Das Schöne an der Algarve ist: es gibt vieles zu entdecken, und die Wege sind nicht weit. Abenteuerlich zwar schon, aber manchmal musst du nur eine halbe Stunde oder weniger fahren, um das nächste tolle Plätzchen zu entdecken.

So zieht es mich nach über einer Woche auf dem Hügel weiter. Das Wasser ist alle, der Kleiderschrank wird immer leerer, der Kühlschrank ist es schon seit Tagen. Also erstmal Shoppen, Waschen und Duschen gehen.

Surfen.

Also irgendwie geht das nicht: An der gesamten portugiesischen Westküste gibt es Surf-Hotspots, Surfschulen, Surfcamps usw. Schon vor Wochen habe ich beschlossen, das mal auszuprobieren – und Nägel mit Köpfen gemacht, einer Britin für kleines Geld ihr Surfbrett inklusive Neopren abgekauft. Sie selbst hat sich beides mal angeschafft, dann aber doch keine große Lust gehabt – beides war noch gänzlich unbenutzt. Mein erster eigenständiger Surfversuch war auch zum Scheitern verurteilt: zu hohe Wellen, eine starke Strömung, das konnte ja nichts werden. Also war schnell klar, ich brauche ein paar Surfstunden.

Also geht es heute endlich zurück an die Westküste, genauer gesagt nach Aljezur. Hier tummeln sich unzählige Surfschulen, eine davon habe ich mir ausgesucht: www.surfcamp-portugal.com . Da es Nebensaison ist bekomme ich von Hugo, dem netten portugiesischen Surflehrer Einzelunterricht. Und ich muss sagen: obwohl die Wellen etwas zu hoch waren um 3h am Stück im Wasser zu verbringen, und ich wohl nicht gerade ein Naturtalent bin, es hat Spaß gemacht. Eines ist mir heute aber auch klar: 3h bei diesen Bedingungen, das ist zu viel. Die 1,5h-Einheiten auf zwei Tage verteilen, das wäre doch besser gewesen, denn die Kräfte schwinden durchaus wenn du 2h lang quasi ständig gegen hohe Wellen ankämpfen musst. Aber so wollte ich es haben – denn mein Ehrgeiz wurde geweckt 😉

Gut, die Nacht habe ich bestens geschlafen, selbst dass das Auto im Wind geschaukelt hat wie ein betrunkener Seemann – es kümmerte mich nicht. Die Quittung kam am nächsten Morgen: ein ausgeprägter Ganzköpermuskelkater machte sich langsam breit. Egal, welchen Muskel ich anspannte: Aua.

Also einige Tage Pause, bisschen Spazieren gehen, das ging gerade noch so. Dann mal schauen wie es weiter geht: noch ein paar Surfstunden oder einen für Anfänger geeigneten Strand mit niedrigen Wellen suchen, mal sehen. Noch habe ich nicht weiter gemacht, Wetter und Location haben bisher noch nicht so ganz mitgespielt. Habe ja aber noch etwas Zeit 😉

Südliche Westküste und westliche Südküste: Sagres und Umgebung

Leuchtturm von Sagres
Leuchtturm von Sagres
Von Aljezur aus begebe ich mich Richtung Süden, nach einem Abstecher in Carrapateira geht es nach Sagres. Der Leuchtturm bei Sagres markiert den südwestlichsten Punkt Europas. Muss man wohl mal dagewesen sein. Gut, ist abgehakt. Es hat viele Besucher, bis zum frühen Abend war es ein Kommen und Gehen auf dem großen Parkplatz. Insbesondere zum Sonnenuntergang gucken haben sich einige wohl extra hierhin aufgemacht. Viel gesehen haben sie allerdings nicht, die letzten Zentimeter ging die Sonne hinter Wolken unter. Dumm gelaufen.

Übernachtungsplatz auf den Klippen
Übernachtungsplatz auf den Klippen
Machen wir uns auf um zu sehen, was die Gegend so an verrückten Straßen und unbevölkerten Stränden zu bieten hat. Dank eines Tipps eines Freundes wurde ich auch fündig – und mein Auto sehr dreckig. Aber es gibt sie, zumindest an der Westküste: diese schönen einsamen Plätze, meist auf den Klippen. Für den Durchschnittswohnmobilisten ist das nichts, da wird das Wohnmobil zu sehr beansprucht und schmutzig und so … Und dann auch noch der Abstieg runter zum Strand … Gut für uns, stehen wir doch zwei Tage unbehelligt dort oben. Bis uns der Wind vertreibt. Ansonsten, wirklich ein tolles Fleckchen. Tizon konnte seine Verrücktheit voll ausleben, am Strand, auf den Klippen und auf den Gassirunden dazwischen.

Ja, so eine Dreckpiste nach Regen ist was Feines.
Ja, so eine Dreckpiste nach Regen ist was Feines.
Der nächste Stopp führt uns zum monatlichen Hippiemarkt nach Barao de Sao Miguel. Ich mag solche Märkte eigentlich, dennoch bin ich sehr günstig davongekommen. Denn 90% sah schon sehr nach Sperrmüll aus. Also ich hab schon hochwertigeres Zeug in der Mülltonne entsorgt … Der Rest war was zum Essen, etwas einfachere Handwerkarbeit und spirituelle Angebote. Die Hippies haben viele Kinder und Hunde, ein paar auch interessante Wohngefährte. Aber ob sie mit ihren Flohmarkt-Ramsch-Verkäufen Geld verdienen, das halte ich für fraglich. Meines war es nicht.

Tolle Bucht an der Südküste
Tolle Bucht an der Südküste
Also sind wir weiter gefahren, an die Südküste. Und haben ein paar tolle Strände entdeckt. Schöne Buchten, von Klippen umsäumt. Hier und da ein paar Höhlen und Ruinen. Leider gab es einen kleinen Kälteeinbruch, und wenn die Sonne weg war wurde es schon etwas frostig. Aber nur kurzfristig, keine Sorge, jetzt geht es wieder J

Die Strand-Tour wurde mit einem weiteren Besuch in Carrapateira abgerundet. Also in Sachen grooooßer Strand ist es hier schon dufte. Gut, man muss ein paar Meter durch recht kaltes Wasser waten, ein kleiner Fluss steht zwischen den etwas wasserscheueren Menschen und dem tollen Strand. Gut für uns, haben wir ihn doch ganz alleine für uns.

Es wird Frühling!
Es wird Frühling!
Shopping-Tag in Guia. Da ich ohnehin in Richtung Osten musste, meine eingetroffenen Wassertanks abholen, und es auch noch etwas doofes Wetter war, ging es unterwegs noch ein bisschen einkaufen. China-Markt, Baumarkt, Aldi, und das AlgarveShopping in Guia. Eine Shoppingmall mit 100 Geschäften. Und einer ausgeprägten Fressmeile, die neben allen üblichen verdächten Fastfoodrestaurants auch einige Perlen zum Vorschein brachte. Ein schöner Abschluss für diese (ca. zweiwöchige) Rundtour. Zeit wieder auf den Hügel zu fahren – denn nach einer Phase der Umtriebigkeit wird es wieder Zeit für einige entspannten Tage in absoluter Ruhe.

Geocaching.

In Sachen Geocaching bin ich derzeit auch unterwegs. Jetzt nicht sonderlich ambitioniert, aber es ist schon ganz nett.

Für die ganz unbedarften, ganz kurz erklärt: das ist sowas wie Gassigehen mit Zielvorgabe. Über eine App und GPS steuert man eine ganz bestimmte Stelle an wo irgendein anderer Geocacher einen Cache versteckt hat – meist eine kleine Plastikdose. Wurde der Cache gefunden, kannst du dich ins Logbuch eintragen, und/oder online nochmal. Manche Caches sind einfach und schnell gefunden, andere ziemlich tricky. Entweder weil das Versteck so gut ist oder der Weg dorthin recht abenteuerlich. Dann gibt es noch Spezialcaches, da muss man z.B. erst ein Rätsel lösen, das Ergebnis sind dann die richtigen Koordinaten.

