Die Überschrift deutet es bereits dezent an: heute gibt es weder einen reinen Quinta-Ausbaublog noch einen reinen Wohnmobil-Reiseblog. Heute widmen wir uns beidem: dem Steinhaus und dem Rollhaus. Beide Häuser sind super, um der aktuellen Sommerhitze etwas entgegen zu setzen.


Zucchini, Zucchini, Zucchini!

Beginn wir mit dem wichtigen Themen des Lebens: Zucchini. Wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, habe ich SECHS verschiedene Sorten Zucchini gepflanzt. Erkenntnis: die Gelben sind die Besten.

Die „normalen“ Sorten lassen sich aber besser verarbeiten, werden geraspelt oder gefüllt.

Auch sonst macht sich der Gemüsegarten ganz gut, zumindest kaufen wir kein Gemüse mehr, Besucher und Nachbarn bekommen außerdem was ab.


Quente, muito quente!

Die Hitzewelle ist da. Wir haben Temperaturen erreicht, bei denen man seinen Tag etwas planen sollte. Denn spätestens um 11 Uhr ist draußen Schluss, und bis 19 Uhr ist Siesta, denn vorher wird es einfach nicht kühler. Also ziehen sich die ganzen angefangenen Projekte wohl noch etwas, denn körperliche Arbeit ist jetzt nicht so die allerschlauste Idee.

So haben wir: einen halb fertigen Bachlauf. Immerhin, der Bach läuft. Aber wer bitteschön möchte bei dieser Hitze größere Steine rankarren um ihn fertig zu machen?

Einen halb bearbeiteten Mimosenwald. Verschiedene Methoden der Mimosenfolter wurden angewandt, und im Winter werden wir sehen, welche erfolgreich gewesen sein wird. Am Effektivsten ist und bleibt der Bagger. Aber der kommt nunmal nicht überall hin, und an die Mimosen, die zwischen Felsplatten rauswachsen, kommt er erst recht nicht ran.

Dann haben wir noch einen halb verkabelten Gemüsegarten. Also nicht Stromkabel, sondern Wasser. Okay, der Garten selbst wird automatisch bewässert, die jungen Obstbäume auf der Terrasse jedoch noch nicht. Eine Jungkirsche hat wohl schon ins Gras gebissen, seither werden die anderen Bäumchen von Hand bewässert. Einen Plan habe ich schon wie das werden soll, doch wird das wohl erst nächsten Monat was.


Max macht Sachen

Mit 14 Jahren ist Max nicht mehr der Jüngste. Und sollte auf gar keinen Fall bei 40 Grad irgendwelche Ausflüge zu den Nachbarn unternehmen. Oder mir ständig folgen, sobald ich den klimatisierten Laster verlasse. Tut er dennoch, was sich dann eines Tages auch rächt: Max hat sich wohl einen kleinen Hitzschlag eingefangen. Was echt ungünstig ist, wenn man das am Samstagabend und am Ende der Welt feststellt. Also kühlen wir ihn langsam runter, und tricksen ein wenig, damit er trinkt. Kleiner Tipp am Rande: einfach einen Schluck Milch oder einen Löffel Reis in den Wassernapf geben, und schon wird der leergesoffen, da bleibt kein Tropfen mehr übrig.

Mit so einem Hitzschlag ist übrigens nicht zu spaßen, das kann bleibende Schäden an Herz und Hirn hinterlassen. Wir haben ja erst gedacht, dass ein Skorpion ihn gebissen hat – Zittern, Dauerhecheln und Humpeln. Humpeln ist jetzt kein typisches Motiv für einen Hitzschlag, oder? Also suchen wir nach der Einstichstelle. Und finden nichts. Was ich dann doch finde ist ein klitzekleiner Brombeerstachel an der Innenseite. Und schwupps, humpelt es nicht mehr. Also doch kein Skorpionbiss, sondern Hitzschlag.

Eine Woche später, wir sind an die kühlere Küste gefahren, stehen auf einem Strandparkplatz. Wir unterhalten uns mit den Nachbarn, drei Hunde wuseln derweil um uns herum. Wir sind fertig mit unterhalten, ein Hund fehlt. Na wer wohl. Wir erspähen Max 200 Meter weiter vorne, an der Strandbar und pfeifen ihn zurück. Er kommt auch schnurstracks angelaufen. Fast schon zu zügig … Er hat die Backen voll. Man weiß nicht wie er das schafft, aber er hat ein Steak abgestaubt.

