Und schon wieder sind drei Wochen vorbei. Dafür, dass wir uns einfach nur treiben lassen rast die Zeit ganz schön schnell. Und so gibt es diesmal auch nicht wahnsinnig viel zu berichten. Zumal ich einige Dinge ja bereits in meinem Polen-Reisebericht Teil I erzählt habe.

Gut, im Prinzip sind wir die vergangenen drei Wochen von einem See zum nächsten gehoppelt. War mal kein See in der Nähe, dann sind wir eben am Fluss gestanden. Hauptsache ruhig, am Wasser und im Grünen. Und Sommer gab‘s auch noch…

Vom Südwesten nach Südosten

Und genau das haben wir die letzten Wochen erfolgreich praktiziert: fernab der Zivilisation an einem Gewässer stehen. Die „unberührte“ Natur beeindruckt mich dabei immer noch. Sie verändert sich auf unserer Reise, ist immer wieder anders schön. Flussufer sind nicht begradigt, deren Ufer sind teils überwuchert, und es hat immer wieder tolle Sandbänke. Die vielen Seen sind nur in Stadtnähe touristisch erschlossen, und auch das nicht so extrem wie bei uns. Ihre Ufer sind mit Schilf bewachsen, es gibt überall kleinere Buchten – und an genau diesen stehen wir.

Die letzten 2 Kilometer

Die letzten 2 Kilometer sind immer die härtesten.

Es findet sich immer ein ruhiges Plätzchen. Wenn man dazu bereit ist etwas unorthodoxe Wege zu fahren. Und, was ich genauso schön finde: es hat noch nie jemand was gesagt. Gut, ein Pole wollte uns glaub mal darauf aufmerksam machen dass wir auf dem Privatgelände vom Angelverein stehen. Glaube ich zumindest im Nachhinein, verstanden habe ich nämlich nix. Ältere Polen sprechen tendenziell kaum ein Wort Englisch. Also hat er es wohl aufgegeben und wir sind stehen geblieben.

An einem anderen See kamen mal Wasserpolizei mit dem Bootchen und ein privater Sicherheitsdienst mit dem Auto vorbei. Und fuhren weiter. Scheinbar hat es nicht gestört dass wir mehrere Tage am Seeufer rumstanden. Dafür ist mir weiter positiv aufgefallen wie offen und freundlich die Polen sind. Sie grüßen dich, quatschen dich zu, natürlich auch wenn du kein Wort verstehst. Irgendwann geben sie es auf. Und fischen eine Pedigree-Tüte aus ihrem Kofferraum. So kommen auch unsere Hunde mal zu Frühstück. Ich hatte wirklich noch keine negative Begegnung mit den Polen. Außer, sie fahren Auto.

Bootchen fahren und schwimmen: Seen-Hopping als Lifestlyekonzept

Angesichts der vielen Seen hier haben wir beim Decathlon ein recht preiswertes, aufblasbares Kanu geschossen. Hier machte es sich mal wieder bezahlt, dass wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs sind. Erstens, weil mein Ducato für eine Shoppingtour in die nächst größere Stadt echt praktisch ist. Zweitens, weil du ein ziemlich aufgepumptes Bootchen mit über 3m Länge einfach hinten reinschieben kannst. Der Elektroaußenborder fehlt noch, daher paddeln wir ein bisschen und dümpeln auf dem jeweils aktuellen See rum. Die Hunde finden es auch ganz nett.

Was ich schön finde ist auch, dass bisher alle Seen wirklich sauberes Wasser haben. Nur einer hatte mal eine etwas biologische Farbe, waren wohl Blaualgen. Nicht hübsch, aber unbedenklich. Und was gibt es schöneres bei 35 Grad als eine Abkühlung im See oder Fluss. OK, Eiscreme ist auch nicht schlecht.

Ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele

Konzentrationslager Auschwitz I

Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz I

Wie im Polen-Reisebericht Teil I bereits berichtet, haben wir das Konzentrationslager Auschwitz besucht. Was bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen und für einige Gedankengänge gesorgt hat. Auschwitz als Extrembeispiel dafür, dass es nicht nur einen einzigen Sozio-/ Psychopathen wie Hitler oder Mengele braucht für solche grausame Taten. Damit so eine perfide Einrichtung wie Auschwitz funktioniert müssen sich viel mehr Menschen daran beteiligen.