Tizon auf Klettertour
Tizon auf Klettertour

Und so ein Rätselcache hat gleich mehrere Menschen einige Stunden Zeit gekostet. Und wir haben das Rätsel bis heute nicht gelöst. Nicht nur das, ein anderer Cache nahe des schönen Klippenübernachtungsplatzes hat sich als recht anspruchsvoll erwiesen. Eine ziemlich Kletterei über Felsen und einen Abhang hinauf, nur um ihn dann doch nicht zu finden. Wenn der Cache aber auch an einer Stelle versteckt wurde, die gleich mehrere Sollbruchstellen an der Abbruchkante aufweist … Da hab ich die Suche doch lieber abgebrochen.

Prinzipiell jedoch ist dieses Geocaching eine nette Sache. Du findest hier an jedem Spot meist mehrere Caches in Gassi-Reichweite. Und kannst auch selbst etwas in die Dose reinlegen, z.B. einen Travelbug. Den du quasi auf Reisen schicken kannst. Andere nehmen ihn ein Stück mit und legen ihn in einer anderen Dose wieder ab. Meiner ist Ende Januar gestartet, aber noch mit mir unterwegs, werde ihn demnächst mal in so einen Cache reinlegen – mal sehen wo er dann überall rumkommt. Der Travelbug hat quasi seinen eigenen Reiseblog,  auch ohne mein zutun, wie praktisch.

Das eigentlich tolle ist aber, dass du Ecken entdeckst, die du sonst vielleicht nicht erkundet hättest. Am Praia das Furnas beispielsweise: wir mussten die Ebbe abwarten um trockenen Fußes über den Strand zu dem Cache zu kommen, der im Fels versteckt war. Und plötzlich erstreckte sich ein riesiger, perfekter Strand vor uns. Und an dessen Ende, auf den Klippen, ein zweiter Cache, versteckt in ein paar alten Ruinen.

Arbeiten am Auto: kleine und mittlere Upgrades.

Da ich gerade hier im Süden öfters und länger frei stehe als ursprünglich mal gedacht hat sich in letzter Zeit ein kleines Manko heraus kristallisiert: mir geht nach spätestens vier Tagen das Wasser aus. Und auch das Handling nervt, diese Wasserkanister sind recht unhandlich. Also verpasse ich mir ein kleines Upgrade, baue mir einfach neue Kanister rein. Verdoppele so meine Kapazitäten, von 30l auf 70l. Plus die obligatorischen 5l-Wasserfläschchen und eine volle Solardusche, so macht das 100l. Reicht locker für eine Woche.

Auto, heute mal wieder weniger aufgeräumt.
Auto, heute mal wieder weniger aufgeräumt.
Außerdem mache ich immer wieder ein paar kleinere Arbeiten am Innenausbau, quasi die Feinjustierung. So hält die Türe vom Mülleimer hält genau 5000 Schlaglöcher, dann geht sie ab. Zum Fahrerhaus hin habe ich schon länger einen großen Teppich rangehängt. Bei anderen Dingen überlege ich noch wie ich es am einfachsten löse, wie ein kleiner Vorhang im Schiebetürenfenster. Außerdem sollte meine Hecktüre neue Gardinen bekommen, möglichst lichtundurchlässige. Denn wenn ich nachts irgendwo frei stehe und das Licht an ist leuchtet das Auto wie ein Weihnachtsbaum. Unauffällig ist anders. Aber das eilt alles nicht.

Arbeiten unterwegs: Auftragslage des Todes.

Man freut sich als Selbständiger ja eigentlich über eine gute Auftragslage. Doch habe ich mich ein wenig übernommen in letzter Zeit. Reisen und Arbeiten unter einen Hut zu bringen ist nach wie vor schwieriger als gedacht. Gerade wenn du einige Tage unterwegs bist um neue Orte, Strände und Städte zu erkunden ist das mit dem konzentrierten Arbeiten etwas schwierig. Also brauche ich Reisephasen und Arbeitsphasen. Diese Woche ist arbeiten angesagt, also bleibe ich stehen. Das kostet kein Geld, bringt aber welches ein. Nächste Woche liegt der Fokus dann wieder auf dem Reisen.

So stehe ich heute, wie ich auch diesen Blogbeitrag schreibe, wieder auf meinem Lieblingshügel. Hier ist es absolut still, außer dem leicht schnarchenden Hund. Arbeiten, Gassigehen, Schreiben. Zwischendurch in gemütlicher Runde am kleinen Lagerfeuer zusammensitzen, die 20 Jahre alte Thermarest mittels Funkenflug endgültig ruinieren. Hoffen, dass der Lüfter am Laptop noch die kommende Woche überlebt. Zusehen, wie es Frühling wird, alles mit blühen anfängt, die Bienen durchdrehen.

Noch ein paar Bilder:

Es gibt schon paar tolle verfallene / verlassene Häuser, die möchte man direkt kaufen und ausbauen.
Es gibt schon paar tolle verfallene / verlassene Häuser, die möchte man direkt kaufen und ausbauen.
Ein Strand mit vorgelagerter Mini-Lagune.
Ein Strand mit vorgelagerter Mini-Lagune. Bild: Dank an Klaus
Gleicher Strand wie eben, bei Ebbe.
Gleicher Strand wie eben, bei Ebbe. Bild: Dank an mausebein.de
Stausee Arade bei Mittag.
Stausee Arade bei Mittag.
Gassi-Klippen-Wanderweg.
Gassi-Klippen-Wanderweg.
Ganz hinten rechts steht das Auto.
Ganz hinten rechts steht das Auto.
Ein verfallener Viehstall als Leinwand.
Ein verfallener Viehstall als Leinwand.
Tizon's neuer Lieblingsstrand: Carrapateira
Tizon’s neuer Lieblingsstrand: Carrapateira

Die letzten drei Wochen ging es von der Algarve nur für einen sehr kurzen, aber intensiven Abstecher zurück in den Norden. Die nächsten Wochen (Monate?) bleibe ich erstmal hier unten, denn es gefällt mir hier, es möchte noch einiges entdeckt werden. Heute gibt es mal einen „richtigen“ Reiseblog. Ohne viele Begegnungen dritter Art, dafür etwas mehr im Stile eines Reisetagebuches.


Weihnachten

Meine diversen Vorhaben für die Feiertage haben sich irgendwie in Luft aufgelöst. Weder der Campingplatz mit Wellnessbereich noch die ruhigeren Plätze an der südlichen Westküste haben das Rennen gemacht. Ich war derweil auch einfach nur schlecht zu motivieren irgendwo was Neues zu erkunden. So ist das manchmal, wenn das Immunsystem einem eiskalt in den Rücken fällt. Meine Laune schwindete zusammen mit dem Voltarenvorrat ins Bodenlose. Motivationsspaziergänge können da helfen, aber leider nicht wenn ich eine Mittelohrentzündung habe und es zieht wie im Windkanal. Oder ich frühmorgens extra eine halbe Stunde auf den Felsen rumkraxele um den Sonnenaufgang an der Felsküste zu fotografieren – und die Sonne hinter Wolken aufgeht. Oder ich zwei Wochen lang keine Nacht in den Tiefschlaf finde. Aber lassen wir das. Weihnachten wurde letztendlich also an dem schönen Plätzchen, im Folgenden bezeichnet als der „Hügel“, mitten in der Natur und der Algarve verbracht. Bei bestem Wetter und in netter Gesellschaft. Ich wurde eifrig bekocht, es wurden Wein-, Stollen- und Radlerbestände geleert, Geocachings gefunden, man saß zusammen und es gab zum Abschluss noch abendliche, selbst gebackene Schokokekse (ne, nicht von mir gebacken). Irgendwie musste ich nicht täglich abspülen und zum Mülleimer, andere schon 😉

Weihnachtsdeko gab es hier keine, dafür schöne Sonnenauf- und –untergänge. Zwischendurch noch die Erfahrung, dass halb Portugal im Wald um uns herum um halb Acht am frühen Sonntagmorgen versucht, den Sonntagsbraten zu schießen. Gut im Zielen sind sie wohl eher nicht, denn nur selten hörte man einen einzelnen Schuss – meist waren es mehrere hintereinander. Da auch das Wetter etwas anstrengend war lohnte Aufstehen nicht wirklich. Zumal bei diesen Schießkünsten eine ausgiebige Gassirunde ohnehin weniger empfehlenswert erschien. Ich will nicht wissen, wie viele Tiere (ich tippe auf Hasen und Rebhühner) schlecht angeschossen irgendwo rumliegen.

