Ja, wir schippern immer noch im Alentejo rum. Dass wir laut „Plan“ eigentlicht längst im Norden von Portugal sein wollten, das ist jetzt halt so. Immer diese Planerei – so wirklich dazu lernen tun wir wohl nicht. Und doch wären wir am Ende dieses Reiseblogposts froh gewesen, wären wir nach Norden gefahren.


Seetage und ein Halbtagesausflug

Wir stehen am Barragem de Montargil, nahe der Staumauer. Inzwischen haben auch die Campofanten campofant.com nach Portugal und an unser Plätzchen am See gefunden, und wir verbringen ein paar Tage und Abende zusammen. Soweit, so entspannt. Am Wochenende wird es dann aber etwas hektisch, denn es ist Ferienzeit, und scheinbar hat hier jede Familie, die was auf sich hält, einen Hänger mit einem Jetski drauf. Und weil sich an der eigentlichen Jetski-Wasserungs-Anlage sich die Jetskis schon stauen, fahren sie zu uns, um hier ihre Spaßmobile ins Wasser zu lassen. Ganz ehrlich: würde ich hier wohnen, ich würde auch ein Jetski haben wollen. Aber wir haben keines, und so machen wir einfach Musik an um den Krach zu übertönen, und so sind froh, dass der Spuk nach ein paar Stunden wieder vorbei ist.

Das ist übrigens generell ganz schön in Portugal: normalerweise kann man sich darauf verlassen, dass die Krach machende Party-Gesellschaft so schnell geht wie sie gekommen ist – die Portugiesen sind in dieser Hinsicht nicht sehr ausdauernd. Ein, zwei Stunden, schon sind sie wieder verschwunden.

Kurz mal nach Lissabon

Wir sind sehr froh, dass die Campofanten hier bei uns stehen – denn so können sie nach den Hunden im Vario sehen, während wir mit dem Ducato nach Lissabon fahren. Sonst hätten wir uns was Anderes überlegen müssen, denn bei Temperaturen um die 30 Grad lassen wir die Köters eigentlich nicht so lange im Wohnmobil. Wenn aber jemand da ist, der mal nach ihnen schaut, ist ja alles gut.

Also düsen wir kurz mal nach Lissabon. Ich muss was abholen, das ist auch in 10 Minuten erledigt, danach ist ein bisschen Programm angesagt. Nicht viel, denn es ist gut warm, und so ein halber Tag in Lissabon ist wirklich schnell vorbei.

Wir waren auf dem Armoreiras-Gebäude. Für ein paar Euros kann man mit dem Aufzug bis ganz nach oben fahren und wird mit einem tollen Blick über die Stadt belohnt.

Ein weiteres Highlight ist die Fressmeile des Gebäudes, das in den unteren Etagen eine recht große Shoppingmall beherbergt. Ich finde diese riesigen Fressmeilen toll, denn hier gibt es eine große Auswahl an internationaler Küche, und man kann jedes Mal was Neues ausprobieren. Und nicht selten lasse ich mich davon auch inspirieren, und koche es ein andermal im Wohnmobil nach.

Unser zweiter Punkt auf der heutigen Lisboa-Todo-Liste für diesen Tag ist die Ausstellung „Inside Out“, auch bekannt als „Körperwelten der Tiere“. Die humane Körperwelten-Ausstellung kam ja erstmal vor ungefähr 20 Jahren auf, und schon damals wäre ich da echt gerne hingegangen. Jetzt also die Tierversion in Lissabon, die noch bis September läuft. Elf Euro Eintritt waren es glaub, und in einer guten halben Stunde ist man durch. Es ist sehr interessant, wobei ich gestehen muss, dass ich nicht alles so intensiv in mich aufgesogen haben. Die Beschreibungen der einzelnen Exponate waren auf Portugiesisch und Englisch verfasst. Mein Englisch ist passabel, aber dennoch ist diese Übersetzerei im Kopf irgendwann doch sehr anstrengend. Aber egal, gelohnt hat sich dieser Besuch auf jeden Fall!

Hier die Bilder des heutigen Tages:

Geparkt haben wir auf einem Parkplatz, auf dem immer einige Wohnmobile stehen. Für eine Nacht und einen kurzen Stadtbesuch, Okay. Doch um Lissabon für mehrere Tage zu erkunden, dafür ist das wirklich nichts – zu nah an der Straße, zu eng.