Eine Woche später, wir sind wieder zurück auf der Quinta, Max hat einen Termin zur Tollwutimpfung, um 10 Uhr müssen wir in der Stadt und beim Tierarzt sein. 9 Uhr, ich mache mich gerade fertig: Max ist nicht da. Da sehe ich eine SMS auf meinem Smartphone: Die Nachbarin hat vor einer Stunde geschrieben, dass Max bei ihr ist. Sie dreht immer frühmorgens eine Gassirunde mit ihren fünf Hunden, streift dabei unser Grundstück, vielleicht 100 Meter von unserem Wohnmobil entfernt. Da hat Max sie wohl getroffen, als er sich ein schönes Plätzchen gesucht hat um mitten auf den Weg zu kacken und war dann ganz happy, dass er mit ihrem Rudel nun noch eine Runde Gassi gehen kann. So ging er mit ihr nach Hause. Und blieb. Wir haben ihr ja schon beigebracht, wie sie den Alten wieder nach Hause schicken kann. Hat ihn aber nicht gejuckt. Also fährt Andre kurz los um Max abzuholen, während ich mich für den Tierarzttermin fertig mache.

Also ich weiß ja nicht. Aber umso älter Max wird, desto mehr zeigt er uns den mentalen Mittelfinger.


Im Sommer fährt man an den Strand!

Warum haben wir eigentlich Räder am Haus und sitzen dennoch hier, bei über 40 Grad? Immer schön aufpassend, dass der alte Hund keine weiteren Ausflüge mehr unternimmt und im klimatisierten Wohnmobil bleibt? Man weiß es nicht genau.

Ach ja, die Bauarbeiter wollten ja demnächst wieder kommen. Sie sind aber nicht da, also fahren wir weg. Das Studium der Wetterkarte dauert nicht lange, an unserem Lieblingsstrand hat es 10 Grad weniger als hier.

Reisevorbereitungen der Hölle

Wir entscheiden gegen Mittag, dass wir einen kleinen Ausflug machen. Heißt, dass wir vorher noch ein bisschen am Chaos arbeiten müssen. Vielleicht nochmal die Blumen gießen, damit möglichst viele die angekündigten 45 Grad der nächsten Tage überleben.

Und, was fällt dem Herrn des Hauses jetzt noch ein? Wir müssen vor der Abfahrt die vorderen Räder am Laster tauschen, denn die haben ein paar Sägezähne zu viel. Bei gefühlten 100 Grad macht man sowas doch mit links, oder? Ging dann aber besser als erwartet – wer mehr Technik und weniger Körpereinsatz nutzt, der schwitzt weniger.

Ach ja, da war ja noch was. Wir können hier momentan gar nicht rausfahren, der Weg ist aufgebaggert. Also wird noch eine Nachtschicht eingelegt um aus dem staubigen Dreck wieder einen Weg zu bauen.


Vamos na praia!

Am nächsten Morgen geht es früh los, denn es soll heiß werden. Und bei über 40 Grad hilft auch kein Fahrtwind, der wird dann eher unangenehm. Wir schlängeln uns südlich der Serra da Estrela gen Osten. Upsi, das waren wohl ein paar Kurven zu viel, mir ist ganz schön flau im Magen. Bis Coimbra ist die Hitze dann auch da, und ich aktive die Hundehandtuch-Klima für die Hunde. Ziva tut dann auch alles, um nicht auf das nasse Handtuch draufliegen zu müssen. Funktioniert ja super.

Es wird einfach nicht kühler, und wir fragen uns schon, ob sich die Fahrt an die Küste denn überhaupt gelohnt hat? Nur noch wenige Kilometer bis an den Strand, und es ist immer noch brütend heiß! Und zack, hat jemand den Kühlschrank angemacht, vielleicht einen Kilometer vor unserem Ziel. Auf einen Schlag bestimmt fünf Grad weniger, wenn nicht sogar mehr.

Nein, es ist nicht alles rosa was glänzt. Die Luftfeuchtigkeit ist hier deutlich höher, was die 10 Grad wieder etwas relativiert. Nach der heutigen Fahrt fährt mein Kreislauf noch ein wenig weiter, und ich hab noch eine lustige Karussellfahrt als Nachwehe. Hier hat es Fliegen ohne Ende. Und dank den Wolken ist es schon etwas schwül. Hört sich nach Jammern an? Mitnichten!

Der Strand ist spitze.

Das erste Mal seit längerem schläft man mal wieder mit Bettdecke.

Man kann sogar tagsüber was im Wohnmobil kochen.

Man kann das Wohnmobil verlassen, ohne gleich gegen die Wand zu laufen.

Und vor allem Ziva kann mal wieder richtig Gas geben.

