ich musste ohnehin waschen …

So, und damit wir uns von der ganzen Arbeit ordentlich erholen können, hängen wir jetzt noch ein paar Tage mehr an diesem schönen Plätzchen dran. Ein bisschen Chillen, ein bisschen Quad fahren, ein bisschen Gassigehen, ein bisschen Netflixen. Es gibt Phasen mit mehr Arbeit, und welche mit mehr Freizeit. Das ist ja auch das Gute, wenn man von unterwegs arbeiten kann, und das ohne Kunden und Termindruck: ich kann mir aussuchen, ob ich den gesamten Sonntag mit Videoschneiden oder Schreiben verbringen möchte – oder eben nicht. Andre hat nicht ganz so viel Freiheit, die tägliche Onlineshop-Arbeit ist eine ganz andere, da muss man ans Telefon gehen und kämpft ständig mit der Emailflut. Aber der liegt gerade mit dem Headset telefonierend in der Hängematte hinterm Wohnmobil. Ich glaube, es kann einen schlimmer treffen.

Sehr spannend hier ist übrigens, dass man die Pferde beobachten kann. Es gibt mehrere kleine Gruppen, und eine, die kommt einmal täglich zum Wasserfassen vorbei. Dann gibt es auch schonmal Stau an der Viehtränke.

Ein Rudel mit ungefähr sechs Tieren, darunter ein Hengst und ein Jungtier. Und eine ziemlich magere Stute, die bei der Herde mit dabei ist, aber richtig gemobbt wird. Sie darf nicht mit den Anderen an der Quelle trinken – wenn sie es wagt näher zu kommen, wird sie von der Alpha-Stute weggebissen.

Die schlaueren Tiere trinken übrigens direkt an der Zapfsäule.

Lustig sind auch die Besuche der Rindviecher. Sie sind etwas neugieriger und mutiger als die Pferde. Die Else hier hat es sich sogar überlegt, ob man bei uns einsteigen könnte.

Und dass ihre Freundin sich dann doch gegen das Quad und für den Baum entscheidet, um sich daran zu schubbern, Dankeschön. Bei den Stacheln, die diese Rindviecher am Kopf haben, ist das besser …

Auch hier gilt: Eine hat’s geschnallt, fließend Wasser ist einfach besser als die Pfütze. Aber so ist das halt: In Portugal trinken die dümmsten Rindviecher aus einer matschigen Pfütze am Boden, in Berlin demonstrieren sie, Seite an Seite mit Nazis, Reichbürgern, Impfgegnern und anderen Verschwörungstheoretikern. Upps, ein politischer Kommentar, aber den konnte ich mir jetzt doch nicht verkneifen.

Während ich die Roomtour filme und schneide, macht Andre einen Reifenwechsel. Erstmal wechseln wir nur vorne, tauschen links gegen rechts und vor allem die Laufrichtung. Denn ein Rad wiegt elendig viel, das reicht für heute. Sinn der Übung ist es herauszufinden, ob die Reifen beim Fahren nun leiser sind.

Der Laster bleibt also einige Tage stehen, dafür kann man hier wunderbar mit dem Quad rumfahren. Und wir sind nicht die einzigen, die das tun. Quads, Mopeds und Autos sind hier unterwegs. Nicht viele, aber immer wieder.

Zum Glück stehen wir von der Piste weiter weg, denn sie staubt ganz schön.

Auf der Quadtour treffe ich mehr Pferde. Manche stehen in den Hügeln, doch die meisten direkt am Wegesrand.

Bloß nicht in die Kamera gucken!

Immer wieder gibt es schöne Aussichten.

Und auch Pferde, die etwas neugieriger sind.

So, das war’s für heute. Meine Roomtour ist jetzt auch fertig. Sie ist nicht perfekt, aber sie hat mich drei Tage Arbeit gekostet, also ist sie fertig.

https://youtu.be/yYPcGXi_OOw

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Noch ein bisschen Strand, dann geht es weiter – ins Inland und nach Norden. Für diese Sommertour haben wir tatsächlich sowas wie einen Plan. Oder genauer gesagt eine Liste mit Orten in Nordportugal, die wir endlich mal (oder wieder) besuchen möchten. Aber soweit sind wir noch nicht, denn wir sind noch immer in der Region Centro. Und ja, hier ist es halt schön ziemlich schön. So kommt es, dass es schon wieder was zu berichten gibt, obwohl seit dem letzten Reiseblog gerade einmal eine Woche vergangen ist.


