Noch vor wenigen Jahren hätte ich dir folgendes empfohlen: Suche dir eine kleine, aber feine Nische, und am Besten noch eine passende Keyworddomain dazu. Also eine Domain, die den primären Suchbegriff beinhaltet. Und ja, diese Strategie kann auch heute noch funktionieren. Jedoch haben sich verschiedene Parameter geändert.

Einerseits die Rankingkriterien von Google’s Algorithmus.

Andererseits meine Einstellung zu recht namenlosen, profillosen, kleinen Webprojekten – in denen kaum Herzblut steckt. Bei denen ich froh bin wenn sie von alleine laufen. Schon deshalb, weil ich keine Lust habe mich mit ihnen zu beschäftigen. Was fehlt ist die Leidenschaft, das Identifizieren mit einem Projekt und einer Marke. Hinzu kommt noch die pure Langweiligkeit so manch einer Nischenseite, die ich vor Jahren aufgebaut habe: Autoversicherung oder Kreditkarten, dazu ist irgendwann einfach alles gesagt. Teilweise auch schon mehrmals. Da gibt es auch nicht viel Neues, das wirklich spannend wäre.

Anders verhält es sich mit Projekten, bei denen ich etwas freier sein kann – beispielsweise bei der Themenwahl des nächsten Artikels. Solch ein Projekt ist beispielsweise crosli.de. Hier kann ich Artikel schreiben wie sie mir gefallen und einfallen. Einfach, weil crosli entsprechend breit aufgestellt ist. Ich bin nicht eingeschränkt auf ein bestimmtes Thema oder gar einen Suchbegriff. Das Projekt begleitet mich über einen längeren Zeitraum hinweg, es geht um weitaus mehr als nur einmal Content zu produzieren. Das macht es leichter, weiterhin Energie in das Projekt zu stecken, motiviert zu bleiben. Zu sehen, wie das Projekt wächst und an Profil gewinnt, die Kommunikation mit den Usern, dies führt zur Identifizierung mit einer Marke. Mal so im Marketing-Chargon gesprochen. Anders gesagt: Es steckt Herzblut im Projekt, viel Liebe und Arbeit. Und genau das vergessen viele Marketer: erst solltest du dich selbst mit deiner Marke identifizieren können. Das ist die beste Voraussetzung dafür, dass diese auch von anderen als positive Marke wahrgenommen wird.

Affiliateprojekt, Nischenprojekt, Lieblingsprojekt.

Ich habe sie alle: kleinste Affiliateprojekte, mittelgroße Nischenprojekte, größere themenspezifische Projekte, die klassische Firmenhomepage – und mein Lieblingsprojekt (crosli).

Die kleineren und mittleren Projekte / Nischenwebsites haben eines gemeinsam: Sie wurden einmal aufgesetzt und betextet, mit Backlinks versorgt. Ich habe mich in die Thematik einmal so richtig reingekniet. Doch müsste ich heute einen neuen Artikel für dieses Projekt schreiben, es würde mir schwer fallen. Einfach, weil ich nicht mehr so richtig im Thema drin bin. Teilweise auch nicht mehr weiß, was ich einst geschrieben habe, welcher Content also eine sinnvolle Erweiterung des Projektes wäre. Der Aufwand wäre also unverhältnismäßig hoch, die Motivation hingegen hält sich in Grenzen. Was nicht wirklich schlimm ist, schließlich sollen gerade diese kleinen Projekte ja Selbstläufer sein. Branding ist hier weitestgehend Fehlanzeige, wurde dieses allenfalls ansatzweise betrieben um Seriösität zu vermitteln. Projektname und Logo leiten sich zumeist vom Domainnamen ab, dieser wiederum vom Haupt-Keyword. Ein sich wiederholendes Muster, Webprojekte, erstellt nach einem bewährten System. Gemacht zum Geld verdienen. Kann man machen, funktioniert auch heute noch. Was du dazu brauchst: etwas Erfahrung im Projektaufbau, und einen langen Atem. Umso schwieriger (im Sinne von hart umkämpft) ein Thema ist, desto mehr Erfahrung solltest du mitbringen. Mit anderen Worten: Dein erstes Projekt sollte nicht das Thema Autoversicherung behandeln. Nimm was Leichteres. Etwas, was dich auch so interessiert.

