Ich bin immer wieder selbst überrascht, was es doch alles zu erzählen gibt – obwohl wir in den letzten vier Wochen keinen Meter gereist sind. Und wenn ich daran zurück denke, wie wenig in meinem früheren Leben in vier Wochen passiert ist. Da geht hier ja richtiggehend die Post ab.


Rumstehen am Lieblingssee im Centro

Den ganzen Oktober stehen wir jetzt schon wieder hier am See rum, Zeit für einen kleinen „Zu-Faul-Zum-Reisen-Blog“.

Standort

Was macht man so in vier Wochen an einem Fleck? Immer wieder treffen wir auf Menschen und Meinungen, die eher zügiges Reisen propagieren. Spätestens alle zwei Tage muss es weiter gehen. Dabei haben die meisten, die wir in Portugal mit dem Wohnmobil antreffen, eigentlich Zeit ohne Ende. Nur Wenige hasten in wenigen Wochen Jahresurlaub durch das Land.

Wir arbeiten in unserem Haus am See, genießen dabei den Blick und die letzten Tage des Spätsommers. Zwischendurch gibt es etwas mehr Arbeit, ein neues Hundekind, einige unruhige Nächte wegen dem nachtaktiven Hundekind, heftige Wetterwechsel, die mit heftigen Kopfschmerzen daher kommen, und wir erledigen auch sonst noch Einiges. Der Ducato bekommt seine jährliche Frischzellenkur, dieses Mal in Form von neuen Bremsbelägen, und sie fummeln irgendwas an der Vorderachse rum (Querlenkerkopfspurstangendingens). Max bekommt einen Checkup beim Onkel Doktor, wir gehen mehrmals essen und einkaufen, machen Ausflüge, gehen zum Hundeshopping, absolvieren diverse Sitzkreise … Puh, da war doch ganz schön was los.

Seeblick Fenster

Hier also mal ein paar Highlights:


Bevor Leslie umdekoriert, parken wir lieber um

Ein Orkan rast Mitte Oktober auf Portugals Westküste zu. Der soll Böen bis zu 190km/h im Gepäck haben. Da ich weiß, wie sich 120km/h im Wohnmobil anfühlen, weiß ich auch, das ist schon sehr heftig. Wenn dich so eine Böe erwischt, dann kann das böse ausgehen. Der Orkan könnte bei uns im Osten des Centro vorbei kommen, da sind sich die Prognosen nicht ganz einig. Vor Böen von bis zu 140km/h wird gewarnt. Die große Gefahr ist also nur an der Küste, wo der Orkan anlanden soll. Bis er bei uns ist, soll er sich schon etwas abgeschwächt haben.

Überlauf Max

Wir beschließen, dass wir keinen Bock auf eine unruhige Nacht haben. Egal ob es richtig stürmt oder nicht, wir bringen unser Wohnmobil lieber in eine windgeschützte Ecke. Bei der Staumauer, hinter einem Hügel, ist es dann auch tatsächlich windstill, und nicht nur wir verziehen uns hierher. Die anderen Nachbarn der deutschen Kolonie kommen mit. Auch eine schwedische Familie und einen Blogleser lotsen wir noch hierher. Lieber selbst umparken, ehe es der Wind tut.

Überlauf Womos

Am Abend kommt Wind auf, es gewittert auch etwas. Doch dann wurde es ruhiger statt schlimmer. Glaube ich zumindest. Denn der abendliche Stuhlkreis fiel für meine Verhältnisse etwas sehr alkoholisch aus, ich hatte also gut einem im Tee, da hätte morgens um fünf sonstwer vorbeikommen können …

Überlauf Kuschelcamping

An anderen Orten in Portugal hat der Sturm weitaus mehr angestellt. An der Westküste des Centro um Figueira da Foz hat es einige Schäden gegeben, es fehlt etwas (viel) Sand am Strand und es hat wohl auch einige Wohnmobile die Fenster rausgedrückt. Viele Bäume wurden entwurzelt, und tausende Menschen waren tagelang ohne Strom, weil es auch Strommasten umgehauen hat. Davon jedoch haben wir hier nichts mitbekommen. Glück gehabt.


Wandern à la crosli & AMUMOT: Immer den Kuhfladen hinterer

Von der einen Seite sind wir ja bereits öfters im Überlauftunnel zum Fotografieren gewesen, was aber gibt es auf der anderen Seite zu sehen? Wir wollen es herausfinden und machen einen Ausflug, mit den Kameras und mit Max. Unser Ziel: die Rückseite des Überlauftunnels. Da gibt es nicht wirklich einen Weg hin, dafür aber jede Menge Brombeersträucher. Wirklich fiese Teile. Jeder von uns bleibt an einem so richtig böse hängen. Ich hole mir blutige Beine, Andre erwischt es an den Armen. Da hat man noch wochenlang was von.

Wir erreichen den Eingang zum Tunnel, und jetzt wird’s ein bisschen lustig: Max blickt es nicht, und denkt, dass das Grüne eine Wiese ist. Ops. Leider gibt es kein Bild davon wie er reinfällt. Denn ich muss ihm wieder raus helfen, und zwar ohne, dass die Kamera (oder ich) dabei baden geht.

Grüner Wiesensee

Weil der Abstieg zum Tunnel so doof war, versuchen wir einen anderen Weg zurück zur Straße. Wo eine Kuh durchkommt, da müssten wir doch auch durchpassen, oder? Also immer schön den Kuhfladen hinterher. Das war dann der „Weg“, dem wir folgen:

Wanderweg

Die Kuh ist echt hart im nehmen. Ich jedenfalls habe mir ein paar blaue Flecken zugezogen.


Feste feiern im Centro? Da geht noch was!

Die 1. Nationale Mofa- und Motorrad Convention in Idanha-a-Nova wird vom örtlichen Mofa- und Motorradclub ausgerichtet. Diese Zweiradclubs gibt es in ganz Portugal. Wenn es dumm läuft, hast du im Sommer eine sonntägliche Mofaausfahrt auf der Landstraße vor dir herfahren. 200 Mofas überholen, das dauert! Aber hier ging es ums Feiern, und das Fest war super vorbereitet: am Abend spielen Bands auf, für Getränke und Essen ist gesorgt, alles top organisiert. Nur das mit der Werbung, das hätten sie etwas ernster nehmen sollen. Wir waren die einzigen Touristen, und abgesehen vom heimischen Mopedclub, der wohl kaum mehr als 15 Mitglieder hat, war kaum jemand da. Schade drum, und als Veranstalter ist das mal echt doof.


