Vor gut einem Jahr war ich das erste Mal in Lissabon – wegen Wetter und Reiseplänen waren wir allerdings nur für einen Tag in der Stadt. Ich wusste schon damals, dass ich da nochmal hin wollte. Denn Lissabon ist eine hübsche Stadt. Internationaler Multikulti-Flair, lebendig und doch nicht stressig, ein bunter Mix aus Historischem und Modernem. Ganz mein Fall also.

Lissabon im Roadtrip Portugal

Diese und weitere Empfehlungen, für Lissabon und den Rest von Portugal, findest du in meinem Portugalbuch, ein Wohnmobil-Reiseführer:
Roadtrip Portugal


Tag 0: Checkin

9. November: kurze Anreise

Wir haben uns am Vortag bereits in Stellung gebracht um möglichst stressfrei nach Lissabon reinzukommen. Also eigentlich nicht genau nach Lissabon – sondern südlich des Tejo, im Ort Seixal. Warum hier? Die bekannten Stellplätze fand ich jetzt nicht so prickelnd, und auf Campingplatz hatten wir keine Lust. Der Platz in Lissabon direkt hat zwar eine gute Lage, war letztes Jahr aber elendig laut. Motorradrennen auf der benachbarten Autobahn sind nicht sehr bekömmlich. Was wir also brauchten war ein ruhiger, sicherer Übernachtungsplatz mit Gassigehmöglichkeiten. Fündig geworden bin ich mal wieder auf Google Maps: Die Fähren, die über den Tejo fahren, haben allesamt Parkplätze. Und auf einen mit Strand daneben und viel Grün drumherum haben wir uns einfach mal drauf gestellt. Natürlich haben wir vorher die nette Dame am Kassierhäuschen gefragt ob wir hier übernachten dürfen – kein Problem. Gesagt, getan.

mit dem Wohnmobil in Lissabon - ein Reisebericht
Übernachtungsplatz in Lissabon. Ganz schön voll hier 😉

Tag 1: Baixa, Alfama, Rossio

10. November: bummeln, gucken, fotografieren

Die Fähre kostet 2,35€ pro Fahrt und braucht 20 Minuten, bis sie am „Cais do Sodre“ anlegt. Und schon bist du fast mittendrin. Vor allem bist du da, von wo aus du überall hinkommst, denn der Cais do Sodre ist ein Fährhafen, U-Bahnhof, Straßenbahn-Treff und Busbahnhof. Wir laufen zum „Praça do Comércio“. Was Venedig’s Markusplatz ist, ist in Lissabon der Praca do Comercio. Nur, dass die Preise deutlich günstiger sind.

Info: Tickets – Rumfahren in Lissabon
In Lissabon kaufst du ein Papierkärtchen, und dieses kannst du aufladen. Du hast ein Papierkärtchen für die Fähre, das wir immer um zwei Fahrten aufgeladen haben. Ein zweites Papierkärtchen ist für das 24h-Ticket, mit dem man alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann: Busse, U-Bahn, S-Bahn, Trambahn und die Aufzüge. Und das für 24h. Nur die Touribusse (gelb) und Bahnen (rot) kannst du damit nicht fahren. Du kannst mehrere Tage aufladen. Im U-Bahnhof vom Cais do Sodre kannst dein Ticket am Schalter kaufen und nachladen.

An unserem ersten Tag in Lissabon steigen wir in die Linie 28, die einen direkt zu einigen hübschen Aussichtspunkten bringt. Wir fahren und laufen ein bisschen durch die Viertel Baixa, Alfama und Rossio, finden einige nette Gassen, gute Straßenkünstler, richtig tolle Graffitis. Zwischendurch eine Frühstückspause, und oh Wunder, direkt an so einem Miradouro sind die Preise ganz schön gesalzen. Erster Tag, und schon was gelernt.

Das Highlight des Tages finden wir in einer Gasse: ein Lost Place – begehbare Ruinen mitten in der Stadt, in denen sich ein Künstler namens „Juliao“ kreativ ausgetobt hat.

