In Teil 1 der Sommertour sind wir von Portugal nach Deutschland gedüst. In einer Reisegeschwindigkeit, die für uns recht ungewöhnlich ist. Nun also Teil 2. Mit weniger Kilometern, aber mehr Terminen und Besuchen und einer langen Todo-Liste. Der eigentliche Grund dieser Sommertour wird nun abgearbeitet.


Tag 9: Reutlingen.

Montag

Wir fahren noch am Sonntagabend im Schwarzwald los, denn am Montagmorgen ist der nächste Termin.

Wir übernachten mal wieder auf einem hochoffiziellen Wohnmobilstellplatz, in Pfullingen. Nebenan ist das Freibad, aber dank aufziehendem Gewitter räumen die Bademeister das Bad per Durchsage.

Am Morgen machen wir unsere allerersten Coronaschnelltest, denn wir übernachten gleich neben einem Schnelltest-Drive-In. Man mag es kaum glauben, wir haben es überlebt, niemand hat uns das Wattestäbchen bis ins Hirn geschoben.

Der erste Termin findet in einer Werkstatt für Omnibusse (und Sonstiges) statt.

Der Bananenlaster bekommt neue Schuhe. Ein Satz Reifen Michelin XZL2 werden aufgezogen, und zwei weitere kommen als Reserve hinten an den Laster ran. Unsere Hoffnung ist, dass sie beim Fahren etwas leiser sind. Vor allem haben wir kürzlich festgestellt, dass die alten Reifen kleine Risse bekommen haben. Schade, somit sind sie quasi unverkäuflich. Oder sagen wir es so: irgendeiner hätte sie wahrscheinlich dennoch gekauft, aber wir hätten sie nicht guten Gewissens verkauft, also werden sie entsorgt. Schade, sie hätten ein so gutes Kunstprojekt für die Quinta Prazera hergegeben! Schließlich konnte ich mich auf der Fahrt durch Frankreich ganz wunderbar inspirieren lassen, die haben dort diverse Objekte aus Altreifen auf ihren Kreisverkehren stehen.

Während Andre sich zusammen mit den Werkstattmitarbeitern um die Reifen kümmert, gehe ich mal wieder einkaufen. Ein großes Edeka-Center – und ich bereue recht schnell, dass ich zu Fuß hier bin und die Einkäufe heimschleppen muss. Man könnte hier so schön einkaufen! So wird es nur ein kleiner Einkauf für die nächsten Tage. Der aber so teuer war wie ein normaler Wocheneinkauf in Portugal.

Ich höre immer wieder, dass die Nahrungsmittel in Portugal teuer wären. Nein. Frisches Obst und Gemüse ist in Portugal definitiv günstiger. So kann man 2€ für ein Kilo (PT) Aprikosen bezahlen, oder für eine Handvoll (DE).


Tag 10: Kleine Lasterupgrades

Dienstag

Wir positionieren uns noch am Vorabend auf dem Gelände von unserem Kabinenbauer FRM Technik.

Denn wenn wir schon in Deutschland sind, dann können die Jungs ein paar Sachen richten. Es ist nicht viel, eigentlich ist es nur eine Sache, die auf Gewährleistung gerichtet werden sollte. Diese eine Stelle an der Dachschräge, die letzten Sommer undicht wurde, ist nur provisorisch abgedichtet, das sollte anständig gemacht werden, und bekommt in diesem Zuge auch einen Regenablauf. Was dann auch in ein paar Stunden erledigt ist.

Andre macht währenddessen eine kleine Quadtour. Wir haben unser Quad ja nicht dabei, also leiht er sich das CANAM aus, das hier auf dem Hof steht. Es fährt sich ganz anders als unser Kodiak, und er findet nicht, dass es sich besser fährt. Also bleiben wir bei Yamaha.

Die Hunde stromern derzeit auf dem Werkstattgelände rum. Ziva ist hier gut ausgelastet, denn es im Außengelände wohnen ein paar fellige Tierchen unter einem Container. Wie die Katze hockt sie davor und wartet, bis sie endlich erscheinen.