Im Zeichen des Hundes

Dass jetzt das Hundekind „Ziva“ neu in unserem Rumtreiber-Rudel ist, habe ich ja schon HIER verbloggt.

Ziva Schlagzimmerblick

Seit einer Woche ist sie jetzt bei uns, und es ist faszinierend, wie sie sich täglich entwickelt. Sie wird immer lebendiger und selbstbewusster. Das ist gut für Max, denn umso mehr sie ihre eigenen Wege geht, desto weniger hängt sie an seinen Lefzen. Tatsächlich macht sie das nur noch, wenn sie ihre 10 Sekunden hat.

Ziva unterm Tisch

Ansonsten heißt es bei uns gerade: „Was klein Ziva nicht lernt, das lernt groß Ziva nimmermehr“. Und damit meine ich nicht Sitz-Platz-Fuß. Das lernt sie auch, aber nur so nebenher, mit der üblichen klassischen Konditionierung. Der Fokus liegt momentan darin ihr beizubringen, was sie NICHT tun soll. Nichts vom Boden essen, nicht zu weit weg laufen, nicht die Kühe anbellen, nicht den Hosenknopf wegknuspern, sowas halt. Zwischendurch üben wir noch so Dinge wie an der Leine durch’s Dorf mit lauter Katzen laufen, im Ducato mitfahren, für zwei Stunden alleine (mit Max) im Wohnmobil bleiben, und wie man den Nachbarn dazu bringt, sich möglichst lange kraulen zu lassen. Die „besten“ Sachen lernt sie natürlich von Max.


30 Kilo Buch

Ach ja, zwischendurch ist ja noch mein Buch Roadtrip Portugal erschienen.

Roadtrip Portugal

Offiziell ist es am 10.10. raus, als Hardcover und als eBook. Es ist richtig gut angekommen, auch das Feedback ist bisher sehr positiv, was mich ehrlich freut. Auch ich habe jetzt endlich mal ein paar Exemplare hier. Also genauer gesagt habe ich ein 30 Kilo schweres Paket mit etwa 20 Büchern bekommen.

Wer sich also ein Exemplar persönlich bei mir abholen möchte: Ende November in Lagos, solange der Vorrat reicht.


Ausflug mit Kamera und Hund

Damit Ziva mitbekommt, dass die große weite Welt mehr als nur ein idyllischer Stausee ist, satteln wir auf, und fahren mit Ducatolein nach Idanha-a-Velha (Roadtrip Portugal Station 53). Ein kleiner, beschaulicher, verkehrsberuhigter Ort – perfekt für die erste Lehrstunde an der Leine.

Idanha-a-Velha ist richtig kuscheliges Dorf. Vor jedem Haus stehen ein kleiner Grill, eine steinerne Sitzbank, diverse Blumentöpfe. Irgendwo liegt eine Katze rum, wächst ein Kohl im kleinen Gemüsegarten. Rund um das Dorf stehen richtig alte Olivenbäume, und im Dorf selbst stehen steinerne Zeitzeugen, von den Templern und den Römern.

Idanha-a-Velha war mal ein wichtiges Dorf, mit Bistumskirche. Damit es beschützt wird, hat man Idanha-a-Nova und Monsanto jeweils ein Castelo gebaut. Der Templerorden war da mit im Spiel, und genau das möchte man jetzt wieder aufleben lassen: So wird im Ort nächstes Jahr ein Templer-Hotel gebaut. In einem interessanten Gebäude, einem alten Palacio (viertes Bild der obigen Galerie), um den wir auch jetzt wieder erfolglos herumgeschlichen sind. Ein Lost Place, der bald wieder hergerichtet wird. Schön, dass es nicht dem Zerfall überlassen wird.


#KKMC – Krasser Kochen Mit Crosli

Okay, heute geht es nicht wirklich krass zu. Wir waren in den letzten Wochen mehrmals essen, und jeder der Anwohner hier, der nach Castelo Branco gefahren ist, musste uns ein Durum vom „Kebabhaus“ mitbringen. Ja, richtig gelesen, Kebabhaus, auf deutsch geschrieben. Und einer der wenigen richtig guten Döner hier in Portugal.

Auf dem Weg zur Westküste haben wir noch an einem McDonalds halt gemacht. Nicht für einen Burger, sondern für ein Softeis-To-Go. Gibt es das auch schon in Deutschland, diese Extratheke, wo man nur Süßkram, Eis und Kaffee bekommt? Und vor allem dieses Eis zum selber zusammenstellen?

McDoof Spezialeis

Zwischendurch koche ich dann doch mal, und wenn die Nachbarin (Danke, Ulrike!) Kürbis für uns mitkocht, dann baue ich da natürlich gerne eine Kürbis-Karotten-Kartoffel-Creme-Suppentopf draus.

Kürbissuppe

Es herbstelt ja inzwischen auch in Portugal etwas, da kann man sowas schonmal essen.


Sonnenuntergangsfotografie

Man könnte hier wirklich jeden Abend bei Sonnenuntergang die Kamera zücken. Denn sie geht jeden Abend (oh Wunder) über dem See unter. Und wenn es Wolken hat, macht der Sonnenuntergang gerne einen auf Dramaqueen. Okay, beim ersten Bild habe ich der Dramatik noch etwas nachgeholfen:

Dramahimmel

roter Sonnenuntergang

Lila Sonnenuntergang


Und das war es jetzt auch: Unser Wohnmobil-Leben, für ungefähr vier Wochen am See. Vermutlich ist noch mehr passiert, aber wenn man es nicht gleich aufschreibt, ist es nur allzu schnell wieder vergessen. Hätte ich es direkt aufgeschrieben, dann hätte ich euch noch die Geschichte erzählen können, wie acht Leute im Ducato zum Restaurante im Nachbarort fahren. Und warum einer ganz bestimmt nie wieder auf dem Bett von Ducatolein mitfährt. Kleiner Tipp: Lattenrost = Trampolin 😀

Am Montag geht es weiter. Erstmal nach Castelo Branco, einen Abschiedsdöner essen. Dann schaun wir mal, was wir der Ziva als nächstes zeigen werden.

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Wie langweilig ist das Leben im Wohnmobil wirklich? Und ist es denn nicht total langweilig, immer nur mit dem Wohnmobil in Portugal rumzudümpeln? Hier kommt sie, die 48-Stunden-Reportage aus Portugal. Zwei Tage aus dem Leben im Wohnmobil.