Auch Max, der ja immer spontan 5 Jahre jünger wird, sobald er Sand unter den Pfoten hat, hüpft herum.

In den Dünen wachsen weiße Blaubeeren.

Es ist super hier. Also bleiben wir ein paar Tage.


Coimbra

Wir haben nur eine Woche Zeit, ehe die Bauleute wieder zurück kommen. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Coimbra. Einmal mit der Kamera durch die Stadt bummeln und was zu essen suchen.

Wir wollen den Parkplatz am Freibad anfahren, hier gab es früher auch mal eine VE. Jetzt vermutlich nicht mehr, dafür gibt es ein generelles Womo-Verbotsschild. Nagut, parken wir eben einen Parkplatz weiter weg und laufen etwas mehr.

Okay, nicht durch die ganze Stadt. Es ist warm, auch nach Sonnenuntergang, und Coimbra liegt am Hügel. Wir sparen uns den gesamten Aufstieg und bummeln einfach ein bisschen durch die untere Hälfte der Altstadt entlang des Flusses. Hier die Bilder davon:

Coimbra Altstadt Gasse

Coimbra Altstadt abends width=

Auf dem Heimweg kehren wir noch im hiesigen Jahrmarkt ein. Eine bunte Mischung aus schrillen Fahrgeschäften, Fressbuden in allen Qualitäten, Live-Musik, Kinderturnen, Kunsthandwerkermarkt. Wir essen einen Spanferkelwecken (das Ferkel war ganz schön groß für ein Ferkel) und ich stelle zum wiederholten Male fest, dass Churros eher Hauptmahlzeit als Nachspeise sein sollten.

Mit dezenten Magenschmerzen machen wir einen Verdauungsspaziergang zurück zum Wohnmobil, verlaufen uns dabei fast noch im Stadtwald und parken dann erstmal um, auf einen ruhigen Platz außerhalb der Stadt.

Am nächsten Abend sind wir zum Essen verabredet. Haben also einen Tag mit erwartetenden 40 Grad, den wir gerne am Wasser verbringen möchten. Ein See, der auf dem Weg liegt ist schnell gefunden, ein Weg runter zum Seeufer ist etwas schwieriger zu finden. Der See ist recht leer, das Ufer ist steil, und die wenigen Plätzchen sind bereits belegt. Aber wir finden dann doch noch was.

Der Abschluss dieses kurzen Tripps ist – langsam wird es zur Tradition – in Castelo Branco. Zusammen mit den Campofanten probieren wir ein neues Restaurante aus.

Wir übernachten auf dem Intermarché Parkplatz, und nutzen wieder einmal die dort ansässigen großen Waschmaschinen um allzu Sperriges zu waschen. Und stellen fest, dass man hier nicht sehr gut schläft, wenn das Kühlaggregat des Supermarktes die ganze Nacht durchwummert, man wegen der Wärme aber kein Fenster schließen möchte. Am nächsten Tagen geht es dann wieder zurück auf die Quinta Prazera.


Gerade ziemlich scheiße, diese Welt.

Mal ein Wort zum Sonntag. Ich bin ehrlich gesagt gerade ziemlich angepisst angesichts der aktuellen Weltlage. Oder sagen wir besser fassungslos. Okay, das kommt davon, wenn man sich in der Mittagshitze irgendwelche Dokus über den Klimawandel reinzieht. Sowas wie das hier: HIER, DAS oder JENES.

Ich verstehe es einfach nicht. Wie Kapitalismus und Lobbyismus es schaffen, so vielen Menschen und vor allem der Natur unnötig Leid zuzufügen. Gerade in dem ach so demokratisierten, fortschrittlichen und zivilisierten Europa. Es scheint, als sei die ganze Welt nur von Macht und Geld gesteuert. Überall Krieg und Aufrüstung, Ausbeutung und Naturkatastrophen. So viel, dass wir inzwischen schon gar nicht mehr wirklich entsetzt darüber sind, wie schlimm es gerade ist. So viel, dass wir es ja schon fast nicht mehr mitbekommen, was in Teilen dieser Welt alles so abgeht. Wie man in der Onlinezeitung über Überschriften à la „50 Menschen im Mittelmeer ertrunken“ hinwegscrollt. Vielleicht noch ein kurzes, innerliches Zusammenzucken, und weiter geht’s mit der nächsten Headline.

