Über das Ankommen und unsere kleine Sim-Karten-Odyssee habe ich ja im letzten Reiseblog bereits berichtet. Heute geht es also ans Reisen – unser zweiter Tripp durch Marokko! Wir fahren von Tanger über Meknes und den Hohen Atlas nach Errachidia – die Stadt, deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe auswendig lernen muss. Und die einen Sandkasten in der Nachbarschaft hat 🙂


Ankommen: mit der Fähre von Tarifa nach Tanger-Ville

Aber lass mich nochmals kurz auf die Fährfahrt nach Marokko eingehen. Denn viele waren erstaunt, dass wir nicht über Algeciras gefahren sind, sondern ab Tarifa. Hier fährt eine kleinere Schnellfähre von FRS, die auf Personen und Pkws ausgelegt ist, nicht auf Lkws. Wir haben dennoch drauf gepasst – vermutlich, weil sonst kein anderer Lkw mit dabei war, was die Dame am Ticketschalter vorher kurz abklärte. Für uns kostet ein Ticket 230€, für die Hinfahrt und Rückfahrt ohne festen Termin. Es geht nach Fahrzeuglänge, für kleinere Wohnmobile wird die Überfahrt nach Tanger-Ville also etwas günstiger. Die Visum-in-Pass-Stempelei findet auch hier direkt auf der Fähre statt, der restliche bürokratische Kram wird im Hafen erledigt.

Bei lustigem Wetter gibt es Wellengang, bei marokkanischen Reisegruppen mit Übergepäck kann es zur moderaten Verspätung kommen. Aber alles halb so wild.

Im Gesamten finde ich diese Fährverbindung nach Marokko besser also die von Algeciras: Alles ist übersichtlicher, das Hafengelände ist kleiner, die Warteschlangen sind kürzer. Auch, dass man bereits in Tanger-Stadt rauskommt, ist von Vorteil – denn da wären wir sowieso hingefahren. Ein Nachteil kann natürlich die Fahrt raus aus Tanger sein: es ist eine marokkanische Großstadt. Es sind aber nur ein paar Ampeln und zwei Dutzend Kreisverkehre, dann ist man schon raus 😉

Auf jeden Fall werden wir standesgemäß begrüßt. Sie haben sogar ein neues Wohngebiet nach mir benannt 😀

PS: Die Stadt „Tanger“ heißt eigentlich „Tanja“, zumindest hat ein Zollbeamter mir das so erzählt. Auf jeden Fall spricht man es im Arabischen „Tandscha“ aus. Passt also.


Fahren: Nach Larache und Meknes

In Larache soll es eine billige Tankstelle und einen Supermarkt geben, außerdem kann man dort auf einem Strandparkplatz übernachten. Hört sich gut an, machen wir, auf nach Larache. Während Andre um die 500 Liter Diesel für 91 Cent den Liter tankt, gehe ich shoppen. Zeit für die ersten marokkanischen Oliven! Da wir nun auch neue Sim-Karten, aber immer noch kein Internet haben, müssen wir noch nach Larache rein fahren, Aufladekarten holen. Dann ist aber auch gut für heute, und wir schaffen auch noch die letzten Kilometer raus aus der Stadt, über den Fluss und an den Strandparkplatz. Hier bezahlen wir dem Parkwächter 40 Dirham und bleiben für die Nacht hier stehen. Hier ist nichts los, das sollte eine ruhige Nacht werden.

Fünf Minuten später hat uns das Hunderudel entdeckt. Und genau deshalb habe ich schon in Spanien das Scalibor-Halsband angelegt – Max und Ziva sind gleich mittendrin, Willkommen in Marokko! Mit dem letzten Licht entstehen noch ein paar Bilder von den Wellenbrechern von Larache, dann ist aber gut für heute. Das Hunderudel sieht das anders, und solange noch Bewegung auf dem Strandparkplatz ist, gibt es auch Gebell. Erst als alle Besucher und Angler weg sind, wird es ruhig. Eine unruhige Nacht habe ich dennoch, denn sie fangen nachts immer wieder mal an zu bellen, und die Dieselmotoren der Fischerboote sind auch verdammt laut.