Kaum haben wir uns von unserem Ausflug nach Lissabon erholt, schon geht es weiter. Ich fahre schonmal vor und warte 200 Meter weiter an der Hauptstraße auf Andre. Bei ihm dauert es etwas länger, denn er musste den Spaß ja noch filmen:

Schräglage und Achsverschränkung mit dem Wohnmobil

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Unser nächstes Ziel, an dem wir mehrere Tage stehen bleiben wollen, ist nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt. Wir haben mal eine Woche eingeplant, bis wir dahin kommen, denn unterwegs scheint es einige interessante Zwischenstopps zu geben.


Auf dem Weg zum Barragem de Maranhão

Es gibt Gegenden in Portugal, da tut man sich etwas schwerer mit dem Finden eines schönen Plätzchens. Der Alentejo ist die Kornkammer Portugals – Ackerbau und Viehzucht, soweit das Auge sieht. Dazwischen Hügel mit Eichenwäldern, Steineichen, und Korkeichen.

Wo Rinder weiden, ist so manch ein Gelände mit Zäunen versehen. Und so manch eine Zufahrt zum See oder Fluss ist mit einem Viehgatter versehen. Nun würde es normalerweise niemanden stören, wenn wir das Gatter aufmachen, durchfahren und hinter uns wieder schließen. Doch meist machen wir das nicht. Also eigentlich machen wir es nur, wenn irgendwo ein Schild zum Ziel weist, und auch am Gatter der Hinweis angebracht ist, dass man es nach der Durchfahrt doch bitte wieder schließen soll. Wenn es privat ausschaut, dann müssen wir da wirklich nicht durch.

Unser erster Versuch der Stellplatzsuche ist genau daran gescheitert. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn die Ecke ist wirklich sehr hübsch und das Wetter ist gut, da fahren wir halt noch ein bisschen weiter durch die Gegend.

Der nächste Platz ist auch am Fluss, hier hat man das Wasser angestaut, es ist quasi ein Kanal. Sehr hübsch anzusehen, und wir stehen direkt am Wasser. Aber Momentchen, wir kommen nicht ins Wasser rein. Also rein schon, aber kaum wieder raus. Das Ufer ist einfach zu steil. Tizon hat das mal für uns ausgetestet, ist direkt ins Tiefe Wasser geplumpst und nur mit großer Mühe wieder an Land gekommen. Das ist doof. Bei dem heißen Wetter brauchen wir echt was mit Bademöglichkeit! Also weiter.

Fahren wir also zum See – genauer gesagt zum Barragem de Maranhao. Inzwischen ist es schon später am Nachmittag, und wir möchten nun einfach nur ein schönes Plätzchen zum Übernachten finden. Das tun wir auch.

Zwar auch hier ohne Bademöglichkeit, aber deshalb sind wir nicht hier. Vielmehr möchten wir ein paar hübsche Fotos machen. Denn wie an vielen anderen Stauseen auch gibt es hier einen Lost Place. Nahe der Staumauer gibt es oftmals Gebäude, in denen die Arbeiter des Staudammes gelebt haben – so auch hier. Wobei ich mir im Nachhinein nicht mehr ganz sicher bin, ob es sich hierbei nicht doch um ein ehemaliges privates Anwesen handeln könnte. Denn im Vergleich zu den anderen Arbeitersiedlungen ist diese hier deutlich hochwertiger, und die Anlagen rund um die Gebäude sind schon fast parkähnlich angelegt.

Am nächsten Tag geht es weiter, zu einem Platz, den wir bereits vom letzten Jahr kennen, und in außerordentlich guter Erinnerung haben. Es soll noch wärmer werden, und da ist es von Vorteil, sein Haus am See zu parken.

Doch irgendwie ist der See dieses Jahr ganz anders. Also eigentlich gilt dies für alle Seen: sie sind immer noch recht voll. In diesem Fall ist es sogar so, dass das Ufer letztes Jahr bestimmt 50 Meter weit im See lag. So finden wir jetzt fast keinen Platz zum Parken, zumal der Boden nur so semi stabil aussieht. Und wir wollen ja nicht schon wieder festsitzen.


Weiter nach Osten

So richtig gefällt es uns hier also noch nicht, und so fahren wir weiter nach Osten. Probieren noch ein paar Plätze aus – hier ein Flussufer, das aber wohl eingezäunt ist. Dort ein Praia Fluvial, also ein Badeplatz, der aber gut besucht ist. Und so landen wir an einem alt bekannten Plätzchen, ein Stausee kurz vor der spanischen Grenze.

