Nachdem wir den letzten Winter weitestgehend auf unserer Quinta Prazera verbracht haben, lockdownbedingt, war spätestens im Frühjahr klar: Die Freiheit, diese kältere Jahreszeit reisend zu verbringen, und längeren Kälteperioden davon zu fahren, die möchten wir nicht missen. Und so hoffen wir, dass wir kein Déjà-Vue erleben werden. Denn wie auch letztes Jahr um Weihnachten breitet sich eine neue Covid-Variante aus und so hoffen wir, dass diese Wintertour nicht wieder davon überschattet wird.


Castelo Branco

Die nächstgelegene Stadt ist Castelo Branco. Hier wollen wir erst einmal ein paar Erledigungen erledigen. Der erste obligatorische Halt ist das Einkaufszentrum. Hier gibt es eine neue Adresse in der Fressmeile, die möchte unbedingt ausprobiert werden.

Dann einmal alles durchwaschen, Handtücher, Bettwäsche, Decken … das geht am besten, wenn man alles in eine (oder zwei) 18kg-Waschmaschine stopft. Die findet man in Portugal an den größeren Supermärkten, so auch in Castelo Branco. Und so waschen und trocknen wir einen Abend lang alles, was nicht schon frisch gewaschen im Schrank liegt.

Währenddessen kümmert Andre sich um unser kleines Mitbringsel von der Quinta: offenbar haben wir uns beim Rausfahren ein Stück Zistrose in den Reifen gerammt. Na diese Wintertour fängt ja schonmal gut an.

Nach einer kleinen Shoppingtour am nächsten Morgen fahren wir zu unseren Freunden, den Campofanten. Nur, um später am Tag wieder zurück nach Castelo Branco zu fahren. Ein Restaurantbesuch steht mal wieder an, und heute gibt es mal etwas gehobenere portugiesische Küche.

Ziva gefällt es im Übrigen sehr auf dem Campo der Campos. Hat es hier doch jede Menge Katzen. Max gefällt es auch, hat es hier doch jede Menge Katzenfutternäpfe.


Lissabon

Der Zeitpunkt unserer Wintertour kommt nicht von ungefähr, denn ich habe einen Termin in Lissabon, muss noch vor Weihnachten etwas Papierkram abholen. Also fahren wir in einem Zug dorthin, sind ja nur 250km.

Mittagspause ist an einem altbekannten See im Alentejo, mit echt niedrigem Wasserstand.

Das Wasser ist Max aber eh schnuppe, er ist an was anderem interessiert: hier riecht es doch nach Brötchen!

In Lissabon parken wir wieder auf der Südseite des Tejo auf dem Parkplatz der Fähre. Man kann hier sogar auch am Strand stehen, aber uns sagt es mehr zu, den Laster auf dem zumindest tagsüber bewachten Parkplatz alleine zu lassen, während wir in der Stadt sind.

Die nette Dame im Kassenhäuschen erlaubt uns, hinten die Poller zu ziehen, damit wir mit dem Laster auch auf den Parkplatz kommen. Der ist nämlich etwas zu breit für die Schranken. Als wir drauf sind erklärt sie uns, dass man da aber nicht rausfahren darf. Wir erklären ihr, dass der Laster aber immer noch zu breit für die Schranke ist. Wir drehen uns kommunikativ also etwas im Kreis und beschließen einfach dann rauszufahren, wenn sie Feierabend gemacht hat. Problemchen gelöst.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir dann auch schon mittendrin. Und entdecken gleich die Schmankerl, wegen denen wir Lissabon so sehr mögen: Kreativität, an jeder zweiten Ecke.

Und der Sonnenuntergang hinterm Tejo, der ist natürlich immer sehenswert.

