Es ist 1:00 Uhr, nach portugiesischer Zeitrechnung, und ich kann nicht schlafen. Wir stehen auf dem Campingplatz in Lissabon. Ein guter Platz, und so verkehrsgünstig gelegen. Ich habe den Eindruck, dass die naheliegende Autobahn nachts gerne für Motorradrennen genutzt wird. Was tun, wenn man nicht schlafen kann? Kurz vor Mitternacht, erstmal eine Runde Gassi gehen, erledigt. Es halb eins, schauen wir doch mal ob die Duschen am Platz noch warmes Wasser hergeben. Glück gehabt. Und nun? Okay, schreiben wir doch einfach den nächsten Reiseblog. Der letzte ist zwar noch keine zwei Wochen her, aber was soll’s. Sind ja seither gut rumgekommen in Portugal.

Also, was schreiben wir Schönes? Klappern wir die einzelnen Stationen ab wo wir seit dem letzten Reiseblog waren? Moment, da muss ich selber erstmal auf Andre’s Blog nachschauen gehen. Andererseits … Ich kann ja einfach auf seinen Reiseblog verlinken, da stehen ja schon alle Fakten. Ich schau mal, was mir sonst noch so einfällt …

Das kommt mir bekannt vor …

torre-sierra-da-estrela

Als ich letztes Jahr in Portugal war, da war alles neu. Jeder Platz bekam eine eigene Beurteilung, von GEIL bis NÖ war alles vertreten. Dieses Jahr ist es ein wenig anders. Denn wir fahren fast die gleiche Route die ich letztes Jahr genommen habe: Runter von der Serra da Estrela, über Coimbra an den Atlantik. Dann den Atlantik entlang Richtung Süden, über die Estrada Atlantica, Peniche, Nazaré bis nach Lissabon.

Einige Plätze, die ich von meiner letzten Portugal-Rundreise noch in guter Erinnerung habe, steuern wir ganz bewusst an. Dazu gehört nicht nur der Platz oben auf der Serra da Estrela, auf etwa 1900 Metern Höhe. Sondern auch in Peniche den Klippenplatz – der inzwischen leider gesperrt ist. Halteverbotsschilder, die sich direkt an Wohnmobile richten, ohne Ende. Und am Praia de Sao Juliao, immer noch ein schöner Platz am schönen Strand. Wir erkunden aber auch ganz bewusst neue Plätze und Küstenabschnitte. Die Guten kommen auf die Liste für einen Wiederbesuch im nächsten Sommer.

So manche Déjà-Vues habe ich auch unterwegs, bei mancher Ortsdurchfahrt. Scheiße, ich hab ja immer noch die gleiche verrückte Navi-App.

Serra da Estrela und Estrada Atlantica: das merken wir uns

In Hinblick auf den nächsten Sommer haben wir schon jetzt ein paar nette Plätzchen in dem schönen Naturpark Serra da Estrela gefunden. Ein guter Ort zum Übersommern, wenn es anderswo in Portugal einfach zu heiß ist? Könnte gut sein. Infos dazu findest du in Andre seinem Blogartikel.

Ebenso zu unserer Atlantik-Strand-Hopping-Tour. Hier haben wir einige wirklich schöne Plätze gefunden die vermutlich auch im Sommer nicht allzu sehr überlaufen sein dürften.

Nazaré: Wellenaction

nazare-wellen-2016

Es sah lange nicht danach aus, aber irgendwie haben wir manchmal doch ein gutes Timing: Wir kommen nach Nazaré und prompt sind auch die ersten „Big Waves“ der Saison im Anmarsch. Ich bin schon enttäuscht, die Wellenvorhersage ist wenig spektakulär. Doch als immer mehr Surfbusse am Praia do Norte eintrudeln wird langsam klar, es muss was kommen. Also einfach mal nach einem anderen Vorhersagetool googeln, und sehe da: 9-Meter-Wellen soll es geben. Also bleiben wir noch eine zweite Nacht – und werden nicht enttäuscht. Es sind jetzt nicht die Monsterwellen, aber durchaus beeindruckend große Exemplare. Und eine Handvoll Surfer, die diese Wellen auch reiten.

