Irgendwie kommt es in jüngster Zeit öfters vor: obwohl ich so oft Blog schreibe wie nie zuvor, ist jedes Mal so viel passiert, dass ich mich nicht entscheiden kann, was alles in die Überschrift rein soll. Dabei ist der letzte Reiseblogbeitrag ja erst 10 Tage oder so her.


Die Piste nach Zagora, Teil 2

Die Piste von Merzouga bis Zagora ist ungefähr 200 Kilometer lang. Plus ein paar Kilometer Teer. Andere rocken das an einem Tag runter. Wir gönnen uns dafür vier Tage. Letztes Jahr sind wir ja über die Teerstraße von Merzouga nach Zagora gefahren, das sind ungefähr 100 Kilometer mehr. Und das ist total langweilig. Steinwüste halt, viele wüste Steine, und unterwegs kaum eine schöne Übernachtungsmöglichkeit. Recht unschön, und so waren wir schnell durch damit. Dieses Mal haben wir das passende Auto für diese Gegend, und so versuchen wir uns eben an der Piste. Und allein der Umstand, dass wir vier ganze Tage für die Strecke brauchen, zeigt, dass es hier schon ganz schön ist.

Tag 1 habe ich ja schon im letzten Blogeintrag niedergeschrieben. Man erinnert sich: schön gestanden, aber frei von Internet.

Tag 2.

Da Tag 2 auch ein Montag ist, wir dringendst Internet zum Arbeiten brauchen, fahren wir früh los. Ich lasse mir einen dreifachen Espresso raus, und kurz nach Sonnenaufgang geht es los. Es dauert nicht lange, und es kommt der erste Stopp: ein dreifacher Kaffee vor einer rumpeligen Pistenfahrt ist nur so eine mittelgute Idee, ich muss aufs Klo. Mehrmals. Gelobt sei der Durchstieg. Und die Pinkelpausen, um zwischendurch mal ein Foto zu machen:

Von unserem Besucher mit Moped haben wir gestern erfahren, dass es in dem Örtchen Ramlia Internet gibt, aber nur mit Orange. Gut, nun könnte sich ja mal die Sim-Karte von Orange bezahlt machen. Bisher war das mit der Netzabdeckung nämlich eher weniger gut.

Ramlia ist ein einfaches Dorf mitten im Nirgendwo, und wir fahren nur durch. Eigentlich sollte man anhalten und im Ortskern einen Tee trinken. Aber dafür muss man in Stimmung sein, denn die Schar der Kinder ist auch so bereits ziemlich groß. Und alle Männer des Ortes sind auch schon da. Wo die Frauen sind, keine Ahnung. Die älteren Kinder sind in der Schule, ein paar Männer arbeiten auf dem Feld oder führen die Ziegen aus.

Sobald wir Empfang haben halten wir an, Andre muss unbedingt eine Shopbestellung bearbeiten. Edge – könnte gehen, oder auch nicht. Nein, geht nicht. Wir fahren weiter. Und haben einfach kein Netz. Irgendwann kommen wir dann mal wieder an einer Ortschaft vorbei – und hier haben sie gleich einen ganzen Haufen an Funkmasten aufgestellt. Drei Stück in einem Blickfeld, vermutlich um die ganzen angrenzenden Orte und Ebenen abzudecken, nicht schlecht. Wir parken an einer Düne, wohlwissend, dass dies nicht das beste Plätzchen ist – links von uns eine Kasbah, rechts von uns ein Nomadencamp, hinter uns eine Ortschaft – und obendrein stehen wir definitiv zu nah an der Piste.

Und so ist es dann auch. Alle Ziegenhirten der Region kommen heute am Wohnmobil vorbei. Einer mit einer großen Ziegenherde, einer mit einer Herde Miniziegen. Einer, der eine ausgebüchste Ziege sucht. Und einer mit dem sehr klapprigen Moped, keine Ahnung was der wollte, er ist dann aber irgendwann wieder abgedüst. Dann kommen noch zwei Frauen mit ungefähr vier Kinder aus dem nahe gelegenen Camp, und eine Eselfamilie hängt auch hier rum. Ich habe heute überhaupt keinen Bock auf Konversation, die Fahrt war länger als geplant, ich bin ziemlich durch. Ich will nur meinen Blog online bringen, und dann erstmal was kochen und ab ins Bettchen. Also lassen wir alle draußen stehen und sind froh um unsere verspiegelten Fenster. Denn so sehen sie nicht, dass wir sie durchaus sehen. Sorry, aber manchmal ist einfach Feierabend.

Ein Stück hinter unserem Platz dieser kleine Friedhof. Mit einer Art Kapelle, das habe ich hier in Marokko noch nicht gesehen. Normalerweise erkennt man die Friedhöfe in der Wüste nur an den aufgestellten Steinen. Teilweise sind es nur einzelne Gräber am Wegesrand, oder mehrere am Rande von Siedlungen.

Ach ja, zur Piste selbst: definitiv 4×4! Es ist tatsächlich einigermaßen abwechslungsreich, mit sandigen Abschnitten und einem ausgetrockneten See, der noch nasse Stellen hat, mit großen Ebenen und noch größeren Ziegenherden.

Tag 3.

Heute fahren wir so weit, dass wir morgen gemütlich nach Zagora reinkommen. Die Fahrerei ist heute nicht sehr kurzweilig, die Strecke nur harte Piste. Es geht durch eine Ebene, keine Hügel, nur wellige Piste. Ich kann kaum mehr machen als aus dem Fenster gucken und dabei Musik hören. Das Smartphone oder Tablet zu bedienen geht bei der Rumpelpiste nicht, ständig tatscht man was Falsches an. Oder mir wird schlecht bei.

Vom Vortag habe ich nichts gelernt, und es passen doch so schön drei Espressos plus Milch in meinen Kaffee-Togo-Becher! An Pinkelpausen mangelt es also nicht, und wieder stellen wir uns nahe einer Ortschaft und im Empfangsbereich eines Sendemastens in die Landschaft. Heute aber deutlich einsamer, keiner kommt daher. Ziva buddelt sich so durch die nähere Umgebung.

Max geht nicht raus, weil da hat es Stacheldinger am Boden. Ich backe Fladenbrot in der Pfanne, heute gibt es Sandwich und „Pao com Chorizo e Quejo“. Also Brot mit Serranoschinken und Raclettekäse drin – unsere letzten Bestände an europäischen Delikatessen werden verwertet.

Tag 4.

Grande Finale! Naja, eher langweilige Piste. Es geht immer geradeaus, durch eine Ebene, links und rechts ragen die schwarzen Felsen in die Höhe. Es hat mal etwas mehr Grünzeugs, mal etwas weniger. Meist eher weniger. Es geht immer gerade aus, und trotzdem muss Andre beim Fahren aufpassen, denn es hat fiese Querfugen. Und die werden dann doof, wenn sich die Kabine etwas aufschaukelt. Da muss noch eine technische Lösung her. Oder auch nicht. Wie oft fährt man schon solche Pisten. Mhm …

Ungefähr 50 Kilometer vor Zagora kommen wir auf die geteerte Nationalstraße – das Geschaukel hat ein Ende.


Zagora

Es ist ein bisschen clever, und ein bisschen irre: 15 Kilometer von Zagora werden wir vom Gegenverkehr mit einer Lichthupe angehupt. Es ist ein Landy von einer der örtlichen Werkstätten, er ist auf Kundenfang. Da wir ohnehin eine Werkstatt brauchen, und Andre keinen Bock hat sich im Ort auf Werkstattsuche zu begeben, halten wir an und quatschen mit ihm. Jetzt kann man erst Interesse bekunden, und danach quatschen was man möchte – völlig egal. Dass wir auf dem Camping Sindibad stehen und dann morgen in seine Werkstatt kommen, blabla, blubblubb. Er fährt uns vorneweg, bis auf den Campingplatz.

Nach Zagora reinzufahren ist übrigens immer wieder toll – vor allem, weil die so bunte Stadt mitten im Nirgendwo liegt, außenrum gibt es nicht viel, nur Wüste und Steine.

Mechaniker No. 1 bekommt den Auftrag, morgen wird das Auto einmal komplett abgeschmiert. Heute aber nicht mehr. Der nächste Mechaniker kommt, ich schätze mal es ist ein Schwippschwager vom Campingplatzbetreiber. Welcher freilich gar nicht erfreut war, dass wir ihm die Konkurrenzwerkstatt ins Haus gebracht haben. Ich verspreche, dass wir den Schwippschwager fragen, wenn wir noch was haben, und er ist wieder happy. Das tun wir dann auch, und er hat den Auftrag, unsere Fahrerhausfederung höher zu legen. Ob er es schafft, in die 1,5cm dicke Edelstahlplatte ein Loch reinzubohren? Heute nichtmehr, vielleicht morgen.

Den Rest des Tages verbringen wir weitestgehend mit quatschen. Denn nicht zufällig steht noch ein anderes Allradviech auf dem Camping, wir haben uns abgesprochen. Wir bestellen Pizza, denn vor lauter quatschen kommt man ja hier nicht zum Kochen. Ich führe die Hunde zum Gassi ins benachbarte Oued. Und nachdem die Sonne weg und die Pizza verspeist ist, gehen wir lieber rein. Denn es ist schon verdammt kalt, so ganz ohne Lagerfeuer. Wie gut, dass wir unser eigenes Lagerfeuer haben, a.k.a. Holzofen 😉

Da wir – aufgrund einer kleinen Planänderung – am nächsten Tag gegen Mittag schon wieder weiter fahren möchten, sollten wir uns ranhalten: Wäschewaschen, einkaufen, Wasser tanken, Mechaniker No. 1 (T-Stück für Druckluftanlage und Abschmieren) und Mechaniker No. 2 (ein neuer Schmiernippel für’s Quad und eine Metallplatte für die Fahrerhausfederung) müssen zu potte kommen. Da irgendjemand also gerade das Quad auseinander geschraubt hat, muss ich zu Fuß zum Einkaufen. Eine Stunde später komme ich schwer bepackt zurück. Obst und Gemüse, etwas Ziege und eine neue Tajine, da hat man schon einige Kilos zu schleppen.

Und irgendwie schaut hier noch alles aus wie vorher: Andre quatscht mit irgendwem über den Laster, und das Quad steht immer noch dreibeinig daneben. Mhm …

Während ich einmal Küche und Bad durchputze, kommt draußen wohl Schwung in die Sache. Der Campingplatzbetreiber ruft seinen Schwippschwager-Mechaniker No. 2 an, macht ihm mächtig Dampf, und bald darauf steht er auch tatsächlich mit den gewünschten Teilen da. Auch Mechaniker No. 1 taucht irgendwann wieder auf, mit einem T-Stück, für das er viel zu viel Geld will. Und zischt dann wütend ab, weil Andre das nicht zahlen möchte. Gut, somit hat sich das Abschmieren lassen erstmal erledigt, und wir können los.

Wir fahren zur Hauptstraße, nochmal ein bisschen Diesel in den Bananenlaster reinlaufen lassen, besser ist das. Ich gehe auf der anderen Straßenseite noch ein paar Sachen besorgen, und ich glaube, ich habe ein paar Euro zu viel bezahlt. Es fehlen noch einige Dinge, aber da wir morgen wieder an einem Ort mit Einkaufsmöglichkeiten vorbeikommen, kaufe ich den Rest dort.