Tizon: jetzt ohne Eier.

Hinweis: Dieser Absatz ist nur für Hundebesitzer halbwegs interessant.

Schonmal versucht, einen großen Hund mit Halskrause davon zu überzeugen hoch auf den Beifahrersitz zu springen? Das Ding war nur 3 Minuten nachdem wir die Tierklinik verlassen haben wieder ab. Da brauchst du schon so einen Luxusliner damit riesen Hund mit Riesentrichter überhaupt irgendwo durchkommt.

Nach Weihnachten hatten wir also den Termin in einer Tierklinik, um den alten Herren kastrieren zu lassen. Immerhin, er bekommt viele mitleidige Blicke von männlichen Zeitgenossen, zumindest den Zweibeinigen. Als wäre es das größte Drama auf der Welt dem Hund die Eier abzuschneiden. Würde mich nicht wundern wenn bald Beileidskarten an der Windschutzscheibe klemmen.

Der Kastrationstag selbst war schlimm. Für Tizon und mich gleichermaßen. Er begann damit, dass ich schon um halb acht losfahren musste. Eigentlich hatte ich das am Vortag angedacht, aber da sich das nachmittägliche Zusammensitzen bis in den Abend hineinzog, hatte sich das ohnehin erledigt. Auch wieder interessant wie lange man bei kaltem Wind in netter Runde aushaaren kann, einfach weil es eine nette Runde ist.

Also am frühen Morgen ohne Kaffee nach Norden düsen. Dann gleich ein Schrecken: Erzählt die Ärztin mir um 10 Uhr am Morgen, dass ich den Hund erst wieder ab 18 Uhr zurückbekomme. Okay, die sind wirklich sehr gründlich, deshalb habe ich mich ja auch für die entschieden. Kann bei einem alten Hund mit (jetzt wieder auftretendem) Herzproblem nicht schaden. Dieser Tag war etwas lang und teuer. Nein, nicht wegen dem Tierarzt. Die 140 Euro sind wahrlich nicht viel. Zumal sie einige Probleme mit dem sehr verängstigten Tizon hatten. Der wollte wohl nicht so. Aber ich musste ja 8h Zeit rumkriegen. Ohne Hund an den Strand oder Spazierengehen? Irgendwie doof. Noch nichtmal zu der kleinen Geocaching-Runde lies ich mich motivieren. Also einkaufen. 2x Chinaläden, 1x Intermarche, 1x Baumarkt, 1x Klamottenladen, 1x Kiosk. Danach hatte ich erstaunlich wenig Essen im Kühlschrank, dafür ein paar neue Schuhe. Zwischendurch wurde der Waschtag eingeläutet, inklusive Vorhänge und Eckbankpolster. Was man nicht alles macht …

Also Tizon wieder abgeholt. Ich kenne viele Seiten meines verrückten Hundes, aber die total verängstigt-apatische, die war mir neu. In Santiago do Cacem hat es in Strömen geregnet. Gullideckel wurden zu sprudelnden Quellen. Wer weiß, was da für eine Brühe rauskommt, lieber woanders Gassigehen. Also ab auf die Straße, wieder nach Süden. Die ausgesuchten, in Frage kommenden Plätze lagen aber auch alle im Regengebiet. Erst als ich fast da ankam wo ich heute früh morgen losgefahren bin hörte der Regen auf. Also gut, stellen wir uns wieder aufn Hügel. Kaum angekommen, war alles vergessen. Tizon kommuniziert und kuschelt wieder mit mir, meine Kopfschmerzen und schlechte Laune sind weg. Hier ist es trocken, ruhig und windstill, es gibt Internet und sonst einfach NICHTS. Ein schöner Ort um OP-Narben ausheilen zu lassen. Zumal, wenn man 2 Wochen Wasserverbot hat. Stauseen und Strände dürfen wir in nächster Zeit also nur angucken, nicht anfassen. Das ist schon schwer hier an der Algarve. Haben eigentlich alle interessanten Anlaufpunkte doch eine gewisse Nähe zu Wasser. Ach ja, da erzählte mir die Tierärztin, dass er die nächsten Tage nicht rennen, springen oder sonstwas darf – dafür die Halskrause tragen muss. Kurze Spaziergänge an kurzer Leine soll ich machen. Upps.

Interessant war die Erfahrung, nach (genau) fünf Monaten plötzlich ohne Beifahrer zu sein. Wenn man gleichzeitig weiß, dass dieser gerade den größten Schiss seines Lebens hat, ist das echt doof. Liebe Reisende ohne Hund: Das ist etwas so, wenn Ihr die Frau am Autohof vergessen habt. Und euer rechter Platz ist leer. Das ist irgendwie doof. Und wird die nächsten paar Stunden auch nicht besser.

Silvester

Hügel. Gleiche Besetzung wie Weihnachten, alle haben den Jahreswechsel verpennt.

Kleine Rundreise durch die östliche Algarve

Nach 10 Tagen freiem Stehen und davon die meisten Tage auf dem Hügel brauche ich mal wieder etwas Abwechslung – und dringendst eine brühend heiße Dusche. Da das Wetter ohnehin zu wünschen übrig lässt, Gassigehen bei Nieselregen keinen wirklichen Spaß macht und arbeiten heute auch nicht zu meiner liebsten Beschäftigung zählt mache ich mich am Neujahrstag auf den Weg runter vom Hügel in Richtung Südküste, erst einmal nach Albufeira. Interessant, wie lange man unter einer warmen Dusche verbringen kann. Wenn die auch noch einen Wasserdruck wie ein Kärcher hat kommt man fast wie gesandstrahlt wieder raus. Schätze, der Campingplatz ist an mir nicht reich geworden. Die 6 Euro Platzgebühr hab ich schlichtweg verduscht, sorry.

Ich begebe mich für die nächsten Tage wieder etwas in die Zivilisation, einfach mal wieder ins Getümmel stürzen.  Habe ich zuletzt doch überhaupt keine Lust auf volle Stellplätze und Städte gehabt, sondern eher die Ruhe gesucht. Wird also Zeit, die Hotspots der Algarve zu besuchen. Und da der Hund noch mindestens eine Woche Wasserverbot hat begeben uns auf eine kleine Tour durch Städte und Hügel in der östlichen Algarve.

Also, wo fängt man an?
Das Touristädtchen Albufeira war schnell abgehakt. Wer gerne Nippes kauft und Fake-Döner essen möchte ist hier allerdings gut aufgehoben. Ich habe nichts Passendes gefunden, noch nicht einmal der Geocache hat sich mir offenbart.

Also weiter nach Faro, der größten Stadt in der Algarve. Nettes Sightseeing in netter Altstadt bei trübem Wetter, und weiter gedüst. Heute nochmal auf einem Campingplatz, ein ganz besonderer Leckerbissen, später dazu mehr.

Mir reicht es schon wieder mit den Städten, also weiter ins Inland,  nahe der spanischen Küste fahren wir weiter nach Norden. Park- und Stellplätze inmitten der Natur, man trifft entspannte Leute, hier ein bisschen Smalltalk, dort ein paar ausgedehnte Gassirunden – ist doch auch viel entspannter so.

Ich mache mich auf in die kleineren Städtchen im Inland. Wie Mertola, eine nette kleine Stadt mit paar historischen Gebäuden zum anschauen, mehr Dorf als Stadt. Ich stehe direkt am Fluss, auf einem gepflasterten Platz. Der verwandelt sich wenigstens nicht nach jedem Regenschauer in eine überdimensionale Schlammpfütze.  Hier stehen eine Handvoll weitere Durchreisende, die Polizei stört das nicht, macht nur nett Winkewinke, es laufen keine Generatoren – Ruhe pur und trotzdem mittendrin, geht doch. Und es ist ein schöner Ausgangspunkt für Ausflüge in die Gegend.

