N2 Roadtrip: eine Kaffeefahrt mit der Elektrokutsche (Teil 1)
Die N2 (Estrada Nacional 2) führt einmal durch Portugal, von Nord nach Süd, von Chaves nach Faro. Über 700km mitten durchs Land, und erst am Ziel bekommt man auch das Meer zu Gesicht. Die N2 ist quasi die Route66 von Portugal. Wer das Land wirklich kennenlernen möchte, sollte sie fahren. Und wird ein ganz anderes Portugal entdecken. Eines, abseits von dicht bevölkerten Großstädten und Küstenregionen. Eines, ohne zu viele Touristen. Ein Portugal mit vielen Gesichtern. Und sehr vielen Kaffeestopps, wenn man denn möchte.
Ehe wir beginnen ein paar ganz kurze Fakten, für Liebhaber von Fakten:
- Die N2 ist 739km lang.
- Die N2 startet in Chaves (Nordportugal, und endet in Faro (Südküste, Algarve).
- Die N2 besteht offiziel seit Mai 1945, hat also 81 Jahre aufm Buckel
- Die N2 geht durch 11 Distrikte, 35 Gemeinden (pro Gemeinde ein Stempel), passiert 11 Gebirgszüge, trifft auf 13 Flüsse.
- Die N2
Die Anreise: Von Fundão übern Douro nach Mirandela
Die Anreise gestaltet sich für uns praktischerweise recht entspannt – wohnen wir doch mittig in Portugal, und so haben wir es nicht weit bis Chaves – vielleicht einen halben Fahrtag. Wir packen am Morgen das Auto, machen Haus und Grundstück fit für alle möglichen Wetterlagen, wie sie die nächsten 10 Tage auftreten könnten: 35 Grad, Starkregen und Windböen – möge an Herbstwetter kommen was wolle, uns juckt es nicht.
Ehe wir abfahren, machen wir aus unserer neuen Elektrokutsche (KGM Musso EV 4×4) ein adäquates Campingfahrzeug: Eine Clesana (verschweißt Sachen in Tüten) anstelle eines Sitzes der Rückbank, eine große Kühlbox für die Ladefläche. Alles andere haben wir eigentlich schon: wir nehmen einfach unsere Bikepacking-Ausrüstung mit. Somit wäre unser Grundstück weitaus wetterfester als wir es mit unserem Campingsetup sind. Aber, wir setzen einfach mal auf gutes Wetter. Und notfalls mieten wir uns wo ein.
Eines sei langjährigen, erstaunten Bloglesern gleich von Beginn an gesagt: Ja, wir planen auf Campingplätzen zu übernachten. Ich weiß, das kommt bei uns als notorischen Freistehern überraschend. Aber Zelt und Wildcampen, das geht mit dem Fahrrad oder als Wanderer einigermaßen gut, mit dem Auto ist das Verstecken eher schwieriger. Und die Polizei mag das mit der Zelterei irgendwie nicht so gerne. Und ich mag heiße Duschen, vor allem nach einer kühlen Nacht auf der halb gemütlichen Isomatte. Sobald wir also eine Campingbox auf dem Pickup haben, werden wir vermutlich wieder deutlich mehr freistehen.
Tatsächlich kommen wir noch vor Mittag los. Es geht nach Norden, unser Tagesziel heißt Mirandela. Man soll es ja langsam angehen.
Wir meiden die Autobahn, fahren über 3 Millionen Kurven zum Douro. Dort eine Pause, für uns und die Hunde. Ein Praia Fluvial am Fluss, wo wir die Hunde springen lassen können. Max staubsaugt den Parkplatz, Ziva geht fischen, wir machen uns einen Kaffee.
In Mirandela waren wir schonmal, vor ein paar Jahren. Das Städtchen hat uns damals schon nicht wirklich vom Hocker gehauen. Heute legen wir einen Lade- und Eisstopp am McDonalds ein. Und fahren dann auch direkt auf den Campingplatz nördlich.
