Nachträglich noch schöne Weihnachten, Frohes Neues und Happy Heilige Drei Könige. Endlich ist die ganze Beglückwunscherei vorbei, und ich komme mal wieder dazu etwas für den Reiseblog zu schreiben. Okay, eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit dafür. Irgendwie total stressig diese Überwinterung. Aber, vier Wochen sind rum, und bevor ich wieder vergesse was war, schreibe ich es auf.


15. Dezember 2016

Gruppentreffen der Facebook-Rumtreiber

Gruppentreffen der kulinarischen Art. Jollen bewacht den Kuchen.

Zuletzt waren wir ja im Hinterland der Algarve, an unserem Rückzugsort. Nun fahren wir ins nah gelegene nach São Bartolomeu de Messines, auf den dortigen Marktplatz. Hier stehen immer zahlreiche Wohnmobile rum, bis auf einmal im Monat, dann wird der Platz für den Zigeuner-Bauern-Markt in Anspruch genommen. Kein besonders hübscher Platz, aber ein guter um ein Facebook-Gruppentreffen abzuhalten. Im Vorfeld kurz abgecheckt, der Markt ist erst eine Woche später, super. Ungefähr 16 Wohnmobile mit Vollzeit-Rumtreibern treffen sich hier. Also alles deutschsprachige Menschen, die ganzjährig im Wohnmobil leben und den Winter in Portugal verbringen.

Man macht, was man eben so macht, sitzt rum, unterhält sich, futtert selbst gebackene und gekaufte Backwaren, geht am Abend in das benachbarte Restaurant um etwas zu essen.

Und es kommt, wie es manchmal eben kommt: erstens ist das Wetter echt doof, abends wird es fürchterlich kalt. Und der monatliche Markt wurde um eine Woche vorverschoben, wegen Weihnachten und so. Also muss die Truppe den Platz räumen und ein Teil verlagert das Gruppentreffen an den nahe gelegenen Arade-Stausee. Bleiben dort noch ein paar Tage stehenm ehe sich das Treffen langsam endgültig auflöst. Schön war’s, wir haben einige nette neue Leute kennen gelernt und alte Bekannte wieder getroffen. Und jede Menge Weihnachtsgebäck konsumiert.


20. Dezember

Rückzug!

Auf dem Hügelchen

Langsam machen wir uns Gedanken darüber, wo wir Weihnachten und Silvester verbringen möchten. Nach dem Treffen wäre etwas Abgeschiedenheit wieder schön. Nach einer Phase des Trubels ist daher ein Rückzug angesagt. Zurück ins Hinterland der Algarve, abseits jeglicher Zivilisation, inmitten der Natur.

Hier auf „unserem Hügel“ sind wir schon vor einem Jahr an Weihnachten gestanden, nur dass ich da noch mit Tizon im Kastenwagen gelebt habe. Wahnsinn wie die Zeit vergangen ist. Und wo wir zwischendurch überall waren. Vor genau einem Jahr habe ich Andre hier kennen gelernt. Drei Monate später wurden wir ein Paar, und ich bin direkt mal bei ihm eingezogen. Wir sind einmal quer durch Deutschland getourt, waren auf Heimaturlaub im Schwarzwald, beim Wandern im Elbsandsteingebirge. Haben in Polen das KZ Auschwitz besucht, sind bei einer Gassirunde plötzlich vor der russischen Grenze gestanden. Wir waren am Omaha Beach und in der Bretagne und auf dem höchsten Berg Portugals – um jetzt wieder an der Algarve zu landen.

Wir sind (zu) viele Kilometer gefahren und wurden vom schlechten Wetter verfolgt. Hunde, Autos und Menschen waren krank und sind wieder gesundet. Und doch hat all das kaum Gewicht, denn es war ein sehr schönes Jahr.

So, das war mein Jahresrückblick. Muss reichen. Vielleicht kommt noch ein 500-Tages-Rückblick, denn so lange bin ich jetzt auf Tour. Mal schauen.


25. Dezember

Kranke Weihnachten allerseits

Meine Todo-Liste ist elendig lang, und sie wird die nächsten Tage wohl kaum kürzer werden können. Denn es hat mich umgehauen. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber können einem echt die Laune verhageln, und Zeitpläne sowieso. Bestimmt drei Tage und vor allem Nächte lang geht es mir richtig schlecht. Ganz zum Leidtragen meines Mitbewohners: wir haben 25 Grad in der Hütte, und ich bettele nach einem Feuer im Holzofen weil mir so kalt ist. Die nächste Nacht bin ich morgens um halb drei fertig mit schlafen, bekomme ja eh kaum Luft, was soll ich es noch weiter probieren. Eine Stunde später ist Andre dann auch wach. Ist wohl irgendwie warm geworden im Alkoven, habe ich doch den Holzofen angefeuert. Mir war halt kalt.