Von hier ist auch mein Lieblingsbild dieses Tages:

Graffiti Lissabon Städtetrip

Wir müssen noch zum Fotoladen einen Stadtteil weiter, denn Andres Objektiv ist kaputt, und so geht der erste Tag schnell rum. Für mich zumindest, denn während es mir nach sieben Stunden erstmal reicht, und die Hunde ja auch mal raus müssen, dreht Andre noch eine Runde und geht mit Freunden was Essen.

Drei Bilder des heutigen Tages:

Frühstück im Touricafe
Unser teuerstes Frühstück in Portugal bis dato
Straßenkünstler gibt es in Lissabon viele
Der Steinmann-Straßenkünstler
Am Strand von Lissabon, Rio Tejo
Kunst, Sperrmüll oder einfach nur gemütlich?

Tag 2: rein ins hübsche Alfama-Viertel

11. November: Diebinnen und Kirschlikör

Ich nehme die Fähre um 11 Uhr, also die Langschläferfähre. Andre und Stefan sind schon seit zwei Stunden in der Stadt, versuchen vermutlich gerade die Stadt in Panoramen zu fotografieren.

Dass heute Samstag ist, ist kein Zufall. Denn Samstags findet der „Feira da Ladra“ statt, der Markt der Diebinnen. Man munkelt, dass so manch ein Tourist früher dort hingegangen ist, um seine frisch geklaute Kamera zu suchen. Heute findest du hier einen Mix aus gewerblichen Händlern, die den üblichen Nippes verkaufen. Daneben Antiquitäten, Möchtegernantiquitäten, Studenten und Omas, die ihre Sachen verkaufen, und ein paar Kunsthandwerker mit wirklich hübschen Teilen. Eine bunte Mischung also, und wer solche Märkte mag, ist auf diesem gut aufgehoben. Weniger begeisterte Ehemänner kann man in dieser Zeit übrigens im Café mittendrin oder im kleinen Park nebenan parken.

Mein Lieblingsbild des Tages:

Feira da Ladra - Markt der Diebinnen in Alfama, Lisboa

Von hieraus kann man wunderbar durch das Alfama-Viertel zurück zum Praca do Comercio laufen. Es geht durch enge Gassen, den typischen Fado-Restaurants, mit Graffiti bemalten Häusern, vorbei an Omas, die einem schon mittags Kirschlikör verkaufen.

Eigentlich sollte man ja am Abend ins Alfama-Viertel, denn hier gibt es die vielen Fado-Restaurants. Zu melancholischer Musik zu Abend essen, da hat sich die Begeisterung meiner Mitreisenden doch sehr in Grenzen gehalten.

So machen wir uns langsam wieder auf den Weg zur Fähre. Nehmen aber dann doch eine später, denn die Atmosphäre am Tejo ist bei Sonnenuntergang wirklich schön. Hier gibt es richtig gute Straßenmusiker, die Leute chillen einfach so direkt am Ufer oder in einer der Bars, und schauen sich den Sonnenuntergang über dem Atlantik an. Also machen wir das einfach auch J

Drei Bilder des heutigen Tages:

Schuhkunst in Alfama
Diese Schuhe will ich haben!
Kreatives Stadtviertel Alfama in Lissabon
Ja, da hat sich einer Jeanshosen mit Grünzeugs an den Balkon gehängt.
Sonnenuntergang in Lissabon, Rio Tejo
Sonnenuntergang am Tejo – eine tolle Stimmung

Tag 3: Streetart in Almada & ein „Lost-Place“ mit bombastischer Aussicht

12. November: unterwegs mit Ducatolein

Es ist Sonntag, und die Stadt sicher voll – so denken wir. Tatsächlich war es in der City eigentlich ganz Okay, und die Leute wohl eher wie wir mit dem Auto unterwegs. Egal, wir haben heute eh nicht viel auf dem Programm, genauer gesagt nur zwei Punkte:

In Almada, also südlich des Tejo, gibt es den „Cristo Rei“, diese überdimensionale Jesus-Statue. Nein, die haben wir nicht besucht. Wir waren auf das Stück Wasserkante rechts davon aus – denn hier sollte es einen interessanten Lost Place geben. Verlassene Hafengebäude, in die man auch rein kann. Naja, wohl eher konnte. Denn alles war zugesperrt, und die Vorhängeschlösser glänzten noch. Was wir aber entdeckt haben, war trotzdem toll: richtig tolle Graffitis.