Am nächsten Morgen geht das Gebelle weiter, dieses mal in einer anderen Tonlage – ein Hundekind steht draußen vor dem Bananenlaster und hat Schiss vor dem Ungetüm. Irgendwann nehme ich mal etwas Hundefutter mit nach draußen – aber komme nicht an ihn ran, er ist ein ganz großer Schisser. Warum ein Hund mit vielleicht fünf Monaten so einen riesen Schiss vor Menschen hat, das willste nicht wirklich wissen … Also zücke ich den Joker: Ziva. Und fünf Sekunden später ist Ruhe. Einmal von Ziva durchgeknutscht zu werden ist wohl eine gute Medizin. Langsam kommen auch die Erwachsenen vom Hunderudel angedackelt, und wir machen uns davon. Ist auch besser so, ehe ich das arme Hundekind doch noch einpacke …

Heute fahren wir nach Meknes. Eine längere Etappe, viel Landstraße, über 200 Kilometer. Unterwegs die typisch marokkanischen Aussichten einer Landstraße: Eselskarren, Märkte, Schafherden, Baustellen. Zwischendurch setze ich mich mal nach hinten, um mit dem Laptop auf dem Schoß etwas am Blog zu schreiben. Hinten zu sitzen hat was. Man kann ganz wunderbar von oben auf die Leute herabschauen. Ups, das habe ich jetzt nicht ganz so gemeint 😉 Also ich meinte, man kann die Reaktion der Marokkaner beobachten, wenn Eiwola an ihnen vorüber fährt. Viele reagieren erst spät, da Eiwola von vorne ja schon wie ein Laster ausschaut. Wenn sie dann aber merken, dass es ein Haus auf Rädern ist, kommt das große Gegrinse, Gewinke, Daumen hoch.

Wobei ich auch zugeben muss: es ist manchmal schon komisch, durch Gegenden zu fahren, in denen die Armut so greifbar ist. Regionen, in denen Menschen ihr ganzes Leben lang nicht so viel verdienen, wie bei Eiwola alleine diese überteuerten KCT-Fenster gekostet haben.

Dass Andre in einer Stadt an einer Tankstelle anhält, wundert mich erst nicht. Auch, dass er mit jemandem redet nicht, die Tankstellen haben hier Betankungspersonal. Doch irgendwie quatschen die ein bisschen viel, oder? Ich mache den Durchstieg zum Fahrerhaus auf, und bekomme noch mit, wie der Typ, der an Andres Fenster steht, was von „Ich liebe dich“ sagt. Na klasse, er hat einen Marokkaner gefunden der ihn zuquatscht, da bleibe ich lieber hinten. Dann schaue ich doch mal aus dem Küchenfenster: das ist ja Polizei. Zwei Motorradpolizisten „unterhalten“ sich mit Andre. So gut das eben geht, denn er kann kein Französisch, und die Herren kein / kaum Englisch. Sie lassen Andre dann auch noch aussteigen, doch er kommt kurz darauf wieder zurück, und wir fahren weiter.

Erst jetzt bekomme auch ich die Auflösung: Wir befinden uns in einer Lkw-Verbotszone. Da war wohl ein Schild zu Beginn der Innenstadt. Das hat Andre sehr wohl gesehen, aber da waren auch 15 Tonnen mit aufgemalt – aber ob das offiziell oder mit Edding gemalt war, da ist er sich auch nicht mehr sicher. Auf jeden Fall wollten die Polizisten erst Geld, am liebsten Euros, dann aber doch nicht. Etwas skurril das Ganze – wir vermuten, dass es primär um etwas Abwechslung ging, so einen Laster sieht man ja nicht alle Tage. Wir zumindest haben bis jetzt noch kein anderes Expeditionsmobil in Marokko gesehen.

Wir fahren weiter bis nach Meknes. Dort kann man auf einem Parkplatz nahe der Innenstadt übernachten. Natürlich fahren wir auch nun wieder durch eine Lkw Verbotszone, um dorthin zu kommen. Ist aber auch schwierig – diese Zone wird nicht angekündigt, es gibt erstmal keine Wendemöglichkeit, und wir wissen nicht, wo sie endet, vor oder nach dem Parkplatz. Diesem Thema müssen wir uns nochmal annehmen – wollen ja keinen Ärger mit der Polizei haben. Und mit denen rum diskutieren, dass wir ja gar kein Lkw sind, sondern ein Wohnmobil, ich weiß nicht, ob das was bringt.


Meknes, die Königsstadt

Irgendjemand hat irgendwann gesagt, ich müsste unbedingt Meknes angucken. Gesagt, getan. Wir gehen noch am Abend in die Stadt. Wir haben Hunger, und dass auf dem zentralen Platz die Post abgeht, das war bereits bei der Vorbeifahrt zu vermuten.

