Dieser zweiteilige Reisebericht ist das Resumée unserer Rundreise durch Polen, natürlich mit dem Wohnmobil. In Teil 1 geht es einerseits um den Süden, aber auch um Organisatorisches – von Internet bis zu Straßen und Maut, und natürlich um die Stellplatzsuche. In Teil 2 (kommt dann im August) seht ihr dann, wie es uns im Norden (Masuren und Ostsee) gefallen hat.


Prolog: warum Polen?

Tiefenentspannt Bötchen fahren.

Tiefenentspannt Bötchen fahren.

Wenn du mal wieder mittelgute Polenwitze hören möchtest, kündige einfach an den Sommer in Polen verbringen zu wollen. Ja, wir sind jetzt seit zwei Wochen mit dem Wohnmobil in Polen unterwegs, und Nein, es hat noch keiner versucht was zu klauen. Soviel vorab.

Ursprünglich wollten wir nur an die polnische Ostsee, einfach weil sie auf Google Maps schöner und weniger überlaufen aussah als die deutsche Ostseeküste. Wie es dann zu dieser Rundreise kam weiß keiner mehr so genau. Irgendwie taten sich immer mehr interessante Wegpunkte auf, und als ich den Wunsch äußerte mal nach Auschwitz zu wollen war der Roadtrip durch Polen irgendwie gesetzt.

Mit dem Wohnmobil nach Polen: Organisatorisches und Informatives

Wo gibt es gutes und günstiges Internet, wie ist das mit den Straßen und der Maut, was heißt Hallo und Tschüss auf polnisch, und wo findet man Stellplätze, wenn selbst meinwomo.net kaum was hergibt?

Verkehr und Straßen in Polen: Maut oder Leid im Süden

Betonplatten-Wege bei der Platzsuche - übelst.

Betonplatten-Wege bei der Platzsuche – Spaß ohne Ende.

Wir reisen über Görlitz in Polen ein und bewegen weiter nach Südosten, unser erstes Ziel heißt Jelenia Góra. Noch wissen wir nicht wie es um die Straßenqualität in Polen besteht, doch man hat uns bereits vorgewarnt.

Fakt ist: Die Landstraßen im Süden von Polen sind eine einzige Katastrophe. Sorry, aber wohlwollender lässt sich das bei bestem Willen nicht umschreiben. Ich habe es auf die harte Tour gelernt: nach mehreren Tagen und Stunden Fahrerei, dank meinem faktisch ungefedertem Ducato und unzähligen Schlaglöchern, Bodenwellen, Bahnübergängen und vor allem Waschbrettpisten hatte ich eine komplette Woche lang starke Rückenschmerzen. Sicherlich hat das Sitzen am PC auch dazu beigetragen. Aber, wir haben daraus gelernt. Und erstmals fahre ich nicht blind da lang, wo mein Navi mich hinführt. Sondern ich checke vorher ab welche Straßenart es benutzen möchte. Denn es verhält sich folgendermaßen:

  • Einstellige Straßen sind Autobahnen und Schnellstraßen. Diese haben wir vermieden. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sind sie grundsätzlich mautpflichtig, für Fahrzeuge unter 3,5t nur teilweise.
  • Zweistellige Straßen sind Bundesstraßen, mautfrei, und meist gut in Schuss und nur bedingt kurvig.
  • Dreistellige Straßen sind Landstraßen, und zumindest im Süden / in Gebirgsnähe eine Katastrophe. Es holpert, es schaukelt, es rattert. Hinzu kommen ewig lange Ortsdurchfahrten, teilweise mit Tempo 40. Ab und an auch ein (unbeschrankter) Bahnübergang.

Ist das zulässige Gesamtgewicht deines Wohnmobils über 3,5t benötigst du für die Autobahn eine Mautbox von viaTOLL. Diese ist an Servicecentern erhältlich, dort kannst du dir eine für 120 PLN Kaution eine besorgen und dein Prepaidkonto auch gleich aufladen. Denn abgerechnet wird nach gefahrenen Kilometern (0,35PLN/km). Ist das Guthaben aufgebraucht kannst du es an einem Servicecenter (meist Werkstätten oder Tankstellen) oder per App wieder aufladen. Grundsätzlich ist die Autobahnmaut in Polen also recht günstig und unkompliziert. Und auch die Infowebseite von viaTOLL ist sehr gut gemacht. Hier findest du auch Servicecenter-Adressen, eine Karte mit mautpflichtigen Strecken usw.