Jetzt wird es Zeit, wir haben Hunger und gehen mal wieder etwas essen. Und landen mal wieder im Timeout Market. Der Timeout Market ist nicht nur irgendeine Fressmeile: es ist die beste und vermutlich auch teuerste Fressmeile in ganz Portugal. Dann hier gibt es nicht nur irgendwelche Essensbuden oder die üblichen Fastfood-Ketten, das hier sind bessere Restaurants der Stadt, die hier eine Auswahl ihrer Karte anbieten. Von Burger über Asiatisch bis Fisch und hin zum Nachtisch, irgendwie sieht alles lecker aus. Hier könnte man sich eine Woche lang durchfuttern.

Und kaum ist man mit dem Nachtisch fertig und macht sich auf in die Stadt, schon sieht man überall noch mehr essen. Verdammt!

In Lissabon weihnachtet es sehr, und wir haben freilich die Kameras dabei. Also gibt es jetzt ein bisschen Weihnachtsflair.

Am Santa Luzia Aufzug gibt es einen neuen Bordalo:

Am Praca do Comercio gibt es einen begehbaren Weihnachtsbaum:

Richtig voll ist es in Lissabon übrigens nicht, kein Vergleich zu unseren letzten Besuchen.

Außer natürlich wenn es ums Shopping geht.

Und nochmal Lichtlein, hier das Rathaus:

Der zweite Tag in Lissabon beginnt erst mittags, und am Nachmittag ist das Pflichtprogramm, mein Papierkramabholtermin, ist erledigt. Wir haben die Zeit bis zum Termin auf dem Weihnachtsmarkt verbracht. Abends vielleicht echt eine witzige Veranstaltung, mittags aber eher traurig. Und der Hot Dog, den wir hier zum Frühstück hatten, war noch trauriger.

Aber hey, wer schon immer mal in Portugal Schlittschuhlaufen wollte, der findet hier sein Glück.

Wir setzen uns wieder in die nächste U-Bahn und machen uns zurück in die Altstadt.

Es geht bergab …

Und dann wieder bergauf …

Andre muss auch unbedingt mal so einen E-Roller ausprobieren. Ich halte die Dinger ja nicht für Lissabon geeignet. Zu eng, zu viele Straßenbahnschinen und Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher. Und zu steil, vor allem bergab …

Tag Drei in Lissabon: ich habe mir heute Nacht wohl einen Zug geholt. Die Schulter schmerzt, der Nacken lässt sich kaum bewegen. Und auch meine Schienbeine tun alle beide weh, was aber vermutlich an den ungewohnt vielen Treppen von gestern lag. Ich fühle mich wie 100. Also setze ich heute aus, so macht Sightseeing echt kein Spaß. Andre fährt gegen Mittag alleine rüber in die Stadt, er hat versprochen für einen Freund eine Pfanne abzuholen. Eine sehr spezielle Pfanne, die die nächsten Stunden unbezahlbar werden sollte. Sie kostete am Ende nämlich ungefähr 5 Stunden, 6€ Rollermiete, eine 20€ Taxifahrt und ein Tagesticket der U-Bahn. Gut, man hätte die sicher auch schneller und günstiger abholen können, aber so ist immerhin er heute gut in Lissabon rumgekommen …

Da es mir an Tag Vier nicht wirklich besser geht, verschieben wir weitere Ausflüge in die Stadt auf ein nächstes Mal. Und fahren erstmal weiter.


Costa do Lavos

Unser Ziel liegt etwas nördlicher, am Meer. In Costa do Lavos gibt es einen der wenigen offiziellen Wohnmobilstellplätze direkt am Meer, am Rand eines Örtchens. Hier treffen wir auf Team Mausebein und Team Maudolf.

Das Wetter ist etwas unfreundlich, und angesichts meiner multiplen Muskelschmerzen verbringe ich die meiste Zeit im Wohnmobil. Zwischendurch gehen wir mal Essen oder an den Strand. Ziva findet es hier ganz interessant, wohnen wir doch direkt neben einer Katzenkolonie – und laufen hier doch ungefähr ein Dutzend Hunde frei rum. Nein, keine Streuner, sie gehören ins Dorf und drehen hier einfach ihre Runden. Kommen sie auf ihrem Weg an Ziva vorbei, werden sie halt abgeknutscht. Mir gefällt der Platz nicht ganz so sehr, denn die Hunde und Katzen im Auge zu behalten ist ein bisschen anstrengend. Nachts haben sie das Flutlicht an, zwischendurch rast ein Autos an den Wohnmobilen vorbei, das Meer ist laut und auch das Wetter nicht wirklich auf meiner Seite. Aber die Gesellschaft ist gut, und so halten wir es ein paar Tage aus, ehe es weiter geht.

