Vor ziemlich genau sechs Monaten bin ich aus einem 90qm-Haus mit Garten und Terrasse ausgezogen, hat das Leben für mich und Tizon in rollenden 6qm begonnen. Zeit, mal ein Fazit zu ziehen. Ein Jubiläums-Blogpost sozusagen.


Wie ist es so, das Leben unterwegs, weit weg von Zuhause, das Arbeiten im kleinen, selbst ausgebauten Kastenwagen, in fremden Ländern, das Reisen alleine als Frau, mit dem verrückten Hund an meiner Seite?

Nehmen wir doch einfach die Top5 an Fragen, die Menschen mir unterwegs immer wieder stellen. Plus einige, die ich mich selbst manchmal frage. Ich schreibe einfach mal, was mir in den Sinn kommt. Auch, wenn ich es womöglich schonmal in einem früheren Reiseblog thematisiert habe.

In den letzten 6 Monaten war ich in Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs. Momentan stehe ich am südwestlichsten Punkt Europas, nahe Sagres in der Algarve. Und meine Reise ist noch lange nicht zu Ende. Denn irgendwie ist es beschlossene Sache, dass ich den kommenden Sommer durch Deutschland (oder so) toure, mich dann für den Winter wieder in Richtung Süden (Portugal oder so) begebe. Scheint, als habe ich Gefallen am nomadischen Leben gefunden.

Als Frau ganz alleine unterwegs?

funcho

Alleine zu stehen, frei zu stehen, auf der Straße XYZ sowieso, in der Stadt ABC generell, … Sicherheitsbedenken kommen gerne von Frauen. Und die wenigen allein reisenden Damen, die ich so getroffen habe die letzten Monate, sie lassen sich einiges entgehen. Einfach, weil sie die meiste Zeit auf Camping- oder Stellplätzen stehen. Am liebsten noch gut beleuchtet und zentral.

Denkt doch mal mit! Kein Gauner fährt 20km in die Pampa weil da könnte ja vielleicht jemand  stehen, dem könnte man ja was Böses tun. Aber eigentlich kann man hier Argumente bringen oder es auch bleiben lassen, gerade Frauen sind recht potentiell ängstlich veranlagt. Daher ist meine Antwort meist die gleiche: Kein Problem, ich hab ja ‘nen großen schwarzen Hund dabei. Das ist übrigens auch der erste Spruch, den Männer so von sich geben, sie haben es erkannt ;-)Tatsächlich hatte ich in den letzten 6 Monaten noch nie ein Sicherheitsproblem irgendwelcher Art. Selbst die Übernachtungsplätze, die sich als Sextreffs entpuppten oder manch aufdringlicher älterer Portugiese – alle harmlos. Die meisten Menschen sind nett, und wenn man ihnen mit einer positiven Grundeinstellung begegnet, dann zeigen sie einem das auch gerne.

Etwas gefährlicher ist so mancher Fahrstil. Also Beinah-Unfälle hatte ich schon einige, gerade in Frankreich und Portugal. Und mindestens 3x mehr Glück als Verstand. Diese Kreisverkehr-Kreuzung-Kombination inmitten einer französischen Baustelle war schon haarig. Oder als ich mit dem Hund morgens beim Gassi war, auf dem Gehweg am Kreisverkehr, und plötzlich steht 30cm hinter mir ein Auto quer. Portugiesen machen wohl alle im Sommer den Führerschein, sie scheinen einfach nicht zu wissen was Aquaplaning ist.

Musst du nichts arbeiten?

Camping

Der Witz ist ja: wäre ich mit einem männlichen Begleiter unterwegs, diese Frage würde ich weitaus seltener zu hören bekommen. Habe auch schon ein paar junge Paare getroffen, die müssen ihren Lebensstil nicht erklären.

Es ist relativ egal ob ich in irgendeinem Büro in Deutschland sitze oder irgendwo anders. Das Internet hier unten ist sogar verdammt gut, Deutschland ist diesbezüglich wirklich noch ein Entwicklungsland. Für alles andere benötige ich nur meinen Laptop. Und wenn ich dachte, dass der eine oder andere Kunde vielleicht abspringt – Pustekuchen. Die Auftragslage ist so gut, dass ich vor lauter Arbeiten zwischenzeitlich kaum zum Reisen komme.

telheiro

Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, arbeiten und reisen unter einen Hut zu bekommen. Ein neues Plätzchen anfahren, dort dann auch die Gegend zu erkunden … Das nimmt Zeit in Anspruch. Und nach einem Tag unterwegs sein ist abends manchmal einfach die Luft raus, es wird nur noch das Nötigste gearbeitet. Daher hat es sich in letzter Zeit bewährt, sich zum Arbeiten ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Damit ich mich einige Tage ganz darauf konzentrieren kann. Eine Woche arbeiten, eine Woche reisen. Das funktioniert ganz gut. Zumindest wenn man in einer Region hängen bleibt, wie ich gerade an der Algarve.