Mich irritiert jedoch nicht nur das System, sondern zunehmend auch die Menschen. Da wird ausführlichst darüber diskutiert, wie schlimm es um die eigene Freiheit bestellt ist, weil man im Supermarkt einen Nasenpulli überziehen muss – doch dass letzte Woche 50 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind, auf dem Weg in eine freiere Zukunft, das geschieht woanders, das ist nicht von Interesse. Da wird gejammert, dass eine Tankfüllung für das Wohnmobil fast das Doppelte kostet wie noch vor einem Jahr. Dass in Sri Lanka schon seit Längerem die Kinder nicht mehr zur Schule können, weil Sprit für die Schulbusse fehlt, das juckt aber nicht.

So überlege ich mir, welche persönlichen Konsequenzen gezogen werden können / sollen / dürfen. Mit Blick auf das Reisen, und auf das Leben. Es wird nicht das letzte Jahr mit großer Dürre sein. Weniger Wasser, dafür mehr Waldbrände. Wie wird uns das betreffen? Nicht so sehr wie andere. Wie soll man noch unbeschwert reisen, wenn sie sich in aller Welt die Köpfe einschlagen? Wegen Religion, Bodenschätzen, Macht, Geld und – es wird kommen – wegen Wasser? Ich habe ungelesende Reiseführer und Bildbände über Afrika im Schrank liegen. Da werden sie wohl noch ein Weilchen liegen bleiben, denn vermutlich wird es die nächsten Jahre nicht besser werden.

Also ich höre besser auf, solch deprimierende Dokus anzuschauen. Oder in die entsprechenden Kommentarspalten von Twitter und Facebook reinzuschauen, wo immer gleich die Rede von „Ökodiktatur“ ist, sobald es um Themen wie Energiesparen oder grüne Technologien geht. Ich überlege mir, was ich selbst machen kann. Ist doch viel zielführender zu schauen was man selbst unternehmen kann, damit einem das eigene Grundstück beim nächsten Waldbrand nicht komplett abfackelt. Und was man tun kann, damit man auch in kommenden trockenen Jahren noch Wasser auf dem eigenen Land hat. Und so ziehe ich mir jetzt lieber Dokus über Permakultur, Feuerprävention etc. rein.

Ach ja, zum nicht Irre werden und für Zwischendurch empfehle ich noch die Dokus über Queen. Ja, die Band. Es gibt die Doku bis zu seinem Tod von Arte, die Doku über Queen ohne Freddy auf Netflix und den Queen-Film auf Netflix. Ist zwar auch irgendwie traurig, aber wenigstens die Musik ist geil.


Julihitze auf der Quinta

Das Schöne, wenn man nach knapp einer Woche wieder zurückkommt: Unser Erdbeerparadies ist der Knüller. Innerhalb von zwei Tagen ernten wir bestimmt ein Kilo Erdbeeren. Und das, obwohl die Nachbarn zwischendurch auch mal da waren und genascht haben.

Der Juli ist der angeblich heißeste Monat seit 1200 Jahren. Keine Ahnung, woher die wissen, wie die Temperaturen vor 1199 Jahren so waren, vielleicht gibt es da irgendwelche historischen Aufzeichnungen. Oder sie machen es wie meine Wetterapp bei der Vorhersage: einfach mal irgendwas daher schätzen.

Auf jeden Fall ist es immer noch viel zu warm, und es wird Zeit, dass wir unsere Solaranlage erweitern. Vier Module mit je 450Wp warten auf ihren Einsatz, und der dazu passende Laderegler ist jetzt auch da. Ups, zu dieser Info fehlt ein Foto. Okay, da ich jetzt keine Lust habe da hochzulatschen: Solarmodule. Groß. So wie hier, nur in viel, viel größer:

Auch unsere Bauleute kommen – bei der Nachbarin gibt es gerade keine Steine mehr, also sind wir jetzt wieder dran.

Unter Federführung von Andre wird erst einmal die Mezzanine errichtet.

Da der Betonboden nicht wirklich gerade ist, wird sie es auch nicht. Fügt sich also wunderbar in die Umgebung ein. Was noch fehlt ist die Treppe, die zwischen Hochbett und der hohen Wand errichtet werden möchte. Wofür wir noch Holz brauchen. Das noch keiner bestellt hat. Das aber auch nicht eilt.

Nach ein paar kleineren Schwierigkeiten haben sie dann auch die Fliesen verlegt. Der Fußboden ist genauso schräg wie der Rest der Hütte, passt also voll ins Konzept. Ansprüche an gerade Wände, Böden oder Balken haben wir längst nicht mehr. Hauptsache, alles bleibt die nächsten Jahre schön artig an seinem Platz, dann ist alles gut.

Wir nutzen die drei Stunden morgens und die zwei Stunden abends, die man ohne Hitzschlag nutzen kann. Ab 11 Uhr ist es zu warm, Höchsttemperatur ist dann gegen 19 Uhr.