Während Andre tankt, wird er von Mechaniker No. 3 angequatscht. Es geht wohl darum, Bremsenreiniger zu kaufen. Also fahren wir ihm hinterher, in seine Werkstatt, da hat er Bremsenreiniger. Blöd nur, dass Mechaniker No. 2 seine Werkstatt gleich nebenan hat. Und der ist jetzt richtig angepisst, dass Mechaniker No. 3 seinen Kunden im Schlepptau hat. Dabei ersteht Andre nur eine Dose Bremsenreiniger. Naja, eigentlich nur eine zu 1/3 gefüllte Dose, für 20DH. Und bei genauerem Hinsehen war das gar kein Bremsenreiniger. Sondern irgendeine Politur. Okay, das mit dem Shopping läuft heute nicht so dolle.

Immerhin haben wir es heute nicht weit: 30 Kilometer die geteerte Straße runter, und schon sind wir da.


Kasbah Sternengucker

Unser Ziel ist die Kasbah Sahara Sky, die unter Sternenguckern wohl recht bekannt ist. Denn hier hat man einen guten Blick auf den Sternenhimmel, ohne viel Lichtverschmutzung. Naja, das war zumindest mal so, die neu gebaute Straße und der wachsende Ort in der Nähe sind zum Sternegucken wohl etwas störend.

Hier kann man einen Abend mit Abendessen im Erdgeschoss und einer anschließend fachkundigen astronomischen Präsentation des Sternenhimmels buchen. Aber erst einmal angekommen, und schauen, dass die Hunde sich nicht allzu sehr daneben benehmen.

Es ist eine Kasbah unter deutscher Leitung mit einem Berbernomadencamp davor, die Toleranz gegenüber Hunden ist also tendentiell höher als sonst. Es leben auch ein paar Hunde auf dem Gelände, allen voran eine junge, sehr dünne Hündin, die wohl kürzlich Welpen bekommen hat. Die hat sie aber wohl nicht mehr, denn sie hängt viel lieber bei uns rum. Sie ist super verschmust, was grundsätzlich zeigt, dass die Hunde hier nicht so schlecht behandelt werden, denn sonst hätte sie Angst vor Menschen.

Vom Abendessen habe ich nicht allzu viel, denn mein Kreislauf hat mich an die frische Luft verfrachtet. Ich hätte die Zeit nutzen sollen, um im Klamottenschrank nach meiner Thermo-Flanell-Hose zu wühlen. Denn die kommenden zwei Stunden auf dem Dach der Kasbah waren zwar kurzweilig, informativ und lustig, aber auch kalt.

Die astronomische Fachkraft des Abends heißt Patrick. Er ist Belgier, Astronom (mit Lehrauftrag in Brüssel, sofern ich das richtig verstanden habe) und spricht deutsch. Er erklärt uns wie Sterne geboren werden und wieder sterben, wie Sternenhaufen entstehen und was eine Supernova ist. Er zeigt uns Sternbilder wie die Libelle oder den Breitmaulfrosch, die erinnern mich an eine Bootstour entlang der Klippen bei Lagos, an der Algarve: da meinte der Bootsführer auch ständig, dieser Felsen würde wie ein Elefant aussehen, der nächste wie ein Indianer usw. Für Breitmaulfrosch und Co. war es uns dann irgendwann doch zu kalt auf dem Dach, auch wenn wir wirklich gut darin wären, uns weitere Sternenbilder auszudenken. Ich sag nur: Orions Schwanz-Schwert.

Aber vielleicht lassen wir das auch besser, und so wird es Zeit für den nächsten Programmpunkt, das wieder Aufwärmen. Die Nachbarn mit dem Exmob, und Andreas und Monika, haben noch Restbestände an Jagertee und Glühwein dabei. Hier ist der Alkoholanteil für unseren Geschmack viel zu hoch, wir trinken sowas ja eigentlich nicht. Zumindest zucke ich beim Jagertee immer so ein bisschen zusammen. Aber zum Nippen ist der Glühwein nicht schlecht – immerhin macht es etwas warm.


M’hamid und erste Wege im Sand

Man könnte nun sagen, man hätte sich auf dem Campingplatz in Zagora zusammen gefunden. Genau dazu geht man dort auch eigentlich auf dem Camping: zum Einkaufen, für Werkstattbesuche und um andere Leute kennenzulernen, mit denen man dann vielleicht in die Wüste fahren könnte. Aber so ganz zufällig haben wir Andreas und Monika (Team Steyr) sowie Philip und Lena (Team Düdo) doch nicht getroffen. Man kannte sich schon, teils online und teils offline, und hat sich hier zusammenterminiert.

Und nun treffen sich Team Düdo, Steyr und Eiwola wieder, in einem Sandfeld abseits der Piste, ein paar Kilometer hinter M’hamid. Wir fahren eine Stunde eher von der Kasbah los, denn wir wollen noch etwas Obst und Gemüse im Ort kaufen, den Kühlschrank schön voll machen.

Und suchen dann ein schönes Plätzchen, zu dem es auch der Düdo ohne Allrad schaffen könnte.

Dabei haben wir irgendwie ein bisschen mit der Bodenfreiheit zu kämpfen. Ups.

Okay, eigentlich war das ja Absicht. Und fünf Minuten schaufeln reichen schon, und es geht weiter. Eine Düne weiter bleiben wir stehen, und warten auf die anderen. Der Düdo kommt auch erstaunlich gut durch, nur auf den letzten Metern reicht es nicht mehr, muss vom Steyr gezogen werden.

Dann aber geht’s los: Aus drei Wohnmobilen stolpern fünf Hunde raus. Und irgendwie ist es wie immer: alle rennen der Ziva hinterher, und Max macht den Schiedsrichter, passt auf, dass bloß keiner zu viel Spaß hat.

Zwischendurch lässt sich Ziva von ein paar Krähen weglocken, ist aber abrufbar und kommt zurück. Und einmal bin ich mit dem Quad los, um die beiden jungen Mädels aus Team Düdo und Eiwola wieder nach Hause zu bringen. Sie hätten den Weg aber auch so gefunden. Ziva ist heute von 12 Uhr mittags bis 10 Uhr abends fast durchgehend unterwegs. Dann erst rollt sie sich am Lagerfeuer ein, ist irgendwann tatsächlich müde! Die anderen Hunde liegen derweil bereits seit Stunden in ihren Bettchen.

Max ist nicht ganz so aktiv, und gönnt sich zwischendurch noch einen Snack: während ich mit Ziva beim Quaddeln bin, holt er sich den rohen Fladenbrotteig, der in der Küche zum Aufgehen liegt, und putzt ihn weg. Und ein Stück war auch noch mit marokkanischem Nutella gefüllt. Reste vom Nutella finden sich auf meiner Sitzbank wieder, und er hat was vom Teig wohl auch erst ausgekotzt und dann nochmal aufgeschleckt. Braucht jemand einen Hund? Wäre gerade günstig abzugeben. Er ist gerade auch nur ein bisschen „komisch“.

Vor allem aber: der Hund, der früher nichts ungefragt vom Boden gegessen hat, der klaut jetzt alles, was er bekommen kann. Also nix mehr liegen lassen. Ihn zur Sau machen hat ja wohl nicht viel gebracht – wir haben ihn erst letzte Woche inflagranti dabei erwischt, wie er die letzten beiden Bratwürste wegschnabuliert hat.


Die Piste, das Wadi und der Spieltrieb

Team Düdo, Steyr und Eiwola einigen sich auf 10 Uhr Abfahrt. Das geht bei den Morgenmuffeln gerade noch so durch, und ich friere beim Quadfahren hoffentlich nicht so sehr. Dennoch starte ich mit drei Schichten Klamotten, denn der morgendliche Fahrtwind ist frisch.

Die Piste ist mal sandiger, mal weniger. Sie ist mal mehr befahren, dann verlieren wir sie etwas, um zu einer anderen Piste zu kommen, und machen einen auf Pfadfinder. Um ins Oued Draa reinzukommen müssen wir nur einen kleinen Umweg fahren. Vielleicht wären wir mit den beiden Allradviechern auch anderswo reingekommen, vielleicht auch nicht. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir den Düdo dabei haben, denn wir müssen nicht wirklich alles probieren.

Wobei man aber auch sagen muss: der Düdo kann echt viel. Was sicherlich auch am Fahrer liegt, denn so mit Schwung zu fahren, das traut sich nicht jeder. Der Vorteil der heutigen Strecke ist, dass sie recht sandig ist. Zwischendrin gibt es im Flussbett auch mal steinige Abschnitte, aber es sind nicht diese fiesen, spitzen Steine, wie wir sie von der Piste letzten Winter kennen.

Irgendwann haben wir unser anvisiertes Ziel erreicht, und bei den Männern kommt der Spieltrieb auf. Also nochmal hier über das Dünchen, schauen, was das Fahrzeug kann. Denn nicht nur Team Eiwola sind auf Jungfernfahrt, auch Team Steyr hat erst letztes Jahr ausgebaut.

Und noch einmal richtig buddeln, denn der Düdo steckt mit der Nase im Sand wie ein Entchen mit dem Köpfchen unter Wasser und das Schwänzchen in die Höh.

Ich habe dann auch erst einmal genug für heute und merke schnell, dass ich viel zu viel Sonne abbekommen habe. Am Morgen etwas Sonnencreme aufzutragen, das wäre echt schlau gewesen. Doch habe ich gar keine und auch durch den Fahrtwind nicht gemerkt, und so glühe ich nun am Kopf, wie ein Brite auf Malle. Das hatte ich ja schon lange nicht mehr. Also schwingt Andre sich noch etwas aufs Quad und sucht Feuerholz, während ich lieber drin und im Schatten bleibe, mich dabei mit dem guten Aloe Vera Spray dauereinsprühe, was mich wohl auch rettet, und vor dem Sonnenbrand des Jahrhunderts bewahrt.

Und weil der Platz hier schön und wohlverdient ist, bleiben wir für heute Nacht erst einmal stehen. Die Hunde können allesamt frei laufen, es gibt ein paar Runden „Fit mit Ziva“ und „Gassiquaddeln“. Von diesem Tag gibt es unfassbar viele Bilder und ungefähr zehn Stunden Filmmaterial. Und weil wir kein Internet haben, nutze ich die Offline-Zeit, um das Filmchen des heutigen Tages zu schneiden. Ganz fertig werde ich damit nicht, es kommt also erst morgen … An dieser Stelle also erstmal ein süßes Hundebild:


Homeoffice im Erg Chegaga

Wie der regelmäßig lesende Blogleser ja weiß, wir können einfach nicht ohne Internet. Und arbeiten gleich zweimal nicht. Und wir stehen eigentlich gerne für länger wo rum, gerne im Nirgendwo. Und genau das ist der heutige Plan: hinfahren, wo wir unsere Ruhe haben, und gutes Internet obendrauf. Die ersten Kilometer fahren wir mit unseren Mitfahrern, dann aber verabschieden wir uns voneinander. Die Anderen möchten die Südumrundung des Erg Chegaga machen, mit Lac Iriki und bis nach Foum Zguid, zurück in die Zivilisation. Wir wollen irgendwo hübsch in den Dünen stehen. Tatsächlich sind wir seit dem Erzgebirge nie länger als 2-3 Tage irgendwo rumgestanden, die längste Zeit war glaub im Erg Chebbi, 4 Tage oder so. Wir brauchen eine Reisepause. Oder machen jetzt zumindest wieder etwas langsamer.

Unser Ziel sind die hohen Dünen vom Erg Chegaga, so ungefähr die Ecke, in der wir letztes Jahr waren. Der Sandsturm macht das Quadfahren zu einer recht körnigen Angelegenheit, und der Umstand, dass es für das gesamte Dünengebiet nur einen Funkturm gibt, macht es nicht einfacher. Wo wir uns ein schönes Plätzchen aussuchen, hat es irgendwie kein Internet. Dafür treffen wir im Nirgendwo auf Hinterlassenschaften, die wohl der Wüste zum Opfer gefallen sind.

