Es wird wohl noch einige Jahre andauern bis wir schnelles und günstiges Internet, konzipiert für Wohnmobile, sehen werden. Momentan jedenfalls ist der fest im Wohnmobil installierte Internetzugang entweder teuer oder langsam – je nach Sichtweise vielleicht sogar beides. Dies mag daran liegen, dass beim normalen Wohnmobilurlaub kein wirklicher Bedarf an schnellem Internet vorhanden ist. Übers Handy oder einen Hotspot gehen, für die meisten ist dies wohl ausreichend. Ich jedoch möchte mit meinem Wohnmobilausbau für längere Zeit unterwegs sein, wofür das mobile Büro unverzichtbar ist – inklusive möglichst schnellem sowie überall in (Süd-)Europa verfügbarem Internetzugang on Board.

Da bleibt eigentlich nur eine Lösung: Wohnmobil-Internet über Satellit. Echtes DSL, überall verfügbar bei freier Sicht gen Süden, das wäre schön…

Update 2016: Ich habe mein Satelliteninternet wieder abgeschafft! Zur Kurzbegründung: Erstens war mir die Einstellerei bei jedem Standortwechsel zu umständlich. Hatte auch Probleme ein gutes Signal zu bekommen, im Ausland (z.B. Portugal) geht Satinternet teilweise überhaupt nicht. Zweitens hat sich das Internet über Mobilfunk als gut verfügbar, praktikabler und schneller erwiesen. Je nach Land auch günstiger. Drittens, die langen Pingzeiten – zum Surfen geht es, für meine Arbeit gar nicht. Ein umfassender Bericht über das BESTE Internet im Wohnmobil (für Freisteher in Europa) kommt noch.

Nun stellen sich drei Fragen zum Internet im Wohnmobil:

  • Welcher Satellit (Astra2connect, Hylas 1 oder Eutelsat),
  • Welche Technik (manuell oder automatische Satellitenschüssel, WLAN, VOIP?)
  • Welcher Tarif / Anbieter.

Also im Prinzip geht es beim mobilen Internet im Wohnmobil eigentlich darum, einen passenden Anbieter zu finden, mit einem günstigen, schnellen Tarif, der mir gerne kostengünstige Technik zur Verfügung stellen darf und mit einem Satelliten arbeitet, der in meinen Reisezielen ansteuerbar ist.

Über welchen Satellit ins Internet?

Astra2Connect, Hylas 1 oder Eutelsat 9A (ehemals KA-SAT)? Diese drei Internet-Satelliten stehen für den Internetzugang via Satellit zur Verfügung – prinzipiell. Hylas sowie Eutelsat bieten wirklich schnelles Internet, hier sind echte Flatrate-Tarife mit anständiger Geschwindigkeit zu bekommen. Aber: weniger fürs Wohnmobil.

Habe bei verschiedenen Anbietern angefragt. Filiago beispielsweise arbeitet bei seinen Speed-Tarifen mit Hylas 1, Skydsl sowie tooway (inklusive dessen Vertriebstöchter) mit dem Eutelsat. Schnelles Internet im Wohnmobil scheint greifbar nahe. Doch es gibt eine Hürde, namens Spotbeam-Wechsel. Europa ist in zahlreiche Spotbeamzonen unterteilt, so dass bei einem Trip nach Spanien schnell 10-20 Spotwechsel nötig wären. Bei Skydsl kostet jeder Wechsel 39 EUR. Bei Satinternet (Vertriebstochter von tooway) immerhin noch 29,95 EUR. Selbst wenn solch ein Spotwechsel technisch machbar wäre, der Traum vom Highspeed-Internet im Wohnmobil rückt in die Ferne. Schließlich noch Filiago gefragt: hier kostet der Spotwechsel an sich zwar nichts, allerdings muss die Satellitenschüssel bei jedem Standortwechsel von einem zertifizierten Techniker neu eingestellt werden. Das ist noch teurer, außerdem etwas unhandlich. Müsste man ja auch noch seinen Techniker durchfüttern. Somit ist DSL über Satellit im Wohnmobil also gestorben.

Astra2Connect: realisierbares mobiles Internet im Wohnmobil

Bleibt also noch der übrig gebliebene Satellit fürs Internet. Hier gibt es zwei erwähnenswerte Anbieter: IPCopter und Filiago. Die Bandbreite ist hier deutlich geringer: max. 10 Mbit/s Download, max. 256Kbits Upload.