Vermutlich ist es die Nähe zu Spanien: am Seeufer liegt Müll ohne Ende rum. So viel, wie sonst nirgends. Aber zum Glück hat so ein See ja mehr als nur eine Stelle am Ufer, und so schicke ich Andre los, dass er mit dem Ducato eine schönere Stelle für uns findet. Die Wetterapp kündtigt 45 Grad an, da kann man eigentlich nicht nahe genug am Wasser stehen. Schatten UND Wasser wäre natürlich am besten, doch im Zweifel nehme ich auch nur das Wasser.

Andre vermeldet Erfolg, und nachdem er wieder hier angekommen ist, durchdenken wir die nächsten Tage. Was braucht man alles, um die kommende Hitzewelle zu überleben? Okay, ich muss wohl erst noch einkaufen gehen, und einmal alles durchwaschen bitte. Weniger die Klamotten, sondern viel mehr die Textilien im Ducatolein haben es dringend nötigt. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, wenn es der klatschnasse Hund immer wieder ins Auto schafft, dann müffelt das irgendwann echt schlimm. Nach nur einer Stunde aber ist alles durchgewaschen, und die Luft im Ducatolein ist deutlich besser. Und da Tizon auch kein stinkiges Ohrjucken mehr hat, müffelt auch der Hund direkt weniger. Endlich kann ich wieder im Ducato chillen, ganz ohne Riechsalz!


43 Grad und getrennte Schlafzimmer

Nun bekommen wir also, quasi wie bestellt, noch einige Tage Sommer. Also bestellt haben wir eigentlich 35 Grad und Windstille, geliefert werden 43 Grad und böiger Wind.

Caia Fenster

Ungefähr fünf Tage lang hält die Hitzewelle an. Und sie entpuppt sich wirklich als anstrengend. Woran es liegt, können wir nicht genau sagen. Der Temperatursprung von 15 Grad? Die hohe Luftfeuchtigkeit von 40%? Der fiese Wind, der dir die Luft zum Atmen nimmt? Böen von 40km/h sind ja normalerweise nicht wild, aber 43 Grad im Schatten sind sie wirklich böse. Als ob dir jemand einen Heißluftfön ins Gesicht hält.

Hunde und Hitze: Max hechelt, Tizon badet

Sehr interessant finde ich, dass der kleine „junge“ Max dieser Tage mehr Probleme hat als der große Seniorköter mit dem schwarzen Pulli. Einmal liegt das sicherlich daran, dass Tizon fast keine Unterwolle hat, Max jedoch durchaus. Tizon hat eine Sache aber einfach besser drauf: Ist es zu warm, geht’s in den See. Und da bleibt man dann einfach mal 15 Minuten drin liegen, bis es wieder gut ist. Tizon reguliert seine Körpertemperatur selbst. Max würde eher zugrunde gehen als freiwillig in den See. Aber, es wird besser. Ist es nur heiß genug, trabt er nach Aufforderung mit zum See und macht sich immerhin die Pfoten nass. Beim Rest muss man immer noch etwas nachhelfen. Nagut, vielleicht sollte man sich aus seiner Wasserscheuheit keinen Spaß draus machen, ich denke das ist nicht sonderlich förderlich 😉

Max in Seenot

Dieses Video ansehen auf YouTube.

So schaue ich ein wenig danach, dass beide Hunde regelmäßig das Wasser aufsuchen. Und auch, dass die Knalltüten möglichst nicht klatschnass wieder in den Ducato einsteigen. Also mache ich die Schiebetüre zu, ehe wir uns auf den Weg ins kühlende Nass machen. Und werde dafür die 10 Minuten, die die Schiebetüre zu ist, mit vorwurfsvollen Blicken bestraft. Max sitzt stur vor Ducatolein, während Tizon ihn mehrfach umkreist, eher er aufgibt und wieder ins Wasser geht um sich erneut abzukühlen. Und so beginnt der Kreislauf erneut …

Max Schiebetüre zu

Nachts ist es mit den zwei Knalltüten besonders spaßig, denn irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr morgens fängt garantiert einer an, stark zu hecheln. So sehr, dass ich davon wach werde und den jeweiligen Hund rausschmeiße. Das eigenständige Denken und Handeln scheint den Hunden bei der Hitze wohl abhanden gekommen zu sein. Vermutlich aber geht es darum, die Pole Position (neben mir im Bett) nicht aufzugeben.

