Irgendwie kommt es in jüngster Zeit öfters vor: obwohl ich so oft Blog schreibe wie nie zuvor, ist jedes Mal so viel passiert, dass ich mich nicht entscheiden kann, was alles in die Überschrift rein soll. Dabei ist der letzte Reiseblogbeitrag ja erst 10 Tage oder so her.


Die Piste nach Zagora, Teil 2

Die Piste von Merzouga bis Zagora ist ungefähr 200 Kilometer lang. Plus ein paar Kilometer Teer. Andere rocken das an einem Tag runter. Wir gönnen uns dafür vier Tage. Letztes Jahr sind wir ja über die Teerstraße von Merzouga nach Zagora gefahren, das sind ungefähr 100 Kilometer mehr. Und das ist total langweilig. Steinwüste halt, viele wüste Steine, und unterwegs kaum eine schöne Übernachtungsmöglichkeit. Recht unschön, und so waren wir schnell durch damit. Dieses Mal haben wir das passende Auto für diese Gegend, und so versuchen wir uns eben an der Piste. Und allein der Umstand, dass wir vier ganze Tage für die Strecke brauchen, zeigt, dass es hier schon ganz schön ist.

Tag 1 habe ich ja schon im letzten Blogeintrag niedergeschrieben. Man erinnert sich: schön gestanden, aber frei von Internet.

Tag 2.

Da Tag 2 auch ein Montag ist, wir dringendst Internet zum Arbeiten brauchen, fahren wir früh los. Ich lasse mir einen dreifachen Espresso raus, und kurz nach Sonnenaufgang geht es los. Es dauert nicht lange, und es kommt der erste Stopp: ein dreifacher Kaffee vor einer rumpeligen Pistenfahrt ist nur so eine mittelgute Idee, ich muss aufs Klo. Mehrmals. Gelobt sei der Durchstieg. Und die Pinkelpausen, um zwischendurch mal ein Foto zu machen:

Von unserem Besucher mit Moped haben wir gestern erfahren, dass es in dem Örtchen Ramlia Internet gibt, aber nur mit Orange. Gut, nun könnte sich ja mal die Sim-Karte von Orange bezahlt machen. Bisher war das mit der Netzabdeckung nämlich eher weniger gut.

Ramlia ist ein einfaches Dorf mitten im Nirgendwo, und wir fahren nur durch. Eigentlich sollte man anhalten und im Ortskern einen Tee trinken. Aber dafür muss man in Stimmung sein, denn die Schar der Kinder ist auch so bereits ziemlich groß. Und alle Männer des Ortes sind auch schon da. Wo die Frauen sind, keine Ahnung. Die älteren Kinder sind in der Schule, ein paar Männer arbeiten auf dem Feld oder führen die Ziegen aus.

Sobald wir Empfang haben halten wir an, Andre muss unbedingt eine Shopbestellung bearbeiten. Edge – könnte gehen, oder auch nicht. Nein, geht nicht. Wir fahren weiter. Und haben einfach kein Netz. Irgendwann kommen wir dann mal wieder an einer Ortschaft vorbei – und hier haben sie gleich einen ganzen Haufen an Funkmasten aufgestellt. Drei Stück in einem Blickfeld, vermutlich um die ganzen angrenzenden Orte und Ebenen abzudecken, nicht schlecht. Wir parken an einer Düne, wohlwissend, dass dies nicht das beste Plätzchen ist – links von uns eine Kasbah, rechts von uns ein Nomadencamp, hinter uns eine Ortschaft – und obendrein stehen wir definitiv zu nah an der Piste.

Und so ist es dann auch. Alle Ziegenhirten der Region kommen heute am Wohnmobil vorbei. Einer mit einer großen Ziegenherde, einer mit einer Herde Miniziegen. Einer, der eine ausgebüchste Ziege sucht. Und einer mit dem sehr klapprigen Moped, keine Ahnung was der wollte, er ist dann aber irgendwann wieder abgedüst. Dann kommen noch zwei Frauen mit ungefähr vier Kinder aus dem nahe gelegenen Camp, und eine Eselfamilie hängt auch hier rum. Ich habe heute überhaupt keinen Bock auf Konversation, die Fahrt war länger als geplant, ich bin ziemlich durch. Ich will nur meinen Blog online bringen, und dann erstmal was kochen und ab ins Bettchen. Also lassen wir alle draußen stehen und sind froh um unsere verspiegelten Fenster. Denn so sehen sie nicht, dass wir sie durchaus sehen. Sorry, aber manchmal ist einfach Feierabend.