Tolle Fotos davon habe ich leider nicht wirklich. Es ist mal wieder typisch Tanja: der Akku von der großen Kamera ist schon seit zwei Wochen leer, und hat sich irgendwie auch nicht wieder von alleine aufgeladen. Der Handyakku war wenigstens ein Drittel voll, was natürlich nicht gereicht hat für die wirklich tollen Szenen, die erst später stattfanden. Aber eigentlich finde ich das auch gar nicht so schade. Manche Ereignisse sind noch beeindruckender, sieht man sie nicht nur durch die Kameralinse. Immer wartend darauf, den richtigen Moment zu erwischen. Dafür hier mal ein Video von Andre:

Andre’s privater Wohnmobilservice

Erst einen Franzosen mit seinem Mietwomo aus dem Sand ziehen, das hat uns eine Tüte voller Leckereien eingebracht: als Dankeschön gab es Pasteis de Nata, getrocknete Feigen und Datteln. Dann einem Engländer einen Wasserhahnadapter ausleihen. Er hat ihn wieder zurück gebracht, dazu gleich noch drei Schachteln Kekse. Dabei waren wir heute ja in Lissabon, es gab schon lecker Eis und Burger King, ach ja, und Feigen und Datteln als Zwischensnack. Wenn Andre noch mehr in außerplanmäßigen Wohnmobilservice macht ist es mit dem Diabetes nicht mehr weit her. Vielleicht sollten wir mal die aktuelle Einkaufsliste an die Womotüre hängen. Milch und Hundefutter bräuchten wir gerade.

Peniche: Please don’t stop and go

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Andre und ich waren beide schon in Peniche, auf dem gleichen schönen Freistehplätzchen auf den Klippen. Ich erst vor 11 Monaten. Doch heute wurden wir enttäuscht. Die Menge an den frisch aufgestellten „Absolutes Halteverbot für Wohnmobile“ – Schildern ist schon beeindruckend. Und eindeutig: hier will man uns wohl nicht haben. Nun könnten wir auf den neuen Wohnmobilstellplatz in die Stadt fahren. Verspüren dazu jedoch keine große Lust. Denn die Bilder im Internet lassen erahnen, dass hier reines Betondekor zu erwarten ist. Und das ist jetzt nicht unbedingt unsere Art zu nächtigen. Schade eigentlich, Peniche können wir künftig wohl von der Liste streichen. Also machen wir noch eine kleine Rundfahrt um die Halbinsel. Um dann weiter zu fahren, auf einen Parkplatz am Ende des langen Strandes, der südlich an Peniche anschließt.

Kulinarische Freuden – aber nicht für jeden

Ich mag Fisch und Meeresfrüchte. Und in Portugal ist das ja wirklich ein Träumchen: tausend Sorten Fisch, Muscheln und Langustinos gibt es hier zu kaufen. Andre mag Fisch ja nicht so. Ich denke wir einigen uns künftig darauf, dass er eine Bratwurst bekommt wenn ich mal wieder Bock auf Fisch habe.

Einig hingegen sind wir uns bei den Esskastanien. Wobei an der Zubereitung noch etwas gefeilt werden darf damit die Schale besser abgeht. Mal geht’s gut, mal ist es ein Gefummel. Lecker sind sie aber auf jeden Fall, und wunderbar satt machen sie auch. Gibt es jetzt also öfters, denn Esskastanien haben gerade Saison.

Auch sonst freuen wir uns über die gute Qualität der Lebensmittel hier in Portugal. Die Bananen aus Madeira sind doch ein anderes Kaliber. Paprika wird deutlicher reifer geerntet, kein Vergleich zu dem was es in Deutschland zu kaufen gibt. Ein Kilo Esskastanien kosten 5€, das sind zwei Abendessen. Das Kilo Kakifrüchte gibt es für 2-3€. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Ein halber Tag in Lissabon – diese Stadt braucht mehr meiner Zeit

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Okay, ich habe es mir ja bereits gedacht, Lissabon ist ziemlich groß. Definitiv zu groß für nur einen Nachmittag. Insbesondere dann, wenn man relativ viel Zeit damit verbringt irgendwas Spezielles zu suchen, oder auch mal in den falschen Bus einsteigt.

Wir checken gegen 11 Uhr auf dem Campingplatz in Lissabon ein. Positiv überrascht sind wir von den Preisen: wer keinen Strom braucht kann sich 14,50€ (1 Womo, 1 Erwachsener, 1 Hund) ein Plätzchen aussuchen.

Recht zeitig machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Es fährt zwar ein Bus quasi direkt am Campingplatz ab, wir aber nehmen das Taxi. Das ist für 3 Personen kaum teurer, bringt uns dafür aber recht fix in zentrale Lage. Dort holen wir uns ein 24h-Ticket zum Bus und Bähnchen fahren.

Aber erst einmal latschen wir einfach los, rein in die Fußgängerzone. Das Frühstück steht noch aus, und es ist schon Mittag. Ich liebäugele mit den Süßkrambäckereien, doch plötzlich stehen wir vor einer Eisdiele. Schicksal, weibliche Intuition? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall kann ich sagen: ich hatte heute das beste Eis aller Zeiten.