Wie diese beiden Reifen, die wohl mal auf einem Lkw drauf wahren, vermutlich auf einem Expeditionsmobil. Da frage ich mich: warum lässt man die mitten im Nirgendwo liegen, warum nimmt man sowas nicht mit? Wenigstens bis vor zur Hauptpiste, wo sie ja alte Reifen als Wegweiser nutzen?

Dann war da noch dieses Dromedar, das sich vermutlich ein Bein gebrochen hat, so zumindest meine forensische Analyse. Und angesichts der vielen Serienmörder-Literatur, die ich in meinem Leben gelesen habe, müsste ich in sowas ja der totale Experte sein.

Und wir sind schon fast an den ganzen Luxury-Wüsten-Camps vorbei, das Internetsignal wird wieder schlechter, da fahren wir einfach mal auf die größte Düne zu, die man im Sandsturm erkennen kann. Ich fahre mit dem Quad vor, eine Terrasse, und noch eine, und irgendwann stehen wir mittendrin. Ein wahnsinnig schönes Plätzchen! Mit 4G Vollempfang! Hier bleiben wir erst einmal für ein paar Tage.

Wir machen, was wir halt so machen: schreiben, fotografieren und arbeiten, gassigehen und gassiquaddeln, chillen und versuchen, dass die 100 Emails im Posteingang irgendwie weniger werden. Es sind jetzt 105.

Und hier schneide ich auch das Video der letzten zwei Tage fertig. Und hier kommt es, mein bisher bestes Video 😉

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Ach ja: hast du Youtube? Dann könnte es sich lohnen, den EIWOLA-Kanal zu abonnieren. Und wenn Du schon gerade dabei bist, lass dem Video doch noch einen Daumen nach oben da.

Zwischendurch kommen zwei Marokkaner aus dem nächsten Wüstencamp zu uns hoch gelaufen, sagen hallo, laden zum Tee ein. Ihre Dromedare kommen zwischendurch auch mal vorbei, eine Karotte snacken.

Und an dieser Stelle möchte ich mich im Voraus entschuldigen, für die verdammt vielen Dromedar-Fotos. Okay, bisher waren es noch nicht so viele, aber das ändert sich jetzt.

Die junge Wüstenkuh habe ich einfach mal „Inge“ getauft.

Ich denke, dass die Inge ein junges Mädel ist. Sie steht etwas abseits von ihren vier Freundinnen, und so bekommt sie die Karotten, die ich dabei habe. Sie alle gehören zu einem der Camps hinter uns. Sie haben Fußfesseln an – das ist einige gängige Methode, damit die Dromedare nicht abhauen, denn so können sie wirklich nur tippeln. Ich muss zugeben, erst fand ich diese Fußfesseln schrecklich. Heute nicht mehr so. Denn sie können sich doch relativ frei bewegen, vom einen Grasbüschel zum nächsten, und sind immerhin nicht wo angebunden oder angezäunt. Oder warten den ganzen Tag aufgesattelt auf Touris, wie es im Erg Chebbi gängig ist.

Ich nutze ein abendliches Lagerfeuer, um mal wieder ein paar Nachthimmelbilder zu machen. Das geht noch besser, aber ich mach das einfach so selten, jedes Mal muss ich mich neu einlernen. Auf jeden Fall macht sich die neue Kamera gut, vor allem auf die Sterne scharf zu stellen, ein Kinderspiel.

Die Hunde finden den Platz hier auch super – so viel Sand, da rennt sogar der Max wie ein Verrückter durch die Gegend. Mitunter macht er nur den Fehler, der Ziva hinterher zu rennen. Und die kennt ja keine Schwerkraft – wenn sie mich mit dem Quad aus den Augen verliert, dann rennt sie einfach die höchste Düne rauf, 100% Steigung sind ihr da egal. Und Max, der einfach blindlings hinterher rennt, kommt kaum die Düne rauf.

Ziva geht an einem Lagerfeuerabend verloren – in der stockfinsteren Nacht muss sie in den Dünen rumstreunern. Ich mache mir ein wenig Sorgen, aber es hilft nichts: wir gehen rein, und schau einer an: kurze Zeit später ist sie wieder da. Wir lassen sie trotzdem noch ein Weilchen draußen sitzen, vielleicht hilft es ja was fürs nächste Mal. Und kalt hat sie ja nicht, das Lagerfeuer brennt noch ein Weilchen. So setzt sie sich auch ans Feuer – aber sobald die Türe aufgeht, ist sie mit zwei Sätzen im Womo und unterm Tisch. Daheim beim Rudel ist es halt doch am schönsten …


Die Piste zurück nach M’hamid

Wir überlegen hin und her, wohin es als nächstes gehen soll. Alleine durch die Wüste fahren, das ist nur eingeschränkt zu empfehlen, und mit mehreren Fahrzeugen und Wagenbewohnern macht das ja auch mehr Spaß. Doch hier trifft man irgendwie keine. Wo sind all die Expeditionsmobile? Wir sehen keine, weder unterwegs noch hier im Erg Chegaga.

Die fürchterliche Piste nach Foum Zguid zu fahren, darauf hat keiner Bock. Also sucht Andre uns eine abwechslungsreich aussehende Strecke raus, die uns im Prinzip wieder dahin führt, wo wir herkommen, nach M’hamid: etwas Piste, einige Sandfelder und ein kleines Wadi. Unterwegs gibt es einen Brunnen. Etwas Wasser auffüllen, das kann kaum schaden. Und los geht’s ich fahre wieder das Quad, das ist nämlich deutlich kurzweiliger als Beifahrer im Laster zu sein.

Der Sandsturm ist längst vorbei, und es ist ziemlich klar.

Die Aussichten unterwegs sind gut, und etwa zur Halbzeit der Strecke kommen wir an dem Brunnen an, der in einem Wadi steht.

Es ist ein einfacher Brunnen, und nebenan wohnt einer. Also nicht in diesem Stoffverschlag, sondern hinter dem Brunnen ist ein größeres Zelt. Ne, hier wollen wir keine 200 Liter Wasser rausnehmen. Erstens dürfte das mit dem Mini-Eimerchen ewig dauern, und vor allem wissen wir nicht, wie der Wasserstand im Brunnen danach aussieht. Hat der Wüstencampbewohner hier dann vielleicht eine Woche kein Wasser mehr, ehe sich der Brunnen wieder füllt? Ne, das machen wir nicht. Und so fahren wir einen kleinen Umweg zu einem größeren Brunnen, den wir bereits vom letzten Winter kennen.

Und was ist, als wir dort ankommen? Eine bestimmt 50-köpfige Dromedarherde ist hier gerade am Tanken. Endlich kann ich meinem neuen Hobby, der Dromedarfotografie, nachgehen! Und dann gibt es auch noch ganz viele Dromedarbabys in der Herde!

Vor lauter Fotografiererei merke ich erst nicht, dass der Dromedarhirte nur auf mich wartet, ehe die Herde weiter zieht. Erst als er mich fragt, ob ich fertig mit fotografieren bin, fällt mir das auf. Die Karawane zieht weiter, und wir parken Eiwola am Brunnen.

Und so ein solarbetriebener Brunnen ist ja schon was Feines. Und nein, lieber kritischer Leser, wir nehmen keinen Wüstenbewohnern das knappe Wasser weg. Erstens ist Wasser in der Wüste überhaupt nicht knapp, zumindest nicht hier. Es sind keine Tiefbrunnen, sondern das Wasser steht ungefähr zwei Meter unter der Erdoberfläche im Brunnen. Und das war letztes Jahr auch schon so. Und im Übrigen waren vor uns bestimmt 50 Dromedare am Tanken. Meine oberflächliche Internetrecherche hat ergeben, dass ein Dromedar bis zu 200 Liter Wasser tanken kann. Kannste dir selber ausrechnen, oder?

Jetzt können auch mal die Köters raus. Ziva bekommt direkt mal einen Anschiss von einer Eselmama, die dem kleinen, neugierigen Hund erstmal Bescheid gibt, dass eine Armlänge Abstand zu ihrem Nachwuchs viel zu wenig ist.

Eigentlich wollten wir die Strecke in zwei Tagen fahren, doch irgendwie sind wir gut voran gekommen. Und so landen wir nachmittags wieder in dem Dünenfeld hinter M’hamid, wo Lena und Philip (Team Düdo) bereits stehen. Ziva und Eckstein sind sehr erfreut über dieses erneute Treffen, die Rennerei geht direkt los.

Wir lassen es etwas langsamer angehen, erstmal Mittagessen, ankommen, und für die nächsten Tage einrichten. Wir wollen ja etwas langsamer machen. Mal schauen, was draus wird 😉

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Wir freuen uns auf ruhige Tage im „kleinen Sandkasten“, im Erg Chebbi. Nach einem Jahr mit ungewöhnlich viel Stress, wünschen wir uns einfach nur Ruhe. Doch da wissen die anderen ja nichts von, und deshalb dauert das mit der Ruhe halt noch ein bissle …


Eingeladen bei der Berberfamilie

Wir erinnern uns an das Ende des letzten Reiseblogposts: wir stehen in einem Sandfeld im Nirgendwo, und bekommen Besuch – erst von Ismael, der seine Schafe hütet, und auf einen Schwatz bei uns vorbeischaut – aber leider weder Englisch noch Französisch spricht. Dafür kann sein Bruder Hassan beides – und er lädt uns ein, auf einen Besuch im Berbercamp seiner Familie. Diese Einladung nehmen wir am nächsten Tag gerne an, und so lernen wir auch seine Mutter und Schwester kennen. Der Rest der Familie ist nicht da – die erwachsenen Kinder sind teilweise bereits weggezogen, oder sie sind bei seiner jüngsten Schwester im Krankenhaus, denn die hat sich den Arm gebrochen.

Wir sitzen im Hauptzelt, tagsüber Wohnzimmer und Esszimmer, nachts Schlafzimmer für die Familie:

Nebenan steht das Küchenzelt, mit einer Kochstelle, einem Erdofen, Vorräte und was man sonst noch so braucht:

Auch Mutter und Schwester sprechen nur Arabisch und Berber, aber um uns für die Bewirtung und Gastfreundschaft zu bedanken, dafür reicht ja auch die Zeichensprache. Ich versuche Hassan noch ein paar Worte Deutsch beizubringen, und nebenbei erfahren wir einiges. Denn unsere neugierigen Fragen werden offen beantwortet. Ihr kleines Camp am Rande des Sandfelder besteht aus einem Hauptzelt, einem Küchenzelt, einem separaten Schlafzelt für seinen Bruder und dessen Frau. Es gibt ein Pferd, mit dem sie zum Wasserholen reiten, und es gibt einige Lämmer und Zicklein, die noch zu jung sind um den ganzen Tag umher zu ziehen.

Strom gibt es auch – ein Mini-Solarpanel und eine Batterie, damit wird eine Glühbirne betrieben und die Handys geladen. Für mehr braucht es keinen Strom. Das Brot ist super lecker, wird in etwas getunkt, was vermutlich ausgekochte Datteln sind. Gebacken wird es im Erdbackofen im Küchenzelt. Wir bekommen auch noch eine Tajine serviert, auch die ist wirklich sehr lecker.

Alles ist sehr einfach, zusammengestückelt und spartanisch. Sie haben nicht viel, und doch wissen sie das, was sie haben, zu schätzen: Die Familie, die schöne Natur in der sie leben. Das hier ist ihr Winterlager, und obwohl es auf 1.000 Metern Höhe liegt, wird es im Sommer hier einfach zu warm – dann ziehen sie ein paar Kilometer weiter, hoch in die Berge.

