Aus der Schlechtwetterzone rein in die Freistehhölle und raus aus der Matschewiese. Ausnahmensweise gibt es nach nur einer Woche wieder einen Reiseblogpost. Gewöhnt euch nicht dran! So viel Action brauch ich nämlich sonst nicht.


Tavira: hübsche Stadt mit schlechtem Wetter

Treue Blogleser mit halbwegs existierenden Langzeitgedächtnis wissen vielleicht noch, dass wir zuletzt in Tavira angekommen sind. Sicherlich ein hübsches Städtchen, aber davon bekommt man ja bei Wind und Regen eher nicht viel mit. Die ersten Tage sind wir auch dementsprechend nicht weit gekommen: Am Samstag lohnt ein Besuch der Markthalle, wobei diese bei Weitem nicht mit dem Samstagsmarkt in Loulé mithalten kann. Rundherum gibt es noch ein paar Geschäfte, wie ein kleiner Biomarkt unter deutscher Führung. Hinter unserem Platz beginnen die Salinen, und zwischen den Wasserbecken kann man schön mit den Hunden laufen – wenn es denn trocken ist. Bei Regen ist es eine schmierige Matschepampe.

Aber gut, nach ein paar Tagen klärt das Wetter endlich auf. Wir haben Besuch bekommen, Klaus hat hergefunden, und wir zeigen ihm die Fressmeile des hiesigen Einkaufszentrums. Ich habe keine Lust auf den zweiten Döner innerhalb von drei Tagen, habe dafür jetzt neue Ideen für ein neues Pasta-Rezept. Diese internationalen Garküchen in den Shoppingmalls sind einfach toll.

Dann passt das Wetter endlich, und wir schaffen es, Tavira zu besichtigen.

Ist wirklich ein nettes Städtchen. Durchaus touristisch, aber nicht aufdringlich.

Die Restaurants haben ihre Kellner draußen stehen, die einen aber nur nett anlächeln und nicht penetrant anquatschen, wie ich das beispielsweise in Albufeira erlebt habe. Die Touri-Läden haben nicht diesen üblichen Chinakram im Regal liegen, sondern größtenteils wirkliche Handwerkskunst.

Die hübschen Decken aus dem Alentejo, handbemalte Keramik, Seifen, und und und.

Dann gibt’s natürlich noch ein paar Sehenswürdigkeiten anzusehen. Alles haben wir nicht mitgenommen, denn teilweise ein paar Sachen waren wegen Mittagspause geschlossen. Das Castelo ist ganz reizend und bietet eine tolle Aussicht, und die Camera Obscura ist wirklich faszinierend.

Überall im Städtchen gibt es kleine Cafés und Restaurants, für portugiesische aber auch internationale Küche. Wir waren für den Mittagstisch beim Inder, das war sehr lecker. Aber genug von Tavira. Andre schreibt gerade seinen Artikel über Tavira auf portugalismo, und ich will ja nicht alles schon verraten …


Die Ostküste im Osten: Ach, wie schön! Ach du scheiße!

In Tavira stehen wir ja nur fast am Meer. Der Platz ist schön zentral, aber dafür eben nicht am Strand. Ich will mal wieder an einen so richtig schönen Strand, und so machen wir uns auf, weiter nach Osten. Hier habe ich noch nicht viel gesehen. Jetzt weiß ich auch wieder warum.

Erster Versuch: in der Nähe von Manta Rota. Unser auf Google Maps ausgesuchtes Plätzchen ist eingezäunt, und auf dem anderen Platz stehen sie in Reih und Glied. Ein wilder Platz, wo schon hundert Andere rumstehen? Ne, das muss nicht sein.

