Das Thema Geld ist ein schwieriges – insbesondere in den ersten 2-3 Jahren nach der Existenzgründung. Es wird verhältnismäßig viel investiert und reinvestiert, und wenn man denkt dass es eigentlich ganz gut läuft halten Finanzamt, Krankenkasse und Co die Hand auf. Irgendwie ist dann kein Geld mehr auf dem Konto. Weder für private noch geschäftliche Anschaffungen. Also befasse ich mich heute einmal mit der Frage welche Möglichkeiten es für Selbständige, insbesondere in der ersten Zeit nach / während der Gründung, es gibt.


Als Selbständiger einen (Privaten) Kredit beantragen? Da hast du erst einmal schlechte Karten

Du bist Jungunternehmer, dein Auto ist kaputt und du möchtest mit einem Kredit dein Budget aufbessern um nicht mit irgendeiner Gurke zum Kunden fahren zu müssen? Na viel Glück. Das dürfte allenfalls mit einem Bürgen gehen. Ansonsten hast du nämlich nichts in der Hand. „Bonität“ ist hier das Zauberwörtchen. Während Angestellte einfach ihre letzten Gehaltsabrechnungen vorlegen müssen Selbständige via Einkommenssteuererklärungen belegen, dass sie regelmäßige Einkünfte aus Selbständigkeit haben. Und diese kannst du als Existenzgründer / Jungunternehmer in den ersten ca. 3 Jahren einfach nicht vorweisen!

Und der Witz ist ja: Auch danach wird es nicht wirklich leichter. Denn bei Selbständigen werden höhere Maßstäbe angesetzt als bei Angestellten. Also selbst wenn du nur einen 5.000 EUR – Kredit aufnehmen möchtest musst du schon relativ gut verdienen. Eigentlich so viel, dass du eigentlich gar keinen solchen Kredit bräuchtest 😉


Gründen und Erweitern: geförderte Kredite für Existenzgründer

Lassen wir private Kredite erst einmal außen vor. Schließlich geht es vielen darum, in ihr Geschäft investieren zu können. Hardware, Software, Büroausstattung – es gibt vieles was bezahlt werden möchte. Hier solltest du dir erst einmal die staatlich geförderten Kredite ansehen. Sie werden normalerweise über die Hausbank beantragt und sind genau für solche Investionen gedacht. Hier können Freiberuflicher und Selbständige auch etwas höhere Summen beantragen die sie normalerweise nie bekommen würden. Und das zu günstigen Zinskonditionen. Und besser noch: in der ersten Zeit sind die Existenzgründerkredite auch noch tilgungsfrei.

KfW vergibt den ERP-Gründerkredit: ein gutes und günstiges Startgeld

Die KfW fördert Existenzgründer, und das mit einem zinsgünstigen Kredit. Bis zu 2 Jahre lang ist er tilgungsfrei, das heißt es müssen in der Anfangszeit nur die Zinsen zurückgezahlt werden. Bis zu 100.000 können hier (pro Unternehmer!) beantragt werden. Interessant ist dies natürlich auch für Unternehmensübernahmen. Dieser spezielle Kredit für Selbständige ist leichter zu bekommen als ein gewöhnlicher Bankkredit, weil es eine 80%ige Haftungsfreistellung der Bank gibt.  zum Angebot der KfW

Tipp: Gründercoaching hat Kontakte und Erfahrungen

Insbesondere wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig macht nimmt gerne ein Gründercoaching in Anspruch. Zumindest war es früher so, dass man von seinem Berater einen Gutschein erhalten hat. Doch ich glaube, das ist heute nicht mal mehr nötig, der Internetseite der KfW zufolge sind alle förderberechtigt. Dieses Gründercoaching ist auch deshalb interessant, weil du dich in Sachen Finanzierung beraten lassen kannst. Und der Gründercoach im Idealfall auch entsprechende Banker-Kontakte hat.

Kickstarter, Startnext und Co: tolle Ideen per Crowdfunding finanzieren lassen

Die zweite interessante Möglichkeit für sein Business Gelder zu beschaffen ist eher moderner Natur. Und sie setzen eines voraus: eine überzeugende Präsentation deines Projektes. Du willst etwas Großartiges schaffen und bist überzeugt davon, dass andere das auch super finden? Dann versuche doch mal, dein Vorhaben über eine Plattform wie Kickstarter.com oder Startnext.com finanzieren zu lassen. Aber eines kann ich dir gleich sagen: ganz so einfach ist das nicht. Es muss gut vorbereitet sein, die Leute wollen auch etwas Benefit für ihr Geld. Es muss mediale Arbeit geleistet werden, damit dein Projekt überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Und das Produkt muss natürlich stimmen. Du willst einen neuen Staubsauger entwickeln? Das interessiert vermutlich niemanden. Außer, er ist die neue ultimative Wunderwaffe gegen Hundehaare in der Wohnung, dann unterstütze ich dein Projekt!