Ein Stück hinter unserem Platz dieser kleine Friedhof. Mit einer Art Kapelle, das habe ich hier in Marokko noch nicht gesehen. Normalerweise erkennt man die Friedhöfe in der Wüste nur an den aufgestellten Steinen. Teilweise sind es nur einzelne Gräber am Wegesrand, oder mehrere am Rande von Siedlungen.

Ach ja, zur Piste selbst: definitiv 4×4! Es ist tatsächlich einigermaßen abwechslungsreich, mit sandigen Abschnitten und einem ausgetrockneten See, der noch nasse Stellen hat, mit großen Ebenen und noch größeren Ziegenherden.

Tag 3.

Heute fahren wir so weit, dass wir morgen gemütlich nach Zagora reinkommen. Die Fahrerei ist heute nicht sehr kurzweilig, die Strecke nur harte Piste. Es geht durch eine Ebene, keine Hügel, nur wellige Piste. Ich kann kaum mehr machen als aus dem Fenster gucken und dabei Musik hören. Das Smartphone oder Tablet zu bedienen geht bei der Rumpelpiste nicht, ständig tatscht man was Falsches an. Oder mir wird schlecht bei.

Vom Vortag habe ich nichts gelernt, und es passen doch so schön drei Espressos plus Milch in meinen Kaffee-Togo-Becher! An Pinkelpausen mangelt es also nicht, und wieder stellen wir uns nahe einer Ortschaft und im Empfangsbereich eines Sendemastens in die Landschaft. Heute aber deutlich einsamer, keiner kommt daher. Ziva buddelt sich so durch die nähere Umgebung.

Max geht nicht raus, weil da hat es Stacheldinger am Boden. Ich backe Fladenbrot in der Pfanne, heute gibt es Sandwich und „Pao com Chorizo e Quejo“. Also Brot mit Serranoschinken und Raclettekäse drin – unsere letzten Bestände an europäischen Delikatessen werden verwertet.

Tag 4.

Grande Finale! Naja, eher langweilige Piste. Es geht immer geradeaus, durch eine Ebene, links und rechts ragen die schwarzen Felsen in die Höhe. Es hat mal etwas mehr Grünzeugs, mal etwas weniger. Meist eher weniger. Es geht immer gerade aus, und trotzdem muss Andre beim Fahren aufpassen, denn es hat fiese Querfugen. Und die werden dann doof, wenn sich die Kabine etwas aufschaukelt. Da muss noch eine technische Lösung her. Oder auch nicht. Wie oft fährt man schon solche Pisten. Mhm …

Ungefähr 50 Kilometer vor Zagora kommen wir auf die geteerte Nationalstraße – das Geschaukel hat ein Ende.


Zagora

Es ist ein bisschen clever, und ein bisschen irre: 15 Kilometer von Zagora werden wir vom Gegenverkehr mit einer Lichthupe angehupt. Es ist ein Landy von einer der örtlichen Werkstätten, er ist auf Kundenfang. Da wir ohnehin eine Werkstatt brauchen, und Andre keinen Bock hat sich im Ort auf Werkstattsuche zu begeben, halten wir an und quatschen mit ihm. Jetzt kann man erst Interesse bekunden, und danach quatschen was man möchte – völlig egal. Dass wir auf dem Camping Sindibad stehen und dann morgen in seine Werkstatt kommen, blabla, blubblubb. Er fährt uns vorneweg, bis auf den Campingplatz.

Nach Zagora reinzufahren ist übrigens immer wieder toll – vor allem, weil die so bunte Stadt mitten im Nirgendwo liegt, außenrum gibt es nicht viel, nur Wüste und Steine.