Lebenserhaltungskosten: was kostet das Leben im Wohnmobil eigentlich?

ferragudo

Im Internet geistern einige Zahlen rum was die Kosten für das Leben im Wohnmobil angeht. Eines ist klar: Jeder lebt und reist auf seine eigene Weise. Es kann sein, dass ich diesen Monat ganz anders reise wie im Letzten. Ist das Wetter schlecht kann es sein, dass ich einige Kilometer mehr fahre, auf der Suche nach einer besseren Klimazone. Oder ich sitze es auf einem Campingplatz aus. Warum dort? Wlan, heiße Duschen und Waschmaschine laden zum arbeiten, wellnessen und haushalten ein.

Dann gibt es wieder Zeiten, da stehe ich am liebsten frei. Auch sonst gibt es ja wirklich alles: gute wie schlechte Stellplätze können 3€ oder 15€ pro Nacht kosten, oder gar nichts. Ähnliches gilt für Campingplätze: Hier in der Algarve im Winter komme ich teilweise für 5€ pro Nacht unter. Das krasse Gegenteil war Galizien (Nordspanien), da kostete mich eine Nacht mal 17€. Für eine Person mit Hund und ohne Strom, wohlgemerkt.

Was ich für mich dokumentiert habe sind die Kosten fürs Auto (Diesel und Maut), für den Haushalt (Waschmaschine + Trockner), fürs Internet (mobil oder anderes), und natürlich die Übernachtungsgebühr (Stellplatz + Campingplatz). Außerdem Ausgaben für Schwimmbäder und Ver-/Entsorgung. Herausgekommen sind folgende durchschnittliche Tageskosten:

  • 6 Wochen Deutschland im Sommer: 15€ (primär Campingplätze u. Freibäder)
  • 3 Wochen Frankreich im Herbst: 17€ (primär Campingplatz, auch wegen einer Bänderdehnung, inkl. teurer, mautpflichtiger Autobahn)
  • 2 Wochen Spanien im Herbst: 20€ (teils sehr teure Campingplätze und viele Kilometer gefahren, war halt Schlechtwetter)
  • 17 Wochen Portugal im Winter: 9€ (viel frei stehen, teils sehr günstige Plätze, teilweise nicht viele km gefahren)

Ein Grund, warum diese Kosten etwas niedriger sind als bei anderen Menschen dürfte natürlich auch sein, dass ich keine Kilometer runterreiße. Gerade in letzter Zeit hier im Süden von Portugal sind es mal 10, mal 50, und das auch nicht jeden Tag. Sondern eher mal, wenn das Wetter einen Standortwechsel empfiehlt. Im Sommer / Herbst war auch der Diesel noch etwas teurer, da bin ich auch einige Kilometer mehr gefahren als in Portugal.

regenwetter

Vor allem jedoch ist das Wetter entscheidend. Wenn das doof ist und in der Region auch nicht besser werden möchte, dann setzt du dich halt ins Auto und fährst 2-3 Stunden. Bis der Hund nicht mehr mag. Dann einfach auf den nächstbesten Campingplatz, egal was der kostet. Oder direkt in die Therme. Diese Tage werden auch gerne fürs Einkaufen benutzt. Geht dann halt ein bisschen ins Geld, aber ganz so schwäbisch veranlagt bin ja da doch nicht.