Doch nicht alle Autobahnen können per viaTOLL bezahlt werden. Hinzu kommen noch die privat betriebenen Strecken, hier wird separat kassiert, an den klassischen Mautstationen.

Fahrzeuge unter 3,5t können an den Mautstationen übrigens mit Kreditkarte, Maestrokarte, Zloty oder in Euro (nur Scheine) bezahlen.

Unbeschrankte Bahnübergänge und entspannte Zebrastreifen

Grundsätzlich empfinde ich das Verkehrssystem in Polen gut durchdacht. Gerade auf Bundesstraßen gibt es oftmals extra Fahrspuren zum Ein- und Ausfädeln, was ich für eine gute Sache halte. Ich finde auch, es gibt weniger Ampeln. Dafür jede Menge Zebrastreifen. Jedoch geht es an diesen etwas entspannter zu. Es ist nicht so wie in Deutschland wo du beim Näherkommen jederzeit damit rechnen musst dass jemand ohne Vorwarnung die Straße überqueren möchte. Hier wird am Zebrastreifen gewartet bis sich LINKS eine passende Lücke im Verkehr auftut. So muss nur der Gegenverkehr abbremsen wenn jemand bereits beim Überqueren ist.

In ländlichen Gegenden gibt es öfters mal Bahngleise zu überqueren. Die unbeschrankten findet man in Deutschland ja gar nicht mehr, waren erst einmal ungewohnt – sind mir aber durchaus sympathisch. Denn die Wartezeit an der beschrankten Variante ist recht lange.

Polnische Zloti: Geld abheben und elektronisch bezahlen

In Polen soll man ja mit Zloty (PLN) bezahlen. Demzufolge führt unser erster Weg, angekommen in Jelenia Góra, zum Geldautomaten. Ich erinnere mich dunkel an einen Zeitungsartikel, in dem es um überzogene Gebühren (also Abzocke) an Geldautomaten warnt, bei der Umrechnung von Euro in Zloty. Und tatsächlich: nicht alle, aber viele Geldautomaten fragen, ob man den ausgewählten Betrag in Zloty oder in Euro zu einem festen, garantierten Umrechnungskurs ausbezahlt haben möchte. Hier auf jeden Fall Zloty wählen! Denn, wie ich später nochmals recherchiert habe, werden bis zu 10% Aufschlag für diese „Umrechnungsgarantie“ fällig.

Generell bezahle ich ja gerne mit Karte, nur kleinere Beträge in bar. Hier in Polen nutze ich meine meine DKB-Visakarte zum Geld abheben. Und bezahle dann auch meine Einkäufe etc. in bar. Denn beim elektronischen Bezahlen wird eine Auslandseinsatzgebühr von 1,75% fällig – was durchaus branchenüblich ist bei Umsätzen in Fremdwährungen (wie dem Zloty). Also kostet mich das Geld abheben am Automaten nichts, die Kreditkarte selbst ist ja auch kostenlos. Wobei ergänzt gesagt werden muss, dass ab Juli 2016 vom Geldautomatenbetreiber erhobene Gebühren fällig werden können. Das sieht man dann aber beim Geld abheben auf dem Display, wir werden sehen.

Passendes Kleingeld benötigst du vor allem für Parkautomaten bzw. von Hand kassierte Parkgebühren sowie Eintrittsgelder. Und für Eisdielen 🙂

Zloty in Euro umrechnen

Unsereins geht ja nicht mit dem Taschenrechner einkaufen, und so arbeite ich mit Ankern. 1€ sind 4,35 PLN. Daraus ergibt sich, in etwa:

4 PLN = 0,90€
5 PLN = 1,15€
10 PLN = 2,30€

Das stimmt freilich nicht ganz exakt, ich habe die Eurobeträge etwas angepasst – ist einfacher fürs Kopfrechnen.