Mittwochvormittag. Seit ungefähr drei Nächten stehen wir auf dem abgelegenen Strandparkplatz, gleich hinter einer Düne, ganz in der Nähe von Figeuira da Foz. Die Düne ist ganz praktisch, schluckt sie doch viel von der tobenden Brandung. Der Atlantik kann, gerade wenn nachts die Flut kommt, nämlich ganz schön laut werden. Aber hier geht es. Und so werde ich wie jeden Morgen von den Quietschehunden geweckt. Nein, das sind nicht unsere Köters. Sondern die jungen, hyperaktiven Jagdhunde in Ausbildung, die hier jeden Morgen durch die Büsche flitzen. Es gibt zwei Jäger, die immer hierherkommen. Einer hat seine Hunde im Hänger, der Andere transportiert sie im Kofferraum. Und beide haben mehrere Hunde. Und nicht immer dürfen alle Hunde gleichzeitig raus. Was die Hunde, die im Auto bleiben müssen, total scheiße finden. Und deshalb so lange bellen, bis ich wach bin.

Aber das macht nichts, denn nach den Hunden kommen die täglichen Gleitschirmflieger mit dem Rasenmäher. Hier muss ich sagen: ich kann den Wunsch nach dem Fliegen sehr gut nachvollziehen. Aber mit einem Monsterpropeller auf dem Rücken? Der so einen Krach macht, dass man beim Fliegen einen monströsen Hörschutz tragen muss? Na was soll’s, nach einer Stunde sind sie ja wieder weg.

Mittwochnachmittag. Gegen fünf Uhr begeben wir uns ins nahe gelegene Dorf Leirosa. Auf gut Glück und in der Hoffnung, dass heute die „Arte Xávega“ stattfindet. Zumindest ist einiges los, vermutlich sitzen wirklich alle ältere Herrschaften aus dem Dorf auf dem Mäuerchen zum Strand. Das lässt hoffen, und so frage ich eine reifere Dame nach der Arte Xávega. Sie sagt, dass es um sechs Uhr losgeht – und erklärt mir noch gestenreich, was wann wo stattfindet. Zum Glück kann ich Pantomimisch, denn mein Portugiesisch reicht dafür kaum aus.

Sechs Uhr hört sich super an, das ist in einer Stunde. Wir bummeln eine Runde durch den Ort, holen uns ein Magnum Mandel im Minimercado, schauen in die kleinen Gassen.

Dann setzen wir uns auf den Wellenbrecher, der den Strand schützt, und warten.

Haben Zeit für Beobachtungen. Was heute extrem auffällt ist, dass das Wärmeempfinden der Portugiesen sehr seltsam ist. Im April rennen sie mit dem Parker rum – egal, ob es 13 oder 30 Grad hat. Ist ja April, da braucht man eine dicke Jacke. Im August liegen sie bei 20 Grad im Bikini am Strand – und gehen im 16 Grad kalten Atlantik baden. Ist ja August, da ist es heiß in Portugal. Wir sind derweil die Einzigen, die einen Pulli anhaben.

Nur die zwei Jungs in ihren Neopren sind wärmer angezogen, aber die gehen ja auch im Atlantik baden. Sie suchen wohl nach Entenmuscheln, und das recht erfolglos.

Wir vertreiben uns die Zeit damit, Max als Fotomodell zu missbrauchen.

Sechs Uhr ist rum, und es tut sich nichts. Na gut, wir sind in Portugal, sind wohl einfach nicht ganz pünktlich. Ich latsche mal vor zur Straße und hole uns einen Snack. Diese komischen gelben Bohnen, die die Portugiesen so gerne snacken.

Naja, man kann’s essen. Und ist bestimmt gesünder als Süßkram. Vor allem aber vertreibt es das Magenknurren. Außer bei Max, der findet die etwas salzigen Teile eine Zumutung.

Mittlerweise ist es sieben Uhr, und es tut sich immer weniger. Das Boot liegt immer noch einen Kilometer südlich von uns am Strand, aber jetzt sind die Traktoren und Menschen weg. Uns wird klar, da tut sich heute nichts mehr. Vielleicht wegen des mäßigen Wetters? Wir machen uns auf den Heimweg, denn erstens tut sich heute wohl nichts mehr, und zweitens signalisiert Max sehr deutlich, dass er kurz vor dem Hungertod steht.

Als wir nach Hause kommen, entdecken wir frische Spuren im Sand. Na super, während wir weg waren, haben die das Boot quasi direkt bei uns am Wohnmobil und einmal komplett hinter der Düne zum Strand runtergezogen. Ist man einmal nicht zu Hause…

Für den Donnerstagmorgen stellt sich Andre den Wecker auf halb sechs. Denn vielleicht habe ich die alte Dame nur falsch verstanden, und sie sprach von sechs Uhr morgens? Halbstündlich steigt Andre auf die Düne vor unserem Übernachtungsplatz um nachzuschauen, ob sich was tut. Ich schlafe derweil, wenn auch mehr schlecht als recht, denn mein halbwaches Ich bekommt durchaus mit, dass ständig die Türe geht.

Um sieben Uhr höre ich dann ein „Es geht los!“. Etwas Langhaariges turnt im Wohnmobil rum, greift sich Kamera und Stativ, und ist schon wieder aus dem Womo draußen. Ich schäle mir derweil mühsam aus dem Bett und versuche, beim Aufstehen nicht aus dem Alkoven zu fallen. Erfolgreich ziehe ich mir Pulli und Hose (sogar richtigrum!) an, schnappe mir die Kamera und los geht’s.

Während ich mich schlaftrunken den Strand runter schleppe, es ist etwa ein Kilometer bis zum Schauplatz, ist Andre nochmal zurück zum Womo, um das Stativ reinzutun. Fünf Minuten später überholt mich eine kleine braune Fellwurst. Sieht aus wie Max, kann aber gar nicht sein, weil Max ist vor zehn Uhr eigentlich nicht ansprechbar. Aber gut, ich ja eigentlich auch nicht, und hier sind wir nun.

Arte Xávega

Die „Arte Xávega“ (sprich Arte Schawega) ist eine portugiesisch-traditionelle Fischfangmethode. Früher wie heute fährt man mit dem Boot raus um das Schleppnetz auszubringen. Früher hatte das Boot nur zwei Paddel. Die sind heute eher Deko, denn es gibt einen kleinen Außenborder, elegant ins Boot eingelassen. Reingeholt wird das Netz dann vom Strand aus. Früher haben Ochsen an den Seilen gezogen, heute übernehmen das die Seilwinden, so Spezialteile, die an den Traktoren befestigt sind.