Ich weiß nicht, ob es der Hunger ist, der uns über den Platz und durch die Gassen treibt … Aber irgendwie reißt es uns heute nicht mit. Es ist ein bisschen wie in Marrakesch, nur in kleinerem Format. Und, es gibt hier nicht viele ausländische Touristen. So werden wir zigmal angequatscht. Ich brauche wirklich eine einheimisches Outfit für solche Unternehmungen, vielleicht ist es mit einem Kopftuch ja entspannter?

Eigentlich wollten wir uns durch die Fressbuden an der Straße futtern, doch die hatten irgendwie nur Süßes oder Pizza, wir aber haben Hunger.

Und so besuchen wir das wohl teuerste Restaurant am Platze, das mit der Terrasse, von der man einen Blick über das Treiben auf dem zentralen Platz hat. Das Essen ist gut, auch wenn Andre von seiner Portion nicht wirklich satt geworden ist. Die Preise für marokkanische Verhältnisse nicht gerade günstig, aber passt schon.

Das Unterhaltungsprogramm findet drei Stockwerke tiefer statt – Teenager üben sich im Karaoko-Rappen, ein Polizist regelt dauerpfeifend das Verkehrschaos, auf dem Platz gibt es die üblichen Freizeitangebote: Ponyreiten, VR-Brillen-Erlebnisse und Flaschenangeln.

Auch der Blick über unsere Köpfe ist interessant. Die Schirme, unter denen wir sitzen, sind auf jeden Fall massiv gefertigt und sollten auch recht windfest sein.

Nach dem Essen gehen wir noch eine Runde übern Platz. Die Marokkaner stehen auf Schneckenessen, das haben wir in Marrakesch auch schon gesehen. Ich finde Schnecken nicht wirklich lecker, Andre sowieso nicht, aber es scheint eine gewisse Tradition zu haben.

Und eigentlich hätten wir hier auch noch eine neue Tajine kaufen sollen, wenn wir schonmal da sind. Aber da wird es noch mehr Gelegenheiten geben, da bin ich mir sicher.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag noch in die Stadt rein, doch irgendwie haben wir keine große Lust. Dabei ist sie sicherlich schön – noch in keiner marokkanischen Stadt habe ich so schön verzierte Häuser gesehen, von außen wie von innen.

Und auch die Auslage in diesen Läden sieht fein aus …

Erstaunt sind wir darüber, dass es hier kaum Wohnmobile gibt. Auf dem Parkplatz stehen wir nur zu Dritt, aber auch unterwegs trifft man kaum Wohnmobile. Und Expeditionsmobile sowieso nicht. Ich vermute, dass diese sich kaum hierher verirren, sondern den schnellsten Weg in den Sandkasten nehmen.


Azrou: Affen, Schnee und Zedern

Wir fahren durch Azrou durch, dieses Mal glaube sogar ohne Lkw-Verbotsschild, und landen in einem Zedernwald. Hier ist erstaunlich viel los, was aber wohl nicht alleine an den Bäumen liegt. Denn hier gibt es 1. Riesige, alte Zedernbäume und 2. Affen und 3. Schnee. Überall, wo tagsüber die Sonne nicht hinkommt, liegt tatsächlich Schnee! Fühlt sich absurd an, denn wir haben T-Shirt-Wetter. Aber, wir sind auf ungefähr 1.200 Metern Höhe, und die Nacht könnte kalt werden.

Beginnen wir mit den Zedern: wir sammeln etwas Holz, denn davon liegt hier genug rum. Das ist etwas zu feucht, brennt daher eher schlecht, dafür riecht es gut. Dann die Affen: Sie sitzen auf dem Baum, außer man lockt sie mit Futter an. Hunde mögen sie gar nicht, ein riesen Geschrei, hoch oben vom Baum runter. Dann liegt hier tatsächlich Schnee rum, der ist aber ziemlich hart, kein wirkliches Highlight.

Wir stehen auf einem Parkplatz, an dem ein Picknickplatz angrenzt. Hier ist einiges los, Familien und Schulklassen kommen daher. Die Polizei hat uns auch schon gesehen, aber unerwarteterweise nicht für uns interessiert. Ich hätte damit gerechnet, dass wir auf den Parkplatz an der Hauptstraße verwiesen werden, denn da stehen bereits einige Wohnmobile, und ich denke wir stehen im Naturpark.

