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Wir sitzen im Norden von Marokko an einem ganz hübschen See, in schöner Landschaft, irgendwo zwischen Ceuta und Tetouan. Es gibt schlimmere Orte, an denen man sitzen könnte, weil eine Ausreise nach Spanien wegen dem Corona Virus derzeit unmöglich erscheint.

Die Ecke hier scheint für marokkanische Verhältnisse recht wohlhabend zu sein, und grün sowieso. Zistrosen Korkeichen, Buschwerk und Palmen, zwischendurch sogar mal grüne Wiesen – fast wie in Portugal. Aber nur fast.

So richtig glücklich bin ich nicht, denn wenn man nicht da ist, wo man gerne sein möchte, dann neigt man dazu, an dem Ort eher das Negative zu sehen. Ich sehe also sehr viel Müll. Manchmal frage ich mich, ob die Marokkaner ihre Natur so wenig zu schätzen wissen, dass sie alles mit Müll dekorieren müssen. Was ich nicht sehe, sind die Schildkröten, die laut den Nachbarn hier am Ufer rumdümpeln. Was dafür aber nicht zu überhören ist, sind die 1000 Frösche, die bei Sonnenuntergang loslegen und auch bestimmt bis 2 Uhr morgens einfach nicht aufhören.

Nach einer sehr quakigen Nacht wache ich also morgens halb verkatert auf. Und bekomme auf Facebook am Rande mit, dass die Grenze eventuell doch offen sein könnte – ein anderer Deutscher hat es wohl bis nach Ceuta rein, und dann auch auf die Fähre zum spanischen Festland geschafft. Mhm … Es ist echt nervig. Da sind wir 1000 Kilometer in den Norden gefahren, und nun sitzen wir hier, und können erst nicht nach Portugal. Oder doch?

Eher nicht - zumindest sagt einer es geht, und zehn andere sagen es geht nicht. Offizielle Informationen sind rar. Es heißt, dass die Grenze zu Ceuta nur für Spanier geöffnet ist, aber keiner weiß wie lang. Es heißt, dass die Fähren fahren, aber was wenn nicht? In Ceuta festsitzen will ja auch keiner. Ich frage bei FRS, dem Fähranbieter nach, und der sagt, dass die Grenze für alle geschlossen ist. Aber was wissen die eigentlich, und von wem? Und überhaupt, ist es eine gute Idee, jetzt nach Europa zu fahren, wo sich doch der Corona Virus gerade explosionsartig ausbreitet? Momentan zumindest ist es in Marokko besser. Aber wie sieht es in zwei Monaten aus?

Keiner weiß irgendwas, alle raten nur. Also höre ich auf mein Bauchgefühl. Das hat ohnehin Heimweh nach Portugal, Und so eine Coronazeit lässt sich vermutlich immer noch am besten am portugiesischen Stausee aushalten. Also beschließen wir, einfach mal nachzuschauen, ob die Grenze nach Ceuta wirklich so unpassierbar ist. Oder ob man nur den guten, alten Passagierschein A38 braucht 😉

Team Düdo rechnet ebenso wenig wie wir, dass sich da seit gestern was getan hat, und bleibt erst einmal am See stehen. Wir machen aus, dass wir uns dann vermutlich gegen Mittag in Tetouan im Supermarkt treffen – denn wir alle sind vorrätemäßig noch auf die Überfahrt nach Spanien eingestellt, die Kühlschränke sind leer. Auf der Fahrt nach Ceuta schaue ich bereits für den Rückweg nach Geldautomaten, einem schönen Strand usw. Wir überlegen uns, was wir alles brauchen für die nächsten Wochen, und schmieden Reisepläne für eine zweite Runde Marokko.

Hürde 1: Polizeiposten, der Erste

Schließlich kommen wir an dem Kreisverkehr mit der Polizeisperre an – hier sind wir gestern abgewiesen worden. Ich steige aus, und suche mir den Polizisten mit den meisten Orden auf der Uniform aus. Andre bleibt sitzen und fragt einen anderen Polizisten, wie es aussieht. Sein Polizist meint, dass kein Durchkommen ist. Mein Polizist meint, klar, kein Problem, wenn wir Europäer sind und ein Fährticket haben. Ich zeige es ihm, und wir fahren durch die erste Sperre.

