Es ist jetzt offiziell Herbst in Portugal, und der Kälteeinbruch treibt uns nach Süden. Aber erst einmal geht es vom Osten des Centro in den Osten des Alentejo und dann an die Westküste. Wir sind offenbar wieder im Reisemodus, und so gibt es von den letzten zwei Wochen einiges zu berichten:

Schei$$ Zivilisation!

Wir verabschieden uns vom Lieblingssee Numero 1 der Region Centro, und ehe wir Lieblingssee Numero 3 im Alentejo ansteuern, geht es noch ein bisschen in die Stadt.

Erst steuern wir einen Parkplatz beim Friedhof von Castelo Branco an. Am Friedhof kann man angeblich immer parken, da soll es so schön ruhig sein, sagen sie. Ich habe irgendwie noch nie an einem Friedhof geparkt, versuchen wir das also mal. Blöd nur, dass der Parkplatz dieses Friedhofes genau neben dem Krematorium liegt. Wir stehen gleich neben dem Gaskasten, und von der Geräuschkulisse her kann ich nur vermuten, dass die da gerade eine Grillparty machen. Sorry, das ist ein bisschen böse, aber die anderen Wortwitze, die mir gerade einfallen, wären noch böser.

Wir fahren also weiter, erstmal zum Shoppen. Innerhalb einer Stunde gebe ich 400€ in der Shoppingmall und drumherum aus, und das ganz ohne irgendwelche Klamotten oder Schuhe zu kaufen. Muss man auch erstmal hinbekommen. Und wenn ich einen Hundezubehörladen gefunden hätte, dann wäre es vermutlich nochmal teurer geworden.

Aber erst einmal steuern wir den heutigen Übernachtungsplatz an. Die portugiesische Fehlplanung beim Bau von neuen Wohn- und Industriegebieten kommt uns dabei mal wieder zugute. Und so stehen wir recht zentral in Sehweite der Shoppingmall, in einer ziemlich ruhigen Sackgasse. Die hat quasi ihren eigenen Kreisverkehr, aber keine Anwohner. Ein Auto steht da, als wir einparken, und so schnell wie das wegfährt, haben wir da wohl bei etwas gestört. Sorry.

Ich steige aus dem Ducato aus, es ist schon dunkel, und ich trete mit dem rechten Fuß in einen Gulli, der nicht mehr bündig in der Straße sitzt. Der Fuß knickt um, ich lasse einen Schrei los, liege am Boden, und weiß sofort, was Sache ist: Bänderdehnung. Ab ins große Womo, kaltes Wasser übern Fuß, Bandage eng binden, Voltarensalbe drauf und das Beste hoffen. Okay, es ist nicht ganz so schlimm. Die nächsten Tage humpele ich etwas, und ich muss super vorsichtig sein, aber ich laufe. Zeit, dass wir wieder raus aus der Zivilisation und rein in die Pampa kommen. Am nächsten Tag geht es aber erst nochmal ins Einkaufszentrum, neue Voltarensalbe kaufen. Unsere ist jetzt seit sechs Jahren abgelaufen. Schätze, ich hätte mir auch Zahnpasta auf den Haxen schmieren können.


Zwei Frostbeulen im Alentejo

Es hat einen Kälteeinbruch, der uns echt zu schaffen macht. Gefühlt vor zwei Wochen hatte es noch 30 Grad, und jetzt braucht es drei Pullis um vor die Türe zu gehen. Wir kränkeln beide etwas, bekommen aber gerade nochmal die Kurve.

Es ist Ende Oktober, und wir frieren ernsthaft. Kein Vergleich zum Wetter vom Vorjahr. Da hatten wir noch spätsommerliche Tage mit 30 Grad. Was irgendwie netter war als das jetzige Grau-in-Grau. Aber ja, das ist ein Klagen auf recht hohem Niveau. Im Schwarzwald hat es Nebel und Schnee. Ist ja auch widerlich.

Auf jeden Fall stehen wir jetzt an dem gleichen See, an dem wir während der einzigen Hitzewelle dieses Sommers gestanden haben. Okay, die 43 Grad waren auch nicht so erquickend, wie man hier im entsprechenden Reiseblogeintrag nachlesen kann. Aber muss es denn gleich so um vieles kälter sein?

Wir bleiben für ein paar Tage am See und sind schwer damit beschäftigt, Ziva die Flausen aus dem Kopf zu treiben. Unsere Versuche sie davon abzuhalten Ziegenköttel zu fressen sind noch nicht so ganz von Erfolg gekrönt. Das Abrufen funktioniert immerhin schon manchmal, aber nur wenn Fräulein Sturkopf nicht gerade mit der Schmetterlingsjagd beschäftigt ist. Langsam wird es, und es ist nach wie vor sehr interessant zuzusehen, wie sie Fortschritte macht.


Elvas – eine Stadt verdient mehr Aufmerksamkeit

Ja, wir waren schon des Öfteren in Elvas – wie viele andere auch. Elvas ist für viele Überwinterer die Grenzstadt von Spanien nach Portugal. Hier wird am Intermarché entsorgt und eingekauft, und am Aquädukt, das nachts hübsch beleuchtet ist, wird übernachtet. Dabei hat Elvas so vieles mehr zu bieten. Und zwar Festungsanlagen vom Feinsten. Selbst wer nicht auf militärische Architektur steht wird die geschichtlichen Aspekte von Elvas interessant finden. Wir waren letzten Sommer schonmal in Elvas in der Stadt drin. Okay, Andre war drin, mir sind 36 Grad dann doch zu heftig zum Sightseeing machen. Auch dieses Mal war nur Andre in der Altstadt – denn ich habe ja immer noch ein bisschen diesen Hinkefuß. Irgendwas ist ja immer.

Heute haben wir es vor allem auf das „Forte da Graca“ abgesehen. Eine militärische Festungsanlage, die in den letzten Jahren aufwändig restauriert wurde. Wir dachten und hofften ja zuerst, dass es sich hierbei noch um einen Lost Place handelt – und vor ein paar Jahren war dem auch noch so. Inzwischen jedoch hat man die Anlage touristisch erschlossen, und man zahlt auch ein paar Euros Eintritt.

Zwischendurch waren wir noch auf dem Nachbarhügel, da gibt es eine alte Kirche. Sieht von außen toll aus, innen jedoch riecht sie nach dem, was sie auch ist: ein Ziegenstall.

Weil Elvas so besuchenswert ist, haben wir dazu einen extra Beitrag verfasst, und zwar hier auf portugalismo.


In zwei Tagen einmal quer durch Portugal

Tatsächlich fahren wir einmal quer durch Portugal – an nur zwei Fahrtagen. Okay, nur von Ost nach West. Okay, das waren insgesamt keine 200 Kilometer. Für uns ist das inzwischen recht viel, und so fahren wir Autobahn. Aber ganz ehrlich: im Alentejo sind die Bundesstraßen oftmals nicht der Knüller, und wenn man einfach nur halbwegs ankommen möchte, dann sind die 20 Euro schon gut in Maut investiert.


Der See mit dem Esel

Auf unserer Reise gen Westen machen wir einen Zwischenstopp an einem altbekannten, kleinen See. Letztes Jahr um diese Zeit war dieser komplett ausgetrocknet, keine Pfütze war darin zu finden, die Kühe weideten auf dem Seegrund. Dieses Jahr ist er noch gut gefüllt, und sein Ufer ist auch gut besucht. Angler, Jäger, ein deutsches Wohnmobil und ein älteres Pärchen mit Wohnwagen stehen schon da. Und zwei Esel.

Ein Esel ist am Baum angebunden, der andere nicht. Wie sich herausstellt sind es eine junge Eselmutter mit flügge werdendem Eselkind. Und das Eselkind findet unsere Ziva ganz bezaubernd. Und die benachbarte Kuhherde. Die Mutti schimpft noch, doch das Eselkind ist nicht mehr aufzuhalten, macht sich schnurstracks zum Ufer, wo ein paar Kühe stehen – und jagt diese erstmal übers Feld. Wie ein Hütehund treibt es die Kühe vor sich her und hat seinen Spaß dabei. Die Kühe finden’s nicht so dolle.

Dass der junge Esel voll auf Hunde steht, durfte ich am nächsten Morgen herausfinden. Leider gibt es keinen Bildbeweis davon, ich war einfach zu fasziniert: Die mit dem Wohnwagen, denen gehören wohl die Esel. Die haben auch einen Hovawart-Rüden, ein junger, prächtiger Bursche, der weiß, wie man Krauleinheiten einfordert. Wer die Hunderasse Hovawart nicht kennt: optisch fast wie ein Golden Retriever, aber nur in viel, viel schlauer. Der junge Esel findet den jungen Hund super, und jagt ihm nach. So rennen sie um unseres und um das deutsche Wohnmobil herum. Der Esel spielt fangen, der Hund hat eigentlich kein Bock und versteckt sich vor dem Esel. Der Hund stellt sich dabei übrigens deutlich schlauer an als der Esel.

Irgendwie lustig hier, und doch fällt es uns nicht allzu schwer, uns vom hübschen See zu verabschieden. Denn jedes Mal, wenn das Eselkind sich zu weit von der angebundenen Mutter entfernt, schreit diese herzerweichend und über mehrere Oktaven hinweg. Wir sind jedes Mal total verschreckt.


Die alten Kutter von Setùbal

Schtubl, so oder ähnlich spricht man den Namen dieser Stadt aus. Eine Stadt voller Lost Places – und so ist unser Interesse geweckt. Hätte uns mal eher einer sagen können, dass hier so viel Verlassenes und Vergessenes rumliegt!

Unsere erste Station sind zwei alte Boote. Ein Passagierschiff, und eine Fähre. Beide liegen sie bereits seit Jahren hier am Strand. Sie haben wohl ausgedient, und anstatt sie zu entsorgen, lässt man das Meer die Arbeit tun. Beim Holzschiff dürfte es nicht allzu lange dauern. Bei Flut macht das Beiboot bereits jetzt eher den Eindruck als sei es aus Pappe, und auch der Rumpf des Schiffes weist schon einige Löcher auf. Bei der Fähre, die aus Metall ist, sollte es jedoch länger dauern bis sie sich zersetzt.

Weil ich immer noch am Kränkeln bin, schicke ich Andre alleine los um die anderen ausgesuchten Lost Places zu erkunden. Da findest du dann auf seinem Blog die entsprechenden Bilder dazu.


Eine Bootsfahrt, die ist lustig, …

Wir sind zu faul um einmal drumherum zu fahren, also nehmen wir die Luftlinie. Dank einer Fährverbindung Setùbal > Troja ist dies zwar wirtschaftlich nicht wirklich rentabel, aber dafür sehr entspannt. Der Spaß kostet 25 Euro pro Wohnmobil, für den Ducato mussten wir nur 15€ bezahlen.

Mit etwas Glück sieht man unterwegs Delfine. Wir haben natürlich kein Glück, und auch nicht bei der nachfolgenden Suche nach einem schönen Plätzchen. Erst wollen wir die Überreste einer alten römischen Fischfabrik anschauen. Die hat aber im Winter zu, und so machen wir uns auf die Übernachtungsplatzsuche. Troja ist eine Landzunge, und im Prinzip gehen links wie rechts der Straße Dünen ab. Es gibt keine wilden Wege zum Strand, wie man das anderswo kennt. Dafür gibt es Hotels, Ressorts, Golfplätze usw.

Also landen wir letztendlich auf einem Strandparkplatz – mit Kassenhäuschen, Strandduschen, und gleich drei Lokalitäten vorne am Strand. Im Sommer ist hier ganz sicher die Hölle los. Jetzt aber stehen abends nur noch ein paar Angler und wenige Wohnmobile hier. Die GNR dreht am Abend ihre Runden, hat uns bereits zur Kenntnis genommen, und sich offenbar nicht an uns gestört.


Comporta

Nach einer Nacht am Strand fahren wir in das Örtchen Comporta rein, denn hier erwarten wir Freunde, die gerade auf dem Weg in den Süden sind. Zu diesem Zwecke stehen auch wir mal wieder auf einem Wohnmobilstellplatz. Am Abend gehen latschen wir durch den Ort, auf der Suche nach einem Restaurant. Der Ort ist voller Restaurants, und die meisten haben geschlossen. Die Saison ist rum, aber wir finden doch noch eines, und bekommen lecker Muscheln serviert.

Der Stellplatz ist eigentlich nur ein Dreckplatz mitten im Ort ist. Umgeben von Straßen und Häusern, in deren Vorgarten jede Menge Hunde wohnen. Und als Krönung obendrauf hebt ein Bagger gerade einen Graben rund um den Platz aus. Als dann auch noch einer die Kettensäge anschmeißt, ist es mir endgültig zu heftig. So kann man doch keine Buchhaltung machen!

Wir ziehen erstmal nur ein kleines Stück weiter, denn nahe Comporta gibt es Stege, eine bekannte Fotolocation. Und so wundern sich die Fischer und Bootsbesitzer hier kaum, dass wir, offensichtlich Touris, mit der Kamera über ihren Steg laufen. Kommt wohl öfters vor.


Neues aus dem Hundekinderzimmer

Ziva liebt den Strand! Okay, sie ist ein Hund, und alle Hunde lieben den Strand. Vor allem, wenn noch andere Hunde mit dabei sind und so richtig die Post abgeht.

Zuhause kennt Ziva nur zwei Modi: „Koma“ und „Ich-wäre-jetzt-wach“. Letzterer Status ist gespickt von 20-Sekunden-Phasen, die vor allem dann auftreten, wenn sie sich über irgendwas freut. Dann bekommen alle anwesenden Hunde eine Knutschattacke ab, ob sie wollen oder nicht.