Wir kommen auch noch „irgendwie“ zu einem Satz Scheinwerfergitter. Sieht gut aus, und hilft vielleicht auch etwas gegen Steinschlag. Das Verrückte ist ja: Original kostet so ein Satz bei Mercedes schicke 900€. Also bei manchen Preisen fragt man sich schon, ob da irgendein Azubi den Onlineshop betreut, und der aus Versehen mal bei den Preisen eine Null zu viel eintippt.

Und wir bereiten uns auf den morgigen TÜV-Termin vor. Ob es ihn stört, dass das ABS-Licht brennt? Na, wir werden sehen.


Tag 11: TÜV

Mittwoch

Mit dem Laster müssen wir ja eigentlich jährlich zum TÜV. Heißt, wir sind jetzt ein Jahr drüber. Das ist aber nicht das Problem, sondern vielmehr die Lichtmaschine, die natürlich und ausgerechnet heute Morgen rumspinnt und zu viel an Spannung abgibt. Die Starterbatterie hat plötzlich 38V, das ist viel zu viel. Grandioses Timing. Aber hilft ja nichts, wir müssen jetzt los, haben einen Termin.

Erster Mangel: ein Abblendlicht geht nicht. Was, kann nicht sein, habe ich erst heute Morgen nochmal kontrolliert, es ging alles, mein Andre. Naja, kann halt doch sein, wenn die Lichtmaschine Strom wie auf Speed produziert. Ein Glück, dass da nur ein Abblendlicht dran glauben musste.

Sonst hat es keine Mängel. Sogar die Bremse hat formidable Werte, was uns ehrlich freut. Denn als wir in Portugal losfuhren, hat sie sich gar nicht gut angefühlt. Wir sollten einfach nicht zu lange stehen …

Wir können also weiter. Und tatsächlich schaffen wir es, aus der Stadt wieder rauszufahren, ohne nochmal jede 3,5-Tonnen-Einbahnstraße mitzunehmen.


Tag 12: Gmünd

Donnerstag

Lange fahren wir heute nicht, denn wir machen noch einen Abstecher nach Schwäbisch Gmünd, zu Andres Heimatadresse. Max ist wie immer ganz aus dem Häuschen. So viele bekannte Hände, und alle wollen ihn anfassen! Er kann sein Glück kaum fassen.

Lange bleiben können wir leider nicht, denn unser Terminplan ist nach wie vor recht sportlich. Außerdem parken wir nicht nur schräg am Straßenrand, sondern hängen mit der Leiter auch noch volle Kanne in den Brombeeren und Brennesseln.

Nach einer recht ruhigen Nacht am Freibad, natürlich begleitet mit dem täglichen Donnerwetter, geht es am nächsten Morgen auch schon wieder los.

Erkenntnis des Tages: unser Terminplan ist schon seeeehr sportlich angesetzt.


Tag 13: Autobahn / Wanderparkplatz

Freitag

Die neuen Reifen fahren sich besser, ein bisschen leiser sind sie auch – wenn auch nicht so leise wie erhofft. Nun aber müssen wir erst wieder den neuen, idealen Luftdruck rausfinden, damit sich keine Gummiwürste bilden, gerade bei der Fahrt auf der Autobahn. So fahren wir jeden zweiten Autobahnparkplatz raus, und Andre passt den Luftdruck an – bis es endlich passt.

Ach ja, ein paar Baustellen gibt es auch noch. Kilometerschrubben auf der Autobahn, besser nicht in Deutschland.

Zwischendurch treffen wir uns noch mit Roberto, der uns ja wochenlang beim Ausbau von Eiwola geholfen hat. Kaffee und etwas Süßkram auf dem Supermarktparkplatz, und schon geht es weiter.

