Wir fahren ein bisschen durch Andalusien. Einmal von links nach rechts, von Ayamonte bis Gibraltar. Okay, Gibraltar ist schon wieder britisch, aber das sehen die Spanier ja eh anders, und wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Wir starten also am Atlantik, und arbeiten uns vor bis ans Mittelmeer. Besuchen einige interessante Orte, und einige schöne Orte, wie Zahara, Ronda oder El Rocio.


Nochmal bissle an Strand

Der erste Eindruck von Andalusien könnte kaum besser sein – wir stehen an einem Strand mit einem kleinen Strandparkplatz. Tagsüber hat es hier ein paar Autos, nachts allerdings sind wir ganz alleine. Ein schöner Strand, mit schönen Felsen, und dank der etwas ausgewaschenen, abschüssigen Anfahrt kommt hier kein anderes Wohnmobil runter.

Eigentlich ist das so ein Platz, an dem wir es noch einige Tage aushalten könnten. Doch wir wollen was sehen, von diesem Andalusien, und so ziehen wir zeitig weiter.

El Rocio

Die Jungfrau von El Rocio wird im gleichnamigen Ort verehrt, und zwar vor allem an Pfingsten. Da gibt es eine Wallfahrt, und die Katholiken stürmen den Ort. Alle Unterkünfte sind ausgebucht, und einen Parkplatz findest du eher nicht. Wenn nicht gerade Wallfahrtsaison ist, dann soll hier der Hund begraben liegen. Denkste.

Schon das Einparken gestaltet sich interessant – Wohnmobile möchten bitte ganz vorne an der Hauptstraße parken, sagt der Parkplatzeinweiser. Wir erkunden zuerst ein paar Seitenstraßen, in dem Ort, in dem es keine geteerten Straßen gibt. Alles ist sandige Piste. Im Sommer staubig, nach dem Regen eine riesen Matscherei. Ich kann mir schon denken, warum hier alle mit Allrad rumfahren. Pferde spielen im Ort eine große Rolle. Im See vor dem Ort stehen Pferde im Wasser, Ponyreiten für die Kids geht ziemlich gut, und es werden Maulesel vor die Karren gespannt, die dann Touris durch den Ort schippern.

Es ist Sonntag und gutes Wetter – vermutlich reicht das bereits aus, dass der Ort gut besucht ist. Gerade ist Gottesdienst, und die Kirche ist proppevoll. Nebenan werden die frisch gekauften Kerzen angezündet und aufgestellt. In einem Raum, der glaube ich mal eine Kapelle war. Heute sieht man das von innen nicht mehr wirklich, alles ist schwarz vom Ruß. Man hat hier mal eine überdimensionale Dunstabzugshaube installiert. Diese ist sehr laut, brüllt einen quasi an. Ich hab schon einige katholische Wallfahrtsorte gesehen, dieser hier ist mir sehr suspekt.

Was mir an diese Wallfahrtsorten nicht so sehr gefällt ist diese extreme Kommerzialisierung. Nun habe ich ja mit dem Katholikentum nicht viel am Hut, bin aber durchaus katholisch aufgewachsen. Diese leicht zugänglichen Orte, die man direkt mit dem Auto anfahren kann, die es dem Katholiken leicht machen, die sind mir suspekt – und sie erscheinen mir wie eine Karikatur des Katholizismus. Ich kenne auch kleinere Wallfahrtsorte, die beschwerlicher zu erreichen sind. In Südfrankreich, eine Kapelle, die in den Berg gemeißelt wurde, hier soll Maria Magdalena gestorben sein. Hier herrscht eine ganz andere Stimmung als in El Rocio, wo man aus dem Auto steigt, dem Parkwächter einen Euro fürs Parken überreicht, dann Kerzen kauft, anzündet, und sich dann in den Nippesladen begebt. Das mag nicht jeder so handhaben, einige jedoch sicher.

So finde ich den Ort durchaus interessant – aber er ist nicht mein Ding. Alles ist auf die Besucher ausgerichtet. Sicherlich wird hier auch das Fähnlein der Tradition hoch gehalten, und es gibt einige Perlen, wie die traditionellen Häuser, farbenfroh und mit Hausaltaren. Ansonsten muss man beim Schlendern durch die angrenzenden Straßen eines feststellen: hier wohnt keiner.

Alles ist zugerammelt, und offensichtlich nur dann belebt, wenn Wallfahrt ist.

Übernachten in El Rocio

Wir selbst sind weiter gefahren, doch es gibt in El Rocio wohl Übernachtungsmöglichkeiten. Allen voran ein Campingplatz. Ich denke, dass man im Ort links (also westlich) der Hauptstraße reinfahren und sich einen netten Platz suchen kann, am Ortsrand. Zumindest wenn wenig / nichts los ist.

Eindrücke von unterwegs

Von der portugiesischen Grenze bis nach Sevilla dachte ich mir so: ach du Scheiße. Zwei Fahrtage, die keinen ersten guten Eindruck hinterlassen haben. Und dabei ist es nicht einmal der Müll, den ich mit Spanien immer sehr schnell in Verbindung bringe. Nun gut, dass wir bei unserem ersten Halt direkt mal ein gebrauchtes Kondom für der Haustüre liegen haben, das kann überall passieren. Aber sonst geht es eigentlich mit dem Müll.

Vielmehr schockierende fand ich den Umstand, dass ich nichts über die Landschaft Andalusiens sagen konnte. Es gab nämlich keine. Jeder Flecken wurde zu 100% landwirtschaftlich genutzt. Die schöne hügelige Landschaft, alles Acker. Riesige Felder, auf denen ein winzig erscheinender Traktor seine Kreise zieht. Oder eben diese mit Plastik überzogenen Felder, auf denen wohl viel Erdbeeren und Tomaten angebaut wird. Und zwischendurch, und in der Stadt ohnehin, immer wieder Beton. Gehwege, Begrenzungsmauern, Bauruinen … wenn man lange zuvor in Portugal war, fällt es einem wieder auf, wie gerne die Spanier Beton verwenden.