Zweiter Versuch: ein Strandparkplatz, nur wenige Kilometer weiter im Osten. Okay, dass der nicht ganz leer sein würde, das haben wir uns ja schon gedacht. Aber dass sie auch hier Arsch an Nase stehen, auf dem Parkplatz und am Weg, das ist wirklich schade. Richtig gruselig werden dann aber die ganzen anderen Eindrücke, die wir erhaschen durften, als wir langsam über den Platz fahren: Menschen, die in der Mittagszeit ihr Wohnmobil abziehen. Der Wäscheservice, der hier wohl einiges an Kundschaft hat. Neben Wohnmobilen deponierte Wasserflaschen. Leicht bekleidete Menschen auf ihren Campingstühlen – bei 15 Grad, wohlgemerkt. Andre fährt direkt vor mir, hält an, hebt fragend die Schultern, und ich nur so: „Gib Gas!“

Dritter Versuch: Cacela Velha – ein kleines Dörfchen, bestehend aus fünf Häusern, 3 Restaurants, Kirche, Castelo, Friedhof. Wir stehen nicht direkt am Meer, aber mit Meerblick. Und direkt am Wohnmobil geht ein netter Trampelpfad ab, der uns an den Strand führt. Passt.

Hier stellen wir uns auf die Wiese am Ortsrand und hoffen, dass die GNR gerade entspannt ist. Sieht gut aus, also geben wir Stefanie und Sebastian (@arbeitenunterwegs) Bescheid, denn sie wollen uns besuchen kommen.

Der Platz ist Okay, vielleicht ein bisschen zu umtriebig für meinen Geschmack: Alle halbe Stunde ein Reisebus, ein Dorfhund, ein Angler, ein Wohnmobil. Ist aber Okay. Gleich nebenan ist ein Tapas-Restaurante, dem wir am Abend einen Besuch abstatten. Und ein kleiner, fein angelegter Garten, mit allen möglichen Blumen und Kräutern der Algarve, den man schön in die Gassirunden zum Strand mit einbeziehen kann.

Der Strand selbst wäre bestimmt noch schöner, hätte es da nicht diese Kaktusfeigen-Kakteen. Die lilafarbenen Früchte haben total fiese Ministacheln, die Mensch kaum mehr aus dem Daumen rausbekommt. Und die Blätter haben total fiese Monsterstacheln, die sich sehr tief in die Hundepfote bohren können. Vermutlich durch den Sturm haben einige Kakteen den Abgang gemacht und liegen jetzt samt Stachelzeugs am Strand rum. Aber gut, Tizon kann das ab. Selbst, als er einen Monsterstachel in der Pfote stecken hat, rennt er noch über den Strand. Humpelnd, aber Hauptsache rennen. Muss höllisch weh tun, aber ein Indianer kennt keinen Schmerz! Ich war nur froh, dass ich das Ding im Format eines Zahnstochers an einem Stück rausbekommen habe.

Alt werden wir hier eher nicht. Das Wetter schlägt wieder um, und irgendwie haben wir schon keinen Bock mehr auf die Küste. Also verabschieden wir unsere Freunde nach Spanien und machen uns wieder auf den Weg ins Inland. Denn da hat es nicht nur weniger Wohnmobile, Touristen und Wind, sondern auch ein paar Grad mehr.


Wind und Matschepampe können wir!

Wir landen wieder in Sao Bras de Alportel. Nicht auf dem hübschen Plätzchen vom letzten Mal, sondern auf einem kleinen Hügel, ein Aussichtspunkt. Zu unseren Füßen die Stadt, am Horizont das Meer. Ich habe einen Ticken zu lange auf besseres Wetter gewartet um ein paar Fotos zu machen, es kam nicht mehr. Dafür ein schöner, konstanter Nieselregen. Wir haben das Wohnmobil hinter ein paar Bäumen, am Rande des Dreckplatzes geparkt. Damit wir einen Grünstreifen vor dem Wohnmobil haben, das bringt weniger Matschepampe ins Wohnmobil rein. Aber großartig raus wollen die Hunde ohnehin nicht, und so bleiben wir einfach drin.

So gegen 2 Uhr, die Hunde schnarchen schon längst einen weg, ist auch für uns Schlafenszeit. Und wie das eben so ist, genau jetzt geben die Windböen alles. Wir stehen nicht optimal, der Wind kommt von der Seite. Keine Chance, dass ich so schlafen kann. Also nötige ich Andre dazu, das Wohnmobil etwas zu drehen.

Zehn Minuten später: wir stecken fest. Andre versucht nochmal, uns rauszuschaukeln, am Ende stehen wir jetzt aber nicht wie geplant zwei Meter weiter hinten, sondern zwei Meter weiter vorne. Und nicht nur schief, sondern vor allem auch voll in den Bäumen drin. Jetzt kratzen die Äste in einer derart ekligen Frequenz am Alkoven, wie Fingernagel auf der Tafel. Natürlich am Kopfende.