Ich werde aber gut von den Nachbarn versorgt. Es gibt Hustensaft, Grock (Grog? Krok?) und Beirao, außerdem Unmengen von Süßkram und Kässpätzle. Ich verzichte auf den einen oder anderen Christstollen und bevorzuge dann doch auch mal eine Orange. Hätte ich mal eher machen sollen, mein Immunsystem hätte es mir vielleicht gedankt. Was bleibt ist eine Eigennotiz: vielleicht doch mal eine kleine Hausapotheke einrichten. Mit den drei Ibuprofen, die im Badschrank rumschwirren, wäre ich nicht weit gekommen.

Auch die Hundeapotheke wurde aufgerüstet. Denn nachdem sich Max tagelang gekratzt hat sind wir mit ihm zum nächsten Tierarzt gefahren. Die Tierärztin hat genau 10 Sekunden für die Diagnose gebraucht. Einmal den Kamm durchs Fell, schon kamen die ersten Flöhe zum Vorschein. Also den Max entflohen, und auch für Tizon und Davy Mausebein haben wir eine Dosis Antiviecher-Chemie mitgenommen, zur Prävention. Hoffen wir mal, dass dies ausreichend ist und wir bald wieder flohfrei sein werden …


30. Dezember

Mein erster (und letzter) offizieller Wohnmobilstellplatz an der Algarve

Silvesterparty in Lagos

Silvester wollen wir mal wieder in der Zivilisation verbringen. Und da ein Freund von uns am Tag zuvor Geburtstag hat, fahren wir schon heute nach Lagos. Hier am Fußballstadion gibt es einen Wohnmobilstellplatz. Auf diesem kann man für 3 Euro die Nacht stehen. Muss man aber nicht.

Nach einer Woche auf „unserem Hügel“, wo tagsüber wie nachts einfach nur absolute Ruhe herrscht, ist das hier wirklich ein kleiner Kulturschock. Der Platz selbst wäre ja gar nicht schlecht, auch nett am Fluss gelegen. Die benachbarte Straße jedoch ist fürchterlich und ich muss schon extrem fertig sein um in der Nacht durchzuschlafen. Praktischerweise bin ich immer noch etwas kränklich und daher prinzipiell fix und fertig. Und nach Silvester sind wir auch erst um drei Uhr ins Bett, da schlafe ich auch neben der Raketenabschussbasis durch.

Silvester gehen wir also in die Stadt, nach Lagos. Hier ist Party angesagt: erst spielt eine Rockband, die echt gut ist, danach legt ein DJ auf. Allzu viel bekommen wir von der Party nicht mit, denn die drei Herren, die mit dabei sind stehen wohl nicht so auf Musik. Auch wundern wir uns, dass es auf dem Platz keine Fressbuden oder Trinkbuden gibt. Einfach nichts, haben sie irgendwie vergessen aufzubauen. Manchmal wundert man sich schon angesichts der nicht vorhandenen Geschäftstüchtigkeit der Portugiesen. Ebenfalls gewundert habe ich mich über die portugiesischen Mädels im luftigen Partyoutfit – packen sie sonst den Wintermantel aus sobald die Temperatur unter 20 Grad sinkt, an Silvester ist das wohl vergessen.

Ein Stadtbesuch in Lagos steht übrigens auf der Liste, wenn der innerstädtisch-touristische Winterschlaf im Frühjahr beendet ist. Denn es scheint mir ein sehr hübsches Städtchen zu sein. Unsere Liste namens „Ist ja in 2 Monaten auch noch da“ wird übrigens auch immer länger.


1. Januar

Von Lagos nach Sagres: Unterwegs im Südwesten

Es zieht uns an den Strand. Die Strände der Algarve sind wunderschön, und an einigen kann man auch mit dem Wohnmobil übernachten – meistens. Mehr dazu aber später.

Praia da Boca do Rio, ein kleiner Strand mit relativ neuem Strandparkplatz. Auf diesem stehen ständig einige Wohnmobile, und wir stellen uns einfach dazu. Begleitet werden wir von René (womo-adventure.com ), ein Schweizer mit seiner bezaubernden Hündin Eyla. Angesichts des unruhigen Wetters legen wir einen Höhlentag ein, bei ruckartig schaukelndem Womo und etwas Regen.

