Wir freuen uns auf ruhige Tage im „kleinen Sandkasten“, im Erg Chebbi. Nach einem Jahr mit ungewöhnlich viel Stress, wünschen wir uns einfach nur Ruhe. Doch da wissen die anderen ja nichts von, und deshalb dauert das mit der Ruhe halt noch ein bissle …


Eingeladen bei der Berberfamilie

Wir erinnern uns an das Ende des letzten Reiseblogposts: wir stehen in einem Sandfeld im Nirgendwo, und bekommen Besuch – erst von Ismael, der seine Schafe hütet, und auf einen Schwatz bei uns vorbeischaut – aber leider weder Englisch noch Französisch spricht. Dafür kann sein Bruder Hassan beides – und er lädt uns ein, auf einen Besuch im Berbercamp seiner Familie. Diese Einladung nehmen wir am nächsten Tag gerne an, und so lernen wir auch seine Mutter und Schwester kennen. Der Rest der Familie ist nicht da – die erwachsenen Kinder sind teilweise bereits weggezogen, oder sie sind bei seiner jüngsten Schwester im Krankenhaus, denn die hat sich den Arm gebrochen.

Wir sitzen im Hauptzelt, tagsüber Wohnzimmer und Esszimmer, nachts Schlafzimmer für die Familie:

Nebenan steht das Küchenzelt, mit einer Kochstelle, einem Erdofen, Vorräte und was man sonst noch so braucht:

Auch Mutter und Schwester sprechen nur Arabisch und Berber, aber um uns für die Bewirtung und Gastfreundschaft zu bedanken, dafür reicht ja auch die Zeichensprache. Ich versuche Hassan noch ein paar Worte Deutsch beizubringen, und nebenbei erfahren wir einiges. Denn unsere neugierigen Fragen werden offen beantwortet. Ihr kleines Camp am Rande des Sandfelder besteht aus einem Hauptzelt, einem Küchenzelt, einem separaten Schlafzelt für seinen Bruder und dessen Frau. Es gibt ein Pferd, mit dem sie zum Wasserholen reiten, und es gibt einige Lämmer und Zicklein, die noch zu jung sind um den ganzen Tag umher zu ziehen.

Strom gibt es auch – ein Mini-Solarpanel und eine Batterie, damit wird eine Glühbirne betrieben und die Handys geladen. Für mehr braucht es keinen Strom. Das Brot ist super lecker, wird in etwas getunkt, was vermutlich ausgekochte Datteln sind. Gebacken wird es im Erdbackofen im Küchenzelt. Wir bekommen auch noch eine Tajine serviert, auch die ist wirklich sehr lecker.

Alles ist sehr einfach, zusammengestückelt und spartanisch. Sie haben nicht viel, und doch wissen sie das, was sie haben, zu schätzen: Die Familie, die schöne Natur in der sie leben. Das hier ist ihr Winterlager, und obwohl es auf 1.000 Metern Höhe liegt, wird es im Sommer hier einfach zu warm – dann ziehen sie ein paar Kilometer weiter, hoch in die Berge.

Hassan arbeitet unregelmäßig in Merzouga, macht Dromedar-Touren mit Touristen. Er ist sehr neugierig, und auch sehr offen, stellt Fragen und beantwortet Fragen. Und er freut sich über jede Arbeit – und ich mache an dieser Stelle gerne etwas Werbung für ihn: wenn ihr Dromedare reiten wollt, fragt doch Hassan!

Es ist eine tolle und aufschlussreiche Erfahrung. So erfahre ich ganz nebenbei: wer Fremdsprachen kann (außer Arabisch und Berger), der hat diese in der Schule gelernt. Fremdsprachen werden dort viel gelehrt, nebst Französisch und Englisch auch Spanisch oder Japanisch.

Wenn Du also mal in der Ecke bist, und eine Runde mit dem Dromedar im Sandkasten Erg Chebbi eine gute Sache wäre, dann melde Dich doch bitte bei Hassan, er hat Facebook und Whatsapp (Nummer bekommst Du auf Anfrage).

Nach zwei Nächten verlassen wir das Sandfeld, doch vorher muss ich noch ein paar Dromedare fotografieren. Die laufen hier frei herum, gehören auch niemandem. Das haben wir letztes Jahr anders gesehen, irgendwie hatten die meisten Tiere eine Fußfessel, damit sie nur tippeln, aber nicht wegrennen können.