Hassan arbeitet unregelmäßig in Merzouga, macht Dromedar-Touren mit Touristen. Er ist sehr neugierig, und auch sehr offen, stellt Fragen und beantwortet Fragen. Und er freut sich über jede Arbeit – und ich mache an dieser Stelle gerne etwas Werbung für ihn: wenn ihr Dromedare reiten wollt, fragt doch Hassan!

Es ist eine tolle und aufschlussreiche Erfahrung. So erfahre ich ganz nebenbei: wer Fremdsprachen kann (außer Arabisch und Berger), der hat diese in der Schule gelernt. Fremdsprachen werden dort viel gelehrt, nebst Französisch und Englisch auch Spanisch oder Japanisch.

Wenn Du also mal in der Ecke bist, und eine Runde mit dem Dromedar im Sandkasten Erg Chebbi eine gute Sache wäre, dann melde Dich doch bitte bei Hassan, er hat Facebook und Whatsapp (Nummer bekommst Du auf Anfrage).

Nach zwei Nächten verlassen wir das Sandfeld, doch vorher muss ich noch ein paar Dromedare fotografieren. Die laufen hier frei herum, gehören auch niemandem. Das haben wir letztes Jahr anders gesehen, irgendwie hatten die meisten Tiere eine Fußfessel, damit sie nur tippeln, aber nicht wegrennen können.


Auf in den Sandkasten, auf zum Erg Chebbi

Wir fahren in den Erg Chebbi, bekannt auch als „der kleine Sandkasten“. Im Gegensatz zum Erg Chegaga, „der große Sandkasten“, ist hier viel mehr Tourismus. Es gibt zwei Orte direkt an den Dünen, mit jeder Menge Hotels, Pensionen, Camping, Dromedar-Touren, Quad-Touren, Wüsten-Luxury-Camps, und ich weiß nicht was. Ist nett, kann man machen, haben wir letztes Jahr ein bisschen gemacht. Heute ist uns nicht danach, wir wollen einfach nur rein in den Sandkasten und bis auf Weiteres schön stehen.

Von der geteerten Straße aus sind es ein paar Kilometer Piste, und dann fängt der Sand an. Genauer gesagt die Weichsandpiste. Wir versuchen unser Glück und schauen einfach mal, wie weit wir mit dem Luftdruck kommen – 3 Bar sind eigentlich zu viel für Weichsand. Aber man kann ja mal schauen wie weit man kommt, und dann immer noch Luft rauslassen. Wir kommen weit, ohne Probleme pflügt sich Eiwola durch den Weichsand.

Doch wirklich weit kommen wir dann doch nicht, denn links hat sich ein Trecker verfahren – er ist etwas zu links und steckt in einem Sandhaufen.

Der Fahrer ist schon am Schaufeln, und recht froh, dass wir nicht nur angefahren kommen, sondern auch noch helfen. Der Fahrer ist ein kleiner Junge, höchstens 12 Jahre alt. Und er hat einen Hänger mit Kamelfutter hintendran. Wir weihen unser kinetisches Abschleppseil ein, und ziehen ihn raus.

Viel weiter fahren wir auch nicht, denn wir wollen jetzt erstmal schauen, wie man denn abseits der Sandpiste in die Dünen reinkommt, und ob man da vielleicht schön stehen kann. Die Dünen sind nicht allzu hoch, das sieht alles sehr schick aus. Also erstmal das Quad ausladen, und ich fahre mal eine Runde. Sieht gut aus! Es gibt bei den Dünen auch überall flachere Stellen, über die man gut drüber fahren kann. Also machen wir das.

Und finden ein feines Plätzchen, zwischen zwei Dünen. Man sieht uns von Weitem, aber das stört uns gerade nicht so, und eigentlich ist es auch ganz praktisch. So kann man schön über die Dünen quaddeln, und findet immer nach Hause 😊

Ein Upsi im Erg Chebbi

Ich rechne damit, dass ich Andre mitsamt Quad für längere Zeit nicht mehr zu Gesicht bekomme, denn er saust direkt los. Doch irgendwie kommt er recht bald wieder, sagt irgendwas von „Zusammenpacken“ und „da liegt einer“. Häh? Hat er auf seiner Quadtour doch tatsächlich ein Expeditionsmobil gefunden. Und dann auch noch eines, das sich auf die Seite gelegt hat. Während ich also wieder alles zusammenpacke, lässt Andre für beste Traktion nun doch noch Luft aus den Reifen, und wir fahren die hundert Meter weiter, zu einem sehr unglücklichen spanischen Paar.

Sie haben uns in den Dünen gesehen, und dachten, wir wären Freunde von ihnen. Das waren wir aber nicht, und so haben sie wieder umgedreht. Da ist es dann passiert: nicht genau hingeguckt, und dann einfach drei Meter zu früh nach rechts gelenkt. Da war die Rückseite der Düne zu steil, drei Meter weiter wäre sie flach und problemlos gewesen. Ein Fahrfehler, der auf Unerfahrenheit beruht, Shit Happens. Jetzt kommt es darauf an, dass wir die Kiste wieder aufstellen – und das, ohne dass noch mehr kaputt geht.

Das Fahrzeug ist so ein Landrover-Teil, und da ist eine Kabine drauf. Nicht das optimale Fahrzeug zum Dünenfahren. Zu hoher Schwerpunkt, zu wenig Leistung. Und die Kabine darauf ist etwas loddrig, was die ganze Bergung nicht wirklich erleichtert. Dafür ist das Fahrzeug leicht, hat nur 3,5 Tonnen. Wir rufen einen Freund mit Erfahrung an, der weiß Rat und sagt, wie vorzugehen ist. Die Spanier rufen auch wen an, und bald kommen zwei Herren mit einem Jeep, und sie haben Ahnung, sind bzgl. der Vorgehensweise der gleichen Meinung.

Wir ziehen das Auto also erst ein bisschen nach vorne, um es von der Düne wegzubekommen, damit wir Platz haben um es aufzustellen. Dann erst ziehen wir von der Seite, damit es wieder steht. Eine Stunde dauert die Aktion, dann sind alle erleichtert.

Weiter unten habe ich ein Video eingebunden, da ist diese Aktion auch drauf.

Andre schleppt die Spanier noch über die Sandpiste raus aus den Dünen, auf die feste Piste. Da haben die Spanier echt Glück, dass wir da waren – denn sonst hätte es einen Trecker gebraucht. Was man nämlich auf gar keinen Fall machen darf, ist den Motor zu starten. Das Öl tropft schon zum Luftfilter raus, und der Motor könnte kaputt gehen. Deshalb haben die mit dem Jeep die Spanier auch nach Merzouga in die Werkstatt geschleppt.

Tja, so schnell kann es gehen. Auf dieser pobligen Mini-Düne das Auto auf die Seite zu legen, das muss man erst einmal schaffen. Und trotzdem, ich denke, sie haben verdammt viel Glück gehabt, denn es wurde keiner verletzt. Und ich schätze, am Auto ist auch gar nicht so viel kaputt. Beim Innenausbau eher, und zwei Plastikfenster sind auch hinüber. Aber sogar der Seitenspiegel war noch heile … Und schon am nächsten Tag haben sie sich auf den Heimweg nach Spanien gemacht. Naja, das ist schon verständlich, ich kann mich gut in ihre Lage rein versetzen – schließlich haben auch sie ihr Fahrzeug erst in diesem Jahr ausgebaut, sind damit jetzt erstmals im Sand unterwegs, und auch sie haben sich in Portugal kennen gelernt …

Ruhige Tage im Erg Chebbi

Nun ist aber endlich Zeit für ein bisschen Urlaub, bitteschön! Wir fahren einfach zurück auf unseren Platz und sind für heute echt fertig. Eigentlich sollte das ein kurzer Fahrtag mit ein bisschen Sandkastenspaß und Buchhaltung werden. Irgendwie ist es anders gekommen.

Am nächsten Morgen parken wir nochmal 10 Meter weiter richtig ein, und hier bleiben wir stehen – bis uns was ausgeht. Also Okay, vielleicht fahren wir vorher noch mit dem Quad in den nächsten Ort um was einzukaufen. Denn uns gehen die Mandarinen aus, das geht ja gar nicht.

Erg Chebbi Wüstencamp Expeditionsmobil

Es ist schon geil: jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster gucke, begeistert die Aussicht immer wieder aufs Neue.

Erg Chebbi Sonnenuntergang

Zwischendurch macht Andre etwas Brennholz. Die dicken Stämme für’s Lagerfeuer, die dünneren werden in Holzofen-gerechte Stücke geschnitten.

Wir düddeln also ein bisschen im Sand herum, mal zu Fuß, mal mit dem Quad, mal mit, mal ohne Hund. Ziva streunert um die Dünen drumherum, und zieht immer größere Kreise. Erst waren es zwei Dünen, dann fünf, dann so viele, dass sie es nicht mehr hört, wenn man nach ihr schreit. Moment, Frollein, so geht das nicht. Wir arbeiten also daran, dass sie besser am Basislager bleibt. Das einzig Gute daran ist, dass ihre etwas entzündete Pfote wohl wieder gut ist …

Max macht da ja eher weniger Probleme. Er wechselt alle halbe Stunde mal von der Sonne in den Schatten und wieder zurück. Im Idealfall verlässt er dabei das Wohnmobil oder den Hängesessel, jenachdem wo ich mich gerade aufhalte, nicht. Aber, er hat mindestens einen täglichen Spielanfall, und tobt mit der Ziva umher, wie verrückt. Das hat er normalerweise nicht. Das ist der Sand, der macht aus dem alten Grummelhund ein jugendlicher Flummiköter.

Die momentane Situation ist übrigens der ultimative Beweis, dass Fütterungsempfehlungen auf Hundefutterpackungen voll fürn Arsch sind. Unsere Hunde wiegen in etwa gleich viel. Aber Ziva bekommt derzeit das Dreifache von Max – damit sie nicht noch dünner wird. Ich bin sogar dazu übergegangen, zweimal täglich zu füttern, anstatt nur Abendessen. Einfach, damit ich das viele Futter auch in den kleinen Hund reinbekomme.

Wüstencamp Erg Chebbi Wohnmobil

Was uns hier auffällt: wir stehen bereits seit Tagen am Erg Chebbi, und keiner kommt daher und will was. Alle zwei Tage läuft mal einer zwei Dünen weiter an uns vorbei, sagt Bonjour und läuft weiter. Keiner, der uns eines der Camps schmackhaft machen möchte, der uns Fossilien, Stoffkamele, Tücher oder sonstwas verkaufen möchte. Total komisch.

Und wie ich diese Zeilen schreibe, sitzen zwei Teenager neben uns auf der Düne. Auch sie wollen uns nichts andrehen, hängen einfach nur ein bisschen ab, quatschen und machen Selfies mit Ziva und ihren beiden Schäferhunden. Die von Ziva bereits ausgiebig abgeknutscht wurden.

Hunde in der Wüste

Die zwei Rüden, sie heißen Max und Max, haben sich freilich erstmal kurz gekabbelt, zu viel Machos auf einer Düne – und bei haben sie junge Hündinnen, schätze das tut sein Übriges. Wir tun unseren Max rein, und kurze Zeit später geht die Action auch schon los. Die zwei Teenager bekommen alle paar Minuten einen Lachanfall, weil ihr Max unsere Ziva besteigen möchte. Die junge Schäferhündin mit dem unaussprechlichen Namen hat heute vermutlich gelernt, wie man spielt.