Durch die Dünen fahren.

Ob es jetzt nun zwei Nächte oder drei sind, die wir auf dem etwas abgelegenen Strandparkplatz in den Dünen stehen, ich weiß es nicht mehr. Wenn eigentlich egal ist, welchen Wochentag es gerade hat, und wie viel Uhr gerade ist, dann klappt das mit der zeitlichen Zuordnung einfach nicht mehr so richtig.

Wir machen also einfach, was man auf so einem Strandparkplatz macht. Morgens die Emails bearbeiten und im Augenwinkel sehen, wie so ein kleiner, junger Hund sich nochmal kurz umschaut, ehe es auf dem Steg zum Strand verschwindet. Also gut, dann ab zum Meer, den Junghund wieder einsammeln. Dann wieder an den Computer, ich überarbeite gerade mein Portugal-Buch. Oh, neue Nachbarn, kurz raus, quatschen und Hunde streicheln. Wieder rein, Zeit für einen Kaffee. War ja klar, die Kaffeemaschine spinnt rum. So robust die alte Saeco wahr, so schnell ist die Philips beleidigt. Also hier noch eine Stunde investieren, dann was kochen, und schwupps, ist der Tag rum.

Aber nein, da war ja noch was: die Gassirunde mit Ziva. https://youtu.be/byFvCL8Abc4

Sonntag ist Fahrtag. Wir lernen einfach nicht dazu.

Es ist Urlaubszeit, und nun auch noch Wochenende. Da fahren auch die Portugiesen an den Strand, und die Einheimischen hier kennen und nutzen diesen Strand, vor allem das jüngere Volk. Es könnte am Sonntag also etwas voller werden, und da wir ohnehin weiter wollen, fahren wir noch am Vormittag.

Es ist ja nicht so, dass man es nicht gewusst hätte. Sind ja nicht erst seit drei Tagen in Portugal unterwegs. Aber ja, wir fahren am Sonntagmittag zum Einkaufen. Wir und halb Portugal. Es ist so viel los, wir fahren mit dem Laster noch nichtmal auf den Parkplatz, sondern parken davor. Und so gerne ich einkaufen gehe, ein voller Supermarkt ist einfach nur nervig. Also kaufe ich irgendwas, wird schon satt machen, und flüchte.

Caramelo… Carumalu… Carumalo… Caramulo!!

In Agueda legen wir einen Einkaufsstopp ein. Das Städtchen liegt auf 28m ü.d. Meeresspiegel. Unser Ziel heißt Caramulinho, das liegt auf 1000m. Wir müssen also auf den nächsten 30 Kilometern grob einen Höhenkilometer überwinden. Was interessant werden könnte, denn erst einmal geht es ohne große Steigungen weiter.

Dafür wird die Straße hintenraus ziemlich spaghettimäßig. Wir fahren durchaus einen gewissen Umweg, denn die Nationalstraße ist gut, aber nicht sonderlich breit. Und wenn die schon recht schmal wirkt, wollen wir nicht herausfinden, wie schmal die „Abkürzungen“ sind, die auch noch mit ein paar Dorfdurchfahren aufwarten. Es erinnert mich an die Straßen vom Erzgebirge. Da wird so manch ein Autofahrer (inklusive mir) auch leicht panisch, wenn einem plötzlich ein Laster auf der Straße entgegen kommt.

Wir fahren durch Euka-Land. Und erstmals durch ein Eukalyptus Anbaugebiet, das nicht super hässlich aussieht. Auch nicht super schön, aber ich glaube tatsächlich, dass es die erste Region mit Eukalyptus ist, die keine große verbrannte Flächen hat.

Oben angekommen ist der Euka weg, und die Serra da Caramulo ist echt hübsch.

Wir parken gleich neben dem Sightseeing-Ziel, der Miradouro do Caramulinho. Ein Aussichtspunkt, der mit Fernischt punkten kann. Ich spare mir erstmal die 200 Stufen da hoch und terminiere die heutige sportliche Aktivität auf den Sonnenuntergang. Dafür gibt es eine kleine Gassirunde.

Später dann schnappe ich mir die beiden Köters und mache ich an den Aufstieg. Schön rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang und schön gemütlich, nur nicht hetzen.