Interessant wird die Geschichte natürlich, wenn du halbwegs autark unterwegs bist. Eine Woche lang kann ich irgendwo rumstehen ohne mich bewegen zu müssen. Erst dann geht mir das Wasser aus. Hier an der Algarve könnte ich einfach ein paar Kilometer ins nächste Städtchen fahren, kostenlos oder für paar Euros (meist 2€) ver- und entsorgen. Stromprobleme gibt es nur bei andauerndem Mistwetter, ab da bleib ich ja auch nicht so lange stehen! Und Gas brauch ich ja keines, nur ein wenig zum Kochen.

kochen

Apropos, Kosten für Lebensmittel etc. habe ich nicht dokumentiert. Sowas wie ein Haushaltsbuch ist mir dann doch zu heftig. Zumal sich da generell nicht viel schenkt. In Frankreich und Portugal hat es den Intermarché, in Spanien und Portugal den Continente, und überall gibt es Lidl und Aldi. Frankreich war bis dato am Teuersten. Spanien weitaus billiger, dafür aber verkaufen die in ihren Supermärkten gerne XXL-Packungen. Portugal ist bis dato mein Favorit: Meeresgetier, Gemüse und Obst sind nicht nur recht günstig, sondern auch qualitativ um Welten hochwertiger als in Deutschland. Auch Essen gehen ist hier günstig. Wo man hingegen draufzahlt (wenns denn mal sein muss) sind Fleisch und diverse Markenprodukte (wie z.B. Schokolade oder Milchprodukte). Es wundert mich tatsächlich, wie Nestlé in den Supermarktregalen so präsent sein kann, bei diesen Preisen. Aber, im Prinzip ist es wie in Deutschland: es gibt fast immer auch eine Noname-Alternative.

Trotzdem scheint es Menschen zu interessieren was man denn so an Geld braucht um sein Leben im Wohnmobil zu finanzieren. Also ich als Alleinreisende mit großem Hund im Fiat Ducato komme so ungefähr auf folgende Rechnung:

450 €Rumkommen: Campingplatz, Wama, Wasser, Strom, Internet, Maut, Benzin, Schwimmbad
260 €Absicherungen: PKV, Pflege, Unfall, Privathaftpflicht, Rechtschutz
350 €Shoppen: Essen, Trinken, Haushalt, Klamotten, Nippes …
70 €Hund: Tierarzt, Steuer, Versicherung, Futter, Spielzeug …
80 €Auto: Steuer, ADAC, Vollkasko
50€Gelegentlicher Kleinkram: Parken, Friseur, Essen / Trinken gehen, …
1260 €So ungefähr …

Was hier natürlich fehlt sind Geschichten, die bei mir in den letzten 6 Monaten nicht aufgetreten sind: Ausgaben für das Auto, die zwangsläufig fällig werden: Reparatur, TÜV, …  Auch die Upgrades die ich am Frühjahr vornehmen möchte … Hinzu kommt die ganze Rücklagenbilderei, die man als Selbständige so betreiben muss, wie die private Altersvorsorge.

Ist dein Auto nicht zu klein? So mit dem großen Hund und so?

Es ist ziemlich egal wie groß das Wohnmobil / Haus ist: der Hund liegt jetzt seit fast 11 Jahren am allerliebsten zu meinen Füßen. Auch ich selbst kann immer nur einen Platz besetzen. Aber zugegeben, ich hatte zu Beginn auch meine Bedenken. Und kann heute ganz klar sagen: kein Problem. Vor allem, wenn man wie ich immer der Sonne hinterher ist. Wintercamping im Schwarzwald würde ich jetzt nicht machen wollen, aber das ist fahrzeugunabhängig so.

mertola

Der Kastenwagen hat einen großen Vorteil: es hat große Löcher im Auto, normale Wohnmobile haben das nicht. Wenn ich also im Nirgendwo auf einem Hügel stehe, dann mache ich morgens zum Sonnenaufgang einfach die Hecktüren auf. Wenn ich noch etwas länger lieben bleiben möchte gibt es das erste Sonnenbad des Tages gratis, ohne aufstehen zu müssen. Und wenn ich am Vorabend daran gedacht habe den Kaffeekocher zu richten wird die erste Tasse Kaffee auch direkt vom Bett aus gekocht.

Eine Schiebetüre zu haben ist weitaus kommunikativer als diese schmalen Wohnmobiltüren. Zumal sie ja meistens offen steht und ich gleich dahinter auf der Eckbank am PC sitze. Da gibt es viel winkewinke, und öfters muss ich doch mal aufstehen weil vorbeikommende Wanderer / Deutsche / etc. ein Gespräch durch die offene Türe anfangen. Sie mögen den Ausbau, oder den Hund. Gut, manchmal werden sie von Tizon vielleicht etwas zu euphorisch begrüßt. Aber auch daraus entwickelt sich öfters mal ein nettes Gespräch.