Auch hier gibt es freilich wieder was zu futtern. Carne Alentejana heißt das Allerlei, mit Schweinefleisch und Muscheln.


Weihnachten am Meer

Weihnachten am Meer ist bei uns ja schon eine Weihnachtstradition, und wenn man nur wenige Traditionen hat, dann sollte man die ja auch pflegen. Und so bleiben wir am Meer. Ein Strandparkplatz, den wir schon kennen und schätzen. Bisher waren wir hier immer nur im Sommer, da ist ein klein wenig mehr los. Aber nicht allzu viel mehr, denn er ist schon recht abgelegen und die Anfahrt ist eine ziemliche Katastrophe.

Zusammen mit Freunden verbringen wir hier die Weihnachtsfeiertage, inklusive täglichem Ausflug zum Strand und allabendlicher Runde mit alkoholischen Getränken. Was man halt so macht.

Also gibt es jetzt ein paar weihnachtlich-winterliche Strand- und Hundbilder:


Silvester am Fluss

Was wir aber hauptsächlich machen, ist arbeiten. Weihnachten hin oder her, im neuen Jahr und wenn die offiziellen Betriebsferien ein Ende haben, muss der neue Shop von Amumot online gehen. Also sitzen wir den Großteil des Tages am Computer und haken einen Punkt nach dem nächsten ab. Kommen aber nicht ganz so voran wie wir wollen. Und so machen wir uns noch vor Silvester auf, ziehen ein Stück weiter, an einen ruhigen Ort. Ohne tösendes Wellenrauschen, Quads und Jeeps, ohne die Verlockungen des Sandstrands. Eine Woche 15 Stunden am Computer, und schon ist wieder Land in Sicht.

Die Rasenmäher halten unseren Vorgarten schön kurz.

Die Kehrseite ist: der Platz ist echt langweilig, und das Wetter ist auch nicht so dolle. Mir steckt die hohe Luftfeuchtigkeit und das ständige Starren auf den Computerbildschirm in den Knochen, ich laufe schon wieder rum wie eine 80jährige. Also zurück an den Strand.


Zurück am Meer

Wir haben eine Plan A, und einen Plan B. Plan A scheitert am Grünzeugs – das nicht mehr da wäre, würden wir die sandige Piste durchfahren. Wir lassen das bleiben, drehen um und versuchen uns an Plan B. Eine Piste mit weniger Sand und mehr Schlaglöchern, und an deren Ende ein schöner Strandparkplatz, wie für uns gemacht. Hier stehen wir ein paar Tage, und bis auf ein paar Tagesgäste, die kommen und auch wieder gehen, haben wir den Strand ganz für uns alleine.

Der Shop geht online, und nach zwei Tagen Rumzickerei läuft er auch ganz gut an. Gottseidank, fast ein Jahr lang haben wir darauf hingearbeitet, jetzt hab ich aber auch echt keinen Bock mehr. Zu bewundern ist das Ergebnis übrigens hier: www.amumot-shop.de

Bis auf ein paar kleinere Runden am Strand, die primär der Auslastung des Junghundes dienen, haben wir dieser Tage jetzt keinen allzu gesunden Lebenswandel. Das Essen ist nun zwar wieder selbst gekocht, allerdings mehr SoulFood als SuperFood. Ich stelle vor: das vermutlich ungesündeste Mittagessen, das man sich bauen kann: Süßkartoffelpommes, überbacken mit Raclette-Käse und Röstzwiebeln obendrauf.

