Mit dem Wohnmobil eine Rundreise durch Polen machen – die meisten denken hierbei in erster Linie an die Masuren und die polnische Ostsee. Und so nehme ich mich heute mal dieser Gegend an: es geht von der Masurischen Seenplatte ins Ermland und die Danziger Bucht, also an die polnische Ostseeküste – und natürlich nach Danzig.

Ja, wir haben längst nicht alles sehen können in dieser schönen Region. Unsere etwas sehr langsame Reisegeschwindigkeit, gepaart mit durchschnittlichem Wetter und zu vielen möglichen Zwischenstopps machen sowas einfach nur unmöglich. Also beinhaltet dieser Reisebericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit – sondern dient alleine zur Inspiration und Information.


Masuren: viele Seen und Hitlerbunker

Masurische Seenplatte: Natur pur

Masurische Seenplatte: Natur pur

Polen gehört zu den seenreichsten Ländern weltweit, und die Masuren haben daran einen großen Anteil. Ein See reiht sich an den nächsten, und oftmals sind sie mit Kanälen verbunden. Die Masuren sind touristisch erschlossen. Erstmals auf unserer Reise sehen wir Hotels, Pensionen – und jede Menge Campingplätze.

Wettertechnisch haben wir etwas Pech: es ist durchgängig bewölkt, öfters mal Gewitterstimmung. Schwüles Wetter in Kombination mit Seen, da haben Bremsen und Stechmücken Hochsaison. Auch im See baden zu gehen viel ins Wasser. Dabei sind die Seen der Masuren durchweg sauber, die Ufer haben teilweise Sandstrände und werden auch von Einheimischen rege benutzt.

Wer in den Masuren übrigens freistehen möchte, der wir d eher an den kleineren Seen fündig. Die sind touristisch nicht erschlossen, allenfalls einheimische Badegäste verirren sich hierher. Die meist etwas ruppige Anfahrt lohnt auf jeden Fall: Die leicht hügelige Landschaft, schöne Wiesen, an den Ufern ein paar Bäume und viel Schilf, viel Flora und Fauna gibt es hier zu bestaunen. Wirklich unberührte Natur.

Gizycko (Lötzen)

Feste Boyen - Lötzen

Feste Boyen – Lötzen

Die Stadt, die ich im Folgenden als Lötzen bezeichne heißt eigentlich Gizycko. Das aber erst seit 1946 – man wollte wohl den deutschen Stadtnamen nach dem Krieg loswerden. Da der neue Name jedoch ein ganz schöner Zungenbrecher ist bleibe ich einfach beim alten.

So etwas wie die historische Altstadt haben wir vergebens gesucht. Aber dennoch einiges gefunden: einen Kanal mit Aufklappbrücke, die aber nur für Pkw befahrbar ist. Sie wird wohl nur ein paarmal täglich aufgeklappt, denn wenn es mal soweit ist herrscht reger Schiffsverkehr. Eine Art Uferpromenade, die zugleich Fressmeile ist. Ein Jahrmarkt, auf dem man schnelle und langsame Karussell fahren, aber auch gut und günstig essen kann. Mit diversen Softeis-Ständen. Wir hatten den Eindruck, als wäre der Jahrmarkt – zumindest in der Sommersaison über – eine feste Installation.

Alte Sachen findet man in Lötzen dennoch: die Feste Boyen ist ziemlich alt. Es handelt sich dabei um eine große Anlage, mit sternförmigen Außenmauern, die in der Vergangenheit unterschiedlich genutzt wurde, zivil wie militärisch, alles in Backstein errichtet und größtenteils begehbar. Es ist ein schöner entspannter Spaziergang, Hunde am besten gleich mitnehmen, dann waren die auch schon Gassi.