Nach zwei Nächten zieht es uns weiter, an die Westküste. Da der Wind dort, und insbesondere in der Region Sagres, immer etwas heftiger ist als sonstwo, stellen wir uns bei Vila do Bispo in die Natur. Hier treffen wir auf ein ganz anderes Klientel: junge Leute, Deutsche, Briten und Portugiesen, die hier eine entspannte Zeit verbringen. Manche Plätze sind eben von typischen Wohnmobilfahrern frequentiert, auf anderen findet man eher Busse und andere alternative Lowbudget-Fahrzeuge. Ich finde gerade die Abwechslung ganz nett. Ach ja, die anvisierte ausgiebige Gassirunde fällt auch hier dem Wetter zum Opfer. Es hat mehr Pfützen als Weg, so macht das kein Spaß.

Auf nach Sagres, ans Fortaleza. Das ist so eine uralte Festung, die man wohl mal gesehen haben muss. Hat mich jetzt noch nicht so sehr gereizt die drei Euro Eintritt zu zahlen, aber vor dem Fortaleza gibt es viel Parkplatz, und das Übernachten im Wohnmobil wird offensichtlich geduldet. Eigentlich ist es ganz nett, erwischt man ein ruhiges Plätzchen. Es gibt Meerblick, das Städtchen und zwei Strände sind in wenigen Minuten Fußmarsch erreicht. Wir hatten nur leider kein ruhiges Plätzchen erwischt. Die vorbeifahrenden Autos donnern übers Kopfsteinpflaster. Bis es Abend wird, nach Sonnenuntergang ist es ruhig. Die nahe gelegene Pizzeria ist übrigens ganz gut. Und ich weiß jetzt: Pizza mit Banane, gar nicht mal so schlecht.


5. Januar

Zwischen Arbeit und Strand

Praia do Amado: glaube, das Schild war mal rot.

Wir sind beide zu sehr im Arbeitsmodus um wirklich nach Lust und Laune herumstreunern zu können. So wählen wir unsere Übernachtungsplätze auch danach aus, ob man dort Besuch empfangen kann. Ein größerer Platz, auf dem auch ein Standardwohnmobil (mit Standardbodenfreiheit) hinkommt.

Der Praia do Amado (Carrapateira) hat einen großen Strandparkplatz auf dem immer Wohnmobile stehen, also fahren wir dorthin. Ein toller Strand, umgeben von einer tollen Landschaft. Auch das Wetter spielt mit, und so unterbrechen wir die Computerarbeit gerne mal für einen Spaziergang oder einen Schnack vor dem Womo. Hier stehen immer einige Hippies und Surfer, mit teilweise recht abenteuerlichen Selbstausbauten. Und jede Menge Hunde laufen über den Platz. So auch Max, der mit anderen Hunden inzwischen sehr sozial agiert.

Max hat sich eine blutige Schnauze eingefangen

Und, wie das ist, wenn mal was gut läuft: Max kommt einem am Wohnmobil angeleinten Hund zu nahe und der beißt zu. Er erwischt Max an der Schnauze. Blut fließt, Max ist etwas lädiert. Aber, das muss man sagen, Glück gehabt – hätte schlimmer kommen können. Was genau war werden wir nie erfahren, aber sowas kann vorkommen. Doch Max hat jetzt erstmal keinen Bock mehr auf andere Hunde, wer vorbeikommt wird ohne Ansage vermöbelt. Hach ja, zwei Schritte nach vorne, einer zurück. Aber das wird schon wieder.

Wir beenden unseren zeitägigen Besuch durch einen Besuch der GNR. Diese fährt auf den Platz, hält bei uns in der Ecke. Und mahnt die Nachbarn an, denn sie hatten Campingstühle draußen. Manche bekommen auch ein Ticket, allerdings ohne Gebühr. Ganz unauffällig fahren viele andere weg, die GNR räumt den Platz also durch pure Anwesenheit, zumindest teilweise. Dann fahren sie wieder. Und wir auch, denn wir möchten ja kein Ticket provozieren. Auch wenn das nichts kostet, möchten wir erst gar nicht registriert werden. Denn im Wiederholungsfall kann das teuer werden.

Die Herren von der GNR haben übrigens nur das campingartige Verhalten begängelt. Tisch und Stühle raus, auf Keile fahren – alles, was nicht einfach nur „parken“ ist. Parken ist Okay. Campen nicht. Das bestätigt auch eine spätere Meldung von Boca do Rio. Auch dort wurden nur Tickets an diejenigen verteilt, die Stühle / Wäsche etc. draußen hatten und auf Keile standen. Die anderen wurden nicht behelligt.

Wir erwarten Besuch, und mangels Alternativen treffen wir uns mit diesem in Sagres, am Fortaleza. Dieses Mal finden wir ein etwas ruhigeres Plätzchen. Aber so richtig gut gefällt es mir hier nicht, und als der Besuch am nächsten Tag wieder weg ist, fahren wir ein Stück weiter.