Mechaniker No. 1 bekommt den Auftrag, morgen wird das Auto einmal komplett abgeschmiert. Heute aber nicht mehr. Der nächste Mechaniker kommt, ich schätze mal es ist ein Schwippschwager vom Campingplatzbetreiber. Welcher freilich gar nicht erfreut war, dass wir ihm die Konkurrenzwerkstatt ins Haus gebracht haben. Ich verspreche, dass wir den Schwippschwager fragen, wenn wir noch was haben, und er ist wieder happy. Das tun wir dann auch, und er hat den Auftrag, unsere Fahrerhausfederung höher zu legen. Ob er es schafft, in die 1,5cm dicke Edelstahlplatte ein Loch reinzubohren? Heute nichtmehr, vielleicht morgen.

Den Rest des Tages verbringen wir weitestgehend mit quatschen. Denn nicht zufällig steht noch ein anderes Allradviech auf dem Camping, wir haben uns abgesprochen. Wir bestellen Pizza, denn vor lauter quatschen kommt man ja hier nicht zum Kochen. Ich führe die Hunde zum Gassi ins benachbarte Oued. Und nachdem die Sonne weg und die Pizza verspeist ist, gehen wir lieber rein. Denn es ist schon verdammt kalt, so ganz ohne Lagerfeuer. Wie gut, dass wir unser eigenes Lagerfeuer haben, a.k.a. Holzofen 😉

Da wir – aufgrund einer kleinen Planänderung – am nächsten Tag gegen Mittag schon wieder weiter fahren möchten, sollten wir uns ranhalten: Wäschewaschen, einkaufen, Wasser tanken, Mechaniker No. 1 (T-Stück für Druckluftanlage und Abschmieren) und Mechaniker No. 2 (ein neuer Schmiernippel für’s Quad und eine Metallplatte für die Fahrerhausfederung) müssen zu potte kommen. Da irgendjemand also gerade das Quad auseinander geschraubt hat, muss ich zu Fuß zum Einkaufen. Eine Stunde später komme ich schwer bepackt zurück. Obst und Gemüse, etwas Ziege und eine neue Tajine, da hat man schon einige Kilos zu schleppen.

Und irgendwie schaut hier noch alles aus wie vorher: Andre quatscht mit irgendwem über den Laster, und das Quad steht immer noch dreibeinig daneben. Mhm …

Während ich einmal Küche und Bad durchputze, kommt draußen wohl Schwung in die Sache. Der Campingplatzbetreiber ruft seinen Schwippschwager-Mechaniker No. 2 an, macht ihm mächtig Dampf, und bald darauf steht er auch tatsächlich mit den gewünschten Teilen da. Auch Mechaniker No. 1 taucht irgendwann wieder auf, mit einem T-Stück, für das er viel zu viel Geld will. Und zischt dann wütend ab, weil Andre das nicht zahlen möchte. Gut, somit hat sich das Abschmieren lassen erstmal erledigt, und wir können los.

Wir fahren zur Hauptstraße, nochmal ein bisschen Diesel in den Bananenlaster reinlaufen lassen, besser ist das. Ich gehe auf der anderen Straßenseite noch ein paar Sachen besorgen, und ich glaube, ich habe ein paar Euro zu viel bezahlt. Es fehlen noch einige Dinge, aber da wir morgen wieder an einem Ort mit Einkaufsmöglichkeiten vorbeikommen, kaufe ich den Rest dort.

Während Andre tankt, wird er von Mechaniker No. 3 angequatscht. Es geht wohl darum, Bremsenreiniger zu kaufen. Also fahren wir ihm hinterher, in seine Werkstatt, da hat er Bremsenreiniger. Blöd nur, dass Mechaniker No. 2 seine Werkstatt gleich nebenan hat. Und der ist jetzt richtig angepisst, dass Mechaniker No. 3 seinen Kunden im Schlepptau hat. Dabei ersteht Andre nur eine Dose Bremsenreiniger. Naja, eigentlich nur eine zu 1/3 gefüllte Dose, für 20DH. Und bei genauerem Hinsehen war das gar kein Bremsenreiniger. Sondern irgendeine Politur. Okay, das mit dem Shopping läuft heute nicht so dolle.

