Bessere Kühlbox, ein anständiger Kompressorkühlschrank oder irgendwas dazwischen? Vor dieser Frage steht irgendwann jeder im Zuge des Wohnmobilausbaus mal. Obwohl bei vielen die Antwort klar auf der Hand liegt: ein anständiger Kühlschrank muss rein, am besten wie zu Hause.

Tatsächlich taugt dieser als Campingkühlschrank bestens, zumindest solange eine 230V Stromversorgung jederzeit gewährleistet ist. Und wenn du dazu tendierst mind. Einen Kasten Bier sowie jede Menge Grillgut reinzupacken sollte der Kühlschrank im Wohnmobil tatsächlich eher größer dimensioniert sein. Ansonsten sind einige weitere Gedanken fällig. Ich habe dabei nicht nur die Kühltechnik und Energieversorgung im Sinn.


Zugegeben, mit Investitionen in einen neuen Kühlschrank fürs Wohnmobil tue ich mich etwas schwer. In den vergangenen Jahren hat die ganz normale Kühlbox doch auch gereicht? Tatsächlich benötige ich Kühlung lediglich um Milchprodukte am Gerinnen zu hindern, im Sommer dürfen Getränke auch gerne etwas kühler als 30 Grad Außentemperatur sein. Dafür mehrere hundert Euro in einen Campingkühlschrank ausgeben? Für meine Zwecke unverhältnismäßig.

Technik: Kompressor, Absorber, Thermoelektrik

Alles was Kälte oder Wärme erzeugen soll stellt ein Energieproblem im Wohnmobil dar – insbesondere wenn kein dauerhafter Landstrom anliegt. Es gibt grundsätzlich drei Techniken um einen Campingkühlschrank kühl zu bekommen:

  1. Kompressor: Ein gasförmiges Kältemittel wird verdichtet. Die typisch schwarzen Spiralen auf der Rückseite des Geräts wirken als Wärmetauscher. Moderne Kompressorkühlschränke zeichnen sich durch ihre Energieeffizienz aus.
  2. Absorber: Hier wird mit einem Wasser-Ammoniak-Gemisch Kälte erzeugt (Ammoniak > Wärmeabgabe, Wasser > Kühlung). Vorteil: geringe Geräuschentwicklung, Einsatz deshalb z.B. als Minibar in Hotelzimmern.
  3. Thermoelektrik: Gekühlt wird mit dem Peltier-Effekt. Klassischer Einsatzbereich: elektrische Kühlbox. Eigentlich eine geräuschlose Technik, jedoch können Lüfter teilweise sehr laut sein. Sie sind kompakt, dadurch flexibel.

Also eigentlich kann es mir ja egal sein mittels welcher Technik der Kühlschrank im Wohnmobil kühlt – es sind alles chemisch-physikalische Prozesse die im Hintergrund ablaufen. Hinzu kommt, dass die hier benannten Vorzüge / Nachteile keineswegs allgemeingültig sind. Es kommt letztendlich auch auf Konstruktion und Verarbeitungsqualität an. Denn auch Kompressorkühlschränke können Stromfresser, Absorberkühlschränke unangenehm laut, Kühlboxen unhandlich sein. Letztendlich kommt es also mehr auf Dezibel, Energieverbrauch und andere Dinge an.

Energiezufuhr: Gas, 12V oder 230V

Energie wird immer ein wichtiges Thema im Womo sein. Und gerade der Kühlschrank kann einiges an Strom bzw. Gas ziehen, insbesondere wenn die Außentemperaturen hoch sind, er viel zu tun hat.

Klassischerweise läuft der Wohnmobil Kühlschrank auf Gas, ist jedoch auf 12V umschaltbar, ein Hybridkühlschrank also. Für meine Zwecke kam solch einer nicht in Frage – aus mehreren Gründen. Einerseits, weil solch ein Gaskühlschrank mit 12V oder gar 230V Umschaltfunktion viel zu teuer für mich ist. WAECO oder Dometic sind typische Hersteller von Campingkühlschränken, aber auch Kühlboxen. Ein halbwegs brauchbarer Wohnmobil-Kühlschrank kostet ab 300 Euro. Kühlboxen, auch größere, sind etwas günstiger. Hier jedoch musst du aufpassen wie diese die Temperatur regeln – einfache Kühlboxen haben oftmals keinen Sensor, laufen quasi durch. Und kapitulieren – je nach Technik bei einer allzu hohen Außentemperatur.