Auf in den Sandkasten, auf zum Erg Chebbi

Wir fahren in den Erg Chebbi, bekannt auch als „der kleine Sandkasten“. Im Gegensatz zum Erg Chegaga, „der große Sandkasten“, ist hier viel mehr Tourismus. Es gibt zwei Orte direkt an den Dünen, mit jeder Menge Hotels, Pensionen, Camping, Dromedar-Touren, Quad-Touren, Wüsten-Luxury-Camps, und ich weiß nicht was. Ist nett, kann man machen, haben wir letztes Jahr ein bisschen gemacht. Heute ist uns nicht danach, wir wollen einfach nur rein in den Sandkasten und bis auf Weiteres schön stehen.

Von der geteerten Straße aus sind es ein paar Kilometer Piste, und dann fängt der Sand an. Genauer gesagt die Weichsandpiste. Wir versuchen unser Glück und schauen einfach mal, wie weit wir mit dem Luftdruck kommen – 3 Bar sind eigentlich zu viel für Weichsand. Aber man kann ja mal schauen wie weit man kommt, und dann immer noch Luft rauslassen. Wir kommen weit, ohne Probleme pflügt sich Eiwola durch den Weichsand.

Doch wirklich weit kommen wir dann doch nicht, denn links hat sich ein Trecker verfahren – er ist etwas zu links und steckt in einem Sandhaufen.

Der Fahrer ist schon am Schaufeln, und recht froh, dass wir nicht nur angefahren kommen, sondern auch noch helfen. Der Fahrer ist ein kleiner Junge, höchstens 12 Jahre alt. Und er hat einen Hänger mit Kamelfutter hintendran. Wir weihen unser kinetisches Abschleppseil ein, und ziehen ihn raus.

Viel weiter fahren wir auch nicht, denn wir wollen jetzt erstmal schauen, wie man denn abseits der Sandpiste in die Dünen reinkommt, und ob man da vielleicht schön stehen kann. Die Dünen sind nicht allzu hoch, das sieht alles sehr schick aus. Also erstmal das Quad ausladen, und ich fahre mal eine Runde. Sieht gut aus! Es gibt bei den Dünen auch überall flachere Stellen, über die man gut drüber fahren kann. Also machen wir das.

Und finden ein feines Plätzchen, zwischen zwei Dünen. Man sieht uns von Weitem, aber das stört uns gerade nicht so, und eigentlich ist es auch ganz praktisch. So kann man schön über die Dünen quaddeln, und findet immer nach Hause 😊

Ein Upsi im Erg Chebbi

Ich rechne damit, dass ich Andre mitsamt Quad für längere Zeit nicht mehr zu Gesicht bekomme, denn er saust direkt los. Doch irgendwie kommt er recht bald wieder, sagt irgendwas von „Zusammenpacken“ und „da liegt einer“. Häh? Hat er auf seiner Quadtour doch tatsächlich ein Expeditionsmobil gefunden. Und dann auch noch eines, das sich auf die Seite gelegt hat. Während ich also wieder alles zusammenpacke, lässt Andre für beste Traktion nun doch noch Luft aus den Reifen, und wir fahren die hundert Meter weiter, zu einem sehr unglücklichen spanischen Paar.

Sie haben uns in den Dünen gesehen, und dachten, wir wären Freunde von ihnen. Das waren wir aber nicht, und so haben sie wieder umgedreht. Da ist es dann passiert: nicht genau hingeguckt, und dann einfach drei Meter zu früh nach rechts gelenkt. Da war die Rückseite der Düne zu steil, drei Meter weiter wäre sie flach und problemlos gewesen. Ein Fahrfehler, der auf Unerfahrenheit beruht, Shit Happens. Jetzt kommt es darauf an, dass wir die Kiste wieder aufstellen – und das, ohne dass noch mehr kaputt geht.

Das Fahrzeug ist so ein Landrover-Teil, und da ist eine Kabine drauf. Nicht das optimale Fahrzeug zum Dünenfahren. Zu hoher Schwerpunkt, zu wenig Leistung. Und die Kabine darauf ist etwas loddrig, was die ganze Bergung nicht wirklich erleichtert. Dafür ist das Fahrzeug leicht, hat nur 3,5 Tonnen. Wir rufen einen Freund mit Erfahrung an, der weiß Rat und sagt, wie vorzugehen ist. Die Spanier rufen auch wen an, und bald kommen zwei Herren mit einem Jeep, und sie haben Ahnung, sind bzgl. der Vorgehensweise der gleichen Meinung.