Der heutige Tag endet auf einem Wanderparkplatz, der eigentlich ganz nett ist. Und naja, an der Straßenrauschen im Hintergrund kann man sich bestimmt noch gewöhnen. So langsam aber vermisse ich die Ruhe unserer Quinta Prazera. Wobei man auch sagen muss, wir fahren nicht allzu große Umwege um einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Erkenntnis des Tages: da ist noch Luft nach oben.


Tag 14: Back in Sachsen

Samstag

Haben wir echt zwei Tage Puffer rausgefahren, bis zum nächsten Termin? Läuft bei uns. Also suchen wir uns für’s Wochenende ein lauschiges Plätzchen im Erzgebirge, nicht allzu weit weg von unserem Termin am Montagmorgen. Ich finde einen großen Wanderparkplatz, das sollte doch gehen.

Auf dem Weg dorthin fällt uns wieder ein, was das Problem mit diesem Erzgebirge war: die Straßen sind eng, und manchmal auch steil. Ständig hat es große Bäume am Straßenrand, und anderthalbspurige Straßen ohne nennenswerten Randstreifen. Ich erinnere mich vage an meine Fahrschulstunden hier, und an mein Nervenflattern vor zwei Jahren. Also den Lkw-Führerschein in Brandenburg zu machen, das wäre vermutlich einfacher gewesen 😉 Ach ja, und Umleitungen können sie hier immer noch ganz gut einrichten. Ich glaube, manche sind auch schon locker zwei Jahre alt …

Andre hat damit freilich weniger Probleme, man hört es nur selten Fluchen, beim Slalomfahren. So kommen wir heile an, und finden einen schönen Platz für’s Wochenende vor.

Apropos Lkw-Führerschein, wir bekommen am Nachmittag direkt den nächsten Besuch: mein Fahrlehrer kommt her, mitsamt meinem Ex Fahrschullaster und Familie, und so veranstalten wir über’s Wochenende ein kleines Mini-Allrad-Treffen auf der großen Wiese. Willkommen, Team Eurocargo!

Wir starten natürlich mal wieder mit recht leerem Kühlschrank ins Wochenende, also gehen wir essen. Es gibt einheimische Spezialitäten, deren Namen ich mir unmöglich merken kann. Ich musste eben also nochmal googeln: Speckfettbemm und Buttermilchgetzn. Na, alles klar? Speckfettbemm ist eine Scheibe Brot mit Schmalz drauf. Buttermilchgetzn ist quasi eine Tortilla wie man sie aus Spanien kennt, aber mit Buttermilch anstatt Ei. Schmeckt mir sehr, werde ich nachkochen – aber bitteschön ohne Kümmel.

Erkenntnis des Tages: inmitten auf einem großen Wanderparkplatz vor zwei großen Allradlastern auf der Wiese sitzen, das hat bei entsprechendem Publikumsverkehr ein bisschen was von einem Zoobesuch. Die Besucher waren wir aber nicht.


Tag 15: Halbzeit

Sonntag

Wir haben kilometermäßig übrigens Halbzeit. Sind im östlichsten Teil unserer Sommertour angekommen, weiter nach Osten geht es nicht. Auch im Terminplan ist Halbzeit. Ob auch zeitlich Halbzeit ist, das ist noch völlig offen. Im ungünstigsten Fall ja, denn Portugal hat offenbar einen Fehler gemacht, und die Grenzen für den Tourismus zu früh geöffnet: die Briten kamen, und sie brachten die Delta-Variante mit. Wenn das schlimmer wird, dann werden wir abwägen müssen, wie hoch das Risiko ist, dass die Portugiesen in den nächsten Wochen ihre Grenzen wieder schließen.

Heute jedenfalls verbringen wir noch einen gemütlichen Sonntag auf unserer Wanderparkplatz-Wiese. Wir kommen mal wieder zu einem anständigen Frühstück, dank Team Eurocargo. Nicht, dass wir da viel zu beigetragen hätten, schließlich ist unser Kühlschrank inzwischen sehr leer, bis auf alkoholische Getränke haben wir quasi nichts mehr im Haus.