Mobiles Internet: polnische Sim-Karte von PLUS – supergut, supergünstig

Mit Bargeld in der Tasche wenden wir uns dem Vorhaben zu eine Sim-Karte fürs Internet zu holen. Vorabrecherchen im Internet versprechen viel Datenvolumen für wenig Geld. Und da PLUS der Anbieter mit der besten Netzabdeckung in Polen sein soll suchen wir deren Laden auf. Und bekommen Folgendes:

  • Internet-SIM-Karte inkl. 0,5GB für 5 PLN
  • 35GB Datenpaket für 100 PLZ

Der nette Mitarbeiter hat die Sim-Karte und das Datenpaket gleich für uns aktiviert. Wir bekommen also für umgerechnet 24€ satte 35,5 GB, die wir nun bis Oktober versurfen können. Weil wir aber recht viel online arbeiten (und so) wird uns das kaum für unsere Polen Rundreise reichen. Kein Problem, einfach online aufladen und das nächste Paket buchen.

Unter online.plus.pl kannst du das (theoretisch) tun. Doch erstmal musst du es schaffen dich einzuloggen. Dazu benötigst du deine Telefonnummer sowie die letzten vier Ziffern der PUK – denn die sind das Passwort. Nun bekommst du eine SMS mit einem temporären Extrapasswort.

Wie es aber öfters ist bei ausländischen Telefonanbietern: Das Aufladen per Kreditkarte funktioniert nicht. Die Lösung heißt recharge.com. Hier konnte ich das Prepaid Konto aufladen, es war auch sofort verbucht. Warum ich das direkt mal ausprobiert habe? Weil es für 10 PLN ganze 200GB gibt! Und zwar für 30 Tage, zwischen 1 und 8 Uhr. Gut für Frühaufsteher oder schlaflose Nächte.

Dann musst du nur noch LTE aktivieren. Mit einer Kurzwahl, sie steht auf der Verpackung.

Die Netzabdeckung ist bis jetzt übrigens wirklich super. Ein stabiles 3G-Netz gibt es eigentlich immer, lediglich nahe der tschechischen Grenze hatten wir mal Probleme mit stabilem Netz. Da wir oft abseits von Städten stehen haben wir nur manchmal 4G.

prepaid-internet-sim-polen

Freistehen in Polen: Google Maps ist dein Freund

Im Vorfeld unserer Polen-Rundreise waren wir etwas verwirrt: auf unserem priorisierten Wohnmobil Stellplatz Führer meinwomo.net (welches wir übrigens offline am PC nutzen) sind kaum Freistehplätze und Wohnmobilstellplätze verzeichnet. Zumindest nicht im Süden. Dafür jedoch relativ viele Campingplätze. Und auf diese wollen wir ja eher weniger oft.

Unser bisher schönster Platz am See

Unser bisher schönster Platz am See

Angeblich ist das Freistehen in Polen offiziell nicht erlaubt. Die Praxis sieht jedoch anders aus. Gerade an den vielen Seen finden sich Wohnwagen – mitsamt aufgebautem Vorzelt und alles Mögliche. Mit Hund, Kind und Kegel wird geangelt und gegrillt, wie auf dem Campingplatz. So stehen auch wir bevorzugt frei an Gewässern. Wasser ist immer gut. Geeignete Plätze finden wir über Google Maps. Die Karte absuchen, nach dem nächsten möglichen Plätzchen – und dann einfach losfahren und herausfinden, ob der Weg dorthin überhaupt noch existiert und befahrbar ist. Das klappt nicht immer im ersten Versuch, doch meist haben wir einen Ausweichplatz in der Nähe ausgesucht.