Wie wir am Platz des Geschehens ankommen, sind sie gerade dabei das Netz einzuholen. Noch ist nicht viel davon zu sehen. Zwei kleine Traktoren stehen am Strand, hinten dran haben sie eine Seilwinde, und alle zwei Sekunden kommt ein Meter Seil mehr auf den Hänger. Die Traktoren stehen 30 Meter voneinander entfernt am Strand, und erst, als das Netz näherkommt, fahren sie aufeinander zu, um das Netz zu schließen. Am Ende stehen sie ganz dicht beieinander, und es braucht nur noch einige Meter bis das Netz an Land ist.

Und das Netz muss wohl ungewöhnlich voll sein, zumindest interpretiere ich die begeisterten Laute dementsprechend. Im Folgenden wird der Fang direkt vom Netz aussortiert, jede Fischart bekommt seine eigene Box, die vielen Sardinen bekommen viele Boxen.

Goldig war der einzige Junge, der dabei war, keine 10 Jahre alt. Er hat mir den Guide gemacht, und wollte mir dabei helfen, gute Fotos zu knipsen. Indem er den Möwen einzelne, kleine Sardinen zugeworfen hat. Geholfen hat es leider nicht, die Möwen waren einfach zu schnell beim Fischeklauen um sie inflagranti zu erwischen.

Nach einer Stunde und so ist der große Spuk vorbei, und wir treten den Heimweg an.

Es ist halb Zehn, Zeit für Frühstück. Das besteht aus zwei bis drei Kaffee, die ich runterkippe, während ich auf den Bildschirm starre und die Bilder des Morgens sichte und entwickle.

40 Kilometer in 5 Stunden

Es wird Zeit, wir sollten weiter ziehen. Wir wollen etwas Strandhopping machen, also immer die Küste entlang nach Norden. Und so packen wir gegen Mittag unsere Sachen. Und da passiert es: ich fahre mich fest. Und das aufgrund extremer Faulheit. Denn ich dachte das passt schon, ich kann in einem Zug wenden. Doch am Rande des Parkplatzes ist ein Sandloch. Und in das fahre ich mit einem Rad rein. Das zweite Rad bricht dann auch gleich durch die Grasnabe, und ich stecke im Sand fest, es geht nichts mehr. Ich versuche noch, ob ich mich rausschaukeln kann, aber da bewegt sich gar nichts.

Andre findet das irgendwie lustig, und ausnahmsweise drehen wir den Spieß um, er darf mich auch mal rausziehen. Der Fahrtag geht ja gut los, ich bin gespannt, was da noch kommt.

Figueira da Foz

Damit dieser Plan kein vorzeitiges Ende nimmt, geht es erst einmal in die Stadt, zum Tanken. Und da der Sprit beim E.Leclerc um fünf Cents pro Liter günstiger ist, wenn man vorher einkauft, geht es vorher noch einkaufen. Und weil der Laden so groß ist, dauert das direkt ein Stündchen. Dafür haben wir jetzt ein paar hübsche neue Sachen in der Küche: eine typisch portugiesische Auflaufform, die nur vielleicht in den Backofen passt. Ein ovales Schneidebrett aus Massivholz. Und eine Bambus-Melamin Salatschüssel. Ach ja, und Essen und Trinken für die nächsten 2-3 Tage. Für länger kaufe ich gerade nicht ein, denn wenn wir ständig am Fahren sind, kommt man ja auch ständig an irgendeinem Supermarkt vorbei.

Tizon chillt derweil im Ducato.

Tizon Ducatolein

Dann geht es zum Cabo Mondego, ein Aussichtspunkt mit schöner Aussicht, und durchaus einen Zwischenstopp wert.

Unser eigentliches Ziel ist aber ein Lost Place – eine alte Betonfabrik. Der Weg dorthin ist ein ganz Besonderer. Eine steile, mit Schlaglöchern und Auswaschungen gespickte Piste.

Erst geht sie runter, und auf der anderen Seite wieder hoch. Ich fahre vor, und berichte Andre meine Eindrücke. „Oh je“, „Auswaschungen des Todes“, „bissle steil hier, aber schöne Aussicht“. Das scheint ihn doch etwas abzuschrecken, und er beschließt umzudrehen und den Weg, den wir gekommen sind, wieder zurück zu fahren.

Ich fahre das Stück durch, und es sind eigentlich nur 100 Meter, die kritisch sind – mit dem Vario aber durchaus sehr kritisch. Es ist steil, schräg und hat Auswaschungen. Schon ein bisschen heftig, und ich wundere mich auch, warum hier alle zwei Minuten ein Pkw vorbeikommt. Bis mir klar wird: das sind alles Touris mit Mietwagen. Die haben wohl kein besonders gutes Navi drin. Ich bin gerade draußen, mit der Kamera in der Hand, und schmettere ihnen ein fröhliches „Bom dia“ durch ihr offenes Fenster. Eine Familie, das Kind hinten grinst sich einen, der Vater, der fährt, schaut etwas panisch.

Ach ja, in die Betonfabrik sind wir nicht reingekommen. Man hätte reinkommen können, aber es war alles abgesperrt. Und wenn die Eigentümer sich solche Mühe geben, Leute auszusperren, dann respektieren wir das und bleiben draußen.

Der nächste Ort im Norden ist nicht wirklich erwähnenswert. Denn es scheint mir ein reiner Touriort zu sein, mit Hotels und Ferienhäusern. Aber mit einem riesigen Sandstrand, und vielen Strandparkplätzen. Im Winter sicherlich ein richtig guter Platz zum Freistehen.

Es ist früher Nachmittag und ich warte darauf, dass Andre sich meldet – er weiß nämlich nicht, dass ich hier bin und ich weiß nicht wo er ist, und er geht auch nicht ans Telefon. Wie sich herausstellt, treibt er sich mal wieder auf irgendwelchen Nebenstraßen und engen Dorfgassen rum.

Eigentlich hatte ich vor hier stehen zu bleiben, doch entpuppt sich der Parkplatz als etwas zu trubelig. So düsen wir nach einem Stündchen weiter, zum nächsten gutaussehenden Plätzchen. Wir wollen ja ohnehin weiter nach Norden, da können wir auch gleich ein paar Kilometer weiter fahren.

Estrada Florestal, die Arschloch-Straße.

Ich weiß nicht wie ich draufgekommen bin, aber irgendwie habe ich der Estrada Florestal die straßenbaulichen Eigenschaften der Estrada Atlantica gedanklich zugeordnet. Die Estrada Atlantica ist eine pikfeine, frisch geteerte Straße mit parallel verlaufendem Radweg. Eine so gute Straße, man könnte sie den ganzen Tag hoch und runterfahren. Die Estrada Florestal ist das genaue Gegenteil. Eine Straße, gespickt von Schlaglöchern und einem so rauhen Belag, dass kleinere Schlaglöcher kaum auffallen.