Über’s Wetter sag ich mal nicht viel, außer: wir hatten tatsächlich den Holzofen an. Also wenn es nicht gerade heiß-schwül ist, sind wir am Frieren.


Tag 16: Tour de Erzgebirge

Montag

Herrlich, so ein Übernachtungsplatz, der so ruhig ist, dass ich mal wieder ungestört ausschlafen kann. Und so kommen wir am Montagmorgen auch nicht ganz so früh los, um das längst gekaufte, aber noch nie gesehene Quad zu besuchen.

Längst gekauft, weil es insgesamt zwei Monate Lieferverzögerung gab. Einige Branchen haben von der Coronakrise ja gut profitiert, und die Quadhersteller gehören dazu. Aber was lange währt wird ja bekanntlich besonders gut, und gut aussehen tut es schonmal. Gut aussehen tut es vor allem in der Quadgarage, und trotz leicht anderer Maße passt es unerwartet gut rein. Okay, die Klappe der Quadgarage geht nicht zu, aber damit war zu rechnen. Wäre ja wohl auch zu einfach, würde alles auf Anhieb funktionieren …

Während Andre das Quad mit seinem neuen Zuhause vertraut macht, gehe ich nebenan etwas einkaufen. Die Mitarbeiter des Supermarkts sind wohl alle schwerkrank und haben auch alle eine Maskenbefreiung. Arme Menschen.

Das Quad ist noch nicht fertig umgerüstet und muss auch noch zum TÜV, also bleibt es erst einmal hier. Wir fahren weiter, nach Annaberg-Buchholz. Dem treuen Blogleser mag der Ort bekannt vorkommen, denn hier haben wir ja den Laster ausgebaut. Und an der Ausbauhalle schauen wir für einen Kurzbesuch rein. Die Nachbarn waren angenehm überrascht, und auch mit unseren Ex-Hallenvermietern, den Reisezäpfchen, die sich gerade für die nächste Reise fertig machen, plauschen wir noch ein wenig.

Weiter geht es nach Schneeberg. Ja, da sind wir wieder, zurück in der Werkstatt. Hier soll der Laster die nächsten Tage noch ein paar kleinere technische Upgrades bekommen (z.B. neue Motorlager) und auch etwas neue Farbe. Farbe aber nur da, wo sie wirklich komplett weg ist. Keine Ahnung, wo die hin ist …

Auf dem Hof stehen wir also zwischen den Gebrauchtwagen, und bald gesellen sich ein paar im Wohnmobil Lebende hinzu. Ein Einheimischer mit seinem Kastenwagen, und auch die Besatzung von Tournator-online.de. Der Abend wird länger. Zum Glück habe ich nur die Winterjacken in Portugal gelassen, Fleecejacken und Wollsocken sind dafür jetzt im Einsatz.


Tag 17: Werkstatttag 1 in Schneeberg

Dienstag

Der Laster steht neben der Halle, die Ziva steckt in der Wiese, und der Werkstattmitarbeiter mit Lkw-Expertise liegt (nur leicht fluchend) unterm Laster. Heute wird das technische Gedöns gemacht, von dem ich doch nicht ganz so viel Ahnung habe. Man hat mir sicher erzählt, was heute alles gemacht ist, aber nicht alles ist auch bei mir hängen geblieben. Eines weiß ich aber: Die Motorlager kommen neu, in der Hoffnung, dass sie einen weiteren Beitrag zur Geräuschkulissenminimierung leisten.

Max findet ein gekipptes Fahrerhaus übrigens sehr uncool. Denn im Fahrerhaus kann man einfach besser vorbei kommende Leute anstänkern.

Ziva und Andre gehen zwischendurch mal runter in die Autowerkstatt. Wir haben uns jede Menge Pakete liefern lassen, das ist fast wie Weihnachten. Ziva macht ihre Runde durch die Werkstatt, und ist hocherfreut. So viele Mitarbeiter, die man anschlecken kann! Zum Glück holt sie sich dabei keine nennenswerten Motorölflecken im Fell, denn ich habe sie erst unter der Dusche gehabt. Die junge Dame hatte doch ein sehr büffeliges Aroma. Einmal im Jahr muss sie sich wohl in Gülle wälzen.