Weiter fahren wir über die Brücke nach Lissabon rein. Unser Ziel heißt „Miradouro Panorâmico de Monsanto“ und wird im Internet als toller Lost Place mit geiler Aussicht gehandelt, ein Geheimtipp. Dort angekommen stellt sich die Frage: Wenn die Polizei den Verkehr vor Ort regelt, ein Sicherheitsmann nach dem Rechten schaut und das Gebäude mit Geländern und Wegweisern ausgestattet ist, gilt das noch als Geheimtipp? Na gut, eher nicht. Aber egal, wer es schafft sich zwischen den selfieknipsenden Teenagern einen Weg an die Kante der obersten Aussichtsplattform durchzukämpfen, der wird mit einer wirklich tollen Aussicht belohnt.

Als Beweis gibt es direkt mein Lieblingsbild des Tages:

Miradoure Monsanato Lisboa
Die drei Bilder dieses Tages:

Lissabon, Stadtteil Almade: viel Streetart
Comic-Streetart in Almada, vom Feinsten.
Miradouro Monsanto, mit Weitblick
Ein toller Blick auf Lissabon
Aussichtspunkt Monsanto, Blick über Lissabon
Aussichtspunkt mit Streetart, schön 😀

Ruhetag

13. November: ein kuscheliger Buchhaltungstag

Drei Tage Rumlatscherei auf geteerten Straßen und harte Straßenbahnsitze gehen mir auf die Knochen, also brauche ich einen Ruhetag. Andre ist noch fit, und während er sein kaputtes Objektiv dem nächsten Fotoladen vorstellt und sich noch in der Stadt rumtreibt bleibe ich mit den Hunden am Wohnmobil und kümmere mich um mein überlaufendes Emailpostfach und die längst überfällige Buchhaltung.


Tag 4: Belém

14. November: ein Stadtteil am Tag reicht

Wie das so ist, ein einer so großen Stadt wie Lissabon: manchmal dauert die Anfahrt etwas länger. Erst mit der Fähre übern Tejo, dann mit dem Bus raus nach Belém – da ist die erste Stunde des Tages schon vorbei. Heute machen wir mal eine richtig typische Touritour: Erst mal frühstücken – einen Frappuccino bei Starbucks hatte ich ja schon ewig nicht mehr. Gleich nebenan ist die berühmte Pasteleria „Pasteis de Belém“, und weil die ihre Natas gerne im praktischen Sixpack verkaufen, holen wir uns auch gleich so eines zum Zweitfrühstück. Es folgt etwas Sightseeing, ein überdimensionales Denkmal und der »Torre de Belém« steht auf dem Plan. Danach noch ein bisschen Streetart, ehe es wieder zurückgeht. Denn es wird schon dunkel, und sobald die Sonne weg ist, wird es kalt. Anders gesagt: wir haben keine anständigen Klamotten an.

Lieblingsbild:

Bevor es mit der Fähre nach Hause geht, kehren wir noch im »Time Out Market« ein. 30 Fressstände gibt es hier, und alles sieht ganz schön lecker aus. Nach dem ganzen Zucker zum Frühstück entscheiden wir uns für ein halbwegs gesundes Curry – und für ein süßes Stückchen zum Nachtisch.

Die Bilder des Tages:

Die legendären Pasteis de Belém
Extrem lecker, diese Pasteis de Belém
Sehenswürdigkeit in Belém: der Torre
Der berühmte Torre de Belém
Timeout Market beim Cais do Sodre in Lissabon
Der Time Out Market: sieht irgendwie alles sehr lecker aus da unten.