Privater Kredit von der (Haus-) Bank: schlechtere Chancen, höhere Zinsen

Ich erwähnte es schon: Als Selbständiger einen Kredit von einer Bank zu bekommen ist tendenziell schwierig. Die Direktbanken haben hier schonmal günstige Konditionen im Angebot. Doch die meisten vergeben ihre Kredite erst gar nicht an Selbständige. Spätestens wenn du im Onlinerechner deinen Berufsstatus „selbständig“ eingibst dürfte der Traum vom  Billigkredit ausgeträumt sein. Etwas aussichtsreicher dürfte der Kreditvergleich für Selbständige von smava.de sein. Wie gesagt, hier sind nur entsprechende Kreditangebote gelistet. Und wenn du eine halbwegs brauchbare Bonität mitbringst kannst du hier ja mal dein Glück versuchen, die Zinssätze sind auf jeden Fall vielversprechend.

Umso schlechter die Bonität, desto schwieriger wird es Geld zu bekommen. Online brauchst du es fast gar nicht mehr versuchen, und lass dir bloß nicht einfallen bei den Kredithaien anzufragen! Eine Lösung könnte noch sein zur Hausbank zu gehen – und zwar mit einem Bürgen. Also Jemandem mit guter Bonität, meist aus dem Familienkreis kommend. Also meine Sache wäre sowas ja nicht, schließlich geht das Risiko an den Bürgen über wenn ich aus irgendwelchen Gründen den Kredit nicht mehr begleichen kann.

Wenn die Bonität nicht ausreicht: Kredit von Privat zu privat

Einen Kredit von privat zu bekommen bedeutet heutzutage nicht gleich, dass man beim Erbonkel zum Bittsteller werden muss. Es gibt ja noch das Internet. Auxmoney hat hier vor Jahren schon vor Furore gesorgt. Hier vergeben Privatleute meist kleine Beträge, und sie spekulieren gleichzeitig auf einen hohen Zinsbetrag. Umso risikoreicher die Anlage ist (also umso höher das Risiko, dass der Kreditnehmer nicht zahlen kann), desto ertragsreicher. Ist für Anleger was zum Zocken, für manche Kreditnehmer jedoch die letzte Chance. Günstige Kredite für Selbständige gibt es hier eher nicht. Vielmehr solltest du die Augen offen halten, gerade was die Gebühren anbelangt.

Dispo und Abrufkredit: halte dir den Rücken frei

Wenn du als Angestellter und vor deiner Existenzgründung mitdenkst, dann kannst du dir – zumindest bei kleineren Investitionen – die Kreditbeantragung schlichtweg sparen. Es fehlen 1000 oder auch 5000 Euro für ein neues Auto oder den Computer? Glücklich, wer hier noch einen Kreditrahmen hat – und das zu akzeptablen Konditionen. Der Dispo vom Girokonto, die Kreditkarte oder der separate Abrufkredit (gibt es bei IngDiba, heißt dort Rahmenkredit) machen es möglich. Allerdings: Als Existenzgründer oder Selbständiger sowas zu beantragen ist recht aussichtslos. Besser, du machst dies solange du dich noch in einem ungekündigten Angestelltenverhältnis befindest. Gut geplant ist halb gewonnen. Ich wüsste nicht, dass bei Inanspruchnahme nochmals nach dem Berufsstatus gefragt wird.

Mein Kommentar: Kredite für Selbständige? Gute Sache, aber heute bin ich froh, dass ich keinen habe.

Es gibt Existenzgründungen, die kommen mit wenig Geld aus. Meine war so eine. Der Arbeitsplatz im WG-Zimmer, die Möbel mittelalt, lediglich ein neuer Laptop, etwas Software und Geschäftsunterlagen mussten her. Wobei schätzungsweise die Hälfte eher rausgeworfenes Geld war. Aber auch sowas macht man bei einer Existenzgründung: man lernt aus Fehlern.  Meine Investitionen hielten sich also in Grenzen. Und ich brauchte kein fremdes Geld, vermutlich hätte ich auch keines bekommen. Aus heutiger Sicht bin ich froh darum. Denn es gibt viele Existenzgründer, die sich vom billigen Geld haben locken lassen. Zu verführerisch waren Tilgungsfreiheit und Minizins.