Anders verhält es sich bei den Projekten, die einen richtigen Namen haben. Die so aufgestellt sind, dass sie mit immer neuen Content gefüllt werden möchten. Dazu zählen vor allem größere Projekte, die einfach auch nicht allzu sehr an einen Suchbegriff bzw. spezifisches Thema gebunden sind. Sondern zu denen ich einfach mal was Neues, Aktuelles, Informatives, Interessantes schreiben kann – ohne dies wirklich tun zu müssen. Diese Seiten leben zwar auch von ihrer Themenrelevanz, jedoch ist sie von nicht ganz so großer Bedeutung. Dafür kommt vielmehr das Branding ins Spiel. Das Projekt wird zur Marke. Mehr oder weniger bewusst entwickeln sich Corporate Identity und Corporate Design, gewinnt das Projekt an Profil. Diese Webseiten machen Spaß. Du erhältst Feedback von deinen Besuchern, über Kommentare, Emails oder Facebook etc.

Deine Besucher kommen nicht mehr ausschließlich über Google auf deine Seite. Du hast wiederkehrende Besucher, die dir folgen, die mitlesen und auch interagieren. Die deine Marke googlen und deine Seite weiterempfehlen.

Dies kann jetzt ein Reiseblog sein, eine Webseite übers Häkeln oder Weltverbessern. Jedem dürfte hier jetzt ein anderes Projekt vorschweben.

Markenbildung: zurück zu den klassischen Marketing-Basics?

OK, ich habe das mit dem Marketing ja mal gelernt. Aber ganz ehrlich: was da im Studium abgehandelt war theoretischer Blödsinn. Marketingexperten gehen gerne ins Detail. Hören gleichzeitig aber weder aufs Bauchgefühl noch auf Mutti.

Was du auf keinen Fall tun musst: Von Anfang an das Erscheinungsbild deiner Marke definieren. Das Einzige was wirklich fix sein sollte ist der Name. Auch, weil dieser auch gleich der Domainname wird. Und Facebook und so ( crosli >> crosli.de ) . Du machst Presse und SEO mit deinem Namen, deshalb sollte sich dieser möglichst nicht ändern. Doch Farbe, Schrift, Design usw. sind sekundär. Dieses sogenannte „Corporate Design“ kann sich auch noch im Laufe der ersten Monate entwickeln. Und wenn du in einem Jahr keinen Bock drauf hast, dann schmeißt du es einfach übern Haufen. Nennt sich dann „Relaunch“.

Du musst heute auch nicht wissen wie genau deine Webseite strukturiert werden soll. Die Struktur von crosli hat sich erst nach ca. 6 Monaten herauskristallisiert. Allerdings muss ich hierzu sagen, dass ich dieses Geschäft ja erste nicht seit gestern mache. Ich habe die Seite von Anfang an so angelegt, dass ich maximal flexibel sein kann. Besser also, du denkst dir was aus. Welche Oberthemen möchtest du behandeln? Wie möchtest du deine Person positionieren? Welche Interaktionsmöglichkeiten sollen deine Besucher haben?

Baue DEINE Marke auf: Bauchgefühl schlägt Fachidiot tot.

In meinem Primärjob treffe ich immer wieder auf Kunden, die vorher schonmal bei einer schicken Werbeagentur waren. Diese Agenturen sind nicht schlecht, aber sie passen nicht zu meinen kleinen, teils freiberuflichen Kunden. Sie sind zu teuer und ihre Prozesse sind eher auf größere Kunden ausgelegt. So kommt meist ein Marketingkonzept heraus das den kleinen Kunden wundert. Er findet sich darin einfach nicht wieder. Gerade diese Kunden fühlen sich bei mir dann besser aufgehoben. Einfach, weil ich mich zu Beginn mit ihnen einfach nur unterhalten und versuche herauszufinden was sie so machen, wie sie ticken, was ihnen selbst gefällt, wo sie mit ihrem Geschäft hinwollen. So kann ich für sie ein Logo / einen Flyer / eine Webseite entwickeln mit der sie selbst auch etwas anfangen können. Und das ist wirklich das Allerwichtigste: DU musst dein Projekt toll finden. Nur dann kannst du mit stolz geschwellter Brust anderen davon erzählen.

  • Wähle also Farben, die dir gefallen. Und nicht solche, die irgendwelche Psychologen als traurig, leidenschaftlich, grün oder sonstwas einstufen.
  • Nimm eine Schriftart, die dir gefällt. Und die du legal auf jede Art und Weise benutzen kannst.
  • Wähle einen Sprachstil, der dir entspricht. Versuche nicht, dich zu verstellen. Das hältst du erstens nicht durch und zweitens ist es auf die Dauer viel zu anstrengend.
  • Es ist mir übrigens egal wie viele Komma-Fehler und Grammatik-Fehler ich auf dieser Seite drin habe. Sie wird am Ende rund 1.500 Wörter haben, da bleiben immer ein paar Kommata übrig.
  • Werbe für dein Projekt in einem guten Umfeld. Also auf anständigen Internetseiten, in seriösen Zeitungen, auf lebendigen Foren usw. Bewerbe deine Marke nur in guter Nachbarschaft. Lass dich nicht auf Spam und Seriosität ein. Im Zweifel lass es bleiben.
  • Wofür steht meine Marke? Zeig Profil. Aber enge dich nicht ein.
Hier kommt es jetzt darauf an was du vorhast. Möchtest du dich als Experte in einer Nische profilieren? Oder dir deine Möglichkeiten etwas offener lassen? Wenn du deine Marke und dein Projekt erst einmal über Monate oder Jahre aufgebaut hast und ein Thema sehr spezifisch ist, dann wirst du es nur schwer wieder ändern können.