Am Abend leihen wir uns ein Auto, um endlich mal wieder richtig gut Griechisch essen zu gehen. Na, ratet mal, wann der Grieche in Schneeberg wohl seinen Ruhetag einlegt? Genau, heute. Der Italiener war dann aber auch gut.


Tag 18: Impf- und Lackiertag in Schneeberg

Mittwoch

Es ist echt nicht einfach, sich impfen zu lassen – vor allem, wenn man keine Zeit für die Zweitimpfung hat. Und der gute Stoff muss ja zweimal verimpft werden. Aber getreu dem Motto „besser einmal als keinmal“ nehmen wir das Angebot, uns einen Impftermin organisieren zu lassen, dankend an. Angesichts dessen, wie viele Leute wir die letzten Tage getroffen haben, die gerne geimpft wären, und die 10 oder 20 Jahre älter sind als wir, geht das hier im Osten echt einfach. Naja, mit ein bisschen Beziehungen zumindest. Nun haben wir also erstmal den Johnson & Johnson intus und werden nächstes Jahr schauen, mit was wir nachimpfen.

Zurück vom Impfausflug sind wir zurück in der Werkstatt. Heute wird der Laster aufgehübscht, die tiefsten Kratzer bekommen etwas neues Grau und die Ecken vorne oben müssen wieder gelb werden. Also parken wir um, vor den Arbeitsplatz des Lackierers. Es wird geschliffen, gespachtelt, lackiert und poliert, dann sieht er wieder aus wie neu. Also abgesehen von den vielen Schleifspuren an der Seite. Aber die lassen wir, das gehört zum Gesamterscheinungsbild …

Zwischendurch bereite ich den Papierkram für die Quadzulassung vor. Meine Mutter übernimmt den Job wieder für mich, und dafür wäre es gut, wenn alle Papiere auch vorbereitet sind. So eine Quad-Neuzulassung ist nämlich ohnehin irgendwie kein 5-Minuten-Projekt. Weil so ein ATV ist ja eigentlich ein Wald-und-Wiesen-Forstfahrzeug. Da wiehert der Bürokratieschimmel recht panisch.

Nach Feierabend gibt es eine kleine, spontane Grillparty. Der Kastenwagenbewohner, der hier öfters arbeitsplatznah hinterm Autohaus steht, schmeißt den Grill an und lädt uns und ein paar Kollegen ein. Zehn Erwachsene, ebenso viele Kinder und unsere zwei Hunde sind mit von der Party. Für Ziva ist das eine wunderbare Übung, um wieder gesellschaftsfähig zu werden. Sie ist teilweise etwas unsicher, schlägt sich aber tapfer, zwischen Autos, knatternden Kindermopeds, Rollern und Kindern, die ihr begeistert Leckerlies verfüttern. Ziva hier, Ziva da, rennen, streicheln, Leckerlies … Max futtert die Leckerlies auch gerne, aber für ihn sind es hier einfach zu viele Kinder, und mit denen hat er es eigentlich nicht so.

Fotos von der Party habe ich zwar, aber da sind irgendwie überall Kinder mit drauf, daher kommen die nicht hier rein. Dafür ein Foto, das eher gegen Ende des Abends entstanden ist: Da hat es doch tatsächlich einer geschafft, seine Autoschlüssel in den einzigen Gullideckel auf dem großen Hof reinzuschmeißen.

Natürlich geht das Ding auch mit großem Werkzeug zum Hebeln nicht auf, aber Andre hat glücklicherweise noch einen Magneten zum Rausangeln gefunden.