Wie beispielsweise die Minas de São Domingos.
Nachdem die Minen von Lousal vor ein paar Wochen mich nicht so überzeugen konnten habe ich es mal mit diesen versucht, vielleicht machen die ja mehr her. Und ein paar Geocaches sollen da ja auch zu finden sein. Also mache ich mich mittags auf, bei blauestem Himmel. Zwei Kilometer später, es schüttet wie aus Eimern. Keine Ahnung wo die Regenwolken plötzlich herkamen. Ich, Hund, Kamera, Handy, alles klatschnass. Bei windigem Wetter zurück zum Auto geeilt, die Erkältung des Todes schon fest im Blick. War ja klar, am Auto angekommen war der Himmel wieder blau. Also war wieder nichts mit Geocaching, und die Minen selbst … Naja, ich schau mir eigentlich schon gerne alte Sachen an. Historische Gebäude, raffinierte Architektur, verfallene Dörfer – faszinierend. Doch alte Minen finde ich wohl nicht so spannend. Aber immerhin, die Erkältung blieb bis aus, mein Immunsystem funktioniert wohl wieder.

Also auf zur nächsten Gassirunde, schließlich stehen wir hier im schönen Naturpark „Vale do Guardiana“. Durch diesen fließt der gleichnamige Fluss, und an dem kann man super schön laufen. Wenn der Hund ja nicht Wasserverbot gehabt hätte 😉 Zwei Stunden lang sind wir schön dem Wanderweg am Fluss gefolgt und ich habe es geschafft, dass er nicht reinspringt. Die letzten 100m waren dann aber doch zu viel für ihn – an der unmöglichsten Stelle stürzt er sich rein, diese Betonrampe hat wohl eine Einladung ausgesprochen. Ich höre nur ein großes Platsch und sehe dann einen Hund der erstmal nicht aus dem Wasser rauskommt – zu steil die Rampe. Irgendwie geht es dann doch. Einfach die Krallen ausfahren, den Allrad rein und … Nagut, Krallenschneiden brauch ich bei dem Hund wenigstens nicht.

Den Abschluss dieser kleinen Runde durch den Südosten Portugals sollte Castro Verde machen, ein schönes Städtchen. Aber der Dauernieselregen lädt eher nicht zur Bummeltour ein. Also ab auf den Campingplatz, die Infrastruktur genutzt, und dann ging es schon wieder in den Süden. Dort hatte es weniger Regen, dafür mehr Wind. Aber die Temperaturen waren etwas höher, passt also.

Lieblingsplätze:

  • Praia da Marinha: Auf dem eigentlichen Parkplatz steht da keiner, aber man kann links und rechts davon in den Büschen stehen. Das hat sich längst rumgesprochen, die guten Plätze waren schon belegt, also hab ich mich in eine Nische gedrückt wo die Großen einfach nicht reinpassen 😉 Super schöne Felsküste, man kann den Küstenwanderweg entlang laufen, ab und zu geht’s zu einem Strand runter.
  • Campingplatz in Albufeira: großer, sehr schöner Platz, die neue Nummer Eins in meinem Duschen-Ranking. Und mit 6,50 Euro auch angenehm günstig. Nutzbare Poollandschaft mit großer Wasserrutsche (die war aber leider zu), Restaurant, Supermarkt … Perfekter Ort für Schlechtwetter.
  • Mini-Hafen in Mertola: der im Womoführer angegebene Platz war nichts, oder besser gesagt nur eines: matschig. Also eine Runde durchs Städtchen gefahren, natürlich direkt verfahren, wieder eine Sackgasse gefunden – diesmal aber eine gute. Ein gepflasterter Platz, direkt am Fluss. Ein schöner Übernachtungsplatz, quasi mit eigenem Anleger und Flussterrasse.

Partielle Amnesie incoming …

Kaum mache ich mich auf die Algarve zu erkunden geht es los: Menschen, die ich unterwegs getroffen habe erkennen mich wieder. Ich sie aber nicht. Keine Ahnung wer das ist, oder wo ich sie getroffen habe. Ich muss mich aber mit ihnen unterhalten haben, denn sie wissen dass ich alleine fahre, einen Hund habe, aus Rottweil komme, selbst ausbaute … Wenn das so weiter geht kann das ja noch spaßig werden. Oder peinlich.

Dauercamping im Wohnmobil

Irgendjemand hat hier was falsch verstanden. Wer weiß, vielleicht bin das auch ich. Aber – der Sinn und Zweck eines Wohnmobiles ist doch, dass man mit den eigenen vier Wänden die Welt erkunden darf. An der Algarve, zumindest an der östlichen Südküste, scheinen die Wohnmobilisten etwas anders zu ticken. Da steht das Womo schonmal den halben / ganzen Winter über auf dem Campingplatz. Inklusive Vorzelt, Kunstrasen, riesige Satschüssel, gerne auch mal mit Gartenzaun. Und so manche Weihnachtsdeko hat die ganze Nacht lang einen epileptischen Anfall. Morgens ab 8 Uhr geht’s dann los. Es ist große Reinemachen angesagt, quasi jeder Tag ist Waschtag, Spültag, Putztag. Gut, Dauercamping ist ja an sich nicht verwerflich – wem’s gefällt soll es machen. Aber teilweise sind es echt keine schönen Plätze. Gerade die großen Luxusliner parken direkt an der Straße, kommen sie mit der riesen Kiste doch  Aber gut, jedem das Seine. Ich wundere mich nur.

Wenn ich dann noch mitbekomme, wie manche Leute benehmen … Und die Freundlichkeit der Chefin hinter der Campingplatz-Rezeption mir gegenüber zeugt davon, dass sie wohl noch schlimmeres gewohnt ist. Hier unten an der Algarve hat es Deutsche, Briten, Franzosen und Holländer. Und unter allen Nationalitäten gibt es weiße und schwarze Schafe. Da sind die Holländer, die nach dem Auschecken am Campingplatz erstmal den Taschenrechner zücken und 10 Minuten ihre Rechnung nachrechnen. Es gibt die Briten, die mir bisher kaum negativ aufgefallen sind – fällt mir gerade auf. Sehr kommunikativ und trinkfreudig sind sie. Die Franzosen ebenfalls, auf Stellplätzen kuscheln sie aber auch gerne. Die Deutschen gucken erstmal im Kollektiv wer denn da mit so einem pobligen Kastenwagen so angerauscht kommt. Abends den blöden Generator laufen lassen oder frühmorgens das ganze Auto, das können sie alle. Es gibt aber auch unter allen nette Kontakte – was auch etwas daran liegen mag, dass ich mich auf deutsch-französisch-englisch-pantomimisch ganz gut durchquatschen kann.

Egal ob Campingplatz oder Stellplatz, alles steht und fällt mit der Ecke, die man sich aussucht. Nette Nachbarn machen auch den gruseligsten Platz wieder angenehm – und andersrum. Sei es der Engländer mit seiner Rockabilly-Musik, der seine Winter bereits seit 20 Jahren in der Algarve verbringt. Oder die nette ältere Franzosen-Clique mit eindrucksvollem französischem Rotwein-Vorrat, die auch gerne mal von meinem Beirao (einem portugiesischem Karamell-Kräuter-Likör ( https://amzn.to/1UK8khL ) ) probieren. Ist aber auch echt gut das Zeug.

Angenehm ist übrigens auch, dass mich die Campingplätze hier unten nur 6 Euro pro Nacht kosten. Werde also auch noch ein paar anfahren, unterm Strich hat man doch immer wieder nette Kontakte.

Bilder

Am Rio Guardiana kann man wunderbar wandern.

Am Rio Guardiana kann man wunderbar wandern.

Da war jemand kreativ.

Da war jemand kreativ.

Minas de Sao Domingos - alte Sachen angucken.

Minas de Sao Domingos – alte Sachen angucken.

Unser Platz am Rio Guardiana in Mertola.

Unser Platz am Rio Guardiana in Mertola.

Gassirunde mit Durchblick.

Gassirunde mit Durchblick.

Kleine Wanderpause.

Kleine Wanderpause.

Trotz Badeverbot ... Hach.

Trotz Badeverbot … Hach.