Betreutes Dünenfahren, ein Kundenservice von AMUMOT

Wir ziehen um. Auf Instagram folgen wir einem Pärchen im Bulli, die Mahrsmenschen (ja, das schreibt man mit h) an denen wir schon öfters vorbei gefahren sind, oder eben sie an uns. Seither fahren sie mit einem Abstand von ein paar Tagen quasi hinter uns her. Sie sind ohne Allrad unterwegs – und die freuen sich gerade wie sonstwas, weil sie so einen kleinen Mini-Sandhaufen gefunden haben. Noch wissen sie nicht, dass man auch ohne Allrad an den großen Sandhaufen ranfahren kann. Und so laden wir sie ein mitzukommen.

Erg Chebbi ohne Allrad

Betreutes Dünenfahren, ein exklusiver Kundenservice von AMUMOT? Tatsächlich haben wir ganz nebenbei auf ihrem Instagram rausgefunden, dass Christian und Andrea, die „Mahrsmenschen“, ihr Stromzeugs bei Andre gekauft haben. Zufälle gibt’s, manchmal ist es schon lustig.

Zusammen mit der Einladung kommt ein Einkaufszettel daher, denn Andre zum Einkaufen zu schicken, das war mal wieder nichts. Die Einkaufsliste war lang, aber die Einkaufstüte wurde irgendwie nicht voll. Denn es gibt im nächsten Ort keinen richtigen Obst- und Gemüsehändler, und für noch weitere Wege bis in den übernächsten Ort ist der kalte Wind zu kalt. So bestellen wir etwas Obst und Gemüse. Vor allem die Mandarinen sind aus, Katastrophe!

Eigentlich sind es bis zum nächsten Platz gerade einmal 1,2 Kilometer Luftlinie. Und doch werden wir es heute auf 20 Kilometer bringen, denn der Bulli ohne Allrad dürfte auf der Weichsandpiste ganz leichte Probleme bekommen, daher fahren wir außen rum. Unser Treffpunkt ist auf der Piste, kurz vor einem Oued, der etwas sandig ist. Einmal anhängen bitte!

Spaßeshalber versuchen wir es mit dem Quad, aber da fehlt es dann doch etwas an Power, die Anhängelast ist zu groß. Und so versuchen wir es auch gar nicht erst mehrmals, bevor was kaputt geht. Eiwola darf ran.

Sonst kommt der T3 aber erstaunlich gut durch. Christian hat es bald raus mit dem Schwung, und fährt mit genug Schmackes durch den Weichsand, wir müssen kaum noch ziehen 😉

Hier habe ich dann auch das Quad-Fahr-Video geschnitten – von der Bergung der Spanier bis zum Quaddeln in den Sonnenuntergang, es ist schon sehr launig:

https://youtu.be/y0s2ugySxeg

Wir stehen hier zwei Tage lang rum, zertreten alle Dünen ringsrum, machen Lagerfeuer, essen leckere Bananen, total verkernte Mandarinen und Tajine. Wir toben mit den Hunden durch den Sand, quaddeln, arbeiten und quatschen ein bisschen. Zwischendurch kommen die zwei Schäferhunde, die im Camp nebenan wohnen, vorbei. Max macht deutlich, dass der Alte seine Pfoten von Ziva lassen soll, und springt ihm erstmal an den Arsch. Von nun an treffen sich die beiden Schäferhunde heimlich mit Ziva, hinter der Düne. Soweit kommt Max ja eher selten 😉 Wobei, er ist die Tage erstaunlich aktiv. Kommt mit zum Quaddeln, rennt über Dünen und so. Irgendwie scheinen die Kamelköttel sehr anregend zu sein …

Hier macht es echt Spaß mit dem Quad rumzufahren. Nach dem stärkeren Wind von gestern sind die Dünen jetzt wieder schön glatt.

Wüstencamp Erg Chebbi zwischen Dünen

Quadtour im Erg Chebbi

Sonnenaufgänge und -untergänge sind hier übrigens immer schön, wenn auch mangels Wolken nicht sehr dramatisch. Vor allem in der späten Nachmittagssonne ist es besonders schön, mit dem Quad durch die Dünen zu cruisen.

Erg Chebbi Quad fahren


Die Umrundung des Erg Chebbi

Zwei Nächte bleiben wir, dann geht es weiter, der Erg Chebbi möchte vollends umrundet werden. Ich will mit dem Quad fahren, damit mir nicht ganz so langweilig ist. Aber daraus wird nichts, denn es hat Wind. Und Wind plus Sand ergibt Sandsturm.

Ich denke, das geht auch schlimmer, aber es reicht schon aus, an Quadfahren ist nicht zu denken. Also laden wir das Quad ein, und fahren den großen Sandhaufen östlich entlang. Vorbei an vielen Camps, von Luxury-Desert-Camping bis hin zu einfachen Berber-Nomaden. Hinter der touristischen Seite des Erg Chebbi gibt es Wohnsiedlungen, meist nur aus ein paar Zelten oder einfachen Wohnhäusern aus Lehm bestehend.

Wir fahren östlich des großen Sandhaufens nach Süden. Suchen uns eine Route, die angenehm zu fahren ist – nicht zu steinig, nicht zu sandig.

Zwischendurch machen wir ein paar Fotostopps. Hier eine Eselherde, die aber zu scheu ist um sich meine Karottenstückchen abzuholen.

Wild Esel im Erg Chebbi

Die Dromedare ein Stück weiter wissen wohl bereits, dass die Touris für ein paar Leckerchen gut sind, und ich bekomme fast ein paar Knutscher ab. Aber nur, bis mir die Karotte ausgeht. Ist das letzte Stück gemampft, macht er sich direkt wieder vom Acker.

Dromedar Marokko

Am südlichen Ende angekommen, entscheiden wir uns spontan dafür, noch eine Nacht hier am Rande eines kleinen Dünenfeldes zu verbringen. Der Wind legt sich dann langsam auch, und es ist nicht ganz so frisch wie die Nächte davor.

Diese Mischung aus Grünem und Wüste finde ich sehr interessant. So blüht gerade der wilde Rucola.

Wilder Rucola in der Wüste

Tatsächlich haben die hier kein Mangel an Wasser. Andre hat es die letzten Tage mal ausprobiert: Zwei Meter graben, und schon stößt man auf nassen Sand. Auch gibt es hier überall Brunnen, in denen das Wasser steht. Unseren Wassertank machen wir hier dennoch nicht voll. Denn wenn wir 300 Liter Wasser aus einem Brunnen rauspumpen, wie lange haben die Wüstenbewohner dann einen trockenen Brunnen, ehe sich dieser wieder gefüllt hat? Ne, das lassen wir mal.


Merzouga

Bevor wir getrennte Wege fahren, steuern wir noch Merzouga an. Denn wir brauchen nicht nur Wasser, sondern auch Lebensmittel. Also ab in die Höhle des Löwen, in den Touriort von Erg Chebbi. Aber es geht eigentlich. Also ich weiß nicht, woran es liegt: dass wir jetzt auf der zweiten Reise etwas abgehärteter sind, oder aber es sind einfach weniger, die uns hier anquatschen um etwas zu verkaufen. Vielleicht beides.

Wir kaufen gut ein, und man merkt, dass es in Merzouga mehr Lebensmittelhändler gibt als notwendig. Die dafür durchaus nicht die günstigsten Preise haben. Aber wir wollen nicht meckern, schließlich sind wir hier in der Wüste, in einer totalen Touriecke, und zahlen immer noch Spottpreise, im Vergleich zu so einem Einkauf in Europa. Wir kaufen also Schaf, Obst, Gemüse, Milch und Internet, eingelegte Oliven und frische Kräuter, ein bisschen Süßkram und Hefe. Denn irgendwas muss ich ja mit den fünf Kilos Mehl anfangen …

In einem Kashbah haben wir dann auch nach Wasser gefragt, und bekommen. Hier kann man auch für ein paar Dirham übernachten, auf dem Campingplatz, direkt an den Dünen. Ist auch schön ruhig hier, lediglich ein polnisches Wohnmobil stand hier rum.

Merzouga Kasbah Campingplatz


Die Piste von Merzouga nach Zagora, Teil 1

Dann geht es weiter. Wohin? Nach Merzouga fahren die Allradviecher nach Zagora, so auch wir. Man kann Straße fahren, oder Piste. Die Straße ist totlangweilig, das wissen wir ja bereits vom letzten Jahr. Steinwüste links, Steinwüste rechts, gähn. Also versuchen wir es mal mit der Piste.

Ein paar Kilometer südlich von Zagora geht es ab von der geteerten Straße und rauf auf die Dreckpiste. Und gleich werden wir von einem Typen angehalten. Er meint, dass die Piste gesperrt sei. Und er muss uns auf unserer Karte einen alternativen Weg zeigen. Aha. Und an dem Weg wohnt vermutlich sein Schwager, und dem könnten wir dann doch gleich was mitbringen, und dann … Nene, das kommt uns doch etwas komisch vor. Er behauptet weiter, die Piste nach Zagora sei gesperrt. Andre behauptet, dass Freunde von uns die aber gestern gefahren sind. Er kommt ins Straucheln, und noch während die Denkmurmel rattert, verabschieden wir uns. Und sind gespannt, ob wir durchkommen.

Erst durch ein Dorf, dann über viele Kilometer Piste, irgendwie schlängeln wir uns durch ein Flussbett. Es ist mal steiniger, mal sandiger.

Andre macht diese Art der Fahrerei ja super Spaß, ganz nach dem Motto der Weg ist das Ziel. Ich finde da ja eher das Ziel entlohnt für den Weg. Das könnte heute auch so werden, denn nach ca. 50 Kilometern sehen wir endlich unser Ziel, richtig schöne Sanddünen. Und wir kämpfen uns mit Eiwola sogar auf eine sehr hübsche Düne drauf. Und sind mal wieder begeistert, was der Laster so kann.

Piste Merzouga nach Zagora

Was hier aber nichts kann, ist das Internet. Kein Empfang, noch nicht einmal ein bisschen. Wir liegen in einem weitläufigen Tal, links und rechts ragen die Steinwände hoch, da kommen wohl keine Mobilfunksignale durch. Das wäre ja nicht so tragisch, aber morgen ist Montag, und montags brennt die Hütte bei AMUMOT. Also fahren wir weiter, hilft ja nichts. Wir hoffen noch, im weiteren Verlauf der Düne Internet zu finden, aber da ist nichts. Wir müssen raus aus dem Tal.

Das machen wir auch, fahren ein paar Kilometer weiter. Aber dann haben wir wirklich keine Lust mehr, Internet hin oder her. Wir parken an ein Sandfeld, nett zwischen ein paar Bäumen ein. Ziva guckt erstmal nach den Mäusen, Max wartet ungeduldig aufs Abendessen, Andre quatscht draußen mit einem jungen Marokkaner, der auf dem Moped daher gefahren kommt. Ich packe etwas Schaf mit Gemüse in die Tajine, und weil wir es können, essen wir endlich wieder lecker Mandarinen! Ohne Kerne!

Internet haben wir immer noch keines, was wohl bedeutet, dass dieser Blogbeitrag einen Tag später als geplant online geht. Und es bedeutet auch, dass ich morgen sehr früh aus dem Bett geschmissen werde. Abfahrt bei Sonnenaufgang, voll mein Ding! Aber was jammern wir doch auf einem hohen Niveau. Es gab mal Zeiten, da musste ich daheim im Dunkeln losfahren, um bei Sonnenaufgang rechtzeitig auf Arbeit zu sein, und bin erst im Dunkeln wieder heimgekommen. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei.