Ansonsten passt alles ins Auto rein. Wenn man es denn manchmal aufräumen tut. Was nicht gerade meine Stärke ist. Aber es ist alles drin: Klamotten für 2 Wochen, Nahrungsmittel und Wasser für 1 Woche, …

Das einzige, das ich wirklich an Komfort vermisse, passt auch in ein normalgroßes Wohnmobil nicht rein: meine Spülmaschine.

Der Ausbau: kleine Nachkorrekturen waren / werden nötig sein.

womo

Im Großen und Ganzen funktioniert meine Planung. Im Friedel ist es angenehm zu wohnen, es lässt sich wunderbar arbeiten. Ich bin tatsächlich auch erstaunt, dass noch nichts Wesentliches zusammengeflogen ist. Ein paar Macken hat er, die werden im Frühjahr ausgemerzt. Und ein paar Optimierungsoptionen gibt es natürlich immer. Einige konnte ich auch schon unterwegs umsetzen.

Kürzlich gab es ein Upgrade beim Wasser: ich bastelte mir 2x70l-Wassertanks unters Bett. Nicht, dass da wirklich Platz für gewesen wäre, er wurde halt akquiriert – neben einer Mülltonne parken hat da durchaus geholfen. Mehr Wasser, das bringt gleich zwei Vorteile: bisher konnte ich max. 4 Tage frei stehen ohne zur Ver-/Entsorgung zu müssen – wenn ich sparsam war. Dieser Zeitraum beträgt nun ca. 1 Woche. Mit der 20l-Solardusche und den 2x 5l Wasserflaschen habe ich dann ca. 100 Liter dabei.

Internet über Sat: ist schon längst wieder passé. Habe es ausprobiert, letztendlich jedoch war es nicht pragmatisch. Die manuelle Ausrichtung ist einfach zu unhandlich, eine Satschüssel mitzuschleifen recht sperrig. Zumal ein direkter Blickkontakt zum Satelliten hergestellt werden muss, und danach wollte ich meine Übernachtungsplätze eigentlich nicht aussuchen. Hinzu kommen die langen Ping-Zeiten, was das Webdesignen etwas langatmig macht.

Schade, dass es nicht funktioniert hat, zumal dieser Part ja damals der letztliche Auslöser für die Entscheidung war im Womo zu arbeiten. Denn wenn ich damals diese Option für brauchbares Arbeits-Internet nicht im Hinterkopf gehabt hätte, dann wäre die Idee, mit dem Auto durch Europa zu gondeln vielleicht nie wirklich ausgereift.

eckbank

Es gibt einiges Unnützes, das ich seit Monaten durch die Gegend fahre: Sobald ich wieder im Schwarzwald ankomme wird (nochmals) gründlich ausgenistet. Es hat sich gezeigt, dass ich lieber und öfters frei stehe, weniger auf Campingplätzen, ganz selten auf Stellplätzen. Dinge wie der große Tisch oder die Wäschespinne … alles recht unnützer Ballast, der wertvollen Stauraum wegnimmt.

Neue Hardware werde ich dieses Jahr ebenfalls noch benötigen. Mein Laptop möchte wohl in Rente gehen, alle paar Wochen zickt er wegen was Anderem rum. Auch ein anständige Router mit Antenne wird angeschafft. Gleichzeitig optimiere ich den Kabelsalat auf meinem Schreibtisch: ein Stromkabel, der Rest geht demnächst über Bluetooth. Mein Amazon-Wunschzettel quillt langsam über.

Was verbraucht der denn? Wieviel kann deine Solaranlage? Wieviele Kilometer …

Typisches Womo-Fachgesimpel kommt hauptsächlich von Männern. Normalerweise bleibt man als Frau ja davon verschont, doch sobald sie feststellen, dass ich mein Auto selbst ausgebaut habe ahnen sie, dass ich nicht ganz so ahnungslos bin wie Blondchen auf den ersten Blick aussehen mag.

Das kommt allerdings nicht so häufig vor dass es mich wirklich stören würde. Finde es meist sogar recht interessant, führen meine Antworten doch manchmal zu kurzzeitiger Verwirrung. Wieviel Diesel braucht mein Auto? Keine Ahnung. Ist der Tank leer mach ich ihn wieder voll. Wieviel Solarpower habe ich auf dem Dach? Es reicht, war seit Monaten nicht mehr an der Steckdose. Hab auch keinen Generator.