Die Nacht ist frostig, um die Null Grad. Nach den letzten beiden Nächten am lauten Strandparkplatz und in der Innenstadt finde ich die Ruhe hier super. Ein paar zwitschernde Vögel am Morgen, sonst gibt es keine Umgebungsgeräusche. Im Übrigen haben wir seit Marokko nur blauen Himmel und Windstille. Träumchen.

Am nächsten Morgen geht es weiter, sobald die Windschutzscheibe aufgetaut ist. Wir fahren weiter nach Süden. Vorne an der Hauptstraße fährt sie gerade auf den Parkplatz, die Wohnmobilkarawane. Bestimmt zehn Spanier, die wohl schon einiges gefahren sind, während wir noch beim ersten Kaffee saßen. Es ist vielleicht 11 Uhr, und die Händler warten schon auf ihre Gäste. Erdnüsse für die Affen werden hier gut gehen.


Mittlerer Atlas bis Hoher Atlas

Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Stausee. Der erste Eindruck ist so mittel, denn am anvisierten Plätzchen klitzert es. Das sind die Glasscherben, die in der Sonne klitzern, und davon gibt es hier viele. Also fahren wir einfach mal ein Stück weiter, und werden dann auch fündig, können schön am Ufer parken. Hier ist es sauber, ruhig und kalt. An den Berghängen liegt Schnee, und auch der See hat noch einige Eisschollen.

Viel ist hier nicht los, bis auf ein junges Eselpaar. Die sind frisch verliebt oder so, zumindest schwingt sein Schwengel fast bis an den Boden. Zutraulich sind sie, und Apfel mögen sie auch.

Ansonsten findet uns noch ein junger Marokkaner, der sich mit Andre auf Englisch unterhalten muss, weil ich gerade am Kochen bin. Von ihm erfahren wir, dass es vor zwei Monaten geschneit hat. Wow, dann hat sich der Schnee aber lange gehalten. Und, dass hier bald ein Hotel gebaut wird, dann kann man hier nicht mehr stehen. Mich beeindruckt, dass ein junger Mann, der Arabisch, Französisch und Englisch spricht, ein Ziegenhirte ist.

Er verrät uns auch, dass wir uns gar nicht im „Hoher Atlas“ befinden, sondern im „Mittlerer Atlas“. Und das wohl schon seit gestern, denn Azrou gehört auch noch zu diesem Gebirgszug. Aber befinden wir uns schon an der südlichen Grenze, südlich von Midelt kommt dann der Hohe Atlas. Kleine Nachhilfe in Geographie, kann ja bekanntlich nie schaden …

Hier fällt mir auf, dass Max sich an eine alte Angewohnheit erinnert hat: Sobald Andre einsteigt, rennt er im gestreckten Galopp auf Eiwola zu und will unbedingt und sofort einsteigen. Das hat er beim Vario auch gemacht, doch die letzten Monate gar nicht. Der Unterschied ist nur, dass er im Vario auch direkt einsteigen konnte, hier geht das nicht. Ziva fragt sich derweil was die Aufregung soll – aber sie wird es schon noch lernen, die „guten“ Sachen lernen sie ja immer schnell.

Wir fahren zielgerichtet nach Süden, immer schön in Richtung Sandkasten. Also geht es jeden Tag ein Stück weiter. Aber nicht zu viel, denn bei den ganzen Bergen, Kurven, Städten und Baustellen kommt man nicht so schnell voran, und viele Kilometer sind anstrengend. Und das Reisen soll ja nicht anstrengend, sondern angenehm sein. Deshalb machen wir langsam, so ist es uns sehr genehm.

Heute geht es an einen anderen See. Mit einer langen, holperigen Piste als Anfahrt. Ein Stausee, dessen Wasser wahnsinnig blau ist.

Der offensichtlich auch schon voller und vor allem voller Algen war – denn das weiße Zeugs am Ufer muss sowas sein. Jetzt aber ist es trocken und spröde – doch das scheint den Köters zu gefallen, nach anfänglicher Skepsis rennen sie darin herum, wie die Irren.

Und, wie es in Marokko nunmal ist: du kannst noch so sehr in der Pampa stehen, irgendein Marokkaner kommt immer daher.

Heute ist es eine Schafherde mit Hirte, und zwei Lkws, die hier ihre Laster mit diesem groben Sand beladen (von Hand natürlich), warum und wozu auch immer.