Albufeira, ein touristisch erschlossenes Küstenstädtchen.

Albufeira, ein touristisch erschlossenes Küstenstädtchen.

Aus dem Auto heraus fotografiert, Mertola bei Nacht.

Aus dem Auto heraus fotografiert, Mertola bei Nacht.

Hügel.

Hügel.

Coming Next:

Das Badeverbot für Tizon ist aufgehoben, also wird es Zeit wieder an die Küste zu fahren. Unsere nächste Runde führt uns also erst an die Westküste, dann nach Süden. Der Wetterbericht sagt nur Gutes voraus, und es soll dort nicht so voll sein wie an der östlichen Südküste. Wir werden sehen …

Wirklich weit gereist bin ich die letzten Wochen zuerst nicht, meist nur kurze Strecken gefahren und auch zweimal im Kreis herum, doch jetzt bin ich erst einmal an der Algarve. Oder besser gesagt mittendrin. Aber dazu später mehr. Erstmal wie gewohnt einige generelle Eindrücke …

Multikulti in Portugal: Begegnungen, auch die der Dritten Art.

Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich touristische und einheimische Begegnungen einordnen soll. Bin heute (es ist übrigens Weihnachten, guten Rutsch auch gleich) erst seit einigen Tagen an der Algarve. Bisher erscheint es mir, dass hier einfach zu viele Touristen unterwegs sind, Wohnmobile ohne Ende. Gerade in den Küstenstädten ist es schon recht voll, wobei sich aber auch hier immer wieder necke Ecken auftun. Doch bisher hatte ich hier unten kaum Einheimischen-Kontakt, weiter im Norden ist man öfters mal mit welchen ins Gespräch gekommen. Ist aber noch zu früh für eine genauere Analyse, zumal ich die letzten Tage auch krank war, schauen wir in einem Monat einfach nochmal drauf.

Interessante Begegnungen hatte ich zwischen Lissabon und Sines, inklusive dem Hinterland. Da ist die junge Portugiesin am Strandparkplatz, die sich gerade selbständig macht, mit einem interessanten Projekt, wir haben stundenlang geplaudert.

Da war das junge Pärchen, ein anderer Strandparkplatz, das am späten Nachmittag eigentlich nur kurz etwas Tabak bei mir schnorren wollte. Zum Sonnenaufgang waren sie immer noch da. Zwischendurch hat er mal ein paar Fische aus dem Meer geholt, die kamen direkt auf den Grill.

Oder das nette deutsche, ältere Pärchen mit netter Hündin, sie wohnen einen Teil des Jahres in Portugal, haben mich zum Kaffee bei sich eingeladen. Ein sehr netter Nachmittag, mit lecker Kuchen für mich und dem besten Leckerli aller Zeiten für Tizon.

Sage und schreibe EINE alleinreisende Frau habe ich unterwegs getroffen, eine Britin. Auf einem Campingplatz in Küstennähe, wohin ich mich wegen Schlechtwetter zurückgezogen habe. Ob ich sie davon überzeugen konnte, dass die schönsten Plätze zum Stehen die wilden sind? Ich weiß nicht, ob sie sich getraut hat.

Der portugiesische Ziegenmann war ein Fall für sich: am Nachmittag kam er rüber zu uns, nachdem er schon die anderen am Roxo-Stausee vollgequatscht hatte. Ich ahnte nichts Böses. Doch als ihm klar wurde, dass ich alleine reise, hat er seine Chance gewittert. Gut, er sprach jetzt kein Wort Englisch, aber so viel habe ich verstanden: Er wollte Schnackeln, und hätte gerne mit Milch und Käse bezahlt. Da hab ich irgendwie nicht angebissen, und so hätte er dann doch noch einen Hunderter rausgerückt. Habe nein gesagt, ihn ein bisschen ausgelacht (btw, der war mindestens 70 oder so), ihm einen schönen guten Tag gewünscht. Und er lehnte einfach an meinem Auto. Ich würde sagen, er hat was an den Augen. Diese Zwinkerei kann nicht gesund sein. Und woanders hat es ihn wohl öfters mal gejuckt … Mir sind so schöne deutsche Sprüche eingefallen – ob er Augentropfen braucht, oder Frontline … Also mache ich das Auto zu, schnappe mir den Hund, gehe Gassi. 15 Minuten später bin ich zurück, er hat sich jetzt vors Auto auf einen Stein gesetzt. Jetzt wissen wir es: ich kann innerhalb 1 Minute einpacken und abfahren. Ein Typ der Kategorie total harmlos, aber total nervig.

Die eher durchwachsenen, aber immerhin kurzen Begegnungen waren mit deutschen Reisenden auf Stellplätzen – kann man nicht anderes sagen. Da ist der deutsche Stellplatznachbar, der noch nicht einmal ein Hallo rausgebracht hat. Egal, seine Hündin war weitaus kommunikativer. Er dann auch, zumindest gegenüber seinem Reisekumpel, man hat sich nämlich über den Platz hinweg etwas lauter unterhalten. Heute gab’s wohl Pizza Margherita, morgen probiert er mal die Pizza Salami aus.

Dann gibt’s da ja wohl noch dieses Kastensystem unter den Wohnmobilfahrern. Und mit einem Kastenwagen, auch noch selbst ausgebaut und dreckig ohne Ende, stehst du da wohl ganz unten in der Hierarchie. Ob das wirklich so ist, ich weiß es nicht. Aber wenn, dann ist das wohl eher ein deutsches Gehabe. Ob es die Briten mit ihrem Luxusliner sind, die mich auf einen Umtrunk eingeladen haben (6 Leute und 3 Hunde passen da locker rein), oder die Franzosen, die grundsätzlich sehr herzlich und gut drauf sind (vor allem, wenn man sie mit Bonjour begrüßt), oder die Schweizer mit ihren stets schicken Womos – auch Holländer und Deutsche trifft man hier einige, und irgendwie abweisend waren sie bisher nicht. Kann durchaus daran liegen, dass die Neugier obsiegt, allein reisende Frau und so. Und Tizon macht den Rest klar: „Oh, this is an adorable old dog!“.

Tizon: mit manchem portugiesischen Rüden auf Kriegsfuß

In Sines, wir stehen direkt am Strand, mit Blick auf das Meer und die großen Containerschiffe, die vor der Küste ankern. Der Strandhund war etwas frech und dominant, beim Strandspaziergang hatten wir die erste richtige deutsch-portugiesische Klopperei. Die ging über drei Runden, inklusive Verfolgungsjagd über den Strand – meiner kam  nach 2 Minuten wieder zurück. Da hinten gab es wohl nochmal Kloppe, das war meinem dann wohl doch zu heiß – mit mehreren Hunden legt er sich glücklicherweise nicht an. Drei Runden, und es ist kein Blut geflossen. Also mal wieder alles nur Show. Eine Standpauke gab’s trotzdem.

Meine Lieblingsplätze in den letzten 3 Wochen

Das wird jetzt schwierig, eigentlich hätte ich bestimmt 10 tolle Plätze. Meine Route führte mich von der Westküste ins Hinterland, zurück zur Küste und wieder ins Hinterland, dann zur Südküste – und stehe jetzt wieder über die Feiertage im Hinterland. An den Küsten gibt es tolle Strände und nette kleine Städtchen, im Hinterland ist etwas hügeliger und ruhig, es hat lauter nette Stauseen.

