Warum kommt hier jetzt ein Artikel zum Thema Europäische Krankenversicherung? Weil ich begeistert bin. Und es gleich in mehrere Kategorien auf crosli.de passt: Selbständigkeit, Sabbatjahr und Vereinfachung. Denn eine europäische oder auch internationale Krankenversicherung ist gerade für Selbständige und Weltenbummler interessant. Aber seit 2016 leider nicht mehr jedem so einfach zugänglich.


EDIT 2016: Aufgrund gesetzlicher Änderungen habe ich diesen Artikel aktualisiert.

Ich war schon seit Jahren nicht mehr richtig krank. Ich habe noch nichtmal einen Hausarzt. War seit meinem 14. Lebensjahr nicht im Krankenhaus, und auch da hab ich mir nur in den Finger geschnitten. Wäre auch so wieder zusammengewachsen. Das einzig Teure in den letzten Jahren war ein Ersatz für einen fehlenden Zahn. Und von dieser Brücke hat die Gesetzliche Krankenversicherung auch noch kaum etwas bezahlt! Angesichts der rund 400 Euro im Monat, die ich als Selbständige dort einzahlen durfte, eigentlich ein Witz.

Angebote von Privaten Krankenversicherungen habe ich mir ebenfalls angesehen. Doch war ich zu dem Zeitpunkt nicht nur übergewichtig sondern auch rauchend unterwegs. Hinzu kommen paar Verwandte mit Krebserkrankungen, … kurzum, es lag kein wirklich überzeugendes Angebot auf dem Tisch. Sie haben zwar versucht ein paar Jahre später doch noch anzubändeln, aber da wollte ich nicht mehr. So ist das halt mit mir.

Dann bin ich auf einen Artikel zum Thema Europäische Krankenversicherung gestoßen, und mein Interesse war spontan geweckt. Ein Tarif für alle, ohne Gesundheitsprüfung, allenfalls Vorerkrankungen wurden abgefragt. Kein Problem, habe ich ja keine. Und wenn, dann wären diese nach zwei Jahren wieder abgedeckt. An dieser Stelle muss ich einige aber wohl auch gleich wieder entmutigen: selbst harmlose chronische Leiden wie Bluthochdruck führen dazu, dass eine Europäische Krankenversicherung eher nicht in Frage kommt. Denn bekommst du irgendwann mal Herzprobleme oder ein anderes ernsthaftes Leiden das mit dem Bluthochdruck zusammenhängen kann, dann wird es vermutlich Probleme geben. Und auf Kosten einer Herz-OP will wohl keiner sitzenbleiben.

Europäische und Internationale Krankenversicherung: Was ist das genau?

Wir leben im Europäischen Wirtschaftsraum. Und nach europäischem Recht steht EWR-Dienstleistern der deutsche Markt offen. Das gilt auch für die Krankenversicherungen. So sind es britische oder luxemburgische Anbieter, die ihre Tarife in ganz Europa anbieten – so auch in Deutschland. Jetzt gibt es aber auch diese deutsche Pflichtversicherung. Was bedeutet, dass diese Tarife eine Reihe von Mindest-Leistungen bringen müssen um deutschem Recht zu entsprechen. Was diese jedoch nicht machen, im Gegensatz zu den Privaten Krankenkassen: Altersrückstellungen bilden. Hier ist auch ein Knackpunkt, der mit einer Gesetzesänderung Anfang 2016 zum Problem wurde: Die Anerkennung als vollwertige Krankenvollversicherung wurde aberkannt. Die Europäische Krankenversicherung erfüllt nicht mehr die Versicherungspflicht!

Dies hat folgendes zur Konsequenz: Erstens ist es nicht mehr möglich aus der GKV bzw. PKV heraus in die EUKV zu wechseln. Denn für eine Kündigung benötigst du eine Folgeversicherung – die eben den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ohne den Nachweis einer solchen Versicherung kommst du aus deiner bisherigen Krankenversicherung nicht raus.

Das zweite Problem besteht darin, dass du mit einer Europäischen Krankenversicherung der Versicherungspflicht nicht nachkommst. Solange du also keine deutsche PKV oder GKV hast ist der Gesetzgeber der Meinung, du bist nicht anständig krankenversichert. Das macht bisher keine Probleme, solange du nicht wieder zurück in eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zurück möchtest. Tritt dieser Fall ein, dann würden hohe Forderungen auf dich zukommen.

Was in der Praxis bedeutet: eine Europäische bzw. Internationale Krankenversicherung ist für alle interessant, die ihren Lebensmittelpunkt nicht in Deutschland haben. Deutsche im Ausland – Langzeitreisende, Digitale Nomaden, Expats usw. Ebenso Langzeit-Nichtversicherte, sowie Ausländer in Deutschland, die sich einfach nur eine bezahlbare Krankenversicherung wünschen.