Immerhin haben wir es heute nicht weit: 30 Kilometer die geteerte Straße runter, und schon sind wir da.


Kasbah Sternengucker

Unser Ziel ist die Kasbah Sahara Sky, die unter Sternenguckern wohl recht bekannt ist. Denn hier hat man einen guten Blick auf den Sternenhimmel, ohne viel Lichtverschmutzung. Naja, das war zumindest mal so, die neu gebaute Straße und der wachsende Ort in der Nähe sind zum Sternegucken wohl etwas störend.

Hier kann man einen Abend mit Abendessen im Erdgeschoss und einer anschließend fachkundigen astronomischen Präsentation des Sternenhimmels buchen. Aber erst einmal angekommen, und schauen, dass die Hunde sich nicht allzu sehr daneben benehmen.

Es ist eine Kasbah unter deutscher Leitung mit einem Berbernomadencamp davor, die Toleranz gegenüber Hunden ist also tendentiell höher als sonst. Es leben auch ein paar Hunde auf dem Gelände, allen voran eine junge, sehr dünne Hündin, die wohl kürzlich Welpen bekommen hat. Die hat sie aber wohl nicht mehr, denn sie hängt viel lieber bei uns rum. Sie ist super verschmust, was grundsätzlich zeigt, dass die Hunde hier nicht so schlecht behandelt werden, denn sonst hätte sie Angst vor Menschen.

Vom Abendessen habe ich nicht allzu viel, denn mein Kreislauf hat mich an die frische Luft verfrachtet. Ich hätte die Zeit nutzen sollen, um im Klamottenschrank nach meiner Thermo-Flanell-Hose zu wühlen. Denn die kommenden zwei Stunden auf dem Dach der Kasbah waren zwar kurzweilig, informativ und lustig, aber auch kalt.

Die astronomische Fachkraft des Abends heißt Patrick. Er ist Belgier, Astronom (mit Lehrauftrag in Brüssel, sofern ich das richtig verstanden habe) und spricht deutsch. Er erklärt uns wie Sterne geboren werden und wieder sterben, wie Sternenhaufen entstehen und was eine Supernova ist. Er zeigt uns Sternbilder wie die Libelle oder den Breitmaulfrosch, die erinnern mich an eine Bootstour entlang der Klippen bei Lagos, an der Algarve: da meinte der Bootsführer auch ständig, dieser Felsen würde wie ein Elefant aussehen, der nächste wie ein Indianer usw. Für Breitmaulfrosch und Co. war es uns dann irgendwann doch zu kalt auf dem Dach, auch wenn wir wirklich gut darin wären, uns weitere Sternenbilder auszudenken. Ich sag nur: Orions Schwanz-Schwert.

Aber vielleicht lassen wir das auch besser, und so wird es Zeit für den nächsten Programmpunkt, das wieder Aufwärmen. Die Nachbarn mit dem Exmob, und Andreas und Monika, haben noch Restbestände an Jagertee und Glühwein dabei. Hier ist der Alkoholanteil für unseren Geschmack viel zu hoch, wir trinken sowas ja eigentlich nicht. Zumindest zucke ich beim Jagertee immer so ein bisschen zusammen. Aber zum Nippen ist der Glühwein nicht schlecht – immerhin macht es etwas warm.


M’hamid und erste Wege im Sand

Man könnte nun sagen, man hätte sich auf dem Campingplatz in Zagora zusammen gefunden. Genau dazu geht man dort auch eigentlich auf dem Camping: zum Einkaufen, für Werkstattbesuche und um andere Leute kennenzulernen, mit denen man dann vielleicht in die Wüste fahren könnte. Aber so ganz zufällig haben wir Andreas und Monika (Team Steyr) sowie Philip und Lena (Team Düdo) doch nicht getroffen. Man kannte sich schon, teils online und teils offline, und hat sich hier zusammenterminiert.