Das Learning dieses Aufenthalts: In Nordportugal kann es nachts echt kalt werden, auch wenn es tagsüber über 35 Grad hat. Also mein Schlafsack ist definitiv zu dünn, und auch den Hunden war kalt. Die Nacht war also denkbar kurz, unruhig und frostig. Die Autobahn erwacht um 5 Uhr morgens zum Leben, die Vogelwelt nur ein bisschen später. So unausgeschlafen es nur geht, wird man schnell wach, begibt man sich zur Morgendusche: das Badezimmer des Campingplatzes ist doch sehr speziell.
Aber immerhin ist die Dusche heiß. Eigentlich hatte ich ja die Idee, am Vormittag noch ein paar Runden zu schwimmen. Doch friert es mich alleine an den Gedanken daran, also lass ich es bleiben.
Die Fakten zur Anreise
Strecke: Fundão – Vila Nova de Foz Côa – Mirandela
Gefahren: 215 Kilometer, gut drei Stunden reine Fahrzeit
Übernachtet: Parque de Campismo Três Rios Maravilha, 5370-342 Mirandela (41.50663, -7.19680)
Der Platz: Städtisch, geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober. Freibad, Flussstrand, Tennisplatz, Bungalows. 3km ins Zentrum.
Gekostet: ca. 13 Euro
Von Mirandela nach Chaves
Bis in die Stadt rein ist es quasi nur noch einen Katzensprung. Wir müssen an einen Kreisverkehr, auf dessen Mitte ein Betonpoller den Start der N2 markiert. Doch ehe wir unseren N2 Roadtrip offiziell starten, noch ein kleiner Shopping-Zwischenstopp: Decathlon. Die Hunde bekommen einen eigenen Schlafsack, und eine Isomatte. Viel hilft viel, und frierende Hunde im Zelt werden echt aufdringlich. Einer nach dem anderen versucht, bei uns in den Schlafsack zu kriechen. Dabei stolpert die eine über den anderen, liegt sich aus Versehen auf die Andere drauf, dann knurrt und quietscht es, sowas halt. 10 Euro in einen einfachen Schlafsack zu investieren, das erscheint ein gutes Investment.
In Chaves gibt es den Kilometerstein „Kilometer 0“, auf einem Kreisverkehr. Dazu gibt es eine Kneipe namens „Kilometer Zero“.
Hier bekommt man ein Stempelbuch, inklusive ersten Stempel.
Im nun folgenden Reiseverlauf kann man nun versuchen das Stempelbuch vollzumachen. Entlang der N2 gibt es viele Städtchen, und noch mehr Stempelstellen. Tourismusbüro, Tankstelle, Kneipe, Feuerwehr, Polizei … Die Auswahl ist groß. Und die Anzahl der Stempelstellen ebenso. Ich erkläre an dieser Stelle vorsorglich Andre als Stempelverantwortlichen. Bin gespannt, wie lange er durchhält, oder ab wann es die ersten Lücken gibt.
Hier bekommen wir auch den ersten Kaffee unserer Tour. Und da ich nicht vorhabe auf diesem Roadtrip viel zu kochen, und da es hier und da einen Stempel in Cafés gibt, denke ich mir schon: das wird eine erstklassige Kaffeefahrt. Denn wenn die Portugiesen was können, dann ist es Kaffee.
Ehe es weiter geht, noch eine Touri-Münze aus dem Automaten. Sie wird vermutlich in wenigen Wochen in irgendeiner Schublade verschwinden, da sie noch nichtmal in den Einkaufswagen passt, aber was soll’s.
Wir drehen noch eine kleine Runde durchs Dorf. Chaves liegt schön am Rio Tamega. Und was wir hier sehen, soll sich in den kommenden Tagen als ein Highlight der N2 entpuppen: Lost Places. Alte Häuser, teilweise sogar kleine Paläste, halbe Dörfer oder verlassene Fabriken, die heute zerfallen. Daneben neuere Bauten, mal hübsch, mal mit dem Charme des osteuropäischen Plattenbaus. So schön ich Portugal immer noch finde, so schade ist es doch, dass so manche Schätze zerfallen.
