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Ja, ich bin immer noch an der Algarve. Sind jetzt schon 11 Wochen, und 2-3 weitere werden wohl noch hinzukommen. Aktuell fahre ich etwas weniger durch die Gegend, und wenn dann meist von Strand zu Klippe zu Stausee zu Bach. Städte reizen mich gerade nicht so, dafür genieße ich die tolle Natur hier.

Strand- und Klippen – Hopping an der Südküste

Raubtierfütterung bei Regen
Raubtierfütterung bei Regen

Nach einigen Tagen auf dem ruhigen Hügel ging es wieder an die Südküste, von dort aus in Richtung Westen. Einige bekannte schöne Strände besuchen, immer auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen mit möglichst nicht ganz so schlechtem Wetter. Immer nach dem gleichen Schema: Ich fahre zu einem Strand, am liebsten zu denen mit abenteuerlicher Anfahrt. Denn umso schlimmer die Straße, desto weniger andere Wohnmobile kommen hierher. Ist der Strand dennoch voll schaue ich mal auf den Klippen links und rechts davon, ob es dort nicht ein schönes Plätzchen gibt. Und da die Straßen dorthin meist noch schlimmer sind … werde ich auch fündig. Und hab so manchen Hügel und so manche Aussicht ganz für mich alleine.

Nach ein paar Tagen Rumtreiberei an der Südküste wurde dann doch mal neugierig auf dieses eigentlich eher ungemütliche Wetter – denn es war ein Sturm im Anmarsch – mit bis zu 8m hohen Wellen.

Es zieht!

Wo schaut man sich am Besten hohe Wellen an? Ganz klar, an der Steilküste. Also an die Westküste gefahren, nördlich von Sagres kannte ich ja schon ein schönes Plätzchen. Dort am Nachmittag angekommen war es noch OK mit dem Wind. Der hat dann stündlich „etwas aufgefrischt“. Wellen gab es noch keine zu beobachten, aber die abendliche Gassirunde war durchaus interessant. Und recht kurz. Man musste auch schon gucken dass die Türe nicht schon zuknallte bevor ich und Tizon wirklich wieder im Auto waren …

Die Ruhe vor dem Sturm
Die Ruhe vor dem Sturm

Über Nacht ging es dann so richtig los. Selbst mein kleines Wohnmobilchen hat gut geschaukelt. Um zwei Uhr nachts bin ich dann mal ins Bett, um halb sechs war die Nachtruhe vorbei. Wind und Regen haben kurz mal alles gegeben – und sich auch nicht wieder beruhigt. Ein Blick auf die Windvorhersage zeigte: da kommt noch mehr. Wir hatten gegen 7 Uhr morgens ungefähr 25 Knoten. Für 10 Uhr waren 34 Knoten angesagt. Doch schon jetzt konnte man faktisch nicht mehr vor die Türe, und die Hütte schaukelte ganz gut. Ich hatte zwar keine Angst vorm Umkippen, dafür ist mein Auto zu kompakt. Aber ein Platzwechsel schien trotzdem eine gute Idee zu sein. Also alles einpacken was auf der Schlaglochpiste durchs Auto fliegen könnte. Tizon war leicht verwirrt angesichts meiner frühmorgendlichen Aktivitäten. Er hat ganz wunderbar durchgeschlafen. So ging es weiter nach Carrapateira, da konnten wir unten am Strand stehen, und nicht oben auf den zugigen Klippen.

Für diesen Tag waren dann auch die großen Wellen angesagt. Und was macht man, wenn man schon einen Hund dabei hat? Natürlich, die Klippen hochlaufen und nicht fahren, wie die anderen. War eine super Idee. Schätze wir hatten die 34 Knoten. Der Wind alleine war schon spaßig. Kommt dann noch ein Regen hinzu, der sehr salzig und vor allem sandig ist, bekommst du quasi ein gratis Peeling. Sogar Tizon war es zu viel, und das mag was heißen. Die Wellen waren nicht schlecht, doch richtig gute Fotos sind leider nicht rausgekommen. Nasse Linsen und dezente Verwackler waren aber zu erwarten.