Ansonsten ist es wie erwartet: Ziva hat schon viele tolle Sachen von Max gelernt. Beispielsweise, dass man sich beeilen muss: geht beim Nachbar die Türe am Wohnmobil auf, muss man binnen drei Sekunden drin sein.

Freilich ist nicht immer eitel Sonnenschein, und zwischendurch muss man mit dem Hundekind ganz schön schimpfen. Man nimmt aber auch nicht alles in den Mund, was auf dem Boden rumliegt!


Strand und Düne im Alentejo

Wir tingeln weiter etwas die Küste entlang. In fünf Tagen kommen wir 40 Kilometer Luftlinie weit, inklusive der Fährüberfahrt. Man muss hier keine großen Strecken fahren, der nächste schöne Ort ist nie weit. Und so hängen wir ein bisschen in Strandnähe rum.

Inzwischen haben wir waschechtes, portugiesisch-atlantisches Herbstwetter: dafür, dass es stürmt und die Sonne sich versteckt, ist es relativ mild. Und doch bewirken Wind und gelegentliche Regenschauer, dass man den Tag doch lieber weitestgehend drinnen verbringt. Unterbrochen von ein paar Gassirunden, denn gerade wenn es etwas stürmischer zugeht, ist die Stimmung am Strand ganz besonders aufregend.

So veranstalten wir auch bei nicht ganz so gutem Wetter Hunderennen am Strand, und das Salzpeeling gibt es gratis obendrauf.


Schokoladenparty in Grandola

Während ich diese letzten Zeilen des heuten Blogs schreibe, kaue ich noch auf meinem Abendessen rum: Frisches, fluffiges Brot mit Chorizo drin, noch warm.

Es ist Samstag Abend halb acht, und wir kommen gerade von unserer ersten Runde auf der „Feira da Chocolate“ in Grândola. Nachher geht es nochmal los, denn es gibt nebst Showcooking noch irgendwelche Artisten und Künstler, die auftreten. Und ein paar lokale kleine Firmen und Vereine, die hier ihre Sachen verkaufen, da will ich nochmal was shoppen.

Die erste Runde war aber schonmal nicht schlecht: es gibt Schokolade in allen möglichen Formen und in Kombination mit den unterschiedlichsten Zutaten. Scharf und süß, im Crêpe oder mit Obst, hell und dunkel. Und dann noch der ganze andere Süßkram, eine riesige Auswahl an Trockenfrüchten, Nüssen, Gebäck, usw. Zu essen gibt es also jede Menge, und auch die Getränkeauswahl kann sich sehen lassen: es gibt Café und Likör. Was braucht man mehr.

Wir gehen da also in ein, zwei Stunden nochmal rein, schauen uns die Show an und verschaffen uns so ganz nebenbei Zuckerwerte, jenseits von Gut und Böse. Sollte es in diesem Rahmen noch vorzeigbare Bilder geben, dann gibt es die hier: www.facebook.com/croslide

Boa noite!

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Ja, wir schippern immer noch im Alentejo rum. Dass wir laut „Plan“ eigentlicht längst im Norden von Portugal sein wollten, das ist jetzt halt so. Immer diese Planerei – so wirklich dazu lernen tun wir wohl nicht. Und doch wären wir am Ende dieses Reiseblogposts froh gewesen, wären wir nach Norden gefahren.


Seetage und ein Halbtagesausflug

Wir stehen am Barragem de Montargil, nahe der Staumauer. Inzwischen haben auch Robby und Stefan nach Portugal und an unser Plätzchen am See gefunden, und wir verbringen ein paar Tage und Abende zusammen. Soweit, so entspannt. Am Wochenende wird es dann aber etwas hektisch, denn es ist Ferienzeit, und scheinbar hat hier jede Familie, die was auf sich hält, einen Hänger mit einem Jetski drauf. Und weil sich an der eigentlichen Jetski-Wasserungs-Anlage sich die Jetskis schon stauen, fahren sie zu uns, um hier ihre Spaßmobile ins Wasser zu lassen. Ganz ehrlich: würde ich hier wohnen, ich würde auch ein Jetski haben wollen. Aber wir haben keines, und so machen wir einfach Musik an um den Krach zu übertönen, und so sind froh, dass der Spuk nach ein paar Stunden wieder vorbei ist.

Das ist übrigens generell ganz schön in Portugal: normalerweise kann man sich darauf verlassen, dass die Krach machende Party-Gesellschaft so schnell geht wie sie gekommen ist – die Portugiesen sind in dieser Hinsicht nicht sehr ausdauernd. Ein, zwei Stunden, schon sind sie wieder verschwunden.

Kurz mal nach Lissabon

Wir sind sehr froh, dass die beiden hier bei uns stehen – denn so können sie nach den Hunden im Vario sehen, während wir mit dem Ducato nach Lissabon fahren. Sonst hätten wir uns was Anderes überlegen müssen, denn bei Temperaturen um die 30 Grad lassen wir die Köters eigentlich nicht so lange im Wohnmobil. Wenn aber jemand da ist, der mal nach ihnen schaut, ist ja alles gut.

Also düsen wir kurz mal nach Lissabon. Ich muss was abholen, das ist auch in 10 Minuten erledigt, danach ist ein bisschen Programm angesagt. Nicht viel, denn es ist gut warm, und so ein halber Tag in Lissabon ist wirklich schnell vorbei.

Wir waren auf dem Armoreiras-Gebäude. Für ein paar Euros kann man mit dem Aufzug bis ganz nach oben fahren und wird mit einem tollen Blick über die Stadt belohnt.

Ein weiteres Highlight ist die Fressmeile des Gebäudes, das in den unteren Etagen eine recht große Shoppingmall beherbergt. Ich finde diese riesigen Fressmeilen toll, denn hier gibt es eine große Auswahl an internationaler Küche, und man kann jedes Mal was Neues ausprobieren. Und nicht selten lasse ich mich davon auch inspirieren, und koche es ein andermal im Wohnmobil nach.

Unser zweiter Punkt auf der heutigen Lisboa-Todo-Liste für diesen Tag ist die Ausstellung „Inside Out“, auch bekannt als „Körperwelten der Tiere“. Die humane Körperwelten-Ausstellung kam ja erstmal vor ungefähr 20 Jahren auf, und schon damals wäre ich da echt gerne hingegangen. Jetzt also die Tierversion in Lissabon, die noch bis September läuft. Elf Euro Eintritt waren es glaub, und in einer guten halben Stunde ist man durch. Es ist sehr interessant, wobei ich gestehen muss, dass ich nicht alles so intensiv in mich aufgesogen haben. Die Beschreibungen der einzelnen Exponate waren auf Portugiesisch und Englisch verfasst. Mein Englisch ist passabel, aber dennoch ist diese Übersetzerei im Kopf irgendwann doch sehr anstrengend. Aber egal, gelohnt hat sich dieser Besuch auf jeden Fall!

Hier die Bilder des heutigen Tages:

Geparkt haben wir auf einem Parkplatz, auf dem immer einige Wohnmobile stehen. Für eine Nacht und einen kurzen Stadtbesuch, Okay. Doch um Lissabon für mehrere Tage zu erkunden, dafür ist das wirklich nichts – zu nah an der Straße, zu eng.

Kaum haben wir uns von unserem Ausflug nach Lissabon erholt, schon geht es weiter. Ich fahre schonmal vor und warte 200 Meter weiter an der Hauptstraße auf Andre. Bei ihm dauert es etwas länger, denn er musste den Spaß ja noch filmen:

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Unser nächstes Ziel, an dem wir mehrere Tage stehen bleiben wollen, ist nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt. Wir haben mal eine Woche eingeplant, bis wir dahin kommen, denn unterwegs scheint es einige interessante Zwischenstopps zu geben.


Auf dem Weg zum Barragem de Maranhão

Es gibt Gegenden in Portugal, da tut man sich etwas schwerer mit dem Finden eines schönen Plätzchens. Der Alentejo ist die Kornkammer Portugals – Ackerbau und Viehzucht, soweit das Auge sieht. Dazwischen Hügel mit Eichenwäldern, Steineichen, und Korkeichen.

Wo Rinder weiden, ist so manch ein Gelände mit Zäunen versehen. Und so manch eine Zufahrt zum See oder Fluss ist mit einem Viehgatter versehen. Nun würde es normalerweise niemanden stören, wenn wir das Gatter aufmachen, durchfahren und hinter uns wieder schließen. Doch meist machen wir das nicht. Also eigentlich machen wir es nur, wenn irgendwo ein Schild zum Ziel weist, und auch am Gatter der Hinweis angebracht ist, dass man es nach der Durchfahrt doch bitte wieder schließen soll. Wenn es privat ausschaut, dann müssen wir da wirklich nicht durch.

Unser erster Versuch der Stellplatzsuche ist genau daran gescheitert. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn die Ecke ist wirklich sehr hübsch und das Wetter ist gut, da fahren wir halt noch ein bisschen weiter durch die Gegend.

Der nächste Platz ist auch am Fluss, hier hat man das Wasser angestaut, es ist quasi ein Kanal. Sehr hübsch anzusehen, und wir stehen direkt am Wasser. Aber Momentchen, wir kommen nicht ins Wasser rein. Also rein schon, aber kaum wieder raus. Das Ufer ist einfach zu steil. Tizon hat das mal für uns ausgetestet, ist direkt ins Tiefe Wasser geplumpst und nur mit großer Mühe wieder an Land gekommen. Das ist doof. Bei dem heißen Wetter brauchen wir echt was mit Bademöglichkeit! Also weiter.

Fahren wir also zum See – genauer gesagt zum Barragem de Maranhao. Inzwischen ist es schon später am Nachmittag, und wir möchten nun einfach nur ein schönes Plätzchen zum Übernachten finden. Das tun wir auch.

Zwar auch hier ohne Bademöglichkeit, aber deshalb sind wir nicht hier. Vielmehr möchten wir ein paar hübsche Fotos machen. Denn wie an vielen anderen Stauseen auch gibt es hier einen Lost Place. Nahe der Staumauer gibt es oftmals Gebäude, in denen die Arbeiter des Staudammes gelebt haben – so auch hier. Wobei ich mir im Nachhinein nicht mehr ganz sicher bin, ob es sich hierbei nicht doch um ein ehemaliges privates Anwesen handeln könnte. Denn im Vergleich zu den anderen Arbeitersiedlungen ist diese hier deutlich hochwertiger, und die Anlagen rund um die Gebäude sind schon fast parkähnlich angelegt.

Am nächsten Tag geht es weiter, zu einem Platz, den wir bereits vom letzten Jahr kennen, und in außerordentlich guter Erinnerung haben. Es soll noch wärmer werden, und da ist es von Vorteil, sein Haus am See zu parken.

Doch irgendwie ist der See dieses Jahr ganz anders. Also eigentlich gilt dies für alle Seen: sie sind immer noch recht voll. In diesem Fall ist es sogar so, dass das Ufer letztes Jahr bestimmt 50 Meter weit im See lag. So finden wir jetzt fast keinen Platz zum Parken, zumal der Boden nur so semi stabil aussieht. Und wir wollen ja nicht schon wieder festsitzen.


Weiter nach Osten

So richtig gefällt es uns hier also noch nicht, und so fahren wir weiter nach Osten. Probieren noch ein paar Plätze aus – hier ein Flussufer, das aber wohl eingezäunt ist. Dort ein Praia Fluvial, also ein Badeplatz, der aber gut besucht ist. Und so landen wir an einem alt bekannten Plätzchen, ein Stausee kurz vor der spanischen Grenze.

Vermutlich ist es die Nähe zu Spanien: am Seeufer liegt Müll ohne Ende rum. So viel, wie sonst nirgends. Aber zum Glück hat so ein See ja mehr als nur eine Stelle am Ufer, und so schicke ich Andre los, dass er mit dem Ducato eine schönere Stelle für uns findet. Die Wetterapp kündtigt 45 Grad an, da kann man eigentlich nicht nahe genug am Wasser stehen. Schatten UND Wasser wäre natürlich am besten, doch im Zweifel nehme ich auch nur das Wasser.

Andre vermeldet Erfolg, und nachdem er wieder hier angekommen ist, durchdenken wir die nächsten Tage. Was braucht man alles, um die kommende Hitzewelle zu überleben? Okay, ich muss wohl erst noch einkaufen gehen, und einmal alles durchwaschen bitte. Weniger die Klamotten, sondern viel mehr die Textilien im Ducatolein haben es dringend nötigt. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, wenn es der klatschnasse Hund immer wieder ins Auto schafft, dann müffelt das irgendwann echt schlimm. Nach nur einer Stunde aber ist alles durchgewaschen, und die Luft im Ducatolein ist deutlich besser. Und da Tizon auch kein stinkiges Ohrjucken mehr hat, müffelt auch der Hund direkt weniger. Endlich kann ich wieder im Ducato chillen, ganz ohne Riechsalz!


43 Grad und getrennte Schlafzimmer

Nun bekommen wir also, quasi wie bestellt, noch einige Tage Sommer. Also bestellt haben wir eigentlich 35 Grad und Windstille, geliefert werden 43 Grad und böiger Wind.

Caia Fenster

Ungefähr fünf Tage lang hält die Hitzewelle an. Und sie entpuppt sich wirklich als anstrengend. Woran es liegt, können wir nicht genau sagen. Der Temperatursprung von 15 Grad? Die hohe Luftfeuchtigkeit von 40%? Der fiese Wind, der dir die Luft zum Atmen nimmt? Böen von 40km/h sind ja normalerweise nicht wild, aber 43 Grad im Schatten sind sie wirklich böse. Als ob dir jemand einen Heißluftfön ins Gesicht hält.