Wie lange bleibst noch, wo fährst als nächstes hin?

gassirunde

Meine Reiseroute ist mehr spontan als durchdacht. Immer wieder finde ich Spots, die mich interessieren. Von anderen Rumtreibern oder Menschen, die ich unterwegs treffe. Google und Instagram sind auch ganz hilfreich. Diese Orte markiere ich dann auf Google MyMaps. Und krame sie wieder raus, wenn ich gerade in der Gegend bin.

Die große Planerei habe ich aufgegeben. Wenn ich heute sehe was ich vor meiner Abfahrt alles vorhatte zu besuchen: noch nicht einmal die Hälfte habe ich bisher durch. Aus sechs Wochen Portugal wurden mittlerweile 17. Und es scheint, dass ich nächsten Winter auch wieder hier bin. So kann es noch ein Weilchen dauern bis ich Europa ganz oder auch nur halb durch habe.

Überhaupt, mein kleiner Trip war ja als 1-Jahres-Tour geplant, wenn überhaupt. Momentan hat es jedoch den Anschein, als würde ich so schnell nicht wieder sesshaft werden …

Man lernt nie aus.

aljezur

Jede Reiseetappe birgt neue Erkenntnisse. Und du lernst immer wieder dazu. Hier werden ein paar Brocken spanisch oder portugiesisch gelernt, dort wird das Geocachen ausprobiert, ein Surfkurs gemacht. Ich habe mir etwas über die Käseproduktion in Asturien erzählen lassen, über die Thermik beim Gleitschirmfliegen, über die Lebenseinstellung der Portugiesen, über die Artenrettung der iberischen Luxe oder der nordspanischen Steinadler.

Derzeit bin ich immer wieder erstaunt über die Preisunterschiede zwischen Portugal und anderen Ländern die ich bisher besucht habe. Portugal hat ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem, Arztbesuche und Medikamente sind deutlich günstiger. Sie tun auch viel präventiv, so findet man hier günstige Hallenbäder mit breitem Angebot, auch schonmal mit angegliedertem Fitnessstudio. Auch der Tierarzt, der Friseur oder die Autowerkstatt haben sich als äußerst preiswert entpuppt. Essen gehen sowieso. Der Knüller ist aber das portugiesische mobile Internet: 15GB Datenvolumen kosten 15 Euro. Anderswo (z.B. Spanien oder Deutschland) bekommst du hierfür vielleicht 2-4GB. Und das Netz ist auch noch spitze – hier fragt man sich, wieso das anderswo nicht auch so geht? Könnte es vielleicht an den finanziellen Interessen der Mobilfunkanbieter liegen?

Dieser finanzielle Faktor, kombiniert mit den netten und offenen Portugiesen und den Menschen, die ich hier kennen lernen durfte machen es doch sehr wahrscheinlich, dass mich auch mein nächster Winter wieder nach Portugal führt 🙂

Viel Glück, ich hoffe du findest was du suchst …

boca-do-rio

Erstaunlicherweise meinen einige Menschen, dass ich auf der Suche nach irgendwas bin. Inneren Frieden oder Weltfrieden, vielleicht doch einen Mann oder den Zweithund? Was soll ich denn suchen? So genau können sie mir das auch nicht sagen. Sie vermuten irgendeinen tieferen esoterisch-psychologischen Grund für meinen Trip.

Nee, mir ist in dem Schwarzwalddorf einfach nur die Decke auf den Kopf gefallen. Und hatte Bock frei Schnauze durch die Gegend zu reisen, und dafür ist mein kleines Wohnmobil einfach ideal.

Gefunden habe ich tatsächlich einiges. Ich genieße es, dass ich laufend wieder meinen Horizont erweitern und Neues hinzulernen darf. Dass man in Matschepfützen am Besten mit etwas Anlauf durchfährt um nicht stecken zu bleiben. Dass ich Paprikas doch nicht so widerlich finde wie ich 30 Jahre lang dachte – man muss sie nur reif ernten und gut weich kochen. Dass ich einfach nur ein anderes Klima brauche um die ständigen Kopfschmerzen und Mittelohrentzündungen loszuwerden. Dass man immer wieder neue nette Leute kennenlernen und interessante Gespräche führen kann.

Wenn du zu Hause bist, vielleicht noch auf dem Dorf wohnst, dann lebst du in einem Mikrokosmos. Arbeit, Haushalt, die Menschen um dich herum – alles wird zur Gewohnheit. Das ist nett und gemütlich, neue Impulse sind jedoch eher eine Ausnahme als die Regel. Doch wenn du auf Reisen gehst, und zwar nach dem „Slow Travel“ – Prinzip, dann entdeckst du automatisch Neues.