Röstzwiebeln, das muss irgendein Trend sein, den ich verpasst habe? Man bekommt sie inzwischen überall, und auch überall drauf – sogar aufs Sushi. Gut, dem Trend mag ich mich verweigern, und so habe ich bei unserem letzten Besuch im Aldi eine riesige Dose Röstzwiebeln gekauft. Mal schauen, wo man das sonst noch so draufmachen kann.


Gen Süden – aber langsam, bitte!

Noch einmal wollen wir ans Meer, auf unseren absoluten Top-Platz, ein Stückchen weiter im Süden. Also erst eine Runde Entsorgen, Wasser tanken, Gas tanken, Einkaufen. Dann noch ein paar Kilometer, und überlegen, ob wir erst Luft rauslassen, bevor wir rechts abbiegen auf die Sandpiste, …. Verdammt. Wir sehen es noch von der geteerten Straße aus, dass Forstarbeiter genau da, wo wir rein wollen, am Arbeiten sind. Mit schwerem Gerät und offiziellem ICNF-Fahrzeug mit dabei. ICNF, das ist die Umwelt-Landschafts-Irgendwas-Behörde, also was Offizielles. Und wenn die da tote Bäume umschupsen, da können und wollen wir uns mit dem Laster ja nicht zwischendurch schlängeln. Also einfach ein Stück weiter und die übernächste rechts ab, und so landen wir auf einem Strandparkplatz. Den kennen wir schon, und hier ist es auch schon, also bleiben wir.

Am nächsten Tag kommt unser Besuch, Team Roberto. Manche mögen sich noch an ihn erinnern, er ist uns 2019 wochenlang beim Innenausbau von Eiwola zur Hand gegangen. Jetzt wurde es ihm in Deutschland etwas zu frisch, und ist kurzerhand nach Portugal gefahren. Er wird uns die nächsten Tage etwas begleiten.

Ich habe inzwischen übrigens ein neues Betätigungsfeld gefunden: mein Buch Portugal Roadtrip braucht ein großes Update. Eine Woche habe ich dafür eingeplant, mal schauen was draus wird.


Tomar

Erst einmal ist es vorbei mit den Strandtagen, wir fahren ins Inland. Und zwar nach Tomar. Die Portugiesen hatten nach Neujahr noch eine Woche Ferien / Homeoffice, und so hatte in dieser Zeit vermutlich alles zu. Nun aber sollte wieder alles offen haben, uns so fahren wir etwas zum Sightseeing. Wir wollen zum „Convento do Cristo“, eine Templerburg, wohl die größte, zumindest in Portugal.

Auf dem Weg nach Tomar sehen wir dieses Schätzchen am Straßenrand. Heute nicht, aber Batalha steht ab sofort auf der Liste!

Wir checken auf dem ehemaligen Campingplatz ein, der zum kostenlosen Stellplatz umfunktioniert wurde. Hier ist ein bisschen was los, der Platz ist vielleicht halb voll und ich nehme zur Kenntnis, dass darunter ungewöhnlich viele Portugiesen sind. Die stehen hier wohl für das Wochenende – denn am Sonntag sind sie weg. Müssen Montag wohl arbeiten.

Bevor sie aber wegfahren halten sie auf halbem Wege an, lassen den Motor laufen und schleichen um den Laster rum, mit der Kamera in der Hand. Ist manchmal ja schon witzig. Wir gehen jetzt zum Gegenangriff über und machen Gegenfotografie.

Da hier eh keine Ruhe ist können wir auch Krach machen. Mit „wir“ meine ich natürlich nicht mich, sondern Andre und Roberto. Dessen Wohnmobil hat die Bremse fest oder sowas, und weil es sich mit Bremsen einfach besser fährt, richten das die Herren kurzerhand auf dem Platze.

Wir stehen übrigens direkt am gestauten Fluss, und das Wasserrad hier läuft sogar noch. Zumindest meistens.

Wir bleiben auch über das Wochenende und gehen Samstagabend erstmal was essen. Das Restaurante ist ausgezeichnet, wir sind mehr als satt.