Es sind keine vier Kilometer, aber die ziehen sich ganz schön, wenn man nur im zweiten Gang fährt. Manchmal kann ich Gas geben, manchmal muss ich kuppeln, weil es zu viele Schlaglöcher auf einmal sind, ich nicht ausweichen kann, und einfach nur drüber schleichen muss.

Irgendwann geht es dann mal links ab auf die Dreckpiste, die am Strand endet. Und die besteht eigentlich nur aus Schlaglöchern. Nach 300 Metern höre ich aus dem Funk, dass das jetzt nochmal zwei Kilometer so geht, und dass wir aktuell null Internet im Wohnmobil haben. Wollen wir das wirklich?

Wir hadern etwas. Was wäre die Alternative? Die Estrada Florestal nochmal sechs Kilometer weiter, bis zum nächsten Ort. Nein Danke. Wir wagen die zwei Kilometer und holpern immer Richtung Atlantik. Und kommen auf einem Strandparkplatz an. Mit Holzpfosten, Zäunen, und einem gigantischen Steg, der über die Düne zum Strand führt. WTF? Wer baut hier sowas hin? Und tatsächlich: zwei Pkw und ein französisches Wohnmobil stehen auf dem Parkplatz. Es sind wohl noch mehr Leute so wahnsinnig, hier rauszufahren.

Langsam wird es Abend, die Pkws fahren, das Wohnmobil bleibt. Und der Franzose holt erst mal den Moppel raus. Und dann auch noch so ein lautes Billigding. Aber da war wohl der Sprit leer, denn er läuft nicht lange. Ach, wie schade.

Gegen Sonnenuntergang gibt es Abendessen aus dem Backofen. Da wir bis auf ein halbes Brötchen mit Käse und Oliven gegen Mittag sonst nichts zu essen hatten, fällt so eine halbe Pizza für jeden als Hauptmahlzeit etwas knapp aus. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Neuer Strand, neues Glück.

Freitagmorgen, halb acht. Ich habe es als besser empfunden einfach aufzustehen, denn ich habe schlecht geträumt. Ein kurzer Blicks ins Fahrerhaus, nur um sicher zu gehen. Alles Okay, Max geht es gut. Das kann man vom Wetter nicht behaupten, dann das ist schon wieder kaputt. Keine Sonne, alles voller Nebel.

Unser Vorhaben, das Centro zu verlassen und fürs Wochenende nach Nordportugal zu fahren, hat sich in Luft aufgelöst. Denn keiner hat Bock diese fürchterliche Piste in so kurzer Zeit nochmal zu fahren. Wir müssen uns erst noch ein wenig von ihr erholen. Und wo ginge das besser als an diesem wahnsinnig tollen Strand? Ach ja, es gibt hier feinstes LTE Internet. Kein Grund also für Eile.

Der Strand hier ist ewig lang und fast menschenleer. Ich finde es ja schön, dass die „normalen“ Touristen sich immer schön brav alle an einem Strandabschnitt aufhalten. In Figueira da Foz hat sich alles auf vielleicht 1km Strand konzentriert, hunderte parkende Autos, vermutlich ein Vielfaches an Menschen. Und hier haben wir mehrere Kilometer Strand, ganz für uns alleine. Das werde ich aber erst später ausnutzen, denn die Wetterapp hat versprochen, dass es ab Mittag wieder Wetter gibt. Sonne und blauer Himmel, das wären doch eine schöne Sache.

So, das war’s. Wir machen jetzt das, was wir immer machen, um uns nicht allzu sehr langweilen zu müssen: arbeiten.

Ende.

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Ne, keine Sorge, wir verlassen Portugal nicht. Noch nicht. Und wenn, dann nur ein Kleinesbisschen. Wir haben uns jetzt ganz feste vorgenommen, in den Norden zu kommen. Da dies unser letzter Sommer in Portugal sein soll, ist das quasi die letzte Chance. Denn im Winter ist es da oben einfach zu frisch für uns, daher müssen wir uns sputen. Und da wir derzeit im Reisemodus sind, gibt es etwas mehr zu schreiben, und damit die Blogartikel nicht allzu episch lang werden, kommen sie in nächster Zeit etwas öfters.


Das Spanienexperiment.

Wir wagen nochmal einen Versuch. Dieses Extremadura wollen wir etwas kennen lernen, und so fahren wir ein Stück nach Norden, an einen See. Es ist ein schöner See. Und ein See ohne Mobilfunkempfang. Das Internet hat seine Gedenksekunden, das wäre noch nicht einmal sehr schlimm. Aber morgen ist Montag, und da geht bei AMUMOT Shop das Telefon. Wenn er nun keinen Handyempfang hat, dann ist das blöd. Also verabschieden wir uns noch am Abend vom See. Der nächste See liegt in Portugal. Ach, was solls.

Wir fahren also nach Westen, zurück nach Portugal. Erkenntnis des Tages: Am Spätnachmittag nicht nach Westen fahren. Die Sonne steht tief, und eigentlich bin ich die komplette Fahrt damit beschäftigt was zu sehen. Dabei konzentriere ich mich auf die Straße, und verlasse mich darauf, dass mein Navi den Weg kennt. Größtenteils tut es das, nur zwei lustige Abkürzungen habe ich ignoriert. Aber Hallo, Straßen mit 1,80 Meter Breite, was soll da durchpassen? Auf jeden Fall komme ich am vermutlich schönsten Grenzübergang überhaupt vorbei. Hier könnte man sogar übernachten, denn die Zollgebäude stehen alle leer. Auf jeden Fall habe ich mir das abgespeichert:

Parque Natural da Serra de São Mamede (kurz: Marmeladenpark)

Da habe ich noch letzte Woche den spanischen Müll beklagt, und was ist? Am Parkplatz vom Staudamm sieht es aus, als sei eine Mülltonne explodiert. Ansonsten aber ist nicht viel los. Das gilt leider auch für das Internet. Der See liegt ein wenig zwischen Hügeln, der Funkmast steht wohl außerhalb dieses kleinen Kessels. Also geht es direkt am nächsten Morgen weiter.