Tag 5: LXFactory & Bairro Alto am Abend

15. November

Heute geht es nochmals am Nachmittag rein, wir wollen uns noch die LXFactory anschauen. Was das ist? Ein ehemaliges Fabrikgelände (ich glaube eine Spinnerei war da mal drin), in der sich zahlreiche junge Firmen angesiedelt haben. Cafés, Bars, ein Hostel, Coworking-Spaces, interessante Läden mit interessanter Deko, und natürlich Streetart vom Feinsten. Ein kreatives Einod, mitten in der Großstadt.

Gleich nebenan, auf dem Firmengelände der hiesigen Eisenbahnerei, noch ein Ausmaß an Kreativität, die »Village Underground«. Alte Mercedes-Busse und Container, aufeinandergestapelt. Mit Graffiti und plastischer Kunst drumherum, und einem Café darin. Sehr hübsch gemacht.

Heutiges Lieblingsbild, von der Village Underground:

Village Underground - Geheimtipp für Lissabon

Als wir wieder in der Straßenbahn in Richtung Zentrum sitzen, ist die Sonne schon wieder untergegangen. Also entscheiden wir uns kurzfristig dafür, einfach nur in die Stadt zu gehen. Ich will noch ein Shoppingcenter besuchen, dann wollen wir einfach gemütlich zurück zu Fähre gehen. Ja Okay, wir sind mit der U-Bahn gefahren. Denn nach fünf Tagen Lissabon haben wir es nicht mehr so mit rumlatschen. Wir machen noch so ein Touriding: eine halbe Stunde anstehen, um 30 Sekunden lang mit einem alten Aufzug zu fahren.

Kulinarisch haben wir uns heute nicht wirklich verausgabt. Nach dem gestrigen Zuckerschocktag waren wir heute mit Salat und Couscoussalat halbwegs gesund mit dabei. Okay, vom Kurzbesuch bei Burgerking mal abgesehen.

Bilder:

Streetart in der LX Factory
3D-Wandkunst in der LX Factory
Lissabon bei Nacht
Es wird langsam Nacht in Lissabon, die Lichtlein gehen an.
Aufzug Santa Justa in Lissabon
Der Santa Justa – Aufzug: lange warten, kurz fahren.

Tag 6: Checkout

16. November: Abfahrt.

Auch wenn ich noch ein paar Ideen in petto hätte, fünf Tage Lissabon sind genug. Wir waren jeden Tag mehrere Stunden drin im Gewühl. Ich empfand den Lärmpegel in der City als sehr angenehm, und das obwohl ich hier ein bisschen überempfindlich bin. Was allerdings geschlaucht hat war die Rumlatscherei auf Teer und Pflastersteinen, die vielen Treppen – das bin ich einfach nicht mehr gewohnt.

Erst einmal ist Abfahrt. Wir checken aus dem Parkplatz aus, wobei Andre für die 6 Tage 17,90€ zahlt, ich hingegen nur 2,40€. Ich hatte unbeabsichtigt die Parkgebühr geprellt, und die nette Dame von der Kasse wollte einfach nicht mehr Geld von mir haben. Soll mir recht sein 😉

Hier noch ein wirklich schönes Filmchen. https://youtu.be/mK7rgh4fhYQ Die Marketingtourismus-Leute wissen, wie man Lissabon gut verkauft 😉

Ach ja …

Du wüsstest jetzt noch gerne, was wo genau in Lissabon ist? Auf der Themenseite über Portugal findest du Reiseberichte und einen Tourvorschlag für Lissabon. Mit Koordinaten vom Stellplatz und all dem Sehenswerten, Tipps für den Öffentlichen Nahverkehr, Supergeheimtipps für Kulinarisches, und mehr Bilder usw. Noch ausführlicher werde ich in meinem Wohnmobil Reiseführer für Portugal.