Hast du also ein Projekt zum Thema „Auf Weltreise ohne Geld“ aufgebaut, so wird es dir schwer fallen diese Seite um neue Themen zu erweitern. Oder gar das primäre Thema ganz zu wechseln. Es kommt jedoch darauf an wie du dein Projekt strukturiert hast. Denn von Haus aus können sich hier zahlreiche Nebenthemen ergeben. Und dennoch: wenn du mal kein Interesse mehr am Hauptthema hast, dein Publikum aber nur wegen diesem da ist, dann kannst du das Projekt einfach weiterlaufen lassen – oder in die Tonne treten. Deshalb ist es manchmal einfach besser, eine Marke nicht allzu eng mit einem Nischenthema zu verknüpfen. Einfach, weil es unflexibel macht. Schau mal ins Hauptmenü von crosli.de, und du wirst sehen was ich meine: Ich schreibe hier einfach über die verschiedensten Bereiche, einfach weil sie mich interessieren!

Durch meine Eigenheit, dass ich mich intensiv in ein Thema einlesen und mir auch gut eigene Gedanken dazu machen kann, habe ich einiges an Wissen angesammelt. Dieses gebe ich weiter, in Form von schriftlichem Content. So entsteht auf crosli.de ein recht umfassendes Werk.

Und interessanterweise schreiben mir viele User, dass sie über einen bestimmten Artikel auf crosli.de gelandet sind. Und dann hängengeblieben sind, vielleicht sogar bei einem ganz anderen Thema. So sind schon einige vom Kettlebelltraining, über den Wohnmobilausbau bis hin zum Projektaufbau gelandet. Andere zählen jetzt zu meinem Kundenkreis, auch mein neuer Programmierer kam über crosli.de. Gerade solche Sideeffects kommen nur, wenn du dich und dein Projekt, zusammengenommen eben als Marke, entsprechend positioniert hast.


Marke anmelden: am Rande erwähnt

Sich seine Marke schützen lassen, das kann sinnvoll sein. Damit kein anderer daherkommt und mit gleichem Namen aktiv ist. Noch blöder wird das natürlich, wenn Böswilligkeit dahinter steckt, der andere also im gleichen Revier wildert. Oder er selbst eine Marke anmeldet, dich dann damit erpressen will usw. Oder jemand deinen Markennamen hernimmt um sich als Pornodarsteller zu etablieren. Sachen gibt’s die glaubt man nicht. Ob das alles dann auch rechtlich Hand und Fuß hat ist eine andere Frage. Manche Angelegenheiten sind aber einfach nur nervig, lassen sich mit einer Markenanmeldung vielleicht schon im Voraus vermeiden.

Die Sache mit der Markenanmeldung ist aber auch eine Kostenfrage. Es gibt Wort- und Bildmarken, du kannst deine Marke in Deutschland schützen lassen, den Schutz auf weitere deutschsprachige Länder ausweiten, oder auf die ganze EU, oder eben auch weltweit. Du kannst es alleine machen, oder einen spezialisierten Anwalt beauftragen. Gerade wenn du ein internationales Projekt aufziehen möchtest empfehle ich dir letztere Option. Und gerne auch einen Kunden von mir, RA Ebert (siehe http://www.abgemahnt.de/rechtsgebiete/markenrecht/ ).

Die reine Markenanmeldung kostet für Deutschland übrigens 290 Euro, für die Europäische Union 900 Euro. Die Schweiz und andere Länder müsstest du dann ja noch extra anmelden.

Lass deine Marke wachsen.

Mit dem Thema Markenbildung / Branding lassen sich ganze Fachbücher füllen, einige Marketer haben sich auch darauf spezialisiert. Doch für dein kleines / mittelgroßes Webprojekt brauchst du nicht mehr. Das Erscheinungsbild deiner Webseite, wie du dich selbst dort präsentierst, welchen Content du deinen Usern zur Verfügung stellst, all das wird am Ende im Vordergrund stehen und deine Marke wird an Profil gewinnen. Fast wie von selbst.