  • Ilha do PessegueiroIrgendwo südlich von Porto Covo:
    Wenn der offizielle Stellplatz von Porto Covo schon im Vorbeifahren gruselig (groß, sandig und voll) erscheint, fährt man am besten gleich vorbei. Und einfach noch ein Stückchen die Küste entlang. Ohne Navi, ohne Karte, einfach auf gut Glück. Da tut sich dann ein netter Platz auf, oben auf den Klippen, dazu ein erstklassiger Strand. Also stehe ich 2 Tage am Fort de Passedeiro, mit Blick auf gleichnamige Insel, direkt überm Strand auf den Klippen. Mit einem netten Restaurant in der Nähe zum Käffchen trinken. 4 Autos, 5 Pferde und 3 Hunde kamen zwischendurch vorbei. Und auch mal ein, zwei andere Wohnmobile, die diese sehr holprige Anfahrt wohl auch nicht scheuten. Ich gewöhne mich so langsam an diese Pisten, findet man an deren Ende doch meist ein hübsches Plätzchen.
  • Barragem do AradeBeim Barragem do Arade:
    Ein nettes, ruhiges Plätzchen in den Bergen, nahe Silves im Herzen der Algarve. Herrlich, wenn du morgens einfach die Hecktüren aufmachst und in der Sonne einfach noch ‘ne Runde weiterpennst. Oder Emails beantwortest. Bis die große Jagdgesellschaft anrückt: 30 Mann, alle Hundert Meter haben sie einen vom Pickup gelassen, der sich dann mit rotem Kappi und Schießgewehr am Wege positioniert hat. Kurz bevor sie die 20, schon recht aufgeregten, Hunde rausgelassen haben bin ich losgedüst. Dabei bin ich fast nicht aus den Federn gekommen: am Tag zuvor gab‘s die Gassirunde des Todes. Zwar nur fünf Kilometer, aber ich habe mich natürlich wieder verlaufen, und auf dem letzten Kilometer war ein heftiges Stück mit bestimmt 30% Steigung dabei. Stockfinster haben wir es noch zurück geschafft, aber die Waden waren erstmal hinüber.
  • Zwischen den Büschen versteckt am Praia Grande.Praia Grande bei Armacao de Pera:
    Am eigentlichen Strandparkplatz war ein „Wohnwagen verboten“ – Schild, also habe ich erstmal mit dem Hund die Gegend erkundet. Strand und Dünen sind super, und ein Blick hinter die Dünen ergab: hier kannst du stehen. 3 Meter hohe Büsche, dazwischen kann man schön versteckt stehen. Falls doch mal die Gendarmerie hinten an der Straße vorbeifährt sieht sie mich nicht. Es hat 25 Grad, alle 3 Stunden gehen wir an den Strand vor, dazwischen bisschen arbeiten und paar Sachen am Auto richten. Es gibt hier erstaunlich viele Tiere: Mäuse, Hasen, Vögel – und Hunde, die Hasen hinterher jagen. Meiner war nach dem dritten erblickten Hasen dann auch im Jagdmodus, durfte also an die Schleppleine. Plötzlich saust ein Schäferhund direkt an uns vorbei, einem Hasen hinterher. Hat wohl nicht gesehen, dass die Futterbox noch draußen stand. Das Buffet war angerichtet. Ach ja, ist wohl ein lokaler Sextreff hier. Radfahrer und Autos fahren teils seeeehr langsam vorbei. Ein paar Interessierte hat der Hund verbellt, der andere hat mein Kopfschütteln verstanden und akzeptiert, ansonsten ist es wunderbar ruhig. Ich war nur ein paar Kilometer an einem anderen schönen Platz, dem Praia da Marinha. Davon gibt es weiter unten paar Bilder.
  • Stellplatz in Silves:
    Ein Stellplatz am Fluss, der allerdings recht voll war, besiedelt mit Deutschen, Engländern und Holländern, und dann auch noch die Handmusik vom Platznachbarn … Aber: In 5 Minuten kannst du zu Fuß in die Stadt, die wirklich nett ist. Und nebenan ist ein super Schwimmbad, mit Whirlpool, Sauna und Dampfgrotte. Und um uns herum das städtische Freizeitareal, schön zum Spazieren. Über Nacht bin ich dann zwar doch nicht geblieben, war mir einfach zu voll. Werde aber wiederkommen und das Städtchen noch genauer inspizieren.
  • Campingplatz bei Armacao de Pera:
    Für 5,20€ bekommst du: super Duschen, Ver-Entsorgung, anständiges Wlan, kleine Poollandschaft, und die übliche Infrastruktur. Wama + Trockner haben sie auch, der Hund ist gratis, die Leute super nett, alles ist sehr weitläufig und nicht überlaufen. Die Straße ist tagsüber bisschen lauter. Der perfekte Platz für einen Regen-Wasch-Arbeitstag. Und zum Staunen, wie sich manche Urlauber hier häuslich eingerichtet haben. Stehen teilweise wohl länger hier – mit Gartenzaun, Pavillon, Auslegeware … Wem’s gefällt.

Arbeiten unterwegs: Jahresendsaison macht Stress.

Zwischendurch war erst für ein paar Tage das Internet weg, dann der Surfstick kaputt. Also musste ich in großer Hektik einen kleinen, teuren, mobilen Router kaufen. Wehe, das Ding hat einen Sim-Lock drin. Momentan arbeite ich an tausend Baustellen, ist also wie immer im Dezember recht stressig. Und diese neu aufgesetzte, episch lange Todo-Liste nervt mich jetzt schon.

Also stehe ich schon mal 2-3 Tage hinter den Dünen oder auf dem Berg, um in Ruhe arbeiten zu können. Rumfahren, Plätzchen suchen, Stadt und/oder Umgebung erkunden, einkaufen, Käffchen trinken – das raubt alles etwas Zeit, und Schwupps ist ein halber Tag rum. Bis zum Jahreswechsel muss ich noch einiges wegarbeiten, denn ab Januar sollen neue Projekte starten. Also, unterwegs sind es doch irgendwie die gleichen Probleme wie zuhause. Nur mit dem Unterschied, dass ich hier Weihnachten schön ruhig auf einem Berg stehe, so richtig in der Wildnis und in der Sonne, zusammen mit zwei anderen deutschen Alleinfahrern. Und solange es windstill ist, habe ich gute Chancen, dass auch meine Mittelohrentzündung die nächsten Tage abklingt.

Coming Next: Tizon kriegt die Eier ab.

Ein alter Hund mit Prostata-Problemen, war ja klar, dass diese sich jetzt manifestieren. Deshalb waren wir in der Klinik, die Google-Diagnose bestätigen lassen und einen Termin für die Kastration ausmachen. Mag sein, dass der volle Checkup etwas zu übervorsichtig ist, kann aber auch nicht schaden. Also 90 Euro investiert, was recht günstig ist – für Untersuchung, Langzeit-EKG, Röntgen und Bluttest. Dann noch weitere 60 Euro ausgegeben, dass der Herr sich hier im Süden nichts einfängt. Leishmaniose und Herzwürmer sind hierzulande wohl das größte Problem. Brauchen wir beides nicht, also wird Vorsorge getroffen. Operiert wird er dann erst nach Weihnachten, denn sein Herz war nicht sauber (eine ältere Sache), er muss gerade noch ein paar Medikamente schlucken. Langsam hat das Hündchen mehr Pillen im Schrank als ich. Und wir müssen nochmal zurück gen Norden für diesen Termin. Dann bin ich gespannt: Im Idealfall ist nicht nur mit der blöden Prostata Ruhe, sondern auch das Rumgezanke mit den anderen unkastrierten Rüden. Meine Hoffnung hält sich zwar in Grenzen, stirbt aber zuallerletzt.

Und hier kommen sie, die letzten Bilder mit dem Tizon, solange er noch ein „ganzer Kerl“ ist. Und ein paar Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, ich lerne gerade (mal wieder) meine Spiegelreflexkamera zu bedienen. Langsam blicke ich durch. Über meine Fortschritte beim Portugiesisch lernen hingegen reden wir bitte nicht.

Praia Grande, morgens um halb acht. Früher Vogel ... Bäh.
Praia Grande, morgens um halb acht. Früher Vogel … Bäh.
Sonnenuntergang bei Sines. Näher am Meer parken geht nicht.
Sonnenuntergang bei Sines. Näher am Meer parken geht nicht.
Frühsport mit Tizon: mal schauen wie lange das Spielzeug hält.
Frühsport mit Tizon: mal schauen wie lange das Spielzeug hält.
Felsenküste am Praia da Marinha: Ich glaub die starren mich an.
Felsenküste am Praia da Marinha: Ich glaub die starren mich an.
Historische, begehbare Kupfermine von Lousal: Der See hat rotes Wasser.
Historische, begehbare Kupfermine von Lousal: Der See hat rotes Wasser.
Federvieh.
Federvieh.