Weiterfahren oder bleiben, so wie man Lust und Laune hat. Unterwegs Menschen treffen, mal auf einen Smalltalk oder mehr. Es dauerte bei mir ein paar Wochen bis ich auch mental aus dem Hamsterrad draußen war. Doch dann bekommt das Leben auf Rädern einen gewissen „Flow“. Du lässt dich treiben, schaust einfach jeden Tag aufs Neue worauf du heute Bock hast. Strand? Arbeit? Wandern? Stadtbummel? Schwimmbad? Weiterfahren oder einfach stehen bleiben?

raubtierfuetterung

Manche Dinge sind unterwegs auch einfach anders. Sicherlich gab es auch im Schwarzwald wunderbare Sternenhimmel. Doch wann habe ich mich zuletzt rausgesetzt, und einfach nur die Sterne angeguckt? Wenn es damals schlechtes, kaltes Wetter hatte, habe ich mich einfach zu Hause eingeigelt. Und gehofft, dass der Hund nicht merkt, dass die Gassigehzeit eigentlich schon war. Heute stehe ich gerne an der Atlantikküste, oben auf den Klippen, es weht eine frische Brise, ich hab ne Wolldecke um. Heute habe ich also viel mehr frische Luft.

Unterschiede merke ich aber auch bei den Mentalitäten. Automatisch beobachtest und vergleichst du Deutsche und andere Nationalitäten die ein Land besuchen – und die Einheimischen. Ich sehe, dass das Leben gerade in südlichen Ländern deutlich entspannter ist. Die Menschen sind offener, sie erscheinen mir weniger gestresst. Fremde Menschen grüßen dich ständig, auch wenn sie einfach nur an dir vorbeifahren (oder laufen). Vor ein paar Tagen beispielsweise ist die Polizei an mir vorbeigefahren und hat winkewinke gemacht. Obwohl ich ganz offensichtlich frei stehe – was ja generell verboten ist.

Gaaanz alleine? Ooooh.

furnas

Leute, es gibt Telefon. Und Email, Skype, Facebook … Kontakt mit der Heimatfront halten geht immer. Meine Handykosten sind immer noch moderat, trotz so manchem einstündigen Telefonat. Simyo und Skype machen es möglich. Und ganz alleine ist man unterwegs nur, wenn man es sein möchte.

Ein interessanter Aspekt ist das Kennenlernen neuer Menschen unterwegs. Je nachdem wo du dich rumtreibst kommst du eigentlich täglich mit Jemandem ins Gespräch. Es gibt kurze, längere, interessante und merkwürdige Begegnungen. Smalltalk und tiefergehende Gespräche. Manche erzählen dir aus dem Stand heraus Dinge, wo du dich fragst WARUM ?? erzählt der mir das jetzt. Dann wieder sind spannende Menschen, Lebenskonzepte und Geschichten dabei, die dich auf Anhieb faszinieren. Und vieles dazwischen.

Immer wieder triffst du Menschen ein zweites oder drittes Mal, per Zufall – und erinnerst dich im Idealfall sogar noch an ihren Namen. Oder wo du sie schonmal getroffen hast. Macht einfach einen besseren Eindruck.

Du kommst mit Einheimischen und Auswanderern ins Gespräch, bekommst von ihnen Einblicke und manchmal auch Tipps. Manchmal triffst du welche aus deinem Heimat-Nachbardorf, dann wieder andere digitale Nomaden oder alternative Aussteiger. Ist halt irgendwie alles dabei. Und das macht es immer wieder interessant.

Fazit nach 6 Monaten on Tour:

Ich freue mich schon sehr auf die nächsten 6 Monate.


30 Grad, und Tizon hockt in der Sonne ...

30 Grad, und Tizon hockt in der Sonne …

Mittagessen in Frankreich.

Mittagessen in Frankreich.

Ein Platz am Meer

Ein Platz am Meer

Einer meiner Lieblingsplätze in Portugal.

Einer meiner Lieblingsplätze in Portugal.

Sonnenaufgang, vom Bett aus fotografiert.

Sonnenaufgang, vom Bett aus fotografiert.

Schön leerer Strandparkplatz in einer Bucht.

Schön leerer Strandparkplatz in einer Bucht.