Wir machen noch einen Abstecher in eines der vielen Einkaufszentren. Andre braucht noch eine letzte Dosis McDonalds, bevor es wieder ins Niemandsland geht. Im ganzen Alentejo gibt es keine fünf dieser Matscheburgerbrätereien. Nach etwas Shopping im Decathlon und Jumbo geht es weiter nach Alcacer do Sal. Wir waren vor über einem Monat zuletzt Wäsche waschen, und im Kühlschrank sieht es auch traurig aus. Weil Freunde von uns am Pego do Altar stehen, stellen wir uns mal für eine Nacht dazu. Die Gesellschaft ist wie erwartet sehr gut, doch irgendwie ist das hier nicht wie ich es kenne: Nachts ist es bitterlich kalt, Tizon hat nach fünf Minuten dieses fürchterliche Klettenzeugs im Fell hängen, und dafür, dass wir am Seeufer stehen, bekommen wir sehr wenig Wasser zu sehen. Der Stausee hat nämlich Ebbe.


Wieder am Meer!

Die Meerabstinenz übern Sommer hat ein Ende gefunden! Wenn man ihn lange nicht mehr gesehen hat, freut man sich richtig, den Atlantik wieder am Horizont zu erspähen. Wir stehen auf einem unserer liebsten Strandparkplätze an der Westküste, und drehen mit den Hunden erst einmal ein paar Gassirunden am Strand. Ach ja, und unser Platznachbar hat heute tatsächlich seinen ersten Fisch gefangen. Jetzt darf ich gar keine Fischstäbchen-Witze mehr reißen…

Strandtag in der Nähe von Lissabon

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Es ist 1:00 Uhr, nach portugiesischer Zeitrechnung, und ich kann nicht schlafen. Wir stehen auf dem Campingplatz in Lissabon. Ein guter Platz, und so verkehrsgünstig gelegen. Ich habe den Eindruck, dass die naheliegende Autobahn nachts gerne für Motorradrennen genutzt wird. Was tun, wenn man nicht schlafen kann? Kurz vor Mitternacht, erstmal eine Runde Gassi gehen, erledigt. Es halb eins, schauen wir doch mal ob die Duschen am Platz noch warmes Wasser hergeben. Glück gehabt. Und nun? Okay, schreiben wir doch einfach den nächsten Reiseblog. Der letzte ist zwar noch keine zwei Wochen her, aber was soll’s. Sind ja seither gut rumgekommen in Portugal.

Also, was schreiben wir Schönes? Klappern wir die einzelnen Stationen ab wo wir seit dem letzten Reiseblog waren? Moment, da muss ich selber erstmal auf Andre’s Blog nachschauen gehen. Andererseits … Ich kann ja einfach auf seinen Reiseblog verlinken, da stehen ja schon alle Fakten. Ich schau mal, was mir sonst noch so einfällt …

Das kommt mir bekannt vor …

torre-sierra-da-estrela

Als ich letztes Jahr in Portugal war, da war alles neu. Jeder Platz bekam eine eigene Beurteilung, von GEIL bis NÖ war alles vertreten. Dieses Jahr ist es ein wenig anders. Denn wir fahren fast die gleiche Route die ich letztes Jahr genommen habe: Runter von der Serra da Estrela, über Coimbra an den Atlantik. Dann den Atlantik entlang Richtung Süden, über die Estrada Atlantica, Peniche, Nazaré bis nach Lissabon.

Einige Plätze, die ich von meiner letzten Portugal-Rundreise noch in guter Erinnerung habe, steuern wir ganz bewusst an. Dazu gehört nicht nur der Platz oben auf der Serra da Estrela, auf etwa 1900 Metern Höhe. Sondern auch in Peniche den Klippenplatz – der inzwischen leider gesperrt ist. Halteverbotsschilder, die sich direkt an Wohnmobile richten, ohne Ende. Und am Praia de Sao Juliao, immer noch ein schöner Platz am schönen Strand. Wir erkunden aber auch ganz bewusst neue Plätze und Küstenabschnitte. Die Guten kommen auf die Liste für einen Wiederbesuch im nächsten Sommer.

