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Vom Seeufer, zu dem sich kaum zwei Menschen die Woche hin verirren, rein in die größte Großstadt, die Portugal so zu bieten hat? Von 33 Grad Spätsommerwetter auf 8 Grad am Morgen? Nichts bleibt, wie es ist und alles wird anders. Und so geht es auch bei uns mal wieder weiter.

Huch, schon wieder vier Wochen am See rumgestanden

Wir lassen den Sommer am See ausklingen. Zwischendurch fahren wir mit dem Ducato ins nächste Städtchen, zum Einkaufen, Fotografieren, Frischwasser tanken. Und mit den 130 Liter extra aus dem Ducato reicht uns das Wasser auch tatsächlich für exakt vier Wochen.

Doch dann wird es Zeit, uns zu verabschieden. Wohl wissen, dass es auch weiter südlich hübsche Stauseen gibt, aber dieser hier war doch ein ganz besonders hübscher. Doch gleichzeitig freue ich mich auf Lissabon – und den Atlantik. So ein ausgiebiger Strandspaziergang, mit Wind und Wellen, das hatten wir schon lange nicht mehr.

Von 30 Grad auf … kalt.

Dass man aus meinem Munde sowas wie »Cool, endlich regnet es mal wieder« hört, ist recht selten. Der letzte richtige Regen war aber jetzt auch schon so lange her, wir können uns gar nicht mehr daran erinnern. April? Auf jeden Fall über ein halbes Jahr ohne Regen. Schlecht für die Natur, gut für uns. Mit dem Wissen, wie sehr dieses Land Regen braucht, werden uns aber kommende Regentage nichts ausmachen. Die Grundwasserspiegel sind bedrohlich abgesunken, in ersten Regionen karren sie Trinkwasser schon mit Lkws und Zügen heran. Auch die Stauseen sind leer. Katholische Priester wurden von ihrem Chef (ein Kardinal oder so) angewiesen, in der Sonntagsmesse für Regen zu beten. Doch bisher scheint das nur mäßig zu funktionieren, richtig viel Wasser kam noch nicht vom Himmel.

Die eine Nacht mit starkem Regen hat mir aber sofern gereicht, dass wir jetzt wissen, dass die Dachluke im Ducato wieder undicht ist. Hach, Mist. Jemand muss das Ding ausbauen und komplett neu einkleben. Denke, wir verdrängen das noch etwas, zumal ja ohnehin kein Dekalin im Hause ist. Kommt auf die Todo-Liste.

Der Winter kommt – sofort kränkeln (fast) alle

Kaum fallen die Temperaturen ein wenig, kämpfe ich mit meinem Immunsystem. Diese Runde geht an mich, unter Einsatz von Voltaren gelingt es mir, gleich zwei blöden Entzündungen den Stinkefinger zu zeigen. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass in Portugal die Apothekenpreise recht angenehm sind? 50mg Voltaren, 60 Stück, für 10€. In Deutschland bekommst du die 50mg Teile nur auf Rezept und zahlst dann für eine 20er Packung 10 €. Aber man will sich ja nicht nur von Voltaren ernähren, also nehme ich mir fest vor, mehr Orangen zu essen. Ist langsam auch wieder die Zeit für, die erste haben wir schon auf einer Gassirunde geerntet.

Besonders am Morgen ist es frisch, acht Grad und so. Zwischendurch werfen wir die Gasheizung an. Sie geht an, aus, klack, an, aus, … Kommt auf die Liste.

Dann kränkeln auch noch die Hunde. Tizon hat sich bei ausgiebigem Rennen und Hüpfen am Strand wohl etwas übernommen, humpelt zwei Tage lang – obwohl er ja laufend Schmerzmittel für die Hüfte bekommt. Und wenn Tizon humpelt und auch nicht wirklich Gassi gehen möchte, dann muss es dem »Indianerhund-kennt-keinen-Schmerz« wirklich wehtun. Max ist ja weitaus weniger schmerzresistent – quiekt er schon mal im Angesicht des eventuell aufkommenden Schmerzes. Als er dann eines Morgens anhaltend jammert und quiekt und schaut, als wäre das Ende nahe, fahren wir zum Tierarzt. Der hat seine Praxis natürlich nur abends auf, und es ist natürlich später Vormittag als wir davor stehen, aber glücklicherweise kommt er gerade von einem Hausbesuch / Stallbesuch zurück und schaut sich Max an. Findet aber eigentlich nichts. Sagt uns aber, was wir wissen wollten: es ist wohl etwas mit den Muskeln oder Nerven, vielleicht was geklemmt oder überspannt. Aber nichts mit dem Magen, keine Vergiftung oder so. Eine Schmerzspritze, die nächsten Tage langsam machen und beobachten. Max geht es auch schon etwas besser, ist aber noch nicht ganz fit. Wird schon.

