Es wird frisch im Alentejo – die Sonne scheint vom Himmel, aber es hat keine 15 Grad mehr. Doch es scheint, dass die Kältewelle ganz Portugal im Griff hat, an der Algarve ist es auch nicht wärmer. Also bleiben wir bei unserem Plan und erkunden auf dem Weg nach Süden noch ein paar nette Flecken. So der Plan. Doch sehr weit gekommen sind wir nicht. Genauer gesagt nur bis Santiago do Cacem.


Santo André – haben wir’s mal wieder geschafft.

Unser kuscheliger Strandparkplatz.

Doch Moment, wir warten noch auf ein Paket, ein Solarmodul und eine Batterie werden gerade nach Portugal eingeflogen. Weil wir uns haben sagen lassen, dass auf dem Platz an der Lagoa de Santo André schon genug Wohnmobile stehen, bleiben wir die Tage einfach auf unserem netten, kuscheligen Plätzchen ganz in der Nähe, ein kleiner, lauschiger Strandparkplatz.

Dass es hier ganz kuschelig ist, das denken sich wohl auch die Einheimischen. Sie kommen mit dem Auto her gefahren und fahren wieder weg, immer am frühen Nachmittag beginnt das gleiche Spiel. Uns dämmert es schon, dass wir es wieder geschafft haben – wir stehen auf einem Sextreff / Schwulentreff. Irgendwann bring ich noch einen Portugal-Reiseführer für solche Treffpunkte raus. Immerhin sind es echt schöne Plätze und Strände. Immer mit schönen Dünen, und Büsche dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Gewissheit durfte ich dann erlangen, als wir uns auf den Weg zum Strand machten, um ein paar Bilder vom Sonnenuntergang zu knipsen. Als ich mit Hund und Kamera bewaffnet über den kleinen Parkplatz gehe, fällt mir ein Mann auf, der entweder keine Hosen oder sehr kurze Shorts anhat. Drei Sekunden später war klar: keine Hosen. Er steht neben seinem Auto, nur mit einer Jacke bekleidet, und wedelt sich einen von der Palme. Immerhin hat er eine Jacke an, bei 10 Grad ist das mal kein Fehler.

Auch sonst fragt man sich zwischendurch: es stehen sechs Autos auf dem Parkplatz. Am Strand sind aber nur zwei Menschen. Sonst gibt es hier nichts. Wo mögen wohl die anderen Fahrer sein? Hat da jeder seinen eigenen Busch oder teilen die sich alle einen? Fragen über Fragen.
Aber ganz ehrlich: sowas stört mich nicht weiter, vielmehr fand ich sowas immer recht amüsant. Und so bleiben wir hier einfach weiter stehen, bis unsere Pakete ankommen. Was auch nach ein paar Tagen der Fall ist, und so geht es weiter.

Hach ja, diese Sonnenuntergänge am Atlantik …

Digitales Nomadentum: warum Druck und Reisen für mich nicht zusammen passen

Ich habe es schon länger gemerkt: Termindruck zu haben tut mir nicht gut. Ob das erst durch die Rumreiserei so gekommen ist, oder ob das ein ganz natürlicher Änderungsprozess war, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ist das abarbeiten von Kundenaufträgen immer auch mit einem gewissen Druck verbunden – und zwar auch dann, wenn die Kunden da ohnehin schon sehr tolerant mit einem sind. Das ändert leider nichts an dem Problem – wenn dein Posteingang ständig überlaufen ist, und du nichts gebacken bekommst, weil du nicht weißt wo anfangen. Meine ständige gesundheitliche Angeschlagenheit (ja, ich habe gerade wieder einmal eine Mittelohrentzündung und bin auf Voltaren) dürfte auch damit zusammenhängen.

Wenn etwas nicht mehr so gut läuft wie es mal gelaufen ist, dann wird es Zeit für eine Veränderung. Und so habe ich mein geschäftliches Treiben den Lebensumständen angepasst. Einfach, damit ich wieder mehr Spaß dran habe, am Arbeiten wie am Reisen. Denn was nützt mir diese geographische Freiheit, wenn der Kopf dicht ist?