Hunde und Hitze: Max hechelt, Tizon badet

Sehr interessant finde ich, dass der kleine „junge“ Max dieser Tage mehr Probleme hat als der große Seniorköter mit dem schwarzen Pulli. Einmal liegt das sicherlich daran, dass Tizon fast keine Unterwolle hat, Max jedoch durchaus. Tizon hat eine Sache aber einfach besser drauf: Ist es zu warm, geht’s in den See. Und da bleibt man dann einfach mal 15 Minuten drin liegen, bis es wieder gut ist. Tizon reguliert seine Körpertemperatur selbst. Max würde eher zugrunde gehen als freiwillig in den See. Aber, es wird besser. Ist es nur heiß genug, trabt er nach Aufforderung mit zum See und macht sich immerhin die Pfoten nass. Beim Rest muss man immer noch etwas nachhelfen. Nagut, vielleicht sollte man sich aus seiner Wasserscheuheit keinen Spaß draus machen, ich denke das ist nicht sonderlich förderlich 😉

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So schaue ich ein wenig danach, dass beide Hunde regelmäßig das Wasser aufsuchen. Und auch, dass die Knalltüten möglichst nicht klatschnass wieder in den Ducato einsteigen. Also mache ich die Schiebetüre zu, ehe wir uns auf den Weg ins kühlende Nass machen. Und werde dafür die 10 Minuten, die die Schiebetüre zu ist, mit vorwurfsvollen Blicken bestraft. Max sitzt stur vor Ducatolein, während Tizon ihn mehrfach umkreist, eher er aufgibt und wieder ins Wasser geht um sich erneut abzukühlen. Und so beginnt der Kreislauf erneut …

Max Schiebetüre zu

Nachts ist es mit den zwei Knalltüten besonders spaßig, denn irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr morgens fängt garantiert einer an, stark zu hecheln. So sehr, dass ich davon wach werde und den jeweiligen Hund rausschmeiße. Das eigenständige Denken und Handeln scheint den Hunden bei der Hitze wohl abhanden gekommen zu sein. Vermutlich aber geht es darum, die Pole Position (neben mir im Bett) nicht aufzugeben.

Am vierten Tag der Hitzewelle haben wir eigentlich keine Lust mehr. Denn es ist von Mittag bis zum Abend hin einfach nur anstrengend, trotz stündlicher Planscheinlagen. Was sicherlich auch daran liegt, dass es selbst in der Nacht kaum abkühlt. Wenn wir morgens um ein Uhr ins Bett wollen, hat es immer noch 30 Grad. Im Morgengrauen dann noch 26 Grad.

Dabei kommt die Sonne noch nicht einmal ganz durch. Es ist diesig, eine Mischung aus Saharastaub und Rauch verdeckt die Sonne.

Um das erträglich zu machen, gibt es zwei Möglichkeiten: draußen schlafen oder Lüfter anschalten. Ich habe mich für draußen entschieden, Andre macht derweil Lüftungsexperimente im Vario.

Was manche Leute ohnehin immer wieder vermuten, ist also erstmals eingetreten: wir haben getrennte Schlafzimmer. Weil im Alkoven für meinen Geschmack etwas zu wenig Luft geht, ziehe ich in Ducatolein um. Das Bett im Ducatolein ist für Andres längere Beine etwas zu kurz, weshalb er im Vario pennt. Zugegeben, im Ducato wäre auch kaum mehr Platz gewesen, denn die beiden Hunde finden es enorm gut, dass sie bei mir im Bettchen schlafen können. So genieße ich den wirklich großen Vorteil des Kastenwagens: Hecktüren weit auf, und es ist, als liegst du im Freien. Ist wie früher beim Campen, nur mit Lattenrost und guter Matratze.

Dann kommt er, der Lagerkoller. Bei diesen Temperaturen kannst du nicht wirklich viel unternehmen, keine Ausflüge machen, keine großartigen Gassirunden. Und so beschließen wir spontan am letzten Abend der Hitzwelle, alles zusammen zu packen.


Hola España!

Manchmal geht es recht schnell: um 20 Uhr den Entschluss gefasst, und schon eine halbe Stunde später sind wir unterwegs. Wir können auch weitaus schneller zusammen packen, aber hallo, es ist immer noch elendig warm, die letzten Tage haben wir haushaltsmäßig nichts gemacht, und die Hunde mussten auch noch aufs Klo.

Wir wollten auch schnell los, damit wir noch eine Runde im Shoppingcenter von Badajoz drehen können. Quasi eine Einführungsrunde. Wir fahren um halb neun los, unterwegs noch in Elvas kurz Ver- und Entsorgen, dann ist es nicht mehr weit bis Badajoz, und wir schaffen es noch, ehe das Einkaufszentrum um 22 Uhr zu macht. Wenn es nicht dieses klitzekleine Problem gäbe: Zeitumstellung. Kaum fährst du über die Grenze, ist es schon eine Stunde später. Und so kommen wir an der Shopping-Mall an, kurz nachdem sie geschlossen hat. Anfängerfehler.

Immerhin hat der Burger King noch auf, und so ein kleines McFlurry, das bei denen irgendwie anders heißt aber identisch aussieht und schmeckt, kann bei der Hitze ja nicht schaden. Für die Nacht stellen wir uns auf den Parkplatz von Leroy Merlin, denn der morgige Shoppingtag soll im Baumarkt beginnen.

Shoppingparadies Badajoz

In Badajoz kann man ganz wunderbar einkaufen. Es gibt große und mittelgroße Shoppingmalls, sonstige Einkaufsläden und Baumärkte, und obendrauf noch günstige Tankstellen – zumindest nach portugiesischen Maßstäben. In Sachen Shopping habe ich mir etwas mehr erhofft, insbesondere preislich – hier kann ich keinen Unterschied zu Portugal entdecken. So eine Durchschnitts-Shoppingmall in Spanien beherbergt auch so ziemlich die identischen Läden wie das portugiesische Pendant. Die großen Ketten und Marken, hier und da ein paar interessante Ausreißer. Auf jeden Fall bin ich trotz Rabattschlachten und Sommerschlussverkauf nicht in besonderer Kauflaune, und so bleibt es bei ein paar Kleinigkeiten.

Aber spanische Supermärkte, die mag ich ja schon. Und Badajoz hat ein paar größere Exemplare davon. Das kann dann auch schonmal dazu führen, dass Andre eine dreiviertel Stunde lang im Ducatolein warten muss, bis ich da wieder rausfinde – und er dann ganz entsetzt feststellt, dass ich gerade mal eine mittelgroße Tüte Essen eingekauft habe. Ops.

Dieses Spanien, also ich weiß nicht …

Badajoz am Guadiana

Eigentlich haben wir ja einen richtig schönen Platz am Guadiana gefunden. Eigentlich. Für zwei (oder drei?) Nächte stehen wir schön im Grünen – und zwischen ganz schön viel Müll. Es ist eines der Punkte, die mir an Spanien nicht wirklich gut gefallen.

Badajoz Müll im Grasbüschel

An den zwei Tagen habe ich während meiner Gassirunden mehr Müll rumliegen sehen als in Portugal das halbe Jahr über. In jedem Busch hängen Klopapierfahnen, in jedem Grasbüschel liegt eine Dose oder Plastikflasche. Zum Schwimmen geht man lieber nicht barfuß ins Wasser, wer weiß was alles im Fluss liegt.

Wir parken also auf unserem Plätzchen ein, gehen erstmal eine Runde schwimmen, da kommt so ein Typ daher. Die Hunde finden ihn nicht so geil, aber dass er mit großem Geheul empfangen wird, scheint ihn nicht sehr zu beeindrucken. Nach etwas Blabla wird klar, was er will: Geld. Er will Geld. Warum wir ausgerechnet ihm unser Geld geben sollen, das erschließt sich uns nicht wirklich, und so bekommt er auch keines. Als er das dann damit begründen will, dass er Hunger hat, bekommt er den Rest vom Baguette. Damit ist er aber auch nicht sonderlich glücklich, ist ja auch ziemlich trocken, so ein Baguette. Also will er noch ein Bier dazu. Da wird es sogar Andre zu bunt, und er schickt ihn zum Teufel. Ich beobachte das Ganze gemütlich aus dem Wasser. Da bleibe ich auch bis er wieder weg ist, nicht dass er mich auch noch anfängt zuzutexten. Doch nun ist Ruhe, und wir beschließen nach der ersten Nacht noch eine zweite zu bleiben.

Für die vierte Nacht in Badajoz ziehen wir um, auf den offiziellen und kostenlosen Wohnmobilstellplatz der Stadt. Ja ich weiß, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und so. Und der Platz ist ja an sich nicht schlecht. Nett angelegt, gute Lage, perfekt für einen Stadtbesuch. Und wenn man Party machen will. Am Besten ist der Platz, wenn man Ohrstöpsel oder einen superguten Schlaf hat. Auf jeden Fall stehen wir jetzt hier, weil wir in die Stadt möchten.

Bisschen zum Fotografieren (ich hatte keine Lust, ein paar Bilder gibt’s bei Andre) und am Abend zum was Essen gehen. Eine Paella hatte ich die Tage schon im Wohnmobil gemacht, also geht es jetzt zum Tapas essen.

Das ausgesuchte Tapas – Restaurant hat wohl schon wegen Reichtum geschlossen, also nehmen wir das übernächste, das hat gute Bewertungen. Und jetzt wird es komisch: wenn ein Restaurant 300 Bewertungen 4 von 5 Sternen hat, wir aber feststellen, dass wir in zwei Jahren Portugal noch nie so schlecht gegessen haben, was läuft da falsch? Haben wir tatsächlich ein für spanische Verhältnisse gutes Essen serviert bekommen? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.

Wie auch immer, wir sind von Badajoz jetzt nur so mittel angetan. Und irgendwie sind wir von der Überlegung, ein bisschen in Spanien rumzufahren, wieder abgekommen. Und schwupps, sind wir wieder in Portugal. Naja, so halbwegs.


Bem vindo a Portugal!

Ajuda Brücke

In welche Richtung fährt man, hat man sich richtig dolle vorgenommen, nach Nordportugal zu fahren? Ja, genau, nach Süden. Nach einer äußerst unruhigen Nacht auf dem Stellplatz von Badajoz geht es früh morgens los, ich denke es war sieben Uhr. Mitten in der Nacht also. Wir haben es nicht weit – einmal zurück über die Grenze, in Elvas nach Süden, und wieder zurück an die Grenze. Denn an der Ponte Ajuda ist der Guadiana der Grenzfluss, und man wird mehr mit „Buenos dias“ begrüßt als mit „Bom dia“.

Die Brücke ist alt, halb zerfallen, und hat sicherlich eine beeindruckende Vergangenheit. Aber wir haben schon wieder 37 Grad, und so mögt ihr mir es verzeihen, aber ich bin gerade einfach zu faul zum Googeln.

Das Lustige an der Brücke ist ja, wie sie sinnbildlich für Spanien und Portugal steht. Die portugiesische Seite ist halt so zerfallen wie sie ist, man kann auf die Brücke draufgehen, und wer Probleme mit der Schwindelfreiheit hat, der sollte nicht zu weit gehen. Die spanische Seite der Brücke ist betoniert. Und der Parkplatz davor ist mit tausend gebrauchten Taschentüchern dekoriert.

Ajuda mit Beton

Auf jeden Fall kann man hier schön stehen, auf der Rinderweide, also auf der portugiesischen Seite. Die Rindviecher, bestehend aus einer Mutter-Kind-Gruppe mit ein, zwei Teenager-Bullen, drehen hier mehrere Runden am Tag. Uns gegenüber sind sie eher scheu, egal ob wir mit oder Hunde unterwegs sind. Noch am Abend wird uns klar, woher dies kommen kann, denn da beobachten wir, wie ein Schäferhund, der mit seinen Leuten von einer Wanderung zurück zum Auto kommt, ein Kalb erblickt und das auch Sekunden später am Wickel hat. Er hat es wohl am Bein erwischt. Ich denke aber nicht, dass Schlimmeres passiert ist, denn fünf Minuten später ist der Schäferhund mitsamt dem Auto weg, es liegt nirgendswo ein Kalb rum, und die Rinderherde schlappt recht entspannt weiter.

Huch, schon wieder in Spanien

Wir stehen direkt an der spanischen Grenze, und die nächste spanische Stadt scheint mir als geeignet, endlich mal ein Paket nach Deutschland loszuschicken. Also fahren wir mit Ducatolein ins nahe gelegene Städtchen Olivenza.

Das Paket ist recht schwer und etwas sperrig, und ich hoffe, dass es von Spanien aus verschickt nicht ganz so teuer ist. Pustekuchen. Ungefähr 45 Euro kostet der Spaß, plus Karton. Somit 10 Euro mehr als in Portugal. Wieder was gelernt.

Aber egal, dafür haben wir zufällig mitbekommen, dass heute Dorffest ist, mit Kirmes, mindestens fünf Churro-Ständen und so. Es ist wohl das Fest der Feste, zumindest heißt es „Ferias y Fiestas 2018“. Wie übersetzt der Spanier sowas? Einfach „Messen und Feste 2018“, das hört sich irgendwie nicht ganz rund an.