Tizon macht einen auf Zitteraal

Tizon war immer die Unerschrockenheit in Person. Silvesterfeuerwerk oder Gewitter? Erstmal raus auf die Terrasse gehen und schauen was da Tolles abgeht. Chinaböller und Blitze jucken ihn auch heute nicht – dafür aber andere Dinge. Es begann mit dem Druckluftschlauch, dann der Wasserschlauch, schließlich das Stromkabel vom Faltmodul. Es ging weiter mit dem elektrischen Mückengrill – jedes Mal, wenn der eine Mücke grill, fängt Tizon das Zittern und Hecheln an, will am liebsten zu mir auf den Schoß hüpfen. Eine absolute Stress-Situation für ihn. Ich vermute, dass die Kombination Grauer Star und Schwerhörigkeit langsam etwas ungünstig wird. Und kann nur hoffen, dass es nicht schlimmer wird. Was kommt als nächstes? Der Stabmixer, die elektrische Zahnbürste, oder Musik? Puh, das wäre für alle Beteiligten aber sehr anstrengend.

Aber so ist das wohl, wenn die Hunde älter werden: es hat Zipperlein, das gehört dazu.

Explodierende Waldpilze, gammlige Seefische und frisches Quellwasser

Nach dem ersten Regen kommen die Pilze. Die hässlichen Kartoffelpilze lassen wir stehen, und unser bayerischer, pilzfachkundiger Nachbar lädt zum Pilzeessen ein – doch so schnell diese Parasol-Pilze nach dem ersten Regen aus dem Boden geschossen sind, so schnell waren sie auch wieder hinüber. Also gab’s keine Pilze.

Unserem angelkundigen westerwälderischen Nachbarn haben wir eine Angel aus dem Chinaladen besorgt. Und nachdem er sich dann auch erfolgreich die Lizenz zum Angeln besorgt hatte, was gab es da? Richtig, keinen Fisch. Die Fische aus dem See waren dann wohl doch nicht so toll, aber er hat uns für den nächsten Strandbesuch einen Atlantikwildfang versprochen. Man darf gespannt sein. Wir lassen ihm etwas Vorsprung, dann kann er ja schonmal üben 😀

Mein hauseigener Wassersparbeauftragter hatte schon vor zwei Wochen die Idee, dass man die Quelle unten am See doch mal anzapfen könnte. Nach knapp vier Wochen wird das Wasser jetzt wirklich knapp, die beste Gelegenheit das auch mal umzusetzen. Funktioniert, und heraus kommt sehr sauberes Wasser. Das wir jetzt natürlich, so kurz vor der Abfahrt, nicht mehr brauchen.

Weiter geht’s: für 180km brauchen wir drei Tage. Mindestens.

Um rechtzeitig am Donnerstag in Lissabon zu sein, fahren wir am Montag los. Ja, ich weiß, 180 Kilometer fahren andere an einem Tag. Ich muss das nicht haben. Hier zusammen packen und alles klar Schiff machen, das dauert nach vier Wochen Standzeit ein paar Minuten länger, zumal man auch die Gelegenheit nutzt um den Sand der letzten Wochen aus dem Wohnzimmer-Schlafzimmer-Büro-Küche-Raum rauszukehren. Sagen wir mal so: es hat sich gelohnt.

Dann erstmal eine VE aufsuchen, denn das Wasser ist alle. Als Zwischenstopp haben wir uns einen kleinen Stausee ausgeguckt. Schön ruhig hier, also bleiben wir zwei Nächte. Zwischendurch wundern wir uns, warum wir schlechteres Internet haben als unser Nachbar. Die LTE-Antennen hat es mal wieder erwischt, möchte neu aufs Dach geklebt werden. Kommt auf die Liste.

