profiltanjaIch bin Tanja, 35 Jahre alt, selbständig seit 2009, wohnte bis Juli 2015 im Schwarzwald, zusammen mit meinem Hund Tizon. Soweit zu den Fakten. Fakt ist auch, dass ich mich einige Jahre zuvor ganz bewusst für die Selbständigkeit entschied. Und gleichzeitig in ein Schwarzwalddorf gezogen bin. Nahe bei der Family, schön ruhig – um mich voll auf mein Geschäft konzentrieren zu können.

Mein bisheriges Leben als Angestellte (im Bereich Marketing und Vertrieb) hat mir zwar ein gutes Einkommen beschert, doch schon immer war mir klar, dass meine berufliche Tätigkeit mehr können muss als Geld einzubringen. Unternehmen mit sinnfreien Strukturen und Prozessen, viele nette, aber auch einige kompetenzfreie und profilierungsbedürftige Vorgesetzte und Kollegen, all das hat mich wahnsinnig gemacht – es war einfach nicht meine Welt. Nach 10 Jahren und drei Jobs ist die Entscheidung gefallen: ich mache mich selbständig. Und krempele mein Leben um.

Es ist Juli 2016 während ich diese Zeilen schreibe, und wir stehen auf einem Strandparkplatz an der polnischen Ostsee, kurz vor der russischen Grenze, haben uns in den letzten 5 Wochen in Polen das perfekte Land für die Übersommerung kennen gelernt. Und freuen uns bereits auf die Überwinterung in Portugal. Ja, ich bin dem Nomadenleben verfallen. Habe das Leben und Arbeiten im Wohnmobil für mich als einen Lebensstil entdeckt, den ich wohl beibehalten werde.

Die Grundlage dafür habe ich Anfang 2009 gesetzt – wenn auch unbewusst. Genervt von meiner damaligen Lebenssituation habe ich diese massiv geändert: den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, von der Etagenwohnung in ein kleines Haus gezogen, 30 Kilos abgenommen und mit dem Rauchen aufgehört. Okay, nicht alles lief reibungslos, das Leben hat bekanntermaßen immer Höhen und Tiefen im Angebot. Aber, ich habe mir meine Selbständigkeit aufbauen können. Das ruhige Leben auf dem Lande hatte den positiven Effekt, dass ich mich ganz auf mein junges Business konzentrieren konnte.

2014, genau fünf Jahre später, wurde es Zeit für Neues. Ich hatte genug vom Schwarzwald, konnte mir nicht vorstellen hier meine Zukunft zu verbringen. Ich will also raus in die Welt, oder zumindest raus aus dem Schwarzwald, aber wohin? Wenn ich hier schon meine Zelte abbreche, muss ich sie denn zwingend gleich wieder woanders aufstellen? Und wie wäre es, mal einen Winter im warmen Süden zu verbringen? Relativ schnell verfestigt sich der Wunsch in mir, für eine gewisse Zeit auf Reisen zu gehen. Ein Jahr lang, das hört sich doch gut an, aber wohin und womit? Und wie kann das funktionieren, mit dem Arbeiten auf Reisen?

Nun habe ich einen älteren Hund, der gesundheitlich etwas schwächelt. Erst eine Herzentzündung, dann müssen Krebsbollen rausoperiert werden, gleichzeitig wird eine Arthritis in der Hüfte diagnostiziert, alles im Abstand von wenigen Monaten. Wie lange habe ich noch für so ein Abenteuer bevor mein Tizon nicht mehr fit genug ist? Irgendwie lag auch wegen ihm die Lösung auf der Hand: ich reise mit dem Wohnmobil durch Europa. Und im Winter fahren wir auf die iberische Halbinsel. Das Klima tut meiner Seele und seinen Knochen bestimmt gut.

Jetzt sind meine Ersparnisse nicht besonders üppig, und kleinere, gebrauchte Wohnmobile bis 15.000 Euro machen keinen guten Eindruck. Alt und verwohnt hätte ich sie erst noch aufpeppen und solarmäßig aufrüsten müssen. Nun habe ich ja noch etwas Zeit bis das nötige Kleingeld zusammen gespart ist, warum als nicht selbst ein Wohnmobil ausbauen? Mein Ehrgeiz ist geweckt, Zeitplan und Wohnmobilausbau werden in vielen durchwachten Nächten ausgeheckt.