Für den Durchschnittsurlauber ist dies sicherlich eine ausreichende Geschwindigkeit. Mein mobiles Büro im Wohnmobil hätte etwas mehr vertragen können. Bisherige Auslandsaufenthalte haben mich eines gelehrt: es kann unglaublich nervig sein, ist das eigene Arbeitstempo deutlich schneller als das aktuell verfügbare Internet reagiert. Lange Pingzeiten, langsamer Upload, noch langsameres Internet zu Stoßzeiten – mehrmals pro Minute 1-2 Sekunden warten zu müssen regt nach spätestens 30 Minuten ziemlich auf. Doch was hilft es. Also schauen wir uns verfügbare Angebote an, teils speziell fürs Wohnmobil- Internet konzipiert.

  1. IPcopter
    Am bekanntesten unter Wohnmobilern ist wohl IPcopter. Ich schaue mir speziell die angebotenen Flatrates an, mein mobiles Internet möchte ich ja das ganze Jahr über im Wohnmobil nutzen, nicht nur während des Urlaubs. Hier werde ich bei IPcopter an die guten alten Telekomzeiten erinnert, als ich als Teenager meinen ersten Computer hatte: langsam, dafür teuer. IPcopter hat aber auch einige begrenzten Tarife, welche flexibel aktiviert werden können – vielleicht für Normalurlauber eine interessante Lösung.
  2. Filiago
    Internet via Satellit bietet Filiago anhand seinen SPEED und PLUS Tarifen an. Speed wäre super, doch diese laufen über oben erwähnten fürs Wohnmobil unbrauchbaren Satelliten. Für Mobiles Internet kommt daher nur Astra2Connect im PLUS-Tarif in Frage. Ist mit 20 EUR pro Monat auch durchaus günstig. Bandbreite mit 10 Mbit/s Download / 256 kbit/s Upload akzeptabel. Allerdings wird nach 4GB der Speed (bzw. die Priorität) gedrosselt. Allerdings, und hier wird es interessant für mich: Volumen von 0-6 Uhr werden nicht berechnet. Du kannst nachts also unbehelligt surfen, die 4GB werden davon nicht berührt. Möchte man nach verbrauchten 4GB weiterhin schnell surfen kostet jedes weitere GB 15 EUR. Inwiefern dies überhaupt notwendig ist wird sich noch herausstellen, andere Kunden berichten, dass es teils überhaupt keine spürbare Drosselung gibt. Diese wird wohl erst aktiv, wenn zu viele auf einmal den Satelliten für ihr Internet nutzen möchten. Update 2016: Seit diesem Jahr wird wohl rigoros gedrosselt. Eine Satellitenanlage kann bei Filiago für 500 EUR gekauft oder 300 EUR bereitgestellt werden. Ist jetzt kein Schnäppchen, man hat jedoch alle Komponenten beisammen. Und online konnte ich noch kein i-LNB bzw. passendes Modem ausfindig machen. Es ist also mein favorisiertes Angebot, das wird wurde mein mobiles Internet im Wohnmobil über Satellit!

    UPDATE 07/15: Die Hardware ist hoffnungslos überteuert und veraltet. Da ich jedoch nichts bei Ebay und Co. gefunden habe muss dieser saure Apfel wohl sein. Die Satellitenschüssel ist aus Edelstahl, unendlich schwer. Was jetzt keine Kritik sein soll, sie ist für den mobilen Einsatz einfach nicht gemacht. Bei Amazon habe ich mir eine günstige Satschüssel aus leichtem Aluminium geholt.

Internet über Satellit: Hardware

wohnmobil-internet-satellit

Was brauche ich für mein mobiles Internet? Satellitenschüssel, spezieller i-LNB, Modem. Wer über seine Internet Satellitenschüssel auch Fernsehen möchte muss einen zweiten LNB montieren (lassen). Nun schaut meine Wenigkeit ja kein Fern, so dass dieser Punkt untern Tisch fällt. Dafür sind WLAN und VOIP umso interessanter. Beides lässt sich faktisch wie zu Hause realisieren, via Fritzbox. VOIP ließe sich außerdem über Skype lösen. Letztendlich nehme ich die Minimallösung: Netzwerkkabel an den Laptop anschließen, via Handy und Skype telefonieren. Nur wenn die hier noch herumliegende Fritzbox sich noch reaktivieren lässt gibt es WLAN.

Manuelle oder automatische Satellitenschüssel aufs Wohnmobil montieren?

Automatische Satellitenschüsseln: praktisch, aber teuer

Parken, Knöpfchen drücken, meine Sat-Schüssel auf dem Dach des Wohnmobils fährt automatisch aus, stellt sich ein. Schöne Sache. Wären hier nicht gleich zwei Knackpunkte.