Wir ziehen das Auto also erst ein bisschen nach vorne, um es von der Düne wegzubekommen, damit wir Platz haben um es aufzustellen. Dann erst ziehen wir von der Seite, damit es wieder steht. Eine Stunde dauert die Aktion, dann sind alle erleichtert.

Weiter unten habe ich ein Video eingebunden, da ist diese Aktion auch drauf.

Andre schleppt die Spanier noch über die Sandpiste raus aus den Dünen, auf die feste Piste. Da haben die Spanier echt Glück, dass wir da waren – denn sonst hätte es einen Trecker gebraucht. Was man nämlich auf gar keinen Fall machen darf, ist den Motor zu starten. Das Öl tropft schon zum Luftfilter raus, und der Motor könnte kaputt gehen. Deshalb haben die mit dem Jeep die Spanier auch nach Merzouga in die Werkstatt geschleppt.

Tja, so schnell kann es gehen. Auf dieser pobligen Mini-Düne das Auto auf die Seite zu legen, das muss man erst einmal schaffen. Und trotzdem, ich denke, sie haben verdammt viel Glück gehabt, denn es wurde keiner verletzt. Und ich schätze, am Auto ist auch gar nicht so viel kaputt. Beim Innenausbau eher, und zwei Plastikfenster sind auch hinüber. Aber sogar der Seitenspiegel war noch heile … Und schon am nächsten Tag haben sie sich auf den Heimweg nach Spanien gemacht. Naja, das ist schon verständlich, ich kann mich gut in ihre Lage rein versetzen – schließlich haben auch sie ihr Fahrzeug erst in diesem Jahr ausgebaut, sind damit jetzt erstmals im Sand unterwegs, und auch sie haben sich in Portugal kennen gelernt …

Ruhige Tage im Erg Chebbi

Nun ist aber endlich Zeit für ein bisschen Urlaub, bitteschön! Wir fahren einfach zurück auf unseren Platz und sind für heute echt fertig. Eigentlich sollte das ein kurzer Fahrtag mit ein bisschen Sandkastenspaß und Buchhaltung werden. Irgendwie ist es anders gekommen.

Am nächsten Morgen parken wir nochmal 10 Meter weiter richtig ein, und hier bleiben wir stehen – bis uns was ausgeht. Also Okay, vielleicht fahren wir vorher noch mit dem Quad in den nächsten Ort um was einzukaufen. Denn uns gehen die Mandarinen aus, das geht ja gar nicht.

Erg Chebbi Wüstencamp Expeditionsmobil

Es ist schon geil: jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster gucke, begeistert die Aussicht immer wieder aufs Neue.

Erg Chebbi Sonnenuntergang

Zwischendurch macht Andre etwas Brennholz. Die dicken Stämme für’s Lagerfeuer, die dünneren werden in Holzofen-gerechte Stücke geschnitten.

Wir düddeln also ein bisschen im Sand herum, mal zu Fuß, mal mit dem Quad, mal mit, mal ohne Hund. Ziva streunert um die Dünen drumherum, und zieht immer größere Kreise. Erst waren es zwei Dünen, dann fünf, dann so viele, dass sie es nicht mehr hört, wenn man nach ihr schreit. Moment, Frollein, so geht das nicht. Wir arbeiten also daran, dass sie besser am Basislager bleibt. Das einzig Gute daran ist, dass ihre etwas entzündete Pfote wohl wieder gut ist …

Max macht da ja eher weniger Probleme. Er wechselt alle halbe Stunde mal von der Sonne in den Schatten und wieder zurück. Im Idealfall verlässt er dabei das Wohnmobil oder den Hängesessel, jenachdem wo ich mich gerade aufhalte, nicht. Aber, er hat mindestens einen täglichen Spielanfall, und tobt mit der Ziva umher, wie verrückt. Das hat er normalerweise nicht. Das ist der Sand, der macht aus dem alten Grummelhund ein jugendlicher Flummiköter.

Die momentane Situation ist übrigens der ultimative Beweis, dass Fütterungsempfehlungen auf Hundefutterpackungen voll fürn Arsch sind. Unsere Hunde wiegen in etwa gleich viel. Aber Ziva bekommt derzeit das Dreifache von Max – damit sie nicht noch dünner wird. Ich bin sogar dazu übergegangen, zweimal täglich zu füttern, anstatt nur Abendessen. Einfach, damit ich das viele Futter auch in den kleinen Hund reinbekomme.