Am nächsten Morgen geht es dann zum Convento. Nicht zu früh, denn es gibt gerade eine Kältewelle, und die macht den frühen Morgen zu einer frostigen Angelegenheit. Also wird es eher Mittag, bis wir in der Altstadt sind und erstmal einen Bäcker suchen, für ein ungesundes Frühstück. Zumindest wage ich nicht zu behaupten, dass ein Croissant mit Zitronenfüllung und Schokoküsse zum Nachtisch ein allzu gesundes Frühstück darstellen. Das kann man sich nicht schön reden, gibt aber Energie um den Hügel raufzulaufen – denn natürlich liegt das Convento auf dem Berg. Dass sie sowas aber auch nie ins Tal bauen …

Die Templerburg ist einen Besuch wert, definitiv. Hier mal ein paar Bilder.

Wir beginnen mit dem Eingangsbereich. Hier erstmal ein paar Bilder knipsen und sich vom Aufstieg erholen. Man kann übrigens auch hochfahren.

So sieht die Hütte also von Nahem aus.

Diese rot blühenden Aloe Pflanzen, die stehen schon auf der Wunschliste für die Quinta Prazera. Die blühen hier gerade überall, das sieht fein aus.

Die Hauptkirche. Ich habe keine Ahnung wie die von innen aussieht, denn unser Rundgang hat uns wohl zielgerichtet überall hin geführt, aber nicht da rein.

Dafür haben wir die Kapelle gesehen, das Herzstück und angeblich dem Tempel Salomon in Jerusalem nachempfunden.

Es gibt aber auch ein paar kleine und feine Ecken, wie diese stille Treppe.

Zurück am Wohnmobil warten wir auf die Abendessenszeit, denn das Frühstück ist längst verdaut, und uns knurrt der Magen. Blöd ist nur: es ist Sonntagabend, und da klappen sie in Portugal die Bürgersteige hoch, sobald die Sonne untergeht. So hat keines der auserwählten Restaurants geöffnet und wir nehmen das einzige, das offen hat. Und bekommen auch gutes Essen. Die Herren Fleisch, ich Meeresfrüchte.

Zum Nachtisch noch ein Bola Bolacha, der zu ungefähr 90% aus Zucker besteht. Ich packe ihn mir ein, das wird ein Powerfrühstück! Nicht, dass der Blutzuckerspiegel allzu weit absinkt …


Am Tejo

Nach laut und trubelig brauchen wir leise. Und leise war es in Tomar nicht unbedingt. Das Wohnen neben einem Fußballstadion wäre jetzt eher nichts führ mich … Leise geht es aber am Rio Tejo zu. Wir fahren ein bekanntes Plätzchen nahe Santarém an. Da Team Roberto nicht wirklich offroadgängig ist, parken wir heute aber nicht auf der Sandbank ein, sondern haben festen Boden unter den Füßen. Und obwohl der Tejo gezeitenabhängig ist, also immer wieder auch Meerwasser flussaufwärts fließt wenn gerade Flut ist, haben wir nachts und morgens Frost. Aber zum Glück halten solche Kältewellen ja nie lange an, und in ein paar Tagen wird sie wieder so gehen, wie sie gekommen ist.

Ich mache mich an die Arbeit, das Buch möchte die Tage fertig werden. Andre holt das Motorkamel aus der Garage, Roberto holt sein Moped aus der Garage, und die beiden fahren erstmal zum Einkaufen in die Stadt. Baumarkt und so, Männersachen halt. Währenddessen saugt der Bauer den Acker nebenan. Okay, er saugt ihn nicht wirklich, aber genauso hört es sich an. Ich glaube er pflanzt Mais. Von morgens bis abends, so schön leise hier!!!

Nach zwei Nächten geht es weiter. Heute ist Kleinstadt angesagt:


Coruche

Coruche ist ein schönes Städtchen in einer schönen Landschaft. Sie haben auf ihrem Marktplatz einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz eingerichtet. Hier war ich schon ein paar Male, und jedes Mal fast alleine. Doch dieses Mal ist irgendwas anders … Der Platz ist zu zwei Drittel voll, und einige Wohnmobile sehen aus, als würden sie hier schon länger stehen. Mir dämmert schnell, woran das liegen kann. Es ist der kostenlose Strom.