Hier verbringen wir Silvester. Ganz ohne Partyhut und Countdown. Dafür mit etwas für Marokko untypischem Essen: es gibt bayrischer Leberkäse mit schwäbischem Kartoffelsalat und Tomatensalat zu Mittag. Und Apfelstrudel als Abendessen. Extra durch die halbe Weltgeschichte gefahren, für die Feiertage …

Am nächsten Tag geht es weiter. Ich fahre ein Stück, denn ich bin bisher immer noch nicht mit Eiwola gefahren. Also direkt mal Hoppelpiste und etwas Landstraße mit ohne Verkehr. Es geht eigentlich, schalten und lenken und bremsen, ist halt alles etwas grobmotorischer als beim Ducato, aber geht. Auffällig ist, dass die Kupplung echt schwer geht. Aber dafür muss man nicht so viel kuppeln. Und, dass man beim Schalten aufpassen muss, dass kein Hundeohr dazwischen ist. An Max seinem Schaltknüppel-Fetisch müssen wir echt noch arbeiten.

Natürlich kommen uns die Marokkaner mit den Lkws entgegen, und entweder finden sie unseren Laster toll, oder dass da eine Frau am Steuer sitzt – was man ja in Marokko eher selten sieht. Noch bevor wir nach Midelt fahren, machen wir einen Fahrerwechsel – denn in der Stadt muss ich dann doch nicht selber fahren… Im Übrigen gibt es nur ein Problem, ein typisches Frauenproblem: ich fahre barfuß, und im Fahrerhaus haben sie die Fußbodenheizung vergessen.

Wir kaufen ein bisschen ein – Gemüse, Obst und Internet. Ich liebe diese Obst- und Gemüsestände! Für 50 Dirham (4,60€) bekomme ich einige Kilos: Kartoffeln, Zwiebeln, Artischocken, Zucchini, Aubergine, Mandarinen, Bananen, Granatapfel. Ich glaube, heute gibt es Tajine 😀

Wir tanken noch etwas Wasser, an einem öffentlichen Wasserhahn am Straßenrand. Eigentlich wollten wir auf einen Campingplatz, doch irgendwie haben wir keine große Lust darauf, Wasser brauchen wir aber – also nehmen wir das hier. Das kostet nichts, keiner kassiert hier, also lass ich wenigstens etwas Geld in dem kleinen Kiosk gleich nebenan da. Doch mehr als ein paar Stückchen Süßkram kaufe ich dann doch nicht – erstens haben sie nicht viel, und zweitens haben sie keine Lust. Vielleicht verkaufen sie auch nichts an Frauen, oder an Frauen ohne Kopftuch, keine Ahnung. Noch nie habe ich einen so apathischen Ladenbesitzer gesehen. Gut, wer nicht will der hat schon.

Verkaufstüchtiger sind dafür alle Anderen. Wir kommen langsam wieder in diese Gegend, in der dir jeder am Straßenrand was verkaufen will, von Argan-Öl bis Fossilien. Wo einige Kinder und Mercedes-Fans nett winken, viele aber auch einfach betteln. Wo Mütter ihre Kinder im Kindergartenalter zur Straße vorschicken zum Betteln. Wo die Leute am Straßenrand, auch kleine Kinder, so tun als bräuchten sie Wasser, man sich aber ziemlich sicher ist, dass das nur eine Masche ist.

Es ist dieser eine Punkt, der mir in Marokko nicht gefällt: du weißt nie, ob es Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Neugierde ist. Oder ob es einen Hintergedanken gibt. Nun würde es uns ja nicht wirklich weh tun, hier und da etwas zu geben – zumal es ja auch wirklich Menschen sind, die nicht zu den Gutverdienern in Marokko gehören. Und doch denke ich, es wäre falsch. Die Kinder darin zu bestärken, dass das Betteln ein guter Weg ist um etwas zu bekommen. Ich weiß, ich habe mich da schon letzten Winter etwas aufgeregt. Wahrscheinlich rege ich mich nochmal drüber auf, denn das wird im Süden ja nicht besser.

Für heute landen wir in einer Kiesgrube nahe der Straße. Wir sind immer noch auf 1.500m Höhe, in der Sonne ist es also schön warm, im Schatten nicht. Und nachts schonmal gar nicht. Die Kinder kommen auf Fahrrädern angefahren, aber sie bekommen keine Bonbons, in der Tajine köchelt das Huhn, Spanier mit Kastenwagen gesellen sich zu uns, lassen die Kinder ebenfalls abblitzen, die Wäsche wird hoffentlich noch trocken ehe die Sonne untergeht.