Und wir waren erfolgreich einkaufen. Und ich nehme alles zurück, was ich Negatives von mir gegeben habe: Ich liebe Spanien! Es gibt hier doch tatsächlich Laugenbrötchen im Laden! Und dieses Nocilla Leche, das viel bessere Nutella mit der Geschmacksrichtung Milky Way. Na, vielleicht sollten wir Spanien nochmal eine Chance geben …

Ich liebe Spanien

Olivenza Teil II: das Kinderfest beginnt ab Mitternacht

Kaum hat man sich an die portugiesischen Gepflogenheiten gewohnt, schon verirrt man sich nach Spanien. Möchtest du in Portugal in was im Restaurante zu essen bekommen, solltest du zwischen 19 Uhr und 22 Uhr dort auftauchen. In Spanien ist um 22 Uhr noch gar nix los. Wie wir also um kurz nach zehn Uhr über den Jahrmarkt schlendern, ist noch absolute tote Hose. Also schlendern wir weiter, und begeben uns auf Nahrungssuche. Es gibt einige Stände, wo es wohl ein paar Burger gibt, und ein paar Bierstände. Mhm. Weiter in die Stadt rein, einfach immer den Einheimischen hinterher. Wenn viele Menschen in eine Richtung laufen, dann wird es da wohl was geben.

Auf der Plaza des Ortes steht eine Bühne, und jede Wirtschaft hat aufgestuhlt. Wir finden einen freien Tisch und überlegen uns, was wir denn haben wollen. Ein schönes Iberico Schweinchen, und frittierte Tintenfische sollen es sein. Uns läuft langsam das Wasser im Munde zusammen, wir haben Hunger. Wir haben aber noch nichts bestellt. Und das sollte auch so bleiben. Wir geben dem Kellner mehrere letzte Chancen, doch der rennt immer nur an uns vorbei. Nebenbei registrieren wir, dass nur alle fünf Minuten mal ein Essen aus der Küche kommt, und schlussfolgern, dass es wohl dauern kann, bis wir was bekommen. Noch während wir das mutmaßen sind die letzten drei Chancen, die wir dem Kellner eingeräumt haben, ebenfalls abgelaufen, und wir haben keine Lust mehr.

Nebenan gibt es eine pakistanische Dönerbude. Der Döner ist Okay, die Pakistani haben ein lustiges Englisch drauf, einer war sogar mal ein halbes Jahr in Deutschland.

Auf dem Rückweg zum Auto kommen wir wieder über den Jahrmarkt. Inzwischen ist Mitternacht, und die Party ist in vollem Gange. Der Kinder-Jahrmarkt mit all seinen Hüpfburgen und Mini-Autoscootern ist gut besucht, Mütter schieben ihre Säuglinge in Kinderwägen durch die Massen, die Musik ist ohrenbetäubend. Wir begeben uns an den Rand, wo die Teenies ihren Spaß haben, und wo ein DJ anfängt Musik aufzulegen.

Autoscooter

Karussel

Langsam finden sich die Jugendlichen der Region ein, und wir bekommen die Möglichkeit einer …

Feldstudie: „Feiernde spanische Teenager“

Feldstudie

Erstens sind bei den Mädels Plateauschuhe wieder in Mode. Aber vielleicht waren die noch nie aus der Mode, und jede Generation hat seine 15jährigen Mädels mit Plateauschuhen. Spanische Jugendliche wissen wohl, dass es hier nicht zu trinken gibt. Also bringen sie ihre Getränke selbst mit, und das geht so: Plastiktüten mit Coke in Plastikflaschen und Plastikbechern in die Mitte, dann ein Stehkreis außenrum. In diesen werden dann die Mixgetränke gemixt, ich tippe auf Rum-Cola.

Wir beenden die Studie und begeben uns nach Hause. Morgen geht es früh raus, denn wir wollen weiter. Buenas Noches, senoritas y caballeros.

PS: Wie immer kann dieser Artikel auf Facebook kommentiert werden.

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Ein neuer Rekord! Sechs Wochen lang sind wir an unserem Lieblingsstausee im Alentejo rumgestanden. Es wird also höchste Zeit, dass wir mal wieder in den Reisemodus übergehen.


Wir nehmen Abschied vom Lieblingsstausee

Als wir hier angekommen sind, waren die Früchte am benachbarten großen Maulbeerbaum noch klein und hart – jetzt sind sie reif.

Die Ernte gestaltet sich etwas heimtückisch. Denn die reifen Beeren platzen quasi bei Berührung auf, und sie hängen kopfüber. Trotz Handschuhe gibt das eine riesige Sauerei, und nachdem ich ein kleines Schälchen Maulbeeren gesammelt habe, sehe ich aus, als hätte ich gerne jemanden abgestochen. Das Gute ist, dasss es ja nur Lebensmittelfarbe ist, und zwar abwaschbare.

Das Ergebnis wird zu leckerem Nachtisch verarbeitet: 3 Esslöffel Joghurt, 1 Esslöffel Mascarpone, einen Teelöffel gesüßte Kondensmilch. Viel Süße braucht es nicht, denn die Maulbeeren selbst sind sehr süß.

DIY Haarseife

Wir waschen unsere Haare nur sehr ungern mit gewöhnlichem Shampoo, sondern viel lieber mit chemiefreien Alternativen. Am allerliebsten ja mit Wascherde, doch die bekommt man in Portugal irgendwie nicht. Und diese kiloweise zu importieren, ist irgendwie sinnfrei. Also bin ich auf Haarseife von Savion umgestiegen, die funktioinert ebenso gut, ist sogar noch etwas praktikabler. Doch auch diese ist in Portugal einfach nicht zu bekommen – zumindest waren all meine Versuche bisher erfolglos. Außerdem kostet ein Stück Haarseife knappe 10€, ein Stück Kernseife 1€. Mhm…

Egal, Haarseife kann man ja auch selber machen. Denn diese ist nichts anderes als Kernseife plus Öl. Kernseife zum Haarewaschen alleine geht nicht gut, da bekommt man strohige und widerspenstige Haare von. Also nimmt man diese daher, schmilzt sie ein, und bevor sie wieder von selbst aushärtet gibt man ein Öl seiner Wahl hinzu. Olivenöl oder Kokosöl ist der Standard, andere (ätherische) Öle gehen aber auch. Ich nehme eine billige Kernseife aus dem Intermarché daher, die einzige, auf der „Natural“ steht. Sicherlich nicht die beste Qualität, aber für den ersten Versuch wird es schon ausreichen. Dazu hole ich mir einen Milchtopf für zwei Euro aus der Haushaltswarenabteilung.

Die Zubereitung ist recht einfach: Ein Stück Seife klein schneiden, auf kleiner Flamme langsam einschmelzen lassen, das Öl hinzugeben (ich habe ca. 10% Kokosöl hinzugefügt), gut durchrühren und in irgendeine Form bringen um das Ganze wieder abkühlen zu lassen. Ich habe einfach meine Muffin-Silikon-Backform hergenommen. Das Ergebnis ist brauchbar, aber noch nicht optimal. Für den nächsten Versuch werde ich mir etwas bessere Seife kaufen und das Ganze in eine andere, handlichere Form bringen.


Wir hoppeln weiter!

Eigentlich wollten wir ja weiter nach Norden. Doch hat sich nochmal ein Termin in Lissabon angebahnt, in ungefähr vier Wochen. Also schauen wir uns noch ein wenig den Alentejo an. Genauer gesagt möchten wir dem Tejo nochmal eine Chance geben. Denn der hatte sich ja im letzten Jahr von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Miefiges Wasser und mit dem Bauch nach oben schwimmende Minikrebse, unser Abstecher an den Tejo im letzten Herbst viel sehr kurz aus.

Genauer gesagt wird es eine Tour durch das „Ribatejo“, also am „Ufer des Tejo“. So wurde die Region zwischen Abrantes und Lissabon früher bezeichnet.

Erst einmal heißt es, uns von unserem See loszueisen. 15km Waschbrettbpiste, und sie wird einfach nicht besser. Im Gegenteil, entweder wird sie nur gefühlt mit jedem Mal schlechter, oder aber wirklich. Auf jeden Fall werden wir sie nicht vermissen.

Im nächsten Städtchen angekommen hole ich meine bestellten Medikamente ab, das Schmerzmittel für Tizons Hüfte. 400€ habe ich in Rimadyl investiert, dafür muss ich mir bis zum nächsten Frühjahr keinen Kopf mehr um die Beschaffung machen.


Abrantes

Unsere erste Station am Tejo heißt Abrantes. Zugegeben, ich kann jetzt nicht sagen, ob Abrantes ein Besuch wert ist – wir haben nicht in die Alstadt geschafft. Uns geht es um die Ver- und Entsorgungstation am Tejo, und um die Shopping-Möglichkeiten. Baumarkt, Elektromarkt, Supermarkt, die Liste ist lang.

Während Andre sich um Frischwasser und Abwasser kümmert, schaue ich mir die Katzen im benachbarten Park mal etwas genauer an. Drei junge Katzen, recht dünn und teilweise nicht gerade gesund aussehend. Hungrig scheinen sie nicht zu sein, zumindest wird das Hundefutter keines Blickes gewürdigt. Aber das sieht man hier in Portugal öfters: die Katzen werden durchaus gefüttert, von Privatleuten. Doch sie einem Tierarzt vorzuführen, dafür ist keiner zuständig. Nagut, ich auch nicht.

Und doch gibt es einen Tipp für Abrantes, einen Restaurant-Tipp: Im Restaurante „Dom Papito“ (https://goo.gl/maps/ac8DrfHzGyS2) gibt es ein Menü für 10€ pro Person. Couvert (Oliven + Brot), Getränk, Gemüsesuppe, Hauptgang mit Salat, Kaffee, Nachtisch. Alles frisch zubereitet und echt lecker. Gut, mein Fisch war sehr lecker, Andre sein Rind war sehr schwer zu kauen. Vielleicht darf man bei einem Menüpreis von 10€ nicht das beste Stück erwarten.

Die Nacht verbringen wir auf den ausgewiesenen Parkplätzen mit Wohnwagen-Beschilderung, direkt am Tejo. Die Nacht ist kurz, denn der Güterzug, der über die benachbarte Eisenbrücke fährt, ist laut. Also weiter geht’s.


Castelo de Almourol

Es gibt ja einige alte Templerburgen in Portugal, und das Castelo de Almourol (https://goo.gl/maps/EWZVeMxetEy) ist eine davon. Diese Burg sitzt auf einer kleinen Insel im Tejo. Und ist auch nur mit einem Boot zu erreichen. Gut, es gibt eine provisorische Brücke, doch an der prankt ein Betreten-Verboten-Schild. Ist ja auch Okay, es würde ja sonst vermutlich keiner mehr mit dem Boot fahren, und die zwei Herren, die das Boot steuern, wären arbeitslos. Wäre ja auch nicht schön.

Außerdem gibt es das Phänomen, dass der Wasserstand vom Tejo recht unterschiedlich ist – und die Brücke bei hohem Wasserstand absäuft. Da Ebbe und Flut hier keine Auswirkung haben können und die Wasserstände auch recht unregelmäßig am steigen und sinken sind, haben wir ein Wasserkraftwerk flussaufwärts in Verdacht.

Wir parken das Wohnmobil auf dem Parkplatz direkt am Bootsanlieger und schauen uns das Treiben erst einmal einen Nachmittag lang an. Ja, man kann hier mit dem Wohnmobil eine Nacht lang stehen, es stört offenbar niemanden. Es ist allerdings von Vorteil, wenn man einen guten Schlaf hat. Die Frösche sind abartig laut, und der Güterzug rauscht noch vor der Morgendämmerung das erste Mal durch. Wer es etwas ruhiger mag, der findet am Rande das nahen Ortes „Constância“ einen Platz am Fluss. Ein offizieller Wohnmobil-Stellplatz mit VE (https://goo.gl/maps/VTrr3EvSLDs). Er liegt recht nah an der Straße, aber immerhin nicht an den Bahngleisen.

Zurück zum Castelo: es ist halt ein Castelo wie viele andere, aber eines in besonders guter Lage. Und die ist es wohl auch, die Touristen anzieht. Selbst unter der Woche ist immer was los, aber nie wirklich viel. Und so machen wir uns gleich am nächsten Morgen auf, um mit dem Boot auf die Insel überzusetzen. Eine halbe Stunde, und man hat alles gesehen, die Aussicht genossen, und kann sich wieder zurück schippern lassen.


Tejo Strandhopping

Wir wollen herausfinden, ob es denn am Tejo ein paar nette Plätze gibt. Und werden auch direkt fündig.

Es ist ein nettes Plätzchen, und doch passt uns hier irgend etwas nicht so recht. Der Wind pfeift ums Wohnmobil herum, direkt nebenan wohnen paarungsbereite Frösche, die mächtig Krach machen, und offenbar stehen wir auf dem Stammplatz eines Anglers – denn der packt sich gleich neben unser Wohnmobil, obwohl auf dem einen Kilometer langen Ufer bis zu uns Platz ohne Ende wäre.

Macht nichts, uns zieht es nach zwei Nächten ohnehin weiter, denn ich habe auf Google Maps ein interessantes Plätzchen gefunden. Windgeschützt dank Bäumen, und mit einer Sandbank. Gesagt, getan, fünf Minuten zusammen packen, los geht es. Sind ja auch nur 15 Kilometer Fahrt, das müsste ja zu schaffen sein.

Volltreffer. ein Platz, ganz nach unserem Geschmack 😀

Okay, es gibt ein paar kleinere Haken. Fangen wir doch bei dem Umstand an, dass der Vario beim rückwärtigen Einparken durchdrehende Reifen hatte. Ist vielleicht doch ein bisschen zu sandig auf der Sandbank? Egal, wir stehen jetzt erst einmal, und ums Ausparken kümmern wir uns, wenn es soweit ist.