Was übrigens auch immer ein Blick wert ist, sind die Parks in den Städten. Die sind eigentlich immer hübsch, und ein Ruhepol. Oft auch mit einem Café, mit Sitzgelegenheiten, Spielplatz, Trinkbrunnen, andere Brunnen usw. Ich mag die Parks.
Am Kreisverkehr beginnt also die N2. Diese kann man mit dem Wohnmobil, Auto, Motorrad oder Fahrrad fahren. Wobei ich mir das mit dem Radl nochmal überlegen würde. Andre hatte dies ja erst vor. Aber, die Straße hat so seine Höhenmeter, und ist teilweise schon viel befahren. Aber nur auf einzelnen Abschnitten. Oft haben sie eine größere IP oder IC oder Autobahn parallel gebaut, und auf der N2 tummelt sich nur noch etwas einheimischer Verkehr.
Wir fahren heute nur ein kurzes Stück – wir wollen uns ja nicht überfordern – und landen südlich von Chaves auf einem grünen Campingplatz.
Das Freibad daneben hat schon Sommerpause. Wenn das im Hochsommer offen hat, könnte es auch auf dem Campingplatz etwas lauter sein. So aber ist alles recht gemächlich. Ein paar ältere Dauercamper, die beschlossen haben ohne Hörgerät das Fernsehprogramm zu konsumieren. Ein paar Kinder, ein Kommen und Gehen, normales Campingplatztreiben also.
Wer ein bisschen an Flora und Fauna Interesse findet, dem fallen sofort die vielen verschiedenen Baumarten auf. Und das noch mehr, dreht man eine Gassirunde in den benachbarten zoologischen Park. Dort hat man sich wohl zur Aufgabe gemacht, eine möglichst große Vielfalt an Büschen und Bäumen anzupflanzen. Es gab hier wohl auch einen kleinen Tierpark, aber die meisten Tiere sind ausgezogen. Nur ein paar Pfauen und Ziegen sind noch da. Alles andere ist eher ein Lost Place.
Ziva fand nicht nur die neugierigen Ziegen etwas gruselig, sondern auch diese Wespen und Fliegen, die allzu aufdringlich waren. Während sie die letzten zwei Tage ihren übern Tag angestauten Energieüberschuss am Stoffhasen auslassen musste, verzieht sie sich heute ins Auto, um dem nervigen Fliegvieh zu entkommen. Was freilich nicht klappt.
Die Fakten zum Tag
Datum: Dienstag, 22. September 2026
Strecke: Mirandela – Chaves
Gefahren: 57 Kilometer
Übernachtet: Parque de Campismo Quinta do Rebentão, 5400-764 São Pedro de Agostém (41.70099, -7.50178)
Der Platz: Camping Municipal, ganzjährig geöffnet. Pool, Restaurant, WLAN, Spielplatz, Servicestation für Wohnmobile und ein biologischer Garten (Eher ein Lostplace mit ein paar Ziegen und Pfauen, die da noch wohnen). 7 Kilometer ins Zentrum
Gekostet: 11,40 Euro
Tag 1: Von Chaves über Vila Real nach Lamego
Der erste Kaffee des Tages kommt aus dem Auto. Am Morgen ist wieder recht klamm und kalt. Also packen wir die Hunde ins Auto, uns dazu, drehen die Heizung auf und machen erstmal den Laptop an. Erst nachdem die Sonne rumkommt, wärmt sich alles auf und wir bauen das Zelt ab.
Die heutige Fahrt beginnen wir quasi im zweiten Anlauf – erstmal muss ein ordentlicher Kaffeestopp her. Der Kaffee ist super, mehr Mokka als Espresso. Stark genug, um die komplette Tüte Zucker darin zu versenken. Also gibt es zum Frühstück keinen Süßkram, möge er noch so verlockend aus der Theke nach einem rufen. Mit ein paar Brötchen machen wir uns auf den Weg.
Wir halten an den ersten Stempelstationen, wie „Pedras Salgadas“.
Ich stelle fest: wenn wir überall wo es die nächsten Tage einen Stempel gibt auch was Lokales kaufen, dann sind wir nächste Woche pleite. Hier gibt es beispielsweise Honig. Verlockend, aber heute nicht. Im kleinen Supermarkt nebenan kaufen wir Joghurt und Klopapier, das muss für heute reichen.