Erst, als wir Sevilla hinter uns gelassen haben, konnte man einen Eindruck davon bekommen, wie der natürliche Bewuchs der Region aussieht. Steineichen, Korkeichen, Ginsterhecken, ein paar Eukalyptusbäume, eine wirklich nette Mischung, die sich die Hänge hinauf schlängelt. Und dann, schwupps, es ist nicht mehr so steil, die Landwirtschaft ist wieder da. Wo es geht, da wird was angebaut. In zwei Tagen habe ich mehr Olivenbäume in Reih und Glied gesehen als in zwei Jahren Portugal. Und was mir noch ganz extrem auffällt: sie verbrennen überall und ständig Grüngut. Auf den Feldern, in den Plantagen, überall lodern Feuer, und weil kein Wind geht, steht der Rauch wie Nebel in den Tälern.

Es gibt aber auch einiges, das mit positiv auffällt. Wenn ich spanisch könnte, ich wäre ständig am quatschen. Denn überall trifft man auf kontakfreudige Spanier. Gerade, wenn man mit Hunden im Grünen unterwegs ist, wird man ständig angequatscht. Das kenne ich schon, und Tizon, der ja selbst Spanier war, wurde immer ganz genau gemustert. Heiteres Rasseraten war da normal. So weiß ich auch, dass in Tizon ein Galgo mit drin war. Ältere spanische Herrschaften können nicht irren…

Ich komme nicht umher, meine Eindrücke von Spanien mit Portugal zu vergleichen. Landschaftlich herrscht derzeit Gleichstand. Beides sind schöne Länder, und in beiden Ländern machen sie ihre Landschaften mit Gewalt kaputt. Die Portugiesen mit ihrer Monokultur für die Holzwirtschaft. Die Spanier mit dem exzessiven Lebensmittelanbau, mit und ohne Gewächshäusern.

Die spanischen Straßen sind zumindest in dieser Ecke des Landes nicht so gut, sogar ziemlich nervig. Die Straße ist mit Rissen durchzogen, am Rand abgebrochen, oder einfach nur abgesackt. Man muss beim Fahren ganz schön aufpassen. In der eher bergigen Gegend ist es gar nicht so einfache einen guten, ruhigen, schönen Übernachtungsplatz zu finden. Aber das ist in allzu hügeligen Gegenden oftmals so. Ansonsten bin ich einfach gespannt, was es in den kommenden Tagen sonst noch alles zu entdecken gibt.


Zahara

Unterwegs auf den Straßen Andalusiens ist es momentan nicht sehr schön, dafür aber dort, wo wir hinwollen. Über Google Maps finde ich einen kleinen Ort namens „Zahara de la Sierra“. Ein Dorf, gebaut am Hügel, hoch oben ein Castillo, mit Aussicht auf den Stausee, umgeben von einer schönen Bergkulisse – das hat schon vorneweg gut ausgeschaut, und das tut es in live auch.

Schon als wir über die Staumauer auf den Ort zufahren, kommt dieser Wow-Effekt. So halten wir doch direkt mal mitten auf der Staumauer (ohne Parkplatz oder Seitenstreifen) an, so richtig „typisch Touri“, und machen Fotos:

In Zahara parken wir unten auf einem unbefestigten Parkplatz und steigen auf. In der linken Hand die Hundeleine, in der rechten Hand die Kamera. Ganz schön schräg hier!

Ich merke, dass ich nicht mehr fit bin, und ich denke, dass dieses aufkommende Kratzen im Hals auch nicht zum Wohlbefinden beiträgt. Aber es geht, und die Aussicht oben entlohnt für den Anstieg.

Am nächsten Morgen ergreifen wir früh die Flucht. Denn der Mitarbeiter des örtlichen Bauhofes muss jetzt unbedingt mit seiner Miniraupe diesen Sandhaufen abtragen. Das macht einen fürchterlichen Krach. Und dann fällt auch noch so eine Trethupe über unsere Ziva her. Ich hatte sie nach der Gassirunde einfach an der Türe festgebunden, als so ein kleiner 4-Kilo-Terrier über sie herfällt. Mords das Gezetere, und ich brauche einige Sekunden, bis ich die Situation begreife, den Trethupenhund am Nacken packe und ihm seinem Herrchen entgegen strecke. Naja, außer großem Getöse ist nicht viel geschehen – dem alten Herrn ist das Ganze recht peinlich, und sein zweiter Hund kennt die Show wohl schon, er spielt lieber mit Max. Ich bin jetzt endgültig wach, und so fahren wir direkt ein Stück weiter.

Der See ist ja nicht weit, und wir wollen mal wieder einen Tag ins Grüne. Einen brauchbaren Weg ans Ufer zu finden gestaltet sich jedoch recht schwierig – die Defender/Landcruiser Fraktion wird da bessere Chancen haben, wir jedoch schüteln bei jeder Piste nur mit dem Kopf. Nachdem wir bereits den halben See umrundet haben, werden wir doch noch fündig – die alte Straße, die durchs Tal führte, ehe der See geflutet wurde, gibt es noch – und sie endet direkt im Wasser 🙂 Sie fahren wir hinunter, und kommen dabei ganz schön ins Schwitzen. Die Ginsterhecken links und rechts kratzen ganz schön am Aufbau, und als dann auch noch ein Steinschlag den Weg versperrt, hoffen wir sehr inständig, dass das was wird. Denn hier rückwärts wieder rauffahren müssen, das ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir kommen unten an, finden ein ebenes Plätzchen. Zwanzig Minuten später parkt doch tatsächlich ein älterer Hymer neben uns ein! Wie es sich herausstellt kennen sie uns, haben uns von der Straße erkannt. Ein junges deutsches Pärchen, das momentan mit vier Hunden reist. Drei davon sind Welpen, die jemand weggeworfen hat, die sie bei sich im Wohnmobil aufgenommen, versorgt und zumindest zwei von ihnen auch vermittelt haben. Die Welpen sind total knuffig, und vor allem die Ziva spielt richtig schön mit ihnen.