Zur Ver- und Entsorgung einen Campingplatz ansteuern, so war unser Plan. Der aber nur mit etwas Kreativität aufging. Denn dass Wohnmobile nicht gerade gängige Reisemobile in Polen sind, das haben wir ja bereits festgestellt. Man sieht kaum welche, weder auf den Freistehplätzen noch auf der Straße noch auf dem Campingplatz. Frischwasser zapfen ist kein Problem, es gibt Wasserentnahmestationen, alle paar dutzend Meter, wie auf jedem anderen Platz auch. Doch ein Loch zum Drüberfahren um das Brauchwasser zu entsorgen … schwierig. Da war so nichts vorgesehen, aber dank langem Schlauch und einem Abfluss an den Dixiklos sind wir unser schmutziges Wasser doch noch losgeworden. Schätze, dass die Sache mit dem Ver- und Entsorgen noch interessant bleibt. Gut, wer ausreichend große Tanks an Bord hat.

Im Sommer empfehle ich ein erfrischendes Bad im See oder Fluss. Nimm das „Dreckshampoo“ (Wascherde von Logona) mit, schon ist kostbares Wasser gespart. Das Wasser in den Seen war bisher grundsätzlich sauber und klar, allenfalls ein paar Algen haben es eingetrübt.

Die Polen nehmen es mit dem Thema „Entsorgen“ übrigens nicht ganz so ernst. Da wird die Chemietoilette mitten auf der Wiese, vor den Augen aller anderer, entleert. Auch die Büsche an einem See waren voller Sch…. . Doch ich übernehme nur ungern schlechte Angewohnheiten anderer, deshalb wird sich immer eine Möglichkeit finden anständig zu entsorgen. Dasselbe gilt für das Thema Müll. Es liegt teilweise schon etwas viel herum. Dabei gibt es überall große Mülltonnen. Plus gelbe für Plastik, blaue für Papier usw.

Einkaufen in Polen: Supermärkte und mehr

Es ist bei mir nunmal so: wenn ich in ein neues Land reise kann ich erst einmal Stunden in Supermärkten verbringen. Nicht, dass ich übermäßig viel kaufe, es geht mehr ums Stöbern und ums Herausfinden, was man hierzulande denn so isst. Und ich wechsele die Supermärkte durch. Daher kann ich nach zwei Wochen was über alle gängigen Märkte berichten 😉

Aus Deutschland kennen wir Lidl und Aldi Nord – sie sind in Polen gut vertreten. Aldi hat mich nicht überzeugt. Lidl hingegen ist super. Gute Auswahl günstige Preise. Das Sortiment wird wie auch sonst europaweit gehandhabt: Den Großteil erkennst du wieder, hinzu kommen einige landestypische Produkte. Kaufland, Tesco, Carrefour und Continente sind größere Läden, die alles haben, vor allem Markenprodukte, Haushaltswaren, Klamotten … das Sortiment orientiert sich an der Größe des Geschäfts. Biedronka, Dino und Eko scheinen rein polnische Supermärkte zu sein, sie waren mir zumindest bisher unbekannt. Es gibt sie in klein, als Dorfladen, aber auch in Discountergröße. Normales Sortiment, würde ich sagen.

An vielen Straßenrändern und in Fußgängerzonen, teilweise auch vor Supermärkten, gibt es Verkaufsstände mit Obst und Gemüse. Die Qualität muss man sich anschauen, der Preis ist günstig. Und im Idealfall wird noch ein kleiner Obstbauer der Region unterstützt. Dann gibt es natürlich noch die üblichen Wochenmärkte, die wir bisher jedoch nicht besucht haben.

Lebensmittel sind günstig, kosten vielleicht zwei Drittel im Vergleich zu Deutschland. Kommt natürlich immer darauf an was man kauft. Kein Pfand auf Flaschen und Dosen! Wir werden uns vor unserer Rückfahrt nochmal schön eindecken. Was man ruhig mal ausprobieren kann: „Pierogi ruskie“, also Piroggen mit Zwiebeln, Speck und Sauerrahm gefüllt (glaube ich zumindest). Kann man fertig im Frischeregal kaufen. „Dobronski cydr“, also Cidre, sehr angenehm. Und es gibt einiges an Würsten (zum Grillen) und Käse auszuprobieren. Wer Kraut mag ist hier gut aufgehoben, die eingelegten Gurken sind meines Erachtens mit Vorsicht zu genießen.

Polnisch lernen und übersetzen: Nix Englisch in Polen.