Und nun treffen sich Team Düdo, Steyr und Eiwola wieder, in einem Sandfeld abseits der Piste, ein paar Kilometer hinter M’hamid. Wir fahren eine Stunde eher von der Kasbah los, denn wir wollen noch etwas Obst und Gemüse im Ort kaufen, den Kühlschrank schön voll machen.

Und suchen dann ein schönes Plätzchen, zu dem es auch der Düdo ohne Allrad schaffen könnte.

Dabei haben wir irgendwie ein bisschen mit der Bodenfreiheit zu kämpfen. Ups.

Okay, eigentlich war das ja Absicht. Und fünf Minuten schaufeln reichen schon, und es geht weiter. Eine Düne weiter bleiben wir stehen, und warten auf die anderen. Der Düdo kommt auch erstaunlich gut durch, nur auf den letzten Metern reicht es nicht mehr, muss vom Steyr gezogen werden.

Dann aber geht’s los: Aus drei Wohnmobilen stolpern fünf Hunde raus. Und irgendwie ist es wie immer: alle rennen der Ziva hinterher, und Max macht den Schiedsrichter, passt auf, dass bloß keiner zu viel Spaß hat.

Zwischendurch lässt sich Ziva von ein paar Krähen weglocken, ist aber abrufbar und kommt zurück. Und einmal bin ich mit dem Quad los, um die beiden jungen Mädels aus Team Düdo und Eiwola wieder nach Hause zu bringen. Sie hätten den Weg aber auch so gefunden. Ziva ist heute von 12 Uhr mittags bis 10 Uhr abends fast durchgehend unterwegs. Dann erst rollt sie sich am Lagerfeuer ein, ist irgendwann tatsächlich müde! Die anderen Hunde liegen derweil bereits seit Stunden in ihren Bettchen.

Max ist nicht ganz so aktiv, und gönnt sich zwischendurch noch einen Snack: während ich mit Ziva beim Quaddeln bin, holt er sich den rohen Fladenbrotteig, der in der Küche zum Aufgehen liegt, und putzt ihn weg. Und ein Stück war auch noch mit marokkanischem Nutella gefüllt. Reste vom Nutella finden sich auf meiner Sitzbank wieder, und er hat was vom Teig wohl auch erst ausgekotzt und dann nochmal aufgeschleckt. Braucht jemand einen Hund? Wäre gerade günstig abzugeben. Er ist gerade auch nur ein bisschen „komisch“.

Vor allem aber: der Hund, der früher nichts ungefragt vom Boden gegessen hat, der klaut jetzt alles, was er bekommen kann. Also nix mehr liegen lassen. Ihn zur Sau machen hat ja wohl nicht viel gebracht – wir haben ihn erst letzte Woche inflagranti dabei erwischt, wie er die letzten beiden Bratwürste wegschnabuliert hat.


Die Piste, das Wadi und der Spieltrieb

Team Düdo, Steyr und Eiwola einigen sich auf 10 Uhr Abfahrt. Das geht bei den Morgenmuffeln gerade noch so durch, und ich friere beim Quadfahren hoffentlich nicht so sehr. Dennoch starte ich mit drei Schichten Klamotten, denn der morgendliche Fahrtwind ist frisch.

Die Piste ist mal sandiger, mal weniger. Sie ist mal mehr befahren, dann verlieren wir sie etwas, um zu einer anderen Piste zu kommen, und machen einen auf Pfadfinder. Um ins Oued Draa reinzukommen müssen wir nur einen kleinen Umweg fahren. Vielleicht wären wir mit den beiden Allradviechern auch anderswo reingekommen, vielleicht auch nicht. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir den Düdo dabei haben, denn wir müssen nicht wirklich alles probieren.

Wobei man aber auch sagen muss: der Düdo kann echt viel. Was sicherlich auch am Fahrer liegt, denn so mit Schwung zu fahren, das traut sich nicht jeder. Der Vorteil der heutigen Strecke ist, dass sie recht sandig ist. Zwischendrin gibt es im Flussbett auch mal steinige Abschnitte, aber es sind nicht diese fiesen, spitzen Steine, wie wir sie von der Piste letzten Winter kennen.