Die haben die Treppe hier teilweise echt in den Stein gehauen, und das bei vielen, vielen Stufen.

Oben angekommen heißt es erst einmal warten.

Auch die Köters müssen warten. Ziva hat da ja kein Problem mit, Platz machen heißt Platz machen. Max findet warten einfach nur blöd. Vor allem, wenn ihn dabei keiner streichelt.

Portugiesische Sonnenuntergänge sind halt schon schön.

Und gleich nochmal, als Mini-Video:

Man muss dafür noch nichtmal den Hügel, ab Wohnmobil geht das auch:

Für mehr Sightseeing reicht unsere Motivation nicht wirklich, der Lost Place im Ort wird nicht besucht. Nach zwei Tagen machen wir weiter. Eine Stadt, die wir aus zweierlei Gründen anfahren: Lost Places und Essen.


Viseu – wir futtern uns so durch.

Ich weiß nicht mehr wo wir damals gestanden sind, aber Andre kam mal von einem Ducatoausflug zurück und meinte nur „Wir müssen unbedingt nach Viseu, da hat es Lost Places ohne Ende“. Also gut, lieber spät als nie, machen wir, jetzt.

Erstmal das Organisatorische. Bei Burger King organisieren wir uns einen Burger zum Frühstück. Ist ja schließlich bereits Mittag, und es gab kein Frühstück, da kann man sowas mal machen.

Danach noch eine Runde in den Baumarkt. Zwischenzeitlich schlägt das Wetter vollends um, es regnet in Strömen. Ich sitze im Wohnmobil schön im Trockenen, während Andre im Baumarkt das undichte Dach bewundert. Da hat der Hausmeister wohl nicht mit Starkregen im Juli gerechnet. Ups.

Unser anvisierter, stadtnaher Übernachtungsplatz im Grünen versteckt sich derzeit hinter einer Baustelle, sie haben die Straße direkt an der Zufahrt großzügig aufgerissen. Sehr unschön. Dafür aber ist dieser Kreisverkehr hier erwähnenswert schön:

Diese blauen Blumen, wie auch immer sie heißen mögen, findet man hier in Portugal sehr oft. In Deutschland war das Entzücken immer groß, wenn denn mal eine geblüht hat.

Also gut, Plan B. Wir fahren wieder etwas raus aus der Stadt und hoch auf einen Miradouro. Da zeigt sich die Google-Navigation wieder von seiner besten Seite. Anstatt den schönen, breiten gepflasterten Weg zu nehmen, führt sie uns auf eine Piste, ein Fest für alle Sinne. Die Kurven werden immer enger, die Bäume kratzen am Koffer, und direkt an einer Schweinefarm vorbei zu fahren, sehr lecker.

Oben angekommen findet sich ein großzügiger, gepflasteter Parkplatz, mit alten Bäumen und Picknickbänken aus Granit. Und 100 Meter weiter haben sie ein Rudel Funkmasten aufgestellt. Ist ja wie für uns gemacht. Wir wollen natürlich schauen, ob das nicht noch besser geht, und fahren den Weg noch ein Stück weiter den Hügel hinauf. Und ja, ganz da oben wäre der Blick über Viseu richtig fein. Aber irgendwie ist da gerade recht viel los: Mehrere Fahrzeuge der GNR, inklusive einem Allrad-Lkw mit Wasserschlauch, machen hier gerade irgendwas. Ups. Auf der Suche nach einem Freistehplatz auf ein Rudel der GNR zu stoßen, das hatten wir auch noch nie. Also fahren wir ganz unauffällig wieder runter, und stellen uns auf den Parkplatz.

Die Herren von der GNR kommen dann auch mal runter gefahren. Zwei Allrad-Lkws und 3 Pick-Ups mit voller Besetzung – man könnte nicht behaupten, wir würden hier heimlich stehen.