Auf dem Weg hierher kommt uns übrigens die spanische Wohnmobilkarawane entgegen. Erst wundern wir uns kurz, dann wird klar: die kommen von Erg Chebbi, waren ganz bestimmt in Merzouga und sind jetzt schon wieder auf dem Rückweg. Also entweder reisen die ziemlich schnell, oder wir sind ziemlich langsam unterwegs.

Tajine-Kocherei

Kaum in Marokko, gibt es wieder öfters Tajine. Okay, die gibt es bei uns eigentlich das ganze Jahr über. Mit dem guten Vorsatz der etwas gesünderen Ernährung, verbunden mit dem außerordentlich leckeren Gemüse und dem schonenden Garen in der Tajine, passt das alle gerade irgendwie zusammen. Und so gibt es Experimente in der Tajine: mit Hühnchen, Lachsfilet oder Artischocke. Da kann ich meine Tajine-Rezepte demnächst erweitern.


Errachidia الرشيدية

Errachidia – seit einer Woche unser anvisiertes Ziel, denn hier kann man nochmal richtig einkaufen, ehe es in den Sandkasten geht. Es gibt einen Marjane, und einen großen Souk. Viel brauchen wir nicht aus dem Marjane, aber durchaus ein paar speziellere Dinge.

Wie einen neuen Pfannenwender. Der Alte lag nämlich vor einigen Tagen in der Hundehöhle, mit Bissspuren dran. Auch die Auflaufform mit dem restlichen Essen, lag an diesem Abend gut vorgespült nicht mehr auf dem Küchenblock, sondern auf dem Boden. Man könnte da jetzt das Hundekind beschuldigen, aber irgendwie habe ich den Verdacht, dass vor allem der Althund da seine Pfoten mit im Spiel hatte.

Aber erst einmal geht es vollends über den Hohen Atlas drüber – durch die „Gorges du Ziz“, also die Ziz-Schlucht, und dann durch das Ziz-Tal.

Wir fahren so vor uns hin, ich hab die Noise Cancelling Kopfhörer drin. Wenn das Laster sich den Berg hocharbeiten muss, ist er ein bisschen lauter. Und wenn die Straße so einen komischen Belag hat, dann sind die Reifen laut. Und beides ist eine Frequenz, die macht mir Kopfschmerzen. Das Dröhnen bekommt mir nicht. Mit Noise Cancelling und Musik auf den Ohren kann ich die Landschaft vielmehr genießen. Wir werden im Fahrerhaus wohl noch etwas Schalldämmung anbringen, aber bis dahin komme ich mit meinen Noise Cancelling Kopfhörern von Sony gut zurecht. Es ist herrlich ruhig, sogar wenn Andre mit mir redet …. 😉 Ne, also wenn man die Musik wirklich ganz leise macht, dann bekomme ich es mit, wenn er was sagt. Aber wer hört schon ganz leise Musik, sowas macht man ja nicht. Also bin ich zeitweise quasi „offline“, und gucke mir die Welt mit einem Schalldämpfer im Ohr an.

Ich gucke also so in der Gegend rum, da flitzt ein Verkehrszeichen an mir vorbei: Höhenbegrenzung 3,50m. Hopsala, mitten auf der Nationalstraße, einfach so? Und tatsächlich, zwei Kilometer weiter wiederholt sich das Schild, es markiert die Durchfahrtshöhe eines in den Fels gehauenen Tunnels. Wir überlegen noch, ob wir mit unseren 3,70 Metern da durchfahren möchten, sieht ja eigentlich höher aus als 3,50m … Da winkt uns vom anderen Ende des vielleicht 50 Meter langen Tunnels ein Militärmann durch. Also Augen zu (oder besser auf die Tunneldecke gerichtet) und durch. Reicht locker. Und am anderen Ende sitzen tatsächlich drei Herren vom Militär und passen auf den Tunnel auf. Marokkaner winken sie durch, Touris mit Wohnmobilen werden zum Anhalten und Fotos machen aufgefordert. Ich lass das mal so stehen 😉

Ich quatsche also mit den Herren, während Andre ein paar Fotos macht. Auf meine Frage hin, ob da noch mehr solcher lustiger Tunnels kommen, lacht er nur und verneint, es gäbe in ganz Marokko nur zwei Tunnel, und das hier ist einer davon. Ich habe nicht nachgefragt wo der andere ist, aber er ist wohl anderswo.

