Wie erwartet haben wir uns kaum fortbewegt. Wir haben momentan den schönsten Arbeitsplatz der Welt, stehen irgendwo im Nirgendwo, an unserem allerliebsten portugiesischen Stausee.

Es gibt also eigentlich nichts Neues zu erzählen. Aber Moment, ein paar Ereignisse gab es dann doch noch. Und wir haben zwei verrückte Hunde. Gibt also doch was zu erzählen …

Aus dem Alltag von neurotisch-senilen Hunden

Der große schwarze Hund tropft. Ständig.

Ein 13jähriger, großer schwarzer Hund, und Außentemperaturen von 34 Grad – wie geht das zusammen? Ganz gut eigentlich.

Erst einmal habe ich Tizon auf die Sommersaison vorbereitet – und ihm eine Schur verpasst. Allerdings weniger, damit er die Hitze besser verträgt – er hat ohnehin nicht viel Unterwolle, etwas weniger Fell dürfte da kaum einen Unterschied ausmachen. Einmal aber haben wir das Problem mit den Grannen: Strohartiges Gras, das sich im Fell verfängt, und sich teilweise sogar richtig in die Haut bohrt. Eines steckte bestimmt einen halben Zentimeter tief drin, das ist nicht schön. Hinzu kommt die Zeckenproblematik der letzten Wochen – man findet die kleinen Biester in diesem langen Rauhhaar kaum. Vor allem aber ist da Tizon’s Drang zum Wasser hin. Und immer wieder passiert es: raus aus dem Wasser und rein ins Wohnmobil. Der Herr schüttelt sich noch nicht einmal vorher. Steht also bei uns im Flur, tropfend. Und wenn es fertig getropft hat, dann stinkt es. Dieses Problem ist mit einer ordentlischen Schur zumindest etwas entschärft. Ich habe auch mal was drüber geschrieben, wie man das macht, den Hund selber scheren. Viel Erfolg.

Mit diesen neurotisch-senilen Hunden ist es manchmal schon zum Mäuse melken. Wir wohnen ja direkt am See, keine fünf Meter sind es bis ans Wasser. Hinter uns Wiese, Büsche, Wald. Wenn ich mit ihnen früh morgens um zehn zur Gassirunde aufbreche, wird es aber höchste Zeit – denn beide sind am Verdursten und kurz vorm Platzen. In aller Hektik werden Büsche aufgesucht, plötzlich kann man auch aus dem See trinken.

Dann haben wir da dieses seltsame Verhalten bei Hitze. 30 Grad, und der Hund mit dem schwarzen Pulli legt sich für das Mittagsschläfchen in die pralle Sonne – und das mehr als nur für fünf Minuten. So verrückt ist noch nicht einmal Max. Aber der hat ja auch gar keine Zeit, sich in die Sonne zu legen, ist er doch mit Ducatolein und Vario beschäftigt. Alle fünf Minuten ein Platzwechsel, das ist super anstrengend, wenn man die Qual der Wahl hat: Im Ducato sind seine Lieblingsplätze der Fahrersitz, der Beifahrersitz, die Eckbank, das Bett. Im Vario sind es der Fahrersitz, unter dem Tisch, im Gang, im Hundebett.

Die Knalltüten: unser täglich Wahnsinn gib uns heute.

Blieben wir doch noch kurz bei den Intelligenzbestien. Es gibt da so ein abendliches Ritual, das lässt mich jeden Tag aufs Neue an ihnen zweifeln. Es gibt Abendessen. Punkt 18 Uhr fängt Max mit seinem Gefiepse an, bis sich um halb Sieben einer erbarmt, und die Hundenäpfe füllt. Diese werden in Rekordzeit inhaliert. Max ist erster. Immer. Und wartet in sicherer Entfernung, bis Tizon endlich fertig ist und von seinem Napf ablässt. Dann stürmt er hin, prüft ob Tizon auch wirklich alles aufgegessen hat, schleckt seinen Napf sauber. Währenddessen fällt TIzon ein, dass Max ja gerade noch Futter in seinem Napf hatte, geht hin, schlecht diesen Napf sauber. Und weil ein Ritual einen Abschluss braucht, gehen sie beide nochmal an den eigenen Napf – man muss jetzt wohl nochmal schauen, ob man selbst wirklich leer gegessen hat. Es blieb noch nie was übrig. Kein einziges Mal.

Die Schnapsbrennerei im Vorgarten

Die Maulbeeren fallen vom Baum, genauer gesagt von drei Maulbeerbäumen, die um uns herum stehen.

Es sind viel zu viele um sie zu essen, auch wenn Tizon es versucht – schon zum Frühstück hängt die Nase staubsaugermäßig am Boden unterm Baum. Der Magen eines Hundes ist auf Maulbeeren als Hauptnahrungsquelle wohl nicht ausgelegt. Der große schwarze Hund hat inzwischen nicht nur unsäglichen Mundgeruch, zwischendurch hat er sich wohl auch mal mächtig überfressen. Oder es liegt daran, dass die Maulbeeren am Boden anfangen zu gären. Auf jeden Fall kotzt er zwei Tage lang, futtert danach deutlich weniger Maulbeeren.