Am vierten Tag der Hitzewelle haben wir eigentlich keine Lust mehr. Denn es ist von Mittag bis zum Abend hin einfach nur anstrengend, trotz stündlicher Planscheinlagen. Was sicherlich auch daran liegt, dass es selbst in der Nacht kaum abkühlt. Wenn wir morgens um ein Uhr ins Bett wollen, hat es immer noch 30 Grad. Im Morgengrauen dann noch 26 Grad.

Dabei kommt die Sonne noch nicht einmal ganz durch. Es ist diesig, eine Mischung aus Saharastaub und Rauch verdeckt die Sonne.

Um das erträglich zu machen, gibt es zwei Möglichkeiten: draußen schlafen oder Lüfter anschalten. Ich habe mich für draußen entschieden, Andre macht derweil Lüftungsexperimente im Vario.

Was manche Leute ohnehin immer wieder vermuten, ist also erstmals eingetreten: wir haben getrennte Schlafzimmer. Weil im Alkoven für meinen Geschmack etwas zu wenig Luft geht, ziehe ich in Ducatolein um. Das Bett im Ducatolein ist für Andres längere Beine etwas zu kurz, weshalb er im Vario pennt. Zugegeben, im Ducato wäre auch kaum mehr Platz gewesen, denn die beiden Hunde finden es enorm gut, dass sie bei mir im Bettchen schlafen können. So genieße ich den wirklich großen Vorteil des Kastenwagens: Hecktüren weit auf, und es ist, als liegst du im Freien. Ist wie früher beim Campen, nur mit Lattenrost und guter Matratze.

Dann kommt er, der Lagerkoller. Bei diesen Temperaturen kannst du nicht wirklich viel unternehmen, keine Ausflüge machen, keine großartigen Gassirunden. Und so beschließen wir spontan am letzten Abend der Hitzwelle, alles zusammen zu packen.


Hola España!

Manchmal geht es recht schnell: um 20 Uhr den Entschluss gefasst, und schon eine halbe Stunde später sind wir unterwegs. Wir können auch weitaus schneller zusammen packen, aber hallo, es ist immer noch elendig warm, die letzten Tage haben wir haushaltsmäßig nichts gemacht, und die Hunde mussten auch noch aufs Klo.

Wir wollten auch schnell los, damit wir noch eine Runde im Shoppingcenter von Badajoz drehen können. Quasi eine Einführungsrunde. Wir fahren um halb neun los, unterwegs noch in Elvas kurz Ver- und Entsorgen, dann ist es nicht mehr weit bis Badajoz, und wir schaffen es noch, ehe das Einkaufszentrum um 22 Uhr zu macht. Wenn es nicht dieses klitzekleine Problem gäbe: Zeitumstellung. Kaum fährst du über die Grenze, ist es schon eine Stunde später. Und so kommen wir an der Shopping-Mall an, kurz nachdem sie geschlossen hat. Anfängerfehler.

Immerhin hat der Burger King noch auf, und so ein kleines McFlurry, das bei denen irgendwie anders heißt aber identisch aussieht und schmeckt, kann bei der Hitze ja nicht schaden. Für die Nacht stellen wir uns auf den Parkplatz von Leroy Merlin, denn der morgige Shoppingtag soll im Baumarkt beginnen.

Shoppingparadies Badajoz

In Badajoz kann man ganz wunderbar einkaufen. Es gibt große und mittelgroße Shoppingmalls, sonstige Einkaufsläden und Baumärkte, und obendrauf noch günstige Tankstellen – zumindest nach portugiesischen Maßstäben. In Sachen Shopping habe ich mir etwas mehr erhofft, insbesondere preislich – hier kann ich keinen Unterschied zu Portugal entdecken. So eine Durchschnitts-Shoppingmall in Spanien beherbergt auch so ziemlich die identischen Läden wie das portugiesische Pendant. Die großen Ketten und Marken, hier und da ein paar interessante Ausreißer. Auf jeden Fall bin ich trotz Rabattschlachten und Sommerschlussverkauf nicht in besonderer Kauflaune, und so bleibt es bei ein paar Kleinigkeiten.