Die Ziz-Schlucht ist ansonsten sehr hübsch, heute am Vormittag aber recht unfotogen, da im Schatten liegend. Doch dann wird die Schlucht zum Tal, alles wird weitläufiger und sonniger. Das Ziz-Tal ist bekannt für seine Datteln, und auch Olivenbäume gibt es ohne Ende. Der Bach führt Wasser, alles ist grün. Wir fahren durch ohne anzuhalten, und so entstehen Fotos, indem ich die Kamera aus dem Fenster halte. Ein paar gute Bilder sind mit dabei:

Der Marjane in Errachidia zählt nicht gerade zu den am meisten frequentierten Geschäften im Ort. Es kommen ungefähr fünf Kunden auf zehn Mitarbeiter, und wir haben kaum etwas gekauft. Noch nicht einmal einen Pfannenwender, denn sie haben keinen. Ach Mist, hätten wir den Alten nur nicht verheizt, da hätte man doch anderthalb Neue draus schnitzen können … Egal, wir fahren weiter zum Souk.

Die Parksituation ist undurchsichtig, und so stellen wir Eiwola einfach direkt am Eingang ab. Andre bleibt am Auto und lässt den Blinker an, wird schon keiner meckern. Ich gehe derweil einkaufen. Träumchen. Zwanzig gut gefüllte Stände, nur mit Obst und Gemüse. Dazu Händler, die sich spezialisiert haben: einer verkauft Eier, der nächste Oliven, dann kommen Mandarinen, bei einem alten Mann kaufe ich Petersilie. Vieles kostet 1 Dirham: 1 Ei, 1 Bund Petersilie, 100 Gramm eingelegte Oliven. Angenehm finde ich es, dass die Händler viel weniger aufdringlich sind als anderswo. Hier und da nettes Gequatsche, und der Junge vom Mandarinenstand hat mich vermutlich den Touriaufschlag zahlen lassen, aber im Gesamten eine sehr entspannte Sache. Und qualitativ ist das, was man hier bekommt, einfach nur der Hammer.

Ich war nur im vorderen Teil des Souks, denn wir parken recht zentral, und so spare ich mir die Suche nach einem Pfannenwender ähnlichem Gegenstand auf dem großen Außenbereich. Denn wenn ich da mal anfange durchzulaufen … bis ich da wieder raus komme … Also fertig mit einkaufen, und raus aus der Stadt, schließlich haben wir noch ein paar Kilometer vor uns.


Sandkasten! Klein, aber fein

Eigentlich wollten wir heute noch einen Zwischenstopp an der Strecke einlegen, und morgen im Erg Chebbi, irgendwo bei Merzouga, ein Plätzchen in den Dünen suchen. Planänderung! Andre hat ein paar Mini-Dünen gefunden, da wollen wir mal gucken gehen. Also noch ein paar Kilometer südlich, dann raus aus dem Ziz Tal und hoch auf ein Plateau. Hier finden wir auch fast auf Anhieb ein paar Minidünen, die eigentlich nur Sandfelder sind.

Genau das, was wir jetzt brauchen 🙂 Wir fahren durch das Oued, an ein paar faulen Dromedaren vorbei. Die sind morgen hoffentlich auch noch da, ich brauch Dromedar-Fotos! Ein Stück weiter stehen / fahren wir auch schon im Weichsand. Eine schöne Mischung aus Büschen und feinem Sand. Wir stehen zwar auf relativ offener Fläche, so dass man uns vermutlich kilometerweit sehen kann, aber was solls – ist ja nicht viel los hier.

Die Hunde finden den Platz auch richtig super, und rennen eine Runde nach der anderen. Max hat seine fünf Minuten, und Ziva ist ganz entzückt, dass er mit ihr durch die Dünen rennt.

Andre lädt das Quad aus, und abwechselnd gehen wir mit Ziva quaddeln. Max kommt nicht mit, oder besser gesagt hat keiner den armen Max mitgenommen, was er dann erstmal ziemlich doof findet, als ich mit Ziva zurück komme. Wir brauchen dringend einen Hundegepäckträger oder sowas! Bei dem Gelände kann ich Max nicht vor mich nehmen, da brauche ich beide Hände zum Lenken. Und ich bin mir unsicher, ob Max sich da nicht auch mal übernimmt. Sein Beinzittern bei Überanstrengung kommt immer häufiger.