Campingplatz Lötzen

Unser Campingplatz in Lötzen liegt am östlichen Rand der Stadt. Trotz Hauptsaison gab es viel Platz, und recht preiswert war er auch noch. Sanitärgebäude sind in Ordnung, die Ver- und Entsorgung ebenso. Das Restaurant können wir nicht beurteilen, der junge Bursche hinter der Theke hatte keine Lust uns zu bedienen. Positiv ist noch der nette kleine platzeigene Strand. Weniger schön fand ich die Flutlichter mit denen der Platz ausgeleuchtet war. Nicht mit dem weißen Wohnmobil unters Flutlicht stehen! Vor allem nicht so, dass die Wohnmobiltüre im Licht steht! Heerschaaren von Mücken warten nur darauf dass die aufgeht!!!

Wir haben auf unserem Stadtrundgang noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten gefunden. Vom Wohnmobilstellplatz an der Marina ist abzuraten. Die Bahngleise führen direkt daran vorbei, die Güterzüge sind lang und laut. Der Jahrmarkt nebenan auch. Netter sah der kleine Campingplatz am Kanal (54.034364, 21.761140 ) aus, nahe der Klappbrücke. Hier standen die Womos direkt am Nebenufer. Perfekt um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Wir mussten mit dem Auto reinfahren.

Wolfsschanze: zu Besuch im Führerhauptquartier

Wolfsschanze - Bunkerreste

Wolfsschanze – Bunkerreste

Eine Besichtigung der Wolfsschanze gehört von Beginn an zu unseren wenigen fixen ToDo’s auf unserer Polen Rundreise. Und wir haben mehr vorgefunden als erwartet: der gesamte Komplex umfasste einmal rund 200 Gebäude, wovon einige noch stehen. Was für die Bunker jedoch nur bedingt gilt, haben die Nazis diese doch mit viel Sprengstoff in die Luft gejagt als die Russen im Januar 1945 im Anmarsch waren. Was für den heutigen Besucher schade ist, denn eine mögliche Begehung doch das Verhältnis von Gebäudegröße und nutzbarer Wohnfläche vermutlich eindrucksvoll verdeutlichen. Denn bei bis zu 8 Meter Wand- und Deckenstärke bleibt nicht mehr viel Raum zum Wohnen übrig, so waren die eigentlichen Räume in den Bunkern auch recht kompakt.

Die Wolfsschanze ist heute touristisch zugänglich gemacht. Aber in angenehmen Ausmaß. Parken kostet 35 PLN pro Fahrzeug, inklusive Eintrittspreis. Und man kann mit dem Wohnmobil wohl auch über Nacht stehen bleiben. Im hinteren Teil des Parkplatzes ist ein Campingplatz ausgewiesen. Dieser wird tagsüber allerdings als normaler PKW-Parkplatz benutzt, sobald der vordere voll ist. Dies war bei unserem Besuch gegen Mittag der Fall. Schätze 10 Uhr wäre die perfekte Uhrzeit eine Besichtigung der Wolfsschanze zu starten.

Zwei verschiedene Rundwege führen einen über das Gelände. Du kannst einen oder beide gehen, mit oder ohne Führer (upps, ein Wortspiel), die Wege sind markiert. Da jedoch nirgends dran steht welche Funktion einzelne Gebäude inne hatten macht es Sinn, wenigstens einen kleinen Plan oder ein Heftchen (17 PLN) in Papierform am Eingang zu erwerben. Es ist aber auch möglich sich mit einem deutschsprachigen Bunkerführer auf Erkundungstour zu gehen –auf jeden Fall die aufschlussreichere Variante. Ohne ist es hingegen etwas entspannter, und ein netter Spaziergang (mit Hund).

Nach getaner Arbeit empfiehlt sich übrigens ein Besuch im „Restaurant Wolfsschanze“. Fixe Bedienung, gute Hausmannskost und Preise.