Also Runde zwei: An Schlaf ist nicht zu denken, und während Andre so viel Luft wie möglich aus den Reifen lässt, suche ich was zum Unterlegen. Zwei alte Teppiche kommen hinter die Zwillingsreifen.

Noch während ich die Gegend nach ein paar Steinen abscanne, weil ich eigentlich nicht an den Erfolg dieser Maßnahme glaube, fährt Andre die Kiste aus dem Loch, einmal quer über den Matscheplatz, und erreicht den gepflasterten Parkplatz, auf dem Ducatolein steht. Was bin ich heute froh, dass wir den woanders geparkt haben …

Die Windböen sind immer noch sehr böig, und wir inzwischen ziemlich wach. Es ist 4 Uhr am frühen Morgen, und wir fahren den Hügel hinunter – direkt zum Intermarché. 24h-Waschmaschinen sind schon was Feines, vor allem wenn man gerade das halbe Wohnmobil eingesaut hat …

Es ist nach 5, als uns die Müdigkeit übermannt und wir ins Bettchen fallen. Die Nacht fällt wie erwartet kurz aus, denn der Intermarché öffnet um 9 Uhr seine Tore. Über den Parkplatz tönt das Kaufhausradio, zum Wachwerden erst einmal etwas Fado-Musik. Naja. Es ist Samstag, eine halbe Stunde später ist hier einiges los, also hole ich uns noch etwas Obst und ein Baguette zum Frühstück, dann geht es weiter.


Na so ein Zufall.

Es ist wirklich nicht das erste Mal: wir fahren von irgendwo aus los, bei Mistwetter. Auch heute, es windet und regnet zwischendurch. Doch kaum am Bambusbach angekommen, fällt auf: blauer Himmel, kein Wind, und ein paar Grad wärmer. Ist das Zufall? Subjektives Empfinden? Oder tatsächlich ein Mikroklima?

Also ja, wir sind wieder daheim. Nach anfänglichem Zögern stellen wir uns doch wieder auf unsere Wiese. Wohl wissend, dass wir uns unfassbar blamieren, würden wir von dieser nicht mehr runterkommen. Aber wir sind optimistisch, wie auch die Wettervorhersage. Wird schon werden. Bis jetzt ziehen vorbeikommende Wolken weiter. So ist’s brav.


Und sonst so?

Abgänge

Gogglosch, der Keramikgoggel aus Barcelos, hat den Kopf ab. Die N125 zwischen Tavira und Spanien ist in einem erbärmlichen Zustand. Oder um es anders zu sagen: Gogglosch hat gefühlte 100 Kilometer Waschbrettpiste überlebt – aber keine 20 Kilometer auf der N125. Sobald ich meinen Sekundenkleber finde, wird er repariert – und besser auf sein Regal geklebt.

Zwei Chinateppiche (=billige Flickenteppiche aus China) wanderten direkt nach der Matschepampeaktion in die bereitstehenden Tonnen. Mit dem ganzen Schlamm dran hat sich ihr Gewicht kurzmal verfünffacht. Jetzt steht also der Besuch eines Chinaladens auf der Todo-Liste.

Aussichten

Wir warten jetzt einfach mal den Frühling ab. Der wird ja nicht allzu lange auf sich warten lassen. Nicht, dass wir es eilig hätten hier fortzukommen. Schließlich sind wir in froher Erwartung eines Paketes, das allerdings bestimmt noch zwei Wochen auf sich warten lässt. Ja, alle paar Monate ein neues Spiel. Aber manche Sachen gibt es so einfach nicht in Portugal zu kaufen.

Der Wetterbericht

Ich habe die Rüsselseuche! Keine Ahnung, wann ich zuletzt einen Schnupfen habe. Seit Tagen hat er sich angekündigt, jetzt ist er da. Ich setze ganz auf Sonne und viel frische Luft um das Gelumpe wieder loszuwerden. Die Vorhersage ist mit mir.

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Tanja Hier schreibt Tanja

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