Gerade ältere Polen können einfach kein Englisch. Wo es Touristen gibt ist es besser, aber ansonsten kommst du nur auf polnisch weiter. Leider liegt mir die Sprache überhaupt nicht. Zu sehr unterscheiden sich Schriftbild und Phonetik, ich kann mir Ausdrücke einfach nicht merken. Damit ich nicht nur vor mich hinstammeln kann nutze ich drei Tools:

  1. Babbel Onlinekurs: Auf babbel.com anmelden, und dann am besten am Laptop und mit Mikrofon (Headset) arbeiten. Es findet viel über Konversation statt, das Programm kontrolliert deine Aussprache. Da bleibt auch mal was hängen. Das Abo kostet 10 Euro im Monat, ist etwas billiger im 3-Monats-Paket, du kannst es aber sofort kündigen und bei Bedarf einfach wieder aktivieren. Gibt es in vielen verschiedenen Sprachen, ich nutze es gerne.
  2. LEO Onlinewörterbuch: leo.org zum Übersetzen einzelner Begriffe, mit großer Datenbank. So einstellen dass es in beide Richtungen funktioniert, kannst also deutsche und polnische Wörter eingeben. Einfach den Link als Lesezeichen speichern oder die App installieren. Letztere ist leider nicht offline verfügbar.
  3. Google Translate App: diese gibt es im Playstore und man kann eine Sprache offline verfügbar machen. Ein weiteres nützliches Tool ist das Abfotografieren von Texten (z.B. Supermarkt) bzw. potentiellen Verbotsschildern.

Essen in Polen: Kraut, Suppe und billiges Fast Food

Die typisch polnische Küche haben wir ehrlich gesagt noch nicht so wirklich kennen gelernt. Wir wissen: es gibt viel Suppe, gerne im Brotlaib. Ansonsten viel Fleisch und Kraut, und eben Piroggen. Freunde des Fastfood finden in Polen ein Paradies vor: der McDonalds ist erfreulich günstig, Burger, Menüs und Eis kosten vielleicht die Hälfte im Vergleich zu Deutschland. Und es gibt diese elektronischen Bestellterminals, so dass du auch ganz ohne polnisch dein Essen bestellen kannst. Wer weiß, vielleicht kommt im Polen-Reisebericht Teil 2 noch was zu diesem Thema …

Der polnische Musikgeschmack: 80er und 90er.

Ach ja, das ist es mir wert: im polnischen Radio spielen sie bevorzugt Musik der 90er. Haddaway, Roxette, ich weiß nicht was noch alles. Doch es sind viele Songs dabei die mich an die Schuldiscos von früher erinnern. Eine zeitlang echt spaßig, doch irgendwann wird es gruselig. Aber dank gigantischem Internet können wir online Spotify oder Radio hören.

Unsere Tour: Riesengebirge, Oder, Auschwitz und Weichsel

Stadtbummel in Nysa (50.474260, 17.333305)

Stadtbummel in Nysa (50.474260, 17.333305)

Eines konnten wir im Vorfeld auf der Karte sehen: fährst du in Polen in Richtung Norden wird das Land flach. Also fahren wir erstmal in die Hügel, visieren den Fuß des Riesengebirges an. Wagen uns aber nur ein Stückweit rein, denn die tschechische Grenze ist nahe. Und wir waren ja bereits im Elbsandsteingebirge viel laufen. So stehen wir hier und da frei an einem schönen See, ausnahmsweise auch mal auf dem Campingplatz.

Gerade zwischen Jelenia Góra und Krakau gibt es hier einige Möglichkeiten. Nach Krakau jedoch nimmt die Dichte an Seen ab. Was uns nichts ausmacht, denn nun folgen wir der Weichsel in Richtung Norden, sie wird uns die nächsten Wochen über Warschau bis an die Ostsee nach Danzig führen.

Direkt an den Flussauen kannst du wunderbar stehen – mal auf einer Wiese, mal an einem Kiesstrand, mal mit einer Sandbank. Die Weichsel ist (bis jetzt) noch nicht befahren, es kommen also keine Schiffe vorbei. Und wenn du entsprechend gut stehst, auch sonst niemand.