Wir wollen ja eher gemütlich vorankommen.
Aber auch mal abbiegen.
So auch geschehen, wir finden einen „Fojo do Lobo“. Irgendwo am Ende einer wirklich schlechten Piste. Ein Fojo do Lobo ist im Prinzip eine Mauer, drei Meter hoch.
Unten gibt es ein Loch in der Mauer, da tut man das Opferlamm rein. Oben kommt der angelockte Wolf in die Falle. Er futtert das Schäflein, und findet dann nicht mehr raus. So die Idee. Vermutlich hat das auch funktioniert, denn es gibt einige dieser Wolfsfallen in Portugal. Und die baut man ja nicht auf gut Glück. So drei Meter hohe Steinemauern sind schon etwas aufwändiger zu errichten.
Zugegeben, fotografisch macht die Falle nicht viel her. Aber für ein späteres Frühstück auf offener Pickup-Ladefläche reicht es allemal, und auch unsere Miniwölfe bekommen ihre Ration.
Dann gehts auch schon weiter.
Den nächsten Stempel kann man sich in Vila Real abholen.
Das Stempelbüchlein nennt pro Ort meist mehrere mögliche Stationen. Andre will mal bei den Bombeiros vorbei schauen. Was eine abenteuerliche Rundfahrt durch die Altstadt mit sich bringt. Andre fährt also, ich schau mir nur die Schilder an: „Rechts abbiegen verboten“, „Das ist aber ne Einbahnstraße“, „Achtung, die Oma“, sowas.
Während ich im Halteverbot das Auto bewache geht Andre zur Feuerwache, für den Stempel. Kommt aber irgendwie ohne zurück, die hatten wohl Mittagspause. Diese zweistündige Mittagspause in Portugal, sie erwischt uns immer wieder. Gut, dass wir nicht in Spanien wohnen. Eine fünfstündige Mittagspause würde uns fertig machen.
Also fahren wir erstmal ein Stück weiter. Denn Vila Real hat eine fesche Schlucht. In die man auch hinab steigen kann. Am Eingang ein Schild, mit ein paar Infos zum ältesten hydroelektrischen Kraftwerk.
Und einem Hundeverbotsschild. Ja gut, wir haben ja nur einen kleinen Hund mit dabei, der Alte chillt in der frischen Brise der Klimaanlage. Also ignorieren wir das Schild. Ist ja Nebensaison, und Ziva braucht dringend etwas Auslauf. Es geht steil den Berg runter, da kommt nach 100 Metern das zweite Hundeverbotsschild. Da ich echt keine Lust habe da bis ganz nach unten zu steigen um dann kurz vor dem Ziel an einem Aufseher zu scheitern, drehe ich um. Und Andre geht alleine runter.
Während ich also nun beiden Hunden oben am Auto die besten Büsche der Gegend zeige, stellt Andre unten in der Schlucht fest: Es ist immer noch Mittagspause. Das Museum hat zu, und das Bähnchen, das den steilen Rückweg erleichtern soll, hat auch Pause.
Hähähä.
Spoiler: irgendjemand wird morgen Muskelkater haben. Ich bin es nicht, denn ich wusste schon nach den ersten paar Stufen, dass die mich killen, muss ich die wieder zurück. Es ist erstaunlich, wie man ausgerechnet in Portugal so hohe Stufen bauen kann. Wo der Durchschnittsportugiese doch nur geschätzte 1,50m lang ist.
Aber, man muss sagen, volle Punktzahl für Industriehistorie, Naturerlebnis und Aussicht. Auch die Büsche waren super.
Wir holen uns den Stempel an einer Tankstelle und erleichtern diese um ein Eis am Stiel, das da wohl schon länger in der Truhe lag. Gleichzeitig stellen wir fest: dieses Vila Real ist eine interessante Stadt. Mit sehr interessanten Gebäuden, die genau nach unserem morbiden Geschmack sind. Lost Places und Straßenmalerei wohin das Auge blickt. Enge Gassen, große Kirchen und Parks mittendrin – so liebe ich das.