Wobei es ja eigentlich lustig ist, dass der faulste Hund der Welt überhaupt mit zum Quaddeln will. Geht Andre mit beiden Hunden Gassi, wie vor ein paar Tagen am See, dann lässt sich Max nach drei Minuten unauffällig zurückfallen, um in einem geeigneten Moment umzudrehen und zurück zum Wohnmobil zu schleichen. Wenn ich dann aber eine halbe Stunde später raus gehe, dann ist Max voller Elan mit dabei. Max geht am liebsten mit mir Gassi, egal ob zu Fuß oder mit dem Quad. Keine Ahnung, wie sich das entwickelt hat.

Wir haben übrigens Eivoodoola gehisst. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das bei den Marokkanern gut ankommt, also wird sie vorerst ein lauschiges Plätzchen im Fahrerhaus bekommen.

Und wie es so ist, man ist in Marokko nie alleine. Ein junger Mann streift mit seiner Schaf- und Ziegenherde durch die Dünen. Einen Hund hat er auch dabei, und der wird von Ziva abgeknutscht, und von Max vermöbelt. Keine Ahnung was war, aber 10 Sekunden später ist wieder alles gut. Manchmal rappelts halt, wenn zwei Rüden einen auf dicke Hose machen. Der Ziegenhirte kommt dann auch ran, zum Quatschen. Blöd nur, dass er deutlich schlechter Französisch spricht als ich es schon tue. So ist das Gespräch sehr schleppend, trotz Pantomime. Ich erfahre, dass die Schafe durchaus was zu futtern finden, und er nicht weit entfernt in einem Berbercamp wohnt.

Er zieht weiter, ich koche, wir essen. Zu Sonnenuntergang haben uns zwei Jugendliche mit dem Moped gefunden, aber sie trauen sich nicht an uns ran. Und dann steht da plötzlich ein junger Marokkaner neben dem Wohnmobil, keine Ahnung wo der jetzt herkommt. Er klopft auch, und Andre schaut, was er will. Es stellt sich heraus, dass er der Bruder vom Ziegenhirte ist, er nicht nur Französisch sondern auch Englisch spricht, und er uns zum Abendessen bei seiner Familie einladen möchte. Heute nicht, der Tag war lang, wir sind durch – aber morgen schauen wir gerne bei ihnen vorbei.


Zwischenfazit: In einer Woche von der Fähre in den Sand

Wie im letzten Winter sind wir auch jetzt in einer Woche von Tanger bis Merzouga gefahren – so ungefähr zumindest, knappe 100 Kilometer bis in den Sandkasten fehlen uns, noch sind wir etwas nördlicher. Und wir sind erstaunt, wie wenig Expeditionsmobile – und generell Wohnmobile – wir unterwegs gesehen haben. Hier ein Rudel mit Spaniern, und einmal eine ganze Herde, mit bestimmt 20 Italienern.

An manchen Tagen haben wir gerade einmal 50 Kilometer gemacht, mehr als 150 Kilometer waren es aber nie. Das reicht auch – zügig reisen, aber dennoch was vom Land sehen. Landschaftlich gefällt mir die Route über Meknes und das Ziz-Tal besser. Sicher, wer nach Marrakesch möchte, fährt weiter westlich über den Hohen Atlas, aber ansonsten ist die Strecke, die wir jetzt gefahren sind, in mehrfacher Hinsicht deutlich entspannter und interessanter. Angefangen mit der Fähre ab Tarifa, die in Tanger-Stadt anlandet, und nicht in Tanger-Med. Das spart direkt ein paar Fahrkilometer, und vor allem Zeit. Landschaftlich ist die Strecke abwechslungsreich und es geht über meist gute Nationalstraßen. Die Marokkaner, die uns bis jetzt so angelabert haben, sind alle sehr freundlich und interessiert, wirklich nerviges Verkaufsverhalten ist uns bisher kaum untergekommen.

Das Wichtigste ist jedoch: nach unserer ersten Reise durch Marokko wissen wir, was uns nicht gefällt, und was wir wollen. Welche Ecken schön sind, und welche uns nicht ganz so gut gefallen. Steinwüste definiere ich immer noch als „wüste Steine“, da gefällt uns die Sandwüste schon besser. Also verbringen wir einfach mehr Zeit im Sandkasten, und weniger in der Kiesgrube, so einfach ist das. Oder im Anti-Atlas. Oder an der Atlantik-Küste im Süden. Kommt alles noch, bleibt dran 😉


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