So manche Déjà-Vues habe ich auch unterwegs, bei mancher Ortsdurchfahrt. Scheiße, ich hab ja immer noch die gleiche verrückte Navi-App.

Serra da Estrela und Estrada Atlantica: das merken wir uns

In Hinblick auf den nächsten Sommer haben wir schon jetzt ein paar nette Plätzchen in dem schönen Naturpark Serra da Estrela gefunden. Ein guter Ort zum Übersommern, wenn es anderswo in Portugal einfach zu heiß ist? Könnte gut sein. Infos dazu findest du in Andre seinem Blogartikel.

Ebenso zu unserer Atlantik-Strand-Hopping-Tour. Hier haben wir einige wirklich schöne Plätze gefunden die vermutlich auch im Sommer nicht allzu sehr überlaufen sein dürften.

Nazaré: Wellenaction

nazare-wellen-2016

Es sah lange nicht danach aus, aber irgendwie haben wir manchmal doch ein gutes Timing: Wir kommen nach Nazaré und prompt sind auch die ersten „Big Waves“ der Saison im Anmarsch. Ich bin schon enttäuscht, die Wellenvorhersage ist wenig spektakulär. Doch als immer mehr Surfbusse am Praia do Norte eintrudeln wird langsam klar, es muss was kommen. Also einfach mal nach einem anderen Vorhersagetool googeln, und sehe da: 9-Meter-Wellen soll es geben. Also bleiben wir noch eine zweite Nacht – und werden nicht enttäuscht. Es sind jetzt nicht die Monsterwellen, aber durchaus beeindruckend große Exemplare. Und eine Handvoll Surfer, die diese Wellen auch reiten.

Tolle Fotos davon habe ich leider nicht wirklich. Es ist mal wieder typisch Tanja: der Akku von der großen Kamera ist schon seit zwei Wochen leer, und hat sich irgendwie auch nicht wieder von alleine aufgeladen. Der Handyakku war wenigstens ein Drittel voll, was natürlich nicht gereicht hat für die wirklich tollen Szenen, die erst später stattfanden. Aber eigentlich finde ich das auch gar nicht so schade. Manche Ereignisse sind noch beeindruckender, sieht man sie nicht nur durch die Kameralinse. Immer wartend darauf, den richtigen Moment zu erwischen. Dafür hier mal ein Video von Andre:

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Andre’s privater Wohnmobilservice

Erst einen Franzosen mit seinem Mietwomo aus dem Sand ziehen, das hat uns eine Tüte voller Leckereien eingebracht: als Dankeschön gab es Pasteis de Nata, getrocknete Feigen und Datteln. Dann einem Engländer einen Wasserhahnadapter ausleihen. Er hat ihn wieder zurück gebracht, dazu gleich noch drei Schachteln Kekse. Dabei waren wir heute ja in Lissabon, es gab schon lecker Eis und Burger King, ach ja, und Feigen und Datteln als Zwischensnack. Wenn Andre noch mehr in außerplanmäßigen Wohnmobilservice macht ist es mit dem Diabetes nicht mehr weit her. Vielleicht sollten wir mal die aktuelle Einkaufsliste an die Womotüre hängen. Milch und Hundefutter bräuchten wir gerade.

Peniche: Please don’t stop and go

peniche-steilkueste

Andre und ich waren beide schon in Peniche, auf dem gleichen schönen Freistehplätzchen auf den Klippen. Ich erst vor 11 Monaten. Doch heute wurden wir enttäuscht. Die Menge an den frisch aufgestellten „Absolutes Halteverbot für Wohnmobile“ – Schildern ist schon beeindruckend. Und eindeutig: hier will man uns wohl nicht haben. Nun könnten wir auf den neuen Wohnmobilstellplatz in die Stadt fahren. Verspüren dazu jedoch keine große Lust. Denn die Bilder im Internet lassen erahnen, dass hier reines Betondekor zu erwarten ist. Und das ist jetzt nicht unbedingt unsere Art zu nächtigen. Schade eigentlich, Peniche können wir künftig wohl von der Liste streichen. Also machen wir noch eine kleine Rundfahrt um die Halbinsel. Um dann weiter zu fahren, auf einen Parkplatz am Ende des langen Strandes, der südlich an Peniche anschließt.