Hier müssen wir nochmal hin. Und ich meine, ich war hier schonmal, vor fast 11 Jahren, in meinen allerersten Wochen in Portugal, für eine Nacht auf dem städtischen Campingplatz. Habe ihn als durchaus etwas runtergekommen in Erinnerung. Passt dann wohl zum Rest der Stadt.
Heute aber geht es über den Douro. Wer es noch nicht weiß: gerade der mittlere Teil des Douro ist DAS Weinanbaugebiet von Portugal. Er fließt in Porto ins Meer, und die Weine hier sind der Grundstock für den berühmten Portwein. Ich persönlich finde ja, dass es in Portugal bessere Weine gibt. Aber gut, Geschmäcker sind verschieden. Schön ist es hier allemal.
Wir holen uns in einem kleinen Besucher-Infopoint einen weiteren Stempel ab.
Und fahren weiter in Richtung Douro.
Den wir in Peso da Régua auch überqueren. Dieses Städtchen ist einerseits bei Wohnmobilfahrern bekannt, denn hier kann man quasi unter der Brücke schlafen. Heißt, es gibt einen Stellplatz direkt am Fluss.
Ansonsten sind wir hier aber recht schnell wieder weg, denn die Reisebusse voller Touristen laden uns nicht zum Bleiben ein. Und da es auf dem Parkplatz heute Mittag locker über 30 Grad hat und der Teer brennt, können wir die Hunde auch nicht aus dem Auto lassen. Wir suchen uns was Grüneres.
Wir steuern unser heutiges Ziel an, Lamego. Auch eine schöne Stadt, die wir bereits vor einigen Jahren besucht haben. Daher wissen wir: hier gibt es ein Restaurant mit richtig leckerer Francesinha. Also checken wir erstmal auf dem Campingplatz ein.
Mit 30€ der teuerste Platz bisher, auch der erste privat betriebene Camping. Der richtig schön angelegt ist. Wir schlagen unser Zelt unter einem Feigenbaum auf. Dessen Feigen auch gerade reif sind, das Frühstück ist also gesichert.
Gegen Abend füllt sich der befestigte Platz mit Wohnmobilen. Die stehen hier eher enger, mehr wie auf einem Stellplatz. Das ist sicherlich dem Gelände geschuldet, alles liegt am Hang und ist etwas kompakter. Für ein oder zwei Nächte und einen Besuch in der Stadt ist das fein. Eines muss man den Betreibern lassen: ich habe noch nie so saubere Sanitärräume gesehen.
Strom brauchen wir auf den Campingplätzen übrigens eher nicht. Kühlbox, Kaffeemaschine, Induktionskochplatte und auch die Powerstation werden bei Bedarf vom Vehicle-To-Load der grünen Elektrokutsche gespeist. Strom von der Ladestation ist deutlich billiger als-wie Strom vom Campingplatz.
Wir fahren in die Stadt, und stehen überpünktlich zur Restaurantöffnung auf der Matte. Haben so noch etwas Zeit, die Highlights der Nachbarschaft des Restaurants Jardim da Zita zu fotografieren.
Deutsche Überpünktlichkeit ist eine bewährte Strategie, möchte man ohne Reservierung in einem guten und beliebten Lokal speisen. Wir bekommen eine sehr leckere Francesinha aufgetischt.
Und eine so große Portion, dass ich nicht aufgegessen habe, und Andre hat sogar den Nachtisch verweigert. Das ist in zehn Jahren vielleicht zweimal vorgekommen.
Wir wissen bereits, dass sich ein abendlicher Rundgang durch die Stadt lohnen würde. Aber auch ein Schnaps würde uns jetzt gut tun, trotzdem lassen wir es bleiben. Denn die Hunde warten im Auto auf uns, und so verlagern wir den Verdauungsspaziergang auf einen Rundgang durch die Büsche.