Irgendwann in dieser Hitze ist uns dann auch ein kleines Malheur passiert: Wir haben ein paar Flaschen (also zwei Kartons) von unserem Lieblingswein gekauft. Und diesen in der Gartenhütte gelagert. Und gelernt: ist es nur warm genug, dann drückt es die Korken raus. Bestimmt 5 Flaschen Wein hat es so entkorkt. Da hätten wir die Flaschen ja auch gleich im Steinhaus lagern können. Die Bauleute hätten sich gefreut, wir hätten genauso wenig davon gehabt.

Während der Hitzezeiten ist etwas Computerarbeit bei laufender Klimaanlage oder einfach nur Siesta angesagt.

Sobald die Sonne hinterm Berg verschwindet kann man sich draußen dann auch wieder bewegen.

Wir arbeiten am Bachlauf, reißen mit dem Bagger ein paar Mimosen aus, und die jungen Bäumchen müssen einmal die Woche gegossen werden, sonst gehen sie ein. In den obersten Erdschichten ist einfach kein bisschen Wasser mehr vorhanden.

Apropos Wasser. Ich hab ja Wassermelonen gepflanzt. Schöne kleine, kernlose Miniwassermelonen.

Kernlos, hahaha. Der erste Kandidat denkt wohl er sei eine Samenbank.

Doch abends ist das Zeitfenster nicht allzu optimal, denn nach zwei Stunden ist es schon recht dunkel.

Also rein, auf etwas Wind hoffen, der durch Womo zieht, und eine Runde Karten spielen. Solange er noch mit mir spielt …

Ansonsten macht jeder so sein Ding.

Andre konstruiert sich eine Grube für das Quad.

Ziva hat ihren Haribo Bären jetzt zum 50. Mal getötet, ich denke er ist jetzt wirklich tot und wir brauchen einen Nachfolger.

Sie könnte ihn ja unterm Womo vergraben, die Kuhlen dort hätten langsam die richtige Tiefe.


Portugal feiert den Sommer

Juli und August sind die Monate, in denen ich es immer am besten fand, durch Portugal zu reisen. Es gibt so viele Dorffeste, Stadtfeste und Jahrmärkte, man kann sie kaum verpassen. Auch, weil alles mit entsprechenden Plakaten voll hängt. In größeren Städten dauern die Festivitäten auch gerne mehrere Wochen an, in kleineren Dörfern und Städtchen meist nur ein Wochenende.

Auch in unserem Dorf ist Party. Mit Unterhaltungskapelle, Liveband, DJ, Bewirtung.

Und weil die ganzen Dörfer den Dorfheiligen zum Anlass nehmen um ein Fest zu feiern, gibt es auch noch Gottesdienst, Prozession usw. Wir sind zu Fuß hier, und so können wir eine Flasche Wein trinken. Blöd nur, dass wir schon länger keine ganze Flasche Wein mehr getrunken haben und irgendwie diese 1,3km wieder nach Hause laufen müssen. Vollgefressen und beschwippst wird so eine holprige Piste übrigens auch nicht besser.


Sommerausflug 2.0 – kleine Fresstour durch das Zentrum Portugals

Unsere Bauleute sind diese Woche nicht da, sie sind im wohl verdienten Urlaub. Und so haben wir eine Woche, um spontan wegzufahren. Irgendwo hin, wo es etwas kühler ist, das wäre doch nett. An die Küste, an einen See oder auf einen Berg, das wäre doch was. Wie praktisch, dass wir zu Fuße des höchsten Berges Portugals wohnen.

Heute müssen wir auch nicht so ewig viel an Chaos verräumen, es geht ausnahmsweise. Dafür gibt es ein anderes Problemchen: Die Fernbedienung von der Seilwinde hat den Schalter kaputt. Und zwar ausgerechnet dann, als das Quad zu 2/3 drinnen ist. Es steckt also erstmal fest.

Andre bekommt es gelöst, bastelt einen provisorischen Schalter, und wir können los.

Tag 1: bester Käse vom Torre

Wir starten am Morgen, und fahren erstmal auf die Serra da Estrela hoch.

Der Torre liegt auf 2.000 Metern Höhe, und unsere Rechnung geht auf, hier oben ist es recht angenehm.

Als erste Maßnahme gehen wir Käse kaufen, denn das kann man hier oben sehr gut – und es wird Zeit für ein Frühstück.

Über Nacht bleiben wir hier, denn wir wollen den Sonnenaufgang fotografisch festhalten und vielleicht auch noch die Milchstraße.