Übernachten in Zahara

Der unbefestigte Parkplatz ist super, zum Hochlaufen und zum nächtlichen Parken. Wohnmobile ohne Bodenfreiheit müssen an der Zufahrt aufpassen.
https://goo.gl/maps/UXAwAiUksss


Ronda

Nicht weit davon liegt Ronda, das offizielle Highlight in der Gegend. Wir schauen, wo wir da mit dem Wohnmobil wohl gut übernachten können. Der offizielle Wohnmobilstellplatz kommt schonmal gar nicht in Frage. Der liegt am anderen Ende der Stadt, ganz weit weg von allen Highlights, direkt an einer breiten Straße. Nein, danke. Aber wir werden fündig, und stellen uns nicht ganz zufällig neben Dani und Olaf aka 12 Pfoten und 4 Füße unterwegs zuhause. Zu uns gesellen sich noch Wolfgang mit Henry im kleinen Allradviech, und Micha mit Andrea im großen Allradviech. Na, was ist wohl das dominierende Thema dieser Tage? Ja, wir holen uns nochmal eine Schippe Inspiration, und so manche Details unserer Planung werden jetzt auch fest entschieden. Andere sind dafür wieder total offen. Noch in diesem Monat kommt „EIWOLA Teil 3 – der Grundriss“, denn der seht jetzt, nach langem Hin und Her passt alles.

Zurück zu Ronda: wir stehen auf einem typisch spanischen stadtnahen Freistehplatz: ein erschlossenes Wohngebiet, in dem nie ein Haus gebaut wurde. Sie haben Straßen, Parkplätze, Straßenlaternen und sogar einen netten Park mit Spielplatz gebaut. Und dann irgendwie die Lust verloren. Für uns ideal, denn in nur wenigen hundert Metern sind wir in der Stadt. Und weil Andre mindestens fünfmal rein läuft, zu jeder Tages- und Nachtzeit, hat er definitiv die besseren Bilder von Ronda. Also einfach mal bei ihm aufm Blog schauen gehen.

Ich finde das Kaff ganz nett, aber nicht umwerfend. Am lustigsten finde ich die Heerscharen von Touristen, insbesondere die aus Japan sind eine interessante Erscheinung, und das damit einher gehende Angebot an Nippes. Also wenn du mal einen Raum mit richtig krass kitschigem Zeugs einrichten möchtest, dann musst du nach Ronda.

Ach ja, klein Ziva hat noch ein Erlebnis der besonderen Art. Ich gehe mit beiden Hunden abends Gassi, mit der Taschenlampe durch den Park, Ziva an der Flexileine, wegen den ganzen Scherben und dem Müll. Neben dem Spielplatz machen ein paar Jungs ein kleines Lagerfeuer. Nette Halbstarke, kurz vor der Pubertät, mit alerstypisch großem Mundwerk. Ich quatsche die Jungs an, Ziva erschrickt wegen irgendwas, zieht an der Leine, und mir rutscht die Flexileine aus der Hand. Kann passieren, ist ja soweit nicht außergewöhnlich. Jetzt aber beißt die Flexileine die arme kleine Ziva in den Hintern. Die erschrickt sich zu Tode, und rennt los. Blöd nur, dass diese böse Flexileine sie verfolgt. Und sie ist schnell, egal wie schnell Ziva ist, sie hält den einen Meter Abstand. Ich steh noch mit den Jungs am Lagerfeuer, und gucke ganz verdattert was da jetzt abgeht, das erscheint Ziva wohl kein guter Zufluchtsort. Also flüchtet sie weiter vor der Flexileine, und rennt dauerquietschend den ganzen Weg zurück. An den ganzen Nachbarn vorbei, die schon draußen stehen und versuchen sie zu stoppen. Sie stoppt erst, als sie unterm Vario hockt. Dort kann Andre sie von der bösen Flexileine befreien. Ich komme mit Max zwei Minuten später auch an. Bin erstmal fix und fertig, denn nach dem Hund schreiend bergaufwärts zu rennen geht ganz schön auf die Lunge. Am nächsten Morgen gehen wir mit der Flexileine die gleiche Runde, null Problemo. Was ein verrücktes Ding.

Die ganze Truppe geht am Abend gute Tapas essen, und nach zwei Nächten zieht es uns weiter. Nach einem touristischen Highlight folgt traditionell ein ruhiger Platz, am Wasser oder auf dem Berg. Mal schauen, wo es uns hin verschlägt.

In Ronda mit dem Wohnmobil übernachten

Es gibt einen offiziellen Wohnmobilistellplatz (https://goo.gl/maps/GPzTRLm8pE62). Es erschließt sich mir nicht, warum ich auf diesen hätte fahren sollen, liegt er doch weitmöglichst weg von den sehenswerten Highlights des Ortes, dafür ganz nah an der gut befahrenen Umgehungsstraße. Aber wer’s mag … Wir mögen es ruhig, grün und wenn es nur wenige Minuten bis in die Altstadt geht. https://goo.gl/maps/ezvWUgL1vd92 Der Platz ist nicht perfekt, denn er ist die Hundegassizone des Ortes, hunderte Tretminen können nicht irren. Und manche Autos (ich tippe auf männliche Fahrer) rasen recht nahe und schnell an dir vorbei. Geht aber.