Tag 19: Letzter Tag in Schneeberg

Donnerstag

Na, wie fängt ein perfekter Donnerstag an? Genau, mit Regen und Kopfschmerzen. Während die frisch geimpften Männer auf Symptome durch die Impfung tippen, habe ich eher den Alkohol des gestrigen Abends in Verdacht. Bier, Wein, Eierlikör und Sekt – ist alles lecker, aber vielleicht wäre es schlauer gewesen, nicht alles an einem Abend zu trinken. Zumal wir nicht wirklich trinkfest sind.

Nach ein paar weiteren Kleinigkeiten am Laster fahren wir nochmal zu den Lackierern, sie müssen die mit dem Pinsel aufgetragene Farbe auf den Kratzern wieder glatt polieren. Dann geht es weiter, die gleiche „Tour de Erzgebirge“ wieder retour.

Unterwegs gehen wir Hamster kaufen. Inzwischen wissen wir ja, was wir auf längeren Reisen abseits von Deutschland vermissen. Das ist nicht so viel, aber irgendwie plündert hier gerade jemand das Maultaschenregel im Kaufland …

Abgesehen davon ist es aber eher nicht die deutsche Küche, die ich mir auf Lager lege. Ein ordentlicher Metaxa für die Metaxasauce, eine ordentliche Currypaste für die Currysauce, sowas eben.

Heute kommen wir bis Pockau, denn morgen können wir hoffentlich das Quad abholen. Der Übernachtungsplatz ist halbwegs ruhig, zumindest bis zum Morgengrauen.

Dann aber kommen die Sattelschlepper im Minutentakt – denn der Parklatz ist geräumig, und nebenan gibt’s einen Bäcker für’s Frühstück.


Tag 20: Wochenende in Annaberg: ein Quad und ein Besuch

Freitag

Heute wird es spannend, denn wir holen das Quad ab. Beim Probeeinladen hat es geradeso gepasst, wir hoffen diese Übung lässt sich wiederholen.

Weil es ist ja schon sehr eng bemessen das Ganze, es sind Millimeter. Und natürlich klemmt es irgendwo. Von vorne sieht man nicht wo, also quetscht sich Andre da einfach mal rein.

Mit ein bisschen drücken und schieben bekommen wir den Garagendeckel sogar wieder zu. Na, da muss wohl noch die Flex ran, damit das etwas geschmeidiger passt. Aber das muss heute nicht sein. Denn heute haben wir eine andere Komplikation zu lösen: denn wir haben uns für den Quad noch einen Hänger gekauft. Der steht bei der benachbarten Kfz Werkstatt, und die hat auch einen Stapler, um den Hänger an den Laster anzureichen.

Das Ding soll nämlich hinten rangespannt werden. Hört sich abenteuerlich an? Ist es auch, und ich glaube erstmal nicht wirklich dran, dass das was wird. Andre wohl auch nicht so wirklich, denn ich höre sowas wie „wir probieren das mal, sonst lassen wir es nach Portugal schicken“. Wir hätten uns übrigens sehr gerne einen ordentlichen, gebremsten Anhänger in Portugal gekauft. Haben aber nichts passendes gefunden, und wussten auch nicht wegen der Zulassung und Versicherung und so. Also machen wir eine komplett deutsche Nummer draus, das funktioniert auf jeden Fall problemlos. Außer eben, dass der Hänger mit nach Portugal muss. Und weil der Hänger einen Ticken größer ist als gedacht, weil wir beim Bestellen die falschen Maße angeguckt haben, sieht das Ganze jetzt eben etwas abenteuerlicher aus als erhofft.

Drei Männer konstruieren also was dahin, es kommen diverse Spanngurte zum Einsatz, und als (allerhöchstens) semiprofessionelles Sahnehäubchen obendrauf kommt noch eine rote Kaufland-Einkaufstüte als Warnfahne hinten dran. Aber immerhin, das Dingens sitzt bombenfest am Laster. Wenn man sich dran hängt, wackelt nicht der Hänger, sondern nur der ganze Laster.