Wüstencamp Erg Chebbi Wohnmobil

Was uns hier auffällt: wir stehen bereits seit Tagen am Erg Chebbi, und keiner kommt daher und will was. Alle zwei Tage läuft mal einer zwei Dünen weiter an uns vorbei, sagt Bonjour und läuft weiter. Keiner, der uns eines der Camps schmackhaft machen möchte, der uns Fossilien, Stoffkamele, Tücher oder sonstwas verkaufen möchte. Total komisch.

Und wie ich diese Zeilen schreibe, sitzen zwei Teenager neben uns auf der Düne. Auch sie wollen uns nichts andrehen, hängen einfach nur ein bisschen ab, quatschen und machen Selfies mit Ziva und ihren beiden Schäferhunden. Die von Ziva bereits ausgiebig abgeknutscht wurden.

Hunde in der Wüste

Die zwei Rüden, sie heißen Max und Max, haben sich freilich erstmal kurz gekabbelt, zu viel Machos auf einer Düne – und bei haben sie junge Hündinnen, schätze das tut sein Übriges. Wir tun unseren Max rein, und kurze Zeit später geht die Action auch schon los. Die zwei Teenager bekommen alle paar Minuten einen Lachanfall, weil ihr Max unsere Ziva besteigen möchte. Die junge Schäferhündin mit dem unaussprechlichen Namen hat heute vermutlich gelernt, wie man spielt.

Betreutes Dünenfahren, ein Kundenservice von AMUMOT

Wir ziehen um. Auf Instagram folgen wir einem Pärchen im Bulli, die Mahrsmenschen (ja, das schreibt man mit h) an denen wir schon öfters vorbei gefahren sind, oder eben sie an uns. Seither fahren sie mit einem Abstand von ein paar Tagen quasi hinter uns her. Sie sind ohne Allrad unterwegs – und die freuen sich gerade wie sonstwas, weil sie so einen kleinen Mini-Sandhaufen gefunden haben. Noch wissen sie nicht, dass man auch ohne Allrad an den großen Sandhaufen ranfahren kann. Und so laden wir sie ein mitzukommen.

Erg Chebbi ohne Allrad

Betreutes Dünenfahren, ein exklusiver Kundenservice von AMUMOT? Tatsächlich haben wir ganz nebenbei auf ihrem Instagram rausgefunden, dass Christian und Andrea, die „Mahrsmenschen“, ihr Stromzeugs bei Andre gekauft haben. Zufälle gibt’s, manchmal ist es schon lustig.

Zusammen mit der Einladung kommt ein Einkaufszettel daher, denn Andre zum Einkaufen zu schicken, das war mal wieder nichts. Die Einkaufsliste war lang, aber die Einkaufstüte wurde irgendwie nicht voll. Denn es gibt im nächsten Ort keinen richtigen Obst- und Gemüsehändler, und für noch weitere Wege bis in den übernächsten Ort ist der kalte Wind zu kalt. So bestellen wir etwas Obst und Gemüse. Vor allem die Mandarinen sind aus, Katastrophe!

Eigentlich sind es bis zum nächsten Platz gerade einmal 1,2 Kilometer Luftlinie. Und doch werden wir es heute auf 20 Kilometer bringen, denn der Bulli ohne Allrad dürfte auf der Weichsandpiste ganz leichte Probleme bekommen, daher fahren wir außen rum. Unser Treffpunkt ist auf der Piste, kurz vor einem Oued, der etwas sandig ist. Einmal anhängen bitte!

Spaßeshalber versuchen wir es mit dem Quad, aber da fehlt es dann doch etwas an Power, die Anhängelast ist zu groß. Und so versuchen wir es auch gar nicht erst mehrmals, bevor was kaputt geht. Eiwola darf ran.

Sonst kommt der T3 aber erstaunlich gut durch. Christian hat es bald raus mit dem Schwung, und fährt mit genug Schmackes durch den Weichsand, wir müssen kaum noch ziehen 😉

Hier habe ich dann auch das Quad-Fahr-Video geschnitten – von der Bergung der Spanier bis zum Quaddeln in den Sonnenuntergang, es ist schon sehr launig:

https://youtu.be/y0s2ugySxeg

Wir stehen hier zwei Tage lang rum, zertreten alle Dünen ringsrum, machen Lagerfeuer, essen leckere Bananen, total verkernte Mandarinen und Tajine. Wir toben mit den Hunden durch den Sand, quaddeln, arbeiten und quatschen ein bisschen. Zwischendurch kommen die zwei Schäferhunde, die im Camp nebenan wohnen, vorbei. Max macht deutlich, dass der Alte seine Pfoten von Ziva lassen soll, und springt ihm erstmal an den Arsch. Von nun an treffen sich die beiden Schäferhunde heimlich mit Ziva, hinter der Düne. Soweit kommt Max ja eher selten 😉 Wobei, er ist die Tage erstaunlich aktiv. Kommt mit zum Quaddeln, rennt über Dünen und so. Irgendwie scheinen die Kamelköttel sehr anregend zu sein …