Aber spanische Supermärkte, die mag ich ja schon. Und Badajoz hat ein paar größere Exemplare davon. Das kann dann auch schonmal dazu führen, dass Andre eine dreiviertel Stunde lang im Ducatolein warten muss, bis ich da wieder rausfinde – und er dann ganz entsetzt feststellt, dass ich gerade mal eine mittelgroße Tüte Essen eingekauft habe. Ops.

Dieses Spanien, also ich weiß nicht …

Badajoz am Guadiana

Eigentlich haben wir ja einen richtig schönen Platz am Guadiana gefunden. Eigentlich. Für zwei (oder drei?) Nächte stehen wir schön im Grünen – und zwischen ganz schön viel Müll. Es ist eines der Punkte, die mir an Spanien nicht wirklich gut gefallen.

Badajoz Müll im Grasbüschel

An den zwei Tagen habe ich während meiner Gassirunden mehr Müll rumliegen sehen als in Portugal das halbe Jahr über. In jedem Busch hängen Klopapierfahnen, in jedem Grasbüschel liegt eine Dose oder Plastikflasche. Zum Schwimmen geht man lieber nicht barfuß ins Wasser, wer weiß was alles im Fluss liegt.

Wir parken also auf unserem Plätzchen ein, gehen erstmal eine Runde schwimmen, da kommt so ein Typ daher. Die Hunde finden ihn nicht so geil, aber dass er mit großem Geheul empfangen wird, scheint ihn nicht sehr zu beeindrucken. Nach etwas Blabla wird klar, was er will: Geld. Er will Geld. Warum wir ausgerechnet ihm unser Geld geben sollen, das erschließt sich uns nicht wirklich, und so bekommt er auch keines. Als er das dann damit begründen will, dass er Hunger hat, bekommt er den Rest vom Baguette. Damit ist er aber auch nicht sonderlich glücklich, ist ja auch ziemlich trocken, so ein Baguette. Also will er noch ein Bier dazu. Da wird es sogar Andre zu bunt, und er schickt ihn zum Teufel. Ich beobachte das Ganze gemütlich aus dem Wasser. Da bleibe ich auch bis er wieder weg ist, nicht dass er mich auch noch anfängt zuzutexten. Doch nun ist Ruhe, und wir beschließen nach der ersten Nacht noch eine zweite zu bleiben.

Für die vierte Nacht in Badajoz ziehen wir um, auf den offiziellen und kostenlosen Wohnmobilstellplatz der Stadt. Ja ich weiß, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und so. Und der Platz ist ja an sich nicht schlecht. Nett angelegt, gute Lage, perfekt für einen Stadtbesuch. Und wenn man Party machen will. Am Besten ist der Platz, wenn man Ohrstöpsel oder einen superguten Schlaf hat. Auf jeden Fall stehen wir jetzt hier, weil wir in die Stadt möchten.

Bisschen zum Fotografieren (ich hatte keine Lust, ein paar Bilder gibt’s bei Andre) und am Abend zum was Essen gehen. Eine Paella hatte ich die Tage schon im Wohnmobil gemacht, also geht es jetzt zum Tapas essen.

Das ausgesuchte Tapas – Restaurant hat wohl schon wegen Reichtum geschlossen, also nehmen wir das übernächste, das hat gute Bewertungen. Und jetzt wird es komisch: wenn ein Restaurant 300 Bewertungen 4 von 5 Sternen hat, wir aber feststellen, dass wir in zwei Jahren Portugal noch nie so schlecht gegessen haben, was läuft da falsch? Haben wir tatsächlich ein für spanische Verhältnisse gutes Essen serviert bekommen? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.

Wie auch immer, wir sind von Badajoz jetzt nur so mittel angetan. Und irgendwie sind wir von der Überlegung, ein bisschen in Spanien rumzufahren, wieder abgekommen. Und schwupps, sind wir wieder in Portugal. Naja, so halbwegs.


Bem vindo a Portugal!

Ajuda Brücke

In welche Richtung fährt man, hat man sich richtig dolle vorgenommen, nach Nordportugal zu fahren? Ja, genau, nach Süden. Nach einer äußerst unruhigen Nacht auf dem Stellplatz von Badajoz geht es früh morgens los, ich denke es war sieben Uhr. Mitten in der Nacht also. Wir haben es nicht weit – einmal zurück über die Grenze, in Elvas nach Süden, und wieder zurück an die Grenze. Denn an der Ponte Ajuda ist der Guadiana der Grenzfluss, und man wird mehr mit „Buenos dias“ begrüßt als mit „Bom dia“.