Die Folge wird hoffentlich sichtbar werden: weniger Kundenaufträge, um mehr Zeit und Muse zu haben – für mehr Blogartikel und Ratgeber auf crosli.de, crosli.com und portugalismo.de, so ist es angedacht. Ich habe Lust aufs Schreiben, also schreibe ich einfach wieder mehr.
Wenn’s Scheiße läuft, dann aber richtig …

Manchmal frage ich mich, ob mein Karma wirklich so scheiße ist. Meine Entscheidung, weniger Kundenprojekte zu machen, geht logischerweise mit dem Wegfall von monatlichem Einkommen einher. Also gelobe ich mir, die nächste Zeit ein bisschen darauf zu achten, dass ich meine Kröten beisammen halte. Mein Drang, vorhandenes Geld auch auszugeben, habe ich zwar ganz gut unter Kontrolle, aber trotzdem.

Von nun an kommt alle paar Tage eine Nachricht rein, die den Kassensturz vor meinem inneren Auge immer mehr zum Desaster verkommen lässt. Erst bricht meine Webseite bei Google ein, ohne ersichtlichen Grund. BlingBlingBling, ein paar hundert Euros im Monat weniger im Säckel. Dann kriecht Andre unter meinem Auto hervor und meint, dass der Auspuff am besten komplett neu gemacht werden sollte, demnächst irgendwann mal. BlingBlingBling. Dann fängt mein Laptopbildschirm an komische Sachen zu machen, das Display scheint sich langsam aufzulösen. BlingBlingBling. Das Highlight ist dann noch, als meine – erst vor wenigen Monaten gekaufte – Reisekamera ins Gras beißt. BlingBlingBlingBlingBling.

Ach ja, wer es noch nicht wissen sollte: die Kamera während der Fahrt aufs Bett legen – kann man machen, ist jedoch nicht sehr empfehlenswert. Eine blöde Kuppe, am besten noch bergauf auf einer miesen Sandpiste, und schon fällt so eine Kamera vom Alkoven runter. Sie mag nicht sofort kaputt sein, doch sie hat dann einen Schuss weg, und zwei Wochen später hat sie überhaupt keinen Bock mehr. Finito.

Klar, es geht immer irgendwie weiter. Aber hey, wie wär es denn zur Abwechslung mal mit einer Glückssträhne?

Déjà-vue: das Warten geht weiter

Ganz schön nebelig.

Kaum haben wir unser Paket in Lagoa de Santo Andre in Empfang genommen, geben wir Amazon-Bestellungen auf. Für das nächste Kährpaket aus Deutschland. Es wird Zeit für Weihnachtsgeschenke. Da das mit dem Sparen eh nicht klappt, hauen wir die Kohle halt auf den Putz.
Warum dieser Aufwand mit den Paketen aus Deutschland überhaupt? Ich hätte ja gerne in Portugal gekauft. Aber entweder gibt es das Zeugs hier einfach nicht, oder es ist relativ überteuert, oder – wie in diesem Falle – ich bekomme keine Rechnung für meine Firma. Was einen Kostenfaktor von immerhin fast 40% (Umsatzsteuer, Absetzbarkeit) ausmacht. Deshalb der etwas aufwändigere Umweg. Bei niedrigpreisigen Produkten wäre mir das ja schnuppe. Aber wenn es um hochpreisige Elektronik geht (ja, es gibt eine neue Kamera zu Weihnachten, eine hübschere, eine bessere, eine tollere), macht es da schonmal ein paar Hundert Euros aus.

Weil wir die letzte Lieferanschrift nicht weiter strapazieren, wir aber schon noch ein Weilchen in der Gegend bleiben möchten, suchen wir uns eine Alternative in der Region. Die Ecke ist nett, Santiago do Cacem ist ein hübsches Städtchen, und mit dem Ducato können wir nette Touren machen.
Und es gibt endlich mal wieder einen Aldi. Nach Monaten portugiesischer Küche (bis auf die Maultaschen-Orgie vor einigen Wochen) ist so eine Shoppingtour im Aldi relativ gefährlich. Vor allem zur Vorweihnachtszeit. Es gibt da ein paar böse Sachen: Fleischsalat, Heringe in Sahnesauce, und original Dresdner Christstollen. Leider keine Maultaschen.

Ansonsten, business as usual: Ein paar Projekte wollen diesen Monat noch abgearbeitet werden, und ich habe Unmengen neuer Artikelideen für crosli und portugalismo. Und ja, ein paar Verrückte sind auch dabei 😉

Korkeichenfotografie.

Ausflug nach Sines: es weihnachtet sehr.