Wir sind nicht die einzigen, denen die Sandbank so gut gefällt. Die Einheimischen wissen um dieses schöne Plätzchen, und so ist am Wochenende recht viel los. Es ist aber auch schön hier: Ist der Wasserstand vom Tejo gerade niedrig, ist es wie eine riesige Wassertretanlage, mit höchstens knietiefem Wasser. Oder eben ein großes Planschbecken – Perfekt für einen Familienausflug am Strand, ganz ohne störende Wellen. Wir sind ganz erstaunt, dass die Portugiesen den ganzen Nachmittag dort verbringen. Normalerweise kommen sie, bleiben ein oder zwei Stunden, und plötzlich sind sie wieder weg. Hier geht es aber etwas entspannter zu. Einige Jugendliche bleiben sogar mehrere Tage lang, haben ihr Camp auf der Sandbank aufgeschlagen. All das stört uns nicht weiter, und so bleiben wir eine Woche lang hier stehen.

Zwischendurch fahren wir mit dem Ducato ins nahe gelegene Santarém, eine größere Stadt. Wir haben die Hunde mit dabei, denn der große Hund hat Ohrjucken, und der kleine Hund hat Arschjucken. Und weil das Ohrjucken eine hartnäckige Ohrentzündung ist, muss das jetzt anständig behandelt werden. Wir finden einen jungen Tierarzt mit super Englischkenntnissen, was in Portugal keine Selbstverständlichkeit ist. Und zahlen einen Preis für Behandlung und Medikamente, der einfach nur günstig ist – insbesondere, wenn man deutsche Tierarztpreis zum Vergleich heranzieht.

Kommen wir zum spannenden Teil, dem Ausparken. Der gestaltet sich etwas aufwändiger, aber das war ja zu erwarten.

Das Problem: wir stehen hinten auf purem Sand, und eigentlich liegt die Hinterachse auch schon auf. Wir haben absolut kein Bergeequipment mit dabei. Gerade Sandbleche wären gerade wirklich goldwert. Zumal es hier auch kein Holz, keine Steine, einfach nichts gibt, was man unterlegen könnte. Also improvisieren wir, versuchen es mit Brettern, viel zu dürren Bambuszweigen und Treibholz, das so leicht wie Papier ist.

Erst, als Andre etwas frischen Bambus pflücken geht und diesen unterlegt, klappt es. Ganz getreu dem Motto „einer arbeitet, einer filmt“, ist dieses Video entstanden, das den arbeitenden Andre zeigt:

https://www.youtube.com/watch?v=vTl_uUkMmZs


Santarém

Wir haben schon länger keine Stadt mehr erkundet. Santarém ist nahe, und so machen wir uns auf. Auch hier stehen wir wieder direkt am Tejo, in einem Vorort von Santarém. Und erkunden von hier aus mit dem Ducato die Stadt. Die hat ein paar nette Ecken, vor allem aber ist sie eine Stadt der Kontraste. Der Park im Castelo ist schön angelegt, und am Wochenende bei bestem Wetter auch gut besucht. Hier toben die Kinder auf dem Spielplatz, nur wenige Meter weiter macht eine Death Metal Band gerade einen Soundcheck, für das Umsonst-Und-Draußen-Konzert am Abend. Es gibt recht moderne Wohnkomplexe, daneben alte, herrschaftliche Häuser, verlassen und dem Zerfall überlassen. Lost Places hat diese Stadt, der Wahnsinn! Doch leider sind sie alle abgesperrt. Vom Gesamteindruck her hat uns Santarém nicht vom Hocker gehauen. Wir haben aber vielleicht auch nicht alles gesehen. Oder aber, wir haben zu viel von den weniger schönen Ecken gesehen.

Ich denke, es ist so: Städte mit verlassenen, runtergekommenen Gebäuden gibt es überall in Portugal – und im Alentejo sowieso. Das hat meist einen gewissen Charme. In Santarém aber scheinen Familien in diesen – eigentlich abrissreifen – Gebäuden zu leben. Erstmals in Portugal wurden wir von Kindern angebettelt. Dieser Gesamteindruck hinterlässt einen schalen Beigeschmack.


DIY Trenntoilette

Fast zwei Jahre lang haben wir den Privy Einsatz für die Trenntoilette durch die Gegend gefahren. Lange waren wir uns unsicher, ob so eine Trockentrenntoilette geiler ist als unser momentanes Klo, die Schiffstoilette mit Wasserspülung und Festtank. Nun werden wir es herausfinden.

Unser Einsatz kommt mit einer Plastik-Klobrille daher, die wird direkt entsorgt. Im Baumarkt holen wir uns nebst etwas Fichtenholz für die Klokiste auch gleich eine anständige Klobrille, aus Bambus. Andre klöppelt die Kiste zusammen, unter den wachsamen Augen von Manuel, ein Junge aus dem Ort. Das Holz wird schön geschliffen und geölt, ehe es seinen Platz im Bad findet.

Also, wer es noch nicht weiß, die Trockentrenntoilette im Wohnmobil funktioniert folgendermaßen: vorne kommt das Pipi rein, hinten das Kaka. Das Pipi läuft bei uns in den 200 Liter Festtank, das Kaka inklusive Klopapier geht in einem Eimer, in dem ein Müllsack eingespannt ist. Dieser ist bei uns momentan noch etwas klein geraten, wir müssen uns da erst noch einen passgenauen besorgen. Auch ist noch kein Lüfter verbaut, wir müssen hierfür nochmals in den Baumarkt, es fehlt ein passendes Rohr. Funktionieren tut es aber schon.

Wenn wir schon bei Badoptimierungsmaßnahmen sind: es gibt noch eine, und zwar ein Licht mit Bewegungsmelder. Es wird gerade im Lidl als Nachtlicht verkauft, im schicken Brustwarzendesign, batteriebetrieben. Mit Doppelklebeband habe ist es schnell unter den Spiegelschrank montiert, und es funktioniert super. Geht man am Abend ins Bad, geht es sofort an. Warum dieses extra Licht? Weil das normale Badlicht manchmal einfach zu hell ist. Anders gesagt: wenn ich nachts aufs Klo will, möchte ich einfach nur was sehen. Und nicht gleich blind werden.


Tschüss, Tejo – die Suche nach dem See

Langsam wird es schwierig, mögliche Übernachtungsplätze am Tejo auszumachen. Meist mangelt es an Anfahrtswegen, gerade da, wo die Felder bis an den Fluss gehen. Insbesondere Mais, Trauben und Kartoffeln werden hier angepflanzt und mit dem Wasser aus dem Tejo bewässert. So schauen wir uns in der Gegend etwas um, und beschließen mal wieder einen See anzufahren. Wissend, dass in dieser Gegend recht viel umzäunt ist, suchen wir uns gleich nach Alternativen um …

See 1: Sandkasten für Fortgeschrittene. Raus aus dem Sand und rein in den Sand? Der erste See ist echt schön, doch sind die Wege so sandig, dass wir es nicht wagen. Außerdem ist er schon recht gut besucht, ganze Zeltlager bevölkern das Ufer. Und drei Millionen Fliegen sind auch schon da.

See 2: See mit Öffnungszeiten. Ein kleiner, lauschiger See mit Picknickplatz, großen alten Pinienbäumen, und es ist nichts los. Könnte es an dem Schild an der Einfahrt liegen, das Öffnungszeiten von 10 bis 20 Uhr ansagt? Hallo, Öffnungszeiten für einen See, wo gibt es denn sowas, dass ist uns auf unseren Reisen mit dem Wohnmobil durch Portugal ja noch nie untergekommen. Wir lassen es uns auf uns zukommen, stellen uns einfach ans Seeufer. Bis 20 Uhr. Dann kommt der Grundstücksbesitzer, der uns klar zu verstehen gibt, dass er jetzt das Tor vorne abschließen möchte und wir gehen müssen. Ist ja klar, dass ich gerade am kochen bin. Wir wollen ihn nicht lange warten lassen und sind in zwei Minuten abfahrbereit.

See 3: Schon kein Bock mehr. Langsam wird es dunkel, und wir haben keine große Lust auf weitere Experimente. Das Städtchen Coruche hat eine Stierkampfarena direkt am Rio Sorraia, und da hat es Parkplätze. Hier stellen wir uns für die Nacht drauf.


Coruche: Wohnmobilstellplatz All Inclusive

Übernachtet haben wir also hinter der Stierkampfarena, lauschig zwischen diversen Straßenlampen. Am nächsten Morgen wurde es etwas unruhig, denn wir stehen an einer hoch frequentierten Gassistrecke. Ich habe noch nie so viele Portugiesen in so kurzer Zeit mit dem Hund spazieren gehen gesehen. Dann noch der kleine Umstand, dass wir auf dem Busparkplatz stehen. Wenn so ein großer Reisebus neben dir einparkt, dann biste wach.

Noch stören wir niemanden, und damit das auch so bleibt, ziehen wir ein paar hundert Meter um – denn Coruche hat einen offiziellen Wohnmobilstellplatz eingerichtet. Eigentlich ist es der Marktplatz, und was auf Google Maps erst einmal nicht sehr einladend aussieht, entpuppt sich eigentlich als ganz brauchbar: ein großer, gepflasterter Platz, mit unendlich vielen Mülltonnen, alle paar Meter ein Wasserhahn, einer Ver- und Entsorgungsstation, gleich nebenan der Lidl. Der perfekte Platz für den Wohnmobilisten also. Ein bisschen Schade ist der Zaun rundherum, und dass man nicht ans Wasser kommt, und dass große Lkws an dir vorbeirattern.

Direkt neben dem Lidl zu wohnen, hat schon seine Vorteile. Was gibt es zum Frühstück? Obst mit Joghurt? Momentchen, bin in 5 Minuten wieder da. Was gibt es zu Mittag? Truthahn im Brötchen mit Salat? Momentchen, … Oh, wir haben keine Milch mehr? Momentchen …

Ausflug an See Nummer 3 – oder auch nicht.

Da See Nummer 3 eigentlich sehr vielversprechend aussieht, packen wir die Hunde in den Ducato und machen uns auf die Suche nach einer Zufahrt. Zum Glück sind wir da nicht blind mit dem Vario reingefahren – denn ausgerechnet auf einem sandigen Stück hat eine große Korkeiche einen etwas größeren Ast verloren. Die Einheimischen haben sich schon neue Wege gebahnt. Ducatolein könnte hier auch durchkommen, der Vario aber im Leben nicht.

Auf dem Rückweg nach Coruche machen wir Halt an einem alten Firmengelände, das sich wider Erwarten als recht interessant entpuppt. Es ist immer wieder spannend, herauszufinden, was hier früher wohl war. Es ist wie ein Puzzle: man findet etwas, das Hinweise darauf gibt seit wann die Gebäude leer stehen, interpretiert die Raumaufteilung und Ausstattung, und letztendlich findet man etwas, das die angestellten Vermutungen bestätigt. Hier ist es so: Die alten Fabrikgebäude gehören zu den benachbarten neuen Gebäuden, eine Lebensmittelfabrik. Hier werden Obst und Gemüse der Region (Reis, Tomaten, Pfirsiche usw.) verarbeitet. Der alte Teil steht wohl seit 2001 leer.

Hier entdecken wir auch einiges an Natur: Erstmals bekomme ich einen Gekko zu sehen. Der Kamerad ist allerdings sehr scheu, und sehr flink. Ebenso das Wildschweinbaby, das vor uns abhaut. Nein, dem sind wir nicht hinterher, denn wir legen keinen Wert darauf, Bekanntschaft mit der Wildschweinmama zu machen. Die Damen können recht unangenehm werden …

Coruche selbst werden wir sicher noch einmal besuchen. Vielleicht schon in zwei Wochen, wenn das große Fest ist? Coruche bezeichnet sich selbst als die Korkhauptstadt Portugals. Es gibt ein Korkmuseum, und der große Korkverarbeiter und Marktführer Amorim hat in Coruche und in der Region mehrere Standorte. Apropos Amorim, kauft Amorim-Aktien! Meinem Portfolio würde es sehr gut tun 😉


Rio oder Barragem?

Die Gegend ist echt hübsch, und so versuchen wir unser Glück ein Stück weiter am Rio Sorraia. Der Platz am Flüsschen wäre sicherlich auch ganz nett gewesen. Wenn da nicht am Wochenende zuvor eine 4×4 Rallye stattgefunden hätte. Nach so einer Rallye ist alles sehr, sehr staubig. Und so fahren wir weiter. Wenn das mit dem Fluss nicht sein soll, dann eben wieder an einen See.


Barragem de Montargil

Dort wartet auch schon das nächste Hindernis: die Anfahrt. Nach ein paar Kilometern Piste kommt eine Stelle, da kommt der Vario nicht durch. Also wieder zurück. Mit dem Ducato probieren wir ein paar Nebenpisten aus, doch kommen wir immer wieder an Stellen, die wir dem Vario nicht zumuten möchten: zu schräg, zu sandig, zu ausgewaschen, zu niedrige Bäume.

Ist hier noch jemandem aufgefallen, dass Ducatolein weitaus geländegängiger ist als der Vario? Mir schon 😀 Der Ducato hat zwar Bauteile, die deutlich näher am Boden gebaut sind, allen voran Ölwanne und Auspuff. Durch den kurzen Radstand relativiert sich das jedoch wieder. Außerdem ist der Kasten deutlich kompakter als der Aufbau vom Vario, der auch bei mittelkleinen Unebenheiten ganz schön schräg und schaukelig daherkommt.