Man darf noch Wetten abschließen, wie oft wir deswegen auf dem Weg nach Portugal von der Polizei angehalten werden. Wir machen noch ein bisschen was extra ran, Stichwort „Doppelte Ladungssicherung“ und so. Und eine Warntafel, die braucht es spätestens ab Spanien. Ich glaube nicht, dass die sich mit einer Kaufland-Tüte zufrieden geben.

Nun waren wir Anfang der Woche einfach zu spontan in Annaberg-Buchholz. Die Mädels, die während dem Ausbau immer mit den Hunden Gassi gegangen sind, sind unter der Woche tagsüber in der Schule. Also fahren wir einfach nochmal hier rauf, zur Halle, in der wir vor zwei Jahren Eiwola selbst ausgebaut haben.

Quatschen mit den Ex-Nachbarn, gehen mit den Hunden Gassi, und Ziva darf mit ihrem Lieblingsmädel nochmal eine Extrarunde Gassi.

Über Nacht bleiben wir nicht hier stehen, sondern parken näher ans Stadtzentrum ran. Denn wir waren noch immer nicht beim Griechen! Heute aber. Es ist viel zu viel, aber ein abschließendes Eis passt trotzdem noch rein.

Wer hier übrigens fleißig mitliest, der weiß inzwischen: auf dieser Sommertour koche ich nicht. Genau einmal gab es Nudeln mit Sauce, aber das auch nur, weil der französische Supermarkt uns nicht haben wollte und seinen Parkplatz mit einer Höhenbeschränkung vor uns gesichert hat.

Ach ja, tanken waren wir heute auch noch. Aber da sprechen wir nicht so gerne drüber. Ich sag nur soviel: Das Tanken dauerte eine halbe Stunde, und der Spritpreis liegt gerade bei 1,30€. Das tut weh.


Tag 21: Chemnitz und Schneeberg

Samstag

Andre hat eine Überraschung für mich, und zwar am Samstagmorgen in Chemnitz, da haben wir einen Termin. Wooohooo, Überraschung, was mag das wohl sein? Ich rate ein paarmal, wen wir da eventuell treffen könnten. Dann lass ich aber das mit dem Raten, denn wenn ich es errate, ist es ja keine Überraschung mehr 😉 Tja, und so wusste ich tatsächlich, was wir machen: einen Escape Room aufsuchen. Wer noch nicht weiß, was das sein soll: Man zahlt Geld dafür, um in einen Raum eingesperrt zu werden. Und muss diverse Rätsel lösen, um aus diesem Raum wieder rauszukommen – und hat dafür eine Stunde Zeit. Es gibt verschiedene Räume, mit verschiedenen Mottos und Schwierigkeitsgraden. Als Anfänger haben wir den Anfängerraum gebucht, und die Aufgabe war, die Zahlenkombination eines Safes herauszufinden. Hinweise darauf sind überall im Raum versteckt.

Idealerweise macht man das in der Gruppe mit vier bis sechs Personen. Nur zu Zweit ist es schwieriger, in der Zeit alle Hinweise zu finden und zu kombinieren. Naja, und was soll ich sagen, wir haben komplett versagt. Immerhin hatten wir nach Ablauf der Zeit ungefähr 6 von 8 Zahlen beisammen, aber auch nur, weil wir Tipps bekommen haben. Es guckt und hört nämlich ein Mitarbeiter „heimlich“ zu, und wenn man einfach nicht weiter kommt, dann bekommt man Tipps über einen Bildschirm. Geschafft haben wir es dennoch nicht, aber die Stunde ging trotzdem wie im Fluge vorbei und es war echt spaßig! Das machen wir bestimmt nochmal 🙂 Wer jetzt Bock auf den Escape Room in Chemnitz bekommen hat: www.exit-sachsen.de

Wir gehen noch ein wenig Shoppen. Die Suche nach dem Crocs-Laden bleibt erfolglos, dafür habe ich neue Noise-Cancelling-Kopfhörer. Die Knöpfe im Ohr finde ich beim Fahren auf Dauer nicht optimal, mag ich nicht so – deshalb wieder ordentlich große Mickey Mäuse mit Polsterung und Bügel, die WH-1000XM3 von Sony. Viel besser. Sie nehmen bestimmt 90% von den Fahrgeräuschen weg, und wenn Andre mit mir redet, kann ich ihn trotzdem gut verstehen. Und der Sound beim Musikhören ist auch spitze. Theoretisch kann man damit telefonieren, aber sowas mache ich nicht. Ach ja, Akkulaufzeit bis 30 Stunden. Da kann ich auch mal vergessen, die Teile aufzuladen.