In Auschwitz werden die unfassbaren Handlungen der Nazis erlebbar. Zum einen natürlich, weil sie in Auschwitz-Birkenau schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen, primär Juden aus ganze Europa, innerhalb nur anderthalb Jahren vergast haben. Aber sie haben Menschen nicht nur erbarmungslos getötet – sondern sind mit den Lebenden auf unbeschreiblich sadistische Art umgegangen. Wenn du Auschwitz einmal persönlich besucht hast, dann haben Dokumentarfilme eine ganz andere Intensität.

Angesichts solcher Bilder und Eindrücke fällt es mir noch schwerer nachzuvollziehen wie Menschen heute zu Neonazis werden können. Wie AfD/Pegida-Mitläufer zusammen mit Neonazis und Rechtsradikalen mitlaufen können. Unreflektiertes, eifriges Kopfnicken, hat es nicht schonmal so begonnen, und nur zu Gewalt und Hass geführt?

Wir lassen uns Richtung Norden treiben: immer die Weichsel entlang, bitte

schön.

Einfach nur schön.

Ach ja, kommen wir thematisch zurück nach Polen. Ich habe keine Ahnung ob es in Polen Müllgebühren gibt. Verstärkt sich jedoch mein Eindruck, dass so manch ein Pole sich recht gleichgültig gegenüber der schönen Natur verhält, die er vor seiner Haustüre findet. Einen neuen Übernachtungsplatz erst einmal nach Glasscherben abscannen und etwas Müll in die Tüte werfen gehört langsam schon zum Ankommenritual. Auch darf ich bei meinen Gassirunden um einen (beliebigen) See massenhaft Plastikmüll bewundern. Aber es sind vielleicht auch nur einige Jugendliche die am Seeufer etwas feiern. Die gibt es überall und es tut der Schönheit des jeweiligen See- oder Flussufers keinen wirklichen Abbruch – schade finde ich es aber dennoch. Und so unnötig.

Tatsächlich finden wir einen tollen Übernachtungsplatz nach dem anderen. Denken wir noch „diesen Platz können wir wohl kaum toppen“, findet sich doch immer wieder ein neues schönes Plätzchen, mindestens genauso schön.

Und so geht es immer die Weichsel entlang, zumindest bis Warschau. Mal stehen wir direkt am Bach, dann wieder an einem See. Die Weichsel hat schöne Sandbänke, teilweise mit richtig feinem Sand. Hier machen Spaziergänge richtig Spaß – erst recht mit den Hunden. Sogar Max hechtet inzwischen ins Wasser. Zumindest wenn er gerade vergessen hat, dass er eigentlich wasserscheu ist. Bei 35 Grad wird wohl jeder Hund zumindest ein bisschen zur Wasserratte. Tizon braucht hierbei übrigens keine Motivation. Ein reinrassiger Wasserhund, im Sommer wie Winter. Was den Nachteil mit sich bringt, dass er langsam aber sicher wie eine Wasserratte stinkt. Mehr Ratte als Wasser. Der Herr braucht ein Bad.

Sandomierz: per Zufall ein historisches Schätzchen entdeckt

Sandomierz

Sandomierz, das Rathaus

Unser Wasser ist ziemlich leer, es röchelt schon. Und da keinen so richtig schönen Platz zum Freistehen in der Gegend finden machen wir es uns leicht: eine halbe Stunde nördlich vom schönen Tarnobrzeg-See gibt es in Sandomierz einen Campingplatz. Genau zwischen historischer Altstadt und gut befahrener Bundesstraße. Der Platz ist erste Sahne, seine Duschen und Waschmaschinen auch. Die auserwählte Pizzeria erweist sich zwar als nur mittelmäßig, das riesige Softeis für 6 Zloti hat dann aber auch satt gemacht. Erst während unserer kleinen Altstadtrunde zu Fuß und danach im Internet haben wir herausgefunden, dass Sandomierz einiges an Historie zu bieten hat. Alte Gebäude aus diversen Epochen, die diverse Kriege überstanden haben. Diese Stadt ist auf jeden Fall einen Zwischenstopp wert! Und würde der Campingplatz etwas weiter von der Hauptstraße entfernt liegen wäre es wirklich perfekt gewesen. Diese hat uns allerdings etwas den Schlaf geraubt. Wir sind vielleicht schon etwas zu verwöhnt von der absoluten nächtlichen Stille die letzten Wochen.