Kleiner Ritt durch die Berge

Wir fahren ganz bewusst „die malerische Route“, und die führt über Spaghettistraßen (=Serpentinen) durch die Berge. Unterwegs gibt es ein paar Höhlen, wenigstens eine wollen wir besichtigen. In die Erste kommt man nicht rein, weil das Hochwasser vor ein, zwei, drei Monaten die Brücke weggespült hat. In die Zweite kommen wir nicht rein, weil man drei Tage vorher reservieren muss. Auf weitere Versuche haben wir keine große Lust, und so geht es wieder runter vom Berg, zum heutigen Übernachtungsplatz.

Wir fahren durch ein enges Dorf, sind garantiert das Highlight des Tages. Nein, wohl eher der Woche. Unten am Bach angekommen, stehen wir nur wenige Meter vor dem Ziel vor einer ziemlich zerstörten Straße. Denn vor zwei Monaten oder so gab es hier ein Hochwasser, und der Bach, der jetzt wirklich nur ein Bach ist, war vielleicht 20 Meter breit und bestimmt 3 Meter hoch. Man sieht noch die restlichen Spuren, das Treibgut im Weidezaun, die Teerstücke, die fünf Meter neben der Straße liegen. Massive Kräfte müssen hier gewirkt haben.

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Ein netter Platz, auch wenn wir direkt an einer recht lauten Staustufe mit Brücke stehen. Hier ist überraschend viel los, auf der anderen Seite des Baches ist ein kleiner Hof mit Schafen, und irgendwie trifft sich hier die Nachbarschaft. Alles nett grüßende Leute, und auch die Ziegenherde, in der ich plötzlich mit zwei Hunden mittendrin stehe, ist cool. Der Hütehund glücklicherweise auch, er will nur das Ohr gegrault haben, und alles ist gut.

Was wir selbst überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hätten: wir befinden uns in einem Gebiet, in dem es Bellota-Schinken gibt, den besten iberischen Schinken überhaupt. Und unser Nachbar Wolfgang hat im Ort einen Direktverkauf ausgemacht, den wir am nächsten Morgen auch gleich ansteuern. Vorher aber müssen wir erst nochmal durch diesen durch. Ich sag es mal so: wir haben echt Glück, dass keine größeren Fahrzeuge blöde im Weg stehen. Ist ja so schon alles eng genug:

Na, und wo war das jetzt?

Sag ich nicht! Koordinaten von Orten, an denen es stören würde, wenn mehr als drei Wohnmobile da rumstehen, gebe ich nicht preis.

Kleiner kulinarischer Ritt durch Andalusien

Von dem Tourron mit dem weißen Nougat und den Mandeln drin sind leider keine Bilder überliefert. Dieses Zeug schmeckt einfach zu gut! Wir sind dieser Tage mit Wolfgang, einem Kenner von kulinarischen Highlights unterwegs, und so probieren wir ein paar Sachen, die wir sonst eher nicht probiert hätten: Schwarzer Knoblauch und Bellota-Schinken.

Schwarzer Knoblauch ist fermentierter Knoblauch. Also alter Knoblauch. Er hat die Konsistenz und auch ein bisschen den Geschmack von Lakritze. Wenn Haribo also eine neue Sorte „Lakritz mit Knobi“ herausbringen würde, so ungefähr würde sie aussehen und schmecken.

Der „Jamón Ibérico de Bellota“, also der Eichelschinken, ist die Königsklasse des Iberico-Schinken. Ziemlich rassige Iberico-Schweine futtern sich durch die Steineichenwälder, werden sonst wohl auch nicht oder kaum zugefüttert.

Für die Schwaben unter uns: Eine Knolle schwarzer Knoblauch kostet 3€. 100 Gramm von diesem edlen Iberico-Schinken kosten 14,50€. Ganze Keulen waren günstiger im Kilopreis, aber wer legt sich schon einen 5-Kilo-Haxen ins Wohnmobil …

Es ist schon so, wie ich es vermutet habe: Man schmeckt den Unterschied. Es schmeckt anders, es schmeckt feiner. Sowas zu probieren, das muss immer wieder mal sein. Schinken für 145€ pro Kilo ist aber nichts, was ich mir nochmal kaufen würde. Denn ganz ehrlich, wir sind nicht die Feinschmecker. Der für 30€ das Kilo ist auch super lecker.


Gibraltar

Eigentlich hat man Gibraltar – und damit auch Großbritannien – ja nicht auf dem Schirm, möchte man mit dem Wohnmobil Andalusien erkunden. Andererseits ist es einfach ein Highlight, und so steuern wir die britische Halbinsel ganz gezielt an. Und landen somit auch am Mittelmeer, wie fein. Mit dem Wohnmobil fahren wir nicht auf die Halbinsel. Erstens ist es da relativ eng, zweitens wäre es da echt blöd zum Parken, und drittens haben die Briten noch ein Geschiss an der Grenze. Wir parken unser Wohnmobil daher in „La Línea de la Concepción“, dem Ort an der spanisch-britischen Grenze. Die haben hier einen schönen Hafen, und in der Marina gibt es einen Wohnmobilstellplatz.

Der ultimative Tipp vorneweg: Gibraltar gehört zu Großbritannien, und somit nicht zur europäischen Währungsunion. Was zur Folge hat, dass die hier noch echte Grenzkontrollen haben. Ohne Ausweis / Reisepass kommst du nicht nach Gibraltar! Also pack ihn besser gleich ein, sonst musst du nochmal zurück zum Wohnmobil, und das ist ja mal unnötig und dauert minimum 20 Minuten extra. Woher wir das wohl wissen? 😉

Noch im Wohnmobil buchen wir ein Ticket: Shuttle-Service zur Seilbahnstation und eine Seilbahnfahrt nach oben und ein „Walkers“ – Ticket. Das kostet 18 Euro pro Nase. Oben zahlen wir nur für die große Höhle mit Lichtershow nochmal Eintritt, 9€ pro Person. Ein reduzierter Preis, der gerade noch so in Ordnung geht – mehr hätte es nicht kosten dürfen. Wir haben auf dem Felsen nicht alles besichtigt. Es gibt einen Skywalk, ein paar Aussichtspunkte mit Schießkanonen, besagte Höhle, die extra Eintritt kostet, eine Hängebrücke. Überall wo sich Touris häufen, lungern die Affen rum.