Es ist früher Nachmittag, und es hat irgendwas mit 35 Grad oder so. Zu warm für einen Stadtbesuch. Also arbeiten wir erst ein bisschen, und erst gegen 20 Uhr fahren wir mit dem Motorkamel in die Stadt rein. Andre hat ein Ziel: Endlich mal wieder eine Francesinha essen. Und dafür suchen wir uns ein Restaurante aus, das schon was mit Francesinha im Namen und auch gute Bewertungen hat. Nicht zu unrecht …

Wer es noch nicht kennt: eine Francesinha (übersetzt „französisches Mädchen“) besteht klassicherweise aus mehreren Lagen: Toastbroat, Scheibe Schinken, Scheibe Bifana (also Fleisch), Chourizo, Speck, Scheibe Toast, viel Käse, ein Ei, und dann noch Soße obendrauf. Mir ist das viel zu fleischlastig, am liebsten hätte ich eine vegetarische Francesinha gehabt, aber haben sie nicht. Also bestelle ich eine Variante ohne Chorizo und Speck, stattdessen mit Pilzen und Meeresfrüchten. Immer noch recht deftig, und die Portion war vielzuviel, aber geschmacklich echt top.

Nach dem Essen rollen wir noch ein bisschen in die Stadt rein. Mal schauen, was man hier alles so fotografieren kann. Viel kommt nicht  bei raus. Was vermutlich nicht einmal an Viseu liegt, denn die haben gerade einige Lichterinstallationen installiert, die wir links liegen lassen. Aber so vollgefressen kommt man einfach nicht so weit …

Das ist wohl schon das Highlight, die Kathedrale von Viseu.

Und da fällt mir auch wieder ein, dass ich auf dieser Sommertour ja mein Portugiesisch verbessern wollte.

Hätte ich mal, dann würde ich jetzt direkt wissen, dass damit „nicht draufpissen“ gemeint ist, sondern „nicht drauftreten“.

Wir bleiben noch einen Tag. Auch, weil das Internet wirklich sehr gut ist, und ich ein paar GBs uploaden will. Die überarbeitete Version von ist übrigens bereits als eBook online, das gedruckte Buch gibt es dann in zwei Wochen oder so. Diesen Monat gibt es das Buch übrigens zum Aktionspreis. Wer also noch nicht hat, hier kommt ein unübersehbarer Link:

Roadtrip Portugal

Am Abend dann noch eine Runde futtern. Und ja, wir sind in der größeren Stadt, da gibt es nicht die allereinfachste portugiesische Küche. Heute also ein Sushi-Restaurante. Also etwas, wo einem nach dem Essen nicht der Magen weh tut, weil man so vollgefressen ist. Und dann passt heute vielleicht sogar noch etwas Nachtisch rein. Andre sage ich vorher nicht, dass hier nur Stäbchen und vornehmlich roher Fisch serviert wird. Das Sushi-Menü war sehr lecker und für unsere Verhältnisse relativ teuer. Und ich habe einiges an Inspiration bekommen, für die japanische Wohnmobilküche.

Und tatsächlich, es hat noch viel Luft für Nachtisch. Und wir wissen auch schon, wo wir den bekommen werden. Sind wir doch bereits gestern an einer Eisdiele namens „San Remo“ vorbei gefahren. Allein der Name verspricht richtig italienisches Eis, sowas lassen wir uns doch nicht entgehen! Während es in Deutschland in jedem zweiten Dorf eine anständige Eisdiele gibt, sind diese in Portugal eher selten anzutreffen. Und Volltreffer. Die Eiskarte ist umfangreicher als die Speisekarten der letzten beiden Restaurantes zusammen – alleine die Spaghettieiskarte ist eine Doppelseite. Andre ist definitiv auf Spaghettieis-Entzug und bestellt gleich eine große Portion. Dagegen sieht mein Banana-Split ja richtig putzig aus.

So, gut war’s. Den Rest der Woche gibt es vielleicht besser Salat. Morgen noch einkaufen, und dann raus aus der Stadt und zurück in die Natur. Ach ja, jetzt haben wir nur übers Essen geredet. Das liegt daran, dass wir doch keine Lost Places gefunden haben.

Die Jungs von der GNR sind übrigens nicht mehr wieder gekommen. Dafür aber andere Jungs, so Halbstarke, die uns mit Musik und Sirenensound aus dem Boxen und Rumgegröle umkreisen mussten. Ich phantasiere über Maßnahmen. Eine aufblasbare Nagelsperre, so ein Nagelbrett zum auf den Weg schmeißen, wie es die Polizei in den coolen Verfolgungsfahrtenfilmen immer tut. Oder den Jungs bei der nächsten Runde eine kleine Haft-Stinkbombe ans Auto kleben. Doch dann sind sie auch schon wieder weg – die Nichtreaktion unsererseits hat wohl auch den gewünschten Effekt gebracht. Dafür kommen am Abend ständig andere Autos hier hoch gefahren, drehen eine Runde über den Parkplatz, und fahren wieder. Schwulentreff? Drogenumschlagplatz? Irgendwas ist hier, doch wir haben nicht rausgefunden was.