Soll ich jetzt meinen Wohnmobilkühlschrank meinem Energiekonzept anpassen oder anders herum? Gasflasche, 12 Volt Bordnetz oder 230V? Diese Frage hat mich selbst beim Wohnmobilausbau sehr beschäftigt – auch andere Geräte betreffend. Denn es steht eventuell die Frage im Raum wie viele Solarmodule aufs Dach müssen, inwiefern der erzeugte Strom effizient genutzt werden kann. Weniger ist besser – dies gilt beim Stromverbrauch im Wohnmobil, und da ist der Campingkühlschrank, der (auch) auf Strom laufen soll, ein wichtiger Faktor.

Ich habe mich letztlich dafür entschieden, ganz auf große Gasflaschen im Wohnmobil zu verzichten. Somit fällt ein Gaskühlschrank raus, es muss also mit Strom gekühlt werden. Also habe ich mir 12 Volt Kühlschränke für Wohnmobile angesehen. Und mich letztendlich dazu entschieden auf 230 Volt zu bleiben. Denn hier habe ich einen Vorteil: mein 230V Minikühlschrank ist leise und energieeffizient, bietet genügend Platz und ist gleichzeitig kompakt. Der einzige Nachteil ist, dass er zu Beginn und Ende kurzzeitig 500 Watt zieht. Wenn auch nur für einige Sekunden, dann geht er auf 60 Watt während der Kühlphase runter. Doch der Wechselrichter muss dennoch mindestens 600 Watt vertragen können. Was wieder etwas weniger energieeffizienter ist – denn er benötigt auch im Standbymodus Strom. Aber was soll‘s, eine wirklich sinnvollere Lösung hat sich nicht mehr aufgetan.

Ein Grund, mich gegen eine reine 12V-Lösung zu entscheiden war übrigens auch, dass die Kühlleistung der Geräte hier eher überschaubar sind. Also gerade wenn ich es bitteschön wirklich kalt in meinem Campingkühlschrank haben möchte, nämlich bei 35 Grad Außentemperatur, soll es keine wirklich kalten Getränke geben. Mhmmm…

Noch ein Hinweis: Bei Amazon gibt es Gaskühlschränke mit 30mbar und 50mbar Betriebsdruck. Bei 50mbar handelt es sich um ein altes, auslaufendes System, du solltest also direkt zu einem 30mbar Gaskühlschrank greifen. In Sachen Kühlleistung gibt es keine Unterschiede. Inwiefern es mit einem 50mbar System Probleme mit der Abnahme geben kann, dazu kann ich leider nichts sagen.

Was soll mein Campingkühlschrank können müssen?

untere Türe: Platz für den Minikühlschrank

untere Türe: Platz für den Minikühlschrank

Zugegeben, es ist mir fremd – wozu man im Urlaub einen riesigen Kühlschrank im Wohnmobil braucht. Ich gehe bestimmt zweimal wöchentlich einkaufen, zwischendurch vielleicht nochmal auf einen Wochenmarkt oder in die Markthalle, zum Bäcker oder Direkterzeuger. Ich muss weder Sachen einfrieren noch möchte ich einen Kasten Bier unterbringen. Ich pilgere auch nicht zum Lidl um mich mit billigen Vorräten zu versorgen. Aber gut, hier hat jeder seine eigenen Kriterien. Dieser solltest du dir einfach nur bewusst sein, damit der Kühlschrank in deinem Wohnmobil auch richtig dimensioniert sein wird.