Mit dem Wohnmobil frei am See stehen, nahe der Wolfsschanze

Die letzten Meter zum See

Die letzten Meter zum See

Wo übernachten, nach einem trubeligen Besuch des Touristenmagnets Wolfsschanze? Wenn du Ruhe und einen netten Freistehplatz an einem See suchst, dann schau mal Jezioro Dejguny ( 54.04685, 21.62191 ) vorbei. Ein typisch polnisches Ufer eines kleinen Sees: Keine Touristen, nur Einheimische. Die sich mit ihrem Wohnwagen teilweise häuslich eingerichtet haben. Plus ein paar Badegäste, die über den Tag verteilt kommen und auch wieder gehen. Typisch polnisch ist aber auch die Anfahrt: eine sandige Schlaglochpiste, teilweise gesäumt von Büschen. Kratzspuren am Auto sind ja auch irgendwie Andenken an den Polenurlaub 😉

Masuren-Camping: Viele Campingplätze, und ein paar Freistehplätze

Masuren: Freistehen mit dem Wohnmobil

Masuren: Freistehen mit dem Wohnmobil

Die Masurische Seenplatte ist touristisch durchaus erschlossen. Allerdings nicht so schlimm wie in anderen Touriregionen. Wir haben uns auf einen Besuch der Masuren gefreut, einfach weil es so viele Seen hier gibt. Und man im Süden von Polen an jedem zweiten See frei stehen konnte. Erstaunlicherweise ist das in den Masuren weniger einfach. Es mangelt entweder an brauchbaren Anfahrtswegen, an Parkmöglichkeiten am Ufer, oder aber es ist bewohnt, touristisch erschlossen oder voller Wald. So scannen wir Google Maps nach möglichen Plätzen ab, und auch gleich nach 1-2 Ausweichplätzen.

Stehen zwischendurch aber auch auf einem Campingplatz, entweder zwecks Stadtbesuch oder zum Ver-/Entsorgen. Die Preise sind alle ähnlich: 20 PLN pro Auto und pro Person. Für Hunde nehmen sie zwischen nichts und 5 PLN. Zu Strompreisen kann ich nichts sagen, wir benötigen keinen. Reine Wohnmobilstellplätze gibt es in ganz Polen übrigens eher wenige. Braucht es ja auch nicht, bei der guten Auswahl an Campingplätzen. Welche bisher zwar stets gut besucht, jedoch nie übervoll waren – und das zur Hauptreisesaison.


Ermland: Oberlandkanal und Elblag

Ein Highlight für Fans von Schiffen und (alter) Technik sind sicherlich die Schiffshebewerke vom Oberlandkanal (auch als Oberländischer Kanal, Kanal Elblaski oder Oberländer Kanal bezeichnet).

Schiffshebewerke / Rollberge am Oberlandkanal

Oberlandkanal

Oberlandkanal: Schiffchen auf Wiese.

Nun sind die insgesamt 5 Schiffshebewerke am Kanal auch das Ziel zahlreicher anderer Touristen. Wir haben mehrere deutsche Reisebusse dort gesehen. Am einen Herbewerk waren zu viele Touristen, beim nächsten fand sich ein Wohnmobilstellplatz. Der sah zwar ganz nett aus, verfügte jedoch über matschige Wiesen, keine erkennbare Infrastruktur und noch schlechterem Internetempfang. Da waren uns eine Übernachtung einfach keine 50PLN wert. Also weiter zum nächsten – und Volltreffer. Hier ist relativ wenig los, und wir können sogar direkt am Schiffshebewerk mit dem Wohnmobil über Nacht bleiben ( 53.994901, 19.614168 ).

Zu sehen gibt es durchaus eindrucksvolle Technik. Die Schiffe werden auf einem Schlitten über die Wiese gezogen, angetrieben von reiner Wasserkraft. Dabei wird ein Höhenunterschied von etwa 100m überwunden. Der Kanal ist künstlich angelegt, deshalb dieser extra Aufwand. Alte Technik, die etwas laut ist wenn man direkt daneben wohnt, aber sie läuft ja nur tagsüber, wenn auch alle 15 Minuten oder so.