Die Brücke ist alt, halb zerfallen, und hat sicherlich eine beeindruckende Vergangenheit. Aber wir haben schon wieder 37 Grad, und so mögt ihr mir es verzeihen, aber ich bin gerade einfach zu faul zum Googeln.

Das Lustige an der Brücke ist ja, wie sie sinnbildlich für Spanien und Portugal steht. Die portugiesische Seite ist halt so zerfallen wie sie ist, man kann auf die Brücke draufgehen, und wer Probleme mit der Schwindelfreiheit hat, der sollte nicht zu weit gehen. Die spanische Seite der Brücke ist betoniert. Und der Parkplatz davor ist mit tausend gebrauchten Taschentüchern dekoriert.

Ajuda mit Beton

Auf jeden Fall kann man hier schön stehen, auf der Rinderweide, also auf der portugiesischen Seite. Die Rindviecher, bestehend aus einer Mutter-Kind-Gruppe mit ein, zwei Teenager-Bullen, drehen hier mehrere Runden am Tag. Uns gegenüber sind sie eher scheu, egal ob wir mit oder Hunde unterwegs sind. Noch am Abend wird uns klar, woher dies kommen kann, denn da beobachten wir, wie ein Schäferhund, der mit seinen Leuten von einer Wanderung zurück zum Auto kommt, ein Kalb erblickt und das auch Sekunden später am Wickel hat. Er hat es wohl am Bein erwischt. Ich denke aber nicht, dass Schlimmeres passiert ist, denn fünf Minuten später ist der Schäferhund mitsamt dem Auto weg, es liegt nirgendswo ein Kalb rum, und die Rinderherde schlappt recht entspannt weiter.

Huch, schon wieder in Spanien

Wir stehen direkt an der spanischen Grenze, und die nächste spanische Stadt scheint mir als geeignet, endlich mal ein Paket nach Deutschland loszuschicken. Also fahren wir mit Ducatolein ins nahe gelegene Städtchen Olivenza.

Das Paket ist recht schwer und etwas sperrig, und ich hoffe, dass es von Spanien aus verschickt nicht ganz so teuer ist. Pustekuchen. Ungefähr 45 Euro kostet der Spaß, plus Karton. Somit 10 Euro mehr als in Portugal. Wieder was gelernt.

Aber egal, dafür haben wir zufällig mitbekommen, dass heute Dorffest ist, mit Kirmes, mindestens fünf Churro-Ständen und so. Es ist wohl das Fest der Feste, zumindest heißt es „Ferias y Fiestas 2018“. Wie übersetzt der Spanier sowas? Einfach „Messen und Feste 2018“, das hört sich irgendwie nicht ganz rund an.

Und wir waren erfolgreich einkaufen. Und ich nehme alles zurück, was ich Negatives von mir gegeben habe: Ich liebe Spanien! Es gibt hier doch tatsächlich Laugenbrötchen im Laden! Und dieses Nocilla Leche, das viel bessere Nutella mit der Geschmacksrichtung Milky Way. Na, vielleicht sollten wir Spanien nochmal eine Chance geben …

Ich liebe Spanien

Olivenza Teil II: das Kinderfest beginnt ab Mitternacht

Kaum hat man sich an die portugiesischen Gepflogenheiten gewohnt, schon verirrt man sich nach Spanien. Möchtest du in Portugal in was im Restaurante zu essen bekommen, solltest du zwischen 19 Uhr und 22 Uhr dort auftauchen. In Spanien ist um 22 Uhr noch gar nix los. Wie wir also um kurz nach zehn Uhr über den Jahrmarkt schlendern, ist noch absolute tote Hose. Also schlendern wir weiter, und begeben uns auf Nahrungssuche. Es gibt einige Stände, wo es wohl ein paar Burger gibt, und ein paar Bierstände. Mhm. Weiter in die Stadt rein, einfach immer den Einheimischen hinterher. Wenn viele Menschen in eine Richtung laufen, dann wird es da wohl was geben.