Ich lasse mir diesen Platz gefallen, für ein bis zwei Nächte. Die Stadt angucken, einkaufen, das Wasser und den Stromanschluss direkt am Platze, auch ganz nett. Aber ansonsten ist der Platz laut, weil die Lkws zahlreiche daran vorbeidonnern. Er ist nachts hell erleuchtet, der Wahnsinn. Und warum man innerhalb eines Zauns leben möchte, ich weiß es nicht. Aber soll ja jeder so machen wie er möchte, mein Ding ist das nicht. Wir machen das beste draus und nachdem ich heute gleich zweimal im benachbarten Lidl einkaufen war gehen wir am Abend im benachbarten Restaurant essen. Dass Andre mal vorschlägt, in einem echten Fischrestaurant essen zu gehen, wer hätte das gedacht! Aber er hat Glück, und es gibt Thunfisch. Also ein Fisch, bei dem er sich sicher sein kann, dass er keine Gräten hat.

Ich nehme die Dorade, auch sehr lecker.

Und der Nachtisch sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel wieder schön voll aufgefüllt ist. Yeah! Wenn wir so weitermachen, haben wir nächste Woche Diabetes oder sowas.

Am nächsten Morgen geht es also weiter. Wir verabschieden uns von Roberto, der an die Algarve will. Wir wollen mehr in den Osten als in den Süden, und wir wollen ein paar neue Plätze erkunden, da kommt sein Ducato leider nicht hin …


Almendres

Wir haben ein altes Kloster gefunden, das angeblich eingewachsen im Wald darauf wartet von uns fotografiert zu werden. Das steuern wir an. Und dann fahren wir daran vorbei. Denn wir befinden uns auf einer Piste, links und rechts hat es Zaun. Alles ist eingezäunt, damit die lieben Weidetiere nicht abhanden kommen. Kein Weg führt zu dem Kloster, oder was auch immer davon übrig sein mag. Auch die alte Kirche ein Stück die Piste weiter ist nicht zugänglich, da ist ein Tor vor. Alles sieht irgendwie privat aus, und so lassen wir das, fahren wieder zurück zur Hauptstraße.

Und besuchen dafür die Almendres. Das sind uralte Hinkelsteine, angeblich 1000 Jahre älter als die von Stonehenge. Also genauer gesagt ist es ein „Cromlech“, ein dreiphasiger, steinzeitlicher Steinkreis. Also große Steine, die nicht zufällig so aufgestellt wurden, die absichtlich in einem Oval (mehr oder weniger) stehen. Und das seit sehr, sehr langer Zeit.

Kaum auf dem Parkplatz vor dem Cromlech angekommen und gerade am Frühstücken, kommt ein Allradlaster mit deutscher Besatzung daher. Und schon sind wir drin in der Allrad-Laster-Reise-Hunde-Fachsimpelei. Zwischendurch ein paar Bilder von den alten Steinen machen und zwanzig Mal nach unseren umtrieben Hunden rufen, die heute wohl definitiv noch nicht genug Bewebung hatten, und schon geht es wieder weiter. Denn erstens steht an dem Parkplatz ausdrücklich, dass man hier nicht nächtigen darf, und zweitens ist es hier eh zu unruhig, denn wir sind heute nicht die einzigen, die sich die alten Steine angucken möchten.

So landen wir kurz vor Sonnenuntergang an einem nahe gelegenen See. Ach, ich glaube hier bleiben wir eine Nacht oder auch eine zweite.

Viel Leute kommen hier nicht vorbei. Ein paar Angler, ein paar Gassirundendreher, ein paar GNRler. GNR? Uuuh, Polizei. Beim zweiten Mal sind sie so nah am Laster vorbei gefahren, dass ich dachte jetzt kann ich schonmal zusammen packen. Aber sie wollten nur gucken. Also gut, wir bleiben noch eine Nacht.