Wenn Du diesen Artikel also gelesen hast, haben wir Internet – und sind vermutlich schon ein Stückerl weiter auf der Piste. Auf dem Weg nach Zagora, der Vorort zum GROSSEN Sandkasten …

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Über das Ankommen und unsere kleine Sim-Karten-Odyssee habe ich ja im letzten Reiseblog bereits berichtet. Heute geht es also ans Reisen – unser zweiter Tripp durch Marokko! Wir fahren von Tanger über Meknes und den Hohen Atlas nach Errachidia – die Stadt, deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe auswendig lernen muss. Und die einen Sandkasten in der Nachbarschaft hat 🙂


Ankommen: mit der Fähre von Tarifa nach Tanger-Ville

Aber lass mich nochmals kurz auf die Fährfahrt nach Marokko eingehen. Denn viele waren erstaunt, dass wir nicht über Algeciras gefahren sind, sondern ab Tarifa. Hier fährt eine kleinere Schnellfähre von FRS, die auf Personen und Pkws ausgelegt ist, nicht auf Lkws. Wir haben dennoch drauf gepasst – vermutlich, weil sonst kein anderer Lkw mit dabei war, was die Dame am Ticketschalter vorher kurz abklärte. Für uns kostet ein Ticket 230€, für die Hinfahrt und Rückfahrt ohne festen Termin. Es geht nach Fahrzeuglänge, für kleinere Wohnmobile wird die Überfahrt nach Tanger-Ville also etwas günstiger. Die Visum-in-Pass-Stempelei findet auch hier direkt auf der Fähre statt, der restliche bürokratische Kram wird im Hafen erledigt.

Bei lustigem Wetter gibt es Wellengang, bei marokkanischen Reisegruppen mit Übergepäck kann es zur moderaten Verspätung kommen. Aber alles halb so wild.

Im Gesamten finde ich diese Fährverbindung nach Marokko besser also die von Algeciras: Alles ist übersichtlicher, das Hafengelände ist kleiner, die Warteschlangen sind kürzer. Auch, dass man bereits in Tanger-Stadt rauskommt, ist von Vorteil – denn da wären wir sowieso hingefahren. Ein Nachteil kann natürlich die Fahrt raus aus Tanger sein: es ist eine marokkanische Großstadt. Es sind aber nur ein paar Ampeln und zwei Dutzend Kreisverkehre, dann ist man schon raus 😉

Auf jeden Fall werden wir standesgemäß begrüßt. Sie haben sogar ein neues Wohngebiet nach mir benannt 😀

PS: Die Stadt „Tanger“ heißt eigentlich „Tanja“, zumindest hat ein Zollbeamter mir das so erzählt. Auf jeden Fall spricht man es im Arabischen „Tandscha“ aus. Passt also.


Fahren: Nach Larache und Meknes

In Larache soll es eine billige Tankstelle und einen Supermarkt geben, außerdem kann man dort auf einem Strandparkplatz übernachten. Hört sich gut an, machen wir, auf nach Larache. Während Andre um die 500 Liter Diesel für 91 Cent den Liter tankt, gehe ich shoppen. Zeit für die ersten marokkanischen Oliven! Da wir nun auch neue Sim-Karten, aber immer noch kein Internet haben, müssen wir noch nach Larache rein fahren, Aufladekarten holen. Dann ist aber auch gut für heute, und wir schaffen auch noch die letzten Kilometer raus aus der Stadt, über den Fluss und an den Strandparkplatz. Hier bezahlen wir dem Parkwächter 40 Dirham und bleiben für die Nacht hier stehen. Hier ist nichts los, das sollte eine ruhige Nacht werden.

Fünf Minuten später hat uns das Hunderudel entdeckt. Und genau deshalb habe ich schon in Spanien das Scalibor-Halsband angelegt – Max und Ziva sind gleich mittendrin, Willkommen in Marokko! Mit dem letzten Licht entstehen noch ein paar Bilder von den Wellenbrechern von Larache, dann ist aber gut für heute. Das Hunderudel sieht das anders, und solange noch Bewegung auf dem Strandparkplatz ist, gibt es auch Gebell. Erst als alle Besucher und Angler weg sind, wird es ruhig. Eine unruhige Nacht habe ich dennoch, denn sie fangen nachts immer wieder mal an zu bellen, und die Dieselmotoren der Fischerboote sind auch verdammt laut.

Am nächsten Morgen geht das Gebelle weiter, dieses mal in einer anderen Tonlage – ein Hundekind steht draußen vor dem Bananenlaster und hat Schiss vor dem Ungetüm. Irgendwann nehme ich mal etwas Hundefutter mit nach draußen – aber komme nicht an ihn ran, er ist ein ganz großer Schisser. Warum ein Hund mit vielleicht fünf Monaten so einen riesen Schiss vor Menschen hat, das willste nicht wirklich wissen … Also zücke ich den Joker: Ziva. Und fünf Sekunden später ist Ruhe. Einmal von Ziva durchgeknutscht zu werden ist wohl eine gute Medizin. Langsam kommen auch die Erwachsenen vom Hunderudel angedackelt, und wir machen uns davon. Ist auch besser so, ehe ich das arme Hundekind doch noch einpacke …

Heute fahren wir nach Meknes. Eine längere Etappe, viel Landstraße, über 200 Kilometer. Unterwegs die typisch marokkanischen Aussichten einer Landstraße: Eselskarren, Märkte, Schafherden, Baustellen. Zwischendurch setze ich mich mal nach hinten, um mit dem Laptop auf dem Schoß etwas am Blog zu schreiben. Hinten zu sitzen hat was. Man kann ganz wunderbar von oben auf die Leute herabschauen. Ups, das habe ich jetzt nicht ganz so gemeint 😉 Also ich meinte, man kann die Reaktion der Marokkaner beobachten, wenn Eiwola an ihnen vorüber fährt. Viele reagieren erst spät, da Eiwola von vorne ja schon wie ein Laster ausschaut. Wenn sie dann aber merken, dass es ein Haus auf Rädern ist, kommt das große Gegrinse, Gewinke, Daumen hoch.

Wobei ich auch zugeben muss: es ist manchmal schon komisch, durch Gegenden zu fahren, in denen die Armut so greifbar ist. Regionen, in denen Menschen ihr ganzes Leben lang nicht so viel verdienen, wie bei Eiwola alleine diese überteuerten KCT-Fenster gekostet haben.

Dass Andre in einer Stadt an einer Tankstelle anhält, wundert mich erst nicht. Auch, dass er mit jemandem redet nicht, die Tankstellen haben hier Betankungspersonal. Doch irgendwie quatschen die ein bisschen viel, oder? Ich mache den Durchstieg zum Fahrerhaus auf, und bekomme noch mit, wie der Typ, der an Andres Fenster steht, was von „Ich liebe dich“ sagt. Na klasse, er hat einen Marokkaner gefunden der ihn zuquatscht, da bleibe ich lieber hinten. Dann schaue ich doch mal aus dem Küchenfenster: das ist ja Polizei. Zwei Motorradpolizisten „unterhalten“ sich mit Andre. So gut das eben geht, denn er kann kein Französisch, und die Herren kein / kaum Englisch. Sie lassen Andre dann auch noch aussteigen, doch er kommt kurz darauf wieder zurück, und wir fahren weiter.

Erst jetzt bekomme auch ich die Auflösung: Wir befinden uns in einer Lkw-Verbotszone. Da war wohl ein Schild zu Beginn der Innenstadt. Das hat Andre sehr wohl gesehen, aber da waren auch 15 Tonnen mit aufgemalt – aber ob das offiziell oder mit Edding gemalt war, da ist er sich auch nicht mehr sicher. Auf jeden Fall wollten die Polizisten erst Geld, am liebsten Euros, dann aber doch nicht. Etwas skurril das Ganze – wir vermuten, dass es primär um etwas Abwechslung ging, so einen Laster sieht man ja nicht alle Tage. Wir zumindest haben bis jetzt noch kein anderes Expeditionsmobil in Marokko gesehen.

Wir fahren weiter bis nach Meknes. Dort kann man auf einem Parkplatz nahe der Innenstadt übernachten. Natürlich fahren wir auch nun wieder durch eine Lkw Verbotszone, um dorthin zu kommen. Ist aber auch schwierig – diese Zone wird nicht angekündigt, es gibt erstmal keine Wendemöglichkeit, und wir wissen nicht, wo sie endet, vor oder nach dem Parkplatz. Diesem Thema müssen wir uns nochmal annehmen – wollen ja keinen Ärger mit der Polizei haben. Und mit denen rum diskutieren, dass wir ja gar kein Lkw sind, sondern ein Wohnmobil, ich weiß nicht, ob das was bringt.


Meknes, die Königsstadt

Irgendjemand hat irgendwann gesagt, ich müsste unbedingt Meknes angucken. Gesagt, getan. Wir gehen noch am Abend in die Stadt. Wir haben Hunger, und dass auf dem zentralen Platz die Post abgeht, das war bereits bei der Vorbeifahrt zu vermuten.

Ich weiß nicht, ob es der Hunger ist, der uns über den Platz und durch die Gassen treibt … Aber irgendwie reißt es uns heute nicht mit. Es ist ein bisschen wie in Marrakesch, nur in kleinerem Format. Und, es gibt hier nicht viele ausländische Touristen. So werden wir zigmal angequatscht. Ich brauche wirklich eine einheimisches Outfit für solche Unternehmungen, vielleicht ist es mit einem Kopftuch ja entspannter?

Eigentlich wollten wir uns durch die Fressbuden an der Straße futtern, doch die hatten irgendwie nur Süßes oder Pizza, wir aber haben Hunger.

Und so besuchen wir das wohl teuerste Restaurant am Platze, das mit der Terrasse, von der man einen Blick über das Treiben auf dem zentralen Platz hat. Das Essen ist gut, auch wenn Andre von seiner Portion nicht wirklich satt geworden ist. Die Preise für marokkanische Verhältnisse nicht gerade günstig, aber passt schon.

Das Unterhaltungsprogramm findet drei Stockwerke tiefer statt – Teenager üben sich im Karaoko-Rappen, ein Polizist regelt dauerpfeifend das Verkehrschaos, auf dem Platz gibt es die üblichen Freizeitangebote: Ponyreiten, VR-Brillen-Erlebnisse und Flaschenangeln.

Auch der Blick über unsere Köpfe ist interessant. Die Schirme, unter denen wir sitzen, sind auf jeden Fall massiv gefertigt und sollten auch recht windfest sein.

Nach dem Essen gehen wir noch eine Runde übern Platz. Die Marokkaner stehen auf Schneckenessen, das haben wir in Marrakesch auch schon gesehen. Ich finde Schnecken nicht wirklich lecker, Andre sowieso nicht, aber es scheint eine gewisse Tradition zu haben.

Und eigentlich hätten wir hier auch noch eine neue Tajine kaufen sollen, wenn wir schonmal da sind. Aber da wird es noch mehr Gelegenheiten geben, da bin ich mir sicher.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag noch in die Stadt rein, doch irgendwie haben wir keine große Lust. Dabei ist sie sicherlich schön – noch in keiner marokkanischen Stadt habe ich so schön verzierte Häuser gesehen, von außen wie von innen.

Und auch die Auslage in diesen Läden sieht fein aus …

Erstaunt sind wir darüber, dass es hier kaum Wohnmobile gibt. Auf dem Parkplatz stehen wir nur zu Dritt, aber auch unterwegs trifft man kaum Wohnmobile. Und Expeditionsmobile sowieso nicht. Ich vermute, dass diese sich kaum hierher verirren, sondern den schnellsten Weg in den Sandkasten nehmen.