Fakten

  • Wir sind an 7 verschiedenen Seen gestanden, insgesamt 15 Nächte lang
  • Fünfmal an Flüssen, in elf Nächten
  • Zweimal auf einem Campingplatz, für insgesamt drei Nächte
  • Getankt habe ich zweimal für durchschnittlich 1€ pro Liter Diesel
  • Meine großen Lidl-Einkäufe sind um ein Drittel günstiger.
  • Campingplätze kosten zwischen 8 und 25 Euro (2 Menschen, 2 Hunde, 2 Womos, kein Strom)

Fast von der Straße geschossen

Es ist uns schon länger aufgefallen: immer wieder sehen wir Unfälle, auf kerzengerader Strecke. Meine Vermutung, dass es sich um das Ergebnis riskanter Überholmanöver handelt, verstärkt sich dieser Tage zunehmend. Umso besser die Straßen, desto schneller fährt der Durchschnittspole. Auch am Sonntagmorgen haben es einige sehr eilig. Und so hat mich ein mir entgegenkommender Überholer fast abgeschossen. Ich sowie der überholt Werdende, wir haben beide gut reagiert und sind mit dem rechten Reifen auf den unbefestigten Straßenrand gefahren. So, dass dieses überholden A… zwischen uns Platz hatte. Das hätte auch schief gehen können, und die restliche Fahrt über war ich etwas unentspannt.

Hallo Masuren – viel Wasser und Wiese

Hunde in Wiese

Hunde in Wiese. Max spielt größenbedingt verstecken.

Eines unserer wenigen gesteckten Ziele waren die Masuren. Klar, wer auf Seen steht und sich extra ein Bötchen gekauft hat darf diese Seenlandschaft nicht auslassen. Und so machen wir uns von dem netten Flüsschen Narew aus auf den Weg. Eindreiviertel Stunden Fahrt, auf einer meist zweistelligen Straße, hört sich ganz machbar an. Pustekuchen.  Heute gab es alles Negative, was Polen’s Straßen zu bieten haben im Paket. Landstraßen, ein einziger Flickenteppich. Teilweise recht schmal, bei entgegenkommenden LKWs wurde einem ganz anders. Aber den Vogel abgeschossen hat das Navi. Eine „Abkürzung“, etwa 4km lang, mitten übers Feld und durch den Wald. Über einen Weg, auf dem die letzten fünf Jahren vielleicht drei Traktoren gefahren sind. Was bin ich froh dass mein Auspuff noch am Auto hängt.

Heute sind wir also in den Masuren angekommen. Der auf Google Maps augeguckte Übernachtungsplatz am See „Sniardwy“ war leider nichts, weshalb wir einfach ein Stück weiter gefahren sind. Allerfeinste Waschbrettpiste, versteht sich. Aber, der Weg hat sich mal wieder gelohnt. Wir finden einen schönen Platz direkt am Ufer eines kleinen Nebensees, den wir auf Maps glatt übersehen haben. Wir stehen direkt am Wasser, weit und breit keine Menschenseele. Die Hunde rasen durch die Wiesen, Tizon gräbt sich zu den Mäusen durch und geht zwischendurch mal baden. Der Wind ist schon wieder weg und die nächsten Tage soll es wieder wärmer werden. Uns erwarten ein paar entspannte Restwochen in Polen, erst hier in den Masuren und dann an der polnischen Ostsee.

Heute Abend wird es noch interessant. Die Geschichte beginnt, dass wir am See Gesellschaft bekommen, ein paar einheimische Angler. Wir stehen wohl auf deren Platz, genauer gesagt AUF deren Feuerstelle. Und nachdem wir die Womotüre zumachten weil mein Hund die Belleritis hatte, dauerte es nicht lange und es klopft an der Türe. Es war ein Pole im Survivaloutfit, der kein Wort deutsch oder englisch versteht. Unser polnisch ist ja bekanntermaßen ebenso schlecht. Wir denken uns, dass er uns sagen möchte, wir können hier nicht stehen bleiben. Erst ein Anruf bei seiner deutsch sprechenden Frau brachte Klarheit: Dass wir die Womotüre zumachten führte zur Verwirrung. Sie dachten, wir hätten vielleicht Angst vor der Gruppe Männer. Schön, dass wir diesen Irrtum aus der Welt schaffen konnten. Nun sind wir zu gegrilltem Fisch eingeladen. Und hoffen, dass etwas portugiesisches Bier einige Sprachbarrieren überwinden kann.

Auschwitz-Birkenau

Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Weichsel

Strandtage an der Weichsel

Am See von Tarnobrzeg

Am See von Tarnobrzeg

Nebenstraße nach polnischer Definition

Nebenstraße nach polnischer Definition: fahre besser NEBEN der Straße.

Wieder direkt am See ...

Wieder direkt am See …

See in den Masuren

Hier stehen wir heute: an einem See in den Masuren