Während Andre mit dem Mercedes wieder zurück zur Hauptstraße holpert, erkunde ich diese kleinen Pisten, die zum Ufer führen. Und meine, eine Lösung gefunden zu haben. Die einzige Engstelle liegt direkt an der Hauptstraße. Nach ausgiebiger Musterung meint Andre, dass es gehen könnte.

Ich habe das mal gefilmt, wie der Vario diese Engstelle meistert:

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Ops, da fällt mir ein Fehler in meiner Alentejo-Tour auf: Hier habe ich doch glatt Koordinaten der abenteuerlichen Anfahrt daher genommen, und nicht die einfache Variante, 100 Meter weiter links. Also, wer sich das gespeichert oder ausgedruckt hat, möchte bitte ergänzen: links von der Tanke ist die gute Anfahrt für normale Wohnmobile. Rechts von der Tanke ist die Anfahrt für 4×4 Wohnmobile. Obwohl – Ducatolein und der Vario haben es auch geschafft. Ob wir es aber auch wieder zurück zur Straße schaffen werden, das werden wir noch sehen.

Sicherheitshalber haben wir mal Freunde mit 4×4 hierher eingeladen. Ob wir diese brauchen werden, das gibt es sicher wieder im Reiseblog zu lesen.

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Wie erwartet haben wir uns kaum fortbewegt. Wir haben momentan den schönsten Arbeitsplatz der Welt, stehen irgendwo im Nirgendwo, an unserem allerliebsten portugiesischen Stausee.

Es gibt also eigentlich nichts Neues zu erzählen. Aber Moment, ein paar Ereignisse gab es dann doch noch. Und wir haben zwei verrückte Hunde. Gibt also doch was zu erzählen …

Aus dem Alltag von neurotisch-senilen Hunden

Der große schwarze Hund tropft. Ständig.

Ein 13jähriger, großer schwarzer Hund, und Außentemperaturen von 34 Grad – wie geht das zusammen? Ganz gut eigentlich.

Erst einmal habe ich Tizon auf die Sommersaison vorbereitet – und ihm eine Schur verpasst. Allerdings weniger, damit er die Hitze besser verträgt – er hat ohnehin nicht viel Unterwolle, etwas weniger Fell dürfte da kaum einen Unterschied ausmachen. Einmal aber haben wir das Problem mit den Grannen: Strohartiges Gras, das sich im Fell verfängt, und sich teilweise sogar richtig in die Haut bohrt. Eines steckte bestimmt einen halben Zentimeter tief drin, das ist nicht schön. Hinzu kommt die Zeckenproblematik der letzten Wochen – man findet die kleinen Biester in diesem langen Rauhhaar kaum. Vor allem aber ist da Tizon’s Drang zum Wasser hin. Und immer wieder passiert es: raus aus dem Wasser und rein ins Wohnmobil. Der Herr schüttelt sich noch nicht einmal vorher. Steht also bei uns im Flur, tropfend. Und wenn es fertig getropft hat, dann stinkt es. Dieses Problem ist mit einer ordentlischen Schur zumindest etwas entschärft. Ich habe auch mal was drüber geschrieben, wie man das macht, den Hund selber scheren. Viel Erfolg.

Mit diesen neurotisch-senilen Hunden ist es manchmal schon zum Mäuse melken. Wir wohnen ja direkt am See, keine fünf Meter sind es bis ans Wasser. Hinter uns Wiese, Büsche, Wald. Wenn ich mit ihnen früh morgens um zehn zur Gassirunde aufbreche, wird es aber höchste Zeit – denn beide sind am Verdursten und kurz vorm Platzen. In aller Hektik werden Büsche aufgesucht, plötzlich kann man auch aus dem See trinken.

Dann haben wir da dieses seltsame Verhalten bei Hitze. 30 Grad, und der Hund mit dem schwarzen Pulli legt sich für das Mittagsschläfchen in die pralle Sonne – und das mehr als nur für fünf Minuten. So verrückt ist noch nicht einmal Max. Aber der hat ja auch gar keine Zeit, sich in die Sonne zu legen, ist er doch mit Ducatolein und Vario beschäftigt. Alle fünf Minuten ein Platzwechsel, das ist super anstrengend, wenn man die Qual der Wahl hat: Im Ducato sind seine Lieblingsplätze der Fahrersitz, der Beifahrersitz, die Eckbank, das Bett. Im Vario sind es der Fahrersitz, unter dem Tisch, im Gang, im Hundebett.

Die Knalltüten: unser täglich Wahnsinn gib uns heute.

Blieben wir doch noch kurz bei den Intelligenzbestien. Es gibt da so ein abendliches Ritual, das lässt mich jeden Tag aufs Neue an ihnen zweifeln. Es gibt Abendessen. Punkt 18 Uhr fängt Max mit seinem Gefiepse an, bis sich um halb Sieben einer erbarmt, und die Hundenäpfe füllt. Diese werden in Rekordzeit inhaliert. Max ist erster. Immer. Und wartet in sicherer Entfernung, bis Tizon endlich fertig ist und von seinem Napf ablässt. Dann stürmt er hin, prüft ob Tizon auch wirklich alles aufgegessen hat, schleckt seinen Napf sauber. Währenddessen fällt TIzon ein, dass Max ja gerade noch Futter in seinem Napf hatte, geht hin, schlecht diesen Napf sauber. Und weil ein Ritual einen Abschluss braucht, gehen sie beide nochmal an den eigenen Napf – man muss jetzt wohl nochmal schauen, ob man selbst wirklich leer gegessen hat. Es blieb noch nie was übrig. Kein einziges Mal.

Die Schnapsbrennerei im Vorgarten

Die Maulbeeren fallen vom Baum, genauer gesagt von drei Maulbeerbäumen, die um uns herum stehen.

Es sind viel zu viele um sie zu essen, auch wenn Tizon es versucht – schon zum Frühstück hängt die Nase staubsaugermäßig am Boden unterm Baum. Der Magen eines Hundes ist auf Maulbeeren als Hauptnahrungsquelle wohl nicht ausgelegt. Der große schwarze Hund hat inzwischen nicht nur unsäglichen Mundgeruch, zwischendurch hat er sich wohl auch mal mächtig überfressen. Oder es liegt daran, dass die Maulbeeren am Boden anfangen zu gären. Auf jeden Fall kotzt er zwei Tage lang, futtert danach deutlich weniger Maulbeeren.

Die vor sich hin gärenden Maulbeeren werden langsam lästig – denn jedes Mal, wenn etwas Wind geht – also eigentlich ständig – zieht ein strenger Geruch umher. Also parken wir die Womos einfach um, und schon hat das Gestinke ein Ende.

Total verrückt: wir machen Sport. Oder so.

Die vier Wochen am See sind voll, und irgendwie klappt das mit der täglichen und ausgiebigen Gassirunde nicht, insbesondere an Ermangelung an Wegen. Wir stehen in einer Sackgasse, und den einen Weg ist man jetzt schon gefühlte hundert Male gegangen. Die Hunde stört das weniger, jeder Aufbruch wird euphorisch gefeiert, als würden wir unbekanntes Terrain erforschen. Uns jedoch ist diese Fähigkeit zur spontanen Begeisterung etwas abhanden gekommen. Mit anderen Worten: die Faulheit ist enorm. Also lautet das Motivations-Tschaka-Tschaka: wir gehen Joggen! Joggen ist ja quasi super effizientes Gassigehen: mehr Strecke in kürzerer Zeit.

Tizon findet es super. Mein Super-Slow-Mow (andere Gehen wahrscheinlich schneller als ich renne) entsprecht seinem Tempo beim entspannten Dahintraben. Max hingegen ist voll im Stress, denn er läuft gerne exakt 20 Meter vor uns her. Und bei dem veränderten Tempo den richtigen Abstand zu halten, ist wohl ganz schön anstrengend. Es geht vor und zurück und vor und ah, eine Eidechse, und vor und zurück, oh da raschelt es im Busch, und zurück, oh an was schnüffelt denn der Tizon da, ob man den Grashalm wohl gießen sollte, und vor und zurück.

Nicht, dass ihr meint, dass ich die Hunde jetzt wahnsinnig überfordert hätte. Meine erste Joggingrunde endete nach exakt 780 Metern. Zurück ging es dann im üblichen, noch langsameren Gehtempo. Warum ich von diesem kläglichen ersten Joggingversuch überhaupt schreibe? Ich verspreche, dass ich im nächsten Reiseblogpost auch über dieses Thema schreiben werde. Und ein bisschen Druck kann ja Ansporn sein, und wenn man sich seines übermächtigen Schweinehundes bewusst ist, sind derlei Motivationshilfen durchaus sinnvoll. Sobald ich diesen Artikel online gestellt habe, geht es auf zur Runde Nummer zwei. Tschaka-Tschaka.

Ducatolein und das Schraubenproblemchen

Spätestens alle 10 Tage fahren in den nächsten größeren Ort zum Einkaufen. 15 Kilometer Piste, 15 Kilometer Kurvenstraße. Intermarché, Wassertank vollmachen, einkaufen, kurz noch zum Continente, dann wieder zurück. Doch erstmal kommen wir nicht weit, denn mitten in der Stadt hat sich eine Schraube in den Reifen gebohrt. Klack klack klack macht es. Scheiße, vorne links, wo die neuen Reifen drauf sind. Das wäre so ein Moment, wo ich, wäre ich noch alleine unterwegs, total aufgeschmissen wäre. Was tun?

Andre hat da eher den Durchblick, und er vermutet, dass die Schraube nicht durch ist – denn der Reifen ist nicht platt. Also Werkzeug gesucht, und die Schraube aus dem Reifen gehebelt. Klein ist sie nicht wirklich, da haben wir nochmal Glück gehabt. Schraube ist draußen, Luft ist drinnen. Mir ist etwas unwohl, mit einem Loch im Reifen durch die Gegend zu fahren, aber es hat gehalten. Und was 15 Kilometer Waschbrettpiste hält, hält ewig.

Das ist jetzt übrigens über eine Woche her, und wir nehmen uns seither ganz feste vor, das Reifenreparaturset in den Ducato zu legen – denn für genau solche Fälle haben wir es ja gekauft. Ist uns bisher noch nicht so richtig gelungen.

Das Wasserproblem beim Dauercampen

Wir stehen direkt am See, und doch geht uns nach vier Wochen das Wasser aus. Was sicherlich auch dem schlechten Wetter geschuldet ist – den See als Badezimmer nutzen – dafür ist es mindestens die ersten drei Wochen einfach zu kalt. So nutzen wir das Seewasser zwar zum Abspülen, für den Hundenapf und die Klospülung, aber in den Frischwassertank möchten wir das so nicht kippen – dafür ist es doch etwas zu grün, und sowas soll sich bitteschön nicht im Wassertank absetzen. Wir reinigen den Wassertank nie, und damit das auch so bleibt, füllen wir nur wirklich sauberes Wasser hinein.

Wir haben einen kleinen Outdoor-Wasserfilter, der eigentlich dazu gedacht ist, dass man ihn direkt auf die Wasserflasche schraubt. Diesen haben wir hergenommen, und ihn an einen 5-Liter-Eimer angeschlossen. Er macht aus dem grünlichen Seewasser mit vielen Schwebeteilen klares Wasser, und füllt langsam, aber beständig die Gießkanne. Sind zwei Eimer leer und eine Gießkanne voll, wird das frisch gefilterte Wasser in den Frischwassertank umgefüllt, frisches Seewasser geholt und weiter geht es. Naja, fast – denn nach spätestens 10 Litern hat sich der Filter zugesetzt und möchte durchgespült werden. Das ganze Prozedere ist zwar etwas aufwändiger, aber man hat ja Zeit, und den Sawyer Wasserfilter gibt es für schlappe 25 Euro.

Das hätte uns aber schon eher einfallen können. Der nächste Schritt wäre ein mehrstufiger (Aktivkohle-) Filter oder sogar ein Osmose-Filter, fest installiert. Die Teile kann man hier im portugiesischen Baumarkt kaufen und kosten nicht die Welt. Ein Versuch wäre es wert.

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Wir wohnen ziemlich ab vom Schuss, aber dennoch verirrt sich hin und wieder Besuch hierher.

Die paar Wohnmobile, die hier die letzten Wochen kamen, waren Deutsche mit der Fähigkeit, Google Maps zu bedienen. Sie haben sich ein Stück weiter an den See gepackt. Alle 500 Meter ein Wohnmobil, das ist doch Okay. Lustigerweise habe ich ein Pärchen vorletztes Jahr schon einmal hier in Portugal getroffen, und jetzt wieder hier, im Nirgendwo. Die Welt ist manchmal doch echt klein.

Die Löschflugzeuge, die uns durch den Gartenteich fliegen, sind wohl im Vorbereitungsmodus auf die kommende Waldbrandsaison. Ich denke sie wohnen auf dem Flugplatz am anderen Ende des Sees, üben hier bei uns das Wasserfassen, weil es hier am unbebauten Ende des Sees niemanden stört. Die Waldbrandsaison hat übrigens noch nicht begonnen, jedoch wurde in zahlreichen Gebieten bereits die höchste Warnstufe ausgerufen. Lange wird es nicht mehr dauern.

Dann war da noch dieses Boot heute. Es kommt hergefahren, lädt eine Schar Kinder ab, und fährt wieder weg. Mit der nächsten Fuhre kamen noch mehr Kinder. Wie sich herausstellte, waren es ein paar Kollegen und Freunde mit Familie, die den sonntäglichen Sommertag am See genießen. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen gestaltet sich nicht schwer, denn die Batterie in ihrem Boot hat den Geist aufgegeben. Da sind sie nun also gestrandet, mit ungefähr 10 Kindern, weit und breit nichts – außer dieses Wohnmobil, das man dann eben um Hilfe fragt.