Diese Affen sind ja schon knuffig. Das rigorose Verbot sie zu füttern sollte aber auch kontrolliert werden. Gerade die Fahrer der Minibusse, die hier Touris für 30€ von einem Aussichtspunkt zum anderen gondeln, bestechen die Affen mit kleinen Leckerlis. Auch Touristen füttern sie, für ein gutes Foto. Sehen die Affen ein Kind mit einer Chipstüte, nehmen sie Anlauf – wohl wissend, das so ein Kind kein harter Gegner ist. Auch sind sie echt gut darin, Reißverschlüsse von Rucksäcken aufzumachen.

Ein Ausflug auf den Felsen von Gibraltar ist definitiv empfehlenswert. Sonntags soll grundsätzlich weniger los sein – und ja, das Touriaufkommen war Okay, wir mussten nirgends warten. Aufs Wetter sollte man achten. Nicht nur, weil über dem Felsen wohl öfters mal eine fette Wolke hängt. Die hatten wir, aber sie störte uns kaum. Wenn zur natürlichen starken Thermik auch noch normaler Wind hinzu kommt, dann wird das da oben sicherlich ungünstig.

Wer Probleme mit seinen Knien hat, lässt sich besser fahren. Am Flughafen buhlen lauter Minibusse um Kundschaft, eine Tour soll 25-35€ pro Person kosten, in der Nebensaison ist der Preis sicherlich aushandelbar. Wir laufen runter, das ist auch Okay. Zumal man direkt in der Fußgängerzone landet. Typisch britisch Fishn’n’Chips essen, das darf dann schon sein. Wer auf britischen Schnaps steht kann ihn hier günstig shoppen, und wer sich lustige Straßenschilder anschauen mag, hat hier seinen Spaß. Die Briten lieben Verbotsschilder, und sie schreiben da ganze Romane drauf.

Lustig ist dann auch noch der Heimweg zu Fuß: vor dem Grenzübergang kommt der Landebahnübergang. Möchte ein Flugzeug starten oder landen, wird die Straße dicht gemacht, und es fährt ein Kehrwagen über die Landebahn, dann kommt der Flieger. Das alles ist relativ gut getimt, trotzdem staut sich alles für rund zehn Minuten.

In Gibraltar mit dem Wohnmobil

Es gibt einen Wohnmobilstellplatz in der Marina (https://goo.gl/maps/QTnyXcAtaB92), also nicht direkt in Gibraltar, sondern in Spanien. Und der ist gut. Es ist ruhig, außer natürlich im benachbarten Flughafen startet oder landet gerade was. Oder sie ballern, um die Möwen von den Häusern zu vertreiben (so vermuten wir es). Der Platz kostet 12€ für 24h. Es gibt Waschmaschinen, eine VE, und eine brauchbare Gassistrecke (runter zum historischen Boot, dann links halten). Von hier aus geht es zu Fuß zum Flughafen, wo Busse und Taxis einen nach Gibraltar rein bringen.

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Wir reisen an die Algarve, einmal quer durch die Algarve, und auch gleich wieder raus.

Der IC1 – Roadtrip an die Algarve

Die Schokoladenparty in Grandola (siehe letzter Reiseblogpost) endet, wie sie begann: mit einem Zuckerschock. Dazu gibt es eine Feuershow und dann auch noch ein Comedian. Der vermutlich ziemlich gut ist, denn das Publikum lacht sich einen, und bei den Liedern singt es mit. Wir verkrümeln uns nach einer Viertelstunde aber, denn ich verstehe mal rein gar nichts – mein schlechtes Portugiesisch plus der nicht ganz saubere Ton der Soundanlage sind keine gute Kombination. Was ich bei einer pantomimischen Showeinlage durchaus mitbekomme: Fäkalwitze funktionieren wohl auch in Portugal ganz gut.

Wir decken uns noch mit etwas Schokoladigem für die Reise ein, und verbringen auf dem Übernachtungsplatz eine halbwegs ruhige Nacht. Da man hier jedoch keine Chance hat die Hunde an einen Busch zu führen, geht es am nächsten Morgen sehr früh los.

Es wird ohnehin Zeit, dass wir nach Süden kommen, denn langsam ist es uns wirklich kalt. Wir machen hier und da einen Abstecher, beispielsweise in Lousal oder an einem kleinen See. Und natürlich am Barragem do Monte da Rocha (Roadtrip Portugal Station 78), wo es das beste schwarze Schwein vom Grill gibt.

Nach einem Abstecher zum Barragem de Santa Clara (sehr grün, aber auch sehr wenig Wasser) fahren wir nach Silves (Roadtrip Portugal, Station 87), drehen eine Runde durch den Ort.

Eigentlich wollten wir auch ins Castelo, doch sind wir zu Dritt mit drei Hunden unterwegs, und die dürfen da nicht rein.

Da dann auch noch das ausgesuchte Meeresfrüchte-Restaurant Urlaub hat, und zwar natürlich ab heute, verkürzen wir unseren Aufenthalt in Silves. Und fahren zu einem unserer liebsten Plätze an der Algarve, „dem Hügel“.