Hürde 2: Polizeiposten, der Zweite

Und stehen am nächsten Kreisverkehr vor der zweiten Sperre. Hier gibt es gerade einen Menschenauflauf vor der Absperrung – und mehr Polizisten dahinter.

Ein paar Marokkaner werden emotional und plärren die Polizisten hinter der Absperrung an. Ein paar Spanier machen mit, und die Stimmung ist aufgeheizt. Das Problem ist wohl, dass hier Familien getrennt wurden, und dass einige von ihnen nach der Arbeit einfach wieder nach Hause gehen wollten. Aber sie lassen keine Marokkaner rein oder raus. Da kann ich die Aufregung verstehen, und wir halten erstmal die Füße still. Die Polizisten können uns gerade ohnehin nicht durchlassen, das würde wohl Tumulte geben. Erst, also ein Rudel französischer Wohnmobile daher fährt, kommt langsam Bewegung in die Geschichte. Sie lassen spanische Fußgänger durch, schaffen es irgendwie die Marokkaner zu beruhigen, die Menschenmenge vor uns löst sich auf und wir können durchfahren.

Hürde 3: Grenze Marokko - Spanien

So, nun die nächste Hürden: erst kommt die Ausreise aus Marokko, dann die Einreise nach Spanien. Ich weiß nicht mehr wie oft wir anhalten müssen, bestimmt fünfmal. Ausweise, Fahrzeuge, hier aufmachen, da reingucken, hier nochmal aufmachen, die Chips der Hunde auslesen, … Nur einmal wurde mir ganz anders: als sie die Heimtierausweise mitgenommen haben, und bestimmt zehn Minuten damit nicht mehr zurück gekommen sind. Wir haben die Titer Tests doch nicht korrekt eingetragen, ob das irgendwie stört? Ich mag solche Hängepartien nicht, nächstes Mal haben wir das ordentlich! Aber irgendwann sind sie mit allem durch und lassen uns nach Spanien reinfahren. Jetzt sind wir in Ceuta – und die nächste Hürde steht an: wir wollen auch wieder raus aus Ceuta!

Hürde 4: die falschen Tickets

Am Straßenrand sehe ich ein Büro von FRS, da halten wir doch direkt mal an. Haben wir doch Tickets für Tanger, und nicht für Ceuta. Gerade als ich den Laden betrete und mich nochmal nach Andre umschaue, der die Türen noch abschließt, sehe ich es: da krabbelt einer unterm Laster rum! Ich mache Andre darauf aufmerksam, der den Typen anschnauzt und damit auch verscheucht.

Fängt ja super an, in diesem Spanien. Habe ich schon erwähnt, dass Spanien sich immer wieder was Neues einfallen lässt, nur damit ich da nicht sein mag? Also weiter im Text, der Typ vom Fährbüro sagt, dass das alles klar geht mit den Tickets, wir sollen zum Hafen, das nächste Boot geht um 15 Uhr, also in anderthalb Stunden. Soweit, sogut.

Wir also zum Hafen, checken ein, warten als erste in der Reihe darauf, dass wir aufs Boot fahren können. Und beobachten dabei, wie ein paar Teenager sich über den hohen Zaun mit dem Stacheldraht hangeln.

Bald danach sind sie auch schon auf dem Weg zu den drei Lkws, die in der Reihe neben uns stehen. Sie wollen sich unter ihnen verstecken, tun es teilweise auch. Die Guardia Civil sieht sie, verscheucht sie halbherzig, fünf Minuten später sind sie wieder da. Gut, scheint hier wohl normal zu sein. Irgendwie albern, diese zigfachen Kontrollen bei Grenzübertritt … Aber immerhin checken sie die Fahrzeuge nochmals, vor allem die Kofferräume und bei uns auch unterm Lkw.

Hürde 5: Fährt die Fähre wirklich?