Kulinarische Freuden – aber nicht für jeden

Ich mag Fisch und Meeresfrüchte. Und in Portugal ist das ja wirklich ein Träumchen: tausend Sorten Fisch, Muscheln und Langustinos gibt es hier zu kaufen. Andre mag Fisch ja nicht so. Ich denke wir einigen uns künftig darauf, dass er eine Bratwurst bekommt wenn ich mal wieder Bock auf Fisch habe.

Einig hingegen sind wir uns bei den Esskastanien. Wobei an der Zubereitung noch etwas gefeilt werden darf damit die Schale besser abgeht. Mal geht’s gut, mal ist es ein Gefummel. Lecker sind sie aber auf jeden Fall, und wunderbar satt machen sie auch. Gibt es jetzt also öfters, denn Esskastanien haben gerade Saison.

Auch sonst freuen wir uns über die gute Qualität der Lebensmittel hier in Portugal. Die Bananen aus Madeira sind doch ein anderes Kaliber. Paprika wird deutlicher reifer geerntet, kein Vergleich zu dem was es in Deutschland zu kaufen gibt. Ein Kilo Esskastanien kosten 5€, das sind zwei Abendessen. Das Kilo Kakifrüchte gibt es für 2-3€. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Ein halber Tag in Lissabon – diese Stadt braucht mehr meiner Zeit

lissabon-brunnen

Okay, ich habe es mir ja bereits gedacht, Lissabon ist ziemlich groß. Definitiv zu groß für nur einen Nachmittag. Insbesondere dann, wenn man relativ viel Zeit damit verbringt irgendwas Spezielles zu suchen, oder auch mal in den falschen Bus einsteigt.

Wir checken gegen 11 Uhr auf dem Campingplatz in Lissabon ein. Positiv überrascht sind wir von den Preisen: wer keinen Strom braucht kann sich 14,50€ (1 Womo, 1 Erwachsener, 1 Hund) ein Plätzchen aussuchen.

Recht zeitig machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Es fährt zwar ein Bus quasi direkt am Campingplatz ab, wir aber nehmen das Taxi. Das ist für 3 Personen kaum teurer, bringt uns dafür aber recht fix in zentrale Lage. Dort holen wir uns ein 24h-Ticket zum Bus und Bähnchen fahren.

Aber erst einmal latschen wir einfach los, rein in die Fußgängerzone. Das Frühstück steht noch aus, und es ist schon Mittag. Ich liebäugele mit den Süßkrambäckereien, doch plötzlich stehen wir vor einer Eisdiele. Schicksal, weibliche Intuition? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall kann ich sagen: ich hatte heute das beste Eis aller Zeiten.

So gestärkt schlendern wir weiter, Richtung Meer. Auf dem Weg dorthin gibt es viel zu sehen und zu kaufen. Bestimmt fünf Typen wollten uns was zu rauchen verkaufen. Also eigentlich nur dem Andre, muss wohl an der Hippie-Frisur liegen 😉

Wir steigen in eine der kleinen Bahnen ein, denn es soll bergauf gehen. Das tut es, und so eine Bahnfahrt ist schon ein Erlebnis. Dazu ein Video:

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Nachdem wir uns oben einen schönen Ausblick auf die Stadt verschafft haben (oder auf einen Teil davon) soll es wieder runter gehen. Da sind wir erstmal in einen falschen Bus eingestiegen, irgendwie fuhr der in eine andere Richtung. Was am Ende aber OK war, denn so haben wir zu Fuß das Viertel Alfama erkunden dürfen. Hier gibt es die berühmten Fado-Restaurants. Fado, das ist portugiesische Folklore, emotional vorgetragene Musik, meist recht wehmütig. Ob sie mir gefällt, das kann ich nicht so genau sagen – man müsste hier mal am Abend herkommen und das Ganze live erleben.