Die Fakten zum Tag
Datum: Mittwoch, 23. September 2026
Strecke: Chaves – Vidago – Vila Pouca de Aguiar – Vila Real – Peso da Régua – Lamego, durchgehend auf der N2
Gefahren: 107 Kilometer, nicht einmal zwei Stunden reine Fahrzeit – mit allen Stopps wurden knapp sieben daraus
Auf der N2: Kilometer 0 bis 100. Der Stein mit der 100 steht am Ortsausgang von Sande, kurz vor Lamego
Übernachtet: Camping Lamego, Lugar da Raposeira, 5100-057 Lamego (41.09040, -7.82146)
Der Platz: Privat geführt, liegt auf 605 Metern direkt an der N2, zwischen den Caves da Raposeira und dem Santuário Nossa Senhora dos Remédios. Klein, sehr sauber, am Hang terrassiert. 2,7 Kilometer ins Zentrum
Gekostet: 30 Euro. Mit Camper lohnt die Reservierung.
Tag 2: Von Lamego über Castro Daire nach Vouzela
Bom dia und guten Morgen! Die Nacht war nicht ganz so frisch, und die Hundemeute fühlt sich eh pudelwohl.
Wir beginnen den Tag mit einem Käffchen am platzeigenen Kiosk. Packen unsere Sachen und Hunde in den Pickup, und machen uns auf den Weg zum touristisch-religiösen Highlight von Lamego: dem Zuhause der hiesigen Nossa Senhora. Sie hat hier eine große Kirche, erreichbar über viele, viele Treppenstufen, oder per Reisebus. Wir fahren mit dem Auto an den obersten Punkt. Und zwar, um uns Portugals allerältesten Kastanienbaum anzusehen.
Wer in Biologie nicht gerade Kreide holen war, der sieht direkt: der Baum hat ne Perücke auf! Die Kastanie steht vermutlich nur noch da rum weil sie noch nicht umgefallen ist, und alles Grüne ist eher ein Efeu. Tststs. Aber immerhin, der Efeubaum scheint regelmäßig beim Friseur zu sein.
Wie gesagt, es gibt Treppen, die sind nachts auch fesch beleuchtet. Auf den einzelnen Etagen gibt es auch Nebenschauplätze. Hier ein Kiosk, da eine Quelle, oder eine Grotte, sowas.
Doch jetzt erstmal raus aus der Stadt. Was gar nicht so einfach ist, denn nachdem wir unseren Stempel im Tourismusbüro abgeholt haben, müssen wir einmal komplett durch, und offenbar ist heute Markttag. So fahren wir dank diverser Umleitungen eine Extrarunde, bis wir wieder auf die N2 kommen.
Die N2 schlängelt sich durch wunderbare Natur.
Wir legen ein spätes Frühstück am Praia Fluvial von Castro Daire ein. Also ein Flussbadestrand, der jetzt aber nicht mehr bewirtschaftet ist, denn es ist schon Ende September. Und spätestens wenn Mitte September die Schule wieder anfängt, sind diese Badestrände recht verwaist, auch wenn es noch 30 Grad hat. Das Wasser ist freilich eisig kalt.
Castro Daire ist auch einen Besuch wert. Wir waren hier schonmal. So steht im Dorfpark beispielsweise eine alte Dampflok aus Ostdeutschland. Es hat typisch portugiesischer Städtebau: Ein Haus bricht bald zusammen, direkt daneben ein Neubau mit moderner Glasfront, das nächste Haus wieder total marode, usw.
Südlich von Castro Daire verlassen wir dann nochmal die N2, für eine „Baloico“. Also eine Schaukel.
Ich weiß nicht, ob das nur in Portugal so ein Ding ist, aber in den letzten Jahren wurden überall, wo es auch nur einen Hauch Aussicht gibt, Schaukeln installiert. Teilweise von Privatleuten, Vereinen, Gemeinden oder Tourismusverbänden. Man findet sie überall auf Google Maps. Diese Schaukel hier hat noch einiges Drumherum, eine kleine OpenAir-Kunstausstellung mit Baggersee.
Für den nächsten Stempel müssen wir die N2 etwas verlassen, es geht nach „São Pedro do Sul“.