Anfahrt mit Wow-Effekt

An einen nahe gelegenen Strand. Mit so einer miesen Anfahrt, dass sich kaum ein Wohnmobil dorthin verirrt. Und so war es auch. Bereits bei der Anfahrt kommt dieses angenehme Gefühl auf. Du fährst auf das Meer zu, und die Aussicht wird mit jedem Meter besser. Du weißt schon, dass dich ein ruhiger Übernachtungsplatz auf den Klippen, mit einem tollen kleinen Strand zu deren Füßen erwartet. Und absolute Ruhe – also das genaue Gegenteil zu dem, wo du gerade her kommst. Außer einer Rinderherde, die gerade ihr Nachmittagsessen einnimmt, hat sich kaum jemand hierherverirrt. So mag ich das.

Wir stehen auf den Klippen, arbeiten etwas, laufen eine Runde mit den Hunden. Ein leichter Wind weht, die Sonne scheint. Geht doch 🙂 Nach zwei Nächten machen wir uns wieder auf. Denn der aufgekommene Wind macht aus dem Wohnmobil eine Schiffschaukel.


10. Januar

Ab nach Osten – an die Südküste

Max modelt im Sonnenuntergang.

Wo ist das Wetter gut und der Platz nicht ganz so voll? Wir erkundigen uns bei Bekannten, und fahren letztendlich relativ weit nach Osten und an die Südküste der Algarve. An einen Strand, nahe Falesia. Natürlich nicht, ohne vorher einen Stop im Algarve Shopping Center einzulegen. Haben ja noch einige Termine in der dortigen Fressmeile. Unsere Wahl fällt auf das Etablissement „Alentejo“. Es gibt Grillspezialitäten mit Beilage. War jetzt aber kein Highllight, das Fleisch zu trocken und mangels Soße habe ich es kaum herunter bekommen. Aber die Beilagen waren gut. Ebenso wie das Karamell-Softeis zum Nachtisch. Mal schauen, wohin es das nächste Mal geht. Und ob ich Andre noch in das Sushi-Restaurant oder zum Isreali überredet bekomme.

Die folgenden Tage stehen wir recht untätig am Strand rum. Bisschen quatschen, Käffchen trinken, arbeiten, spazieren gehen, geocachen. Der Himmel ist blau, der Strand eine Wucht, und so ziehen wir das jetzt einfach durch. Bis wir weiter wollen, das Wetter oder irgendein Termin uns dazu bewegt die Zelte woanders wieder aufzuschlagen.

Pinienprozessionsspinner, ein noch junges Nest.

Oder, wenn die Pinien-Prozessionsspinner flügge werden. Denn es gibt jetzt überall Nester in den Bäumen, und wir stehen neben einem Korkeichen-Pinien-Wald. Momentan sind sie noch klein und bleiben in ihren Nestern. Doch da diese teilweise in Hundenasenhöhe in den Pinien hängen ist Vorsicht geboten. Spätestens wenn die Zeit zum Verpuppen gekommen ist, dann wandern sie umher – Kopf an Arsch, wie an einer Kette gezogen. Und werden vor allem für neugierige Hunde zur Gefahr. Die Härchen von den Viechern sind wohl giftig und können sogar zum Tode führen, zumindest bei Hunden. Sie sind eher dämmerungsaktiv, und so mach eich vor allem bei der abendlichen Gassirunde derzeit einen möglichst großen Bogen um Pinien und Kiefern. Denn nachts ist es bekanntlich dunkel, und da sieht man die Biester nicht.


15. Januar

ENDE.

Wir stehen hier wohl noch ein paar Tage rum. Am heutigen Sonntag geht es mal nicht an den Strand, denn dort findet ein Angelwettbewerb statt. Von Quarteira bis Albufeira, soweit das Auge reicht, steht alle 10 Meter ein Angler mit den Füßen im Wasser. Hinzu kommen Duzente Jogger, eine trainierende Fußballmannschaft, die Sonntagsausflüger, … Also gibt es heute einen entspannten Sonntag mit wohnmobilnahem Chillen. Und da mal wieder Ebbe im Kühlschrank ist, möchte die Pizzeria wohl nochmal besucht werden 😉


Weitere Bilder, chronologisch

Guten Morgen, Hügel!

Barragem do Arade – recht wenig Wasser drin.

Den Hund mit zur Arbeit nehmen ist immer gut …

Lagos – hier der erste Sklavenmarkt.

Spielspaß in Sagres.

Die Kühe sind sauber, meine Windschutzscheibe nicht.

Sonnenuntergang an der Westküste.

Portugiesischer Käse mit Rosmarin.

Praia da Falesia, Albufeira am Horizont.

Leerer Strand und tolle Farben am Praia da Falesia.

Morgendämmerung am Praia da Falesia

Strandgassirunde bei Morgendämmerung.

Sonnenuntergang. Schön.