Der traurige Hügel

Der Hügel, das ist da, wo wir (Andre, Klaus, Ich und zwischendurch auch ein paar andere) unseren ersten portugiesischen Winter verbracht haben. Ein Rückzugsort, den wir immer wieder ansteuerten. Und den wir auch heute noch gerne besuchen, zumindest bis jetzt. Dieses Mal bleiben wir nur eine Nacht. Der Grund hierfür dürfte anhand dieses Bildes klar sein:

Hier noch zum Vergleich das Vorher-Bild, aufgenommen im Frühling diesen Jahres, also ein halbes Jahr vorher:

Der große Brand im Monchique-Gebirge hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Soweit das Auge blickt ist alles verbrannt. Wir hatten es bereits vermutet, jedoch gehofft, dass das Feuer es nicht ganz bis an das schöne Plätzchen geschafft hat. Die Hänge, bewachsen mit vielen Zistrosen, sind vermutlich buchstäblich in Windeseile abgebrannt. Was kaum verwunderlich ist, soll der Lack der Lackzistrosen ja gut brennen, und ich schätze, dass so ein Hügel bei entsprechendem Wind sehr schnell abgebrannt ist. Da haben wohl auch die Brandschneisen, die sie letztes Jahr mit Traktoren durch die Hügel gezogen haben, nichts gebracht.

Interessant zu sehen ist, dass die Korkeichen überlebt haben. Ich kann nur mutmaßen, dass ihre Rinde sie geschützt hat. Sie haben jetzt schon wieder Grün. Schade nur, dass sie in der Minderheit sind. So wird es ein paar Jahre dauern, bis aus den schwarzen Hügeln wieder grüne werden.


Wir sind wieder zu Hause! Back @ Bambusbach

Unser absoluter Wohlfühlort an der Algarve liegt im Grünen, zumindest diesen Herbst. Zwar führt der Bambusbach kein Wasser, dafür aber ist der Bambus schön grün. Das Wetter ist derzeit etwas sehr herbstlich, und wir parken sicherheitshalber nur ein Auto auf der einen Bachseite. Nicht, dass es wie im letzten Frühjahr ist, und er plötzlich Hochwasser führt.

Hier stehen wir rum und genießen es, die Türe offen stehen lassen zu können. Das geht momentan nämlich sonst nur bedingt, Senora Ziva hält es nämlich keine Minute im Wohnmobil – sie will die Gegend erkunden. Das kann sie auch, auf langen Spaziergängen versuche ich, die junge Dame auszulasten. Was mir nur bedingt gelingt – gefühlt wächst ihre Kondition mit jeder einzelnen Gassirunde.

Dieses Mal stehen wir nicht alleine am Bambusbach: Das Herrchen von Henry begleitet uns wieder seit ein paar Tagen mit seinem Allrad Wohnmobil, er nutzt die Ruhe hier um seine Erkältung auszukurieren. Und der blaue Kasten tischt leckere Kuchen auf, wie wir es gewohnt sind 😊

So verbringen wir hier eine gute Zeit bei wechselhaftem Wetter. Sobald die Sonne rauskommt geht es mit den Hunden raus. Das 15-Uhr-Kaffeekränzchen findet auch bei Regen statt, Markise sei dank. Und Ziva hat es sich zur Aufgabe gemacht, alles anzukläffen was sich uns irgendwie nähert, was ihr irgendwie unheimlich ist. Wir arbeiten dran.


Andre’s Abstecher ins Schwobeländle

Total verrückt, wenn Flugtickets von Portugal nach Deutschland günstiger sind als eine Zugfahrt von Rottweil nach Stuttgart. Ist aber so, nur 15€ hat ein Flug gekostet. So haben wir die Flüge für uns beide bereits vor Wochen gebucht. Wäre absehbar gewesen, dass Ziva bei uns einzieht, hätte ein Ticket gereicht, und so haben wir letztendlich eines verfallen lassen. Wir hätten ja sogar liebe Menschen gefunden, die auf die beiden Knallköppe aufgepasst hätten. Bei den pubertären Flausen, die Ziva aber gerade an den Tag legt, oh je. Ich sag’s mal so: Houdini seine Verschwinde-Zaubertricks sind was für Anfänger. Also bleibe ich hier, am schönen, ruhigen, oftmals sonnigen Bambusbach.

Und so fliegt Andre alleine für ein langes Wochenende nach Deutschland. Kaum ist er da, schön hört man nur Gutes aus der alten Heimat. Sowas wie „Man kann das Auto nicht verlassen, draußen erfriert man sofort.“ oder „eine Bettflasche wäre gut“. Da ist mir der sanft aufs Womodach plätschernde Dauerregen am Abend ja doch lieber.

Nachdem ich Andre am Flughafen rausgeschmissen habe, bin ich mit den zwei braunen Fellwürsten an den Strand, ist ja nicht weit. Man fährt nur einmal um den Flughafen herum und noch ein Stück weiter. Hinter dem Flughafen findet sich sowas wie ein Wohnmobilparkplatz, auf dem auch bestimmt 20 Wohnmobile stehen. Ich denke mir noch, Okay, ist ja ganz nett hier, viel Natur, Holzstege, und bei Flut steht man wohl auch recht nah am Wasser. Genau in dem Moment startet auf der Landebahn direkt nebenan ein Flugzeug. Verdammt, ist das laut! Wie bitteschön kann man nur mit dem Wohnmobil direkt an der Landebahn stehen, wie hält man das aus? Hörgerät aus und gut ist? Erstmal zum Frühstück einen Tetrapak Wein? Oder die Kindheit über aufm Güterbahnhof gelebt? Was ist deren Geheimnis?

Ach ja, was ich noch erwähnen wollte: wer es noch nicht mitbekommen hat, es gibt einen guten Grund für den Abstecher nach Deutschland, nachzulesen ist dieser unter EIWOLA Teil II – das Allradviech ist da!


Hundekind.