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Langsam wird es emotional zwischen mir und meinem Navi, es entwickelt sich eine ausgewachsene Hass-Liebe. Einerseits berechnet er mir manchmal total bescheuerte Strecken. Andererseits würde ich vermutlich nur halb so viel von diesem schönen Land sehen, würde es mich nicht durch Portugal navigieren wie ein besoffener Matrose.

Strand und Meer, Stadt und Shopping, Berge und Stausee

Inzwischen haben sich drei verschiedene Reise-Zwischenetappen hier in Portugal herauskristallisiert: Entweder du stehst am Strand, am liebsten hinter oder auf den Dünen / Klippen, nahe einer Stadt oder auch nicht. Oder du fährst ganz bewusst in eine Stadt, am liebsten in eine mit historischer Altstadt (haben sie eigentlich fast alle) und am Markttag. Oder du begibst dich ins Outback, suchst die Einsamkeit – das geht gerade in der Nachsaison ganz wunderbar im Osten des Landes, in irgendeinem beliebigen Naturpark. Da gibt’s Berge und diverse Stauseen, drumherum und mittendrin.

Jedes dieser Ziele hat seinen besonderen Reiz, und das Schöne ist: du musst nicht ewig lange fahren um dir einen Tapetenwechsel zu gönnen. Am Morgen war ich noch im Naturpark Serra da Estrela, auf einem kleinen Campingplatz. Mittags bin ich losgefahren, nach Caimbra, eine Universitätsstadt mit viel Charme, einer netten Altstadt und modernen Shoppingmalls. Am Nachmittag stehe ich direkt am Atlantik, auf einem Strandparkplatz am Rande eines Dorfes, und jage den Hund über den Strand. Und alles für sich hat seinen ganz besonderen Reiz. Im Naturpark „Serra da Estrela“ war es superschön, aber sobald die Sonne verschwunden ist auch ziemlich kalt. Caimbra ist eine wuselige Stadt, super zum Einkaufen und Bummeln, doch zum Übernachten bin ich ein Stück weiter gefahren ans Meer. Aber genau das ist ja das tolle an Portugal: du wachst morgens in den Bergen auf, und in nur 2 Fahrtstunden bist du am Atlantik.

Schauen wir doch mal, was für Beobachtungen ich die letzten Wochen machen durfte …

Portugiesische Köter und Katzen

Hundephobiker und Katzenhasser dürften es schwer haben in Portugal. Hunde gibt es viele, und normalerweise laufen sie ohne Leine. Ich muss leider etwas aufpassen, denn meiner kann ganz schön doof werden wenn er einen anderen Rüden nicht riechen kann. Oder dieser zu schnell angerast kommt. So manch ein Pinscher mit Rottweiler-Ego macht das schonmal. Dass meiner dann total aufgeregt und stinkig ist, da sind sie dann immer ganz erstaunt. Kennen sie wohl nicht. Generell sind portugiesische Hunde bestens sozialisiert, zumindest die frei rumlaufenden. Die wollen auch keinen Ärger. Manchmal sieht man auch kleine Rudel, die auch überraschend gut in Schuss sind, also nicht verwahrlost erscheinen. Ich denke, die laufen einfach tagsüber durch die Gegend, haben dann aber doch eine Basis / ein Zuhause.

Das genaue Gegenteil ist das, was ich bei den Dörfern im Osten des Landes gesehen habe. Große Hunde an kurzer Kette. Es ist echt widerlich. Gut, dass man hier gerade große Hunde nicht frei rumlaufen lässt kann ich verstehen, angesichts der unzähligen Katzen. Aber was bringt so ein Hund an der 2m kurzen Kette? Also Gassi geht garantiert keiner mit denen, und ich bezweifle es auch dass sie überhaupt mal von der Kette loskommen…

Was auf den französischen Campingplätzen der Platzhund ist, ist auf den portugiesischen Plätzen das hauseigene Katzenrudel. Also fünf sind das Minimum. Und die sind frech, Profis im Betteln. Und diese Rudel gibt es in jedem Dorf, mehrfach. Es fällt ihnen nicht ein ihren Hintern vom Gehweg wegzubewegen, nur weil da mein großer, aufgeregter Hund daherkommt. Und besagter Hund, der setzt sich 2m vor der Katze einfach auf die Straße, und der Hintern klebt am Boden, es wird sich kein Millimeter bewegt. Es könnte ein Lastwagen anrauschen, er würde es nicht bemerken. Aber sind ja nur 30kg die ich von der Straße zerren muss, kein Problem …

Portugiesische Straßen

Habe ich schon erwähnt, dass mein Navi einen totalen Sockenschuss hat? Ich fahre keine Mautstraßen, und so düse ich ganz bewusst durch kleine Käffer und Städtchen. Hier ein kleiner Berg zum Rauflaufen, dort historisches Gemäuer zum Angucken, dann wieder was Neues zum Einkaufen… Ich habe es nicht eilig, der Winter hat ja gerade erst angefangen, also praktiziere ich Very-Slow-Travel.

Doch so manche Abkürzung die mir mein Navi vorschlägt ist wirklich abenteuerlich. Mal soll ich auf einer Sandpiste den Berg runter holpern, da hab ich mich geweigert und bin umgedreht. Dann wieder leitet er mich durch die engsten Kopfsteinpflaster-Gassen, die immer enger werden. Mein Auto hat jetzt übrigens einen wirklich gewaltigen Kratzer auf der linken Seite. Dann das Highlight: ich hatte vergessen die „unbefestigten Straßen“ aus der Routenführung wieder rauszunehmen. In meinem Leben habe ich noch nie solche Schlaglöcher gesehen. Fast 2km lang ging es über eine geteerte Straße, die aussah wie nach einem Asteroideneinschlag. Im ersten Gang bin ich über die Löcher geschaukelt.

Überhaupt, die portugiesischen Landstraßen sind sehr unberechenbar. Erst die totale Schlaglochstraße, dann irgendein komischer rauer Straßenbelag, der übergeht in eine frisch geteerte Straße, glatt wie ein Babypopo. Zweihundert Meter später: Kopfsteinpflaster. Mal schauen ob ich das durchhalte, oder ob ich doch noch auf die Autobahn zurückgreife. Teurer als neue Stoßdämpfer kann die Maut auch nicht sein …

Und, umso weiter es Richtung Süden und die Algarve geht, desto schlimmer werden die Straßen. Das kann ja noch lustig werden.

Portugiesisches Shopping

Märkte: Zigeuner- und Wochenmärkte, Municipal in der Markthalle, Freiberufler am Straßenrand. Regionale Sachen kaufe ich ganz gern, und der Obst-/ Gemüseanbau ist in Portugal ja recht populär. So kann man schonmal was am Straßenrand kaufen, jetzt im Herbst sind es vor allem Kürbisse und Ess-Kastanien, aber auch Zitrusfrüchte. Wer es etwas zivilisierter mag geht in die Markthalle, die gibt es in jeder mittelgroßen Stadt, hier bieten die regionalen Bauern ihre Ware feil. Sind dabei jedoch leider teilweise recht aufdringlich, zumindest mir gegenüber. Habe als Blondine wohl „Touri“ auf der Stirn stehen. Wer Märkte mag geht auf die Wochenmärkte. Auch hier gibt es regionale Anbieter, die meisten kaufen ihr Obst und Gemüse jedoch vermutlich auf dem Großmarkt, zu groß ist die Auswahl also dass es Selbstanbau wäre. Hier hat man aber die Chance regionale Handwerkskunst und auch einige kulinarische Spezialitäten zu erstehen. Und das typische Zeugs, das die Gipsys so verkaufen, vor allem aus Leder und so.

China Stores: Brauchst du Kram, gehst du in einen möglichst großen Chinastore. Die sind nämlich super gut sortiert, billig – und haben manchmal ganz nette Sachen. Dort gibt es auch Klamotten, aber die sind jetzt nicht ganz so mein Geschmack. Teppiche, Adapter, Kabel, Dekokram, Nähzeug, Taschen, Werkzeug … Tausend Dinge, auf 2 Meter hohen Regalen, ordentlichst einsortiert. Wenn du irgendwas für dein Womo brauchst, im Chinaladen hast du gute Chancen fündig zu werden.