Wir stromern etwas mit der Kamera rum. Die Gegend hier oben ist schon recht fotogen, trotz – oder auch gerade wegen – den Rauchschwaden, die über die Hügelketten ziehen.

Der Lost Place nebenan ist etwas baufällig, und zwei junge Bauleute mit dem Bagger versuchen das zu beheben. Nach Feierabend legen sie wieder ein paar große Steine in die Zufahrt, damit keiner durchfährt. Man muss so einen Bagger nicht zwingend abladen, es geht wohl auch so…

Man kann hier oben Glück oder Pech haben, was den Sonnenuntergang betrifft. Abhängig davon, auf welcher Höhe die Wolken gerade fliegen.

Am Abend kommen auch noch die einheimischen Hunde. Es stehen hier ein paar Wohnmobile rum, und da gibt es sicher immer was abzustauben. Ziva versucht Freunde zu machen und gibt alles, um die beiden zum Spielen zu animieren, leider erfolglos.

Wir fahren gerne im Sommer auf die Serra da Estrela. Nicht nur, weil es so viel wärmer ist als im Winter. Sondern auch, weil man hier die Milchstraße ganz gut fotografieren kann.

Es stehen einige andere Wohnmobile hier oben, gegen Nachmittag werden es mehr. Wir sind etwas erstaunt, wie sie fast alle recht sorglos sie Tische und Stühle rausstellen. Dass sie die Markise nicht ausfahren liegt wohl allein am Wind. Freistehen im Naturpark, das ist ohnehin verboten. Wir würden uns hier jetzt eher nicht wie auf dem Campingplatz verhalten. Aber okay, nächstes Mal stellen wir uns dann doch lieber etwas abseits.

Tag 2: ein echt guter Inder & die echt italienische Eisdiele

Wir haben ein klares Ziel vor Augen: die Eisdiele in Viseu. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber Viseu scheint ein Hotspot zu sein für kulinarische Internationalität. Mehrere italienische Eisdielen, Sushi-Restaurants in jeder zweiten Straße, Pizza und Inder … Die Altstadt von Viseu selbst lassen wir dieses Mal aus, fanden wir schon bei unserem letzten Mal nicht sehr spannend. Wir parken das Wohnmobil zentrumsnah auf dem Stellplatz und besuchen die nahe gelegene Eisdiele.

Andre ist ja ein kleiner Spaghettieis-Fan, und die Spaghettieis-Karte hier ist schon nicht schlecht.

So ein Mango-Eisbecher hat aber auch was.

Eigentlich wollten wir erst noch einen weiteren Tag bleiben – die Karte der Eisdiele ist groß, und heute fängt der älteste, größte Jahrmarkt in Portugal an. Doch die Nacht war etwas unruhig. Man schläft einfach nicht zu gut, ist man den Stadtlärm nicht mehr gewohnt.

Also ziehen wir weiter. Der Jahrmarkt läuft ja bis Mitte September, vielleicht schaffen wir es nochmal hierher.

Tag 3: Café Europa – die deftige Dorfkneipe

Zeit für einen See. Die große Hitze ist zwar erstmal vorbei, und doch gehört ein schöner Stausee einfach dazu, zu einem Sommer in Portugal. Und so fahren wir zu altbekannten Ufern. Und finden das Ufer einige Meter weiter unten wieder als wir es gewohnt sind. 14% Füllstand sind halt echt wenig. Vor zwei Jahren um die gleiche Zeit waren es 85%, und genau an dieser Stelle auf dem Bild mussten wir umdrehen, weil die Piste unter Wasser war:

Der niedrige Wasserstand hat seine Tücken. Na, wer erinnert sich noch an die Stausee-Bergungs-Nummer mit den Campofanten https://youtu.be/mIjs1UtzPjA? Jup, das war dieser See. Und auch jetzt, wo das Wasser einige Meter zurück gegangen ist: direkt am Ufer ist ein Schmodder, da muss man auch zu Fuß aufpassen. Hätte fast einen meiner Crocs an den Treibsand verloren.

Wir bleiben mit unserem süßen, kleinen 12-Tonnen-Camper auf möglichst festem Untergrund. Schön, dass an solchen Seen immer alte Straßen direkt ans Wasser führen. An so einer stehen wir jetzt. Passt.

Wir fahren essen. Die Pizzeria zwei Dörfer weiter muss echt gut sein, denn wir bekommen keinen Tisch. Also nochmal zwei Dörfer weiter, in ein Restaurant namens „Café Europa“. Wir versuchen unser Glück, und finden so endlich mal wieder ein einfaches, typisch portugiesisches Dorfrestaurant. „Typisch Portugiesisch“ heißt übrigens in erster Linie, dass Veganer und Vegetarier keine Chance haben.