Zurück zur Europäischen Krankenversicherung: Diese ist als Sachversicherung kalkuliert. Es gibt einen Preis für alle, und dieser ist gestaffelt nach Alter. Damit das Risiko für den Versicherer jedoch überschaubar bleibt gibt es einige Ausschlüsse. Dazu können in den Augen des Versicherers riskante Tätigkeiten wie Motorradfahren oder Gleitschirmfliegen gehören. Aber auch bestehende chronische Erkrankungen oder Erbkrankheiten etc. können ausgeschlossen sein.

In Sachen Leistung kann die Europäische Krankenversicherung dafür einiges bieten. Das Leistungsniveau ist je nach Tarif ähnlich dem der deutschen Privaten Krankenversicherung, teilweise wohl auch höher. Anders als bei der PKV müssen Kosten vorgestreckt werden. Das heißt: du bekommst vom Arzt eine Rechnung, bezahlst diese, und reichst sie dann bei der Krankenkasse ein. Das ist beim erstmaligen Arztbesuch eventuell verwirrend, einfach weil die Praxismitarbeiter diese Versicherung noch nicht kennen. Das legt sich aber.

Europäische Krankenversicherung: für wen?

Europäische Krankenversicherung für EuropaAls ich Ende 2013 meine Europäische Krankenversicherung abgeschlossen habe war die Situation noch eine Andere. Ich konnte direkt von der Gesetzlichen Krankenkasse zu meinem britischen Versicherer wechseln. Und eine gesetzliche Pflegeversicherung bei einer deutschen PKV separat abschließen. Heute haben die privaten Krankenversicherer die Europäische Krankenversicherung als Konkurrenz erkannt und erfolgreich Lobbyarbeit betrieben. Das Ergebnis: Kein mir bekannter Versicherer Versicherer bietet Tarife für in Deutschland lebende Deutsche an. Und wenn, dann auch nur für Menschen OHNE Krankenversicherung.

Generell ist die Europäische KV vor allem für Selbständige interessant, gerade wenn sie primär im Ausland unterwegs sind. Denn sie haben die freie Wahl ob sie sich privat oder gesetzlich versichern lassen möchten. Und, wie bereits erwähnt, Menschen ohne eine aktuelle Krankenversicherung. Jene, die womöglich Schulden bei einer Krankenkasse haben, nicht zurück zur GKV können, aus gesundheitlichen oder schufamäßigen Gründen keinen vernünfigten PKV-Tarif abschließen können. Oder, die einfach nur länger nicht mehr versichert waren. Und eine Neuversicherung mit enormen Nachzahlungen verbunden wäre. Denn in Deutschland musst du lückenlos krankenversichert sein. Das macht für viele die Rückkehr in eine deutsche Krankenversicherung faktisch unmöglich. Ich sage es aber nochmals: Die Europäische Krankenversicherung erfüllt nach momentanem Stand nicht die Versicherungspflicht und Anbieter nehmen zwischenzeitlich / zeitweilig keine Deutsche auf, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben.

Welcher Tarif passt? Lass dich vermitteln

Nun hast du mehrere Möglichkeiten eine Europäische Krankenversicherung abzuschließen. Du googelst und findest Anbieter wie Morgen Price oder ALC Health. Und da können gleich zwei Probleme auftreten: erstens die englische Sprache. Ich kann gut englisch, aber Versicherungsverträge sind schon heftig. Zweitens kannst du als Laie kaum beurteilen ob diese Tarife nicht irgendwelche Ausschlüsse / Klauseln aufweisen, die dich betreffen.

Kurzum, besser du profitierst von den Erfahrungen, die andere gemacht haben. Und wendest dich an einen Versicherungsberater und -makler, der nicht nur Versicherungen vermittelt, sondern Verträge für Europäische Krankenversicherung auch langfristig betreut. Der weiß, was hinter gewissen Tarifklauseln steckt und Dinge hinterfragt, die auf der Homepage des Versicherers erst gar nicht explizit erwähnt werden. Der dir auch zur Seite steht wenn es um die Kostenerstattung geht. Und auf deutsch übersetzte Antragsformulare anbietet.

Meine Empfehlung: DieGesundheitsexperten für Europäische Krankenversicherung. Sie bieten auf ihrer Homepage nebst nützlichen Infos auch einen Tarifvergleich an. Und vor allem eine weiterführende Beratung. Sie klopfen ab, ob die Europäische, Internationale oder doch Private Krankenversicherung eine gute Wahl ist.