Nachdem wir also zurück zum Zentrum gelaufen sind steigen wir wieder in eine Bahn. Sie fährt uns auf den Hügel auf der anderen Seite. Käffchen trinken, entspannt den Straßenmusikern zuhören, dann etwas bummeln gehen. Zwischendurch aber noch ein Pflichttermin: wir suchen einen MEO-Shop auf. Was mitten in Lissabon keine gute Idee ist, denn der Laden ist voll. Wir verbringen Zeit mit warten, nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Aber Okay, es ist ohnehin schon spät, und so machen wir uns nach einem mittelmäßigen kulinarischen Erlebnis bei Burger King auf dem Weg zum Taxistand.

Mein Fazit: Lissabon ist eine sehr interessante Stadt. Lebendig, international, vielfältig. Hier könnte ich Stunden im Cafe sitzen und einfach Leute und Szenen beobachten. Straßenmusiker, Studenten, Geschäftsleute, Touristen, verrückte Autofahrer … Wir haben nur einen Bruchteil von Lissabon gesehen. Hier eine tolle Aussicht, da eine Kirche, dann die irren Straßenbahnen. Eigentlich sollten wir noch ein paar Tage bleiben, auch das Nachtleben der Stadt erkunden. Einerseits hätte ich da Bock drauf. Aber wir fahren Morgen weiter. Wir sind viel rumgekommen die letzten Wochen, jetzt brauchen wir erst einmal eine Pause. Aber Lissabon wird mich wiedersehen, da bin ich mir sicher.

Nachtruhe im Wohnmobil: irgendwas ist immer…

Ich hätte mir doch was zu rauchen andrehen lassen sollen. Damit schläft es sich wenigstens gut. Also wir haben in letzter Zeit irgendwie Pech, um unsere Nachtruhe ist es nicht gut bestellt. Zumindest nicht um meine. Einmal wache ich nachts auf, weil wir zu nahe am Strand stehen. Die Flut kommt nachts um halb drei und macht einen riesen Lärm. Dann wieder stehen wir irgendwo am Ortsrand an einem ruhigen Platz. Um halb sechs am Morgen geht irgendwo eine Alarmanlage los. Und dann nochmal, und nochmal, und nochmal … In Nazaré sind wir direkt am Praia do Norte gestanden, und irgendwie war da auch nachts recht viel Verkehr. Heute der Campingplatz nahe der Autobahn – schlafen ist nicht. Ach ja, inzwischen ist es 2:30 Uhr. Mein Bedarf an ein paar Tagen absoluter Ruhe ist derzeit enorm. Deshalb geht es morgen früh (also nachher, Abfahrt ist um 10 Uhr) an ein garantiert ruhiges Plätzchen.


Noch ein paar Bildchen:

Auch Max und Tizon haben den Strand vermisst ...
Auch Max und Tizon haben den Strand vermisst …
Wellentouristik in Nazaré am Leuchtturm.
Wellentouristik in Nazaré am Leuchtturm.
Wir warten auf die großen Wellen.
Wir warten auf die großen Wellen.
Klettersteig in Peniche, direkt ins Meer? Heute nicht ...
Klettersteig in Peniche, direkt ins Meer? Heute nicht …
Max bringt sich vor dem Wasser in Sicherheit.
Max bringt sich vor dem Wasser in Sicherheit.
Heute Morgen noch am Strand ...
Heute Morgen noch am Strand …
Verdammt leckeres Eis in Blümchenform serviert.
Verdammt leckeres Eis in Blümchenform serviert.
Hauswand-Art in Lissabon
Hauswand-Art in Lissabon
Nein, meine Herren, die Dame ist nicht das Highlight auf dem Foto.
Nein, meine Herren, die Dame ist nicht das Highlight auf dem Foto.
Aussicht auf Lissabon
Aussicht auf Lissabon