Das Ganze kann übrigens nicht nur vom Ufer aus bewundert werden, man kann auch Teil des Spektakels sein. So eine lustige Schifffahrt dauert etwas länger, aber ich denke es gibt mehrere verschiedene Touren. Die ab Elblag startende dauert angeblich 4,5 Stunden, plus Bustransfer zurück.

Elblag: Guter Campingplatz und gutes Essen

Elblag

Elblag

Am Ende vom Oberlandkanal liegt Elblag (deutsch: Elbing). Hier kann man nochmal schön Schiffchen gucken, denn die beiden Aufklappbrücken öffnen und schließen sich öfters mal, bei jedem Boot das drunter durch will. Auch sonst lohnt ein Bummel durch die Stadt: es gibt eine große, alte Kirche mit begehbarem Turm, ein leckeres griechisches Restaurant mit kreativem Koch, diverse Eisdielen stehen für den Nachtisch zur Auswahl.

Ab Elblag ist auch eine Schiffstour auf dem Oberländer Kanal möglich. Das Städtchen ist jetzt nicht so wahnsinnig groß, daher ideal für einen Tagesausflug. Interessanterweise erkennst du am kanal ob gerade Ebbe und Flut ist, und das obwohl die polnische Ostsee ein gutes Stück weit entfernt ist. Der Wasserstand unterscheidet sich um einige Zentimeter, man erkennt die Gezeiten hier fast besser als an der Ostseeküste direkt.

Campingplatz Elblag: zentral und gut

( 54.15365, 19.39374 )
Wunderbar übernachten kann man auf dem Campingplatz in Elblag. Er liegt am Kanal, und mit etwas Glück ergatterst du auch einen Platz direkt am Wasser. Ein liebevoll, familiengeführter Platz, mit außergewöhnlich guten Sanitäranlagen, Wlan, Ver-/Entsorgung, Küche, Waschmaschine … Alles da. Der Platz kann aber auch recht schnell voll werden, nämlich dann, wenn Wohnmobilreisegruppen eintreffen. Elblag scheint ein Anlaufpunkt für diese zu sein. Vielleicht auch, weil hier Schiffstouren auf dem Kanal und über die Schiffshebewerke angeboten werden.


Polnische Ostseeküste: Ganz im Osten der Danziger Bucht

Polnische Ostseeküste

Polnische Ostseeküste

Nach ein paar Tagen Stadt und Campingplatz zieht es uns weiter, dann bevorzugen wir die Ruhe und stehen gerne frei. Nach ungefähr fünf Wochen Polen wollen wir endlich die polnische Ostseeküste erreichen. Angesichts der Bilder von überfüllten Stränden an der westlichen polnischen Ostsee zieht es uns an den östlichen Punkt, genauer gesagt auf die Frische Nehrung. Sie liegt am Rande der Danziger Bucht und unser ausgesuchter Strandparkplatz liegt nur 3 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Auf dem Weg dorthin fahren wir durch kleine Städtchen, in denen die Hölle los ist. Die Hauptstraßen sind von Verkaufsbuden gesäumt, viele Menschen laufen und radeln durch die Gegend, Autos schleichen vor mir her, auf der Suche nach einem sehr günstig gelegenen Parkplatz. Drei solcher Käffer, dann wurde es besser. Und die Straßen schlechter. Dies ist ohnehin ein gutes Indiz dafür, dass man im Norden von Polen auf dem richtigen Weg ist: umso schlechter die Straße, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Zielort nicht überlaufen ist. Und so war es auch in Nowa Karczwa. Der letztmögliche Parkplatz, und man darf auf ihm übernachten, für 20 PLN am Tag. Unsere Rechnung geht auf: hier hat es zwar auch einige Touristen, jedoch weitaus weniger und sie verteilen sich ganz gut. Gegen Abend wir der Parkplatz auch langsam leer, es stehen nur noch wenige Wohnmobile hier ( 54.42825, 19.60271 ) .