Was haben die einen Dusel, dass hier ausgerechnet der Herr AMUMOT parkt – der Experte überhaupt bei Batterie- und Stromproblemen. In der ersten Runde werden Generator und Ladegerät ausgepackt, und Starthilfe gegeben. Boot läuft wieder. Aber nicht lange, denn die Batterie ist hinüber, wird wohl nicht geladen, der Batterieschalter ist wohl kaputt. Er hat wohl schon einen gekauft, ihn aber nicht eingebaut bekommen, die Platzverhältnisse auf so einem Boot sind wohl etwas knapp. Also fährt er kurz nach Hause, zur anderen Seite des Sees, den Schalter holen, und Andre baut ihn ein, er hat das passende Werkzeug da. Die Faszination, dass dieser Typ mit dem Wohnmobil nicht nur Ladetechnik, sondern auch alles Mögliche an Werkzeug dabei hat, ist enorm.

Sie sind sehr dankbar, und ihnen ist bewusst, dass sie ohne seine Hilfe sehr aufgeschmissen gewesen wären. Also schenken sie uns was ihnen einfällt – zwei volle Tüten mit Lebensmittel, plus alkoholische Getränke. Wir hätten gestern echt nicht einkaufen fahren müssen.

Filmtipp: Herr Lehmanns Weltreise – auf 4 Rädern um den Globus

Herr Lehmanns Weltreise, der beste von einigen Roadtrip-Filmen, die ich mir die letzten Wochen angesehen habe, mit vielen tollen Eindrücken und Bildern. Mit einem älteren Mitsubishi-Bussle sind sie durch Nordamerika, Südamerika und Asien gereist, haben viel erlebt, sich und ihr Auto an die Grenzen gebracht. Sehr kurzweilig, sehr sehenswert!

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Der Wetterbericht: Endlich Sommer.

Über drei Wochen lang dümpelt das Wetter so vor sich hin, und dann macht es BÄHM, und der Sommer ist da. Vom einen Tag auf den anderen, von 20 Grad auf 35 Grad.

Aussichten

Derweil schmieden wir Zukunftspläne. Eines kann ich verraten: es wird interessant. Und nein, wir planen keinen Kurztrip nach Las Vegas, und wir werden auch nicht nach Portugal einwandern.

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Huch, schon wieder ist ein Monat rum, und ehe ich vergesse, was war, schreib ich es schnell mal auf. Zuletzt waren wir ja in Santiago do Cacém, auf dem Weg nach Norden.

Melides: Schöner wohnen im Windkanal

Ja, wir müssen nach Lissabon, Termine und so. Aber ein bisschen Zeit haben wir noch, und wir wollen nochmal ans Meer. Also packen wir unsere mobilen Hütten, und fahren an die Küste. Strategisch günstig, so, dass wir es nicht mehr weit bis nach Lissabon haben.

So landen wir in der Nähe von Melides. Hier gibt es lange Sandstrände. Also genauer gesagt ist es genau ein Sandstrand. Ich habe auf Google Maps nachgemessen, er ist ungefähr 63 Kilometer lang, reicht von Troia nach Sines, und wird nur zwei, dreimal von einer Lagune unterbrochen. Wir stehen an einem Abschnitt mit Düne, also nur fast am Wasser. Was den Vorteil hat, dass die Wellen schön leise sind.

Wir haben uns für ein Plätzchen mit schöner Aussicht entschieden – na gut, und mit gutem Internet. Denn 20 Meter weiter südlich hatten wir gar keines, und so nehmen wir den Wind in Kauf. Doch der ist wirklich krass. Tatsächlich parken wir quasi im Windkanal, und der vom Meer kommende Wind ist durchaus recht frisch. Er pfeift laut ums Wohnmobil herum. Entfernst du dich nur fünf Meter und stellst dich hinter den windgeschützten Busch, ist es super heiß. Zwei Schritte vor, und du stehst wieder frierend im Windkanal.

Aber schön ist es hier! Es ist Frühling, und selbst mitten auf der Düne wachsen viele kleine Blümchen, in den verschiedensten Farben.

Die meisten anderen Wohnmobile parken weiter vorne, generell zerstreut es sich gut, so dass jeder genug Platz hat. Ein junges deutsches Pärchen, das Andres Blog kennt, findet uns, wir gehen gemeinsam etwas Gassi, quatschen etwas und genießen den Strand und die Düne.

So sehr wir die Stauseen auch lieben: so ein paar Tage am Strand sind einfach immer wieder schön.


#TanjaAlleinZuhaus in Vendas Novas

Nach ein paar Tagen wird es Zeit weiter zu fahren. Unser Termin in Lissabon ist eigentlich nur Andres Termin. Er muss zum Flughafen, seinen Flieger nach Deutschland erwischen. Ich habe ja mal gar keinen Bock auf Lissabon und erst recht keine große Sehnsucht nach auf Deutschland, also lass ich beides bleiben. Okay, jemand muss ja auch auf die Hunde und Womos aufpassen.

Eine Stunde östlich von Lissabon quartiere ich mich am Rande der Stadt Vendas Novas ein. Was, die Stadt kennst du nicht? Mhm. Jeder Portugiese kennt Vendas Novas. Aus zweierlei Gründen: Erstens ist die Stadt berühmt für seine Bifanas. Das ist sowas wie die portugiesische Frikadelle. Anstatt Hack packen sie ein Stück plattes, mariniertes, ausgebackenes Schwein ins Brötchen. Und anstatt Senf gibt es dazu eine gelbe Zuckersoße, mit einem Hauch von Senfaroma.

Zweitens ist Vendas Novas in Portugal wegen der hier ansässigen Kaserne sehr bekannt. Viele Portugiesen haben hier gedient. Ein Drittens gibt es nicht, die Stadt an sich hat keine architektonischen Schönheiten. Der Versuch, ein Wohngebiet zu pflastern um es als Fußgängerzone auszugeben, ist nicht gelungen. Es ist nicht der erste Ort mit dem „Novas“ im Namen, der nicht viel hermacht. Diesen neueren Orten fehlt einfach der historische Ortskern.

Was man aber kompensieren kann. Vendas Novas beispielsweise versteht sich sehr gut auf das Ausrichten von Parties. Und, wo stehe ich nun für zehn Tage rum, während Andre sich in Deutschland vergnügt? Auf dem offiziellen Partyplatz von Vendas Novas. Und, was findet in genau zwölf Tagen statt? Die größte Party des Jahres. Was also ruhige zehn Tage werden sollen, sollte sich als recht trubelig entpuppen.

Zugegeben, allzu spannend ist meine Zeit nicht wirklich. Das Wetter ist solala, und weil ich ja alleine mit zwei Wohnmobilen hier rumstehe, komme ich auch sonst nicht wirklich weit. Außerdem habe ich viel Arbeit, und das gute Internet am Platze ist ja der Grund, warum ich hier überhaupt stehe. So sitze ich viel am Computer rum, geh mit den Hunden Gassi, und einmal am Tag überlege ich mir, wie ich meine Gefolgschaft auf Facebook trotz mangelnder Aktivitäten gut unterhalten könnte.

Zehn Tage lang soll es nämlich einen Facebook-Post geben. Andre hat es da deutlich einfacher, ist er doch in Deutschland unterwegs und gut beschäftigt. Ich jedoch steh hier nur rum und erlebe eigentlich nichts. Da muss ich mir halt wieder was einfallen lassen.

Wenn du die 10 Tage von #TanjaAlleinZuhaus schon auf Facebook miterlebt hast, dann kannst du auch HIER KLICKEN um die nächsten 10 Bilder zu überspringen.

#TanjaAlleinZuhaus Tag 1: Party!!!!

Andre macht Urlaub – ohne uns. Damit Max auf andere Gedanken kommt, drehen wir seine Lieblingsmusik auf!

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#TanjaAlleinZuhaus Tag 2: Zwei Womos sind eines zu viel.

Mit zwei Womos zu reisen ist super – aber nur von Vorteil, wenn man auch zwei Fahrer zu hat! Nun steh ich hier alleine rum, am Rande eines Städtchens, und nebenan fangen sie jetzt schon an, für das Stadtfest Ende nächster Woche aufzubauen.

Wenn ich hier also weg will gibt es folgende Optionen:

1. Ich lege mir einen Kurschatten mit Führerschein zu
2. Tizon lernt Autofahren
3. Ich brauch einen Hänger für Ducatolein
4. Ich stell Ducatolein einfach zu den anderen weißen Kastenwagen der Marktteilnehmer, kaufe mir eine Nudelmaschine und biete handgemachte Maultaschen auf dem Markt an.

#TanjaAlleinZuhaus Tag 3: Nudelsalat.

Man kennt das ja: „Ach was, ich mach die Nudeln einfach leer, was sollen da ein paar Nudeln in der Tüte übrig bleiben …“. Und schwupps, 15 Minuten später hat man eine riesige Schüssel Nudelsalat dastehen.

Mein Speiseplan die nächsten Tage: warmer Nudelsalat, kalter Nudelsalat, frozen Nudelsalat, Nudelsalat am Spieß, eingelegter Nudelsalat, SchniPoNudelsalat, …

#TanjaAlleinZuhaus Tag 4: Neue Nachbarn!

Das Zweitwomo der neuen Nachbarn hat einen Autoscooter geladen 😀 Ob die wohl Nudelsalat mögen? Könnte ich ja gegen ein paar Freitickets tauschen 😉

#TanjaAlleinZuhaus Tag 5: Arbeitsmodus.

Heute keine besonderen Vorkommnisse oder Aktivitäten. Außer vielleicht, dass mich diese DSGVO-Datenschutz-Grundverordnung in den Wahnsinn treibt. Ich habe jetzt 2 von 25 Seiten überarbeitet – und schon keine Lust mehr. Zur Entspannung skype ich mit meinem 8-jährigen Neffen, der mir seine Lieblingsmusik vorspielt. Sehr entspannend.

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#TanjaAlleinZuhaus Tag 6: Fancy Vanlife

Gestern ein Ausflug zur Mülltonne, heute ein Ausflug in den Supermarkt. Was ist dieses Strohwitwen-Dasein doch aufregend!

#TanjaAlleinZuhaus Tag 7: Crêpe Hawaii

Heute war wieder ein reiner Bürotag, denn Böen bis 50km/h bieten einem die Chance, das Womo kaum verlassen zu müssen. In Ermangelung an anständigen Bildern gibt es heute einfach mal wieder eine neue Episode von „krasser kochen mit crosli“. Ich präsentiere: Crêpe Hawaii. Gefüllter Crêpe mit Schinken, Camembert, frischer Ananas und einem Hauch von Oregano. Schon ziemlich lecker.

#TanjaAlleinZuhaus Tag 8: Partyvorbereitungen.

Heute starten wohl die Arbeiten für das große Stadtfest / den Maimarkt / das Bifana-Fressfest am Wochenende. Teilweise wuseln hier 5 Traktoren und Bagger übern Platz, der Rasen wird gemäht, die Bühne aufgebaut. Wie ich heute erfahren habe, ist Vendas Novas die Bifana-Hauptstadt Portugals. Na, wer kommt sonst noch? Die Party steigt ca. 70km östlich von Lissabon: https://www.facebook.com/events/1627032794060065/

#TanjaAlleinZuhaus Tag 9: Armer Max …

Den ganzen Nachmittag über hat sich Max im Ducatolein zurückgezogen. Seht ihr diesen unterschwellig vorwurfsvollen Blick? Ich kann mir ja denken, woher das kommt. Seit neun Tagen schon ist sein Herrchen im Urlaub. Ob Max ihm das jemals verzeihen wird?

#TanjaAlleinZuhaus Tag 10: Final Destination

Wer Luftfracht erwartet, muss zum Flughafen fahren. Und wieder die Gewissheit: selbst auf der Lissabonner Stadtautobahn geht es für meinen Geschmack zu hektisch zu. Hach ja, was nimmt man nicht alles auf sich, für Maultaschen 😉

Tipp: 4×4 Waschanlage

Ja, ich habe es getan, nach fast zwei Jahren: Ducatolein hat eine Wäsche bekommen. Und diese Selbst-Waschanlage beim Intermarché ist echt eine feine Sache – wenn man erstmal rausbekommen hat, wie der Hase läuft. Es ist nämlich so, dass es keine Waschbürste gibt. Sondern nur ein Programm zum Einweichen mit Seife, und dann ein Programm mit dem Hochdruckreiniger. Und eben diesen gibt es in zwei Ausführungen: Wischi-Waschi und Extra-Super-Power. Zweiteres Programm heißt auch 4×4, und es ist wirklich der Knüller. Es Ducatolein fast sauber bekommen, der zwei Jahre alte Vogelschiss ist weg, die schwarzen Ränder um die Fenster sind weg, und ein bisschen Lack an der Fahrertüre ist auch weg.

Ich schätze, dass man solche Reiniger in Deutschland nicht findet – mir zu mindest ist noch keiner untergekommen. Der Grund könnte sein, dass vermutlich auch die Hand weg ist, wenn man sie drunter hält um zu testen wie viel Power der Reiniger hat.

Andre ist wieder da!