Wir sind dann irgendwann auch auf der Fähre und fahren über die Straße von Gibraltar rüber aufs spanische Festland.

Hürde 6: Der Kühlschrank ist leer!

Davor noch eine kleine „Zwischenhürde“: unser Kühlschrank ist leer, und wir wissen nicht, wie es gerade in Portugal aussieht. Also fahren wir einfach mal kurz zum nächstbesten Lidl. Der ist so halb geplündert. Alles, was man als Grundnahrungsmittel bezeichnen könnte, ist alle. Klopapier, Kartoffeln, Nudeln, Konserven, TK-Fertigessen …

Aber immerhin haben sie die guten Sachen liegen gelassen. So gibt es bei uns schicke bunte Tomaten, dazu Artischocken, Käse und Schinken. Das gibt die Tage ein paar neue Rezepte.

Hürde 7: Ab nach Portugal!

Wir machen uns auf die Autobahn, und auf dem schnellsten Weg nach Portugal. Denn die Gerüchteküche brodelt, und eine Grenzschließung zwischen Spanien und Portugal ist in den nächsten Tagen zumindest wahrscheinlich. Dann dürften wir als Deutsche zwar immer noch rauskommen, aber eventuell nicht mehr rein. Und so verrückt, wie das hier in Spanien derzeit ist, wäre ich in verrückten Zeiten doch lieber in Portugal.

Das Navi sagt was von einer Ankunft irgendwas um halb Neun abends. Wäre ja super, dann kann ich mal im portugiesischen Intermarché reinhüpfen. Wenn nicht, auch egal, hauptsache die Grenze ist noch offen. Das ist sie dann auch, es gibt lediglich eine Kontrolle der GNR. Die uns auch nur Fragen stellen, warum wir nach Portugal wollen, und für wie lange undsoweiter. Keine Ahnung, was das soll. Ich hätte Fragen wie "verspüren Sie neuerdings ein Kratzen im Hals" oder sowas irgendwie relevanter.

Aber alles ist gut, wir sind durch, und fahren erst einmal zum Intermarché, mal schauen, wie da die Versorgungslage ist. Aber das liest ihr dann im nächsten Blog. Die Marokko-Überwinterung erkläre ich hiermit für offiziell beendet. Ich bin gespannt, wie das Portugal-Übersommern werden wird. Mein Bauchgefühl ist wieder gut, wird schon werden 😊

Ach ja, wer hier nun unsere Mitreisenden, das Team Düdo vermisst haben sollte: sie haben es uns gleich getan, sind eine Stunde hinter uns - wir haben uns in Portugal wieder getroffen. Und ich glaube, sie sind auch der Meinung, hier kann man es aushalten 🙂

ERGÄNZUNG: Als wir durch sind, war die Grenze in Ceuta noch nicht offiziell offen. Inzwischen ist sie es, und es soll zeitweise echt viel los sein. Mir haben in den letzten beiden Tagen einige geschrieben, was mich schlussfolgern lässt:

  • Die Tickets aller Fährgesellschaften, die ab Tanger Med und Tanger Ville gelten, sind auch für Ceuta gültig, ohne Aufpreis.
  • Früh morgens ist weniger los, am Nachmittag sind die Schlangen wohl länger
  • Wer mit dem Lkw fährt, sollte auf unfreiwillige Passagiere achten. Und uns fehlt eine Außenleuchte, die muss uns irgendwo in Ceuta abhanden gekommen sein ...
  • Die aktuellen Gerüchte (vom 16.03.) sagen, dass eine Visumsverlängerung entweder 1. problemlos möglich ist oder 2. nicht notwendig ist oder 3. nicht möglich ist, weil man ja über Ceuta ausreisen kann und auch muss.
  • Weder Fährgesellschaft noch Botschaft haben uns wirklich weiter geholfen. Ich hatte alle möglichen Marokko-Gruppen auf Facebook abonniert, auch die Französischen. Und mir aus den Erfahrungen Einzelner versucht, ein Bild von der Situation zu verschaffen. Hat funktioniert.

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