  • Dimensionen: 1,5L-Flaschen, Kasten Bier, …
    In den südlichen Ländern Europas gibt es die Limonade / das Wasser auch schonmal 2L-Flaschen. Wäre natürlich schön, wenn diese in den Kühlschrank reinpassen. Andere wollen möglichst viel Bier, immer zwei Flaschen Sekt auf Reserve, eine halbe Metzgerei in ihrem Campingkühlschrank im Wohnmobil unterbringen. Ich als Nicht-Alkohol-Trinkerin und Wenig-Fleisch-Esserin und Allein-Reisende brauche hier weitaus weniger Platz wie so manch ein anderer.
  • Energieversorgung: 12V, 230V, Gas?
    Diese Frage stellt sich für die meisten erst gar nicht. In der Standard-Wohnmobilkonfiguration wird mit Gasflaschen gekühlt und geheizt. Ich nutze dafür Strom, nicht umsonst habe ich große Batterien und Solarmodule verbaut. Gerade im Sommer macht das Betreiben des Kühlschranks über Solar Sinn: Der Kühlbedarf ist groß, die Energiegewinnung dank starker Sonneneinstrahlung ebenso. Abhängig vom eigenen Reiseverhalten können jedoch vor allem Hybridkühlschränke sinnvoll sein. Sie lassen sich umschalten, je nachdem welche Energiequelle gerade besser ist: 12V (Bordbatterie), 230V (Landstrom) oder Gas (Gasflaschen).
  • Kühlschrank mit Gefrierfunktion / Eiswürfelfach
    einige Kühlboxen, Minikühlschränke und Campingkühlschränke werden mit einem Eisfach als Zusatzfeature. Mal ganz abgesehen davon, dass dieses meist unterdimensioniert ist (nicht von den Dimensionen, sondern von der Temperatur her), brauche ich das wirklich? Nein, ich eher nicht.
  • Temperaturregelung / Temperatursensor
    Mein Wohnmobil-Kühlschrank läuft auf 230V und hat einen integrierten Temperatursensor. Das kann so manch einer, fürs Camping konzipierter Kühlschrank, nicht von sich behaupten. Teilweise gibt es nur Stufe 1-3, von laufwarm bis superkalt. Gerade Kühlboxen laufen auch schonmal ohne Pause durch. Meiner jedoch springt vielleicht alle 30 Minuten an, und ist nach 5 Minuten fertig mit dem Kühlen.
  • Lautstärke: vor allem nachts und wenn Ruhe gewünscht ist…
    … wird dich ein lauter Kühlschrank im Wohnmombil nerven. Gerade beim Wohnmobilausbau solltest du also darauf achten, dass einerseits für eine ausreichende Belüftung hinterm Kühli gesorgt ist. Gleichzeitig sollte der Kühlschrank so im Wohnmobil verbaut sein, dass die beim Kühlvorgang entstehenden Geräusche möglichst nicht im Wohn- und Schlafbereich stören.
  • Gute Isolation
    Wenn man schon Energie dazu verwendet das Innere des Kühlschranks zu kühlen, dann sollte die Kälte möglichst auch drinnen bleiben. Logisch, oder? Scheinbar nicht, denn so mancher Campingkühlschrank ist erstaunlich dünnhäutig. Gummidichtungen sind undicht. Wenn immer unbegrenzter Landstrom zur Verfügung steht macht das nicht viel aus. Doch bei begrenzten Energiekapazitäten kommt es genau auf diese Details an – denn sie summieren sich.
  • Kondenswasser: wenn’s im Kühlschrank regnet
    „Anständige“ Kühlschranke haben ein integriertes System umd Kondenswasser abzuleiten. HInter dem Kühlschrank befindet sich dann auch ein Lüftungsgitter nach außen. So manch eine Kühlbox oder Minikühlschrank hingegen haben ein Problem mit Kondenzwasser. Dieses sammelt sich an den Kühlelementen, gefriert mal, tropft dann wieder. Hier ist die Konstruktion des Kühlschranks wichtig. Bei meinem beispielsweise kann ich eine Schale unterstellen. Bei einigen Kühlboxen tropft es beim Öffnen vom Deckel auf die Lebensmittel drauf. Weniger geschickt.