Marvão. Ganz schön schräg hier.

marvao

Wir stellen uns mal wieder auf einen öffentlichen Stellplatz. Denn von diesem aus haben wir es nicht weit mit in das historische Zentrum von Marvão. Ein älteres Dorf, das durchaus lebendig ist, in dem auch gelebt wird – das merkt man sofort. Andere alten Dörfer sind so sehr auf den Tourismus gemünzt, dass alles ein bisschen zu schick rausgeputzt ist. Marvão aber ist ein nettes Dorf. Durchaus auch schön hergerichtet. Allein der Buchsbaumgärtner hat da einen beträchtlichen Anteil daran. Was allerdings einen kleinen schwarzen Schatten auf den Gesamteindruck wirft ist der Umstand, dass es hier 10 Tage zuvor gebrannt hat. Und zwar richtig den Hügel hoch, bis an die Unterkante der massiven Stadtmauer.

Durch die Gassen und auf der Stadtmauer schlendern, im kleinen Park mit Wasserfall eine Pause machen, und im großen Park der Instagram-Lady zuschauen, wie sie sich mehrfach in Position wirft, ehe ein zufriedenstellendes Bild herauskommt. Ins Castelo rein sind wir nicht, denn als wir endlich am hinteren Ende ankommen, schlägt der Hunger zu. Also los zu dem Restaurante mit den gemischten Bewertungen bei Google. Das Essen sei gut, dafür Service und Sauberkeit nicht so dolle, schreiben sie da. Passt auch. Das Essen war super, die Putzfrau ist keine Perfektionistin, und es ist zu empfehlen, Getränke rechtzeitig nachzubestellen, damit man nicht auf dem Trockenen sitzt. Da wir mehr Wert auf das Essen legen als auf das reinweiße Tischtuch passt es für uns.

Wir bleiben zwei Nächte. Der Stellplatz war ziemlich leer als wir ankamen, und doch entpuppt er sich als gut frequentiert. Am zweiten Abend schlägt eine Gruppe junger Spanier hier auf. Und Spanier auf einem Stellplatz als Nachbarn zu haben ist immer etwas sehr …. Nennen wir es temperamentvoll. Geplapper bis spät in die Nacht.

Spontan entscheiden wir uns, noch am selben Abend weiter zu fahren. Es ist zwar ganz Okay hier oben – aber irgendwie ist das Leben am Hügel, ohne richtig gute Gassistrecken, doch auch suboptimal. Außerdem soll es die kommenden Tage wärmer werden, da wäre ein Platz mit Wasser doch ganz nett.

Mein Navi und seine Abkürzungen, Episode 392.

Ich habe keine Ahnung, wie ich es früher hinbekommen habe, alle paar Tage 100 Kilometer weiter zu fahren. Okay, es waren ja normalerweise höchstens 50 Kilometer, außer ich bin dem Wetter davon gefahren. Aber trotzdem. Heute waren es 18 Kilometer – und es hat dann aber auch gereicht.

In Portugal kann es vorkommen, dass man für 18 Kilometer eine Stunde braucht. Erstens diese „Abkürzungen“. Mein Navi kennt sie alle. Und bei den besonders Lustigen ärgere ich mich immer wieder, dass die GoPro nicht mitläuft. Oder dass ich es noch nicht einmal hinbekomme, mit dem Handy ein paar Bilder zu knipsen.

Ich sag es mal so: mit Ducatolein kann man sowas machen. Ein großes Wohnmobil hätte ganz leichte Probleme bekommen. Und ein Gespann? Hihi. Ich sag es mal anders: Manche Dörfer in Portugal sind scheißeeng. Das sind noch nicht einmal Bergdörfer. Dieses hier liegt eher am Fuße der Serra da Mamede. Ist aber echt kuschelig. Und ich sag es mal so: Ich war die ganzen vier Kilometer sehr, sehr, sehr froh, dass kein Gegenverkehr kam. Wirklich sehr froh.


Der letzte Barragem Alentejano. Vorerst.

Habe ich vorhin noch behauptet, dass wir jetzt wieder im Reisemodus sind? Nunja, das gilt aber auch nur solange, bis wir einen schönen Platz an einem schönen Stausee finden. Das mit dem Finden ist ja immer so eine Sache: einen schönen Stausee zu finden ist im Alentejo nicht wirklich schwer. Das mit der Anfahrt ist das Problem. Wo ein Golf oder Pickup durchpasst, muss es für den Vario mit dem breiten Aufbau nämlich noch lange nicht passen. Und gerade, wenn sie Mäuerchen bauen, sind 10 Zentimeter einfach unüberwindbar.

Hier ist der Herr AMUMOT himself stecken geblieben:

Der Stausee bei Nisa ist eine warme Pfütze. Letztes Jahr war das Wasser echt übel, trübe und miefig. Ich schätze, dass es auch dieses Jahr nur noch um ein paar Wochen geht, bis er kippt, denn das Wasser ist viel zu warm. Der Vorteil ist, dass du auch nachts noch eine Runde schwimmen kannst. Aber nur theoretisch. Millionen Insekten haben nämlich die gleiche Idee.

Nisa

Wir stehen einen Tag hier direkt am Wasser, dann bekommen wir Besuch. Ein Blogleser kommt uns mit Familie besuchen. Sie fahren so ziemlich den gleichen Vario, und so dürfte klar sein, dass den hiesigen Vario-Fanboys kaum das Gesprächsthema ausgehen dürfte. Erstaunlicherweise hat der Besuch genau das T-Stück dabei, das wir benötigen. Denn wir haben ein Wasserproblem im Bad. Und es provisorisch gelöst, indem es momentan einfach kein Warmwasser gibt. Aber das braucht bei den Temperaturen ja ohnehin niemand … Jetzt muss das T-Stück nur noch verbaut werden. Wozu Andre nicht wirklich viel Lust zu hat, denn es ist natürlich die unzugänglichste Stelle überhaupt.

Sie bleiben nur bis zum nächsten Morgen, müssen sich langsam auf den Weg zurück nach Deutschland machen. In solchen Momenten wird uns immer wieder bewusst, dass es schon schön ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein zu müssen um bestimmten Verpflichtungen nachkommen zu dürfen …

Es ist Freitag, und wir wollen noch übers Wochenende bleiben. Denn es soll wärmer werden, und wir stehen so schön direkt am Wasser. Was will man mehr. Aber irgendwie ist die GNR, die uns am späten Vormittag besuchen kommt, anderer Meinung. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass wir uns noch im Naturpark befinden. Ops. Sie informieren uns, dass es an der Staumauer einen Wohnmobilstellplatz gibt, und dass wir uns doch binnen der nächsten Stunde dorthin oder sonstwohin bewegen möchten.