Als Couvert (=Vorspeise) bekommen wir erstmal einen Vesperteller aufgetischt. Wurst, Käse, Fett am Stück, Brot. Ein Teller, der den Abend über rumgeht, jeder darf mal alles antatschen. Gut, dass kein deutscher Lebensmittelkontrolleur hierher findet, er würde wohl einen Weinkrampf bekommen.

Sowas wie eine Menükarte gibt es nicht, es gibt Fleisch. Vor dem Haus wird gegrillt, und wir bekommen fünf Rindersteaks und ein Stück gegrilltes Schwein aufgetischt – ein Pfund Fleisch und ein Pfund Fett.

Dazu Reis in Bohnen-Rotwein-Sauce. Zum Nachtisch noch ein Oreo-Mousse und einen Kaffee. Da sind sie wieder, die Magenschmerzen! Zum Glück laufen wir heute nicht heim, wir sind mit dem Quad hier. Vorher zahlen wir noch an der Theke. Der Wirt schaut auf unseren Tisch und denkt sich dann einen Preis aus. Bei den 34€ ist vermutlich ein Touri-Aufschlag enthalten, aber egal. Lecker war’s, und nett war’s.

Wir konnten uns sogar nett auf Deutsch unterhalten. Denn es ist Sommerzeit, und die ganzen Portugiesen, die im Ausland arbeiten, sind auf Heimaturlaub. So sieht man nicht nur viele französische Autos, sondern auch Schweizer mit hiesigen Wurzeln. Und die wundern sich natürlich, was ein Quad mit deutschem Kennzeichen vor ihrer Dorfkneipe zu suchen hat.

Tag 4 + 5: Sommerpause

Wir legen zwei Ruhetage ein. Kein Restaurant, kein Ausflug, keine Action. Einfach nur ein bisschen arbeiten, netflixen und Wassertreten. Andre fährt mit dem Quad noch ein wenig zum Fotografieren, sonst passiert nicht viel.

Wir hatten heute aber auch einen harten Start in den Tag. Wenn man morgens um fünf hört, wie der Hund würgt und einem gleich ins Wohnmobil kotzt, dann ist man ganz schön schnell wach. Ich will nicht wissen, was die beiden Pappnasen auf dem Torre oben zu Fressen gefunden haben. War auf jeden Fall nichts leicht Bekömmliches.

Tag 6: das Abschlussfresschen in Castelo Branco

Traditionen, die lecker sind und satt machen, super.


Auf der Quinta wird’s einem einfach nicht langweilig

Die Bauleute haben sich wieder angemeldet, und so müssen wir zurück. Wir kommen nicht alleine, denn unterwegs haben wir einen kennen gelernt, der ein bisschen an seinem Wohnmobil rumbasteln, der seine Inneneinrichtung etwas optimieren möchte. Und da er einen Bremer (=Heckantrieb) fährt, ist die Anfahrt für ihn kein Problem.

Wir heißen „Team Theo“ willkommen. Theo ist übrigens der Name des jungen Katers, der im Wohnmobil wohnt. Der nur unter strengster Aufsicht raus darf – denn er ist noch sehr jung, und unsere Hunde sind sehr blöd, geht es um Katzen.

Auf der Quinta hat es so viel Arbeit, dass man sich jeden Tag aufs Neue aussuchen kann, worauf man heute etwas mehr Bock hat, super. Okay, bei dieser Methode wird wohl nie etwas fertig werden, aber immerhin geht es mit mehreren Projekten voran…

Andre kümmert sich mit dem Bagger ein bisschen um die Brombeeren. Diese Terrasse, a.k.a. „Brombeerparadies“, hat es wirklich in sich. Ohne Bagger wüsste ich nicht, wie man diese je in den Griff bekommen könnte.

Ich tu zwischendurch so, als wäre ich eine super Hausfrau und taue den Kühlschrank ab. Okay, eigentlich möchte ich nur, dass er mir das letzte Glas mit der Feigenmarmelade wieder rausrückt.

Und noch ein Milchstraßenbild von Andre. Man sieht die Milchstraße momentan echt gut, auch mit bloßem Auge. Und ich sogar auch, ohne dass ich eine Brille aufhabe.

Der Bachlauf 3.0 sieht schon nach einem Bachlauf aus. Was ich nicht bedacht habe ist, dass es ein Fest ist für Hunde, die gerne nur halb nass werden. Ziva kann stundenlang darin herumstapfen, und auch der Nachbars-Retriever war wohl schon eine Runde baden.