So gestärkt schlendern wir weiter, Richtung Meer. Auf dem Weg dorthin gibt es viel zu sehen und zu kaufen. Bestimmt fünf Typen wollten uns was zu rauchen verkaufen. Also eigentlich nur dem Andre, muss wohl an der Hippie-Frisur liegen 😉

Wir steigen in eine der kleinen Bahnen ein, denn es soll bergauf gehen. Das tut es, und so eine Bahnfahrt ist schon ein Erlebnis. Dazu ein Video:

Nachdem wir uns oben einen schönen Ausblick auf die Stadt verschafft haben (oder auf einen Teil davon) soll es wieder runter gehen. Da sind wir erstmal in einen falschen Bus eingestiegen, irgendwie fuhr der in eine andere Richtung. Was am Ende aber OK war, denn so haben wir zu Fuß das Viertel Alfama erkunden dürfen. Hier gibt es die berühmten Fado-Restaurants. Fado, das ist portugiesische Folklore, emotional vorgetragene Musik, meist recht wehmütig. Ob sie mir gefällt, das kann ich nicht so genau sagen – man müsste hier mal am Abend herkommen und das Ganze live erleben.

Nachdem wir also zurück zum Zentrum gelaufen sind steigen wir wieder in eine Bahn. Sie fährt uns auf den Hügel auf der anderen Seite. Käffchen trinken, entspannt den Straßenmusikern zuhören, dann etwas bummeln gehen. Zwischendurch aber noch ein Pflichttermin: wir suchen einen MEO-Shop auf. Was mitten in Lissabon keine gute Idee ist, denn der Laden ist voll. Wir verbringen Zeit mit warten, nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Aber Okay, es ist ohnehin schon spät, und so machen wir uns nach einem mittelmäßigen kulinarischen Erlebnis bei Burger King auf dem Weg zum Taxistand.

Mein Fazit: Lissabon ist eine sehr interessante Stadt. Lebendig, international, vielfältig. Hier könnte ich Stunden im Cafe sitzen und einfach Leute und Szenen beobachten. Straßenmusiker, Studenten, Geschäftsleute, Touristen, verrückte Autofahrer … Wir haben nur einen Bruchteil von Lissabon gesehen. Hier eine tolle Aussicht, da eine Kirche, dann die irren Straßenbahnen. Eigentlich sollten wir noch ein paar Tage bleiben, auch das Nachtleben der Stadt erkunden. Einerseits hätte ich da Bock drauf. Aber wir fahren Morgen weiter. Wir sind viel rumgekommen die letzten Wochen, jetzt brauchen wir erst einmal eine Pause. Aber Lissabon wird mich wiedersehen, da bin ich mir sicher.

Nachtruhe im Wohnmobil: irgendwas ist immer…

Ich hätte mir doch was zu rauchen andrehen lassen sollen. Damit schläft es sich wenigstens gut. Also wir haben in letzter Zeit irgendwie Pech, um unsere Nachtruhe ist es nicht gut bestellt. Zumindest nicht um meine. Einmal wache ich nachts auf, weil wir zu nahe am Strand stehen. Die Flut kommt nachts um halb drei und macht einen riesen Lärm. Dann wieder stehen wir irgendwo am Ortsrand an einem ruhigen Platz. Um halb sechs am Morgen geht irgendwo eine Alarmanlage los. Und dann nochmal, und nochmal, und nochmal … In Nazaré sind wir direkt am Praia do Norte gestanden, und irgendwie war da auch nachts recht viel Verkehr. Heute der Campingplatz nahe der Autobahn – schlafen ist nicht. Ach ja, inzwischen ist es 2:30 Uhr. Mein Bedarf an ein paar Tagen absoluter Ruhe ist derzeit enorm. Deshalb geht es morgen früh (also nachher, Abfahrt ist um 10 Uhr) an ein garantiert ruhiges Plätzchen.


Noch ein paar Bildchen:

Auch Max und Tizon haben den Strand vermisst ...

Auch Max und Tizon haben den Strand vermisst …

Wellentouristik in Nazaré am Leuchtturm.

Wellentouristik in Nazaré am Leuchtturm.

Wir warten auf die großen Wellen.

Wir warten auf die großen Wellen.

Klettersteig in Peniche, direkt ins Meer? Heute nicht ...

Klettersteig in Peniche, direkt ins Meer? Heute nicht …

Max bringt sich vor dem Wasser in Sicherheit.

Max bringt sich vor dem Wasser in Sicherheit.

Heute Morgen noch am Strand ...

Heute Morgen noch am Strand …

Verdammt leckeres Eis in Blümchenform serviert.

Verdammt leckeres Eis in Blümchenform serviert.

Hauswand-Art in Lissabon

Hauswand-Art in Lissabon

Nein, meine Herren, die Dame ist nicht das Highlight auf dem Foto.

Nein, meine Herren, die Dame ist nicht das Highlight auf dem Foto.

Aussicht auf Lissabon

Aussicht auf Lissabon

Kein echter Reiseblog – dafür Monsterwellen, Lissabon, …
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