Azrou: Affen, Schnee und Zedern

Wir fahren durch Azrou durch, dieses Mal glaube sogar ohne Lkw-Verbotsschild, und landen in einem Zedernwald. Hier ist erstaunlich viel los, was aber wohl nicht alleine an den Bäumen liegt. Denn hier gibt es 1. Riesige, alte Zedernbäume und 2. Affen und 3. Schnee. Überall, wo tagsüber die Sonne nicht hinkommt, liegt tatsächlich Schnee! Fühlt sich absurd an, denn wir haben T-Shirt-Wetter. Aber, wir sind auf ungefähr 1.200 Metern Höhe, und die Nacht könnte kalt werden.

Beginnen wir mit den Zedern: wir sammeln etwas Holz, denn davon liegt hier genug rum. Das ist etwas zu feucht, brennt daher eher schlecht, dafür riecht es gut. Dann die Affen: Sie sitzen auf dem Baum, außer man lockt sie mit Futter an. Hunde mögen sie gar nicht, ein riesen Geschrei, hoch oben vom Baum runter. Dann liegt hier tatsächlich Schnee rum, der ist aber ziemlich hart, kein wirkliches Highlight.

Wir stehen auf einem Parkplatz, an dem ein Picknickplatz angrenzt. Hier ist einiges los, Familien und Schulklassen kommen daher. Die Polizei hat uns auch schon gesehen, aber unerwarteterweise nicht für uns interessiert. Ich hätte damit gerechnet, dass wir auf den Parkplatz an der Hauptstraße verwiesen werden, denn da stehen bereits einige Wohnmobile, und ich denke wir stehen im Naturpark.

Die Nacht ist frostig, um die Null Grad. Nach den letzten beiden Nächten am lauten Strandparkplatz und in der Innenstadt finde ich die Ruhe hier super. Ein paar zwitschernde Vögel am Morgen, sonst gibt es keine Umgebungsgeräusche. Im Übrigen haben wir seit Marokko nur blauen Himmel und Windstille. Träumchen.

Am nächsten Morgen geht es weiter, sobald die Windschutzscheibe aufgetaut ist. Wir fahren weiter nach Süden. Vorne an der Hauptstraße fährt sie gerade auf den Parkplatz, die Wohnmobilkarawane. Bestimmt zehn Spanier, die wohl schon einiges gefahren sind, während wir noch beim ersten Kaffee saßen. Es ist vielleicht 11 Uhr, und die Händler warten schon auf ihre Gäste. Erdnüsse für die Affen werden hier gut gehen.


Mittlerer Atlas bis Hoher Atlas

Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Stausee. Der erste Eindruck ist so mittel, denn am anvisierten Plätzchen klitzert es. Das sind die Glasscherben, die in der Sonne klitzern, und davon gibt es hier viele. Also fahren wir einfach mal ein Stück weiter, und werden dann auch fündig, können schön am Ufer parken. Hier ist es sauber, ruhig und kalt. An den Berghängen liegt Schnee, und auch der See hat noch einige Eisschollen.

Viel ist hier nicht los, bis auf ein junges Eselpaar. Die sind frisch verliebt oder so, zumindest schwingt sein Schwengel fast bis an den Boden. Zutraulich sind sie, und Apfel mögen sie auch.

Ansonsten findet uns noch ein junger Marokkaner, der sich mit Andre auf Englisch unterhalten muss, weil ich gerade am Kochen bin. Von ihm erfahren wir, dass es vor zwei Monaten geschneit hat. Wow, dann hat sich der Schnee aber lange gehalten. Und, dass hier bald ein Hotel gebaut wird, dann kann man hier nicht mehr stehen. Mich beeindruckt, dass ein junger Mann, der Arabisch, Französisch und Englisch spricht, ein Ziegenhirte ist.

Er verrät uns auch, dass wir uns gar nicht im „Hoher Atlas“ befinden, sondern im „Mittlerer Atlas“. Und das wohl schon seit gestern, denn Azrou gehört auch noch zu diesem Gebirgszug. Aber befinden wir uns schon an der südlichen Grenze, südlich von Midelt kommt dann der Hohe Atlas. Kleine Nachhilfe in Geographie, kann ja bekanntlich nie schaden …

Hier fällt mir auf, dass Max sich an eine alte Angewohnheit erinnert hat: Sobald Andre einsteigt, rennt er im gestreckten Galopp auf Eiwola zu und will unbedingt und sofort einsteigen. Das hat er beim Vario auch gemacht, doch die letzten Monate gar nicht. Der Unterschied ist nur, dass er im Vario auch direkt einsteigen konnte, hier geht das nicht. Ziva fragt sich derweil was die Aufregung soll – aber sie wird es schon noch lernen, die „guten“ Sachen lernen sie ja immer schnell.

Wir fahren zielgerichtet nach Süden, immer schön in Richtung Sandkasten. Also geht es jeden Tag ein Stück weiter. Aber nicht zu viel, denn bei den ganzen Bergen, Kurven, Städten und Baustellen kommt man nicht so schnell voran, und viele Kilometer sind anstrengend. Und das Reisen soll ja nicht anstrengend, sondern angenehm sein. Deshalb machen wir langsam, so ist es uns sehr genehm.

Heute geht es an einen anderen See. Mit einer langen, holperigen Piste als Anfahrt. Ein Stausee, dessen Wasser wahnsinnig blau ist.

Der offensichtlich auch schon voller und vor allem voller Algen war – denn das weiße Zeugs am Ufer muss sowas sein. Jetzt aber ist es trocken und spröde – doch das scheint den Köters zu gefallen, nach anfänglicher Skepsis rennen sie darin herum, wie die Irren.

Und, wie es in Marokko nunmal ist: du kannst noch so sehr in der Pampa stehen, irgendein Marokkaner kommt immer daher.

Heute ist es eine Schafherde mit Hirte, und zwei Lkws, die hier ihre Laster mit diesem groben Sand beladen (von Hand natürlich), warum und wozu auch immer.

Hier verbringen wir Silvester. Ganz ohne Partyhut und Countdown. Dafür mit etwas für Marokko untypischem Essen: es gibt bayrischer Leberkäse mit schwäbischem Kartoffelsalat und Tomatensalat zu Mittag. Und Apfelstrudel als Abendessen. Extra durch die halbe Weltgeschichte gefahren, für die Feiertage …

Am nächsten Tag geht es weiter. Ich fahre ein Stück, denn ich bin bisher immer noch nicht mit Eiwola gefahren. Also direkt mal Hoppelpiste und etwas Landstraße mit ohne Verkehr. Es geht eigentlich, schalten und lenken und bremsen, ist halt alles etwas grobmotorischer als beim Ducato, aber geht. Auffällig ist, dass die Kupplung echt schwer geht. Aber dafür muss man nicht so viel kuppeln. Und, dass man beim Schalten aufpassen muss, dass kein Hundeohr dazwischen ist. An Max seinem Schaltknüppel-Fetisch müssen wir echt noch arbeiten.

Natürlich kommen uns die Marokkaner mit den Lkws entgegen, und entweder finden sie unseren Laster toll, oder dass da eine Frau am Steuer sitzt – was man ja in Marokko eher selten sieht. Noch bevor wir nach Midelt fahren, machen wir einen Fahrerwechsel – denn in der Stadt muss ich dann doch nicht selber fahren… Im Übrigen gibt es nur ein Problem, ein typisches Frauenproblem: ich fahre barfuß, und im Fahrerhaus haben sie die Fußbodenheizung vergessen.

Wir kaufen ein bisschen ein – Gemüse, Obst und Internet. Ich liebe diese Obst- und Gemüsestände! Für 50 Dirham (4,60€) bekomme ich einige Kilos: Kartoffeln, Zwiebeln, Artischocken, Zucchini, Aubergine, Mandarinen, Bananen, Granatapfel. Ich glaube, heute gibt es Tajine 😀

Wir tanken noch etwas Wasser, an einem öffentlichen Wasserhahn am Straßenrand. Eigentlich wollten wir auf einen Campingplatz, doch irgendwie haben wir keine große Lust darauf, Wasser brauchen wir aber – also nehmen wir das hier. Das kostet nichts, keiner kassiert hier, also lass ich wenigstens etwas Geld in dem kleinen Kiosk gleich nebenan da. Doch mehr als ein paar Stückchen Süßkram kaufe ich dann doch nicht – erstens haben sie nicht viel, und zweitens haben sie keine Lust. Vielleicht verkaufen sie auch nichts an Frauen, oder an Frauen ohne Kopftuch, keine Ahnung. Noch nie habe ich einen so apathischen Ladenbesitzer gesehen. Gut, wer nicht will der hat schon.

Verkaufstüchtiger sind dafür alle Anderen. Wir kommen langsam wieder in diese Gegend, in der dir jeder am Straßenrand was verkaufen will, von Argan-Öl bis Fossilien. Wo einige Kinder und Mercedes-Fans nett winken, viele aber auch einfach betteln. Wo Mütter ihre Kinder im Kindergartenalter zur Straße vorschicken zum Betteln. Wo die Leute am Straßenrand, auch kleine Kinder, so tun als bräuchten sie Wasser, man sich aber ziemlich sicher ist, dass das nur eine Masche ist.

Es ist dieser eine Punkt, der mir in Marokko nicht gefällt: du weißt nie, ob es Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Neugierde ist. Oder ob es einen Hintergedanken gibt. Nun würde es uns ja nicht wirklich weh tun, hier und da etwas zu geben – zumal es ja auch wirklich Menschen sind, die nicht zu den Gutverdienern in Marokko gehören. Und doch denke ich, es wäre falsch. Die Kinder darin zu bestärken, dass das Betteln ein guter Weg ist um etwas zu bekommen. Ich weiß, ich habe mich da schon letzten Winter etwas aufgeregt. Wahrscheinlich rege ich mich nochmal drüber auf, denn das wird im Süden ja nicht besser.

Für heute landen wir in einer Kiesgrube nahe der Straße. Wir sind immer noch auf 1.500m Höhe, in der Sonne ist es also schön warm, im Schatten nicht. Und nachts schonmal gar nicht. Die Kinder kommen auf Fahrrädern angefahren, aber sie bekommen keine Bonbons, in der Tajine köchelt das Huhn, Spanier mit Kastenwagen gesellen sich zu uns, lassen die Kinder ebenfalls abblitzen, die Wäsche wird hoffentlich noch trocken ehe die Sonne untergeht.

Auf dem Weg hierher kommt uns übrigens die spanische Wohnmobilkarawane entgegen. Erst wundern wir uns kurz, dann wird klar: die kommen von Erg Chebbi, waren ganz bestimmt in Merzouga und sind jetzt schon wieder auf dem Rückweg. Also entweder reisen die ziemlich schnell, oder wir sind ziemlich langsam unterwegs.

Tajine-Kocherei

Kaum in Marokko, gibt es wieder öfters Tajine. Okay, die gibt es bei uns eigentlich das ganze Jahr über. Mit dem guten Vorsatz der etwas gesünderen Ernährung, verbunden mit dem außerordentlich leckeren Gemüse und dem schonenden Garen in der Tajine, passt das alle gerade irgendwie zusammen. Und so gibt es Experimente in der Tajine: mit Hühnchen, Lachsfilet oder Artischocke. Da kann ich meine Tajine-Rezepte demnächst erweitern.


Errachidia الرشيدية

Errachidia – seit einer Woche unser anvisiertes Ziel, denn hier kann man nochmal richtig einkaufen, ehe es in den Sandkasten geht. Es gibt einen Marjane, und einen großen Souk. Viel brauchen wir nicht aus dem Marjane, aber durchaus ein paar speziellere Dinge.