Andre hat die Tage zuvor ja das Fahrerhaus nochmal nachgedämmt, insbesondere den Bereich unterm Lenkrad. Das hat echt viel gebracht, und zusammen mit den neuen Motorlagern ist es jetzt echt leise. Wir können während dem Fahren miteinander Flüstern.

Nach etwas einkaufen und was vom Asiaten zum Essen im Laster flüchten wir auch schon wieder aus der Stadt. Diese Menschenmassen, puh. Gut, es ist Samstagmittag, es hat gutes Wetter, da ist der Teufel los, als gäbe es kein Corona.

Draußen hat es keine Maskenpflicht, nur in den Geschäften und Einkaufszentren. Und da trägt ein Drittel den Nasenpulli unterm Rüssel. Man zieht also die Maske auf, wenn man wo rein geht, und wieder raus, wenn man wo rausgeht, und wenn man wie wir ein paar Geschäfte abklappert, dann ist man nur am Maske rauf und runter ziehen. Was für ein Stress. Ne, einfach Maske auflassen, das wäre in diesem Fall irgendwie entspannter.

Ach ja, diese Sachsen, sie sagen wohl „Wendl-Schleife“ zu einer Brezel. Und ein Gong ist ein Junge. Und an das „Glück auf“ anstelle dem „Guten Morgen“ habe ich mich auch noch nicht wieder dran gewöhnt …

Zurück in Schneeberg an der Werkstatt. Wir haben da ja noch ein kleines Quadproblem. Also erstes passt es nur mit hängen und würgen in seine Garage, und zweitens sind wir das Dingens noch nichtmal anständig probegefahren. Und natürlich muss man auch an diesem erstmal die Spur richtig einstellen. Andre flext ein bisschen an der Quadgarage rum, optimiert die Halterung, und wir machen eine rote Nummer dran, um wenigstens einmal im Kreis rumzufahren. Es fährt sich tatsächlich signifikant anders als der kleinere Bruder. Motorkamel 1.0 ist ja ein Yamaha Kodiak mit 450ccm, das Motorkamel 2.0 hat 700ccm. Das merkt man am Berg. Und Servolenkung hat es jetzt auch.

Und bevor ich wieder zehn Emails bekomme: www.zweirad-hunger.de Und ja, ich glaube, wir möchten diese Adresse für den Quadkauf empfehlen. Insbesondere auch Danny, den Juniorchef. Bei ihm haben wir das Quad von Portugal aus gekauft, er hat sich gekümmert, auch darum, dass es jetzt auch wirklich zulassungsfähig auf dem Hof steht. Die Umrüstung (Fernlicht, Blinker und so Zeugs) macht einen deutlich besseren Eindruck als das vom Motorkamel 1.0, und auch sonst ist bisher alles Paletti.


Fortsetzung folgt

So, hier im Osten sind wir jetzt durch, ab sofort fahren wir wieder in die „richtige“ Richtung: nach Westen und vor allem gen Süden. Mit diesen letzten Worten hier ist der Reiseblog wieder auf dem Laufenden, es dauert also, ehe der Nächste kommt. Wer ein bisschen was von unterwegs mitbekommen möchte, der möge mir auf Instagram folgen. Bis denne.


Reiseblog & Reiseberichte

Alle meine Beiträge zu unseren Reisen im Wohnmobil findest du hier:

Unsere Reisen mit dem Wohnmobil