So, und hier könnt Ihr selbst sehen warum es vom schönen Wetter keine scharfen Bilder gibt. Der Wind macht die Musik. OK, meine Smartphone-Cam ist echt schlecht …

Jetzt ist aber gut mit Wind! Dafür wird’s jetzt kalt.

Irgendwann war es langsam echt gut mit der ständigen Zugluft. Also zurück auf den Lieblingshügel. Tagsüber Sonne, richtig angenehm, aber nachts wurde es scheißekalt. Ich halb krank, habe erstmals richtig gefroren. Beim Nachbar hab ich zwar etwas Holzofenheizungswärme abbekommen, und der Beirao hat zusätzlich von innen gewärmt. Aber wenn es die nächste Zeit so kühl bleibt nachts muss einfach eine Heizmöglichkeit her, sonst muss ich an Landstrom, auf einen Campingplatz oder Stellplatz. Nein, dann doch lieber eine Heizung besorgen: die Wahl fiel auf einen Petroleum-Ofen.

Mein Unglückstag: Wie viel Mist kann eigentlich an einem einzigen Tag passieren?

Gesagt getan, ab in Baumarkt und eine Petroleum-Heizung gekauft, inklusive verdammt teurem Sprit.  Auf zum Stausee Santa Clara, da ist es schön, aber grundsätzlich frostig, also perfekt für einen Härtetest. Schon auf der Fahrt dorthin habe ich gemerkt: Irgendwas scheppert im/am Auto, Metall auf Metall. Hatte zuerst meine unkonventionelle Aufräummethode in Verdacht, aber das war es nicht.

Vorläufige Diagnose: So ein Handbremsendingens hat sich verkrümelt, aus dem Bereich der Hinterräder kommt der Krach her. Super. Aber egal, wir stehen hier erstmal, und zwar im Nirgendwo, weit und breit keine Werkstatt in Sicht. Aber der Tag sollte noch besser: Tizon jagt einer Ziege hinterher. Ich jage Tizon hinterher, knicke am rutschigen Hang mit meinem schwachen Knöchel um, Bänderdehnung.

Der Ziege geht’s gut, Tizon will ja nur einfangen, aber nicht einkassieren. Also haben sich innerhalb einer halben Stunde zwei Probleme ergeben: Handbremse und Knöchel. Die nächsten beiden Wochen sind jetzt schon durch. Also erstmal ins Bett. Voltaren, Kompresse und Beirao haben es vorläufig erträglich gemacht. Immerhin stehen wir die nächsten Tage recht schön bis der Fuß wieder die Kupplung betätigen kann. Automatik wäre jetzt trotzdem ganz gut. Also ein paar Tage arbeiten, rumgammeln, Gassi humpeln.

Das Handbremsenproblem hat dann übrigens eine kleine, freie Werkstatt gerichtet. Für den unschlagbaren Preis von 20€ inklusive Ersatzteile haben sie mir das Ding repariert, und meine Hecktüre gleich mit. Ja, das gab großzügig Trinkgeld. Bin noch nie so günstig aus einer Werkstatt rausmarschiert. OK, eher rausgehumpelt. Aber auch der Fuß wird wieder. Hoffentlich bald, denn Tizon hat schon einen kleinen Energiestau. 300m Gassi entspricht nicht seinem Naturell.

Wieder allein On Tour

Manche können es offenbar gar nicht abwarten wieder nach Deutschland zu kommen. Schon im Februar brechen sie auf in Richtung Norden um im März noch etwas deutsches Mistwetter mitzubekommen. Mir ist das definitiv zu früh, und so verabschiede ich meine Mitreisenden. Selbst nicht wirklich wissend, was ich jetzt als nächstes machen will.

Hat sich die letzten Wochen doch so eine nette Art des „bissle-gemeinsamer-Reisens“ eingespielt. Eine Woche Hügel, eine Woche rumfahren, man hat sich nach spätestens ein paar Tagen wieder irgendwo zusammen gefunden, an einem Strand, auf einem Hügel. Und einige richtig schöne Abende miteinander verbracht.