Die vor sich hin gärenden Maulbeeren werden langsam lästig – denn jedes Mal, wenn etwas Wind geht – also eigentlich ständig – zieht ein strenger Geruch umher. Also parken wir die Womos einfach um, und schon hat das Gestinke ein Ende.

Total verrückt: wir machen Sport. Oder so.

Die vier Wochen am See sind voll, und irgendwie klappt das mit der täglichen und ausgiebigen Gassirunde nicht, insbesondere an Ermangelung an Wegen. Wir stehen in einer Sackgasse, und den einen Weg ist man jetzt schon gefühlte hundert Male gegangen. Die Hunde stört das weniger, jeder Aufbruch wird euphorisch gefeiert, als würden wir unbekanntes Terrain erforschen. Uns jedoch ist diese Fähigkeit zur spontanen Begeisterung etwas abhanden gekommen. Mit anderen Worten: die Faulheit ist enorm. Also lautet das Motivations-Tschaka-Tschaka: wir gehen Joggen! Joggen ist ja quasi super effizientes Gassigehen: mehr Strecke in kürzerer Zeit.

Tizon findet es super. Mein Super-Slow-Mow (andere Gehen wahrscheinlich schneller als ich renne) entsprecht seinem Tempo beim entspannten Dahintraben. Max hingegen ist voll im Stress, denn er läuft gerne exakt 20 Meter vor uns her. Und bei dem veränderten Tempo den richtigen Abstand zu halten, ist wohl ganz schön anstrengend. Es geht vor und zurück und vor und ah, eine Eidechse, und vor und zurück, oh da raschelt es im Busch, und zurück, oh an was schnüffelt denn der Tizon da, ob man den Grashalm wohl gießen sollte, und vor und zurück.

Nicht, dass ihr meint, dass ich die Hunde jetzt wahnsinnig überfordert hätte. Meine erste Joggingrunde endete nach exakt 780 Metern. Zurück ging es dann im üblichen, noch langsameren Gehtempo. Warum ich von diesem kläglichen ersten Joggingversuch überhaupt schreibe? Ich verspreche, dass ich im nächsten Reiseblogpost auch über dieses Thema schreiben werde. Und ein bisschen Druck kann ja Ansporn sein, und wenn man sich seines übermächtigen Schweinehundes bewusst ist, sind derlei Motivationshilfen durchaus sinnvoll. Sobald ich diesen Artikel online gestellt habe, geht es auf zur Runde Nummer zwei. Tschaka-Tschaka.

Ducatolein und das Schraubenproblemchen

Spätestens alle 10 Tage fahren in den nächsten größeren Ort zum Einkaufen. 15 Kilometer Piste, 15 Kilometer Kurvenstraße. Intermarché, Wassertank vollmachen, einkaufen, kurz noch zum Continente, dann wieder zurück. Doch erstmal kommen wir nicht weit, denn mitten in der Stadt hat sich eine Schraube in den Reifen gebohrt. Klack klack klack macht es. Scheiße, vorne links, wo die neuen Reifen drauf sind. Das wäre so ein Moment, wo ich, wäre ich noch alleine unterwegs, total aufgeschmissen wäre. Was tun?

Andre hat da eher den Durchblick, und er vermutet, dass die Schraube nicht durch ist – denn der Reifen ist nicht platt. Also Werkzeug gesucht, und die Schraube aus dem Reifen gehebelt. Klein ist sie nicht wirklich, da haben wir nochmal Glück gehabt. Schraube ist draußen, Luft ist drinnen. Mir ist etwas unwohl, mit einem Loch im Reifen durch die Gegend zu fahren, aber es hat gehalten. Und was 15 Kilometer Waschbrettpiste hält, hält ewig.

Das ist jetzt übrigens über eine Woche her, und wir nehmen uns seither ganz feste vor, das Reifenreparaturset in den Ducato zu legen – denn für genau solche Fälle haben wir es ja gekauft. Ist uns bisher noch nicht so richtig gelungen.

Das Wasserproblem beim Dauercampen

Wir stehen direkt am See, und doch geht uns nach vier Wochen das Wasser aus. Was sicherlich auch dem schlechten Wetter geschuldet ist – den See als Badezimmer nutzen – dafür ist es mindestens die ersten drei Wochen einfach zu kalt. So nutzen wir das Seewasser zwar zum Abspülen, für den Hundenapf und die Klospülung, aber in den Frischwassertank möchten wir das so nicht kippen – dafür ist es doch etwas zu grün, und sowas soll sich bitteschön nicht im Wassertank absetzen. Wir reinigen den Wassertank nie, und damit das auch so bleibt, füllen wir nur wirklich sauberes Wasser hinein.