Auf der Plaza des Ortes steht eine Bühne, und jede Wirtschaft hat aufgestuhlt. Wir finden einen freien Tisch und überlegen uns, was wir denn haben wollen. Ein schönes Iberico Schweinchen, und frittierte Tintenfische sollen es sein. Uns läuft langsam das Wasser im Munde zusammen, wir haben Hunger. Wir haben aber noch nichts bestellt. Und das sollte auch so bleiben. Wir geben dem Kellner mehrere letzte Chancen, doch der rennt immer nur an uns vorbei. Nebenbei registrieren wir, dass nur alle fünf Minuten mal ein Essen aus der Küche kommt, und schlussfolgern, dass es wohl dauern kann, bis wir was bekommen. Noch während wir das mutmaßen sind die letzten drei Chancen, die wir dem Kellner eingeräumt haben, ebenfalls abgelaufen, und wir haben keine Lust mehr.

Nebenan gibt es eine pakistanische Dönerbude. Der Döner ist Okay, die Pakistani haben ein lustiges Englisch drauf, einer war sogar mal ein halbes Jahr in Deutschland.

Auf dem Rückweg zum Auto kommen wir wieder über den Jahrmarkt. Inzwischen ist Mitternacht, und die Party ist in vollem Gange. Der Kinder-Jahrmarkt mit all seinen Hüpfburgen und Mini-Autoscootern ist gut besucht, Mütter schieben ihre Säuglinge in Kinderwägen durch die Massen, die Musik ist ohrenbetäubend. Wir begeben uns an den Rand, wo die Teenies ihren Spaß haben, und wo ein DJ anfängt Musik aufzulegen.

Autoscooter Karussel

Langsam finden sich die Jugendlichen der Region ein, und wir bekommen die Möglichkeit einer …

Feldstudie: „Feiernde spanische Teenager“

Feldstudie

Erstens sind bei den Mädels Plateauschuhe wieder in Mode. Aber vielleicht waren die noch nie aus der Mode, und jede Generation hat seine 15jährigen Mädels mit Plateauschuhen. Spanische Jugendliche wissen wohl, dass es hier nicht zu trinken gibt. Also bringen sie ihre Getränke selbst mit, und das geht so: Plastiktüten mit Coke in Plastikflaschen und Plastikbechern in die Mitte, dann ein Stehkreis außenrum. In diesen werden dann die Mixgetränke gemixt, ich tippe auf Rum-Cola.

Wir beenden die Studie und begeben uns nach Hause. Morgen geht es früh raus, denn wir wollen weiter. Buenas Noches, senoritas y caballeros.

PS: Wie immer kann dieser Artikel auf Facebook kommentiert werden.

Hat dir dieser Artikel gefallen?


35 Bewertungen
Tanja Hier schreibt Tanja

Möchtest du mehr über mich & crosli erfahren, klicke hier. Wenn du Fragen, Feedback oder was Sonstwas loswerden möchtest, dann schreib mir doch.

Unterstütze mich

Du hast von meiner Schreiberei profitiert, dich gut unterhalten? Gern geschehen. Wenn du möchtest, kannst du dich aktiv revanchieren - wie, das siehst du hier.

Hinweis: Mit *, und gekennzeichnete Links sind Affiliatelinks. Bestellst du etwas über solch einen Link erhalte ich eine Provision.
Jetzt bestellen!
Roadtrip Portugal - Reiseführer, Bilderbuch und Inspiration für deine Rundreise durch Portugal mit Wohnmobil, Bus oder Camper
HIER ENTLANG, BITTE!

Mit dem Wohnmobil nach Portugal

Lesestoff für deinen Portugal-Roadtrip

Portugal Reiseberichte

Touren & Reiseberichte

Reiseberichte, Wohnmobiltouren und Tipps für deine Reise nach Portugal:

Überwintern in Portugal
Wohnmobiltour Algarve
Wohnmobiltour Alentejo
Wohnmobiltour Centro
Reisebericht: 5 Tage in Lissabon
Portugalismo

Portugalismo

Andre und ich zeigen sie euch, die schönsten Ecken von Portugal!

zu portugalismo.de

Jüngste Reiseblogs aus Portugal

Tipps für die Reisevorbereitung

Portugiesisch lernen

Ich habe einen guten Kurs gefunden, mit dem ich selbst portugiesisch lerne. Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene!

zum Portugiesisch-Kurs

Wohnmobilführer Portugal

Die Autorin haben wir unterwegs in Portugal kennen gelernt. In ihrem Tourguide finden sich Stellplätze und Campingplätze, von ihr persönlich besucht.

Buch ansehen