Ich habe es mal gedanklich nachgeschlagen: in zwei Jahren wurden wir jetzt viermal gebeten wegzufahren: zweimal am Stausee, zweimal am Strand. Das ist doch ein ganz guter Schnitt. Aufgeschrieben hat man uns nie, sondern immer höflich informiert, dass das Üernachten nicht erlaubt ist. Mal gab es eine Frist bis wir weg sein sollen, mal sind wir einfach von uns aus kurzfristig abgedüst. War übrigens immer in einem Naturpark. Es gibt aber auch so viel Naturpark hier 😉


Das Bierfest in Sérta

Wir haben das nächste Ziel ohnehin schon ausgemacht: Im Städtchen Sérta gibt es einen für Wohnmobile ausgewiesenen Parkplatz, direkt an einem netten Park. Der Platz ist gesperrt, denn es wird gerade für ein Fest aufgebaut. Die Plakate verraten das Motto: ein Bierfest. Genauer gesagt ein Craft Beer Fest.

Die anderen Wohnmobile hier stehen wohl nicht so auf Feste, die sind wieder abgedüst. Wir hingegen haben auf dem großen Parkplatz eingeparkt. Denn wo es Bier gibt, müsste es doch auch was zu essen geben, oder?

Und tatsächlich wird es ein Tag der unerwarteten Völlerei. Nachmittags geht es in das Café des netten Stadtparks, ich hatte schon lange keinen Galao mehr. Oh, die haben ja Eis. Zwei Kugeln gehen immer, oder? Am frühen Abend dann gibt es ein Brot aus dem Ofen, es wurde von einer Oma im alten Steinofen gebacken, vorher mit etwas wurstartigem gefüllt. War sehr lecker. Die eigentliche Party startet aber erst später, die erste Band ist für 22 Uhr angekündigt. Sie lockt uns jedoch nur kurz aus dem Wohnmobil, für ein zweites Abendessen – sowas wie Hühnchendöner im Stockbrot. Gegen Mitternacht beginnt dann die zweite Band, der Headliner. Eigentlich mag ich Ska, es ist der perfekte Musikstil für so OpenAir-Parties. Aber die hier sind einfach nicht besonders gut. Viele schiefe Töne, dafür ein bisschen mehr Gekreische und Animation.

Was uns verwundert, sind die Preise auf dem Bierfest. Für portugiesische Verhältnisse sind diese nämlich ziemlich hoch. Zwei Euro für ein kleines Bier – na gut, es sind Craft Biere, die sind generell etwas teurer. Aber auch das Essen hatte eher Preise auf deutschem Niveau. Und ob wir beim Nachtisch-Anbieter nicht doch Touripreise gezahlt haben? Wir sind uns nicht ganz sicher.

Aber egal, es war ein netter Abend, auch wenn wir keinen Schluck Bier getrunken haben.


Rio Zêzere

Meer, See oder Fluss? Die grobe Richtung ist klar, und eigentlich wollen wir auch mal wieder ans Meer. Nächste Woche soll es nochmal gut warm werden, 40 Grad und so, die Gelegenheit ist also günstig. Doch irgendwie treffe ich bei der Routenplanung mit Google Maps auf den Rio Zêzere – wieder einmal. Und diesmal ziehen wir es durch, und schauen ob nicht doch ein nettes Plätzchen an diesem Fluss zu finden ist. Denn es hat durchaus steile Ufer, und das ist bei der Platzsuche immer etwas kritisch.

rio Zezere

Aber, es passt. Wir stehen direkt neben einer Quelle mit Picknickplatz, und irgendjemand hat irgendwann mal einen Tunnel in den Felsen geschlagen. Das ist ganz super, denn so tut sich eine Gassistrecke auf, die nicht gleich elendig den Berg rauf bw. runter geht.

Beliebt ist dieses Plätzchen am Wochenende durchaus – insbesondere bei Deutschen. Ich sehe lauter blonde Menschen, teils Urlauber, teils Auswanderer. So treffen wir auf familienreiche, deutschsprachige Auswandererfamilien, die sich hier treffen. Es sind Adventisten, die hier für einen Samstagnachmittag zusammenkommen. Bibelstunde direkt neben dem Wohnmobil, hatten wir so auch noch nicht.

Mir gefällt es hier, und so möchte ich noch einen Tag bleiben. Andre findet diese Idee fragwürdig, denn wir stehen voll im Schatten, und sind gestern Vormittag mit bereits halbleerer Batterie hier angereist. Und so reicht es heute Morgen noch für ein paar Kaffee, ehe eine Strombeschaffungsquelle angeschlossen werden muss. Der Moppel kommt man wieder zum Einsatz. Ich glaube, es ist das zweite Mal dieses Jahr. Bei diesem guten Wetter zu moppeln ist schon ein wenig verrückt. Aber wir stehen voll im Schatten, einfach auch weil das hier die einzige Stelle auf dem kleinen Parkplatz ist, wo wir platzsparend am Rande stehen können.

Und dann kommt dieser Pickup angefahren. Er hat mindestens drei Bierbankgarnituren geladen. Die drei vorhandenen Picknicktische scheinen also für das, was sie vorhaben, nicht auszureichen. Oh je. Wir schauen uns das für ein paar Minuten an, entscheiden uns dann aber, hier abzuhauen. Solange es noch geht und wir nicht hoffnungslos eingeparkt sind. Und wir sind keine 5 Minuten zu früh los, wie sich herausstellt – denn wie wir den Hang hochfahren, kommen uns lauter Pkw auf der einspurigen Straße entgegen. Das wird voll da unten …

Wir versuchen, ein Plätzchen am Barragem de Cabril zu finden, möglichst mit nicht allzu abenteuerlicher Anfahrt, gerne nahe der Staumauer – denn wir wollen ja morgen schon weiter. Doch das ist nicht so leicht, denn die Ufer sind steil, und es fehlen einige Meter Wasser. Wenn nicht am See, dann vielleicht auf dem Berg. Doch auch da finden wir nichts wirklich Schönes, stellen uns dann einfach irgendwo ins Gemüse, bis morgen früh wird es das schon tun. Es hat aber 37 Grad und das ist echt warm, so ganz ohne eine Wasserstelle im Vorgarten. Und so geht es noch am frühen Abend weiter.