Irgendwie liegen nicht alle Stempelorte direkt an der N2. Man fragt sich, wie das kommt. Hat der Tourismusbeauftragte, der die Stempelstellen zusammengetragen hat, nicht zufällig einen Schwager in São Pedro do Sul? Egal, so gibt es wenigstens mal wieder alte Feuerwehrautos zu sehen.
Und zugegeben, das Städtchen hat schon ein paar schöne Ecken. Kommt man sonst ja auch nicht eher vorbei, wäre der Schwager nicht gewesen.
Und wir wollten eh in die Ecke, denn der Rio Vouga ist ein sehr schöner Fluss, und die Gemeinde von Vouzela betreibt einen gleichnamigen Campingplatz. Es ist ziemlich heiß, und wir haben die kühne Idee, den Nachmittag einfach am Pool zu verbringen.
Vorher geht es noch hoch auf den Hügel, da hat jemand eine Kapelle hoch oben auf den Stein gebaut. Solche Zwischenziele nutzen wir gerne, damit wir uns die Beine zwischendurch vertreten können. Und die Hunde wollen ja auch was erleben.
Wir checken also auf dem Campingplatz ein, bauen das Zelt auf. Es ist richtig warm heute, und so verlässt Max das Auto gar nicht erst, er chillt bei exakt 23,5 Grad einfach drin. Das Ding ist: eigentlich bin ich absolut kein Fan von Klimaanlagen. Aber will ich wirklich ausprobieren, wie die kurzzeitige Lebenserwartung eines 18jährigen Hundes ist, muss er den portugiesischen Sommer ohne Klima durchstehen? Na ich weiß nicht.
Gerade wollen wir uns fertig machen für den Pool, und auch Ziva in die Klimakutsche packen, da klingelt das Telefon. Der Nachbar ruft an.
„Bei Euch brennt es“. Nein, was??? Er revidiert aber gleich: „Sieht aus als kommt es von eurer Nachbarin“. Wir sofort an die Überwachungskamera, und sehen es auch direkt: eine schwarze Rauchwolke.
Als der Nachbar noch von einer Explosion erzählt, war mir klar: das muss der Van der Nachbarin sein, das passt auch von der Richtung. Oh je. Ich rufe die nächste Nachbarin an, die mir den Ort des Feuers bestätigt, aber auch nicht mehr weiß. In der Kamera sehen wir schon den Helikopter ankommen.
Für mich war direkt klar: wir müssen nach Hause fahren. Auch wenn inzwischen zwei Helikopter im Minutentakt tausende Liter Wasser abwerfen, und laut App 14 Fahrzeuge im Einsatz sind – wer möchte sich schon drauf verlassen, dass nichts mehr aufflammt? So viel kann ich doch gar nicht rauchen, dass ich da eine geruhsame Nacht auf dem Campingplatz hätte.
Also unterbrechen wir unsere N2 Tour. Schmeißen alles auf die Ladefläche, und reiten die nächsten zwei Stunden per Autobahn nach Hause.
Als wir ankommen rückt alles, was Blaulicht hat, gerade ab.
Und wir schauen uns die Misere an:
Ich sag’s mal so: Es ist echt dumm gelaufen, hätte aber noch dümmer laufen können. Mal wieder gibt es das Glück der Dummen, und das Glück der Tüchtigen. Heute hat es den Van und etwas Grünzeugs der Nachbarin erwischt. Wäre der Wind anders gestanden, hätte der benachbarte Schafsbauer kein großes Wasserreservoir, hätten wir im Frühjahr nicht einige Mimosen weggebaggert …
Die Fakten zum Tag
Datum: Donnerstag, 24. September 2026
Strecke: Lamego – Lalim – Castro Daire – São Pedro do Sul – Vouzela
Gefahren: 70 Kilometer, gut eine Stunde reine Fahrzeit
Auf der N2: bis etwa zehn Kilometer hinter Castro Daire, das liegt bei Kilometerstein 132. Danach quer rüber nach São Pedro do Sul
Angesteuert: Parque de Campismo de Vouzela, Monte do Castelo (40.71772, -8.09291)
Der Platz: Städtisch, vier Sterne, auf 468 Metern am Hang der Serra do Caramulo. Drei Becken mit Aufsicht in der Badesaison, Restaurant, Café, Minimarkt, Tennis, Volleyball, Fahrradverleih, Waschküche.