Wie einen neuen Pfannenwender. Der Alte lag nämlich vor einigen Tagen in der Hundehöhle, mit Bissspuren dran. Auch die Auflaufform mit dem restlichen Essen, lag an diesem Abend gut vorgespült nicht mehr auf dem Küchenblock, sondern auf dem Boden. Man könnte da jetzt das Hundekind beschuldigen, aber irgendwie habe ich den Verdacht, dass vor allem der Althund da seine Pfoten mit im Spiel hatte.

Aber erst einmal geht es vollends über den Hohen Atlas drüber – durch die „Gorges du Ziz“, also die Ziz-Schlucht, und dann durch das Ziz-Tal.

Wir fahren so vor uns hin, ich hab die Noise Cancelling Kopfhörer drin. Wenn das Laster sich den Berg hocharbeiten muss, ist er ein bisschen lauter. Und wenn die Straße so einen komischen Belag hat, dann sind die Reifen laut. Und beides ist eine Frequenz, die macht mir Kopfschmerzen. Das Dröhnen bekommt mir nicht. Mit Noise Cancelling und Musik auf den Ohren kann ich die Landschaft vielmehr genießen. Wir werden im Fahrerhaus wohl noch etwas Schalldämmung anbringen, aber bis dahin komme ich mit meinen Noise Cancelling Kopfhörern von Sony gut zurecht. Es ist herrlich ruhig, sogar wenn Andre mit mir redet …. 😉 Ne, also wenn man die Musik wirklich ganz leise macht, dann bekomme ich es mit, wenn er was sagt. Aber wer hört schon ganz leise Musik, sowas macht man ja nicht. Also bin ich zeitweise quasi „offline“, und gucke mir die Welt mit einem Schalldämpfer im Ohr an.

Ich gucke also so in der Gegend rum, da flitzt ein Verkehrszeichen an mir vorbei: Höhenbegrenzung 3,50m. Hopsala, mitten auf der Nationalstraße, einfach so? Und tatsächlich, zwei Kilometer weiter wiederholt sich das Schild, es markiert die Durchfahrtshöhe eines in den Fels gehauenen Tunnels. Wir überlegen noch, ob wir mit unseren 3,70 Metern da durchfahren möchten, sieht ja eigentlich höher aus als 3,50m … Da winkt uns vom anderen Ende des vielleicht 50 Meter langen Tunnels ein Militärmann durch. Also Augen zu (oder besser auf die Tunneldecke gerichtet) und durch. Reicht locker. Und am anderen Ende sitzen tatsächlich drei Herren vom Militär und passen auf den Tunnel auf. Marokkaner winken sie durch, Touris mit Wohnmobilen werden zum Anhalten und Fotos machen aufgefordert. Ich lass das mal so stehen 😉

Ich quatsche also mit den Herren, während Andre ein paar Fotos macht. Auf meine Frage hin, ob da noch mehr solcher lustiger Tunnels kommen, lacht er nur und verneint, es gäbe in ganz Marokko nur zwei Tunnel, und das hier ist einer davon. Ich habe nicht nachgefragt wo der andere ist, aber er ist wohl anderswo.

Die Ziz-Schlucht ist ansonsten sehr hübsch, heute am Vormittag aber recht unfotogen, da im Schatten liegend. Doch dann wird die Schlucht zum Tal, alles wird weitläufiger und sonniger. Das Ziz-Tal ist bekannt für seine Datteln, und auch Olivenbäume gibt es ohne Ende. Der Bach führt Wasser, alles ist grün. Wir fahren durch ohne anzuhalten, und so entstehen Fotos, indem ich die Kamera aus dem Fenster halte. Ein paar gute Bilder sind mit dabei:

Der Marjane in Errachidia zählt nicht gerade zu den am meisten frequentierten Geschäften im Ort. Es kommen ungefähr fünf Kunden auf zehn Mitarbeiter, und wir haben kaum etwas gekauft. Noch nicht einmal einen Pfannenwender, denn sie haben keinen. Ach Mist, hätten wir den Alten nur nicht verheizt, da hätte man doch anderthalb Neue draus schnitzen können … Egal, wir fahren weiter zum Souk.

Die Parksituation ist undurchsichtig, und so stellen wir Eiwola einfach direkt am Eingang ab. Andre bleibt am Auto und lässt den Blinker an, wird schon keiner meckern. Ich gehe derweil einkaufen. Träumchen. Zwanzig gut gefüllte Stände, nur mit Obst und Gemüse. Dazu Händler, die sich spezialisiert haben: einer verkauft Eier, der nächste Oliven, dann kommen Mandarinen, bei einem alten Mann kaufe ich Petersilie. Vieles kostet 1 Dirham: 1 Ei, 1 Bund Petersilie, 100 Gramm eingelegte Oliven. Angenehm finde ich es, dass die Händler viel weniger aufdringlich sind als anderswo. Hier und da nettes Gequatsche, und der Junge vom Mandarinenstand hat mich vermutlich den Touriaufschlag zahlen lassen, aber im Gesamten eine sehr entspannte Sache. Und qualitativ ist das, was man hier bekommt, einfach nur der Hammer.

Ich war nur im vorderen Teil des Souks, denn wir parken recht zentral, und so spare ich mir die Suche nach einem Pfannenwender ähnlichem Gegenstand auf dem großen Außenbereich. Denn wenn ich da mal anfange durchzulaufen … bis ich da wieder raus komme … Also fertig mit einkaufen, und raus aus der Stadt, schließlich haben wir noch ein paar Kilometer vor uns.


Sandkasten! Klein, aber fein

Eigentlich wollten wir heute noch einen Zwischenstopp an der Strecke einlegen, und morgen im Erg Chebbi, irgendwo bei Merzouga, ein Plätzchen in den Dünen suchen. Planänderung! Andre hat ein paar Mini-Dünen gefunden, da wollen wir mal gucken gehen. Also noch ein paar Kilometer südlich, dann raus aus dem Ziz Tal und hoch auf ein Plateau. Hier finden wir auch fast auf Anhieb ein paar Minidünen, die eigentlich nur Sandfelder sind.

Genau das, was wir jetzt brauchen 🙂 Wir fahren durch das Oued, an ein paar faulen Dromedaren vorbei. Die sind morgen hoffentlich auch noch da, ich brauch Dromedar-Fotos! Ein Stück weiter stehen / fahren wir auch schon im Weichsand. Eine schöne Mischung aus Büschen und feinem Sand. Wir stehen zwar auf relativ offener Fläche, so dass man uns vermutlich kilometerweit sehen kann, aber was solls – ist ja nicht viel los hier.

Die Hunde finden den Platz auch richtig super, und rennen eine Runde nach der anderen. Max hat seine fünf Minuten, und Ziva ist ganz entzückt, dass er mit ihr durch die Dünen rennt.

Andre lädt das Quad aus, und abwechselnd gehen wir mit Ziva quaddeln. Max kommt nicht mit, oder besser gesagt hat keiner den armen Max mitgenommen, was er dann erstmal ziemlich doof findet, als ich mit Ziva zurück komme. Wir brauchen dringend einen Hundegepäckträger oder sowas! Bei dem Gelände kann ich Max nicht vor mich nehmen, da brauche ich beide Hände zum Lenken. Und ich bin mir unsicher, ob Max sich da nicht auch mal übernimmt. Sein Beinzittern bei Überanstrengung kommt immer häufiger.

Wobei es ja eigentlich lustig ist, dass der faulste Hund der Welt überhaupt mit zum Quaddeln will. Geht Andre mit beiden Hunden Gassi, wie vor ein paar Tagen am See, dann lässt sich Max nach drei Minuten unauffällig zurückfallen, um in einem geeigneten Moment umzudrehen und zurück zum Wohnmobil zu schleichen. Wenn ich dann aber eine halbe Stunde später raus gehe, dann ist Max voller Elan mit dabei. Max geht am liebsten mit mir Gassi, egal ob zu Fuß oder mit dem Quad. Keine Ahnung, wie sich das entwickelt hat.

Wir haben übrigens Eivoodoola gehisst. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das bei den Marokkanern gut ankommt, also wird sie vorerst ein lauschiges Plätzchen im Fahrerhaus bekommen.

Und wie es so ist, man ist in Marokko nie alleine. Ein junger Mann streift mit seiner Schaf- und Ziegenherde durch die Dünen. Einen Hund hat er auch dabei, und der wird von Ziva abgeknutscht, und von Max vermöbelt. Keine Ahnung was war, aber 10 Sekunden später ist wieder alles gut. Manchmal rappelts halt, wenn zwei Rüden einen auf dicke Hose machen. Der Ziegenhirte kommt dann auch ran, zum Quatschen. Blöd nur, dass er deutlich schlechter Französisch spricht als ich es schon tue. So ist das Gespräch sehr schleppend, trotz Pantomime. Ich erfahre, dass die Schafe durchaus was zu futtern finden, und er nicht weit entfernt in einem Berbercamp wohnt.

Er zieht weiter, ich koche, wir essen. Zu Sonnenuntergang haben uns zwei Jugendliche mit dem Moped gefunden, aber sie trauen sich nicht an uns ran. Und dann steht da plötzlich ein junger Marokkaner neben dem Wohnmobil, keine Ahnung wo der jetzt herkommt. Er klopft auch, und Andre schaut, was er will. Es stellt sich heraus, dass er der Bruder vom Ziegenhirte ist, er nicht nur Französisch sondern auch Englisch spricht, und er uns zum Abendessen bei seiner Familie einladen möchte. Heute nicht, der Tag war lang, wir sind durch – aber morgen schauen wir gerne bei ihnen vorbei.


Zwischenfazit: In einer Woche von der Fähre in den Sand

Wie im letzten Winter sind wir auch jetzt in einer Woche von Tanger bis Merzouga gefahren – so ungefähr zumindest, knappe 100 Kilometer bis in den Sandkasten fehlen uns, noch sind wir etwas nördlicher. Und wir sind erstaunt, wie wenig Expeditionsmobile – und generell Wohnmobile – wir unterwegs gesehen haben. Hier ein Rudel mit Spaniern, und einmal eine ganze Herde, mit bestimmt 20 Italienern.

An manchen Tagen haben wir gerade einmal 50 Kilometer gemacht, mehr als 150 Kilometer waren es aber nie. Das reicht auch – zügig reisen, aber dennoch was vom Land sehen. Landschaftlich gefällt mir die Route über Meknes und das Ziz-Tal besser. Sicher, wer nach Marrakesch möchte, fährt weiter westlich über den Hohen Atlas, aber ansonsten ist die Strecke, die wir jetzt gefahren sind, in mehrfacher Hinsicht deutlich entspannter und interessanter. Angefangen mit der Fähre ab Tarifa, die in Tanger-Stadt anlandet, und nicht in Tanger-Med. Das spart direkt ein paar Fahrkilometer, und vor allem Zeit. Landschaftlich ist die Strecke abwechslungsreich und es geht über meist gute Nationalstraßen. Die Marokkaner, die uns bis jetzt so angelabert haben, sind alle sehr freundlich und interessiert, wirklich nerviges Verkaufsverhalten ist uns bisher kaum untergekommen.

Das Wichtigste ist jedoch: nach unserer ersten Reise durch Marokko wissen wir, was uns nicht gefällt, und was wir wollen. Welche Ecken schön sind, und welche uns nicht ganz so gut gefallen. Steinwüste definiere ich immer noch als „wüste Steine“, da gefällt uns die Sandwüste schon besser. Also verbringen wir einfach mehr Zeit im Sandkasten, und weniger in der Kiesgrube, so einfach ist das. Oder im Anti-Atlas. Oder an der Atlantik-Küste im Süden. Kommt alles noch, bleibt dran 😉

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