Supermärkte: Continente, Intermarche, Lidl, Mini Preco. Irgendwie haben sie alle das Gleiche, ich kann bei den ganzen Supermarktketten keine signifikanten Unterschiede feststellen. Inzwischen mache ich es wie andere Wohnmobilreisenden: ich gehe oftmals in den Lidl für den Grundbedarf, vor allem wenn sich die Lust zum Einkaufen in Grenzen hält, da ist man schnell wieder draußen.

Für Womo-Reisende ist aber auch der Intermarché interessant. Der hiesige in „Vila Nova de Santo André“ beispielsweise hat noch eine günstige Tankstelle, eine Ver- und Entsorgung (also Wasser), einen Meo-Shop, einen Bankautomaten, und Waschmaschinen (8kg in 30min). Ein Stopp, alles erledigt.

Ansonsten empfehle ich die Minimercadeos in den Dörfern. Zumindest für Jene, die gerne regionale Produkte ausprobieren. Der Käse aus der Serra da Estrela, der Wahnsinn.

Mein neuer Favorit: Decathlon, der Sportladen. Eigentlich wollte ich heute nur etwas Campinggas kaufen, doch es wurde etwas mehr. Die haben aber auch viel: Schuhe und Klamotten, Campingzeugs, Equipment für alle erdenkliche Sportarten.

Meine Highlight-Übernachtungsplätze:

Albufeira da Barragem do Alto Rabagao: Stausee mit Glockenspiel und Ziegenherde. Am Südufer, auf ein paar Felsen, nahe der Uferstraße, bin ich gestanden. Und weil es ganz nett war, gleich für ein paar Tage. Das mobile Internet war dufte, das Wetter auch. Eine Hundeleine brauchte ich kaum, nur wenn die tägliche Ziegenherde mal wieder vorbeikam. Denn die Hütehunde waren so sehr auf Tizon fokussiert, dass sie wohl ihren Job vergessen haben. Oder der Hirte schreit seine Ziegen grundsätzlich ständig an, kann schon sein. Jede halbe Stunde gab es vom anderen Stauseeufer aus ein Glockenspiel, von der dortigen Kirche. Eigentlich ganz schön, aber ich glaub es würde mich auf Dauer nerven. Ansonsten hatten wir den Platz für uns ganz alleine, es war wunderbar ruhig. Und ein Sternenhimmel, grandios.

tizon-serradaestrelaNaturpark Serra da Estrela, wir schlafen über den Wolken. Einfach, weil es unten im Tal vermutlich regnet. Man fährt den Berg rauf und macht sich schon jetzt Sorgen um die Bremsen, die sind beim Ducato ja bekanntermaßen nicht die besten. Egal, es geht noch weiter rauf – denn auf dem Parkplatz auf 1500m, den ich mir im Womoführer ausgesucht habe, hängen die Wolken. Ist ja doof. Also weiter rauf, nochmal um 500 Meter, auf ganze 2000m. Das passt wie Deckel auf Eimer: wir sind jetzt keine 50 Meter ÜBER den Wolken. Genauer gesagt über einer sehr geschlossenen Wolkendecke. Es gibt also keinen wirklich guten Grund heute noch runter zu fahren, da unten wird es wohl regnen. Also bleiben wir hier oben in der Sonne stehen. Wohl wissend, dass es in der Nacht wohl etwas kühler werden wird. Was sich auch bestätigt hat. Am nächsten Morgen ab 10 Uhr war die Sonne wieder stark genug, bestes T-Shirt-Wetter. Und wir sind gemütlich wieder runter gefahren.

barragemBarragem do Pego do Altar: Ein Wahnsinns Sonnenaufgang. Und die totale Ruhe, vor allem nachts. Man steht ca. 100m vom Ufer entfernt, wegen dem relativ niedrigen Wasserstand. Der See selbst ist laut Googlemaps riesen groß und weit verzweigt. Ein Kajak wäre zum Erkunden genial gewesen. Hier stehen auch einige Deutsche, für mehrere Tage. Sie machen hier offenbar eine Ruhepause auf ihrer Fahrt in Richtung Algarve. Nur der Empfang ist bescheiden. Doch nicht nur deshalb bin ich weiter: irgendwie war es zwar super schön hier, doch habe ich nach zwei Tagen ohne Internet gassimäßig die Gegend mehr als ausreichend erkundet.

fontainhasDer Strand bei Fontainhas: Am Ende einer Rumpelpiste gibt es einen großen Parkplatz im Nirgendwo, mit tollem Blick auf das Meer. Es kommen einige Einheimische zum Angeln oder Gassigehen her, die Strandbar hat leider zu. Der Strand selbst ist riesig, ein Ende mit bloßem Auge nicht zu erblicken, aber leider zu weich um länger daran entlang laufen. Richtig nette Kontakte zu mehreren einheimischen Leuten gehabt. Die anderen Womos hier sind auch deutsch – zu diesen hat sich kein Kontakt entwickelt. Nur das Internet geht leider nicht, weshalb ich auch nur für eine Nacht geblieben bin.

Menschenkontakte unterwegs

Was mir in letzter Zeit auffällt: die Portugiesen sind echt nett, offen und freundlich. Und an manchen Orten habe ich mehr Kontakt zu Einheimischen als zu anderen (deutschen) Reisenden. Zugegeben, ich bin jetzt niemand, der auf andere aktiv zugeht, ihnen ein Gespräch reinhängt. Manchmal passt es eben, manchmal nicht – ist ja auch nicht schlimm. Doch ist es manchmal schon sehr auffällig, gerade in der letzten Woche: Anstatt mit den um mich herumstehenden Touristen, die teilweise auch Deutsch oder Englisch fließend sprechen, unterhalte ich mich mit Portugiesen. In sehr holprigem Englisch (meist auf beiden Seiten), mit Hand und Fuß. Und mehrmals jetzt war ich auch die Einzige am Platze, die diese Kontakte mit den Locals hat. Tja Leute, ich hab jetzt Insidertipps 🙂

Aber woran liegt das? Weil ich alleine reise, eine Frau bin, einen Hund hab, oder ein selbstgebautes Lowbudgetauto? Oder vielleicht alles zusammen? Mal sehen, vielleicht komme ich noch drauf.

Damit bloß keiner allzu neidisch wird: Pechsträhne ongoing.

Nach dem Sturm folgte Regen. Und, als ob das noch nicht blöd genug gewesen wäre: mein Laptop bootet nicht mehr. Es ist Wochenende, und ich habe die Wahl: es selbst versuchen oder morgen einen Reparaturdienst aufsuchen. Dazu muss man wissen, dass mein DVD-Laufwerk schon länger defekt ist. Machte bisher nichts, kein Mensch braucht heute noch DVDs. Außer natürlich, man muss die Recovery-DVD einwerfen. Also einen kompletten Samstag damit verbracht den PC wieder ans laufen zu bekommen. Dann einen kompletten Sonntag mit der Neuinstallation von 20 Programmen. Und, es war ja klar: zwar sichere ich alle wichtigen Dateien einigermaßen regelmäßig, doch war das letzte Backup wohl fehlerhaft: meine Buchhaltung der letzten anderthalb Jahre hat sich soeben in Luft aufgelöst. Und nächsten Monat ist eine Steuererklärung fällig. Also, was werde ich an Weihnachten wohl auch dieses Jahr wieder machen? Jawoll.

Meine „Reiseplanung“

Momentan bin ich südlich von Lissabon, habe es also noch nicht in die Algarve geschafft. Überlege gerade, ob ich weiter nach Süden fahre oder erst noch in den Osten, da hat es noch einige nette Stauseen, Städtchen und Hügel die nett sein sollen. Ich denke, das Wetter muss entscheiden. Was es werden wird, das siehst du dann auf Instagram.


Bisherige Reiseroute:

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Paar extra Bilder
Ja, es ist mal wieder der Hund drauf. Ist nunmal so: Zum Gassigehen nehme ich die Kamera manchmal mit, sonst eher weniger…

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Mit dem Wohnmobil nach Portugal

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Reisebericht: 5 Tage in Lissabon

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