Es war ein interessantes Experiment, diese 10 Tage. Waren wir doch die letzten (fast) zweieinhalb Jahre eigentlich 24 Stunden, 7 Tage die Woche nicht getrennt. Bis auf zweimal vielleicht drei Tage Heimaturlaub, aber auch das war ja schon ein Weilchen her. Sagen wir es mal so: wir sind uns einig, dass der nächste „Heimaturlaub“ auch halb so lang sein darf. Der Kulturschock, wenn man nach so langer Zeit im Ausland wieder deutschen Boden betritt, dürfte kaum gemäßigter ausfallen – aber er hat ein schnelleres Ende.

Nach zehn langen Tagen, die für Andre mindestens so lang waren wie für mich, ist er endlich wieder da 😊 Und also ob ich nicht ohnehin schon viel zu lange in Vendas Novas rumgestanden bin, geht es in die Verlängerung. Denn wenn ich mir schon den Aufbau des Jahrmarktes gebe, dann möchte ich gefälligst auch zur Party!

Also verfolgen wir die finalen Aufbauarbeiten, quasi hautnah. Spielen dabei mit dem Gedanken, dem Autoscooter seine Stromversorgung zu sabotieren, denn der hat die Musik laut. Und die Klingel, die jede Runde einläutet und beendet, ist schon bisschen sehr nervig. DingDangDong, alle drei Minuten. Beeindruckend ist, wie alles quasi in letzter Minute aufgebaut wird. Mir scheint, die Leute haben eine gewisse Routine, machen das nicht zum ersten Mal. So manch eine Arbeit wird recht unkonventionell erledigt. Wie das Fällen der drei kranken Korkeichen, deren Zeit jetzt wohl gekommen ist.

Wir flüchten zwischendurch, denn nicht nur Andre ist in Portugal angekommen, sondern auch das gute Wetter. Was ich die letzten zehn Tage also immer wieder verschoben hatte, hat nun endlich seine Zeit gefunden: ein kurzer Ausflug an einen nahen Stausee. Auch hier sehen wir Zäune. Aber immerhin mit einem schmalen Durchgang, so dass wir mit den Hunden zum See laufen können. Und die sind ganz entzückt, sogar Max geht ins Wasser.


Bifana-Party in Vendas Novas

Am Freitag bekommen wir noch Besuch, Bekannte aus der alten Heimat kommen aus Lissabon auf einen Besuch vorbei. Ich finde das sehr nett, dass sie Pasteis de Belém und ein Pfund leckerer Schokolade mitbringen, danke nochmal dafür 😊 Am Abend geht es dann zur Party. Es gibt insgesamt 10 Stände mit Bifanas. Traditionell wird das platte Schwein im Brötchen mit einer Art portugiesischem Senf serviert. Dieser ist eher nicht mein Fall, handelt es sich hierbei doch irgendwie nicht um Senf, sondern vielmehr um eine gelbe Zuckersauce. Was mir viel mehr zugesagt hat ist die Variante mit geschmolzenem Käse.

Wenn du denkst, dass das Ding schon viele Kalorien haben könnte – das waren Peanuts. Das Churro, dieses frittierte Stück Teig, gefüllt mit ungefähr einem halben Glas Nutella, hatte es wirklich in sich. Irgendwie war mir danach etwas schlecht.

Am Freitagabend bekommen wir auch noch etwas musikalische Tradition mit: Erst gibt es Fado – und zwar durchaus von der kurzweiligen Sorte. Das funktioniert so: Vier verschiedene Fado-Sänger(innen) singen immer ein Lied, dann ist der/die nächste dran. Ihr Gesang wird mit einem Gitarrenspiel begleitet, drei oder vier Gitarristen waren mit dabei. Es war auch nicht so schnulzenmäßig wie ich erwartet hätte. Tatsächlich müssen die Sänger ganz interessante Text drauf haben, die teilweise wohl auch recht amüsant sind. Zumindest vermute ich das, anhand des süffisanten Grinsens der Zuschauer – verstanden habe ich kaum etwas.

Das zweite Highlight des Abends war der traditionelle alentejanische Männerchor, „Cante Alentejano“. Diese Chöre gibt es in vielen Städten und Dörfern, oftmals haben sie auch eigene Vereinshäuser, diese habe ich schon öfters gesehen – aber noch nie einen Liveauftritt. „Cante Alentejano“ steht seit 2014 auf der UNESCO-Liste „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“.

Der Jahrmarkt ist ein bisschen wie in die Vergangenheit katapultiert zu werden. Offenbar ist es auch heute noch so, dass sich die Dorfjugend am Autoscooter trifft. Gerade in Portugal, wo es ja eigentlich keine / kaum Freizeitparks mit Fahrgeschäften gibt, hat so ein Jahrmarkt sicherlich noch einen anderen Stellenwert. Ich selbst bin ja im Einzugsgebiet vom Europapark in Rust aufgewachsen, mich reizen so einfache Fahrgeschäfte also eher nicht – es fehlt einfach der Looping.

Am Samstag waren wir dann noch auf dem Markt, der offiziell ab 11 Uhr beginnen sollte. Aber wie das so ist, in Portugal – ein bisschen Verspätung gehört zum guten Ton. Und so war auch um 13 Uhr noch nicht wirklich viel los. Am Abend dann das Highlight des Wochenendes: Mickael Carreira heißt der junge Mann, für den extra eine große Bühne aufgebaut wurde. Er ist wohl sehr bekannt in Portugal, seit Jahren ein erfolgreicher Musiker und war wohl auch bei „The Voice Of Portugal“. Auf Youtube hat er einige Videos mit Millionen Zugriffen.

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Vendas Novas hat ihn für ein kostenloses Konzert engagiert, nicht schlecht. Mhm. Was also tun, noch einen Tag hier stehen und sich den Latin Pop Typen inklusive unzähligiger kreischender Teenies geben? Oder doch lieber die Flucht ergreifen, bevor der Autoscooter wieder seinen Betrieb aufnimmt?

Wir entscheiden uns für die Flucht.


Zurück am Stausee unseres Vertrauens

Der Fluchtplan soll uns an unseren allerliebsten Lieblingsstausee im Alentejo führen. Es bedarf hier keinerlei Absprache: wir werden dort stehen bleiben, solange wir Bock drauf haben. Das kann also einige Wochen sein. Und so machen wir die üblichen Abstecher: ich begebe mich zum Großeinkauf, und Andre sucht eine Ver- und Entsorgungsstation auf.

Drei Stunden, 500 Kurven und eine 15 Kilometer lange Waschbrettpiste später komme ich endlich am ersehnten See an. Und siehe da, auf „unserem“ Platz steht schon ein Wohnmobil. Gibt’s doch nicht. Ich mache direkt kehrt und suche ein neues Plätzchen, und bis auch Andre am See eintrifft, habe ich es schon ausgemacht.

Willkommen im Paradies! Zuletzt waren wir im Oktober hier – die Landschaft war ausgetrocknet, aufgrund des niedrigen Wasserstandes hatten sich Sandbänke gebildet, und man musste bestimmt 30 Meter bis zum Wasser laufen. Heute stehen wir direkt am Wasser, das quasi die Wiese geschluckt hat. Der See ist voll, alles ist grün, die Blümchen blühen, die Olivenbäume übrigens auch.
Sobald sich die Sonne zeigt ist es super warm. Überraschenderweise lässt der Sommer aber noch immer auf sich warten. Wie mir auch eine deutsche Auswanderin in Vendas Novas bestätigt hat: letztes Jahr um diese Zeit war es eigentlich zu warm, und dieses Jahr ist es zu kalt. Aber Okay, der Sommer ist noch jung, wir haben Geduld.

Was an unserem Plätzchen am See etwas stört ist das Stachelzeugs. Wir haben ja beide her ungern Schuhe an, und so ist die Pinzette quasi stündlich im Einsatz. Kleine, fiese Stacheln, vielleicht einen halben Zentimeter lang, können echt weh tun. Hinzu kommt, dass die Zeckenpopulation sprungartig gestiegen ist. Man könnte den halben Tag damit verbringen, die Hunde nach Zecken abzusuchen. Zwischenzeitlich verpasse ich ihnen das einzige Hausmittel, das wir im Haus haben: Kokosöl soll die Zecken abschrecken. Das Ergebnis: die Hunde riechen sehr kokosig, haben ein ranzig aussehendes Fell, und immer noch jede Menge Zecken. Nächste Woche, sobald Tizon seine Sommerfrisur hat (siehe Artikel Hund selber scheren), kommt Chemie drauf.

Also ziehen wir nach ein paar Tagen wieder um. Das andere Wohnmobil ist weiter gezogen, und so machen wir nur die nötigsten Schränke zu, stopfen das Schlauchboot in den Ducato hinten rein und zuckeln die anderthalb Kilometer zum alten, neuen Lieblingsplätzchen. Stacheldinger hat es hier keine, Zecken sehr wohl, und mehr Moskitos. Irgendwas ist ja immer.

Internetspäße, die keinen Spaß machen

Diese Tage am See kann ich nicht wirklich genießen, denn diese grausame DSGVO – Datenschutzverordnung hängt über mir wie ein Damokeles-Schwert. Bis zum Stichtag, dem 25. Mai, habe ich insgesamt 31 Webseiten überarbeitet. Ich habe keine Ahnung, wie ich es früher geschafft habe, täglich acht bis zehn Stunden zu arbeiten. Das jetzt hat mich sowas von fertig gemacht. Diese langen Phasen, in denen man hoch konzentriert sein muss, bin ich vielleicht auch einfach nicht gewohnt. Vor allem aber ist es keine kreative Arbeit. Es ist ein Abhaken von Punkten auf einer Liste, es ist eine elendige Klickerei und der Umgang mit irgendwelchem rechtlichen Kram, gespickt von technischen Stolperfallen. Wieder einmal wird mir bewusst: Ich habe nichts dagegen, gutes Geld zu verdienen. Aber doch bitte nicht so. Arbeit, die man erledigen tut, damit irgendwelche Abmahnanwälte keinen Ansatzpunkt zum Abmahnen finden, ist keine Arbeit, die Spaß macht. Denn am Ende eines Tages habe ich nichts geschaffen, sondern nur geschafft.

Der Maulbeerbaum-Frühstücksbaum

Wir stehen direkt neben – also eigentlich unter – einigen Maulbeerbäumen, von denen einer auch reife Früchte trägt. Vermutlich ist es dem feucht-frischen Frühling geschuldet, dass die Maulbeeren kaum Geschmack haben. Aber man kann sie dennoch essen. Erstaunlicherweise ist Tizon als erstes auf den Geschmack gekommen.

Immer schön mit der Nase am Boden sammelt er die herunter gefallenen Früchte ein. Das bringt natürlich auch Max auf Ideen, und so schüttele ich einmal kräftig am Baum, und 50 weitere Maulbeeren liegen auf dem Boden. Das bringt natürlich auch Andre auf Ideen. Und so dauert es nicht lange, bis wir einen alten Regenschirm dazu nutzen, um beim Bäumchen-Schüttel-Dich auch was abzubekommen.

Wir haben jetzt teures Internet

Das Internet in Portugal ist ja super billig, bei NOS kostet die Flatrate gerade einmal 30 Euro. In letzter Zeit jedoch, also eigentlich seit Monaten, sind wir nicht sehr glücklich. Mal hat es kein Netz, oder die Bandbreite ist unterirdisch. Mir scheint, dass viele Portugiesen NOS haben, und die Flatrate zum Netflixen nutzen. Was ja nicht verwerflich ist, wir machen das ja auch. Also sind wir dazu über gegangen, mal zusätzlich die Karten von MEO oder Vodafone aufzuladen. So hatten wir die letzten Monate Internetkosten von vielleicht 60 Euro – und doch keine wirklich freie Netzwahl.

Also haben wir nun die Gelegenheit ergriffen und Andres Ausflug nach Deutschland dazu genutzt, uns einen Telekom-Tarif zuzulegen. Ein Zweijahresvertrag mit unbegrenztem Volumen in ganz Europa – also ohne Beschränkung durch die Fair-Use-Klausel, die man üblichen in Tarifen findet. So haben wir jetzt die freie Wahl, können das Netz daher nehmen, welches am besten ist. In Portugal stehen NOS, MEO und Vodafone zur Auswahl, meistens in 3G und 4G (Wobei das Vodafone-Netz gerade nicht geht, wir wissen noch nicht warum). Ist ein Netz schlecht, wechselt man in das Andere. Man kann wohl sogar Netze / Wlans bündeln, was wir aber erst noch austesten müssen. Der Spaß kostet natürlich: 200 Euro im Monat. Kann man sich aber schönrechnen, denn zum einen ist jedes Jahr ein Tablet / Smartphone quasi für umme, und da wir das Internet ja primär fürs Geschäft brauchen, kann man es steuerlich geltend machen.

Warten auf den Sommer … Noch immer …

Also stehen wir hier am See rum und hoffen auf den baldigen Sommer. Eine Hitzewelle ist nicht in Sicht, aber mehr Sonne dafür schon, das passt. Wir haben endlich mal wieder das Schlauchboot rausgeholt, und nebst entspannten Aktivitäten in der Natur – also gassigehen, baden und chillen – ist für die nächsten Wochen ein eher ruhiges und entspannendes Programm angesagt.

Fehlende Hitze ist für Tizon natürlich kein Grund, nicht ständig baden zu gehen. Aber es hat sich etwas beruhigt. Hat es anfangs alle 20 Minuten Platsch gemacht, sind es jetzt nur noch alle zwei Stunden. Es ist auch total egal ob tagsüber oder nachts, etwas Wassertreten oder einfach nur dumpf im Wasser rumstehen, das geht immer.

Also dann, das war der Mai, wir lesen uns im Juni wieder.

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