Anfang 2015 ist es dann soweit, das Projekt „Wohnmobilausbau“ geht in die entscheidende Phase: mit etwas Glück finde ich bei einem Fiathändler in der Region das passende Fahrzeug, meinen Ducato. Jetzt wird es konkret, der Ausbau beginnt, der Mietvertrag ist gekündigt, und bereits im Juli 2015 ist mein kleines Wohnmobil fertig und geht es los. Ich und mein Hund Tizon, wir starten unsere erste Tour Fahrt Richtung Nordosten, möchten auf einer ersten Testfahrt Deutschland erkunden. Gleichzeitig startet auch mein Reiseblog. Im September 2015 geht es dann nach Süden: Frankreich, Spanien und Portugal, bis wir im Dezember 2015 an der Algarve eintreffen.

An der Algarve verbringe ich dann ein paar Monate. Lerne dabei Menschen kennen, die zu Freunden werden – und darüber hinaus. Und so fahren Tizon und ich ab dem Frühling 2016 nicht mehr alleine durch Europa. Sondern zusammen mit Andre und seinem Hund Max. Bereits vorher war mir relativ klar, dass mein Nomadentum wohl kaum nach einem Jahr beendet sein wird. Ich habe Freiheit geschnuppert, das mobile Leben gefällt mir zu sehr – unvorstellbar, wieder in eine Wohnung zu ziehen. Nun stellt sich die Frage ohnehin nicht mehr, denn auch Andre lebt und reist im Wohnmobil durch Europa. Manchmal nimmt das Leben eine wunderbare Wendung.

Ach ja, und der Winter im Süden hat auch Tizon gut getan. OK, er musste während unserer Überwinterung in Portugal wieder einmal operiert werden, war aber nichts schlimmes. Aber sonst geht es ihm besser als vorher. Er hat genauso viele Flausen im Kopf wie vor 10 Jahren.

Als digitale Nomadin im Wohnmobil durch Europa

Reisen und dabei Geld verdienen – für viele wird dieser Wunsch ein Traum bleiben. Öfters erhalte ich Emails von Menschen, die wünschten dies auch zu können. Meine Antwort lautet immer: du musst es nur wollen. Und dir für den Aufbau deiner Selbständigkeit erst einmal den Hintern aufreißen. Denn von nichts kommt auch nichts, und aller Anfang ist schwer.

Ich bin unter anderem als Webdesignerin tätig. Habe die Freiheit selbst zu entscheiden, mit welchen Kunden und Geschäftspartnern ich arbeiten möchte. Außerdem betreibe ich verschiedene Internetprojekte. So habe ich mir in den letzten Jahren ein aktives wie passives Einkommen aufgebaut. Wie das mit dem passiven Einkommen funktioniert, diese Frage stellen mir viele. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Onlineprojekt aufbauen das langfristig Umsatz macht, ist nur eine Möglichkeit. Die allerdings etwas Vorlaufzeit benötigt. Aber ich sehe es so: was langsam wächst hat gute Chancen langfristig bestehen zu bleiben.

Mein Geschäft ist bewusst einfach strukturiert gehalten, ist papierlos, ohne Angestellte oder Büroräume, ohne hohe laufende Kosten. Denn zwischenzeitlich habe ich erkannt: weniger Verbindlichkeiten bedeutet mehr Freiheit. Diese bewahrt mir eben diese Vorzüge, die ich mir von meiner Selbständigkeit erhofft habe: zeitliche und geographische Flexibilität. Keine 40-Stundenwoche mehr, dafür mehr Spaß an dem haben was ich tue.

Dank mobilem Internet funktioniert das Arbeiten im Wohnmobil ganz gut, und ich genieße die besonderen Arbeitsorte meines mobilen „Homeoffices“: in den wunderschönen französischen Cevennen, auf den Klippen der Atlantikküste Nordspaniens, irgendwo im polnischen Outback oder direkt am Strand an der Algarve – einfach genial. Und ebenso wie sich mein Leben in nur einem Jahr sehr gewandelt hat entwickelt sich auch mein Business weiter. Ich bin nicht mehr in Deutschland ansässig, sondern in ganz Europa. Und ich lege vermehrt Wert darauf, nicht nur ortsunabhängig zu arbeiten, sondern es entwickeln sich auch Projekte, die sich zunehmend mit dem Digitalen Nomadenleben, dem Reisen durch Europa und dem Wohnmobil beschäftigen. Du darfst gespannt sein was noch kommen wird, gerade hier auf crosli.de.

Als Schlusswort noch mein Motto:

Life is not about finding yourself.
Life ist about creating yourself.