Während Andre in Deutschland friert, und verspricht, sich nie wieder über das portugiesische Winterwetter zu beklagen, hat das Hundekind schon nach einem halben Regentag den Stubenkoller. Da kommen Geräusche aus dem Hund raus, das haste noch nicht gehört. Bei dem Versuch, Max zum Spielen zu animieren, quietscht sie über zwei Oktaven hinweg – am liebsten aber am oberen Ende der Tonleiter. Ich gewöhne mich langsam dran, aber ich glaube die Nachbarn finden es ziemlich heftig 😀

Derzeit sind wir gut damit beschäftigt ihr die Flausen auszutreiben. Momentan stehen zwei Verhaltensweisen auf der Agenda, die sich bitteschön nicht manifestieren sollten: Erstens wahllos irgendwelches Zeugs anzunagen. Wobei, so wahllos scheint es gar nicht zu sein. Vielmehr kaut sie sehr zielgerichtet auf meinen Schnürsenkeln rum – aber nur auf die vom linken Schuh. Ich hab mir jetzt ein paar neue Schuhe gekauft – und sie erstmal im Ducato vor ihr versteckt.

Wobei man sagen muss: bisher hat sie nur wenig Teures angenagt. Also eigentlich nur eines, und zwar die Mittelarmlehne von Ducatolein. Während ich im Einkaufsladen bin um ihr Hundenageartikel zu kaufen, damit sie was Gutes zum Nagen hat. Jetzt muss ich noch einen Überzieher für die Mittelarmlehne kaufen.


Wohnmobilstellplatzhopping extrem: von Alvor nach Manta Rota

Wir fahren von Lagos (Roadtrip Portugal, Station 94) aus in den Osten der Algarve, immer der Küste entlang.

Mal übernachten wir auf dem Grundstück von Bekannten, dann wieder am Strand oder auf dem Wohnmobilstellplatz. Ja, richtig gehört, Wohnmobilstellplatz. Das kommt nicht oft vor, und hat einen Grund: Auf dem einen besuchen wir spontan Freunde.

Alvor

Erst einmal schlagen wir in Alvor auf dem Wohnmobilstellplatz (Roadtrip Portugal, Station 95) auf. Wenn es die Tage zuvor geregnet hat, ist das Bild recht schauderhaft, fährt man auf den Platz: Zwischen der Matschepampe stehen Wohnmobile rum. Wir parken neben den Freunden ein, die wir besuchen wollen. Unser Fazit am nächsten Tag: Der Platz ist nicht schön, kostet dafür aber auch nicht viel. Die Lage ist top, in drei Minuten ist man am Strand. Ich kann aber dennoch verstehen, dass viele Wohnmobile lieber auf den Parkplatz nebenan fahren. Auch wenn ich das nicht tun würde, denn direkt neben einem Wohnmobilstellplatz freistehen, das macht man einfach nicht. Vor allem aber kann es teuer werden: da stehen 30 Wohnmobile auf einem Parkplatz, direkt neben einem Wohnmobilstellplatz. Nachts kommen wohl einige rüber, um ihr Chemieklo kostenlos zu entleeren. Wasser klauen geht nicht mehr, das ist nachts abgestellt. Also ganz ehrlich: wäre ich Stellplatzbetreiber, ich würde wohl auch ab und an die GNR anrufen, damit sie den Platz räumt. Allerdings würde ich den Platz auch etwas herrichten … Naja.

Von den eigentlich gruseligen Umständen wissen die Parkplatzcamper ja gar nichts: Wir stehen zwischen griesgrämigen Engländern, die kaum ein Hallo herausbringen. Okay, die einen haben eine freilaufende Katze, aber die ist schnell, Max hat keine Chance. Die anderen Briten finden es total unangebracht, dass ihr Hund unsere Ziva auch nur anschnüffelt. Am nächsten Morgen erstmal den Ducato 20 Minuten laufen zu lassen um Strom zu haben, das wiederum finden sie offensichtlich total angebracht. Und das, obwohl sie direkt neben der Stromsäule stehen. 2,50€ für die Stromflatrate auszugeben ist wohl nicht angebracht.

Und das ist auch der Hauptaspekt, warum wir Wohnmobilstellplätze meist meiden: Es sind die Nachbarn. Die können super nett sein, oder total gruselig. Die können uns super nett finden, oder sie finden uns total gruselig. Auf dem Platz in Alvor war das teilweise so – das war in Manta Rota dann wieder anders.

Ähm … Geheimtipp oder frisch geräumt?

Es ist an der Algarve nicht ganz so voll, wie bisher alle sagen – dem Anschein nach sind die meisten Wohnmobilstellplätze gut besucht, aber nicht voll. Die Freistehplätze sind bisher überschaubar gefüllt. Im Westen der Algarve räumen sie jetzt wohl öfters, was vorhersehbar war. Im Osten haben wir davon eigentlich nichts gehört. Und so wundern wir uns, dass wir ganz alleine auf dem Strandparkplatz stehen. Wurde hier erst geräumt, oder haben wir tatsächlich ein Plätzchen gefunden, das noch nicht überlaufen wurde? Ich verrate besser mal nicht, wo es ist, und wir testen das zu einem späteren Zeitpunkt nochmal 😊

Nach nur einer Nacht auf unserem exklusiven Strandparkplatz geben wir es uns, und fahren weiter – zu einem garantiert vollen Wohnmobilstellplatz, zu dem nach Manta Rota.

Manta Rota

Manta Rota (Roadtrip Portugal, Alternativstellplatz Station 103) hat ein entscheidendes Argument: Du stehst direkt an der Ria Formosa. Ein Naturpark, in dem wir eher nicht frei stehen, und in dem es auch nur wenige Möglichkeiten dazu gibt – vor allem direkt am Strand findet sich nicht viel. Wir geben es uns also gleich nochmal, und parken auf einem Wohnmobilstellplatz, wie er notorischen Freistehern wie uns das Fürchten lehrt.