Irgendwann haben wir unser anvisiertes Ziel erreicht, und bei den Männern kommt der Spieltrieb auf. Also nochmal hier über das Dünchen, schauen, was das Fahrzeug kann. Denn nicht nur Team Eiwola sind auf Jungfernfahrt, auch Team Steyr hat erst letztes Jahr ausgebaut.

Und noch einmal richtig buddeln, denn der Düdo steckt mit der Nase im Sand wie ein Entchen mit dem Köpfchen unter Wasser und das Schwänzchen in die Höh.

Ich habe dann auch erst einmal genug für heute und merke schnell, dass ich viel zu viel Sonne abbekommen habe. Am Morgen etwas Sonnencreme aufzutragen, das wäre echt schlau gewesen. Doch habe ich gar keine und auch durch den Fahrtwind nicht gemerkt, und so glühe ich nun am Kopf, wie ein Brite auf Malle. Das hatte ich ja schon lange nicht mehr. Also schwingt Andre sich noch etwas aufs Quad und sucht Feuerholz, während ich lieber drin und im Schatten bleibe, mich dabei mit dem guten Aloe Vera Spray dauereinsprühe, was mich wohl auch rettet, und vor dem Sonnenbrand des Jahrhunderts bewahrt.

Und weil der Platz hier schön und wohlverdient ist, bleiben wir für heute Nacht erst einmal stehen. Die Hunde können allesamt frei laufen, es gibt ein paar Runden „Fit mit Ziva“ und „Gassiquaddeln“. Von diesem Tag gibt es unfassbar viele Bilder und ungefähr zehn Stunden Filmmaterial. Und weil wir kein Internet haben, nutze ich die Offline-Zeit, um das Filmchen des heutigen Tages zu schneiden. Ganz fertig werde ich damit nicht, es kommt also erst morgen … An dieser Stelle also erstmal ein süßes Hundebild:


Homeoffice im Erg Chegaga

Wie der regelmäßig lesende Blogleser ja weiß, wir können einfach nicht ohne Internet. Und arbeiten gleich zweimal nicht. Und wir stehen eigentlich gerne für länger wo rum, gerne im Nirgendwo. Und genau das ist der heutige Plan: hinfahren, wo wir unsere Ruhe haben, und gutes Internet obendrauf. Die ersten Kilometer fahren wir mit unseren Mitfahrern, dann aber verabschieden wir uns voneinander. Die Anderen möchten die Südumrundung des Erg Chegaga machen, mit Lac Iriki und bis nach Foum Zguid, zurück in die Zivilisation. Wir wollen irgendwo hübsch in den Dünen stehen. Tatsächlich sind wir seit dem Erzgebirge nie länger als 2-3 Tage irgendwo rumgestanden, die längste Zeit war glaub im Erg Chebbi, 4 Tage oder so. Wir brauchen eine Reisepause. Oder machen jetzt zumindest wieder etwas langsamer.

Unser Ziel sind die hohen Dünen vom Erg Chegaga, so ungefähr die Ecke, in der wir letztes Jahr waren. Der Sandsturm macht das Quadfahren zu einer recht körnigen Angelegenheit, und der Umstand, dass es für das gesamte Dünengebiet nur einen Funkturm gibt, macht es nicht einfacher. Wo wir uns ein schönes Plätzchen aussuchen, hat es irgendwie kein Internet. Dafür treffen wir im Nirgendwo auf Hinterlassenschaften, die wohl der Wüste zum Opfer gefallen sind.

Wie diese beiden Reifen, die wohl mal auf einem Lkw drauf wahren, vermutlich auf einem Expeditionsmobil. Da frage ich mich: warum lässt man die mitten im Nirgendwo liegen, warum nimmt man sowas nicht mit? Wenigstens bis vor zur Hauptpiste, wo sie ja alte Reifen als Wegweiser nutzen?

Dann war da noch dieses Dromedar, das sich vermutlich ein Bein gebrochen hat, so zumindest meine forensische Analyse. Und angesichts der vielen Serienmörder-Literatur, die ich in meinem Leben gelesen habe, müsste ich in sowas ja der totale Experte sein.