Bei der morgendlichen Gassirunde haben wir den gesamten Strand für uns ganz alleine. Zum Nachmittagsessen begeben wir uns ins Strandrestaurant, das einfache, gute und günstige polnische Küche bietet (Zurek-Suppe und frittierten Fisch). Das Wetter ist wieder schön, der Internetempfang gut – hier können wir in Ruhe arbeiten, spazierengehen und chillen. Wir bleiben ein paar Tage – bis uns das Bargeld ausgeht um dem Parkplatzmensch seine täglichen 20 PLN zu geben. Also eigentlich 40 PLN, wir sind ja mit zwei Autos unterwegs.

An die polnische Ostsee mit Hund? Ja, bitte

Wenn du mit Hund unterwegs bist, dann ist die Danziger Bucht die richtige Wahl für euch. Am ewig langen Strand finden sich genügend Abschnitte ohne jegliche Beschränkungen oder Menschen, die sich an deinem Hund stören könnten. Aber auch in zentralerer Lage sind Hunde kein Problem. Es laufen viele am Strand rum. Dass man ein wenig aufpasst, etwas Abstand zur Großfamilie nebenan hält, ist ja ohnehin selbstverständlich.

Mit dem Hund auf den Campingplatz war bisher nie ein Problem. Auch kosten Vierbeiner wenig bis nichts: meist nur 5 Zloty, was etwa 1,15€ sind.


Danzig: Sehenswürdigkeiten alle paar Meter. Und Bernstein.

Kommen wir zu einem Highlight an der polnischen Ostsee: Danzig (poln. Gdansk), eine wunderbare Stadt.

Wo liegt Danzig? In der Danziger Bucht.

rechtstädtische Rathaus in Danzig

Blick auf’s rechtstädtische Rathaus in Danzig

Die östliche Stadt an Polen’s Ostsee liegt im linken Bereich der Danziger Bucht, vor ihr liegt die Halbinsel Hel. Hier mündet die Weichsel in die Ostsee. Im Ballungsraum Danzig leben über 1,2 Mio Menschen, was uns Naturliebhaber normalerweise abschrecken würde – zu groß für uns. Aber, man hat uns überzeugt dass Danzig ein Besuch wert ist. Sie haben Recht behalten.

Die Altstadt von Danzig: begehbare Geschichte

Imposante Bauwerke prägen die Danziger Altstadt. Im Zentrum steht das Rechtstädtische Rathaus, welches ich erst für eine Kirche hielt – mit Türmchen und so sah es für mich danach aus. Hier findest du die „Hauptmeile“ der Fußgängerzone. Straßenkünstler, kleine Schmuckstände, Restaurants und Eisdielen, ein buntes Treiben in historischer Kulisse.

Marienkirche

Marienkirche Danzig

Marienkirche Danzig

Normalerweise sind wir keine Kirchgucker, aber die sollte unbedingt auf dem Besichtigungsprogramm stehen. Erst einmal hoch auf den Kirchturm, rund 400 Stufen gilt es hochzusteigen. Die Aussicht ist gigantisch. Wieder unten angekommen findest du eine Kirche, voll imposanter katholischer Kunst, einer riesigen Orgel, einer astronomischen Uhr … Einfach besuchen!

Nationales Meeresmuseum

Liebhaber von Schiffen, Technik und Geschichte kommen hier auf ihre Kosten. Einfach ein Kombiticket für 18 PLN lösen, und du kannst das Meeresmuseum, das Fachtschiff und das Krantor besuchen. Das Museum selbst ist sehr groß. Ich fand es nicht sonderlich spannend. Dank ausgefeiltem Rundkurs kann man leider auch nicht abkürzen. Aber, es ist sehr detailverliebt gestaltet. Es folgt ein Besuch auf der Soldek, ein ausgedientes Frachterschiff. Auch hier ein Rundkurs, aber interessanter. Zuletzt darf das Krantor besichtigt werden. Ein Kran, mit dem Schiffe ent-/beladen wurden. Angetrieben von Menschen im übergroßen Hamsterrad. Dieser Rundkurs ist etwas kurzweiliger, und kürzer.