Zum einen der Preis. Hersteller wie Oyster bieten hier eine tolle Technik an, diese kostet jedoch gerne mal 3.000 EUR. Für mich inakzeptabel. Hier kann es lohnen, für sein Internet unterwegs mal bei Ebay reinzuschauen. Immer wieder werden hier Anlagen um 1.000 EUR und weniger angeboten, allerdings gebrauchte.

Der zweite Nachteil entnehme ich dem Hörensagen: Andere Nutzer dieser automatischen Anlagen berichten von Empfangsstörungen bei windigem, bewölktem, regnerischem Wetter. Also genau dann, wenn man sich drinnen aufhält, in seinem Wohnmobil Internet nutzen möchte – dann geht es nicht. Das liegt einfach auch daran, dass diese (automatischen) Campingschüsseln recht klein sind. Hier gilt nämlich das Motto „Viel bringt viel“: 85cm Durchmesser, und schon klappt es mit dem Internet über Satellit, selbst bei Wind und Regen.

Satellitenschüssel manuell ausrichten wird mit günstigem Internet im Wohnmobil belohnt

Eine meiner Kernfragen war, inwiefern das manuelle Ausrichten einer Satellitenschüssel überhaupt möglich ist. Ohne dabei minutenlange Verrenkungen durchzuführen. Aber, ich durfte mich live überzeugen lassen: es funktioniert. Und dank integriertem SAT-Finder lässt sich die Satellitenschüssel recht fix ausrichten. Mit etwas Übung sind es 20 Sekunden bis die Schüssel fixiert ist, weitere 20 Sekunden bisschen Rumfummeln, finale 20 sec bis die Ausrichtung perfekt ist.

Folgerichtig wird auf meinem Wohnmobilausbau das Internet über eine manuell ausrichtbare Satschüssel gelöst. Anfangs war ich sehr kritisch, inwiefern dies zweckmäßig ist. Doch andere haben wohl dasselbe Problem, berichten über pragmatische Lösungen. Insbesondere darüber, dass das Einstellen der Schüssel auf den Satelliten nach etwas Praxis lediglich 1-2 Minuten dauert. Akzeptabel. Also wird das angebotene Hardwarepaket von Filiago einfach mitbestellt, das muss ja gut passen.

Große Schüssel am kleinen Wohnmobil montieren

60cm sind das Minimum, 80cm wären besser – freilich ganz schön groß für eine Satellitenschüssel, die auf dem Wohnmobildach (oder im Heckbereich) installiert werden soll. Eigentlich ist sie ja auch nicht dafür gemacht. Da heißt es also sich etwas einfallen lassen, wie man das Ding befestigt. Vielleicht so, dass man die Schüssel vor Antritt einer Fahrt schnell und unkompliziert abnehmen kann? Gerade wenn ein Kastenwagen zum Wohnmobil ausgebaut werden soll dürfte so eine große Satellitenschüssel doch stören.

Worauf allerdings zu achten ist: die Scheibe muss bombenfest sitzen. Sonst wird das nichts mit dem schnellen Internet im Wohnmobil. Also die Halterung fest am Wohnmobil verschrauben, dann das Adapterstück für die Satellitenschüssel so umbauen, dass diese mit wenigen Handgriffen aufgesetzt, wieder abgenommen werden kann. Gut, wenn man einen Schlosser kennt. Das Satellitenkabel muss ebenfalls entsprechend verbaut und mit einer Schnellkupplung versehen werden.

UPDATE 07/2015: Aus diversen Gründen (Zeitmangel, Ideenlosigkeit, ungünstiger Schwerpunkt des schweren iLNBs…) gibt es vorerst eine einfache Bodenlösung: ein Stativ, auf dem die Satschüssel montiert wird. Ein günstiges, leichtes Dreibein,
das einfach mit Erdnägeln am Boden fixiert wird.

Mein Fazit: Filiago bietet bestes mobiles Internet im Wohnmobil

Fürs mobile Internet habe ich mich also nun für den PLUS Tarif von Filiago entschieden, und die passende Technik gleich mitbestellt. Interessant auch die Möglichkeit der Rufnummerportierung. Vor allem jedoch bietet Filiago das schnellste Internet das im Wohnmobil machbar ist, zum günstigen Preis (also abgesehen von der Hardware) Auch der Service stimmt: habe den Support-Mitarbeiter per Email über deren Tarife / Satelliten ausgefragt, stets rasche, freundliche, aussagekräftige Antworten erhalten.

Wenn du dich auch für Filiago entscheidest, dann gib bei der Bestellung doch meine Andres Kundennummer an:

25833

Dann bekommen wir beide einen Monat gratis.

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