Ein Besuch in Auschwitz

konzentrationslager-auschwitzEin fixes Zwischenziel war das Konzentrationslager Auschwitz. Ein Punkt, der eigentlich obligatorisch ist, reist du durch den Süden von Polen. Ich denke es gibt keinen anderen Ort der so eindrucksvoll belegt zu welchen unvorstellbaren Grausamkeiten Menschen fähig sein können.

So funktioniert der Besuch: es gibt das Stammlager (Auschwitz 1) und 3km entfernt das zweite Lager Birkenau (Auschwitz 2). Im Stammlager war die Verwaltung, und hier saßen alle möglichen unerwünschten Ethnien ein. In Auschwitz-Birkenau, dem Vernichtungslager, fokussierte man sich auf die Ermordung über einer Million Juden. Du machst bitte nicht den gleichen Fehler wie wir und fährst nach Birkenau, sondern zum Stammlager (50.029372, 19.201951). Es gibt Parkplätze direkt davor (10 PLN). Nun buchst du eine geführte Tour auf deutsch (45 PLN). Im Internet steht, dass man online Monate vorher buchen soll. Doch wir hatten Glück, es war unter der Woche vielleicht auch nicht so viel los, und so startete unsere Tour nach 20min. Du bekommst Ohrhörer und einen Empfänger, und dein Guide führt dich durch einige wichtige Gebäude und Orte im Stammlager, dazu gibt es jede Menge Informationen. Dann geht es mit dem Shuttlebus ins zweite Lager, Auschwitz-Birkenau.  Die gesamte Führung dauert ca. 3,5h. Und einige Bilder und Details werden ganz sicher unvergesslich bleiben.

Vorläufiges Fazit: Polen ist eine Reise wert!

Dafür, dass wir ursprünglich eigentlich nur an die polnische Ostsee wollten, vielleicht noch in die Masuren, gefällt uns der Süden von Polen außerordentlich gut. Und das wird es auch dir – wenn du auf freundliche Menschen, historische Städte und viel Natur drumherum stehst. Tatsächlich stehen wir eigentlich immer im Grünen. Zwischen Büschen, am See, am Waldrand. Heute hoppelten Hasen und es flog ein Rebhuhn, wir waren in der Weichsel baden und auch in der Sonne. Das Wetter in Polen soll ja tendenziell wärmer / besser sein als in Deutschland, habe ich mir sagen lassen. Soll mir recht sein.

Was auf einer Polenreise Sinn macht ist ein Bootchen. Denn es gibt im Süden einige Seen, und in den Masuren ja sowieso. Wir haben uns beim Decathlon diese aufblasbare Kanu besorgt, plus zwei Paddel. Dank wohnmobileigenem Druckluftanschluss war das schnell aufgepumpt, es gibt für diesen Zwecke aber auch 12V Pumpen – die die Luft nach Gebrauch auch wieder absaugen.

kolorowe-jeziorkaEs gibt in Südpolen viele eindrucksvolle historische Gebäude. Einige wurden im zweiten Weltkrieg nicht verbombt, andere aufwändig wieder aufgebaut. Darunter auch imposante Schlösser, die besichtigt werden können. Generell, wer Interesse an Geschichte hat, wird in Polen viel Interessantes für sich entdecken können. Einer unserer nächsten Stopps wird Lublin sein, eine Stadt mit eindrucksvoller Historie.

Mit einem (großen) Wohnmobil bist du selbst eine Attraktion in Polen. Mein kleiner Kastenwagen ist jetzt weniger von Interesse – Andre sein großes Womo hingegen erfreut sich großer Beliebtheit. Es wird geguckt und gewunken. Aber keiner sah danach aus, als wollte er es klauen. Also weg mit den Vorurteilen und ab nach Polen. Unsere Kontakte mit Einheimischen hier waren durchweg positiv bisher. Gut, wir haben sie meist kaum verstanden. Aber egal, wichtig ist ja, dass du positiv empfangen wirst. Von angeblichen Vorbehalten der Polen uns Deutschen gegenüber habe ich bisher noch nichts mitbekommen.

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