Wir haben einen kleinen Outdoor-Wasserfilter, der eigentlich dazu gedacht ist, dass man ihn direkt auf die Wasserflasche schraubt. Diesen haben wir hergenommen, und ihn an einen 5-Liter-Eimer angeschlossen. Er macht aus dem grünlichen Seewasser mit vielen Schwebeteilen klares Wasser, und füllt langsam, aber beständig die Gießkanne. Sind zwei Eimer leer und eine Gießkanne voll, wird das frisch gefilterte Wasser in den Frischwassertank umgefüllt, frisches Seewasser geholt und weiter geht es. Naja, fast – denn nach spätestens 10 Litern hat sich der Filter zugesetzt und möchte durchgespült werden. Das ganze Prozedere ist zwar etwas aufwändiger, aber man hat ja Zeit, und den Sawyer Wasserfilter gibt es für schlappe 25 Euro.

Das hätte uns aber schon eher einfallen können. Der nächste Schritt wäre ein mehrstufiger (Aktivkohle-) Filter oder sogar ein Osmose-Filter, fest installiert. Die Teile kann man hier im portugiesischen Baumarkt kaufen und kosten nicht die Welt. Ein Versuch wäre es wert.

Besucher

Wir wohnen ziemlich ab vom Schuss, aber dennoch verirrt sich hin und wieder Besuch hierher.

Die paar Wohnmobile, die hier die letzten Wochen kamen, waren Deutsche mit der Fähigkeit, Google Maps zu bedienen. Sie haben sich ein Stück weiter an den See gepackt. Alle 500 Meter ein Wohnmobil, das ist doch Okay. Lustigerweise habe ich ein Pärchen vorletztes Jahr schon einmal hier in Portugal getroffen, und jetzt wieder hier, im Nirgendwo. Die Welt ist manchmal doch echt klein.

Die Löschflugzeuge, die uns durch den Gartenteich fliegen, sind wohl im Vorbereitungsmodus auf die kommende Waldbrandsaison. Ich denke sie wohnen auf dem Flugplatz am anderen Ende des Sees, üben hier bei uns das Wasserfassen, weil es hier am unbebauten Ende des Sees niemanden stört. Die Waldbrandsaison hat übrigens noch nicht begonnen, jedoch wurde in zahlreichen Gebieten bereits die höchste Warnstufe ausgerufen. Lange wird es nicht mehr dauern.

Dann war da noch dieses Boot heute. Es kommt hergefahren, lädt eine Schar Kinder ab, und fährt wieder weg. Mit der nächsten Fuhre kamen noch mehr Kinder. Wie sich herausstellte, waren es ein paar Kollegen und Freunde mit Familie, die den sonntäglichen Sommertag am See genießen. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen gestaltet sich nicht schwer, denn die Batterie in ihrem Boot hat den Geist aufgegeben. Da sind sie nun also gestrandet, mit ungefähr 10 Kindern, weit und breit nichts – außer dieses Wohnmobil, das man dann eben um Hilfe fragt.

Was haben die einen Dusel, dass hier ausgerechnet der Herr AMUMOT parkt – der Experte überhaupt bei Batterie- und Stromproblemen. In der ersten Runde werden Generator und Ladegerät ausgepackt, und Starthilfe gegeben. Boot läuft wieder. Aber nicht lange, denn die Batterie ist hinüber, wird wohl nicht geladen, der Batterieschalter ist wohl kaputt. Er hat wohl schon einen gekauft, ihn aber nicht eingebaut bekommen, die Platzverhältnisse auf so einem Boot sind wohl etwas knapp. Also fährt er kurz nach Hause, zur anderen Seite des Sees, den Schalter holen, und Andre baut ihn ein, er hat das passende Werkzeug da. Die Faszination, dass dieser Typ mit dem Wohnmobil nicht nur Ladetechnik, sondern auch alles Mögliche an Werkzeug dabei hat, ist enorm.

Sie sind sehr dankbar, und ihnen ist bewusst, dass sie ohne seine Hilfe sehr aufgeschmissen gewesen wären. Also schenken sie uns was ihnen einfällt – zwei volle Tüten mit Lebensmittel, plus alkoholische Getränke. Wir hätten gestern echt nicht einkaufen fahren müssen.

Filmtipp: Herr Lehmanns Weltreise – auf 4 Rädern um den Globus

Herr Lehmanns Weltreise, der beste von einigen Roadtrip-Filmen, die ich mir die letzten Wochen angesehen habe, mit vielen tollen Eindrücken und Bildern. Mit einem älteren Mitsubishi-Bussle sind sie durch Nordamerika, Südamerika und Asien gereist, haben viel erlebt, sich und ihr Auto an die Grenzen gebracht. Sehr kurzweilig, sehr sehenswert!

Der Wetterbericht: Endlich Sommer.

Über drei Wochen lang dümpelt das Wetter so vor sich hin, und dann macht es BÄHM, und der Sommer ist da. Vom einen Tag auf den anderen, von 20 Grad auf 35 Grad.

Aussichten

Derweil schmieden wir Zukunftspläne. Eines kann ich verraten: es wird interessant. Und nein, wir planen keinen Kurztrip nach Las Vegas, und wir werden auch nicht nach Portugal einwandern.

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    Tanja Hier schreibt Tanja

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