Mal wieder ans Meer …

Wenn es im Inland zu warm ist, dann fahren wir eben an die Küste. Und tatsächlich: obwohl absolut kein Wind geht, und dieser teilweise sogar aus dem Inland kommt, es hat keine 30 Grad. Wir sind in der Nähe von Figueira da Foz, und erst habe ich es überhaupt nicht geblickt, aber erst kürzlich habe ich eine nette Doku über die Ecke hier gesehen:

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Es geht – gerade in den ersten Minuten des Films – um die „Arte Xevaga“, eine alte portugiesische Fischfangmethode, mit Schleppnetz und Traktor (früher Ochse). Das gibt es wohl nur noch hier in der Ecke, an einer Handvoll von Stränden, und nur im Sommer. Die Frage ist jetzt nur: wann ziehen sie das Netz wieder ein? Wir fahren mit Ducatolein an den Dorfstrand, doch es ist schon zu spät, es ist kein Mensch zu sehen. Also auch niemand, den ich fragen könnte. Und so geht es erst einmal wieder zurück, Morgen folgt ein neuer Versuch.

Apropos Übernachtungsplatz. „Wo ist das?“

Sobald ich auf Facebook oder so ein Bild von einem schönen Übernachtungsplatz poste, kommen ständig Fragen à la „Wo ist das?“. Ich habe jetzt beschlossen, diese Fragen zu ignorieren. Erstens sind das Plätze, die nicht in den üblich verdächtigen Stellplatz-Apps eingetragen sind. Und deshalb auch nicht überlaufen sind. Solche Plätze sollte man eigentlich auch nicht offen auf Facebook kommunizieren. Weil sonst kommt irgendwann wieder einer daher, trägt sie bei Park4Night, CamperContact oder wie sie alle heißen ein, und schon ist er verbrannt.

Und zweitens muss ich ehrlich sagen: ich habe keine Lust. Darauf, zu überlegen, ob jetzt Koordinaten erwartet werden, oder ein Hinweis … Außerdem: Wer uns ein wenig verfolgt und Internet hat, kann anhand der Bilder und Blogbeiträge selbst herausfinden wo das ist. Wir finden diese Plätze mit Google Maps, das kann jeder Andere auch. Und wenn man sich nicht die Mühe machen möchte, dann ist es vielleicht auch nicht so wichtig.

Apropos wichtig. Künftig wird Facebook bis auf Weiteres weniger wichtig sein. Auch deshalb wird es in nächster Zeit etwas häufiger Blog geben. Facebook ist nämlich so: Du postest ein Bild vom Abendessen, lecker Schnitzel. Und es kommt garantiert ein Veganer daher, der dir sagen muss, dass er es total eklig findet. Du postest ein Bild mit Süßkram. Und es kommt garantiert einer daher, der dir sagt, dass da Zucker drin ist. Nasowas. Du postest ein Bild vom aktuellen Stellplatz. Und es kommt einer daher, der es da zu langweilig, zu einsam, zu trubelig, zu warm oder sonstwas findet. Ich weiß noch nicht, ob es das Sommerloch ist, das sich gerade auf Facebook bemerkbar macht. Aber irgendwie ist das Rumgenörgel gerade groß. Ich habe keine Ahnung, warum manche Menschen alles ausdiskutieren müssen. Ich kann meine Klappe ja auch nicht immer halten, aber doch versuche ich, nicht über Andere zu urteilen. Man merkt es, ich bin etwas genervt, und deshalb kommt einfach etwas weniger auf Facebook.


Die Tücken des Strandes

Kommen wir zurück zu unserem Übernachtungsplatz. Diesen wissen wir inzwischen sehr zu schätzen. Haben wir doch gesehen, wie es zwei Dörfer weiter auf dem kostenlosen Stellplatz der Gemeinde zugeht – proppevoll. Okay, so viele offizielle Plätze am Strand gibt es in Portugal einfach nicht, und es ist Hochsaison. Momentan sieht man hauptsächlich Portugiesen und Franzosen, so auch hier. Was sind wir froh, dass Plan A aufgegangen ist, denn das hier wäre Plan B gewesen.

Dabei hat unser Plätzchen durchaus seine Tücken. So stehen wir in einer Jagdhund-Trainings-Zone. Was bedeutet, dass morgens zwei Herren mit fünf Hunden durch die Dünen streifen. Die jungen Hunde sind super aufgeregt, ich nenne sie deshalb auch schon Quietschehunde. Sobald die Quietschehunde einen Hasen sichten, werden sie sehr schnell. Aber vermutlich nicht schnell genug, denn einen Hasen haben sie bei ihrer Rückkehr keinen im Maul.

Dann haben wir noch diese Papierfabrik im Nacken. Also zumindest, wenn der Wind aus Osten kommt, was er stundenweise auch tut. Die Papierfabrik riecht wie eine Kläranlage. Was ich total krass finde, denn je nach Wind hat ja irgendein Dorf hier in der Gegend diesen widerlichen Geruch in der Nase. Vor allem aber mache ich mir Gedanken über die Notwendigkeit einer solchen Fabrik. Papier ist besser als Plastik, sagt man, nachwachsender Rohstoff und so, aber ist das wirklich so? Die Fabrik ist groß, sie stinkt, sie leitet ihre Abwässer ins Meer, und sie wird ständig mit frischem Holz aus Monokultur gefüttert, ich schätze mit Eukalyptus und Pinie gleichermaßen. Und nebenan seht gleich noch eine zweite, ebenso große Fabrik.

Papierfabrik

Auf dem Weg hierher sind wir durch die Region von Pedrogao Grande gefahren. Also da, wo es letztes Jahr im Juni so wahnsinnig gebrannt hat. Ich weiß nicht, was ich an dem Anblick der verbrannten Wälder verstörender fand. Die verkohlten Eukalyptus-Zahnstocher-Wälder, die sich kilometerlang über die Hügel erstrecken? Oder die Tatsache, dass die nächste Generation Eukalyptus bereits wieder zwei Meter hoch wächst? Eukalyptus hat die Besonderheit, dass Feuer wie ein Aktivator für die Samen fungiert – weshalb man Euka auch nicht aussähen muss um einen Wald nach einem Feuer neu aufzuforsten. Und so wächst die hässliche Monokultur schön nach.

Wie sehr diese Monokulturen ganze Landstriche verunstalten und Böden ruinieren … Ist es das wert? Ein ganz toller und in die Tiefe gehender Artikel über Eukalyptus in Portugal ist bei heise.de zu finden. Wie heißt es da so treffend: der Eukalyptus ist „Einzeln attraktiv, in Gruppen tolerierbar, in Massen abstoßend“.

Aber, zurück zum Strand: der ist echt schön. Am Vormittag haben wir ihn für uns alleine, am Nachmittag und nach Feierabend kommen ein paar Badegäste hierher. Wir bleiben heute noch, und werden uns nochmal auf den Weg machen, zum Dorfstand, wo dieses „Arte Xavega“ (spricht man Arte Schawega, mit Betonung auf den A) stattfinden soll.

arte xevaga

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