Meine Wahl: Minikühlschrank auf 230 Volt

Ich nutzte ihn bereits seit mehr als einem Jahr (vor meinem Einzug ins Womo) als regulären Kühlschrank. Und weiss daher: die Größe ist ideal für 1-2 Personen. Zumindest dann, wenn du nicht dazu neigst, große Vorräte im Kühlschrank zu bunkern. Während des Wohnmobilausbaus habe ich nur 5 Meter direkt neben diesem Minikühlschrank genächtigt, und gut geschlafen. Denn er ist jetzt zwar nicht lautlos wenn er zu kühlen anfängt, aber erträglich. Außerdem kühlt er nicht allzu oft und lange – scheint also über eine gute Dämmung zu verfügen.

Für den Einbau ins Wohnmobil gibt es eigentlich nur einen Nachteil. Während der Kühlphasen (ca. 5 Minuten pro halbe Stunde, wenn es ganz warm ist vielleicht auch länger) benötigt er 60 Watt an Strom (230V). Soweit, sogut. Aber: Zu Beginn und Ende der Kühlphase zieht er kurzfristig bis zu 500 Watt. Nicht lange, aber lang genug um einen entsprechend dimensionierten Wechselrichter zu benötigen. Aber den hab ich ja sowieso 😉

Praktisch finde ich auch, dass – im Gegensatz zu einer Kühlbox, die auch in meiner engeren Auswahl stand – die Türe nach vorne aufgeht. Der Anschlag ließ sich leicht wechseln, und dank der recht kompakten Ausmaße passte der Minikühlschrank perfekt in die Küchenzeile von meinem Wohnmobil. Nach hinten ist es offen, für eine ausreichende Lüftung ist also gesorgt.

  • Vorteile: stromsparend, kompakte Bauweise, günstiger Preis, gute Dämmung, optimal viel Platz, stufenlos einstellbar, Türe nach vorne
  • Nachteile: Kondenswasserbildung, 230 Volt, erhöhter Anlaufstrom, recht unnützes Gefrierfächlein

Zweiter Sieger: Dometic Hybrid-Kühlbox

Fast hätte ich mir eine Kühlbox gekauft – wobei diese hier nur wenig mit den „normalen“ Kühlboxen für Camping und Picknick zu tun hat. Der einzige Grund warum es doch keine Dometic geworden ist liegt im „falschen“ Format, sie hat in meine Möbelplanung einfach nicht reingepasst.

Die Dometic-Kühlboxen sind gut und ihren Preis wert, keine Frage. Vor allem die Flexibilität bei der Stromversorgung ist super. 12V während der Fahrt, 230 Volt auf dem Campingplatz und beim wild campen vielleicht auch mal auf Gas umstellen – das hat schon seine Vorteile. Es gibt auch Wohnmobilkühlschränke die mit 12V oder Gas klarkommen, jedoch sind diese meist unfassbar teuer. Sorry, aber > 300 Euro für einen kleinen Kühlschrank, das ist es mir einfach zu viel.

  • Vorteile: flexibel in der Energiezufuhr (Gas, 12V, 230V), es passen große Flaschen rein, kühlt gut, leise und schnell.
  • Nachteile: Öffnung ist oben, muss so eingebaut werden dass man gut an den Deckel rankommt, die Lüftung gewährleistet ist.

Der Vollständigkeit halber: 12V Kühlschrank fürs Wohnmobil

Ich habe mich umgehört: der Hybrid-Kühlschrank von Dometic soll wirklich gut sein. Wäre auch eine echte Alternative zu meiner bisherigen Lösung. Auf Amazon ist er oftmals auch noch reduziert. Wenn du also einen kleinen Kühlschrank für dein Wohnmobil benötigst, der mal auf Gas, mal auf Strom laufen soll, dann ist dieser hier sicherlich eine gute Wahl.

  • Vorteile: erprobter Kühlschrank, flexible Energiezufuhr, Tür geht nach vorne auf.
  • Nachteile: der Preis (regulär 390 EUR), bei 12V überschaubare Kühlleistung