Hier macht es echt Spaß mit dem Quad rumzufahren. Nach dem stärkeren Wind von gestern sind die Dünen jetzt wieder schön glatt.

Wüstencamp Erg Chebbi zwischen Dünen

Quadtour im Erg Chebbi

Sonnenaufgänge und -untergänge sind hier übrigens immer schön, wenn auch mangels Wolken nicht sehr dramatisch. Vor allem in der späten Nachmittagssonne ist es besonders schön, mit dem Quad durch die Dünen zu cruisen.

Erg Chebbi Quad fahren


Die Umrundung des Erg Chebbi

Zwei Nächte bleiben wir, dann geht es weiter, der Erg Chebbi möchte vollends umrundet werden. Ich will mit dem Quad fahren, damit mir nicht ganz so langweilig ist. Aber daraus wird nichts, denn es hat Wind. Und Wind plus Sand ergibt Sandsturm.

Ich denke, das geht auch schlimmer, aber es reicht schon aus, an Quadfahren ist nicht zu denken. Also laden wir das Quad ein, und fahren den großen Sandhaufen östlich entlang. Vorbei an vielen Camps, von Luxury-Desert-Camping bis hin zu einfachen Berber-Nomaden. Hinter der touristischen Seite des Erg Chebbi gibt es Wohnsiedlungen, meist nur aus ein paar Zelten oder einfachen Wohnhäusern aus Lehm bestehend.

Wir fahren östlich des großen Sandhaufens nach Süden. Suchen uns eine Route, die angenehm zu fahren ist – nicht zu steinig, nicht zu sandig.

Zwischendurch machen wir ein paar Fotostopps. Hier eine Eselherde, die aber zu scheu ist um sich meine Karottenstückchen abzuholen.

Wild Esel im Erg Chebbi

Die Dromedare ein Stück weiter wissen wohl bereits, dass die Touris für ein paar Leckerchen gut sind, und ich bekomme fast ein paar Knutscher ab. Aber nur, bis mir die Karotte ausgeht. Ist das letzte Stück gemampft, macht er sich direkt wieder vom Acker.

Dromedar Marokko

Am südlichen Ende angekommen, entscheiden wir uns spontan dafür, noch eine Nacht hier am Rande eines kleinen Dünenfeldes zu verbringen. Der Wind legt sich dann langsam auch, und es ist nicht ganz so frisch wie die Nächte davor.

Diese Mischung aus Grünem und Wüste finde ich sehr interessant. So blüht gerade der wilde Rucola.

Wilder Rucola in der Wüste

Tatsächlich haben die hier kein Mangel an Wasser. Andre hat es die letzten Tage mal ausprobiert: Zwei Meter graben, und schon stößt man auf nassen Sand. Auch gibt es hier überall Brunnen, in denen das Wasser steht. Unseren Wassertank machen wir hier dennoch nicht voll. Denn wenn wir 300 Liter Wasser aus einem Brunnen rauspumpen, wie lange haben die Wüstenbewohner dann einen trockenen Brunnen, ehe sich dieser wieder gefüllt hat? Ne, das lassen wir mal.


Merzouga

Bevor wir getrennte Wege fahren, steuern wir noch Merzouga an. Denn wir brauchen nicht nur Wasser, sondern auch Lebensmittel. Also ab in die Höhle des Löwen, in den Touriort von Erg Chebbi. Aber es geht eigentlich. Also ich weiß nicht, woran es liegt: dass wir jetzt auf der zweiten Reise etwas abgehärteter sind, oder aber es sind einfach weniger, die uns hier anquatschen um etwas zu verkaufen. Vielleicht beides.