Ich kenne ein paar Selbständige, denen wurde genau dies zum Verhängnis. Erstmal einen Existenzgründerkredit aufgenommen, davon schicke Geräte (Applecomputer, Plotter, Firmenwagen) gekauft und ein hippes Büro eingerichtet. Dabei haben die genau das Gleiche gemacht wie ich! Und dann, nach 2-3 Jahren, ist alles den Bach runtergegangen. Die laufenden Kosten hoch, die Einnahmen mittel. Denn man muss ja nicht nur die Kreditraten tilgen und Zinsen zahlen, sondern auch Mieten fürs hübsche Büro, Unterhalt fürs flotte Auto usw. Und wenn dann noch das Finanzamt kommt und eine saftige Nachzahlung UND Vorauszahlungen sehen möchte, dann das Gleiche nochmal von der Krankenkasse …  Plus Gewerbesteuer, Steuerberater, Handelskammer, …

Dann stellt man fest, dass es wirklich schwierig ist als Selbständiger einen Privatkredit aufzunehmen. Und dass es unbezahlbar ist, die Eigenverantwortung über seine Finanzen zu übernehmen, und diese vielleicht nicht vollständig an einen Steuerberater abzugeben. Drei Jahre, dann ist für viele Existenzgründer Schluss. Einfach, weil sie es nicht mehr finanziell schaffen. Und angefangen hat alles mit einem Existenzgründerkredit. Wobei ich diesen jetzt nicht schlecht reden möchte. Nur solltest du dich fragen, ob und wofür du ihn wirklich brauchst.

Kredit aufnehmen oder die Tugend des Sparens neu entdecken

Ich mache jede Wette, dass ein Großteil der Kredite, die Selbständige aufnehmen in erster Linie dem Image dienen. So nach dem Motto „Ich muss beim Kunden ja mit einem standesgemäßen Auto vorfahren“. In Ordnung, aber muss es ein BMW sein? Geht nicht auch ein Ford? Oder kann man sich nicht auch einen Mietwagen nehmen, oder das Auto des Onkels ausleihen, für die paar Termine beim Kunden? Es sollte doch immer auch ein Kosten-Nutzen-Effekt vorhanden sein. Muss es ein Apple-Computer sein? Ein 3D-Drucker? Ein iPhone? Ja natürlich kann es das sein müssen. Aber musst du dir solche Geräte unbedingt von geliehenem Geld kaufen? So etwas kauft / gönnt man sich wenn das Geld dafür auf dem Konto ist. Ansonsten tut es doch auch ein ganz normales Smartphone. Mein 100-Euro-Lumia jedenfalls läuft einwandfrei!

Wo ebenfalls viel Geld drin steckt, gerade bei Jungunternehmern: im Büro. Sicherlich, als Grafiker ist ein High-End-Computer das wichtigste Arbeitsinstrument überhaupt. Doch muss es auf einem 1.000-Euro-Schreibtisch stehen? Ich habe mir einen DIY-Schreibtisch zusammengebaut. Ein 2,50 Meter langes Teil, maßgeschneidert. Kostenpunkt: 200 Euro im Baumarkt. So etwas selbst Gebautes macht manchmal mehr Eindruck als was Gekauftes. Und wenn es knapp mit dem Geld ist dann spart es einen Kredit 😉

Kleine Kredit-Checkliste zum Nachdenken:

  • Brauche ich den Kredit wirklich zur Ausübung meines Jobs? Oder ist es eher mein Ego in das ich investieren möchte?
  • Kann ich den Kredit vorzeitig auslösen, damit ich mich schuldenfrei machen kann wenn es gut / besser bei mir läuft?
  • Upps, ich habe doch schon Schulden! Möchte ich wirklich noch mehr machen?
  • Kann ich den Kredit auch dann noch abbezahlen wenn mein Business schlechter läuft? Wenn mir ein wichtiger Kunde abspringt oder ich für längere Zeit krank im Bett liege?
  • Was riskiere ich alles wenn ich den Kredit nicht bedienen kann und wie kann ich mich und meine Familie dafür schützen? (Stichwort Risikolebensversicherung / Ausfallversicherung)
  • Gibt es nicht noch eine andere Möglichkeit als KAUFEN? Ausleihen, im Kollektiv investieren und sharen, …