Und wir sind schon fast an den ganzen Luxury-Wüsten-Camps vorbei, das Internetsignal wird wieder schlechter, da fahren wir einfach mal auf die größte Düne zu, die man im Sandsturm erkennen kann. Ich fahre mit dem Quad vor, eine Terrasse, und noch eine, und irgendwann stehen wir mittendrin. Ein wahnsinnig schönes Plätzchen! Mit 4G Vollempfang! Hier bleiben wir erst einmal für ein paar Tage.

Wir machen, was wir halt so machen: schreiben, fotografieren und arbeiten, gassigehen und gassiquaddeln, chillen und versuchen, dass die 100 Emails im Posteingang irgendwie weniger werden. Es sind jetzt 105.

Und hier schneide ich auch das Video der letzten zwei Tage fertig. Und hier kommt es, mein bisher bestes Video 😉

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Ach ja: hast du Youtube? Dann könnte es sich lohnen, den EIWOLA-Kanal zu abonnieren. Und wenn Du schon gerade dabei bist, lass dem Video doch noch einen Daumen nach oben da.

Zwischendurch kommen zwei Marokkaner aus dem nächsten Wüstencamp zu uns hoch gelaufen, sagen hallo, laden zum Tee ein. Ihre Dromedare kommen zwischendurch auch mal vorbei, eine Karotte snacken.

Und an dieser Stelle möchte ich mich im Voraus entschuldigen, für die verdammt vielen Dromedar-Fotos. Okay, bisher waren es noch nicht so viele, aber das ändert sich jetzt.

Die junge Wüstenkuh habe ich einfach mal „Inge“ getauft.

Ich denke, dass die Inge ein junges Mädel ist. Sie steht etwas abseits von ihren vier Freundinnen, und so bekommt sie die Karotten, die ich dabei habe. Sie alle gehören zu einem der Camps hinter uns. Sie haben Fußfesseln an – das ist einige gängige Methode, damit die Dromedare nicht abhauen, denn so können sie wirklich nur tippeln. Ich muss zugeben, erst fand ich diese Fußfesseln schrecklich. Heute nicht mehr so. Denn sie können sich doch relativ frei bewegen, vom einen Grasbüschel zum nächsten, und sind immerhin nicht wo angebunden oder angezäunt. Oder warten den ganzen Tag aufgesattelt auf Touris, wie es im Erg Chebbi gängig ist.

Ich nutze ein abendliches Lagerfeuer, um mal wieder ein paar Nachthimmelbilder zu machen. Das geht noch besser, aber ich mach das einfach so selten, jedes Mal muss ich mich neu einlernen. Auf jeden Fall macht sich die neue Kamera gut, vor allem auf die Sterne scharf zu stellen, ein Kinderspiel.

Die Hunde finden den Platz hier auch super – so viel Sand, da rennt sogar der Max wie ein Verrückter durch die Gegend. Mitunter macht er nur den Fehler, der Ziva hinterher zu rennen. Und die kennt ja keine Schwerkraft – wenn sie mich mit dem Quad aus den Augen verliert, dann rennt sie einfach die höchste Düne rauf, 100% Steigung sind ihr da egal. Und Max, der einfach blindlings hinterher rennt, kommt kaum die Düne rauf.

Ziva geht an einem Lagerfeuerabend verloren – in der stockfinsteren Nacht muss sie in den Dünen rumstreunern. Ich mache mir ein wenig Sorgen, aber es hilft nichts: wir gehen rein, und schau einer an: kurze Zeit später ist sie wieder da. Wir lassen sie trotzdem noch ein Weilchen draußen sitzen, vielleicht hilft es ja was fürs nächste Mal. Und kalt hat sie ja nicht, das Lagerfeuer brennt noch ein Weilchen. So setzt sie sich auch ans Feuer – aber sobald die Türe aufgeht, ist sie mit zwei Sätzen im Womo und unterm Tisch. Daheim beim Rudel ist es halt doch am schönsten …


Die Piste zurück nach M’hamid

Wir überlegen hin und her, wohin es als nächstes gehen soll. Alleine durch die Wüste fahren, das ist nur eingeschränkt zu empfehlen, und mit mehreren Fahrzeugen und Wagenbewohnern macht das ja auch mehr Spaß. Doch hier trifft man irgendwie keine. Wo sind all die Expeditionsmobile? Wir sehen keine, weder unterwegs noch hier im Erg Chegaga.