Der letzte Akt des Steinhauses kann beginnen: die Veranda. Wir haben uns natürlich für die teuerste, aufwändigste und komplizierteste Auführung entschlossen, und unser Bauteam-Chef hat es auch nicht geschafft, es uns wieder auszureden. Wir machen unsere Terrasse also im Stile des „Calcada Portuguesa“, was soviel heißt wie „portugiesischer Gehweg“. Man findet ihn überall in Portugal, vor allem aber in Lissabon. Was man dafür braucht? Viele kleine weiße Kalksteine, einige schwarze Basaltsteine, und einen Steineklopfer, der das auch schonmal gemacht hat. All das ist nicht leicht aufzutreiben dieser Tage, und wir rechnen auch besser nicht zusammen was Steine und Steineklopfer kosten. Man muss nicht alles wissen.

Alleine schon die Beschaffung der Steine: Der Lieferant liefert nur ab mindestens 10 Säcken, und auf keinen Fall kommt er mit dem großen Laster bis zu uns. Also liefert er die Steine bei unserem Bauleute-Teamchef zu Hause ab. Der lädt die Steine von Hand um, auf seinen Minilaster, der spätestens nach dem ersten halben Sack gnadenlos überladen ist. Mehr passt dennoch drauf. Fährt zu uns, und Andre lädt den Sack mit dem Bagger ab. Dann ziehen wir den Minilaster mit dem Quad wieder den Hang hoch, denn alleine kommt er nicht wieder weg. Das sind übrigens zehn Säcke. Einfach können andere.

Nachdem Andre und der Bautrupp die Veranda mit Dreck eingeebnet und mit Sand eingesandet haben, kommt der portugiesische Steineklopfer ins Spiel.

Eine Woche lang hört man Klopf Klopf Klopf Klopf (Steinesuchgeräusch) Klopf Klopf Klopf Klopf. Ich möchte mich nicht beklagen, die zwei Tage mit der Fliesensäge, als sie die Fliesen im Haus verlegt haben, waren weitaus schlimmer. Ich bin gespannt wie das ausschaut, wenn alles verfugt ist. Ich denke, das wird geil.

Aber, es ist noch nicht fertig. Denn es fehlen ein paar schwarze Steine, die aber schon in der Zulieferung sind. Also werde ich euch nächsten Monat mal einen Steinhausbau-Blog liefern. Vielleicht. Mal schauen.

Der portugiesische Steineklopfer ist auch passionierter Goldsucher, und so kommt er mit Andre ins Gespräch. Und rein zufällig hat er einen Metalldetektor zu verkaufen, den er auch gerne mal mitbringen kann, zum Testen.

Andre ist direkt angefixt, und stromert die nächsten Tage piepsend übers Grundstück. Das ist erstaunlich sauber – kein Familienschatz, keine Goldader. Nur ein bisschen Metallschrott. Hier ein Nagel, da ein paar Escudos. Naja, hier hat nicht gerade die reichste Familie gewohnt, das wussten wir ja schon. Einen Schatz zu finden, das konnte man nicht wirklich erwarten.

Ansonsten düddeln wir eben vor uns hin. Wir beobachten die Waldbrandlage, die derzeit wirklich prikär ist. Es brennt nördlich von uns, mehrfach. Brände, die sie einfach nicht in den Griff bekommen – und das, obwohl sie technisch schweres Geschütz auffahren. Aber der Wind und die lange Feuerfront machen es wohl sehr kompliziert.

Insbesondere das große Feuer im Naturpark Serra da Estrela war recht böse:

Nicht nur, dass es Dörfer umschlossen hatte, es sind wohl auch einige Quintas, primär von Aussteigern abgebrannt. 20.000 Hektar Wald sind innerhalb von zwei Wochen abgefackelt. Gerüchte über Brandstiftung gehen umher, doch wissen tut das keiner. Fakt ist, dass der Wind der Grund dafür war, dass Löschflugzeuge zeitweise nicht fliegen konnten. Fakt ist auch, dass der Forst (hauptsächlich Pinie) weitaus besser gebrannt hat als der echte Wald (Kastanie, Korkeiche etc.). Und doch würde es mich wundern, wenn daraus Konsequenzen gezogen werden würden. Vermutlich wird wieder aufgeforstet, und nicht renaturiert.

So, das war es für heute. Ich schau dann mal, wie wir wenigstens unser kleines Stück Land weiter renaturieren können. Und da es jetzt schon wieder zu warm ist, um es tatkräftig anzugehen, begebe ich mich wieder einmal zur Youtube-Akademie.

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