Montemor-o-Novo (Achtung, Geheimtipp)

Auf dem Weg zum nächsten Zwischenstopp schauen wir uns noch das Städtchen Montemor-o-Novo an. Was mich positiv überrascht hat – denn hier gibt es viele alte Gebäude, aber es wirkt alles nicht so runtergekommen / zerfallen wie in anderen Städten. Schön historisch das Ganze, und vor allem sind die Häuser schön bunt. Es gibt ein Castelo, eine Stierkampfarena, enge Gassen, alte Kirchen, usw. Bilder und Infos zu diesem reizenden Städtchen kommen noch. Ich arbeite da gerade an was, ihr dürft gespannt sein 😉

Die Nacht verbringen wir eine Stunde weiter östlich. Wir bringen uns quasi in Ausgangsposition für Lissabon. Ich komme als erste auf ausgesuchten Platz an, der am Stadtrand liegt. Andre und Stefan bilden eine Mercedes-Kolonne, und haben einen weiteren Gast im Schlepptau, wie sie auf den Platz fahren: die GNR. Sie wollten gerne den hübschen, alten Mercedes kontrollieren. Aber auch nur den. Von meinem läppischen Ducato wollten sie nichts wissen. Dabei hätte dieser noch ein ganzes Jahr TÜV gehabt, was man von den anderen beiden nicht wirklich behaupten kann 😉 Aber so genau wollten die das dann doch nicht wissen, und so sind sie wieder von dannen gezogen.

Die letzte Etappe bis Lissabon fahren wir Autobahn. Auch wenn es nur 20 Minuten einspart, die 9€ Maut sind vermutlich gut investiert – denn die Straßen rund um Lissabon habe ich als mittelkatastrophal in Erinnerung. Rund um Lissabon ist quasi das gesamte Spektrum der portugiesischen Straßenzustände vertreten.

Weil die einschlägigen Stellplatzapps einfach nichts Überzeugendes hergegeben haben, musste Google Maps mal wieder herhalten: Gesucht wird ein strategisch günstig gelegener Übernachtungsplatz, in einer bitteschön nicht zu runtergekommenen Gegend, wo man am besten auch keinen Besuch von der GNR bekommt und mit den Hunden Gassi gehen kann. Ach ja, ruhig und schöne Aussicht wären auch ganz nett.

Gefunden habe ich einen großen Parkplatz, direkt am Wasser, mit Panoramablick auf Lissabon. Für 1,20€ kann man hier 24h lang stehen, und laut der Dame im Kassenhäuschen geht das schon mit dem Übernachten. Ich verrate euch auch wo: https://goo.gl/maps/nV6fn5y3hK32 Wehe, es trägt jemand von euch in eine Stellplatz-Datenbank ein! Umso länger so ein praktischer Platz nicht in irgendeiner App verzeichnet ist, desto länger besteht die Chance, dass diese Duldung auch durchgeht.

Am Abend fällt Andre auf, dass die Solaranlage keinen Strom in die Batterie eingespeist hat. Kommt ganz nach oben auf die Liste.

Lissabon – Geheimtipps gesucht!

Wir haben schon einige Locations, die wir die nächsten Tage besuchen möchten – wenn du aber noch ein Geheimtipp für mich hast, her damit! Per Email oder als Kommentar auf Facebook, hier: https://www.facebook.com/croslide/posts/2002315520047410 Und wenn du so in einer Woche nochmal hier auf dem Blog reinschaust, dann gibt es vielleicht auch ein paar gute Tipps von mir. Um die nicht zu verpassen kannst du dich auch per Email benachrichtigen lassen.

Im Prinzip haben wir in nur einer Woche das gesamte portugiesische Spektrum abgehandelt: von 30 Grad hin zum Wollmützenklima, von der absoluten Pampa rein in die Metropole Lissabon. Die nächsten Tage werden wir also ein wenig das (kulinarische) Spektrum dieser interessanten Stadt auskundschaften.

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Tanja Hier schreibt Tanja

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