Meine Erfahrungen mit meiner Europäischen Krankenversicherung

Ganz ehrlich: viel kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Einfach, weil ich kaum krank war in den letzten paar Jahren, zumindest nicht ernsthaft. Lediglich eine Zahnarztkostenrechnung hatte ich einzureichen. Der Arzt muss dabei ein Formular ausfüllen. Es empfiehlt sich, die auszufüllenden Felder mit Marker anzustreichen. Sonst fehlt nachher die Hälfte. Das Formular wird dann zusammen mit den Rechnungen eingereicht. Also die vom Arzt selbst, dazu ggf. noch die Quittung der Apotheke für verschriebene Medikamente. Das Ganze wird jetzt per Post nach England geschickt. Eine Rückfrage des Sachbearbeiters kam per Email. Und die Kostenerstattung per Überweisung. Wie gesagt, wenn das mit dem Englischen nicht ganz so gut sitzt kann auch der deutsche Makler hier übernehmen oder Hilfestellung leisten, gegen einen jährlichen Obulus. Das könnte für viele deutsche Kunden eine Hürde weniger sein.

Was die EUKV noch etwas interessanter macht

Europäische Krankenversicherung erweitern: Internationaler Geltungsbereich lautet das Zauberwort.

Europäische Krankenversicherung erweitern: Internationaler Geltungsbereich lautet das Zauberwort.

Anfangs erwähnte ich bereits: Die Europäische Krankenversicherung ist für langzeitreisende Selbständige, sich eine Auszeit Nehmende und Weltenbummler interessant. In der Summe für den Digitalen Nomaden oder Langzeit-Backpacker ja sowieso. Auch deshalb, weil es die Option gibt, den Geltungsbereich auszuweiten. So wird aus einer Europäischen Krankenversicherung eine Internationale. Was ist der Unterschied zur PKV / GKV? Es ist ganz egal, in welchem Land du dich gerade befindest, in welchem du dich behandeln lässt. Und auch, wie lange du dich bereits im Ausland befindest. Thailand, Autralien oder Südamerika: bei der Kostenübernahme spielt das Land keine Rolle. Was jedoch angegeben wird ist ein Heimatland (=Deutschland). Das wird aber nur relevant wenn es um die Rückführung geht (schwer verletzt, erkrankt oder tot).

Was ich dennoch vor Reiseantritt abchecken würde sind Trips in Risikoländer. Also wo gerade Krieg ist, Malaria oder Ebola Probleme sind etc. Da lohnt es, nochmals die Ausschlüsse im Versicherungsvertrag zu studieren.

Gerade auch für Dauerreisende würde ich den Weg über einen deutschen Makler empfehlen. Denn im Ernstfall können diese die Zügel in die Hand nehmen, Angehörige bei der Kommunikation mit dem Versicherer unterstützen bzw. diese Aufgabe übernehmen.

Ich mach mir meine eigene Altersrückstellung

Im Alter wird auch die Europäische Krankenversicherung teurer. Es gibt aber feste Tabellen mit Beitragssätzen. Bis jetzt gab es bei mir eine Kostenerhöhung, die Beiträge stiegen vergangenes Jahr um ca. 8%. Das gehört dazu, zählt zur moderaten Preiserhöhung, Inflationsanpassung und so. Das ist bei der PKV mitunter ganz anders. Da wird ja gerne mit niedrigen Beiträgen gelockt, und in 1-3 Jahren steigen diese plötzlich an. Bis zu 30% Beitragserhöhung im Jahr sind da schonmal drin.

Dennoch, die Beiträge im Alter steigen, und ich weiß ja auch nicht ob diese Europäische Krankenversicherung für die Ewigkeit ist. Der deutsche Gesetzgeber, die PKV-Lobby und die Europäische Rechtssprechung könnten hier noch so einiges bereithalten. Außerdem habe ich einen kostensparenden Tarif gewählt, so dass einige Kosten vielleicht nicht vollständig erstattet werden.

Und genau deshalb lege ich regelmäßig etwas Geld zurück. Diese hausgebackene Altersrückstellung geht so: per Dauerauftrag 75 Euro pro Monat auf ein eigens dafür eingerichtetes Tagesgeldkonto überweisen. Ich nutze dafür das Angebot der DKB, es ist kostenfrei und als Langzeitreisende hat man das ja obligatorischerweise sowieso 😉 .

Wenn die Versicherungsbeiträge in 20 Jahren empfindlich hoch sind, kann ich auf dieses finanzielle Polster zurückgreifen – wenn es denn sein muss. Wenn nicht, dann habe ich bis dahin schön was angespart. Und Geld kann man ja bekanntlich immer brauchen. Zum Falten wegspritzen oder so 😉

Bewerte diesen Artikel