Dass wir jetzt nicht so die größten Fans der Vorweihnachtszeit sind, kann man sich ja vielleicht denken. Tatsächlich haben wir einen Adventskalender. So ein tägliches Stück Schokolade kann aber auch nicht schaden. Und Andre ist ein sehr großer Fan von Christstollen. Da geht man schön sparsam bei Aldi einkaufen, und was liegt plötzlich im Einkaufswagen? Ein Hauch von original Dresdner Christstollen für satte sechs Euros. Ich glaub, ich geh künftig wieder alleine einkaufen.

Aber gut, es gibt einen traditionellen Weihnachtsmarkt in Sines, das sind nur 20 Minuten mit Ducatolein, fahren wir mal hin. Ist auch wirklich hübsch gemacht: Lichterdeko rund um die Gassen des Castelo. Viele kleine Stände, mit Kunsthandwerk, Produkten aus der Region, und vor allem Süßkram. Private Stände, teilweise sicher von Vereinen, mit selbst gebackenen Backwaren. Wir konnten uns einfach nicht entscheiden – und ohne irgendwas zu holen sind wir wieder raus. Gut, dass McDonalds noch ein McFlurry für uns da hatte …

Sonnenuntergang im Castelo.
Zuckerwatte – Süßkram gibt’s hier wirklich in allen Formen und Farben.
Kinderspaß auf dem Weihnachtsmarkt.
Auf dem Weihnachtsmarkt in Sines. Dem fällt die Kamera wohl eher nicht runter.

Santiago do Cacem

Unsere Aussicht: Blick auf das beleuchtete Santiago do Cacem

Hier war ich ja schon Mal – vor ziemlich genau zwei Jahren. Sogar öfters, denn mein Köterchen „durfte“ sich in der hier ansässigen Tierklinik unters Messer legen. Es ist ein netter Ort, der sogar einen kostenlosen Stellplatz (am Hallenbad, mit VE) hat. Wir stehen ja lieber etwas abseits, wissen diese Infrastruktur aber durchaus zu schätzen.

Und wollen nicht nur Nutznießen, sondern tun das, worauf die Finanziers dieser Infrastruktur setzten: wir geben im Ort unser Geld aus, gehen einkaufen und ins Restaurant essen. Das Porco Preto ist übrigens ausgezeichnet.

Allzu viel habe – zumindest ist – bis jetzt noch nicht von der Stadt gesehen. Denn das Wetter ist so … mittel. Es gibt graue Tage, in denen man lieber im warmen Wohnmobil bleibt. Das Schöne ist: du weißt ganz genau, das bleibt keine zwei Wochen / Monate so. Ein paar Tage, dann ist es wieder gut.

Unser hauseigener Wasserturm.
Das allerletzte Bild meiner Kamera, ehe sie das Zeitliche segnete. Miststück.

Ein Kommen und Gehen hier …

Hier oben auf unserem Hügel ist aber auch sonst gut was los. Immer wieder kommen ein paar Wohnmobile zu Besuch. Jetzt, da wir nicht mehr in der Pampa stehen und auch nicht mehr so geheimnistuerisch tun, was unseren Standort angeht, können wir großzügig einladen. Und so kommen ein paar alte / neue Bekannte vorbei.

Die einen rüsten sich für die nächsten Wintermonate mit einem faltbaren Solarmodul und fahren wieder, andere wollen nur kurz mal vorbeischauen und bleiben ein paar Tage. Wie Jakob, ein junger Programmierer, der in seinem Wohnmobil lebt und arbeitet, über die Tage mit uns bereits einen Blogpost geschrieben hat. Oder Mandy von Movin’n’Groovin, die auch einen Narren an Portugal gefressen hat. Ihr Hund Marco und unser Max mussten heute erstmal wie irre über den Parkplatz toben.

Nach den letzten Tagen, die man durchaus als regnerisch und nebelig bezeichnen kann, kommt so ein bisschen Action aber gerade richtig. Bis auf eine Einkaufstour im Ort und ein Restaurantbesuch waren das schon ziemlich graue Höhlentage.

Für die nächste Woche haben wir ein paar Ausflüge geplant, und es hat sich weiterer Besuch angemeldet. Der Himmel ist wieder blau, und von meinem Arbeitsplatz aus habe ich einen schönen Blick über die Stadt. Ich denke, wir werden es hier noch ein Weilchen aushalten. Und dann freue ich mich auf meine neue Reisekamera, die dann direkt mal intensivst erprobt werden soll. Am liebsten am Meer.

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Tanja Hier schreibt Tanja

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