Morgens in die Puschen zu kommen ist gerade ohnehin nicht leicht, denn eine Kältewelle rauscht über die Iberische Halbinsel. Man merkt es auch an den Hunden, die bekommt man vor 10 Uhr morgens nicht aus dem Haus.

Zum Glück ist das nicht mein Arbeitsplatz! Ich brauche gerade in den ersten Stunden des Tages ein bisschen mehr Privatsphäre …


See. Großer See. Alqueva

Wir stöbern auf Google Maps rum, auf der Suche nach dem nächsten schönen Platz. Wir wollen an den See, und da bietet sich das Alqueva an, denn das ist nicht nur der größte See in Portugal, sondern auch der volumenmäßig größte Stausee in Mittel- und Westeuropa. Über 1.000 Kilometer Ufer, da müsste sich doch was finden lassen, oder?

Wir werden bei Google fündig, und machen los. In Evora gehen wir nochmal einkaufen, entsorgen und Wasser tanken – wer weiß, wie lange wir da am See stehen möchten. Wenn wir denn da überhaupt hinkommen.

Der Weg dorthin führt uns durch das malerische Alentejo mit richtig feinen Korkeichenwäldern. Unterwegs treffen wir auf erste blühende Mandelbäume und kleine Dörfer, wie hier Monsaraz.

Wir versuchen unser Glück und nehmen die Piste zu unserem auserwählten Platz. Ja, ich sag es mal so: Ein Spiegel weniger. Die Brombeerhecke hat ihn gefressen. Und auch nicht mehr ausgespuckt, zumindest war unsere Suche eine Stunde später recht ergebnislos.

Ansonsten ging es. Und so parken wir an dem Lost Place ein, und richten uns hier für die nächsten Tage ein.

Zwischendurch was futtern, heute gibt es Lasagne:

Es ist ruhig, es gibt bestes Internet, und hier bekomme ich endlich auch mein Buch fertig, das man jetzt übrigens auch wieder bestellen kann: www.crosli.de/roadtrip-portugal

Obwohl, ganz ruhig ist es hier auch nicht: die Gänse unten am Ufer haben sich entweder ganz doll lieb oder auch nicht, es wird kräftig geschnattert. Und wir haben sie wieder an der Backe, eine Meise die eine Meise hat und wie blöd an unser Fenster pickt. Sie lässt sich nicht verscheuchen, kommt immer wieder. Und bringt sogar noch ihren Liebsten mit. Ist jetzt das zweite Mal, dass die Vögel uns anpicken wollen. Und wieder Meisen. Wir vermuten, dass es an den verspiegelten Fenster liegt. Muss ich jetzt Vogelaufkleber auf mein Schlafzimmerfenster kleben? Puh.

Also ich denke wir stehen hier noch ein, zwei Tage länger rum. Denn das Internet ist so irre gut, ein Träumchen. Kannste in Deutschland auch keinem erzählen. Stehst inmitten der Natur, am Ende der Welt, und das Mobilfunknetz ist besser als in so manch einer deutschen Großstadt.

Im Übrigen stehen wir hier zwischen Büschen, aus denen wilder grüner Spargel wächst – eine sehr stachelige Angelegenheit, die Ernte findet besser mit Schutzkleidung statt. Kettenhandschuh oder sowas. Ne, das lass ich. Mir wären ja die Früchte der Maulbeerbäume, unter denen wir stehen, lieber. Aber die sind erst im Spätsommer reif. Na, da müssen wir wohl nochmal her kommen.


So, das war es für heute. Wir haben eine schöne Portugal-Rundtour gemacht, von unserem Basislager nach Lissabon, die Küste hoch, über Land wieder nach Süden, einmal quer bis an den Alqueva. Die nächsten Tage müssen wir uns wohl entscheiden, wie es weiter geht: Andalusien? Algarve? Oder nichts von alledem?

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