Jetzt mache mich wieder alleine auf Erkundungstour. Oder auch nicht, denn da war ja noch dieser Knöchel … Na gut, dann erstmal etwas Arbeit aufholen, nach fast drei Wochen wäre Wäsche waschen auch mal wieder eine gute Idee. Denn es befindet sich NICHTS mehr im Schrank. Habe heute Morgen gerade mal noch zwei Socken gefunden. Einen schwarzen und einen blauen, das muss gut genug sein.

Irgendwie ist gerade die Zeit, mir Gedanken zu machen. Über das Reisen, alleine und mit Freunden, darüber wo es mich wohl hintreibt, ob ich auch mal wieder sesshaft werde oder auch nicht, worauf ich mich jobmäßig konzentrieren möchte … viele schwebende Verfahren tummeln sich in meinem Kopf.

Beim Rumtreiben lernst du viele neue Menschen kennen, darunter auch einige Interessante. Doch sind die meisten Begegnungen eher oberflächlicher Natur. Nur wenige von ihnen werden wirklich zu Freunden, die meisten sind und bleiben einfach nur Bekannte. Wobei Freundschaft natürlich eine sehr subjektive Definition jedes Einzelnen ist. Zu schnell trennen sich die Wege, als dass Beziehungen wachsen können. Das ist ein wirklich relevanter Unterschied zum Leben an einem festen Ort.

Und so gehört dieser Punkt sicherlich auch zum Gesamtpaket, wenn es um die Frage geht ob das Reisen oder das Bleiben künftig meinen Lebensstil bestimmen wird.

Eigentlich war geplant, dass mein Trip im Frühling / Sommer damit abgeschlossen ist, indem ich mir einen neuen Wohnort suche – Berlin und Köln standen ganz oben auf der Liste. Doch kann ich mir momentan nicht wirklich vorstellen, wieder so richtig sesshaft zu werden. Was auch daran liegen kann, dass es mir diesen Winter richtig gut geht und ich mir sicher bin, dass der warme Süden auch künftig genau der richtige Ort für diese Jahreszeit ist. Gedanklich ist mein kleiner Ausflug also schon längst um ein weiteres Jahr verlängert. Zumindest den kommenden Sommer werde ich durch Deutschland ziehen, da hab ich jetzt schon richtig Lust drauf.


COMING NEXT:

Noch ein paar Tage den Knöchel auskurieren, dann geht es Anfang März nochmal auf eine kleine Algarve-Runde bevor es mich langsam wieder Richtung Norden zieht. Vermutlich. Einige ausgelassene Strände und Städte möchten besucht werden, ein paar bekannte Lieblingsplätzchen ebenfalls. Oder doch noch rüber nach Spanien, für einen Abstecher nach Andalusien? Wir werden sehen. Schauen wir mal was das Wetter so sagt.


Upps, wieder mal fast nichts fotografiert …

Boca do Rio, ein (derzeit) geduldeter Übernachtungsparkplatz am Strand
Boca do Rio, ein (derzeit) geduldeter Übernachtungsparkplatz am Strand
Ferragudo, Übernachtungsplatz am Strand, mit Blick auf Portimao
Ferragudo, Übernachtungsplatz am Strand, mit Blick auf Portimao
Ein Platz hinter den Klippen: max. Fahrzeughöhe 2,80m. Höchstens.
Ein Platz hinter den Klippen: max. Fahrzeughöhe 2,80m. Höchstens.
Abendlicher Blick auf Portimao.
Abendlicher Blick auf Portimao.
Sturm in Sagres.
Sturm in Sagres.
Blümchen. Es wird Frühling.
Blümchen.
Sieht aus wie ein Grab.
Sieht aus wie ein Grab.
Praia Furnas bei Flut - bei Ebbe ein gigantischer Strand.
Praia Furnas bei Flut – bei Ebbe ein gigantischer Strand.
Tanja Hier schreibt Tanja

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