Man merkt vielleicht, mein Fall war das Alte-Schiffe-Technik-Museum nicht gerade. Fehlt mir doch der Bezug und das Interesse zu dieser Art von Geschichte. Aber gut aufbereitet, restauriert etc. war das Ganze auf jeden Fall.

Mariengasse

Das Krantor ist auch ein Einfallstor, in die Welt des Bernsteins: In der Mariengasse findest du einen Verkaufsstand nach dem anderen. Imposant, was man aus Bernstein so alles machen kann. Der ideale Ort um ein Andenken oder etwas schönen Schmuck zu kaufen.

Alte Markthalle

Sie war ursprünglich ein auserkorenes Ziel: die alte Markthalle hat mich shoppingmäßig leider etwas enttäuscht. Im Erdgeschoss gibt es Lebensmittel-Läden, Metzger, Bäcker, Süßkram. Erdgeschoss sowie Obergeschoss beheimaten  Klamottenläden. Aber eher jene der weniger trendigen Art. Wäre die Rumschlepperei nicht gewesen, wäre der Obst- und Gemüsemarkt vor der alten Markthalle genial gewesen um sich mit Essen einzudecken: die Auslage sah sehr verführerisch aus.

Urlaub in Danzig: Stadt, Strand, Geschichte

Wir haben nur einen Bruchteil von Danzig erkunden können. Zumal auch die Umgebung einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, wie beispielsweise die Westerplatte. Doch dafür bedarf es etwas mehr an Zeit. Wenn du einen Urlaub mit Stadt, Strand und Geschichte verbringen möchtest, ist Danzig das ideale Urlaubsziel. Und zwar unabhängig davon ob du mit dem Wohnmobil reist oder andersweitig übernachtest. So gibt es wie sonst auch in Polen auf dem Campingplatz nette Holzhäuschen zu mieten, aber auch Ferienwohnungen. Selbstverständlich hat Danzig wie auch alle anderen Städte an der polnischen Ostseeküste eine große Auswahl an Hotels zu bieten. Und es muss ja nicht zwingend eine Unterkunft direkt in Danzig sein. Soppot oder Gdynia wären ebenfalls eine gute Ausgangsbasis, für einen entspannten Urlaub am Strand, mit Abstechern in die große Stadt. Also ich könnte in der Danziger Bucht locker eine Woche Urlaub verbringen.

Für eine grobe Planung lohnt ein Besuch auf der offiziellen Seite, hier siehst du alle Sehenswürdigkeiten von Danzig auf einen Blick. Es gibt auch eine neumodische Lösung für unterwegs: die App „gdansk4u Mobile“ und Barcodes zum Einscannen bei verschiedenen historischen Fixpunkten. Letzteres haben wir aber nicht ausprobiert.

Plaza Stogi & Campingplatz No. 218

( 54.37, 18.73031 )

Campingplatz Stogi / Danzig

Campingplatz Stogi / Danzig

Ich finde, dass „Stogi“ eine ideale Basis für einen Urlaub in Danzig darstellt. Zum einen wegen dem Strand, inklusiver seiner Restaurants, Eisbuden, und dem Kinder-Abenteuerspielplatz, ein halber Jahrmarkt. Die S-Bahn hält direkt vor dem Campingplatz, fährt alle fünf Minuten, kommt nach 20 Minuten in der Altstadt an und kostet gerademal 3,80 PLN pro Fahrt. Bei heißen Temperaturen empfiehlt sich ein Spaziergang im direkt angrenzenden Wald, immer den Dünen entlang – kurze Abstecher zum Strand inklusive.