Wir kaufen gut ein, und man merkt, dass es in Merzouga mehr Lebensmittelhändler gibt als notwendig. Die dafür durchaus nicht die günstigsten Preise haben. Aber wir wollen nicht meckern, schließlich sind wir hier in der Wüste, in einer totalen Touriecke, und zahlen immer noch Spottpreise, im Vergleich zu so einem Einkauf in Europa. Wir kaufen also Schaf, Obst, Gemüse, Milch und Internet, eingelegte Oliven und frische Kräuter, ein bisschen Süßkram und Hefe. Denn irgendwas muss ich ja mit den fünf Kilos Mehl anfangen …

In einem Kashbah haben wir dann auch nach Wasser gefragt, und bekommen. Hier kann man auch für ein paar Dirham übernachten, auf dem Campingplatz, direkt an den Dünen. Ist auch schön ruhig hier, lediglich ein polnisches Wohnmobil stand hier rum.

Merzouga Kasbah Campingplatz


Die Piste von Merzouga nach Zagora, Teil 1

Dann geht es weiter. Wohin? Nach Merzouga fahren die Allradviecher nach Zagora, so auch wir. Man kann Straße fahren, oder Piste. Die Straße ist totlangweilig, das wissen wir ja bereits vom letzten Jahr. Steinwüste links, Steinwüste rechts, gähn. Also versuchen wir es mal mit der Piste.

Ein paar Kilometer südlich von Zagora geht es ab von der geteerten Straße und rauf auf die Dreckpiste. Und gleich werden wir von einem Typen angehalten. Er meint, dass die Piste gesperrt sei. Und er muss uns auf unserer Karte einen alternativen Weg zeigen. Aha. Und an dem Weg wohnt vermutlich sein Schwager, und dem könnten wir dann doch gleich was mitbringen, und dann … Nene, das kommt uns doch etwas komisch vor. Er behauptet weiter, die Piste nach Zagora sei gesperrt. Andre behauptet, dass Freunde von uns die aber gestern gefahren sind. Er kommt ins Straucheln, und noch während die Denkmurmel rattert, verabschieden wir uns. Und sind gespannt, ob wir durchkommen.

Erst durch ein Dorf, dann über viele Kilometer Piste, irgendwie schlängeln wir uns durch ein Flussbett. Es ist mal steiniger, mal sandiger.

Andre macht diese Art der Fahrerei ja super Spaß, ganz nach dem Motto der Weg ist das Ziel. Ich finde da ja eher das Ziel entlohnt für den Weg. Das könnte heute auch so werden, denn nach ca. 50 Kilometern sehen wir endlich unser Ziel, richtig schöne Sanddünen. Und wir kämpfen uns mit Eiwola sogar auf eine sehr hübsche Düne drauf. Und sind mal wieder begeistert, was der Laster so kann.

Piste Merzouga nach Zagora

Was hier aber nichts kann, ist das Internet. Kein Empfang, noch nicht einmal ein bisschen. Wir liegen in einem weitläufigen Tal, links und rechts ragen die Steinwände hoch, da kommen wohl keine Mobilfunksignale durch. Das wäre ja nicht so tragisch, aber morgen ist Montag, und montags brennt die Hütte bei AMUMOT. Also fahren wir weiter, hilft ja nichts. Wir hoffen noch, im weiteren Verlauf der Düne Internet zu finden, aber da ist nichts. Wir müssen raus aus dem Tal.

Das machen wir auch, fahren ein paar Kilometer weiter. Aber dann haben wir wirklich keine Lust mehr, Internet hin oder her. Wir parken an ein Sandfeld, nett zwischen ein paar Bäumen ein. Ziva guckt erstmal nach den Mäusen, Max wartet ungeduldig aufs Abendessen, Andre quatscht draußen mit einem jungen Marokkaner, der auf dem Moped daher gefahren kommt. Ich packe etwas Schaf mit Gemüse in die Tajine, und weil wir es können, essen wir endlich wieder lecker Mandarinen! Ohne Kerne!

Internet haben wir immer noch keines, was wohl bedeutet, dass dieser Blogbeitrag einen Tag später als geplant online geht. Und es bedeutet auch, dass ich morgen sehr früh aus dem Bett geschmissen werde. Abfahrt bei Sonnenaufgang, voll mein Ding! Aber was jammern wir doch auf einem hohen Niveau. Es gab mal Zeiten, da musste ich daheim im Dunkeln losfahren, um bei Sonnenaufgang rechtzeitig auf Arbeit zu sein, und bin erst im Dunkeln wieder heimgekommen. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei.

Wenn Du diesen Artikel also gelesen hast, haben wir Internet – und sind vermutlich schon ein Stückerl weiter auf der Piste. Auf dem Weg nach Zagora, der Vorort zum GROSSEN Sandkasten …


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