In Manta Rota ist es so: es gibt einen Außenring, und einen Innenring. Der Außenring ist gut, denn hier stehst du mit der Türe im Grünen. Der Innenring ist weniger toll. Wir haben Glück und stehen schön, der Pfad zum Strand beginnt direkt vor dem Wohnmobil. Wir stehen zwischen Franzosen – vor uns sitzen sie zusammen, schnattern und leeren schon am Nachmittag ihre Weinflaschen. Die hinter uns reisen mit drei Generationen Schäferhund und Vogelvoliere im Wohnmobil. Zwischen Franzosen steht es sich super – wenn sie nicht gerade neben deinem Wohnmobil ein Boule-Spiel starten. Mein Französisch reicht für Hundesmalltalk, und Hunde haben sie ja fast alle, also entstehen nette, lockere Kontakte, passt.

Eigentlich ist es sekundär, wie der Stellplatz ist – denn wir sind hier für einen Tag, und wir sind wegen dem Strand hier – also gehen wir an den Strand. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal. Jede Runde beginnt oder endet mit Hundeherumgerenne. Französisch-deutsche Schäferhunde sind sehr ausdauernd, das britische Windspiel ist eher der Sprinter und nach zwei Minuten durch, und die Trethupen an der Leine dürfen nicht mitspielen. Werden aber trotzdem von der Ziva einmal abgeknutscht, da kann das Herrchen so grimmig gucken wie es will.

Ich muss aber auch sagen: ein, zwei Nächte auf so einem Platz sind in Ordnung. Dann wäre es mir aber zu viel. Das morgendliche Rattern der Kassettentoiletten auf Rädern zur VE-Station. Um halb acht. Das Schnattern der Franzosen ab halb neun. Und die Wohnmobile, die auschecken, müssen alle an deinem Schlafzimmerfenster vorbei fahren. Nein, für länger ist sowas nix für mich.


Hundekind nimmersatt.

Nochmal zurück zum Hundekind. Die hat doch einen Knall! Wir wachen morgens auf, und ich gehe mit den Hunden erstmal an den Strand. Eine Runde mit zwei klatschnassen Golden Retrievern spielen, check. Dann fahren wir weiter nach Manta Rota, auf den Stellplatz. Hier stehen ungefähr 50 Wohnmobile am Platz, und ich schätze der Schnitt „1 Hund pro Womo“ wird hier noch übertroffen. Die französische Nachbarin hinter uns reist mit drei Generationen Schäferhunden. Wir gehen heute noch dreimal an den Strand, plus eine Abendrunde. Ziva tobt mit einem britischen, sehr schnellen Windhund durch die Dünen, jagd die Vögel den Strand hoch, lässt sich von Max den Strand wieder runter jagen.

Gegen zwei Uhr in der Nacht fängt es dann an: Erst wird die Mülltüte ausgeräumt. Ein Novum, die hatte sie bisher nicht für sich entdeckt. Sie kassiert einen Anschiss, alle sind wach, gehen wieder ins Bett. Eine Stunde später, Ziva ist wach und will mit Max spielen. Diese Frequenz, in der sie das einfordert, übertrifft jede hochfrequente Hundepfeife. Alle sind wach. Das Ganze wiederholt sich, keine Ahnung wie oft. Irgendwann ist Morgendämmerung, endlich aufstehen! Andre nimmt die Hunde mit an den Strand. Mal schauen, was der heutige Tag so bringt …


Hola Andalucia!

Ja, wir tun es tatsächlich, wir verlassen Portugal. Es wird Zeit, den Süden von Spanien zu erkunden. Denn während Andre hier schon ein paarmal war, ist mir dieses Andalusien noch relativ unbekannt. Erst der obligatorische Stopp in Ayamonte: Einkaufen im Mercadona, Gas und Diesel tanken. Also dass Diesel 20 Cents günstiger ist als in Portugal, das finde ich schon bemerkenswert. Wie es sich bei den Supermarktpreisen verhält, das kann ich nicht sagen. Ich gehe gerne im Mercadona einkaufen, da finde ich immer was Neues und Leckeres. Heute beispielsweise gab es grüne Burger:

Okay, er hat so geschmeckt wie er aussieht: Irgendwie anders. Dass das Truthahn mit Spinat sein soll, das stand glücklicherweise auf der Packung. Wäre ich so nie draufgekommen.

Wir wollen nochmal ans Meer, ehe wir ein wenig das Inland erkunden. Also geht es an den Strand. Und wieder: wir stehen alleine auf einem Strandparkplatz. Okay, dieses Mal ist es kein Geheimtipp. Die anderen Wohnmobile stehen nur weiter oben. Es ist zu vermuten, dass die Zufahrt zum Strandparkplatz etwas ausgewaschen ist. Was ja auch gut ist. Würden die anderen schon hier unten stehen, hätten wir uns wohl nicht dazu gestellt, dazu ist der Parkplatz nicht groß genug.

Der Weg von der portugiesischen Grenze bis Huelva und noch ein Stück weiter war übrigens sehr aufschlussreich. Landschaftlich sieht man, dass die Gegend mal schön war – man erkennt eine ähnliche Flora wie in Portugal, was ja keine Überraschung ist. Aber nur stellenweise. Denn größtenteils ist die Landschaft geprägt von riesigen Feldern, viel davon unter Plastik. Und eine riesige Raffinerie-Gas-Kohle-Anlage, kilometerweit ziehen sich die riesigen, runden Behälter. Dazwischen Pinienwälder, ohne jegliches Unterholz. Monokultur können die Spanier offensichtlich auch. Ach ja, und am Strandparkplatz, an dem wir stehen, steht eine Bauruine, die wohl mal ein Strandrestaurant werden wollte.

Ich bin gespannt, was dieses Andalusien noch alles zu bieten hat. Wir haben uns schon einige Ziele heraus gesucht, das sieht sehr vielversprechend aus.

Bis dahin: kauft mein Buch! Ich habe heute versucht, den guten Max für eine Fotosession zu missbrauchen. So fotogen er normalerweise ist, so wenig Bock hat er auf weihnachtliche Kopfbedeckung.

PS: Wenn irgendjemand weiß, warum da jemand „Stute!“ auf die Windschutzscheibe geschrieben hat …

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