Direkt hinter dem Plaza Stogi gibt es zwei Campingplätze. Wir waren auf dem linken, No. 218. Einfach, weil uns der andere enger erschien. Es war eine gute Wahl: saubere Duschen, ein gutes, einfaches Restaurant, moderate Preise. Mit den Hunden raus aus dem Platz, schon beginnt die Gassirunde im Wald. Links abbiegen, über die Dünen, stehst du am Strand, der alles andere als überlaufen ist. Die Preise auf dem Camping sind moderat (ca. 20 PLN pro Fahrzeug und Mensch, 5PLN pro Hund, zzgl. Strom). Wir hatten einen Wasserhahn und eine Sitzgruppe mit Sonnenschirm auf dem Platz, Waschmaschine sowie Restaurant praktischerweise direkt nebenan.

Tipp: vor der Anmeldung einen netten Platz vorher raussuchen, sonst bekommt man irgendeinen zugewiesen. Wir sind bereits um 10 Uhr morgens eingecheckt, wollten den Tag nutzen für eine erste Besichtigung von Danzig. Mussten deshalb einen ganzen Tag extra bezahlen, normalerweise ist Checkin ab 16 Uhr. Auschecken würde ich recht früh, denn gegen 10 Uhr war die Warteschlange sehr lange. Die Mitarbeiter sind nett, aber nicht gerade die schnellsten.


Mein Fazit: Masuren und polnische Ostseeküste sind eine Reise wert

typisch polnische Küche

Suppe im Brot – typisch polnische Küche

Ja, ich finde es wirklich schön in Polen, sogar in den touristisch erschlossenen Gebieten. Als besonders angenehm empfinde ich, dass man nicht abgezockt wird. Ob Strand oder Stadt, preiswert essen gehen ist immer möglich. Selbst in edleren Gegenden liegt das Preisniveau unter dem, was wir in Deutschland gewohnt sind.

Das Gerücht, dass Freistehen in Polen nicht erlaubt wäre, hält sich hartnäckig. Fakt ist: auch, wenn es theoretisch verboten ist, es kümmert niemanden. Nur einmal wurden wir darauf hingewiesen dass wir bitte wegfahren möchten, aber da sind wir wohl auf einem Privatgrundstück gestanden. Aus Versehen, es waren keine Schilder ersichtlich. Gerade die kleinen Seen sind perfekt zum frei stehen mit dem Wohnmobil, in ganz Polen. Es gibt meist sowas wie einen Parkplatz, öfters auch Mülltonnen. Einheimische verbringen den sonnigen Tag mit Baden, werfen die Angel aus, übernachten in ihren Wohnwagen oder Zelten. Laden einen auch schonmal mit ans Lagerfeuer ein. Polnische Würste schmecken am Stock gegrillt übrigens am Besten.

Die Polen sind sehr nett und aufgeschlossen. Jung wie alt, sie grüßen dich, obwohl du offensichtlich nur ein Tourist bist, sie suchen interessiert das Gespräch. Öfters mal fand ich es auf unserer Rundreise durch Polen schade, dass ich kein polnisch spreche. Denn gerade ältere Polen können leider nichts außer polnisch. Was sie freilich nicht davon abhält dich zuzutexten 😉

Uns wird unsere Rundreise durch Polen in guter Erinnerung bleiben. Sieben Wochen sind natürlich zu kurz um alles sehen zu können, aber das ist ja auch nicht unser Anspruch. Wir haben uns ein Bild machen können. Und das ist so positiv, dass wir gerne wieder kommen werden.


Karte: Einige unserer Stopps in Masuren & Danziger Bucht


Upps.

Upps.

Museumsschiff Soldek in Danzig

Museumsschiff Soldek in Danzig

Aufklappbrücke in Elblag / Oberlandkanal

Aufklappbrücke in Elblag / Oberlandkanal

Oberländischer Kanal / Rollberge

Oberländischer Kanal / Rollberge

Polnische Ostseeküste im Juli

Polnische Ostseeküste im Juli

Wochenende an der Ostsee: Unlustige Ortsdurchfahrten

Wochenende an der Ostsee: Unlustige Ortsdurchfahrten

Hilter's privater Bunker

Hilter’s privater Bunker

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