Kleiner Fotostopp.

Ehrlich gesagt fahren wir auch deshalb gen Norden, weil es hier eines gibt: alte Steine. Und zwar nicht nur die für Touristen gehübschten alten Dörfer mit Granithäusern, sondern auch die vergessenen Orte. Und so ein Lost Place ist unser heutiges Ziel.

Wie viele anderen größeren Lost Places war dieser hier auch mal ein Sanatorium, und zwar für Tuberkulose-Kranke. Hiervon haben sie früher einige in Portugal gehabt. Nachdem die Tuberkulose-Problematik vom Tisch war, standen viele dieser Erholungsheime leer. Manche wurden weiter genutzt, man hat einfach die Fachrichtung geändert und eine Klapse draus gemacht, oder gleich ein Hotel. Manche aber stehen bis heute leer. Und da kommt es darauf an, wo sie liegen. Weit ab vom Schuss wie dieses Sanatorium hier, dann ist die Chance groß, dass die Vandalen nicht vandaliert haben, dass es für uns noch was zu sehen gibt. Und das, obwohl die Eingangstüre sogar offen steht.

Und ich bin überrascht, was hier noch alles vorhanden ist. Möbel, Teppiche, Fliesen und sogar die Elektrik ist noch drin. Die wird ja gerne rausgerissen, Kupferkabel zu klauen lohnt sich wohl. Aber nein, hier ist noch vieles drin.

Wir hätten hier einmal die Lounge, gleich neben der Rezeption:

Und auch in der Küche sind noch einige Möbel drin. Ja, ich weiß, das Foto ist qualitativ nicht der Hit. Aber Hey, ISO 20.000. Dafür ist es dann doch nicht so schlecht.

In der Küche stehen sogar noch ein paar leere Weinflaschen rum.

Leider kommen wir nicht allzu weit rein. Denn im Obergeschoss rumzulatschen scheint etwas kritischer zu sein, der Boden im Flur schlägt Wellen, hat sich teilweise bis zu 20cm gesenkt. Da besser nicht drüber laufen …

Ins Obergeschoss hoch kommt man aber, denn die Treppe ist gut, und man kann in die Zimmer reinschauen:

Und auch raten, wann das Gebäude wohl zuletzt genutzt wurde. Die Zeitung hier ist vom Sommer 1992. Da war ich in der 7. Klasse und hatte bunte Kordhosen an. Liegt also seit 28 Jahren hier rum.

Vor Ort treffen wir Portugiesen. Das eine ältere Pärchen ist hier, weil der Mann in jungen Jahren hier mal gearbeitet hat. Das andere Pärchen rennt wie wir mit anständigen Kameras rum, und hat es auch auf die Lost Place Fotografie abgesehen.

Man könnte hier auch über Nacht stehen, aber es ist heiß. Und obwohl das hier Thermen waren, und hier irgendwo auch ein Wasserfall sein soll, es ist kein Wasser zu sehen. Also fahren wir weiter.

Heute mal DIREKT ans Wasser.

Ein paar Kilometer weiter im Norden gibt es einen See. Und wir vermuten, dass auch dieser proppevoll sein könnte. Volle Stauseen sind super, da kann man direkt am Wasser stehen. Voll Stauseen können aber auch den Nachteil haben, dass die Zufahrt unter Wasser steht. So ist es auch hier: der erste Versuch fällt ins Wasser, denn der Laster kann nicht schwimmen. Der zweite Versuch ist erfolgreich, denn die alte Straße, die normalerweise eine Piste ist, endet am Wasser, ist aktuell also eine Sackgasse, und eben genug, dass wir uns hier einrichten.

Ziva ist direkt schwer beschäftigt, denn im glasklaren Wasser gibt es ganz viele, kleine Fische. Sie kommt mit dem Schwanzwedeln kaum hinterher, und stapft stundenlang am flachen Ufer rum.

An der nahen Straße fahren kaum Autos, im Steinbruch auf der anderen Seeseite macht es nur alle paar Stunden mal BUMM, und die Tagesgäste parken weiter vorne. Hier können wir es ein paar Tage aushalten, ehe es weiter nach Norden geht.

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