Gekostet: nichts – nach einer Stunde ging es wieder nach Hause. Regulär wären ca. 20 Euro fällig gewesen
Und dann: 173 Kilometer Heimfahrt nach Fundão, abends um 18 Uhr waren wir da
Aber gut, hier sind wir nun, und das ist auch gut so, weil jemand muss aufpassen, dass das Feuer aus bleibt. Danach haben wir demnächst einen Zahnarzttermin. Und einen Werkstatttermin. Hach ja.
Fortsetzung folgt.
Max ist schon bereit.
Zusatz: Ein paar Worte zur Elektrokutsche
Erfahrene Leser können es sich bereits denken: technische Feinheiten zum fahrbaren Untersatz wird es in Kürze bei Andre auf dem Blog zu lesen geben. Ladestropps, Verbrauch, Alltagstauglichkeit, Offroadtauglichkeit, sowas halt. Ein paar Worte möchte ich darüber auch verlieren.
Der Musso ist ein vollelektrischer Pickup mit Allrad. Er kam in Südkorea auf die Welt und wurde diesen Sommer nach Portugal verschifft. Gäbe es einen Elektro-Van mit Allrad auf dem Markt, wir hätten ihn vermutlich schon längst gekauft. Da uns aber ein Pickup grundsätzlich mindestens so gut in den Alltag passt, und der Musso preislich auch recht attraktiv ist, BINGO. Haben wir mal wieder ein Auto ohne Probefahrt gekauft. Kommt vor.
Für uns ist der Musso super: er ist nicht so bullig wie andere Pickups. Er hat einige elektronische Assistenten, aber nicht so viele. Was nervt kann man abschalten, das andere Zeugs ist halbwegs sinnvoll. Die Klimaanlage stellt einen bedeutenden Zugewinn an Lebensqualität für uns da: Shoppingtouren, Restaurantbesuche und Sightseeing, ohne dem Seniorköter zu viel zuzumuten. Die Hunde chillen bei 23 Grad im Auto dank Standklimatisierung, einfach herrlich. Zuhause laden wir die Elektrokutsche über Nacht mit selbst geklöppeltem Solarstrom auf, unterwegs meist an Ladestationen an Supermärkten, während wir im Restaurant sitzen usw. Auf dem Campingplatz oder beim wilden Campieren nutzen wir die Vehicle-To-Load Funktion um Kühlbox und Kaffeemaschine zu betreiben.
Was halt geil ist: die Lautstärke. Im Lkw habe ich die Noise Cancelling Kopfhörer quasi aufgesetzt, sobald wir losgefahren sind. Im Sprinter 20 Minuten später. Wobei der Sprinter kaum leiser war, die Geräuschkulisse war nur anders. Im Musso knarzt kaum etwas, auch nicht wenn er bei einer Offroad-Passage am Verschränken ist. Das ist auch praktisch, bedenkt man sein größtes Manko: Die Batterien sind unterm Fahrzeug montiert. Man kann bei einer kritischen Stelle also einfach kriechen und hört es sofort, sollte ein Stein am Batterieschutz entlangschrammen. Es ist einfach leise. Ich liebe es.
Ansonsten, ja: Die Reichweite liegt bei ca. 300 Kilometer. Normalerweise lädt man die Kiste unterwegs auf 80% auf, weil das geht schnell. Verbrauchen tut sie was unter 27 kWh/100km.
Ach ja, und die Hunde lieben das Auto einfach. Selten wurde ein Fahrzeug so geliebt. Wenn Andre mal ohne Ziva wegfährt, dann wird die richtig sauer. Und Max, ja gut, ist halt Max. Er könnte auch auf nem Nagelbrett pennen.

























































