Die fürchterliche Piste nach Foum Zguid zu fahren, darauf hat keiner Bock. Also sucht Andre uns eine abwechslungsreich aussehende Strecke raus, die uns im Prinzip wieder dahin führt, wo wir herkommen, nach M’hamid: etwas Piste, einige Sandfelder und ein kleines Wadi. Unterwegs gibt es einen Brunnen. Etwas Wasser auffüllen, das kann kaum schaden. Und los geht’s ich fahre wieder das Quad, das ist nämlich deutlich kurzweiliger als Beifahrer im Laster zu sein.

Der Sandsturm ist längst vorbei, und es ist ziemlich klar.

Die Aussichten unterwegs sind gut, und etwa zur Halbzeit der Strecke kommen wir an dem Brunnen an, der in einem Wadi steht.

Es ist ein einfacher Brunnen, und nebenan wohnt einer. Also nicht in diesem Stoffverschlag, sondern hinter dem Brunnen ist ein größeres Zelt. Ne, hier wollen wir keine 200 Liter Wasser rausnehmen. Erstens dürfte das mit dem Mini-Eimerchen ewig dauern, und vor allem wissen wir nicht, wie der Wasserstand im Brunnen danach aussieht. Hat der Wüstencampbewohner hier dann vielleicht eine Woche kein Wasser mehr, ehe sich der Brunnen wieder füllt? Ne, das machen wir nicht. Und so fahren wir einen kleinen Umweg zu einem größeren Brunnen, den wir bereits vom letzten Winter kennen.

Und was ist, als wir dort ankommen? Eine bestimmt 50-köpfige Dromedarherde ist hier gerade am Tanken. Endlich kann ich meinem neuen Hobby, der Dromedarfotografie, nachgehen! Und dann gibt es auch noch ganz viele Dromedarbabys in der Herde!

Vor lauter Fotografiererei merke ich erst nicht, dass der Dromedarhirte nur auf mich wartet, ehe die Herde weiter zieht. Erst als er mich fragt, ob ich fertig mit fotografieren bin, fällt mir das auf. Die Karawane zieht weiter, und wir parken Eiwola am Brunnen.

Und so ein solarbetriebener Brunnen ist ja schon was Feines. Und nein, lieber kritischer Leser, wir nehmen keinen Wüstenbewohnern das knappe Wasser weg. Erstens ist Wasser in der Wüste überhaupt nicht knapp, zumindest nicht hier. Es sind keine Tiefbrunnen, sondern das Wasser steht ungefähr zwei Meter unter der Erdoberfläche im Brunnen. Und das war letztes Jahr auch schon so. Und im Übrigen waren vor uns bestimmt 50 Dromedare am Tanken. Meine oberflächliche Internetrecherche hat ergeben, dass ein Dromedar bis zu 200 Liter Wasser tanken kann. Kannste dir selber ausrechnen, oder?

Jetzt können auch mal die Köters raus. Ziva bekommt direkt mal einen Anschiss von einer Eselmama, die dem kleinen, neugierigen Hund erstmal Bescheid gibt, dass eine Armlänge Abstand zu ihrem Nachwuchs viel zu wenig ist.

Eigentlich wollten wir die Strecke in zwei Tagen fahren, doch irgendwie sind wir gut voran gekommen. Und so landen wir nachmittags wieder in dem Dünenfeld hinter M’hamid, wo Lena und Philip (Team Düdo) bereits stehen. Ziva und Eckstein sind sehr erfreut über dieses erneute Treffen, die Rennerei geht direkt los.

Wir lassen es etwas langsamer angehen, erstmal Mittagessen, ankommen, und für die nächsten Tage einrichten. Wir wollen ja etwas langsamer machen. Mal schauen, was draus wird 😉


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